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Tag: Waffe

Trouble

Trouble

© 2018 Kinostar Filmverleih GmbH

Anjelica Huston – diese Frau ist mir persönlich zuletzt von Die Nebel von Avalon in Erinnerung, ein Werk, das kaum jemand kennt und das man definitiv gesehen haben darf. Und auch, wenn diese Dame einen beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen und für ihr Schaffen inzwischen erkenntlich viele Preise bekommen hat … so wirklich “präsent” auf der Leinwand hab ich sie nie empfunden.

Ein wenig anders ist es schon mit Bill Pullman, der in meinem Leben erstmalig in Spaceballs in Erscheinung trat und dessen wohl prominenteste und in meiner Kindheit auch prägendste Rolle als Präsident in Independence Day sowie dessen Nachfolger war und damit sein Konterfei in mein Gehirn einbrannte.

Beide gemeinsam treten nun in Trouble gegeneinander an und brüsten sich mit verbaler Schlagkräftigkeit und dramatischer Lethargie. Die Aufschlüsselung, die man dem Plot angedeihen ließ, reißt mich zwar nicht sonderlich vom Hocker, die Rollenverteilung – bei der Huston definitiv die besseren Karten zugeschanzt bekommen hat – ist aber amüsant und sorgt grade zu Beginn des Films für unglaublich viel Kurzweil.

Dennoch hat mir – um hier eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen zu können – einfach zu sehr das gewisse Extra gefehlt. Man stellt sich eher die rollkragenpullovertragende Oma-Armada vor, die glückselig die Kinosäle bereist und wahnsinnig empört wieder nach draußen kommt, was heutzutage alles fürn Mist gedreht wird – auch wenn das jetzt unfassbar klischeehaft und vorurteilsbehaftet klingt … aber genau so ging’s mir: Es ist eben fast alles Heiter-Sonnenschein und damit einer dieser “American Moms”-Filme, die zwar herzallerliebste Szenen beinhalten, jedoch die Masse nicht beeindrucken und für die coole Gefolgschaft an Peinlichkeit kaum zu überbieten sind.

Damit muss man klar kommen, dann hat man mit diesem Film auch seine helle Freude.

.kinoticket-Empfehlung: Nicht zwingend für jüngeres Publikum geeignet, dafür aber bissig, scharf und genau so, wie sich “Oma” den Verlauf einer Story wünscht.

Kann man sich sehr wohl anschauen, sollte aber bedenken, dass dies eher für die gesetzteren Altersklassen geschaffen ist und nicht zwingend Schulfhoflektüre.

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Trouble
Length: 100 Min.
Rate: FSK 12

KIN

Regiedebüt: Eines der Movies, das mich sofort gepackt hat! Diesmal hab ich mich sogar dazu herabgelassen und bereits vorher den .trailer geschaut und der hatte mich quasi schon fest in der Tasche – und der Film setzt dem ordentlich eins oben drauf!
KIN gehört zu der Sorte SciFi, die mit Hirn und Verstand an die Sache rangeht und somit unvergleichbar viel Realismus-Nähe mitbringt, was seinerzeit bei Arrival auch schon einen derart guten Beigeschmack hinterlassen hat. Man hebt eben nicht mehr in fantastische Zukunftswelten ab und bewegt sich völlig in einer Fantasie, sondern gestaltet die Elemente derart durchdacht, dass der Zuschauer die Handlung und Möglichkeiten abkauft und sich intellektuell nicht vor den Kopf gestoßen fühlt.
Und was mich absolut begeistert hat: Der Look und das Design des Films! Leute? Burner! Diese Einfälle erstmal zu kriegen und dann derart leuchtend und grandios umzusetzen ist ein Move, den ich lange nicht gesehen habe und der wirklich absolut überzeugend rüberkommt, trotz CGI-Rumgefummel. Ehrlich, wie kommt man dazu, so eine geile Technik zu erfinden und sie dann so formschön und elegant und gleichermaßen zerstörerisch und wütend auf die Menschheit loszulassen?
Dieser Film räumt auf und holt eine ganz bestimmte Sorte Menschen vor die Bildschirme, um ihre unausgesprochene Wut zu beantworten und zu kurieren. Und dabei bewegt man sich so fernab von jedweder Kinoblockbuster-Dummheit und kriegt jedesmal wieder eins auf die Twist-Mütze, wenn die Meinung aufkommen könnte, dass es langweilen würde.
Ganz ehrlich? Es macht so einen riesigen Spaß, dieser Geschichte zu folgen und auch wenn einiges vorhersehbar ist, stört dies nicht die exzellente Zusammenstellung des Casts und die bärigen Design-Elemente, mit denen man jedes Auge hier verwöhnt!
Schreibt mir, wem’s nicht so ging, dass er sich selbst auf die Leinwand wünscht um dies und das einfach zu klauen und es selbst zu besitzen, einfach weil’s geil aussieht! Auch wenn der Start inzwischen nahe gerückt ist, fällt es extrem schwer, darauf zu warten, dass ich endlich wieder Dauerkinosaalbesetzer werden kann, um dieses Ding hoch und runter laufen zu lassen, denn genau das sollte man damit anstellen: Gebt ihm so einen ruhmreichen Kinostart, dass sich die Produzenten von großartigen Filmen noch öfters dazu hinreißen lassen, so etwas grandioses zu probieren und aus dieser Geschichte eine Reihe werden lassen: Potenzial dazu hätte sogar der Plot in der Tasche!
 

.kinoticket-Empfehlung: Design: Augenschmaus! Cast: Mega! Twist: Bravourös!
KIN hat mich sofort gepackt und bisher nicht mehr losgelassen: Ich liebe so einen Scheiß! Allein nur wegen der Effekte und dem außerordentlich göttlichen Design des Films hat dieser Titel Aufmerksamkeit verdient und wer sich dann noch in dem Plot verliert, wünscht sich genauso, dass man hier jetzt ansetzt und endlich mal eine taugliche SciFi-Reihe auf die Füße stellt, die man sich ungeschoren ansehen kann!
Großartig – und als Regie-Debüt einfach klasse!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aushocken, Kinosaal freimachen und zum Putzen freigeben. Bucht lieber die nächste Vorstellung inzwischen… 😉
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: KIN
Length: 102 Min.
Rate: FSK 12 | PG-13

Jurassic World: Das gefallene Königreich (3D)

Testfrage: Gehst du in Jurassic World: Das gefallene Königreich – evtl. sogar in eine 3D-Vorstellung?
Menschen, die unlängst bei der Vorbestellung zugeschlagen haben, dürften hier schon eine feststehende Antwort parat haben. Und alle anderen? Hand aufs Herz? Ja oder nein?
Daran seht ihr, dass die Entscheidungen eigentlich schon längst gefallen sind und man daran auch als Kritiker womöglich nicht mehr wirklich etwas ändern könnte.
Und darum wird der Film auch funktionieren.
Logisch. Der alte hat ja auch funktioniert. Jurassic World gehört immerhin zu den weltweit (!) erfolgreichsten Filmen aller Zeiten nach Einspielergebnis (da ist das böse Wort) und belegt dort gleich Platz 5 im Ranking. Sein Urvater Jurassic Park schafft es im Jahr 1993 sogar auf den historischen Platz 1 auf der Toplist der weltweit erfolgreichsten Einspielergebnisse.
Als erfolgreichstes Franchise räkelt sich die Filmreihe derzeit auf Platz 12, was sich demnächst dann ändern dürfte. Franchise?
Das ist dieses Ding, wo jemand eine – zugegebenermaßen – grandiose Idee hat, sich dann hinsetzt und ein Papier aufsetzt, in dem steht, was andere mit dieser Idee im Rahmen der Freigaben anstellen dürfen und fortan damit nur noch Geld verdient. Und hier fangen die Probleme an. Ja, Entschuldigung, ich jammere …
Jurassic Park war damals einzigartig. Was gab es drumrum an Filmen? Wie sah der Markt aus? Was wurde dem Zuschauer an Gros aus Filmen geboten, wenn er sich für ein Lichtspielhaus entschied? Welche Alternativen gab es? Alles war gleich. Mehr oder weniger. Normale Menschen, normale Größen, mal lustig, mal traurig, aber alles auf ein und demselben Level.
Und es gab Jurassic Park. Dinosaurier! Egal, ob man sich vorher dafür interessiert hat oder nicht, danach tat man es. Diese unfassbare Vorstellung, dass diese Viecher, von denen keiner von uns je eines lebend gesehen hatte, jetzt lebendig auf der Leinwand rumtobten und dort jede Menge Krawall anrichteten – ein Traum! Allein die Faszination des Lebens ganz neu bestaunen zu dürfen und von den Protagonisten mitgerissen zu werden – das Dinofieber war ausgebrochen und ein Wort bekam neue Dimensionen: Superlative!
Die Dinos waren vor allem eins: Groß und mächtig. Wir Zuschauer fühlten uns unterlegen, klein, voller Begeisterung und Bewunderung – gefesselt von der Magie und Faszination, fast schon demütig vor ihnen und zuckten alle in unseren Sesseln zusammen, wenn das schwere Trappen der übergigantischen Monster zu vernehmen war. Es gab nichts, was ihnen den Rang ablief. Sie waren die absoluten Götter der Giga-Dimension mit einer vernichtenden Kraft, vor der man ganz automatisch in die Knie ging.
Heute?
Gibt es Godzilla, Kong: Skull Island, Transformers, Transformers – Die Rache, Transformers – Die dunkle Seite des Mondes, Transformers – Ära des Untergangs, Transformers – The Last Knight, Pacific Rim, Pacific Rim: Uprising, Cloverfield, 10 Cloverfield Lane, Monsters, Rampage: Big meets Bigger … und? Jurassic Park, Jurassic Park II, Jurassic Park III, Jurassic World und nun eben auch Jurassic World: Das gefallene Königreich. Um mal nur ein paar zu nennen.
Die Einzigartigkeit, die Jurassic Park damals ausgemacht hat, das “riesige” was uns über den Kopf gewachsen ist und seit jeher in den historischen Gedanken der Menschheit verankert existierte, wieder neu zum Leben erweckt, fristet heute ein Dasein in einer dunklen Nische und ist umgeben von Superlativen, in denen wir alle in den letzten Jahren längst ersoffen sind.
Geben wir es doch zu: Keiner will mehr was von diesen monströsen “immer noch größer und noch besser und noch schlechter animiert, aber dafür 2489 Billiarden teurer”-Filmen mehr sehen, denen jedweder Geist und Seele fehlt und denen es allen nur ums Geld geht, aber nicht mehr um eine grandiose, und vor allem funktionierende Geschichte.
Willkommen in Jurassic World. Verdammte hacke!
Und jetzt fang ich wirklich das Kotzen an! Warum?
Ihr erinnert euch an meine jüngsten Hasstiraden gegen den Megakonzern Disney, der das weltweit unrühmliche Beispiel geliefert hat, wie man aus etwas Wunderschönem eine karambolagierende Untergangsmaschinerie gestaltet und damit zahlungsunfähige und filmliebende Kinos ausblutet, die fortan mit schlechteren Filmen die großen Blockbuster subventionieren müssen, um über Wasser zu bleiben?
Universal Pictures folgt ihrem diabolischen Beispiel. Sie wollen Geld. Sie werden raffgierig. Sie kriegen nicht genug. Die Zeiten der Dankbarkeit und des “Hey, Wow, wir haben es weltweit zu Bekanntheit und Ruhm geschafft” sind vorbei und machen dem Mammon Platz. Irgendjemand hat zwischen seinen Trilliarden immer noch Lücken im Portmonee und die müssen dringend auf Kosten von kleinen Kinos gestopft werden!!! Da werden harte Verhandlungen im Hintergrund geführt, die sogar Multiplex-Kinoketten wie CinemaxX in die Knie zwingen und bis ganz zum Schluss die Entscheidungen offen stehen lassen, ob Jurassic World 2 dort überhaupt anlaufen wird oder nicht. Warum? Weil der Konzern so immens hohe Gebühren fordert, dass die Kinokette daran nichts mehr verdienen würde.
Ernsthaft jetzt?
Und was machen dann die kleinen, die nicht so solvent und zahlungsstark sind wie solche Megaketten?
Ist das wirklich euer Ernst? Ist das der Respekt vor dem Leben und die Aufrichtigkeit, die uns Jurassic Park gelehrt hat?
Ihr – die ihr die Macht in euren Händen haltet, hättet mit beispielhaftem Vorbild vorangehen müssen und sagen: Wir geben ihn euch. Wir machen damit sowieso Kohle. Unfassbar viel Kohle! Wir verdienen so viel, wie wir niemals tragen oder ausgeben können. Hier ist ein Bruchteil dessen für euch, damit keiner sich zu Tode schuften und irgendwas subventionieren muss, um unseren Film zu zeigen.
Ihr habt nämlich vergessen, dass Kinos die Plattform sind, wo eure Filme gezeigt werden und ihr auf diese Häuser angewiesen seid. Ohne ihre Leinwände seid ihr … nichts! Eure ganze verdammte Großkotzigkeit ist NICHTS ohne eine Leinwand! Ihr verachtet mit solch einer Aktion eure eigene Familie und blutet die aus, die dafür sorgen, dass ihr euch hinterher stolzierend brüsten und selbst feiern könnt, weil nur die Kinos die Menschen anlocken und dort eure Werke gefeiert werden. Oder eben nicht.
Ich warte bis heute auf den Konzern, der das einsieht und der endlich ein markantes Beispiel setzt und sich erkenntlich zeigt. Der es begreift, wenn man große Macht hat, dass darauf große Verantwortung folgt. Habt ihr denn alle nicht euren eigenen Worten zugehört? Habt ihr nichts von den Superhelden der Vergangenheit gelernt? Scheinbar nicht.
Und dieser Umstand kotzt mich an! Recherchiert man ein wenig, findet man ruckzuck Kinos, in denen ein (1!!!) Ticket für einen Film in 3D knappe 30 € – also 60 DM – kostet. Warum DM? Weil ich an die Zeit erinnern wollte, wo man für 50 Pfennig durch die Tür gelassen wurde. Aus 0,25 € wurden 30,00 €. Findet ihr nicht auch, dass ihr durch diesen Wahnsinn den Kinogängern eh das Geld aus der Tasche zieht? Und dass immer genügend Gewinne da sein werden, in denen ihr euch suhlen könnt?
Okay okay … wenn ihr auch etwas dafür bietet. Dann schauen wir doch mal.
Jurassic World: Das gefallene Königreich – gefallen … gehört das zur Selbsterkenntnis oder ist euch nichts besseres eingefallen? Selbst der grottenschlecht abschneidende Solo: A Star Wars Story hatte Momente, die an seinen Schöpfer erinnerten und bei jedem die Gänsehaut aufflammen ließen, z.B. als die beiden erstmalig im Millennium Falcon sitzen und der Beat von Star Wars erklingt. Redet den Film schlecht. Kritisiert seine Unzugehörigkeit zum Rest von Star Wars, aber die Szene hat funktioniert. Und davon hättet ihr in Jurassic Park genügend Ansatzmöglichkeiten gehabt, um genau das wieder hervorzurufen.
Und was tut ihr stattdessen? Weiß jemand, was Killcounts sind? Diese Counter, die am Bildschirmrand mitzählen, wieviele Leute abgemetzelt werden? So etwas hätte ich gerne im Eck gehabt, und zwar für Logikfehler.
Ein Dino rammt mit seinem Schädel gegen Wände und bringt massive Betonsteinmauern zum Einsturz und scheitert anschließend an einer kleinen Holzdiele? Läuft.
Dino rennt eine Treppe hoch und hinterlässt Zerstörung und das absolute Chaos, erklimmt das Dach und die zerbrechlichen, sensiblen kleinen Dachziegelchen bleiben allesamt heile? Läuft.
Oder euer Einfallsreichtum. Ich kann mir das so vorstellen: “Was hat denn schon mal funktioniert?” “Hm… keine Ahnung? Dinos?” “Ahh … ja. Welche denn?” “Ähm, wir könnten … irgendwas mit Raptoren. Ach und T-Rex vielleicht.” “Ja, machen wir das doch. Wie halten wir das Budget gering?” … das könnt ihr im Film selbst anschauen.
Euer Film erstickt an seiner eigenen Vorhersehbarkeit. Ausnahmslos jede einzelne verdammte Szene ist vorhersehbar. “Jetzt passiert das.” … und es passiert. “Und jetzt müsste das passieren” und es passiert. “Und jetzt müsste sie eigentlich dahin rennen.” … und sie rennt dahin. So geht das den ganzen Film über. Es gibt absolut keine Überraschungen oder Momente, die einen wirklich vom Hocker reißen und auch nur ansatzweise das Staunen, die Mystik und Faszination zurückkehren lassen, die uns Jurassic Park einst lieferte. Statt dessen presst sich aus allen Poren etwas völlig anderes: Scheinheilige Kompromisse, um ja niemanden auf der ganzen Erdkugel vor den Kopf zu stoßen. Jurassic World 2 ist alles: heilig, halal, vegan, bio, glutenfrei, koscher und laktoseintolerant. Diese Kompromissbereitschaft und das Daniederliegen in Angst, auch nur einen einzigen Cent zu verlieren, weil IRGENDJEMAND sich vor den Kopf gestoßen fühlen könnte, ist zum Erbrechen!
Ich meine: Überlegt euch das mal… wir haben hier einen Film mit der wohl gewaltigsten Schöpfung und Kraft, die es auf diesem Planeten jemals gegeben hat. Eingepackt in einen Film, der vor Symbolträchtigkeit und Schwere von niemandem anzuheben ist und eigentlich Unvergleichbar sein sollte. Und seine Schöpfer haben Angst? Angst davor, Geld zu verlieren? Stattdessen verlieren sie sich selbst in einer Kompromissbereitschaft, die zum Himmel stinkt und in einer öden, langweiligen und lahmarschigen Variante seiner selbst untergeht und aus etwas Meisterwerk-Unangreifbarem einen Schundfilm gemacht hat, der wie ein billiges, hässliches Kind wirkt, dass mit nichts zufrieden ist, was man ihm gibt.
Die Dialoge sind so dermaßen öde und langweilig, uninspirierend und langsam, überhaupt nimmt der Film keinerlei Fahrt auf. Alles ist einfach da. Dinos rennen. Juhu. Ach nein, auf einmal stehen wieder alle einfach nur rum. Obwohl im Hintergrund …. egal. Spoiler ich? Tschuldigung. Da … eine offene Autotür. Ach Mist, der Dino ist noch nicht da. Warten … Warten …. bloß nicht einsteigen … nicht reingehen und einfach abhauen und wegfahren. Kucken! Warten und Kucken! Noch mal kucken! Und warten. Jetzt ist der Dino da. Ein Schritt. Es wäre nur ein Schritt. Aber ich gehe ihn nicht. Sondern warte lieber. Und kucke den Dino an. Der bewegt sich. Auf mich zu. Ich bewege mich aber nicht, denn ich muss kucken. Und warten. Und zack – ist meine zehnstündige Chance, im Auto mit offener Tür direkt vor meiner Fresse auf einmal unwiderbringlich verloren.
MEINE FRESSE! Und sowas verkauft ihr uns als erfolgreichsten Dinofilm aller Zeiten, der so verhandelbar stark ist, dass ihr sogar Monster-Kinoketten in die Knie zwingen wollt, so dass sie daran nichts mehr verdienen?
Go, fuck yourself.
Das einzige, das an diesem Film gigantisch ist, ist der gigantische Schlag in die Fresse eines jeden, der im Leben schon mehr als 5 Filme gesehen hat, den ihr nach Strich und Faden verarscht und ihn perverserweise noch dafür bezahlen lasst. Und zwar teuer. Teuer mit Zeit und teuer mit Geld, über das ihr dann auf der Leinwand wieder scheinheilig rumlamentiert und es aufs höchste verurteilt. Erkannt? Das, was Jurassic World 2 am Wesen des Menschen anprangert, erfüllt ihr mit eurem eigenen Film parademäßig selbst. Wie pervers bitteschön ist das denn?
Und das eigentlich traurige daran kommt jetzt: Es wird funktionieren. Der Film wird sensationelle Einspielzahlen einfahren, denn wer will denn nicht Dinos auf der Leinwand hüpfen sehen? Wir alle lieben es doch abgöttisch, wenn diese Monster vor uns die Welt in Schutt und Asche legen und wir dabei zuschauen dürfen.
Nur, dass das leider in dem Film hier nicht passiert.
Wisst ihr, was mir an dem Film gefallen hat?
Das, was die meisten meiner Pressevorführungsmitglieder alle schon nicht mehr mitgekriegt haben, weil der Saal grottenleer war: Die After-Credits-Szenen. Ganz zum Schluss – nachdem alles abgelaufen ist, kommt nämlich noch ein saftiger Nachspann. Und bei der Sequenz hatte ich Lust auf einen neuen Film. Der war da aber dann endgültig vorbei. Verdammt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses Werk ist auf allen Ebenen des Seins eine grandiose Enttäuschung.
Auf der Leinwand, in Sachen Logik, in Sachen “baut Geschwindigkeit auf”, in Sachen Dialoge, in Sachen Animation, in Sachen Einfälle.
Hinter der Leinwand in Sachen Verhandlungen, in Sachen Geldgier, in Sachen Ausbluten kleinerer Kinos, in Sachen Ausbluten großer Kinos, in einem verachtungswürdigen Verhalten der Betreiber in jederlei Hinsicht.
Und aus diesem Grund sollte man dieses Werk konsequent boykottieren, um hier als zahlender Kunde ein Zeichen zu setzen und zu sagen: So nicht! Denn eines haben die Studios auch vergessen: Ihr braucht nicht nur die Kinos, um selbst reich zu werden. Ihr braucht in allererster Linie uns zahlende Kundschaft. Und wenn die auf mein Nachfragen nicht wie aus der Pistole geschossen antwortet “Geil!!!”, sondern Sätze fallen wie “Da muss ich erst nochmal eine Nacht drüber schlafen, ob der wirklich gut war oder nicht”, dann gibt es in meinen Augen kein besseres Zeugnis eures Versagens.
Geht, haut ab und kommt einfach nicht wieder.
P.S: Jurassic World 3 ist bereits für 2021 angekündigt.

 
Nachspann
✅ Hocken bleiben – und zwar ganz bis zum Schluss, sonst verpasst ihr das Beste des Films! Hier kommt noch eine mörderische Szene!
Kinostart: 06. Juni 2018

Griessnockerlaffäre

Mit den Kinoverfilmungen der Rita Falk-Bücher hat man zumindest in Bayern ein exzentrisches Epos losgetreten, dass vor Lokalität und Originalität nur so trieft. So sehr ganz Deutschland schimpft, den Weißwurst-Äquator gezogen hat und man Bayern vornehm aus dem Rest des Landes ausgrenzt, so sehr lecken sich nun alle außerhalb dieses – in meinen Augen – besten Bundeslandes die Finger nach den Vorstellungen in den Lichtspielhäusern.
Und das zu Recht: Eberhofer und seine Eskapaden begeistern ganz Deutschland. Sein Charme ist ungebrochen und die durchtriebene Art von ihm und seinen Artgenossen ist bislang einzigartig. Nie zuvor hat es ein so dermaßen erfolgreiches Lokal-Filmfranchise mit bisher über 1,6 Millionen Zuschauern gegeben, das mit derartigem Humor und einer so erzählerischen Kraft auftrumpfen konnte, wie die Eberhofer-Verfilmungen.
Und ich liebe sie alle. Nicht nur die bisherigen Teile Winterkartoffelknödel, Dampfnudelblues und Schweinskopf al dente, sondern auch die Charaktere, die sie durch alle Teile hindurch schleifen und mit immer neuen Problemen konfrontieren. ENDLICH gibt es mal Menschen auf der Leinwand, deren Nationalität deutsch ist und denen man nicht permanent die Fresse einschlagen möchte, weil sie so gekünsteltes Theater-Hochdeutsch quatschen, was jenseits aller Realität ist. Adieu, schlechtes Fernsehen, willkommen in einer authentischen, mit liebevollen Details und viel Ungewöhnlichkeit verzierten kleinen Welt, die noch nicht mal richtig zur Hochblüte gekommen ist, aber uns allen jetzt schon tief im Herz verwurzelt die Sonne in den Alltag wirft.
Und das schöne daran: Die Autorin der Bücher schreibt aktiv und die Verfilmungen werden – dank der extremen Nachfrage – wohl auch nicht so schnell aufhören. Gut so, denn Eberhofer schau ich mir auch in 10 Jahren noch gerne an – sofern man auf diesem Niveau weiterarbeitet und den Cast nicht austauscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Urtypisches Meisterwerk mit bayerischem Originalrezept: Die Idee der Bücher ist genial und wird mit einem hervorragenden Cast in den Verfilmungen kontinuierlich mit zutiefst schwarzem Humor umgesetzt.
Es ist spannend, originell, und echt bayerisch: Neben der Mundart kommen so viele lokaltypische Elemente zum Einsatz, die nicht nur zum Schreien komisch, sondern vor allem unglaublich nah an der Realität sind und somit ein glaubwürdiges Bild dieses Kosmos’ vermitteln.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, glänzt aber dennoch mit grafischem Charme.
Kinostart: 3. August 2017

The Party

The Party ist definitiv der außergewöhnlichste Film, den ich in diesem Kinojahr innerhalb der Presse gesichtet habe. Nicht nur seine Ambitionen, vollkommen in schwarz-weiß gedreht zu sein, sondern auch sein eigenwilliger Inhalt und seine absolute Dedikation zur exotischen Kunst machen dieses Machwerk zu einem absolut gelungenen Bühnenstück erster Güte.
Die Moral dieser Geschichte erwächst dabei nicht aus langweiligen Handlungssträngen oder anderer Vorhersehbarkeit, sondern besticht mit einzigartiger Originalität und spezifischer Genauigkeit. Man könnte fast meinen, der Raum hinter der Leinwand wurde eröffnet und man befände sich auf einmal in einem Theaterstück jenseits der Masse.
Und alle Schauspieler sind hervorragend gecastet und spielen mit unglaublicher Imposanz und außergewöhnlichem Können. Auch, wenn man inhaltlich im Original nicht immer ganz mitkommt, so beeindruckt doch die aufgebrachte Mimik, Situationskomik und durchtriebene Besessenheit von diesem Plot.
Das Ausarten in immer verwirrendere Zustände einer eigentlich anfangs durchschaubaren Situation erblüht zum Ende hin zu einem Gipfel künstlerischen Schaffens, dem nicht mal der eigene Trailer gerecht zu werden scheint. Die verhaltenen Reaktionen der Arthouse-Kinobesucher auf den Trailer sind absolut ungerechtfertigt, denn der Film bringt viel mehr mit, als sein offensichtliches Aushängeschild verspricht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer mal etwas völlig Außergewöhnliches erleben möchte, darf sich gerne ein gemütliches Kino aussuchen und die Show in allen Vorzügen genießen.
Die Abgeschiedenheit zur Realität ist hier eines der Stärken, die The Party während seiner kurzen Laufzeit ausspielt und den Zuschauer hier mit zutiefst bewegendem künstlerischen Können verwöhnt.
Sehenswert und absolut anders als alles andere.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf also nach draußen.
Kinostart: 27. Juli 2017

Das Belko Experiment

Endlich mal wieder ein Film, der mit seinen Meinungen polarisiert und kein Allgemeinheitsgemansche erzeugt, sondern den Leute entweder die Tränen vor Glück in die Augen oder die Wut ins Gesicht treibt. Man fühlt sich direkt zurück in die 90er versetzt, wo man es auch in Hollywood teilweise noch so handhabte, dass man hier und da ein paar Genrefreunde befriedigte und einem die große breite Masse noch relativ egal war.
Blockbuster hin oder her – wir sind hier im Independent-Kino zu Hause und hauen da auch richtig auf die Zwölf. Freigabe ab 18? Läuft. Deshalb braucht jetzt aber niemand erwarten, dass wieder die klassischen Gore-Momente abgefeiert werden, in denen zermatschte Gehirne und möglichst brutale Schüsse mit Gekröse in 3D durch die Säle fliegen, sondern das erste Mal hat man ein so derbes Thema derart kunstvoll und intelligent inszeniert, dass mir immer noch der Schauer über den Rücken läuft.
Man spürt, dass hier eben nicht die barbusige Blondine neben zehn weiteren Klischees durchs Bild springt, bis auf einmal der Vorhang fällt und das fröhliche Gemetzel mit Killcount gestartet wird, sondern allein schon das “Intro” (wenn man so will) arbeitet sich mit extrem viel Fingerspitzengefühl und Charakterausarbeitung immer weiter durchs Geschehen, dass der Zuschauer zwar in der Achterbahn der Gefühle mitgerissen wird und auch irgendwie noch mit einem Arm am Gurt hängt, jedoch längst nicht mehr mit seinem Arsch im Sitz verankert ist, sondern wild durch die Luft schleudert und sich dabei immer wieder am Gestänge der Achterbahn anschlägt.
Die Voraussetzungen, mit denen man hier sowohl auf als auch vor der Leinwand konfrontiert wird, lassen jemanden wie mich innerlich frohlocken, denn endlich wird alles anders und Chaos bricht aus. Chaos reinigt die Welt von ihren aufgesetzten Zwängen und offenbart das wahre Wesen der Menschen. Ich höre schon die entnervten Enthusiasten aufstöhnen, weil hier gleich wieder die Klischeemoralkeule ausgepackt wird, um ein weiteres Mal zu zeigen, dass … und wer … und wieso …… Nein.
The Belko Experiment begleitet dich durch ein wahres Schauspiel, für das ich keine andere Bezeichnung finde, als stilvoll-perverse Kunst. Man spürt den Machern an, dass sie unglaublich intelligent waren, sowohl beim Schreiben der Dialoge, als auch bei den Überlegungen, wer weshalb wie handeln würde. Das typische Blabla, das man aus spanischen Horrorfilmen beispielsweise kennt, hat hier keinen Platz und selbst Abschlachtungen finden in gewisser Weise unglaublich elegant und absolut durchgestylt statt, was einem zwar vordergründig den Tod eines Menschen zeigt, ihm unterschwellig aber dennoch Respekt und Ehre erweist und somit kein sinnloses Töten bedeutet. Demnach sollte man sich nicht im Pollunder mit abgehalfterten Jeans, sondern eher im Opern-Dress in die Vorstellung hocken, weil spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem die Musik einsetzt, klar wird, dass es sich hier keineswegs um Trash oder einen B-Movie handelt, sondern der Intellekt des Films auf weitaus höherem Niveau avanciert.
Dies spürt man bei Szenen, in denen das gesamte Kino vergnüglich im Takt der höchst anspruchsvollen Klänge mitschwingt, während auf der Leinwand das Unaussprechliche gnadenlos durchgezogen und dem Zuschauer mit aller Brutalität ins Hirn gemeißelt wird.
Und genau da beginnt die Diskussion, bei der sich so viele so unglaublich aufregen, ob der gefühlten Sinnlosigkeit der Taten in Verbindung mit der nicht wegzudiskutierenden Intelligenz und brillanten Inszenierung der dargestellten Abstrusitäten.
Und genau das feiere ich: Endlich mal ein Film, der nicht “Yoah, war ganz ok” aus den Mündern holt und ihn dann in Vergessenheit geraten lässt, sondern der für wilde Diskussionen sorgt und damit genau das erreicht, was man eigentlich im Kino erreichen sollte: Geteilte Meinungen und das Herausfordern des Geistes, damit sich der Zuschauer auch danach noch damit beschäftigen muss, um irgendwie damit klar zu kommen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab’s gefeiert – in allen Punkten: Dem Aufbau, der Entwicklung, der abartigen Perversion, der philosophischen Tiefgründigkeit, der Darstellung, dem Score, der essentiellen Verbindung zwischen Optik und Akustik.
Ich habe keine Ahnung, womit die Macher diese perfide Konstruktion so elegant in den Raum zeichnen konnten, aber der Coup hat funktioniert und in meinem Fall voll eingeschlagen. Entweder man liebt es, oder hasst es – dazwischen gibt’s nichts.
Achja: Jeder, den ich danach gefragt hat, meinte, dass die Musik und der Soundtrack einsame spitze sind. Da waren sich komischerweise alle einig.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet werden, da folgt nichts mehr.
Kinostart: 15. Juni 2017

Office Christmas Party

Bei einer Vor-Nikolaus-Sneak Preview kann eigentlich nur dieser Film auf der Liste stehen und voilà – er wurde es dann auch. Allein der Trailer erweckte ja schon den Aufwind richtung Die Highligen drei Könige und erinnerte einmal mehr an diese Art von Film, die ironischerweise fast alle in New York spielen, mit Jennifer Aniston im Gepäck auflaufen und alle denselben, merkwürdigen Humor in sich tragen.
Mag sein, dass die Klientel für diese Streifen mittlerweile groß genug ist, dass man sich nach Hangover-Manier überall ein paar Sympathisanten abgreift, mich jedoch erreicht diese Form von Ulkigkeit nur bedingt.
Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Er war ganz nett, jedoch jetzt kein Überflieger. Für meine Begriffe zieht sich der Film anfangs tierisch in die Länge, das Zeitlassen beim Vorstellen der Hauptdarsteller war einfach zu ausgeprägt und thematisch bedingt für Außenseiter zu langweilig. Die Spanne, bis man dann endlich zum “Ausrasten” übergeht, ist deutlich zu lang und enthält zu wenig Pointen, die einen wirklich zum Lachen zwingen, sondern der Humor plätschert so vor sich hin und hat hier und da mal eine größere Blase, die dann tatsächlich komisch wirkt.
So richtig in Fahrt kommt auch keiner, sondern man wird im Saal das Gefühl nicht los, dass hier krampfhaft versucht wird, lustig zu sein ohne dabei tatsächlich den Drive zu spüren, der die Story auch richtig in Fahrt bringt und mit vollen Schüben in die Lachmuskeln der Zuschauer pusht.
Eine Szene gibt es, relativ spät im Film, wo die Erwartungen dann schon in die richtige Richtung tendieren, dessen Höhepunkt aber auch wieder durch die willkürlichen Eingriffe jemandes abgewürgt werden und somit klargestellt wird, dass hier die konstituierte Linie ganz klar nicht verlassen werden soll.
Somit verkommt Office Christmas Party klar zu einem spezifisch-mainstreamorientierten Machwerk, das keinerlei Bedeutung abverlangt und hinterher auch leicht in Vergessenheit gerät, es sei denn, man ist 14 und findet solche Spielereien unterhaltsam. Stichwort: Schulhofhumor.
 

.kinoticket-Empfehlung: Klar erkennbare Massenware für Menschen, die auf der Hangover-Welle mitgeschwommen und diese Erfahrung für gut befunden haben.
Ans Original kommt man dabei bei weitem nicht, verlässt allerdings ganz bewusst auch nicht die Sorte Film, die sich die Macher hier ganz klar auf die Fahne geschrieben haben.
Mein Humor ist es nicht, wer jedoch dem Sex and the City-Charme etwas abgewinnt, der ist mit Office Christmas Party ganz klar auch nicht auf dem falschen Dampfer.

 
Nachspann
darf abgewartet werden, da hier nahtlos noch Outtakes gezeigt werden, die jetzt zwar auch nicht so der Brüller sind, jedoch dem Film noch das gewisse Etwas verleihen. Nach deren Abblende kommt dann tatsächlich nichts weiter mehr.

Mechanic: Resurrection

Jason Statham ist nicht austauschbar. Nicht so, wie die ganzen Milchbubis, denen man große Rollen in noch größeren CGI-Machwerken anbietet, die aber selbst keine großartige Persönlichkeit mitbringen und den Film damit führen, sondern eher dafür sorgen müssen, dass sie in der Wucht der Animation und Computerlügen als Mensch und Schauspieler nicht untergehen und quasi mehr oder weniger krampfhaft darum kämpfen, den Anschluss nicht zu verlieren.
Bei Statham ist das genau das Gegenteil. Steht er auf dem Plan, weiß jeder, dass nach seinen Spielregeln gespielt wird. Er bringt ein Image mit, der einen Film tragen kann – und das ist eine seiner größten Stärken, die auch in Mechanic: Resurrection mehr als zum Zuge kommen.
Schon gleich in den ersten 30 Sekunden ist die Stimmung gleich mal auf Vollpower und man ist mitgerissen und sofort im Spiel. Keine langwierigen Aufbauprozesse, keine Einführungen oder sonstiger Schnickschnack – sondern Schalter umlegen und los geht’s.
Und diese 90er-Jahre-Manier macht im zweiten Teil dieser Filmreihe gleich mal wieder tierisch Spaß. Solides Actionkino, bei dem jeder weiß, wie es zu enden hat, der Weg dorthin macht allerdings tierisch Bock und die Mucke und der ganze Aufbau drumrum ist höchst professionell und modern.
Und genau das macht diesen Film für mich zur perfektion Beigabe zum Popcorn und lässt das alte Actionkino der 90er Jahre wieder aufleben. Top!
 

.kinoticket-Empfehlung: Auf jeden Fall reingehen!
Der knallt nicht nur wieder in 90er Jahre Manier, sondern unterhält in bester Weise und sorgt für unbesorgte Stimmung im Kino – dabei hat garantiert jeder seinen Spaß, der mit Statham auch nur im geringsten etwas anfangen kann.

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf sich also gemütlich wieder verzupfen, wenn die Show vorrüber ist.

Der Spion und sein Bruder

Sacha Baron Cohen ist für viele ein heißes Eisen. Was man mit Gewissheit sagen kann: Seine Filme sind kritisch, schwer verdaulich und mit Sicherheit nichts für die breite Masse.
Sein Humor verlangt, dass man sich mit seiner Art, Filme zu machen, auseinandergesetzt hat und der Übertriebenheit seines Stils etwas abgewinnen kann. Cohen nimmt kein Blatt vor den Mund und ihm ist nichts zu peinlich, was er in seinen vergangenen Werken nur allzudeutlich zu erkennen gegeben hat.
Worum viele mittlerweile einen Bogen machen, entwickelt sich für mich neuerdings zu sehnsüchtig erwarteter Kost, da ich die Andersartigkeit nicht nur als erfrischende Abwechslung in einem immer größer werdenden Pott von mainstreamiger Langweiligkeit begrüße, sondern ihn langsam beginne, zu verstehen.
Klar rollen sich einem bei manchen Szenen die Fußnägel des guten Geschmacks undurchtrieben nach oben, jedoch ist die teilweise unerträgliche Ehrlichkeit und Geradlinigkeit seiner Machart derart sympathisch, dass man ihm auch grobe Schnitzer bereitwillig verzeiht und sich mit zunehmender Zeit immer leichter auf diesen Schmarren einlässt.
Und ist dieser Grad des guten Geschmacks einmal seicht umsegelt, hat man in der Vorstellung jede Menge Spaß.
Das Problem sehe ich hier wiederum eher in der üblichen Art, die Leute in diesen Film zu bewegen, denn hätte ich nur den Trailer zur Verfügung gehabt, wäre dieser Titel auch als eher unspannend von mir abgetan worden. So aber kam ich in den Genuss einer exklusiven Preview, die durch die zusammenhängenden Szenen dann eher den Geist des Films offenbart und das anfangs falsche Trailerbild wieder zurechtgerückt hat.
Und zusammenhängend macht das Werk dann nämlich auch richtig Freude – wenn man sich darauf einlässt. Was man aber auf keinen Fall erwarten darf, ist leichte Unterhaltung, die sich mit anderen Filmen vergleichen lässt. Diesbezüglich hat Cohen längst sein eigenes Genre erschaffen, in dem er genauso aufblüht, wie ein Tarantino es gleichermaßen in seinem Umfeld tut. Davon zeugen nicht nur teils wirklich akribische, höchst professionell gefilmte Szenen wie hier am Anfang, mit denen er unlängst bewiesen hat, dass es ihm mit der ganzen Sache durchaus todernst ist.
Ein Unikat, und ich möchte schon fast sagen, ein unterschätztes Genie in Hollywood, dem man auch in Zukunft sehr genau auf die Finger schauen sollte. Diesen oberflächlich wirkenden Blödsinn tatsächlich als solchen abzutun wäre definitiv ein riesengroßer Fehler.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sich vorher andere Filme von Sacha Baron Cohen angesehen zu haben, ist definitiv kein Fehler.
In einem eigens von ihm geschaffenen Genre blüht er auch hier wieder mit Können und ungeniertem Talent auf und unterhält auf sehr schwierigem Niveau. Ein Film für die Masse ist das nicht. Dass man es deswegen aber mit nicht sehenswertem Material zu tun hat, bedeutet dieser Umstand ganz gewiss nicht.
Reingehen, wenn man einen seiner vorherigen Filme auch nur annähernd mochte.

 
Nachspann
Auch wenn es schwer fällt: Sitzenbleiben. Nicht nur, bis die Sequenzen im Abspann durch sind, sondern bis ganz zum Schluss. Der Vorhang geht nochmal auf.

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