.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Wyatt Russell

Operation: Overlord


© 2018 Paramount Pictures Germany GmbH

 

Neuerdings hat man die Macke, in diverse .trailer bereits von Beginn an den Filmnamen als Wasserzeichen einzublenden. Der Zuschauer hockt im Kino, sieht irgendwas komisches, was er nicht kennt und denkt sich dann einfach seinen Teil:

Wieso blenden die sofort den Filmtitel ein? Damit entfleucht die ganze Spannung, welcher geile Titel uns da gerade vorgestellt wird. Haben die etwa Angst, dass man ihre Bilder klaut und anderweitig verwendet? Aus einem fucking .trailer? Ist der Film so schlecht, dass man jetzt explizit jeden einzelnen Bildframe beisammen halten will, so dass findige Nutzer nicht etwa Screenshots aus dem .trailer exkludieren und anderweitig verwenden, so dass auf wirklich jedem einzelnen Bild der Name des Films mit drauf ist? Unverwechselbar dank Wasserzeichen quasi? Für Kinokenner ehrlich gesagt eher ein Armutszeugnis als eine Bereicherung.

Was zur Hölle soll das?

Eben diese Geschichte hat mir die Vorfreude auf diesen Film ziemlich vermiest. Und dementsprechend niedrig waren meine Erwartungen, die bei “Horror im Kino” ja sowieso schon unterirdisch sind. Bei all dem, was die ganzen letzten Jahre abgeliefert wurde, was soll da schon kommen?

Projekt: Overlord!

Und meine Augen sehen ungefähr so aus: O_O

Wie krass ist das bitte? J.J. Abrams ist dank Star Trek und … Wars jetzt auch nicht zwingend als der beste Horror-Produzent bekannt, sondern eher in der Super 8-Kids-Frightening-Schiene zu verankern, also waren auch da keine großartigen Erwartungen da … und vielleicht ist das das beste, was ihr tun könnt? Einfach ohne Erwartungen da rein gehen?

Was man kriegt, ist nämlich so alles andere als übel, dass ich diesen Film jetzt schon als Emporkömmling der Horror-Szene feiere und ihm Bestnoten attestiere. Horror ist ja eh immer so ein belächeltes Nischenprodukt, dass die Masse frenetisch ignoriert und auch die Szene-Freunde nur im Home-Entertainment-Kino ansprach, wenn überhaupt. Was man hier bekommt ist aber kein Horror. Nicht, was man ursprünglich erwartet.

Es ist besser.

Viel besser!

Sucht euch Atmos®-Säle! Sucht euch große Leinwände. Ordert beim Kinopersonal, den Beat hochzuschrauben. Hockt euch in die Mitte. Schnallt euch an. Haltet euch an den Lehnen. Sperrt eure Augen auf. Putzt eure Ohren. Und dann lasst den Film starten!

Solch ein Momentum in einem “billigen Nazi-Abklatsch” zu erleben, die Stimmung, die man dort erzeugt, die Bilder, mit denen man um sich wirft, sind alles andere als B-Movie!!!

Eingefleischte Gamer-Fans können erraten, worauf die Sache hinaus läuft, denn dieses Thema bringt auch in Overlord nichts überraschendes auf den Plot-Plan, die Umsetzung, der Sound (Jed Kurzel – ich liebe diesen Mann seit Assassin’s Creed!) ist grenzgenial und man hat am Ende nicht das Gefühl, hier nicht in einem Blockbuster gehockt zu haben. Irgendwie passt alles. Dieser Streifen kriecht aus seinem dunklen Szene-Loch hervor und macht Horror endlich mainstreamtauglich, ohne dabei zu enttäuschen.

Lange habe ich gewartet, dass in dieser Subebene endlich solche anspruchsvollen Bilder geliefert werden, und die bringt man – von Anfang bis Ende!

Es ist zu geil, dass man all den verschimmelten Bockmist, den man uns hier seit Jahren präsentiert hat, nun so aufgeledert präsentiert und ich feiere es, dass der Titel nun endlich regulär auf den Leinwänden ist und ich erneut die Vorstellungen stürmen kann.

Und genau das solltet ihr auch tun!

 

.kinoticket-Empfehlung: Revolutionär in seinem Genre: Operation: Overlord räumt mit dem Nischendasein des B-Movie-Horrorfilms auf und torpediert sich mit unfassbaren visuellen Momenten an die Spitze des Mainstream-Kinos.

Hier steckt Kohle, Können und starke Produktion dahinter, das merkt man dem Film zu jedem Zeitpunkt an. Wer sich vom .trailer abschrecken hat lassen, sollte sich vom Film wieder zurückerobern lassen, denn der trägt düstre Früchte in sich, die sich in meinem Kreislauf seither genüsslich ausbreiten. Endlich lohnt sich Horror im Kino mal wieder!

 

Nachspann
❌ trumpft nicht mit weiteren Szenen auf, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: Overlord
Length: 110 Min.
Rate: FSK 16

Table 19 – Liebe ist fehl am Platz

Dieser Film besticht durch seine komplette Andersartigkeit sowohl in der Auswahl des Themas, als auch in seiner Art, die Dinge zu erzählen. Wenngleich die großen Köpfe des verbalen Intellekts hier auch ihre Schwierigkeiten haben mögen, so entfaltet dieser Titel dennoch eine ungewohnte, völlig absurde und dadurch absolut interessante Plattform, auf der man sich eines Themas annimmt, von dem der normale Zuschauer denkt, dieses gehöre wohl kaum als Hauptaugenmerk auf die Leinwand.
Dass genau dies passiert, macht diesen Streifen zu einem sehenswerten Konstrukt, denn man findet sich mal nicht in den üblichen platten Klischee-Zelebrierungen wieder, sondern widmet einen ganzen Spielfilm einer Gruppe, die sonst außen vor bleibt.
Dass man da jetzt keine schauspielerischen Offenbarungen oder horizonterweiternde Erlebnisse erwarten braucht, ist glaube ich jedem von Anfang an klar. Dass der Besuch eines Lichtspieltheaters trotzdem lohnenswert ist, bezeugt allein schon die Tatsache, dass diese wirklich derb komischen Vögel gemeinsam besser belacht werden können, als zu Hause auf der heimischen Couch.
Und der Spaß kommt mit dem Tun: Im Laufe der Zeit entwickelt der Plot immer mehr Eigenständigkeit und kommt durch seine skurrilen Ausführungen ins Rollen, auch wenn das groß erwartete Finale eher unspektakulär wirkt, so gehört genau dieses Ende auch wieder der Zielgruppe an, um die es hier geht.
Es ist nicht der Inhalt oder die Pointe, sondern vielmehr die Tatsache, warum dieser Film gedreht wurde, der uns einen Spiegel vorhält und zeigt, dass eben nicht nur die üblichen Verdächtigen auf einer Leinwand Platz haben, sondern man auch ganz andere Materie hernehmen kann, um diskussionswürdigen Stoff zu produzieren.
Mit Table 19 schickt man da einen Film ins Rennen, der durchaus kritisch begutachtet werden darf und den man sich gerne als Grundlage für weitere Gespräche ranziehen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet nichts normales, sondern stellt euch einfach auf eine völlig andersartige Überraschung ein, dann wird es auch keine Enttäuschung.
Die Nische, in der man hier wandelt und die gekonnte Nicht-Inszenierung dessen, was eigentlich jeder erwartet hätte, lässt aufleuchten, dass hinter den Absichten mehr steht, als man eingangs vermutet.
Definitiv eine interessante, aufschlussreiche Erfahrung.

 
Nachspann
Aufstehen, anziehen, rausgehen – hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 17. August 2017

Everybody Wants Some!!

Willkommen in den 80ern. Willkommen bei Everybody Wants Some!!

Mit diesem Stück Filmgeschichte entführt man die Zuschauer zurück in vergangene Jahrzehnte und lässt erneut den Kult der 80er aufleben, wenngleich man es auch eher als späte Vorstellung der Endsiebziger bezeichnen könnte, da sich das Wesen des Films nicht an den Dingen orientiert, die die meisten mit den 80ern in Verbindung bringen.

Dennoch rührt man mit großem Können den Cocktail vergangener Tage an und erzählt die Geschichte junger Männer auf ihrem Weg ins Leben. Getrieben von den üblichen Problemen, mit denen angehende Collegestudenten zu kämpfen haben, begleitet man hier eine Truppe von Jungs auf dem Weg zum Erwachsensein.

Richard Linklater erschafft nicht nur ein Meisterwerk jugendhafter Erfahrungen, sondern entführt mit authentischer Detailverliebtheit in ein Jahrzehnt, an das sich viele gerne zurückerinnern und lädt somit zum Schwelgen in historischen Erinnerungen ein. Der ungetrübte Stil, der sich in Musik, Disco, Erfahrungen, Schallplatten, Haarschnitten und vielen anderen Wesenszügen auszeichnet, dominiert hier nicht nur das Szenenbild, sondern erschafft eine Aura, die einen für 117 Minuten tatsächlich zurück in das Jahrzehnt katapultiert, in dem ich geboren wurde.

Dieses Werk ist fast schon eine kulturträchtige, musikalische Hommage an die späten 70er, die diese Zeit und seine unverkennbaren Merkmale zelebriert und ausschmückt. Und genau wie heute widmete man sich damals auch eher den unterhaltsameren als den sinnstiftenden Dingen und stolperte eher ins Leben als wissende Schritte zu gehen, die auf Erfahrungen anderer basierten.

Dieser Film ist ein Feelgood-Movie, der sich nicht nur mit typischen Elementen dieser Zeit abgibt, sondern auch Grenzen, Rivalitäten, Selbstfindung und andere wichtige Komponenten des Lebens behandelt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man aus dieser Vorstellung wieder heraustritt, ist man berauscht von einem Jahrzehnt, das langsam in Vergessenheit zu geraten scheint.

Linklater erschafft hier ein zeitgeschichtliches Wunder und lässt den Geist der 70er erneut aufleben. Detailverliebt und authentisch hat man hier sorgsam nach Requisiten und anderen zeitgeschichtlichen Dingen geforscht, die ein so dermaßen überzeugendes Abbild dieser Zeit wiedergeben, dass man sich nach dem Abspann kaum von dem Film verabschieden kann.

Die Musik ist fantastisch und brilliert neben unzähligen anderen Dingen. Insgesamt zeugt dieses Werk davon, dass die Macher ihr Handwerk tatsächlich verstanden haben und man nicht nur vom Hörensagen aus dieser Epoche berichtet.

 

Nachspann
sollte man sich ruhig antun, hier werden die Darsteller nochmals in einem lustigen Musikvideo vorgestellt.

Kinostart: 2. Juni 2016

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén