.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: WG

Servus Baby (36. Filmfest München)

IMG_0959

Felix Hellmann und Natalie Spinell auf der Weltpremiere von Servus Baby im HFF auf dem 36. Filmfest München

© 2018 .kinoticket-blog.de

 
Binge-Watching auf dem Big Screen… die Zeiten sind längst da gewesen, in denen man mich permanent gefragt hat, ob ich auch Serien schaue und bewerte … und meine Antwort lautete stets: Wenn sie auf dem Big Screen laufen, dann schon.
Jeder von euch weiß, dass ich kein Freund von kleinen Monitoren bin, selbst relativ wenig fernsehe und absolut kein Interesse an billigem Niedrigniveau-TV-Schund habe, der intellektuell anspruchslos ist und volksmündisch die dahinsiechende alte Fraktion befriedigt.
Als genau das könnte man aus den Augen der Jugend betrachtet auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen bewerten, die Argumentationen bezüglich jugendhafter Inhalte auf öffentlich-rechtlichen Sendern lässt ja zuweilen arg zu wünschen übrig. Zu recht, möchte man meinen, denn Paradebeispiel-Sender wie Das Erste und ZDF haben sich in ihrer Vergangenheit selten mit Ruhm bekleckert, was die Beliebtheit bei unter 49jährigen angeht.
Wenn man sich jetzt davon mal abwendet und gleich in die “Dritten” geht, landet man beim Bayerischen Fernsehen und dort bei einer grandiosen Serie, die Fernsehen quasi revolutioniert und etwas bisher nie Dagewesenes bringt, dass so viel Esprit und Charme versprüht, dass es sogar in den Kinos für tosenden Applaus sorgt.
Aber immer mit der Ruhe: Serien laufen deshalb ungern auf großen Leinwänden, weil die Inhalte eben nicht dafür ausgelegt sind, ein großes Publikum auf kurze Sicht vergnüglich und zufriedenstellend zu unterhalten und die zeitliche Planung zum Sichten aller Folgen einer Staffel oftmals miserabel ist. Aus dem Grund gibt es VoD-Anbieter zu Hauf, die eben diese Lücke schließen und quasi den “Es dauert ewig, geht sehr in die Tiefe und ist pro Folge eben nicht massig mit Inhalt voll”-Button permanent gedrückt halten und alles abseits von Film per Stream durch den Äther jagen.
Wie also sollte man dann eine Serie bewerten, die – via Binge-Watching – auf dem 36. Filmfest München in einer Komplettshow gezeigt wird und beim Publikum für Standing Ovation gesorgt hat?
Leute? Ich saß im Kino und hab gedacht, ich bin das erste Mal meines Lebens tatsächlich im Himmel! Dieses Gefühl, das zu erleben … innerhalb der Landesgrenzen des sonst so biederen Deutschlands, dass sich in seiner Geschichte angewöhnt hat, nicht begeistert zu sein bzw. seine Begeisterung nicht emotional ausdrücken zu können … und dann zu spüren, wie das Publikum klatschen will, obwohl die Folge noch gar nicht vorbei ist … der helle Wahnsinn.
Also nochmal auf Deutsch: Ich, der TV-Hasser, habe im Kino gehockt und eine Serie vom BR auf der großen Leinwand geschaut und wurde emotional plattgewalzt von Gefühlen, die permanent zwischen Lachen, Weinen, Mitgefühl, Sorge und extravagantem Humor hin- und her wechselten. Im Ernst: Bieder ist was vollkommen anderes. Altbacken und seltsam, heimatkanalmäßig und volksmusiktrunken, all das lässt sich überhaupt nicht auf das anwenden, was Felix Hellmann und Natalie Spinell da auf den Screen gebracht haben: Der Humor ist sowas von erste Sahne, dass man nicht anders kann, sondern lachen muss!
Ich fühle mich als Wortakrobat kaum in der Lage dazu, würdig genug auszudrücken, mit welcher Verbalwucht man da auf die Menschheit losgegangen ist und sich gleichzeitig aus den Vorurteilsfesseln gesprengt und vom biederen Touch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens befreit hat: Dieses Ding ist eine Sensation, die das Fernsehen grundlegend revolutioniert!
Die Dialoge (Deutschland kann keine Dialoge? Äh … doch!) sind der Hammer! Die benutzte, hoch-rasante Situationskomik ist zum Niederknien und die Konversationen brechen mit alten Gewohnheiten und machen Platz für eine von der Jugend verehrbare Form der Unterhaltung, die gänzlich in ihrem Sinne arbeitet und dabei gleichzeitig unterschwellig alles richtig macht in Sachen gendern: Man hat nicht das Gefühl von “Bäh”, sondern liebt es und möchte am liebsten zum Schluss auf “Replay” drücken und alles von vorne nochmal ansehen! Der BR zählt ab sofort zu den nicht-prüden Sendern, denn sowas hätte ich allen zugetraut, aber nicht diesem Sender.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, Deutschland kontert nun die Desperate Housewives in einer spritzigeren, besseren und geografisch näher bezogenen Variante, von der ich einfach nur mehr sehen will! Ich bin euch garantiert böse, wenn ihr keine weiteren Staffeln davon dreht und damit endlich dauerhaft jugendlichen Flair in die senile, verstaubte, deutsche Fernsehlandschaft tragt und endlich ALLEN Bürgern Argumente liefert, wozu die Rundfunkbeiträge gut sein können!
Dieses Ding ist so gut, dass es eben nicht nur im TV funktioniert, sondern grandios auf der Kinoleinwand punktet und – so glaube ich – jeden im Saal absolut begeistert hat.
Obwohl die Ausstrahlung für September 2018 im BR geplant ist, wäre es doch absolut wünschenswert, diese Folgenkombination bis dahin noch durch die Kinos zu jagen, denn ich bin mir sicher, dass sich die Freude darüber auch in regulären Vorstellungen aufrecht erhalten lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein grandioser Befreiungsschlag für das deutsche Fernsehen: Revolutionär, wortgewaltig und voller Humor und Emotionen – Servus Baby überzeugt in jederlei Hinsicht und tischt einen frischen, jugendlichen Geist auf, der sich die Geschlechter ganz neu vorknüpft und daraus etwas absolut Sehenswertes macht, dass es so im TV noch nicht gegeben hat!
Ich fiebere dem September entgegen und werde den ganzen Monat lang das Programm des Bayerischen Fernsehens aufzeichnen, um diese Serie ja nicht zu verpassen! Und ihr solltet dem gleichtun und euch dieses Wunderwerk nicht entgehen lassen – sowohl Mann als auch Frau haben daran garantiert helle Freude.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen: Eine Serie des BR ist so grandios, dass sie sogar auf der Kinoleinwand für ekstatischen Beifall sorgte – Servus Baby muss man gesehen haben!

 
Nachspann
in Kurzform, den darf man ruhig abwarten. Die Zeit bis zur nächsten Folge zählt man aber am liebsten in Millisekunden. MEHR DAVON!
Kinostart: Ab September 2018 im Bayerischen Fernsehen
 
Und im Anschluss gibt’s noch ein paar Impressionen von der Weltpremiere von Servus Baby auf dem 36. Filmfest München im HFF – viel Spaß damit 🙂
 

© 2018 .kinoticket-blog.de

Gut zu Vögeln

An dieser Stelle ist es wohl gut, dass ich jeweils 7 Tage ins Land ziehen lasse, bevor ich mich ausführlich dem letzten Sneak Preview-Film widme, denn sonst hätte ich meinem Ärger über das bevorstehende Werk sicherlich mit anderen Worten Luft gemacht, als diesen hier.
Ja, ich fand Gut zu Vögeln zum Kotzen. Wenn es einen neuen Rekord in Sachen Niedrigniveau gibt: Dieser Film hat ihn seit letzter Woche Montag inne.
Ja, der Trailer hat ausdrücklich erwähnt, dass es sich hier um eine “anti-romantische Komödie” handelt und ich hatte bereits bei den vorgestellten Kurz-Sequenzen sanftes Grummeln im Magen, da ich kaum erwartet hätte, dass man hier jetzt mit Geistesblitzen punkten würde und zumindest ein Werk auf die Füße stellt, das den Durchschnittsverstand nicht in dem Maße angreift, wie es das Endergebnis definitiv tut.
Was sollte also erledigt werden, um bei dem Film möglichst viel Spaß zu haben?

  • keine Ansprüche an irgendwas stellen
  • sich besaufen
  • Drogen konsumieren, um das restliche Denkvermögen auch noch auszuschalten
  • eine Vorliebe für schlechte Ballermann-Parties besitzen
  • Denkprozesse hassen
  • Überraschungen hassen
  • Lieblosigkeit beim Kulissendesign etwas abgewinnen können
  • etwas Geschmack für brillante Musik mitbringen

Hä? Genau. Was?
Also mal Klartext: Nein, man sollte keine Drogen konsumieren oder sich bis zur Besinnungslosigkeit besaufen, denn das ist schädlich und zudem illegal (zumindest, was die Drogen betrifft – komisches Land mit komischen Gesetzen).
Man sollte allerdings auch keinerlei Anstalten machen und erwarten, dass hier in irgendeiner Form großartige Unterhaltung oder eine annähernd verstrickte Geschichte erzählt wird, denn womit dieser Film punktet, sind einzig und allein peinliche, flache Darmwitze weit unter der Gürtellinie, die nicht nur Schamesröte ins Gesicht treiben, weil man sich abgrundtief für das Gezeigte fremdschämt, sondern die den Intellekt eines jeden beleidigen, der nicht besinnungslos besoffen in der Ecke liegt und über jede noch so peinliche Abartigkeit lachen kann.
Das “anti” in “anti-romantisch” hätte man durchaus mit Stil (und ich schreibe hier bewusst “Stil” und nicht “mehr Stil”, denn da ist kein Stil, der mehr werden könnte) umsetzen können und auf die peinlichen Momente verzichten, die sich hier Minute für Minute aneinanderreihen und zu einem Filmwerk mutieren, das in seiner Gänze ein geradezu jämmerliches Bild abgibt.
Man liest in den Medien (ja, ich habe tatsächlich viele Artikel gesucht, um dem Film irgendetwas positives abgewinnen zu können!) viel über die Studios, die sich mit anderen Werken gemeinsam nun den Weg an den Pop-Himmel der Filmindustrie erkämpfen wollen und darum besonders stolz auf die Zusammenarbeit untereinander sind, allerdings ändert dies nichts an meinem Empfinden, hier als Zuschauer vor den Kopf gestoßen zu werden, indem in mir das Gefühl erzeugt wird, ich sollte mich schleunigst von den gezeigten Persönlichkeiten entfernen.
Und ja, ich wurde auch Zeuge dessen, dass meine Mitzuschauer aus dem Saal tigerten und ihr Kinokärtchen bei “Gut” in die Bewertungsbox fallen ließen – bitte erklärt mir, weshalb. Ich versteh’s nicht.
Und auch ich habe bereits einige “Drogenfilme” gesehen, in denen ebenfalls Normalität ein Fremdwort war und die für sich eine schwachsinnige Idee nach der anderen umgesetzt haben, dabei aber ihre Würde dennoch behielten. Und die fehlt mir in Gut zu Vögeln einfach komplett.
Ist das einmal mehr der Beweis, dass man sich hierzulande einfach nicht mehr trauen sollte, mit selbstproduzierter Kost an die Öffentlichkeit zu gehen? Wäre an dieser Stelle wohl besser gewesen, denn witzig ist das zu keiner Sekunde. Auch nicht mit Toleranz. Viel eher wird hier der Stereotyp eines Unsympath in den Olymp der Selbstverherrlichung geschickt und bei seinem narzisstischen Treiben gefilmt. Ob dies nun zu einer glorreichen Veränderung charakteristischen Ausmaßes wird oder einfach nur absolut keine Rolle spielt, ist völlig unwichtig, da man sowieso von Anfang an mit Bier zugeschüttet war und es auf eine Moral mehr oder weniger nun auch nicht mehr ankommt.
Wo manches Genie die Grenzen der üblichen Konstellationen galant zu brechen weiß und mit Stilbruch ein völlig neues Verständnis von eben jenem Stil erschafft, gleicht dieses Werk hier dem Nachhall grauer Staubwolken, die noch nicht mal farbtechnisch etwas auf die Reihe bringen.
Die Frage, ob ich mich wenigstens auf der Party wohlfühlen würde, wäre ich selbst vor Ort gewesen, löste in mir reinen Ekel aus und hievte Fragen an die Oberfläche, was denn der Grund für eben jene Maßlosigkeit an Geschmacksverirrungen gewesen sein könnte, die dieses armselige Bild einer Kulisse rechtfertigen würden. Im Ernst? Im Glanz einer Ära, die sich in technischer Relevanz kaum zu überbieten schafft, erhebt man ein Werk in den Himmel, das völlig anspruchslos eben jene Technik verwirft und auf Dinge zurückgreift, die nicht mal 4jährige toll finden?
Entschuldigt, falls ihr zu denen gehört, die bei diesem Film gelacht haben. Entschuldigt, falls ihr zu den Darstellern oder Machern zählt, deren Arbeit ich jetzt hier ungeniert zertrample. Entschuldigt, falls ihr vor hattet, euch mit diesem Streifen einen gemütlichen Abend zu kredenzen und ich eure Träume nun mit meinen Worten zerstört habe. Aber ich kann nicht anders, als jedem zu empfehlen, den Besuch dieses Films gründlich zu unterlassen.
Und sollte man doch einen Grund suchen, weshalb man hier rein darf, dann ist es einzig und allein die Musik. Ja, der Soundtrack war herrlich, die gewählten Songs aus einer Ära, in der Musik noch Relevanz an der Tagesordnung hatte und die Beats waren letztendlich auch das einzige, das ich diesem Film als Pluspunkt durchgehen lasse. Den Rest darf man getrost in die Tonne treten und sie irgendwo tief im Meer versinken, auf das jeder ihren Inhalt vergesse.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nein. Geht nicht. Tut euch diese verlorene Zeit nicht an. Es lohnt sich nicht. Auch betrunken nicht.
Selbst RTL hat besseres im Nachmittagsprogramm zu bieten als dieser Film. Hier war wirklich alles unterste Kanone und weit entfernt von witzig, humorvoll, stilgerecht und echt.
Ich könnte dem Hauptdarsteller permanent eine reinwürgen und die Flachwitze und Gegebenheiten sind nichts anderes als zum Fremdschämen.
Einzig bei der Auswahl der Songtitel hat man Klasse bewiesen und sie in einen Film gezerrt, der vor Niveaulosigkeit nur so strotzt – was an und für sich eigentlich schon selbst fast wieder eine Unverschämtheit ist.
Also besorgt euch die Playlist auf iTunes und lasst den Film dafür einfach links liegen. Alles ist besser als das.

 
Nachspann
“glänzt” mit Outtakes, die keineswegs an die Brillanz eines Fack Ju Göhte 2 oder Abschussfahrt heranreichen und somit selbst völlig in der Glanzlosigkeit des Gesamtwerks untergehen. Und diese beiden Werke sind ebenfalls deutsch. Aber wer es bis hierhin ausgehalten hat, dem schaden die paar Minuten extra nun auch nicht mehr. Immerhin ist der Titel mit seinen 92 Minuten nicht all zu lang.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén