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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Vertrauen

Die Wunderübung

Ich müsste jetzt selbst rätseln, wann ich damit begonnen habe, meinen Kollegen in der Presse zu beweisen, dass auch in Zukunft immer öfters Theaterkonzipierungen auf die Leinwand geboxt werden, vielleicht, um dort neue Kundschaft anzulocken und Theater als solches interessanter zu gestalten, vielleicht auch, weil die Stoffe teilweise einfach zu gut sind, um nur in einer Form des Kunstauslebens zelebriert zu werden – ich weiß es nicht.
Fakt ist: Das Ding ist ewig her, dass ich es schon gesehen habe – und genauso lang brennt meine innere Glut, endlich offen und zeitnah darüber berichten zu dürfen!
Jungs? Streift eure Jeans über, schlüpft in eure coolen Sneakers, tragt euren Ghettoschmuck oder geht im Blaumann: Im Kino gilt kein Dresscode und euren Damen dürft ihr trotz allem die teuren Kleider überstreifen (glaubt mir, die lieben sowas!) – und dann Abmarsch ins nächste Lichtspielhaus, dass euch brühwarm Die Wunderübung präsentiert.
Selten so gelacht!
Wirklich jetzt. Kein Witz! Was tut man, wenn einem in bestimmten Bereichen die Fähigkeiten zur Perfektion und Volksliebe fehlen? Man sourct sie aus. Dass Deutschland ein großartiges Problem mit Dialogschreibern hat, wissen wir ja inzwischen alle. Also? Man sourct es aus – und holt sich die Dialoge einfach aus dem Theater!
Monströs, was Devid Striesow (sag mir mal einer, warum ich den immer als Hape Kerkeling im Kopf habe) und Aglaia Szyszkowitz hier auf dem Kasten haben und in diesem kleinen Kammerspiel zum Besten geben! Diese Dialogschärfe, die einem hier 92 Minuten lang um die Ohren gehauen wird, strotzt nur so vor Können und Brillanz! Die beiden MÜSSEN einfach gemeinsam auf der Bühne gestanden und dieses Ding hunderttausendmal miteinander gespielt haben, sonst würden sie nicht so grandios miteinander harmonieren und diese Show abziehen können!
Und ich wiederhole mich: Ich bin kein Typ, der sich selbst im Theater wiederfindet oder diese Form der geistigen Nahrungskette je ernsthaft ausprobiert hätte. Sollte das also der Plan gewesen sein: Euer Ziel ist erreicht: Ich interessiere mich für eure Stücke! Auch wenn ich mich in Zukunft wohl auch weniger aus dem Kino raus bewegen werde (das ist immer so, als würde der Sprit aus dem Tank laufen und nicht in ihn hinein – es fühlt sich falsch an) – aber bringt mir bitte einfach in Zukunft mehr von dieser Art auf die Leinwand… eines Tages werde ich mich mit einem Theaterticket dafür revanchieren. Versprochen!
Und so lange gilt:
 

.kinoticket-Empfehlung: Rein rein rein!
Die Dialoge sind zum Schreien komisch und auch der Plot ist sagenhaft genial aufgebaut, man spürt einfach, dass hier Inhalte zählen und keine Zeit an Nebensächlichkeiten verschwendet wurde, obwohl auch die allesamt matchen. Daniel Glattauer hat’s einfach drauf und beweist dies jetzt nicht nur in Kolumnen oder Theaterstücken, sondern eben auch auf dem Big Screen.
Was hält euch auf, ihn dort zu bewundern? Los jetzt!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 28. Juni 2018

No Game, No Life: Zero

Ich selbst bin ja nicht “offiziell als Kind” aufgewachsen, sondern hatte wegen einiger externer Eigenarten das Problem, vieles, das normale Kinder einfach während ihrer Kindheit tun, später “nachholen” zu müssen. Dazu gehören auch Comics. Ich hatte nie welche, war wohl genauso interessiert daran, sie zu lesen, aber es sollte halt nicht sein.
Den Umweg über Japan und japanische Mangas hätte ich mir als Kind sicherlich auch extrem gewünscht, aber auch hier hat mir das Leben einen Riegel vorgeschoben. Meinen Einstieg in die Anime-Welt habe ich mit der Serie Neon Genesis Evangelion gefeiert, die ich heute noch extrem liebe und verehre und an deren Großartigkeit bis jetzt noch nichts rangekommen ist. Alles, was man später so im TV mitbekommen hat, war mir entweder zu quirlig, zu extrem kindisch oder einfach “unter meinem Niveau”. Ich konnte Serien wie Sailor Moon oder Pokémon nichts abgewinnen und ich habe auch bis heute noch kein Interesse an Dragon Ball oder anderen Dauerbrennern aus dem deutschen Fernsehen.
Neuerdings ist allerdings die Eigenart in unsere Kinos eingezogen, die Welt der Animes nach Filmperlen abzusuchen und diese in Form von Events auf die deutschen Leinwände zu bringen. Auch hier habe ich mir bereits den ein oder anderen Streifen angeschaut und war von manchen Dingen recht positiv angetan. Aber so richtig gepackt hat’s mich eben nicht.
Doch jüngst flammten dann Filmchen wie Your Name. – Gestern, heute und für immer auf, der sich auch gleich mal zum erfolgreichsten Anime aller Zeiten emporhob und den ich mir tatsächlich sogar 2x auf dem Big Screen angeschaut habe, obwohl er in Deutschland nur 2x über die Leinwand ging. Meine Liebe zum japanischen Anime ist geboren und ich frage mich immer öfters, weshalb man es hierzulande nicht schafft, solche Filme einfach dauerhaft ins Kinoprogramm einfließen zu lassen respektive ganze Kinos eröffnet, die ausschließlich animierte Filme aus der Kultur Japans zeigen. Interesse dürfte ja eigentlich reichlich vorhanden sein.
So ließ ich es mir also auch nicht nehmen, jüngst in das Event von No Game, No Life: Zero zu gehen, von dem ich vorher absolut rein gar nichts gehört hatte. Sei’s drum, die Dinger werden immer besser, also geh einfach rein und lass dich überraschen.
Gesagt, getan. Und es hat mich weggebombt.
Was ich grundsätzlich an Animes mag: Die Stimmen. Sie spielen so echt, so verzweifelt, so laut, so brüllend, so emotional, so glaubwürdig: All das, was man in deutschen Produktionen oft anprangert, nämlich, dass sie keine realistische und anständige Sprache sprechen, sondern sich in ihrem Theater-Hochdeutsch selbst die Füße brechen, findet hier nicht statt, sondern man wird hineingerissen in die Gefühle der Charaktere und kann einfach nicht anders, als mit ihnen mitzufühlen, weil sie ihre Emotionen wahrlich rauslassen.
Was mich genauso begeistert: Der Zeichenstil. Wenn er eben nicht so “kindisch” wie in Sailor Moon und Konsorten ist. No Game, No Life: Zero bringt hier zwar ziemlich viel pink mit ins Spiel und wirkt daher anfänglich für die Boy-Generation etwas abschreckend, allerdings wird man so schnell und intensiv in die Situation hineingezerrt und mit Momenten überströmt, dass es gar kein Entrinnen mehr gibt und man einfach nur gefesselt der Story folgt und hofft, dass alles gut ausgeht.
Was ich ebenfalls grundsätzlich an Animes mag: Der Humor. Die Situationen können noch so deprimierend und niederschlagend sein, man findet immer wieder eine Möglichkeit, um diesen super süßen, sexy Humor auf die Bildfläche zu wedeln und damit für Auflockerung und unfassbar viel Sympathie zu sorgen, ganz egal, wer da grade auf der Leinwand rumspringt.
Und von beidem hat No Game, No Life: Zero mehr als reichlich! Dass ich heute meinem Geldverdien-Job nachgehe und nicht nochmal ins Kino gehen kann, bedauere ich jetzt schon, denn wäre ich im Frei, würde ich sofort wieder Kohle in die Hand nehmen und mir den Titel einfach nochmal anschauen!
Und ich lege euch dringend ans Herz, genau dies zu tun! Diese “Belanglosigkeit”, die man als Erwachsener desöfteren bei Animes aus dem deutschen TV verspüren könnte, passt hier gar nicht rein. Der Streifen wirkt sehr “erwachsen” und “ernst” und bringt einen dabei dennoch ständig zum Lachen und tobt in verschiedenen Szenen vor sich hin.
Fakt ist: Die Laufzeit ist eigentlich relativ kurz – und da die Kinos bei solchen Events in der Regel auch keine Werbung zeigen, kommt es einem noch viel kürzer vor – und das allein hat schon ausgereicht, dass ich mich jetzt nun ernsthaft nach der “Fortsetzung” umsehe: Der Serie.
Diese kommt mit 287 Minuten daher und nennt sich No Game, No Life: Episode 1-12 – dreimal dürft ihr raten, was der Filmtitel dazu ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also nutzt heute die Chance und geht ins Kino, denn der Titel wird wirklich nur noch heute in den Kinos gezeigt.
Nutzt den Kinofinder oder das Portal https://deinkinoticket.de/filme/ – und gebt dort Titel und euren Wohnort ein, um das nächstgelegene Kino zu finden, dass diesen Anime bringt.
Danach hoffe ich nur, dass möglichst viele Events oder Freilichtbühnen diesen Titel aufnehmen und ihn auch in Zukunft noch zum Schauen bereithalten, denn gesehen zu werden hat sich dieses Werk definitiv verdient!

 
Nachspann
Ist sehenswert, hörenswert und sollte definitiv bis zum Schluss abgewartet werden.
Kinostart: 7. Juni 2018

Die Häschenschule – Jagd nach dem Goldenen Ei

Wir haben wieder mal einen Film, der offensichtlich auf Kinder ausgerichtet ist und bei dem das ZDF seine Finger im Spiel hat.
Ich rieche viel Konservatismus, fragwürdige Moral und erzieherische Methoden, die dem Klischee nach in den vergangenen Jahrhunderten eingeordnet werden könnten. Dazu noch einige Filmförderungen am Start, die auch nicht unbedingt für ihren geistigen Kreativitäts- und politischen Spielraum bekannt sind. All das ergibt eine explosive Mischung, die mich in den ersten 15 Minuten auch sehr viel Bauchschmerzen gekostet hat.
Relativ schnell kristallisiert sich heraus, dass man hier eben nicht wieder die bekannte und vermutbare Keule ausgepackt hat, sondern beweist, dass man mit alten Traditionen brechen und durchaus etwas sehr Erfrischendes, Ehrliches und Lohnenswertes in die Kinos bringen kann.
Dabei umreißt man mal nicht die vor Klischee triefenden Moralgeschichten, sondern beschäftigt sich mit den Themen, die im angesprochenen Zielgruppenalter tatsächlich auf der Tagesordnung stehen.
Das Problem hierbei sehe ich nicht darin, dass der Film falsch aufgezogen wurde, sondern dass man sich als Erwachsener tatsächlich absolut nicht angesprochen fühlt. Denn für die Zielgruppe ist das mal eine erfrischend moderne Weltansicht mit einem pädagogischen Faktor, den ich offengestanden dem ZDF in diesem Ausmaß nicht zugetraut hätte.
Von der Seite her hat es mich gepackt und ich kann dieser genialen Buchverfilmung meinerseits eine Empfehlung aussprechen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Material für die Jüngsten sucht und sich weder auf konservatives Gequatsche noch langweilige Plots einlassen will, ist hiermit richtig gut bedient.
Man beweist Stärke in Form einer herausragenden Botschaft, die in eine spannende, kindgerechte Story verpackt wurde und die Eltern die Möglichkeit bietet, ihre Kinder stilvoll und pädagogisch wertvoll zu unterhalten.

 
Nachspann
Unbedingt sitzen bleiben, hier kommen noch weitere Szenen.

Barash

Zu Israel hab ich persönlich absolut keine Beziehung. Ganz ehrlich? Alles, was ich darüber weiß, ist, dass da drüben irgendwie immer Krieg zwischen Israelis und Palästinensern ist wegen irgendwelcher Glaubenssachen. Und dass das ein Land ist, dem ich mich als Tourist auch bislang permanent verweigert habe.
Ja, man kann die Geburts- und Todesstätte Jesu’ Christi bereisen und auch sonst jede Menge kulturelle Hochgüter bewundern, jedoch habe ich als Kind immer von Meldungen erfahren, dass dort Busse in die Luft gesprengt und mal eben mir nichts, dir nichts, die Lebenslichter ausgelöscht werden – und darauf hatte ich nie Bock.
Dementsprechend stand dieses Land niemals auf meiner bevorzugten Liste und ich habe mich ein wenig darauf gefreut, im Rahmen der Queer-Filmnacht meine Kenntnisse über diese Kultur etwas zu erweitern.
Der war dann aber in jederlei Hinsicht eine Enttäuschung. Nicht nur der Plot war in sich irgendwo merkwürdig konstruiert, auch die Zusammenhänge haben meiner Meinung nach nicht richtig funktioniert. Dass der Film gleich mehrere Preise kassiert hat, ist für mich völlig unbegreiflich.
Und dabei spreche ich nicht nur von dem miserablen Schauspiel der Darsteller, die absolut nicht authentisch wirkten und so überzogen aufgesetzt gespielt haben, dass man ihnen diese Rolle nur schwer abkaufte, sondern auch von der miesen Kameraführung und dem unfassbar schlechten Soundtrack, den man sich hier zu eigen machte.
Ganz ehrlich? Die Herausforderung “Machs doch besser” würde ich in dem Fall gerne annehmen. Selbst mein bester Kumpel meinte nach der Vorstellung zu mir, dass ich das wohl selbst besser gedreht hätte als die Macher dieses Kinoflops.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fazit? Mich hat’s nicht überzeugt, absolut nicht abgeholt und auch nicht unterhalten, sondern gelangweilt und technisch genervt.
Kameraführung unter aller Sau, einfach so dahingeplätschert und das dann als “freie Kunst” zu bezeichnen funktioniert auch mit gutem Zureden bei diesem Film nur schwer. Gottseidank ist daraus kein Kinodauerbrenner geworden, sonst würde ich mir das mit meinem Hobby nochmal gründlich durch den Kopf gehen lassen.

 
Nachspann
gab es auch keinen, hier darf man also schon vor Beendigung des Schlussakkords die Segel streichen.

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