Wohnung

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Buck, dem wir u.a. die Bibi und Tina-Filme zu verdanken haben, hat sich auf die Straße gewagt und einen Rennfilm gemacht. Dachte ich. Als ich auf Facebook die Titelabfrage gelesen habe und mitentschieden, wie der Film nun endgültig heißen soll.
Asphaltgorillas war auch meine finale Entscheidung gewesen, was ich allerdings, seit ich diesen Film gesehen habe, nun doch bereue. Nicht, weil der Filminhalt schlecht ist, sondern weil der Titel nun eben doch nicht so optimal passt und ein anderer Vorschlag besser gewesen wäre. Der Inhalt ist nämlich völlig entgegengesetzten Erwartungen gerecht geworden.
Aber mal der Reihe nach. Film kann Deutschland ja erst seit neuestem, nicht zuletzt das Teenie-Machwerk Das Schönste Mädchen der Welt überzeugt mit einer technischen und vor allem inhaltlich- und sprachlichen Eleganz, wie man sie von deutschen Filmschaffenden eigentlich sonst nicht kennt. In etwas älterer Vergangenheit gab es schon einmal “Frankfurter Milieu”-Filme, die ebenfalls ganz brauchbar sind – Nur Gott kann mich richten ist da nur ein Beispiel davon.
Man arbeitet sich also langsam nach oben und merkt, dass ernsthaftes Kino durchaus seine Abnehmerschaft findet und man sich gerne auch ohne auf zwanghaften Humor setzen zu müssen hinter die Kamera stellen und Filme drehen darf.
Hat Buck gemacht. Und irgendwie packt einen der Film ob seiner technischen Raffinesse und Eigenart doch relativ schnell. Auf eine seltsame Art und Weise. Natürlich muss man konform gehen mit den schon im Vorfeld plakativ präsentierten Darstellern, muss eine gewisse Vorliebe für solche Filme mitbringen und sich dann im Kino auch willentlich darauf einlassen, meine vorurteilenden Zweifel habe ich jedenfalls relativ schnell abgelegt.
Das Problem bleibt meiner Meinung nach eher beim Titel hängen, der – so ganz ohne Vorwissen und .trailer nun eben doch etwas völlig anderes verspricht, als der Film schlussendlich liefert. Enttäuscht ist man deswegen aber trotzdem nicht, vor allem die Moves und Kämpfe im Film sind sehr durchgestylt und lassen viel Erfahrung und ästhetisches Geschick vermuten. Und dass in diese Richtung aus dem deutschen Filmeareal noch einiges auf euch zukommen wird, brauch ich ja nicht groß ankündigen, oder?
 

.kinoticket-Empfehlung: Ist kein Rennfilm im klassischen Sinne, sondern ein technisch durchgestylter und plakativer Film, der das deutsche Kino wieder sehr stark aufwertet.
Lässt man sich auf die Schauspieler ein, kann dem “Frankfurter Film” einiges abgewinnen, findet man hier sehr schnell Freude. Und Kida Khodr Ramadan, mach bitte immer so weiter!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, es sei denn, man steht auf den Sound 😉
Kinostart: 30. August 2018

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Es ist interessant, wie verschieden Menschen sind. Als ich draußen gesehen habe und zugehört, was die Protagonisten (Es behagt mir zum ersten Mal nicht, dieses Wort zu benutzen, weil sie alle echt sind – echter als viele andere, die man so kennt!) erzählt haben, fand ich mich inmitten meines “langjährigen Experiments” wieder und habe sehr vieles sehr gut verstehen können.
Auch ich lebe (bewusst und gewollt) oft auf der Straße. Ich liebe den freien Blick auf den Himmel, ich kann (danke, Asthma!) draußen wesentlich besser atmen als irgendwo drin (egal, wo) und das Gefühl von Freiheit, Reisen und Abenteurer ist einfach nirgendwo echter und fühlbarer, als wenn man unter freiem Himmel bei Blätterrauschen mit Blick auf die aufgehende Sonne aufwacht.
Warum Experiment? Ich treibe es oft auf die Spitze. Ich habe es hinter mir, nachts auf den Bergen Schneehöhlen ausgebuddelt zu haben, um wenigstens einigermaßen geschützt zu sein und nicht vom Wind so durchgefrostet zu werden. Ich habe schon Nächte in umgedrehten Booten am Strand von Italien verbracht. Ich versuche, möglichst unentdeckt an allen Ecken und Winkeln einer Stadt so übernachten zu können, dass man zumindest das Gefühl bekommt, ausgeruht zu sein.
Ich habe mich oft vor eigene Herausforderungen gestellt und z.B. ohne Schlafsack und Decken versucht, durch eine kalte Nacht zu kommen, nur mit den Hilfsmitteln, die man (ohne den sicheren Zugriff auf eine Wohnung) eben grad zur Hand hatte.
Jahreszeiten werden ignoriert. Ich habe genauso oft nachts draußen gepennt, wenn es geschneit oder geregnet hat – keiner kann das Gefühl eines Menschen besser verstehen, der nicht selbst erlebt hat, wie qualvoll es sein kann, sich durch die Zeit zwischen 2:00 und 6:00 Uhr nachts zu kämpfen und Gott darum anzuflehen, dass die Sonne endlich aufgeht und man die Wärme auf seiner Haut spürt um überhaupt wieder etwas zu spüren.
Warum?
Weil ich genau solche Menschen wie hier im Film verstehen möchte. Ich möchte das Gefühl aus eigener Erfahrung heraus kennen, wie es ist, von der Gesellschaft schräg angesehen zu werden, nur weil man woanders pennt als sie. Ich sehe die Dinge im Leben oft aus einer anderen Perspektive heraus und denke anders. Mensch legt sich wo hin und schläft. Der eine in einem 50.000 €-Villa-Bettchen, der andere eben im Wald. Beide schlafen. Beide sind Menschen. Beide wachen morgens auf. Für mich gibt es da keine Unterschiede.
Für die meisten anderen aber schon. Die kennen “Penner” nur unter einem bestimmten Ruf und sehen nur die Phase, wenn jemand auf der Fußgängerzone sitzt und bettelt. Und können dabei noch nicht mal unterscheiden, ob es die Bettelmafia ist oder wirklich bedürftige Menschen. Dahinter steckt aber so viel mehr …
Ich habe Menschen schon dabei beobachtet, wie sie sich unterhalten und gegenseitig Pfandflaschen austauschen, um sich Geschenke der Freundschaft machen zu können. Wirtschaftlich total sinnlos, aber die zwei verband ein starkes Band und ich wusste, sie würden einander helfen, wenn es drauf ankommt.
Mich kotzt diese “Wir hassen die Mittellosigkeit”-Weltansicht oft einfach nur an. Meine Fresse, es ist dämliches Papier, dem alle nachjagen, auf denen Nummern stehen, die uns angeblich das Leben vereinfachen. Sämtliche Beduinenvölker ohne Geld leben gesünder und einfacher als die komplette westliche Welt.
Und hier, inmitten von Deutschland, zwischen den hastenden Menschen in der Fußgängerzone, leben einige wenige, die verstanden haben, dass es im Leben auf ganz andere Dinge ankommt. Dazu muss man nicht kirchenmausarm sein. Und genau das bringt dieser Film zum Vorschein.
Manche dieser Menschen dort haben mehr Reichtum als wir alle zusammen. Und sie alle verbindet eine Sache: Sie wollen es so.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film reißt die kalte Mauer zwischen den Dimensionen verschiedener Menschen mit einem Ruck nieder und offenbart eine völlig neue Welt, die für viele sehr spannend und aufschlussreich sein könnte.
“Warum haben sie dich da drin nicht interviewt?” – genau daran musste ich auch oft während des Films denken. Es geht nicht um Geld. Es geht um Reichtum. Und ein ganz bestimmtes Lebensgefühl.

 
Nachspann
❌ man darf aufstehen und rausgehen … es folgt nichts weiter.
Kinostart: 30. August 2018

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Langsam wird’s unübersichtlich im Eberhofer-Universum, darum hier für euch mal die Reihenfolge der Bücher/Filme zum Nachschlagen und Nachschauen:
1) Winterkartoffelknödel
2) Dampfnudelblues
3) Schweinskopf al dente
4) Grießnockerlaffäre
5) Sauerkrautkoma (aktuell in den Kinos)
6) Zwetschgendatschikomplott
7) Leberkäsjunkie
8) Weißwurstconnection
9) Kaiserschmarrndrama
Sauerkrautkoma bildet nun also die derzeitige Halbzeit der bisher erschienenen Krimis von Buchautorin Rita Falk, die in ihren Geschichten rund um den konsequent genervten Polizisten Franz Eberhofer ein geniales Universum geschaffen hat, dass die Bayern in ihren tiefsten Klischees ausleuchtet und dabei durch bissigen Humor und zynische Pointen bestens unterhält.
Und da es Krimis wie Sand am Meer gibt und immer irgendwo irgendwer umgebracht, erschossen, getötet oder sonstwas wird, fragt sich der TV-getränkte Zuschauer vielleicht, weshalb er jetzt genau in diesen Film gehen sollte. Mein Tipp: Schaut euch die Vorgänger einfach nochmal chronologisch von Beginn an, damit ihr den Aufbau der Charaktere und die Erschaffung vieler Running Gags besser versteht, denn dadurch kommt die Sympathie und das Ins-Herz-Schließen ganz von allein. Die Truppe ist einfach ein bayerisches Original, dass es selbst außerhalb des Weißwurst-Äquators zu Bekanntheit geschafft hat und sogar im Norden Deutschlands für Nachfrage sorgt.
Mit den Eberhofer-Krimis ist in meinen Augen ein Stück deutsche Kinogeschichte gelungen, das man selbst international als Erfolg verkaufen könnte, da die Bissigkeit und Einzigartigkeit der einzelnen Protagonisten so detailliert und sprachlich genial herausgearbeitet wurde und dieses Biotop der dörflichen Kommune einfach funktioniert. Wer sich also von bayerischer Authentizität bespaßen lassen möchte, kommt um die Falk-Verfilmungen nicht drumrum und sollte hier beherzt zugreifen.
Im mittlerweile fünften Teil der längst nicht abgeschlossenen Buchreihe (Falk arbeitet aktiv an neuen Krimis) hat man nun einen gewissen Standard etabliert, der vielleicht nicht mehr mit dem versessenen Zynismus aus Teil 1 und 2 aufwartet, deshalb aber trotz allem nicht weniger lustig ist, sondern bestens unterhält und schon in der ersten Minute für ein wohliges Heimatgefühl sorgt, das es in diesem Ausmaß so noch nicht auf der Leinwand gegeben hat.
Für mich ist es immer wieder ein Fest, wenn ein neuer Teil in die Kinos kommt und ich nutze die Chance, mir dann die bestehenden Teile erneut anzusehen um wieder völlig in das Eberhofer-Universum abzutauchen und diese Welt voll auszuschöpfen und zu genießen. Ich zumindest wünsche mir bei jedem weiteren Teil, dass die Saga niemals enden möge, dafür ist sie einfach viel zu gut!
 

.kinoticket-Empfehlung: Der griesgrämige Polizist Franz Eberhofer in seinem fünften Streich: Alle Vorgängerfilme waren zumindest im Süden Deutschlands ein riesiger Erfolg und an diesen Geniestreich grenzt auch der aktuelle Teil an: Lacher, Tränen und jede Menge urkomische Bayern-Originale sind garantiert und sorgen in den Kinos für Kurzweil und beste Unterhaltung.
Reingehen definitiv erlaubt: Wer die Vorgänger noch nicht kennt, sollte dies schleunigst nachholen, da die Reihe auf sich selbst aufbaut und man sonst die Running Gags und viele Insider nicht wirklich versteht.

 
Nachspann
❌ muss man diesmal nicht bis zum Schluss abwarten, hier folgt nichts weiter. Man wird soft entlassen.
Kinostart: 09. August 2018
Cast & Crew werden im Rahmen des Kinostarts von Sauerkrautkoma eine Kinotour veranstalten und sind in unterschiedlicher Besetzung an vielen verschiedenen Orten zugegen, um ihren Film vorzustellen und Fans Rede und Antwort zu stehen.
Los gings am 6. August 2018 im mathäser München und ab sofort dann durch 33 Städte, bis die Tour am 19. August 2018 im Cinestar Ingolstadt endet.
In den verschiedenen Orten werden jeweils unterschiedliche Darsteller und/oder Crew vor Ort sein, genaueres entnehmt ihr bitte dieser Seite, die neben den einzelnen Standorten auch jeweils die Kinos und anwesenden Stars aufgelistet hat.
Weitere Kinostarts in ganz Deutschland folgen und werden bei Bekanntgabe hier aufgelistet.
Und zum Abschied noch ein paar Impressionen von der Deutschlandpremiere in München direkt vom Red Carpet! Viel Spaß! 🙂
 

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Im Getümmel der ganzen durchaus brauchbaren Veröffentlichungen zur Zeit geht Bob, der Streuner fast schon ein wenig unter. Zu unrecht, denn hier handelt es sich um einen Film, dessen Sehenswertigkeit nicht nur in der Wiedergabe einer wahren Begebenheit liegt, sondern der auch mit ganz viel Charme und Sympathie das Herz der Zuschauer erobert.
Und damit meine ich nicht das typische “Oh kuck mal, Katzen”-Emotionsgetue, dass man auf einigen Timelines auf Facebook oder sonstwo im Internet abfeiert, sondern durchaus eine tiefgreifende Geschichte, die die berührende Veränderung erzählt, die der Protagonist im Laufe seines Lebens durch dieses Tier durchmacht.
Auch wenn das Poster in meinen Augen schon fast etwas 0-8-15 erscheint, den Kauf eines .kinotickets werdet ihr an dieser Stelle nicht bereuen. Es ist das Leben, das die besten Geschichten schreibt und Regisseur Roger Spottiswoode spielt hier gekonnt die Fäden dieser Erfahrungen zu einem Geflecht zusammen, dass wiederum ein gemütliches Gesamtbild ergibt, an dessen Ergebnis nicht nur die Leser der Buchvorlage in jüngster Vergangenheit bereits ihren Spaß hatten.
Das Besondere am Film: Der Original-Kater spielt tatsächlich seine eigene Rolle und wird nur in wenigen Fällen “gedoubelt”. Das macht alles noch ein Stück weit authentischer und verleiht der Erzählung einen Spritzer mehr Esprit.
Das Abtauchen in diese für viele unbekannten Züge des Lebens wird nicht nur gekonnt umgesetzt, sondern die damit verbundenen Empfindungen auch glaubwürdig rübergebracht. Damit erstellt der Film ein ganz neues Profil einer Gesellschaftsklasse, der wenige angehören möchten und die in der Öffentlichkeit allgemein ungern gesehen ist.
Der schonungslose Umgang mit diesen Widerwärtigkeiten lässt diesen Film als lehrreiche und dennoch unterhaltsame und zuletzt wunderschöne Erfahrung im Saal widerhallen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur für Katzenfans, sondern alle, die Gefühlskino lieben, ohne dass man in die Schnulzen-Region abdriftet.
Aufrichtiges Kino mit der richtigen Portion Geschick, bei der die wahre Geschichte sehr authentisch und glaubwürdig wiedergegeben wird.
Definitiv sehenswert!

 
Nachspann
Zum Schluss wird noch einiges an Überraschungen geboten – also nicht gleich aufspringen.

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