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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Verlobung

The Promise – Die Erinnerung bleibt

Meine Erwartungen an diesen Film habe ich beim Startschuss der .trailer-Kategorie ja hier bereits mitgeteilt und es wird höchste Zeit, dem Film nun seine endgültige Bewertung zu verpassen und euch zu verkünden: Meine Einschätzung war absolut richtig, denn das Werk hat meine Ansprüche weit übertroffen.
Wie dem Plakat bereits ansatzweise zu entnehmen ist, wartet man hier mit absolut eindrucksvollen und einprägsamen Bildern auf, die eine visuelle Gewalt auf den Zuschauer loslassen, die bleibende Eindrücke hinterlässt.
Sich mit einem Thema zu beschäftigen, dass in der Zeit lauten Geschreis in der Welt nahezu unterzugehen scheint und nirgendwo weltweit derartige Aufmerksamkeit zugesprochen bekommt, zeugt von verantwortungsbewusster Hingabe, den Menschen außerhalb von Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen die Möglichkeit zu geben, sich inmitten von Unsicherheit, Krieg und Verwirrung der Dinge habhaft werden zu lassen, die in der Vergangenheit himmelschreiendes Unrecht verursacht haben und bis heute ungesühnt sind.
The Promise unterrichtet hier vielmehr als er unterhält, auch wenn die Spannung teilweise kaum zu ertragen ist. Sicherlich hat man an einigen Stellschrauben für die cineastische Tauglichkeit gedreht, um den Plot soweit zu perfektionieren, dass die unbewussten Erwartungshaltungen der Zuschauer im Stillen befriedigt werden. Was jedoch sehr viel mehr heraussticht, ist der Blick auf eine Sünde, die bis heute nach Gerechtigkeit schreit und der man sich jetzt endlich (wenigstens) im Kino annimmt.
Schon in der Vergangenheit habe ich oft behauptet, dass die Leinwand ein mächtiges Instrument ist, um all die Schäden zu reparieren, die anderswo verursacht wurden und breitgefächerte Veränderungen herbeizurufen. Mit dieser Meisterleistung schafft man damit ein gnadenloses Vorbild für solche Filme.
Was mich ungemein beeindruckt hat, ist die absolut ruhige, zielstrebsame und wirkungsvolle Kraft, die sowohl den Bildern als auch dem Soundtrack inne liegt. Mit Oscar Isaac hat man ebenfalls einen Hauptdarsteller gefunden, der in die Rolle perfekt passt und mit seinem Unverbrauchtsein auch nicht an das gegenseitige Aufmerksamkeits-Bekriegen von VIP-Persönlichkeiten erinnert, sondern der sich integrativ in seine Rolle einfügt und neben Schauspielgrößen wie Christian Bale eine unglaublich gute Verkörperung seines Charakters abliefert. Überhaupt gehört der Casting-Crew ein großes Lob ausgesprochen, denn die Schauspieler wurden tatsächlich erstklassig besetzt.
Schaut man in das herzerweichende Gesicht von Charlotte Le Bon, fühlt man automatisch mit ihr, was die emotional-tiefgreifende Wirkung ihrer Rolle noch viel mehr bekräftigt. Damit distanziert man sich von der üblichen Klischee-Lovestory mit irgendwas drumherum, sondern erschafft eine völlig neue Erzähl-Dimension, die sich zwar auch mit Bindungen beschäftigt, jedoch einer weitaus größeren Sache die Bühne nicht abspricht.
Diese respektvolle Zuwendung an die höhere Sache und die wirklich unglaublich wirksame Darstellung, die sich im Verlauf des Films immer mehr zuspitzt und in einem unfassbaren Finale mündet, hinterlässt beim Zuschauer auf jeden Fall bleibende Eindrücke und verschafft damit durch die Veröffentlichung den Geschädigten dieses historischen Ereignisses nachträglich Gerechtigkeit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn die Kinos derzeit mit anderen Blockbustern geflutet werden und sich die allgemeine Aufmerksamkeit ganz woanders befindet, so – oder gerade deshalb – ist der Blick in diese Nische um so wichtiger, denn hiermit erhält man eine Perle, die ihre unglaubliche Kraft erst auf der großen Leinwand entwickelt.
Der Weg ins Independent-Kino sollte also dringlich (und vor allem zügig) angetreten werden, denn die Show lohnt sich. Und das nicht nur wegen der beeindruckenden Kameraführung oder dem stilvollen Gabriel Yared-Soundtrack, sondern vor allem wegen dem, was uns die Macher damit erzählen wollen.
Definitiv reingehen, so lange er läuft.

 
Nachspann
Musik – ich liebe Musik und gehöre schon von Kindheit an zu denjenigen, die den Kompositionen im Abspann niemals abgeneigt waren. Wer jedoch neue Szenen oder andere Überraschungen möchte, wird diesmal nicht fündig.
Kinostart: 17. August 2017

Alvin und die Chipmunks: Road Chip

Ein entsprechendes Publikum muss der Film haben, sonst wäre wohl kaum aktuell der bereits vierte (!) Teil dieser Filmchronologie auf den Leinwänden zu bestaunen.
Warum sich gerade diese Form der Unterhaltung so sprunghaft fortsetzt, ist mir nach Sichten dieses Teils ehrlich gesagt ein Rätsel. Im Kino herrschte Eisesstimmung. Die Animationen sind dem technischen Stand unseres Jahrhunderts angepasst, die Synergie zwischen Animation und Realfilm überzeugt auch soweit, nur die Story hinterlässt bleibende Schäden.
Welche Ambitionen hatten die Macher mit ihrem Werk? Welche Intention steht hinter dem Schöpfungsprozess? Unterhaltung? Lacher? Musik?
Von den Jokes – wenn man diese als solche interpretieren will – war bis auf eine einzige Szene nicht wirklich etwas lustig. Die quietschigen Mini-Stimmchen, mit denen man sich als Kind immer mit Tapes lustig gemacht hat, nerven auf Dauer einfach nur und das Behandeln der Chipmunks im Film als völlige Selbstverständlichkeit regt einen ehrlich gesagt eher nur auf, weil daran so gar nichts herzlich, verständlich und vor allem sinnvoll ist.
Vielleicht fehlt mir hier auch einfach nur die Vorgeschichte, da ich – wieder mal – weder die TV-Serie noch die vorangegangenen Filme gesehen habe, jedoch empfand nicht nur ich den Streifen als eine Qual. Die Zeit bis zum Schluss wurde unerträglich lang und man sehnte sich nichts mehr herbei als den üblichen Abspann mit einem erwartbaren Ende. Teletubbie-Stimmung lässt grüßen.
Der Satz, mit dem ich diesen Film auf den Punkt bringen würde: Hätte man daraus ein 15minütiges Musikvideo gemacht, wäre es sicherlich ein Erfolg geworden, denn die Musik ist durchaus on top und begrüßt das unbemerkte Rhythmusgefühl in einem mit offenen Armen. Selbst da sind die Stimmen noch einigermaßen erträglich und man hat etwas Schwung in der Hüfte, der ganze Storymist drumrum ist aber einfach nur nervig und unerträglich lang.
Und die menschlichen Hauptdarsteller sind derart verblödet, dass weder im Film noch im Kino auch nur ein einziger Zuschauer dazu einen einzigen Lacher losgelassen hätte. Im Gegenteil: Es schwebte allzeit ein “What the Fuck”-Gefühl im Raum, weil keiner so richtig begreifen wollte, worein er hier geraten ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz ehrlich? Film links liegen lassen und sich den Soundtrack kaufen.
Die unerträglich unwitzige Story ist echt eine Herausforderung für jung und alt, so dass sich die Lacher nicht nur vehement von dieser Vorstellung fern halten, sondern regelrecht davor fürchten.
Wer meint, hier gute Unterhaltung zu finden, die im alten Stil Stimmung in die Bude bringt, der irrt gewaltig. Einzig die Songs sind es wert, gehört zu werden, insofern man sich mit den durchaus nervenden Stimmchen dieser kleinen Viecher anfreunden kann.
Wer schon beim Trailer leichte Bauchschmerzen hatte, der wird mit harten Magenschmerzen wieder nach Hause geschickt. Der Rest kann ja während der Vorstellung anfangen zu tanzen oder anderen Schwachsinn veranstalten, dann wird es im Saal wenigstens lustig.

 
Nachspann
Anfangs wird noch ewas Radau gemacht, danach geht es in die übliche Floating-Geschichte über. Nachdem es also schwarz ist, darf man abhauen.

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