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Tag: Würde

Dogman

Dogman
© 2018 Alamodefilm

 
Dogman – Filme mit “Dogs” im Titel versprechen immer, wahre Insider zu werden: Reservoir Dogs, Dobermann… Doch nicht nur die USA oder Frankreich können böse, auch Italien leistet seinen Beitrag dazu und liefert hier gleich noch die Verfilmung wahrer Ereignisse, nur in sehr viel gutartiger, als die Realität gewesen ist.
Dogman besticht durch seinen einzigartigen, originalen Charme, den in meinen Augen nur das Original liefern kann: Also beherzt euch selbst (sofern es die Verleihe nicht schon getan haben) und verbannt die deutsche Synchronisation aus dieser Welt. Diese Stimme, der dazu passende Charakter, der morbide Wandel eines Menschen … all das kann Marcello Fonte nur in seiner wahrhaften Gestalt liefern und ich glaube nicht daran, dass irgendwer – und sei er noch so gut – diesen Geist und dieses Wesen glaubwürdiger darstellen könnte, indem er ihn synchronisiert.
Ich habe den Film inzwischen mehrfach in OmU gesehen und bin jedesmal davon überzeugt gewesen, dass eine Synchronisation den kompletten Film mit einem Fingerschnippen zerstören wird. Nicht umsonst ist er bereits mit Bester Darsteller geehrt worden – und da darf sich die Nischenfraktion gerne rein hocken und ihn so genießen, wie er gedacht war.
Und das sollte man auch tun, auch wenn die italienische Geschwätzigkeit für manchen zeitweise etwas schwer erträglich sein wird: Es ist ein echtes Unikum und verdient, im Kino gesehen zu werden.
Die Erzählung ist gleichermaßen erschreckend wie faszinierend, und der Fakt, dass in Wahrheit noch viel schlimmere und ausartendere Dinge passiert sind, zeugt einmal mehr davon, was für ein Monster der Mensch wahrhaftig ist. Und die klassische Frage: “Wer ist gut, wer ist böse und warum?” regt sowas von zu Diskussionen an, die über die Werte und das Wesen menschlicher Spezies philosophieren lassen … Nischenfraktion eben.
Und damit der dann noch ein bisschen bekannter wird, ist Dogman die Einreichung Italiens für den Best Foreign Language Film der 91st Academy Awards 2019.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein echtes Original, dass nur in OmU lebt und niemals nie in einer synchronisierten Fassung angesehen werden sollte.
Die würde den kompletten Film nämlich einfach zerstören, weil dadurch das Wesen von Fonte kaputtgemacht wird. Der Inhalt und die faszinierende Wandlung offenbaren einmal mehr das Wesen der Menschheit.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 18. Oktober 2018
Original Title: Dogman
Length: 102 Min.
Rate: FSK 16

The Girl with all the Gifts

Ich hab Angst. Der Film ist gerade erst ins Kino gekommen und dümpelt bereits von Anfang an in den 23 Uhr Vorstellungen rum, die erfahrungsgemäß sowieso keiner großartig besucht.
Ich verstehe, weshalb man als Kinobetreiber darum ersucht, solche Filme in eben jene Zeitschienen zu schieben, weil sie aufgrund ihrer Inhalte schlichtweg früher fehlplatziert wären.
Ich erkenne das Dilemma, hier auf Jugendschutz zu achten und gleichzeitig das Kunststück fertig zu bringen, etwas derartiges überhaupt zu screenen.
The Girl with all the Gifts verschlägt mir gerade derartig die Sprache, dass ich nicht weiß, was ich überhaupt dazu sagen sollte, außer sprachlos mit dem Maul zu klappern und in richtung Kino zu brüllen.
Leute – das ist mit Abstand der BESTE Horrorfilm, den ich in diesem ganzen Kinojahr (beginnend mit dem April letzten Jahres) überhaupt je gesehen habe.
Wie sehr bin ich ständig auf der Suche nach all den Elementen, die man hier nicht nur feierlich miteinander vereint, sondern auf so extrem brachiale Weise gebracht hat, dass es mir nach der Vorstellung immer noch in Mark und Bein übergeht.
Wo soll ich anfangen? Und wie?
Der Film reißt. Er reißt dich so gewaltig in einen Strom von (An)Spannung, die die ganze Spielzeit über kaum abreißt. Meine Arme schmerzen immer noch.
Informationen gibt’s keine. Es passiert einfach und du sitzt die ganze Zeit davor und denkst dir: “What the Fuck?” während mit unerbärmlicher Grausamkeit und orkanartiger Stärke vernichtende Bilderstürme über dich hereinbrechen, die nicht nur mit absolutem Unverständnis, sondern einer derartigen Endgültigkeit über die gnädigen Wünsche urteilen und dich vor absolut vollendete Tatsachen stellen, die du nicht nur nicht wahrhaben willst, sondern deren Realität du wohl kaum begreifen wirst – auch nicht, wenn es denn irgendwann mal klar wird.
Warum?
Warum?
Mir fehlen einfach die Worte. Kein Gefasel. Keine Befriedigung. Keine Abfertigung irgendwelcher Massen. Kein Kommerz. Kein Gebashe. Keine Vergleiche. Kein Genörgel. Absolut keine Kompromisse.
Der Plot stellt sich jeglichen Anforderungen einfach mit seiner totalen Wahrhaftigkeit in den Weg und rumpelt alles platt, was es schon mal gegeben hat.
Die Show zieht. Und zwar sowas von. Atempausen gibt es keine. Höchstens ein paar Inseln, die sehr schnell offenbaren, dass Ausruhen als Tätigkeit nicht akzeptiert wird.
Dazu der Soundtrack. Dazu die Optik … mir kommen vor Freude und Ergriffenheit fast schon die Tränen! Es ist mit Abstand – mit Abstand der beste Horrorfilm dieser Art, der hier so klare Grenzen gegenüber allem anderen zieht und mit Dingen beeindruckt, die sonst keiner vorweisen kann. Allein schon, dass wirklich an alles gedacht wurde und die Intelligenz des Zuschauers in keiner einzigen Sekunde beleidigt wird … Meine tiefste Ehrfurcht und Verneigung vor den Machern dieser Story!
Wer jemals wissen wollte, wie ein Film aussieht, der zu absolut 100% meinen Geschmack trifft: Hier ist er. The Girl with all the Gifts.
Und wisst ihr, was der größte Scheiß daran ist?
Das Teil sprießt so dermaßen aus einer Nische heraus, dass man tausende von Kilometern zurücklegen muss, um überhaupt ein Kino zu finden, das ihn zu einer nicht existenten Tageszeit auf den Screen wirft. Und was glaubt ihr, wie lange wird sich diese Konstellation in unserer geldgierigen Weltwirtschaft wohl auf den Bildschirmen halten können?
Und genau davor habe ich Angst. Bittere Angst. Denn anschauen will ich mir das Teil nicht nur noch 10 oder 20 mal …
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr wollt einen Referenzfilm, der meinen Geschmack zu 100% trifft und völlig kompromissfrei meinen zutiefst sehnlichen Filmgeschmack repräsentiert?
Hier ist er.
Anschauen! Wenn ihr alt genug seid und genügend davon ertragt.
Und das bittere ist: Ich wünsche mir nicht nur die Filmwelt unter diesen Umständen, sondern hätte auch nichts dagegen, wenn es auf unserer Welt so zugehen würde, denn das würde bedeuten: Es gibt doch Gerechtigkeit und all unsere Sünden wären damit vergeben.
Mir hat’s die Sprache verschlagen – und ich wette, jedem von euch wird das auch so gehen, sofern ihr auf dieses Genre steht.
Ein grandioser Meilenstein perfekten Kinos. Rein!

 
Nachspann
Ruhig noch sitzen bleiben, es kommt zwar nichts mehr, aber der Sound dreht hier nochmal richtig auf.

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