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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Weltraum

Venom (3D)

Dieser Film wird die Welt heilen. Er saugt all die Boshaftigkeit in sich auf, bringt die zerstörerische Wut unserer Generation in ein passendes Gefäß, lässt dieses explodieren und verteilt die genüssliche Wirkung von Rache, Feindseligkeit und Hass auf unsere Generation.

Diese Krankhaftigkeit, mit der unsere Zeit verseucht ist, bekommt hier ein Symbolbild und wird für Sehende verständlich auf die Leinwand gemalt.

Wer nicht mit Waffen draußen rumspazieren und seinem Ärger durch den Trigger Luft verschaffen will, kann dies völlig unschädlich jetzt auf der Leinwand auch einfach erleben: .kinoticket lösen, 3D Brille aufsetzen und dabei zusehen, wie Venom mit allem aufräumt.

Krieger dieser Welt, schnappt euch ein Pausenbrot, senkt eure Waffen, legt euch auf den Boden und lasst das Blut aus euren Wunden fließen: Ihr braucht vorerst nicht weiter kämpfen: Venom ist da!

Dieses Gefühl ist unbeschreiblich: Pause! Zeit für sich. Zeit, seinen eigenen Schmerz zu erleben, weil man nicht ständig für andere stark sein muss. Da drin … steckt mehr, als Sony oder Marvel weiß.

Ich hab stundenlang danach immer noch Gänsehaut gehabt und ich bin mir ziemlich sicher: Die Welt wird diesen Film nicht verstehen. David, this is for you. Only.

Es klingen überall Befürchtungen an, dieses Werk sei scheiße. Okay, Sony hat in der Vergangenheit nicht immer nur Brüller rausgehauen und Marvel ist dieses Mal nur “in association with” dabei, aber selbst das reicht, um endlich alles richtig zu machen, was vorher mit Spider-Man in die Scheiße geritten wurde.

Es ist das erste Mal, dass Marvel einen Charakter “einkauft”, den sie nicht selbst erfunden und auf die Leinwand gebracht haben. Und die Vorgeschichte ist durch alle, die vorher mit ihren Dreckhänden dran gepackt haben, im Arsch. Marvel muss diesen Charakter also nicht nur retten, sondern auch viele Lügen und Betrug bereinigen, der inzwischen in den Köpfen der Menschen rumgeistert.

Die .trailer zum neuen Spider-Man leisten da schon großartige Vorarbeit und die zerstrittenen Comic-Seelen dürften nun langsam beginnen, ihren Frieden mit dem Major-Label zu schließen und ihre Augen weiter öffnen für alles, was da kommen möge.

Vor dem Wiederaufbau die Zerstörung. Erst alles kaputtschlagen, dann schauen, was überlebt und neu hinstellen. Great American Spirit. Venom ist für’s Kaputtschlagen da und ich hoffe und bete immer noch, dass wir davon eine Trilogy bekommen werden, denn: Dieser Film wird unsere Welt heilen.

P.S: Schaut ihn euch in OV oder OmU an, die deutsche Synchronisation ist zwar ganz passabel, der Voice-Cast für Venom erfreulich düster und auch Tom Hardy‘s geile Performance wurde toll gemastered, allerdings sind einige Jokes im Englischen mit wesentlich mehr Profil gesegnet.

.kinoticket-Empfehlung: Das 3D ist nicht zwingend notwendig, den Film anzusehen dafür um so mehr: Es ist ein perfektes Spiegelbild unserer zerstörten Generation und vollbringt das, wozu alle Regierenden dieser Erde gerade scheinbar nicht in der Lage sind: Er haut mit riesigen Pranken auf den Tisch und beendet einfach alles und räumt auf.

Gebündelter Hass, vollzogene Zerstörung und dabei eine tiefschwarze Liebe, die einzigartig ist: Venom übernimmt den Kampf aller kämpfenden Helden und portraitiert damit auf der Leinwand, was außerhalb der Kinos gerade abgeht.

Nationen, zieht euch warm an, Venom ist da und ihr wollt ihn nicht als Feind.

Nachspann
✅ Die Presse wurde bereits vor der Weltpremiere bestraft, die Vorpremierenzuschauer haben sich selbst gegeißelt und die Kinogänger werden es wohl auch kaum lernen: Bei einem Marvel bleibt man bis zum Schluss sitzen.

Ja, der Abspann ist lang. Elends lang.

Ja, es kommt eine Zwischensequenz.

Ja, danach kommen noch 10 Minuten Abspann.

Ja, danach kommt noch ein Film, der den Vorfilm von Coco locker in der Zeit toppt. Nicht nur eine Sequenz … ein Film!!! Wer ihn verpassen möchte => Die Kinotüren sind die ganze Zeit offen.

Achja, und Venom steht draußen und prügelt euch wieder zurück in den Saal.

BLEIBT. ALSO. VERDAMMTNOCHMAL. BIS. ZUM. BITTEREN. ENDE. SITZEN!
Danke. 

Kinostart: 04. Oktober 2018

Original Title: Venom
Length: 112 Min.
Rate: FSK 12 (halte ich für wesentlich zu gering!)

Solo: A Star Wars Story

Die PR des Films ist eine mittelgroße Katastrophe, die .trailer-Synchronisation schreit die Fans förmlich an und der Film löste auf dem Festival in Cannes mittelmäßige Begeisterung aus und sorgte damit eher für verhaltene Reaktionen und weniger für Fanboy-Gekreische.
In China tut man indes alles dafür, den Zuschauern vorzuenthalten, dass sie hier in einem Star Wars-Film sitzen: Man veröffentlicht nach dem desaströsen Verlauf von Star Wars: The Last Jedi den Titel einfach unter dem Namen Ranger Solo und in Deutschland wäre man diesen Schritt wohl konsequenterweise auch besser gegangen.
 

 
Beste Voraussetzungen dafür, einfach mal ganz von vorn anzufangen.
Und mit ganz von vorn, meine ich ganz von vorn. Vergesst alles, was ihr bisher wisst. Vergesst vergangene Generationen. Vergesst, was ihr aus dem Star Wars-Universum bereits kennt. Vergesst, dass einst George Lucas der uneingeschränkte Herrscher über diese Imperien war und vergesst, dass wir alle ihn wie die Diener eines Gottes verehrt haben und als Fans letztendlich Star Wars zu dem gemacht, was es heute ist: Uneingeschränkter Kult!
Disney stellt hier den Fan-Zuschauer vor die unbewältigbare Aufgabe, Star Wars nicht mit Star Wars zu vergleichen, sondern die urigen Hintergründe dieser neuen Modeschöpfung am Sternenhimmel der Kinos zu begreifen und zu feiern. Und diese Aufgabe ist – wie schon erwähnt – nicht lösbar. Zumindest nicht, ohne ganz viel Willen, Begeisterungsfähigkeit und Liebe für die Leinwand mit in den Saal zu tragen und nicht zu erwarten, dass hier die überschwängliche Begeisterung von Seiten der Macher von der Leinwand runterpurzelt.
Wer also ist in der Lage dazu, einen völligen Neuanfang zu wagen und sich unvoreingenommen diesem Werk zu nähern? Richtig: Jemand, der bisher noch nie etwas von Star Wars gesehen oder gehört hat.
Gibt’s nicht?
Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe diese seltene Koryphäe – dieses Wunderwerk der Natur gefunden und sie hat den Film (also Solo: A Star Wars Story) mit mir gemeinsam schon vor Kinostart gesehen und ich hatte die unvergleichbare und einmalige Chance, eine Art “Interview” mit ihr zu führen und sie zu fragen, wie sie den Film empfunden hat.
Hierbei ist viel Interessantes zu Tage gekommen, z.B. dass diese Frau mit ihren Empfindungen meinem Wunsch nach völliger Neutralität gegenüber Neuem fast zu 100% entsprochen hat. Sie empfand den Film durchaus als sehr unterhaltsam, stellenweise zu viel Soundtrack, würde empfehlen, ihn sich lieber in 2D anzuschauen, da die Impressionen und Eindrücke sonst einfach zu viel seien und wollte von mir wissen, ob Chewbacca eine Anspielung auf Planet der Affen sei und was es damit auf sich hätte.
Tatsächlich … nehmen wir einfach mal an, der hieße hier auch Ranger Solo und wir hätten es einfach mit einem völlig neuen, unvoreingenommenen Film ohne Vorgeschichte zu tun: Das Ding funktioniert. Zwar ist der Plot bei weitem nicht so ertragreich und bombastisch wie bei Größen wie Star Wars, aber damit hat der Film ja auch nichts zu tun! 😉 Es ist halt einfach eine völlig in sich schlüssige, gut erzählte und mit wahnsinnig großartigen Effekten ausgestattete Geschichte eines Jungen, der in den Anfängen der Geschichte der Galaxis seinen Weg geht.
Unter diesem Aspekt … gespickt mit dem von mir empfundenen, großartigen Soundtrack, der sämtliche Langeweile-Lücken fantastisch auffüllt und gepaart mit dem Vorwissen, was aus dem kleinen Kerlchen später mal werden wird: Man erkennt fast schon die Wesenszüge eines späteren Harrison Ford, der in den Augen der Fans der einzig wahre Han Solo ist und auch immer bleiben wird!
Und genau das ist die Crux: Man muss es teilen. Auseinandernehmen und seiner magnetischen Vergleichswirkung entziehen: Man darf eben das Frühe nicht mit dem Vergangenen/Heute vergleichen, sondern sollte Solo eine eigenständige Chance geben, sich als Kinofilm zu etablieren. Der liefert nämlich so viel Unterhaltung und funktioniert in Sälen, die mit Dolby Atmos ausgestattet sind, so brachial, dass einem fast die Spucke wegbleibt und bei einigen Szenen wahrhafte Blockbustergröße empor sprießt!
Dazu kommt: Man sollte sich – auch wenn man kein einziges Wort Englisch versteht – diesen Film zwingend in OV oder zumindest in OmU ansehen und auf die deutsche Synchronisation komplett verzichten: Die ist scheiße! Nennen wir das Kind beim Namen und lösen damit auch gleich das Rätsel auf, weshalb die Deutschen so unmütig auf die Vorstellung des neuen Zwischenfilms reagierten: Die Synchronstimme passt schlichtweg einfach so überhaupt gar nicht und hat rein keinen Schimmer von den sympathisierenden Zügen der Originalstimme von Alden Ehrenreich, der in seinem typisch amerikanisch-“kanadischen” Stimmenklangsoundbed die richtige Würze für diesen Charakter liefert und mit seinem unvergleichlich bissigen Blick Charakterstärke aufbaut, die einem späteren Harrison Ford durchaus würdig wird.
Das Problem: In den .trailern ist davon halt absolut nichts zu sehen, darum kann es auch keiner wissen und deshalb fanden die meisten den .trailer eben von vornherein doof – inklusive mir, der sich dachte: Jetzt ist alles verloren und Disney in seinen schlechtesten Eigenschaften hat die Weltherrschaft endgültig an sich gerissen und fängt an, alles und jeden um sich herum zu zerstören.
Die Wahrheit ist eine völlig andere: Man muss den ganzen Film sehen um ihn beurteilen zu können – und zwar genau so, wie ihn sich die Macher vorgestellt haben. Wir Deutschen leben in einem Land, das mit großartigen Synchron-Funktionalitäten ausgestattet ist und können uns glücklich schätzen, dass es haufenweise Teams gibt, die sich unterhaltender Lektüre annehmen, sie sichten, neu interpretieren und dann übersetzt hierzulande auf den Markt bringen. Und genau da liegt das Problem: Es ist eine Interpretation eines Einzelnen, dem sich nun ein ganzes Land unterwerfen muss und die vielleicht nichts mehr mit den eigentlichen Intentionen zu tun hat.
Gerade bei den prägenden Dingen wie Stimme, “Nuschelei”, Charakterzügen oder knackigem Wortwitz brechen wir an den Sprachbarrieren kümmerlich auseinander und übrig bleibt ein Rest, der nicht mehr anzuschauen würdig ist.
Auch der Coup, dass man die besten Szenen im Film belässt und hier keinerlei Spoiler in die .trailer einbaut, mag von der PR-Riege Disneys löbliche Absicht gewesen sein: In diesem Falle hat sie einfach nur versagt und den Fans mit ihren riesigen Erwartungen jedwede Lust auf den Film genommen und sie bitter vor die Köpfe gestoßen: Lasst euch im Namen von Disney ein “Entschuldigung” zurufen und konsumiert den Film einfach im Original: Hier wird alles wieder so, wie es ursprünglich gedacht war.
Und ein letzter Punkt: Es ist Dolby Atmos, dass dieses Ding zum Leben erweckt und den wahrhaftigen Geist dieses Films zur Geltung bringt. Wer darauf verzichtet, gibt Geld für ein .kinoticket aus, auf dass er gerne genauso verzichten könnte, denn ohne Dolby Atmos lohnt sich der Film einfach nicht! Hier spielt er derartige Stärken aus, die dem ganzen Werk Leben einhauchen, weil es einmal mehr von der permanenten Entertainmentqualität lebt und im Zuge dessen eben von einem dynamischen, lauten und umhüllenden Sound, der das Kinoerlebnis erst zu einem solchen werden lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beachtet man diese zwei Dinge: NUR IN OV / OMU ohne 3D und in einem Kino mit DOLBY ATMOS – dann ist das seit Jahrzehnten das erste Werk Disneys, dass so richtig reinknallt und zeigt, dass der Laden es in der Moderne doch noch drauf hat!
Nach all den negativen Dingen, die ich über diesen Konzern geschrieben habe, könnte dieser Film – wie auf dem Plakat verkündet – der Beginn der größten Freundschaft der Galaxis werden, der zwischen mir und Disney itself. Die Unterhaltungsqualitäten hat der Film und die negative Kritik im Vorfeld kann ich nur damit erklären, dass diejenigen einfach keine Ahnung hatten, weil sie nur Teile und nicht das Ganze gesehen haben.
Ich würde und werde wieder reingehen, denn dieses Spektakel wirkt nur auf dem Big Screen und ist nichts fürs TV oder Heimkino, es sei denn, man lebt in einem Lichtspielhaus! 😉

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine Szenen mehr.
Kinostart: 24. Mai 2018
P.S.: Die Frage, ob dieses Universum jetzt als Basis für die neu gegründete Trilogie fungieren wird, die Disney bereits geplant hat, wollte mir die Pressestelle zu dem Zeitpunkt nicht beantworten. Eben dies würde ich begrüßen und fände es riesig, da dann aus dem zeitlich zurückgelassenen Schlachtfeld tatsächlich etwas großartiges entstehen könnte. Die Zeit wird’s zeigen…

Den Sternen so nah

Ganz vorweg: Wenn irgend möglich, zieht euch das Teil in OV oder OmU rein. Allein schon die Übersetzung zielt hier so abartig auf Mädchen, Romantik, Schmusefilm und Kitschklischee ab, während man im Original schon wieder Mehrdeutigkeit und damit Titelbrillanz aufweist: The Space between us.
Ich bin ein Fan von Asa Butterfield. Ganz im Ernst: der Junge ist brillant! Er spielt nicht nur ausgezeichnet, sondern hat eine defensiv-schmiegsame Ader, die mich tief in meinem Herzen berührt. Als Kerl!
Bereits in seinen Vorgängerfilmen hat er bewiesen, dass er es absolut drauf hat, zuletzt in Die Insel der besonderen Kinder. Er wirkt nicht nur unschuldig und verletzbar, sondern für ihn ist die Rolle des Gardner Elliot wie auf den Leib geschrieben.
In unglaublich ausdrucksstarken Bildern und Emotionen wird hier Gefühlskino in Vollendung gemeistert, das mich nahezu sprachlos zurückgelassen hat. Nicht nur Asa, sondern auch Britt Robertson und Gary Oldman spielen hier ihre Rollen perfekt.
Und der Weltraum. Erwähnte ich schonmal, dass man mich mit Bildern vom Space fast immer gewinnt? Diese Momente wurden hervorragend eingefangen und dem Zuschauer dabei etwas genommen, nur um ihm so vieles mehr zu geben.
Die Liebe zu Selbstverständlichkeiten wird neu entfacht. Das Gefühl der “Leere” dazwischen ist herausragend. Die Hingezogenheit und pure Liebe gleicht der in Das Schicksal ist ein mieser Verräter und setzt erneut Meilensteine mit einem genialen Cast.
Der Film holt einen sofort ab und erzählt eine Geschichte, die gesehen werden muss. Dabei sollte man sich – wie oben gesagt – nicht vom Titel abschrecken lassen, denn die Story ist gewaltig und löst völlige Ergriffenheit und Sprachlosigkeit bei den Zuschauern aus.
 

.kinoticket-Empfehlung: Tränen in den Augen. Sprachlosigkeit. Verstanden werden und die Schönheit dieser Welt mit ganz neuen Augen betrachten: Wenn das die Ziele des Films waren, dann hat man voll ins Schwarze getroffen.
Den Sternen so nah reizt hier wieder an den oberen Kanten der Meisterwerke und etabliert sich als vollkommen gelungenes Stück emotionaler Stärke, die nicht auf distanzierte Persönlichkeiten zurückzuführen ist, sondern jeden Menschen tief in seinem Herzen trifft, sofern dieser sich darauf einlässt.
Der beste Platz dafür ist ein dunkles Kino mit großer Leinwand und ruhiger Stimmung.
Geht rein – tut euch den Gefallen.

 
Nachspann
folgt keiner, man darf also wieder raus. P.S: Tränen trocknen nicht vergessen ^^.

Hidden Figures

Lasst euch von den Slogans auf dem Poster nicht abschrecken. Schaut am besten keine Trailer dazu. Lest nichts darüber, wo euch auch nur ansatzweise etwas darüber erzählt wird, was im Film stattfindet. Denkt nicht darüber nach, ob ihr reingeht. Vertraut den Worten des Security-Einlassers bei der Pressevorführung, der zu mir meinte:
“Das ist der beste Film seit Jahren, den ich je gesehen habe.”
So manch alter Kinohase mag sich bei solchen superlativen Aussagen natürlich seinen Teil denken. “Wo warst du denn alles drin?” “Wieviele Filme siehst du überhaupt?” “Weiß der Geier, was du für einen Geschmack hast, auf dessen Basis deine Bewertung jetzt steht…”
Sagen wir mal so: Das Kino hat jetzt Schleifspuren in dem Gang, wo ich saß in Richtung Ausgang. Meine Kinnlade war nämlich reichlichst tief im Boden versunken und kam da auch kein Stück mehr hoch. Kaum ein Wort hervorbringend bin ich zu dem Herrn zurück und meinte: “Du hattest recht, es IST der beste Film seit langem überhaupt!”
Den Pressevertretern konnte ich auch kaum Worte entgegnen, sondern habe mich nur mehrfach tief verneigt… An dieser Stelle einmal ein ganz persönliches dickes fettes DANKESCHÖN an FOX, dass ihr euch all die Mühen gemacht habt, um dieses Werk hierzulande zu veröffentlichen.
Was soll man jetzt also über den Film erzählen?
Eigentlich ist jedes Wort, dass man darüber schreibt, eher eine Missetat, die die unerreichbare Ehrenhaftigkeit, die hier auf ethischem Niveau vollzogen ist, nur wieder mit Unzulänglichkeiten beschmutzt. Meine Idee war:
“Bildung ist die einzige Waffe gegen den ganzen Hass hier auf Erden, also geht einfach da rein und bildet euch!”
Auch dieser Satz trieft nur so von Unkenntnis, Unbeholfenheit und Fehlern, denn er bringt nicht zum Ausdruck, was ich nach dem Sichten von Hidden Figures für Gefühle hatte. Ganz im Ernst: Ich würde Geld dafür ausgeben, wenn dafür mehr Menschen diesen Film zu Gesicht kriegen und sich tatsächlich die Zeit nehmen, ihn mit allen Wahrheiten gänzlich zu verinnerlichen.
Mit Hidden Figures landet nämlich nicht nur die Erzählung wahrer Begebenheiten endlich auf der Leinwand und wird so der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern neben den üblichen, absolut vollkommen erfüllten Erwartungen, die man an einen guten Film stellen kann (Spitzenstory, pointenreiche Wendungen, Spannungsausschläge in kurzen Abständen, hervorragende und überzeugende Darstellung, Top Cast, grandiose Filmmusik, unschlagbare Kulissen) kommt hier noch etwas dazu, dass diesen Film für mich so dermaßen gelungen dastehen lässt:
Das erzählerische Epos.
Im Ernst: Was hier an Moral (das Wort klingt an dieser Stelle irgendwie falsch) und Affinität zu moralischem Handeln an den Tag gelegt wird, sucht nicht nur seinesgleichen, sondern postiert in einer Welt dominiert von Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit und gesellschaftlicher Zerspaltung eine ethische Denkweise, die Jesus nicht besser hätte darstellen können. Und das mein ich tatsächlich ernst.
Ich habe jetzt knapp eine Woche mit mir gehadert, wie ich euch beibringen soll, dass der Besuch von Hidden Figures kein Diskussionspotenzial besitzt, sondern schlicht und ergreifend ein gesellschaftliches Muss für Jedermann ist. Und wie ihr seht, ist es mir ganz sicher auch immer noch nicht perfekt gelungen, tatsächlich den Text zu schreiben, der euch dazu bewegt, schnellstmöglich ins Kino zu rennen und die Vorstellungen dieses historischen Meilensteins zu überfluten.
“Ja, ich hab aber grad keine Zeit.” “Jetzt zu Weihnachten ist eh alles so stressig.” “Wie soll ich das jetzt noch in meinen Tagesablauf einbauen? Ich weiß eh schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht…”
Ruhe bewahren – weiß ich alles. Aus diesem Grund nutze ich die Chance und poste jetzt schon über den Film, obwohl der Kinostart erst auf den 02. Februar 2017 angesetzt ist. Ihr habt also noch genügend Zeit, diese Vorstellung zu planen und all eure Freunde, Familie, Bekannten & Verwandten einzuladen und mit ihnen dieses herausragende Beispiel menschlichen Verhaltens zu konsumieren, das eben nicht mit der üblichen Moralkeule schwingt, sondern so unterschwellig, dezent umspielend, dafür aber mit abartiger Bild- und Wortgewalt daherkommt, dass es einen als Zuschauer einfach nur erschlägt und zutiefst beeindruckt.
Ich würde sogar soweit gehen und fragen: “Hast du Hidden Figures schon gesehen?” “Nein.” “Okay, dann red ich erst wieder mit dir, wenn du ihn gesehen hast.”
 

.kinoticket-Empfehlung: GEHT!
REIN!
DA!
Ende der Diskussion!

 
Nachspann
auch hier kommt nochmals das epische Ausmaß zum Tragen, wenn all die echten Persönlichkeiten vorgestellt werden, die vom Spitzencast im Film deutlich und einprägend dargestellt wurden. Rennt also nicht sofort raus.

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (3D)

Der Trailer rief bei mir zwar Sichtungs-Sehnsüchte hervor, brachte mein Herz jedoch nicht in Wallung, wenn ich daran dachte, dass mich dieser Blockbuster so richtig vom Hocker reißen würde. Irgendwie hatte ich das dumpfe Gefühl, dass einem hier großartige Mainstreamkost vorgesetzt wird, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Und irgendwo ist es genau so gekommen. Der Film ist brillant, was Kulissen, Theatralik, verbale Auseinandersetzung und Thematik angeht und auch das 3D darf sich ruhmreich in der Sonne gelungener Arbeit baden. Hier gibt es wirklich kaum etwas auszusetzen.
Was die Geschichte und simple Kleinigkeiten angeht, war es teilweise aber doch kritikwürdig, zumal der Mars nicht das erste Mal Schauplatz fiktiver Geschichten ist, sondern schon oft in Hollywood als Ort des Geschehens oder Vorlage für SciFi-Horror herhalten musste. Die großartigen Überraschungen blieben also aus, die Ideen, mit denen man hier jongliert, driften aber teilweise ins Lächerliche. Stichwort: Tesa. Hier habe ich mir ernsthaft an den Kopf gefasst und mich gefragt, ob die das jetzt wirklich so meinen.
Positiv aufgefallen ist der ausbleibende Patriotismus, der zwar klischeehaft angerissen, jedoch nicht süffisant ausgelebt, sondern brav zurück in die Ecke gedrängt wird. Matt Damon leistet hier in seiner Nicht-ganz-One-Man-Show erstklassige Arbeit und wird auch andernorts für seine Darstellungen gelobt. Alles verhält sich sehr bodenständig, normal, ausgeklügelt und durchdacht – problematisch ist eben, dass es keine echten Werte gibt, auf die man zurückgreifen kann, da es sich hier eben immer noch “nur” um Fiktion handelt.
Allerdings macht dieser Film durch seine belebtere Struktur wesentlich mehr Spaß als Gravity, wo wirklich alles auf das Wesentliche runtergebrochen wurde und somit die Einsamkeit vollends im Vordergrund stand.
Gegenteilig wirkte Damon teilweise aber auch zu fröhlich, da die Sequenzen des Zweifels und der seelischen Qualen so überhaupt nicht angegangen werden, sondern allenfalls angerissen und nicht ausdiskutiert. Und da wären wir wieder beim Thema Mainstreamkost: Alles ist fröhlich, es ist unterhaltsam, teilweise doof und unrealistisch, aber im Endeffekt wird keinem so richtig auf die Füße getreten und alle sind glücklich. Diese Kombination kann funktionieren, ist aber kein Garant auf Erfolg, da man so auf viel Tiefe und Profil verzichtet und aus einem Sensationserfolg “nur” einen Kassenschlager macht.
Die bitterböse Enttäuschung ist das jetzt aber keineswegs, sondern durchaus ein Film, der sich – gerade in 3D – sehr lohnt, im Kino anzuschauen, sofern man auf der Suche nach einer kurzen Pause vom echten Leben hier in dieser Welt ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von Science Fiction mutiert dieser Streifen schon fast zur Schaupflicht.
Die Darstellungen von Matt Damon sind bodenständig, sehr realistisch und teilweise etwas zu fröhlich, das große Gesamt-Ganze darf sich durch seine beeindruckenden Bilder und Szenen und durchaus sehenswertes 3D gerne über die kleinen Macken hinwegsetzen, die die Spur der Erfahrungen hier und da spicken.
Man bekommt hochwertiges Mainstream-Kino vorgesetzt, nicht mehr, nicht weniger.

 
Nachspann
beginnt anfangs noch mit einigen Sequenzen. Sobald die abblenden, darf man den Saal verlassen.
 

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