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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Was uns nicht umbringt (inkl. Gewinnspiel)

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© 2018 Alamodefilm

 

Was uns nicht umbringt manövriert den Zuschauer an den Rand des seelischen Todes. Eine Begleiterscheinung dieser Area sind meist Therapeuten, die in der Regel selbst so viele Probleme am Start haben, dass sie ihre besten eigenen Kunden wären und lieber sich als anderen helfen müssten.

Dennoch hört das Komplott verwegener, zum Teil skurriler Psychoeinfälle nicht auf und man sieht sich alltäglich mit Dingen konfrontiert, die es irgendwie zu verarbeiten gilt.

Sandra Nettelbeck inszeniert ihr eigenes Film-“Spin-Of”, wenn man so möchte und gibt einem ihrer vorherigen Nebendarsteller somit genügend Bühne, um ein wunderbar melancholisches, durch Situationskomik und Andersartigkeit aufgehelltes Filmchen auf die Leinwand zu bringen.

Die Charaktere sind so schräg und gleichzeitig so vielfältig dargestellt, dass man garantiert Ecken entdeckt, die man auch von sich kennt. Doch die liebenswerten Momente sind nicht nur protagonistischer Art, sondern finden sich z.B. auch in der Erzählweise wieder, die mit intelligenten Kameraausflügen und Moment-Ausbrüchen eine unglaublich wohltuende Wahrhaftigkeit proklamieren, die ich persönlich sehr hoch schätze.

Dass ich mit deutschem Kino sonst recht wenig anfangen kann, ist ja allgemeinhin bekannt. Dass dieser Film es trotzdem geschafft hat, mich auf einer tieferen Ebene anzusprechen und nicht mit den üblichen Verdächtigen aufkreuzt, die ich an dieser Stelle so gern kritisiere, zeugt davon, dass ihr euch schleunigst ein .kinoticket schnappen und das Ding auf der großen Leinwand anschauen solltet.

 

G E W I N N S P I E L

Und damit das besonders gut funktioniert, hat mir Alamodefilm für euch 1×2 Freikarten für diesen Film überlassen, die ich hiermit an euch weiter verlosen möchte. Schreibt mir einfach in die Kommentare, was euch an diesem Film interessiert und warum gerade ihr die Freikarten gewinnen möchtet.

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich Mittwoch, 21. November 2018 eingegangen sind, werden die Freikarten dann verlost. Gebt bitte zwingend eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch erreichen kann, um euch im Gewinnfalle benachrichtigen zu können. Nach Abfrage eurer Adresse gehen die Karten postwendend an den oder die Gewinner/in.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ein dramatisches, melancholisches, zuweilen trauriges aber auch heiteres Stück über die Abgründe der menschlichen Psyche.

Sandra Nettelbeck portraitiert die Vielfältigkeit des menschlichen Seins und lädt dazu ein, die Menschen von ihrer verletzlichsten Seite aus kennenzulernen. Ein Film, bei dem man sich entspannt zurücklehnen und ihn einfach großartig genießen darf.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Was uns nicht umbringt
Length: 129 Min.
Rate: FSK 6

Verliebt in meine Frau

Verliebt in meine Frau

© 2018 Weltkino Filmverleih

 
Theaterverfilmung again: Gab es eigentlich schon einmal einen Versuch, solche Stücke ins Kino zu bringen, die gescheitert sind?
Verliebt in meine Frau brilliert erneut durch eine Form von Intelligenz, die man in solchen Filmen eigentlich kaum erwartet: Immerhin werden hier alle Klischees im Plot-Overview zusammengefasst, die jedem Filmliebhaber eigentlich die Fußnägel hochrollen lassen sollten, es aber im Streifen selbst sonderbarerweise überhaupt nicht tun. Ganz im Gegenteil: Der ist vollgepackt mit einer liebenswürdigen Erträglichkeit, die positiv zum Himmel schreit und sich von allem anderen abhebt, das einem im Zuge dessen noch so einfallen könnte.
Liebe? Kein Problem, man ist mehr mit Lachen beschäftigt als alles andere.
Geschlechterverschiedenheit? Kein Ding – die gegenseitigen Einblicke in die jeweils andere Sichtweise macht irre Spaß und eröffnet Welten, zu denen man als Mann/Frau sonst keinen Zutritt hat.
Romantik? Kein Ding – die Genialität, in der man die ausufernde Schmalzigkeit verpackt, überdeckt jedes schlechte Gefühl und hinterlässt einen Raum, in dem man seinen Geist entfalten und den Gefühlen freien Lauf lassen kann: Es macht einfach nur Freude und ist so vollkommen anders, ohne dass man es in Worte fassen könnte. Jeder, der aus der Pressevorführung wieder rausspaziert ist, empfand diesen Film als einen super gelungenen Film, der endlich mal wieder zum Lachen einlädt, ohne dabei auf “bekanntes” zurückzugreifen.
Und wer den Film sieht, weiß an dieser Stelle, wie viel Ironie dieser Satz in sich trägt (ohne dabei negativ zu werden).
 

.kinoticket-Empfehlung: Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass kein einziger sich den Klappentext dazu durchlesen darf und ihr den Film einfach sehen MÜSST: Es ist unglaublich, wie etwas so Abgekautes so viel Freude im Kino machen kann ohne auch nur eine einzige Sekunde zu langweilen.
Die Darsteller liefern hier eine intelligente, durchdachte und konsequent kurzweilige Unterhaltungsshow ab, die im Prinzip alle Klischees hernimmt, die man so kennt und das “Klischee” daraus entfernt und nur das auf der Leinwand lässt, was dann noch übrig bleibt: Der pure Genuss!
Tut euch den Film an, sonst verpasst ihr 1,5 wundervolle Stunden eures Lebens, die vollständig mit Glück angefüllt sind! Vertraut mir!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.
Kinostart: 11. Oktober 2018
Original Title: Amoureux de ma femme
Length: 85 Min.
Rate: FSK 0

Die Farbe des Horizonts

Die Farbe des Plakats lässt erkennen, dass die Zielgruppe dieses Films wohlweislich weiblichen Geschlechts sein sollte und man die klischeehaften Erwartungen Action-fundierter Machos außen vor lässt. Die Frau, deren Geschichte hier erzählt wird, hat es also tatsächlich gegeben und die Herausforderungen, vor die das Leben sie gestellt hat, sind (mit den üblichen dramatischen Ausschmückungen) also real und tatsächlich passiert.
Damit hat sich der Everest-Regisseur erneut einem gewaltigen Thema angenommen und bringt beeindruckende Bilder auf die Leinwand, die eine schier unglaubliche Story untermalen und unterhaltsam in die Kinosäle bringen.
Meiner Meinung nach krankt der Film an einer winzigen Fehlentscheidung: dem Erzählstil. Kormákur entschied sich hier für den Wechsel zwischen Szenen der Aktualität und Rückblenden, die mehr oder weniger fast schon eine “zweite” Geschichte erzählen. Der immerwährende Switch zwischen beiden Erzählzeiten, der oftmals auch nicht erkennbar abgetrennt ist, wirft bei den ersten paar Malen noch Fragen auf, beginnt nach gewisser Zeit aber unglaublich zu nerven.
Ich verstehe die Intention und kenne das Stilmittel, anfangs unerkennbare Dinge und Absichten durch immer wiederholte Rückblenden langsam, aber stetig aufzuklären, in diesem Falle jedoch ging der Schuss mal komplett nach hinten los: Es wirkt unübersichtlich, zerrissen und man ist schnell davon genervt und wünscht sich nichts sehnlicher, als eine konsequente Zeitlinie, in der das Werk dramaturgisch in der geschichtlich richtigen Reihenfolge einfach durcherzählt wird.
Ja, dann kämen hier und da wohl “Langatmigkeiten” auf, wo man vielleicht Schiss davor hatte, den Zuschauer mit ein und derselben Szene minutenlang zu langweilen und sich deshalb dafür entschied, immer in der Zeit zu springen, was ich (und einige andere auch) dem Film jedoch viel eher verziehen hätten. Tatsächlich wäre die tragische Situation dadurch auch viel eindrücklicher und imposanter gewesen, als wenn man in Szenen der Verzweiflung einfach erlösende Rückblenden mit wunderbaren Momenten einpflügt, die das Geschehen wieder auflockern und niemals den geistigen Schritt über die Klippe der Hoffnungslosigkeit hinaus zulassen.
Der Effekt, der dadurch erzielt wird, verhindert leider, dass man weder in die eine, noch in die andere Geschichte richtig eintauchen und sich davon gefangen nehmen lassen kann, weil der Autor immer dann, wenn es gerade anfängt, in seinen Bann zu ziehen, die Zeit wechselt und einen völlig aus der Situation wieder herausreißt.
Warum ist der Film dennoch empfehlenswert?
Die Bilder und visuellen Impressionen sind durchaus gewaltig und betören durch (perverse) Schönheit und Eleganz. Die Audiokulissen sowie das technische Baumaterial, dass man dem Zuschauer hier serviert, weiß durch klare Präzision und Wucht zu beeindrucken und der Gang ins Kino ist definitiv nicht enttäuschend, weil man diese Eindrücke niemals in einem Heimkino reproduzieren kann: Dafür sind jegliche Leinwände viel zu klein.
Auch wenn der Plot hier und da kitschig wirkt und man gewisse Dinge schon von Anfang an vermutet: Hier wurden Action- und Dramaturgiechancen vergeben, was erneut darauf hindeutet, dass dieser Film der Damenwelt gewidmet ist. Den ein oder anderen Twist hat der Streifen dennoch parat und weiß damit auch zu überzeugen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für die Heimkinoveröffentlichung wünsche ich mir ein Feature, dass den Film in chronologisch korrekter Reihenfolge abspielbar macht, dann gewinnt er nämlich nochmal unglaublich an Charme und dramaturgischer Beeindruckbarkeit hinzu.
Die Bilder sind ob des Erzählstils dennoch wert, in einem Kino gesehen zu werden und die Tatsache, dass die Erzählung echt ist, zeugt einmal mehr davon, dass das Leben die besten Geschichten schreibt.
Beim Cast hätte ich mir an manchen Stellen lieber Jennifer Lawrence gewünscht, aber diese Entscheidung lässt sich rückwirkend nun auch nicht mehr ändern.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 12. Juli 2018

Love, Simon

The time has come … und ich hab diesmal keine Ahnung, wie ich mich dem “Inhalt” zuwenden soll, ohne dabei nicht maßgebliche Teile des Films zu spoilern.
Fakt ist: Es gab bereits unzählige Versuche, diese Art Thematik auf die große Leinwand zu bringen und allesamt sind sie gescheitert. Bis auf zwei. Wobei mir beim einen die fehlende Akzeptanz der Masse verständlich scheint, weil er eben an besagten Stellen doch etwas “zu hart” ist. Ich würde nun zu gern die beiden Titel verlinken, aber allein die Nennung würde spoilern. Also keine Sorge, ich bleibe meinem Pitch treu. Keine Spoiler.
Großartig ist nämlich auch, dass es FOX ebenfalls geschafft hat, ein Plakat in die Runde zu werfen, dass keine Vermutungen aufkommen lässt und man sich hier also völlig unvoreingenommen und befreit dem Film zuwenden kann, insofern man nicht vorher den .trailer gesehen hat.
Mein Gedanke bleibt trotzdem der gleiche: Time has come … wir sind so weit und ich glaube, alle Vorherbeispiele waren einfach ihrer Zeit voraus und scheiterten quasi am fehlenden Toleranzvermögen einer Gesellschaft, die ihre Zeit gebraucht und Erfahrungen hat machen müssen, um hier mit anderen Wertvorstellungen ranzugehen.
Als jüngere Filme könnte man jetzt also einen weiteren Titel und diesen hier nennen, wobei ich den Mitspieler als “Erwachsenenvariante” bezeichnen würde und Love, Simon eher als Teeniefilm, da die Zielgruppe hier eindeutig jünger ist und man an vielen Stellen im Film auch festmachen kann, dass hier eben die Jugend angesprochen wird.
Erwachsene werden wohl oder übel sowieso in diesen Film gezerrt werden, zumindest wünsche ich mir das, weil es zum einen den Kids gewisse Dinge unfassbar erleichtert, zum anderen dieser Titel eben auch zur Generationenverständigung beiträgt und für allgemein mehr Verständnis und Liebe unter allen Beteiligten sorgt.
Manch einer der alteingesessenen Buchtreuen wird wohl das doch recht “kitschige” Ende verurteilen, jedoch dürft ihr dabei nie vergessen, dass das Zielpublikum wohl selten über die 14/15 Jahre hinaus ist und diese Generation sowas noch braucht, um vollends in Gefühlen zu ertrinken.
Dennoch herrscht hier ein wunderbarer Ton, der Cast wurde gut gewählt, die Story ist enorm wichtig und für mich zählt Love, Simon zu einer Revolution, die nun endlich das Zeitalter einläutet, in dem über derartiges nicht mehr gesprochen werden braucht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also folks, nutzt den Streifen, damit nicht ihr die Worte suchen müsst, sondern lasst die für euch sprechen, die mit Verbalkämpfen vertraut sind – hier steckt unglaubliches Potenzial, um sich das Leben ein großes Stück angenehmer zu machen. Sie werden’s verstehen.
An alle anderen: Dieser Film ist für die Jugend gemacht, beschäftigt sich mit unfassbar wichtigen Themen und bringt diese herausragend zur Sprache. In seinem Genre ist er ein wegweisender Meilenstein, der hoffentlich endlich das Zeitalter einläutet, in dem derartige Dinge nicht mehr besprochen werden.
Unterhaltung, Emotion und die ein oder andere Überraschung sind auf jeden Fall garantiert.
P.S: Keine .trailer vorab anschauen, sondern einfach ins Kino gehen!

 
Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 28. Juni 2018

Midnight Sun – Alles für dich

Arnold Schwarzenegger war eines meiner Kindheitsidole und es ist nicht ungewöhnlich, dass die Kinder von Schauspiel-Talenten ebenfalls Fuß im Filmbusiness fassen. Patrick Schwarzenegger liefert gleich in einer Hauptrolle sein Kinodebüt und verblüfft in einer verdammt herzzerreißenden Story durch sein Können.
Wieder einmal geht es um eine Krankheit, wieder einmal hat es schon einen Film dazu gegeben und wieder einmal gehört der aktuelle Titel zu der Kategorie: Unbedingt ansehen!
Es ist ja inzwischen einige Zeit her, seitdem man mit z.B. Honig im Kopf damit begonnen hat, mehr Aufmerksamkeit auf (seltene) Krankheitsfälle im Kino zu richten und damit der allgemeinen Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, sich mit Situationen auseinanderzusetzen, die sie persönlich nicht betreffen und gleichzeitig für mehr Verständnis sorgen im Umgang mit Betroffenen.
An und für sich ein lobenswerter Zug, wie ich finde, was gleichzeitig jedoch die Gefahr birgt, in Übervorsicht und de-emotionalisierte Betroffenheit abzurutschen, die wiederum kontraproduktiv der eigentlichen Idee entgegenwirken würde. Genau diesen Spagat schafft Midnight Sun in einer Art und Weise, die sehr viel mehr Augenmerk auf die menschlichen Bedürfnisse lenkt und die Krankheit im informativen Sektor belässt, ohne sich daran voyeuristisch aufzugeilen oder Betroffene einzig darauf zu reduzieren.
Damit gehört dieses Werk für mich zu einem der Wertvollsten seiner Gattung: Man bekommt Informationen, man wird gleichzeitig unterhalten und man lernt einen absolut gesunden Umgang damit, der sonst nirgendwo gegeben wäre.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein allumfassendes Werk, dass Menschen nicht auf eine Sache reduziert, sondern sich ganzheitlicher mit dem Leben und Schwierigkeiten darin auseinandersetzt, ohne dabei in Kitsch abzurutschen.
Absolut ergreifend, super gespielt – da bleibt garantiert kein Auge trocken.

 
Nachspann
bringt keine weiteren Überraschungen mit sich. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 22. März 2018

Madame

Na bitte: Es geht doch ladylike. Madame macht’s vor und brilliert durch Toni Collette in einem französischen Kammerspiel, dass nicht nur die Außenseiter in die High Society wirft und sie sich dabei unbändig amüsieren lässt, sondern auch Harvey Keitel in eine auf ihn maßgeschneiderte Rolle steckt, der in dieser zu beeindrucken weiß.
In teils britisch anmutendem, trockenen Humor wächst das französische Kino wieder einmal über sich hinaus und zeigt klar, dass es seinen Platz in der Filmwelt nicht nur gefunden, sondern großflächig bezogen hat. Man darf sehr wohl meinen, die Franzosen sind, was Filmemachen angeht, angekommen und leben ihre Stärken fortwährend aus.
Und das sehr zur Freude des Zuschauers, der hier Höhenflüge durchlebt, die nicht nur das Zwerchfell beanspruchen, sondern auch in schauspielerischer, aber auch handelnder Perspektive Vorbildfunktion haben, wie man sie sich heute nur wünschen kann: Und da soll jemand behaupten, Frauen seien auf der Leinwand nicht zu gebrauchen.
Madame beweist das Gegenteil und liefert hier ein Paradebeispiel, das nicht nur in filmischer Hinsicht ein Hochgenuss ist, sondern auch erzählerisch in einem grenzgenialen Finale gipfelt.
Bitteschön: Mehr davon!
 

.kinoticket-Empfehlung: Man muss sie einfach lieben: Toni Collette liefert eine ihrer besten Leistungen und lässt uns am Spaß französischer Filmkunst teilhaben.
Für alle, die das Urkomischste aller Kinos mögen, genau der richtige Stoff, um seine Lachmuskeln mal wieder richtig durchzuschütteln.
Menschen mit Anspruch und Würde sind genauso gut aufgehoben und alle anderen dürfen reingehen und einfach nur lernen, wie man sich benimmt.
Wahnsinnig cool!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 30. November 2017

Liebe zu Besuch

Reese Witherspoon steht mit ihrem Namen ja nicht unbedingt für Kategorie A-Humor, sondern sie hatte auch in der Vergangenheit immer wieder damit zu kämpfen, dass ihre Filme nicht so sonderlich fruchten wollten.
In Liebe zu Besuch merkt man dies sofort zu Beginn des Films, der sich marternde 15 Minuten lang dahinquält und nichts davon zum Vorschein kommen lässt, dass einen nun ein herrlicher Feel-Good-Movie erwartet.
Aber das Zähne zusammenbeißen lohnt sich, denn mit dem Auftreten ihrer Mitcharaktere ändert sich der Lauf und das Ding wird auf einmal irre spannend, unterhaltsam und nimmt Fahrt auf, die man auch bis kurz vorm Schluss durchweg durchzieht.
Stellenweise weiß man nicht so richtig, wohin man nun will und schickt den Zuschauer in die Plot-Warteschleife und auch der Schluss ist meiner Meinung nach nichtsaussagend, da man seine Gradlinigkeit stellenweise aufgegeben hat und quasi alles mehr oder weniger ins Leere laufen lässt.
Dies liegt aber – wie auch schon zu Beginn – in meinen Augen eher am Drehbuch und den Vorgaben daraus als an den Schauspielern als solches. Die geben sich nämlich bis auf das letzte, gequälte Lächeln Witherspoons durch die Bank weg richtig Mühe und meistern ihre Rollen super, allen voran Pico Alexander, dessen forsches Auftreten fast jeden den ganzen Film über köstlich amüsiert hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich zu Anfang zwingen, im Saal zu bleiben und auch das unbefriedigende Ende nicht als Grund heranziehen, nicht in diesen Film zu gehen.
Liebe zu Besuch ist ein herrlicher Feel-Good-Movie, dessen überwiegender Teil sehr unterhaltsam und komisch ist und somit für einen gelungenen und spaßigen Kinoabend durchaus taugt.
Hier und da schwächelt er etwas am Drehbuch und Witherspoons übrigen Handicaps, aber das Ensemble an sich funktioniert und rang auch mir immer wieder herzliche Lacher ab.
Durchaus sehenswert.

 
Nachspann
braucht man nicht sitzen bleiben, auch nach dem Scrolling kommt kein erhofft gutes Ende mehr.
Kinostart: 23. November 2017

Regeln spielen keine Rolle

Der Geschichte dieses Mannes ist man im Laufe seiner Filmlaufbahn sicherlich schon hier und da begegnet, nicht zuletzt deshalb, weil u.a. Großmeister Martin Scorsese sich deren Verfilmung bereits in der Vergangenheit angenommen hat. Warum also alten Stoff erneut hervorkramen und schon wieder verfilmen?
Ganz einfach: Weil es sich gelohnt hat. Nicht nur Lily Collins, sondern auch Alden Ehrenreich kauft man die Rolle dank seines süffisanten Charmes sofort ab und erliegt nicht nur seinem smarten Lächeln, sondern auch der Atmosphäre, die die beiden um sich herum aufbauen.
Dass man etwas Dagewesenes so verfilmen kann, dass man dennoch spannungsgeladen im Stuhl hockt und die Weiterführung der Geschehnisse herbeisehnt, verbuche ich mal als dramaturgischen Erfolg und ziehe hier in aller Demut meinen Hut vor den Machern.
Was mir zudem außerordentlich gut gefallen hat, war der Stil, in dem man die Räumlichkeiten und die damalige Zeit eingefangen hat: Die Authentizität schleicht auch hier aus allen Ritzen und formt erneut eine historische Epoche, in die sich auch heute noch viele zurückwünschen. Das ganze Trara um die eigentliche Hauptperson umgarnt hier eine völlig neue Sichtweise und offenbart einmal mehr die Chronologie der Ereignisse von vor über einem Jahrhundert. Dabei wurde nicht nur stilistisch, sondern auch mit Worten und Handlungen sehr sensibel agiert und dem Zuschauer eine wohlwollende Plattform für weiterführende Fantasien geboten, die sich mit den Regeln einer Gesellschaft auseinandersetzt, wie sie vor langer Zeit existierten.
Die Schwierigkeit und Komplexität im Gefühlschaos zu entschlüsseln und einen gemeinsamen Konsens zu finden, der alle Seiten glücklich macht, ist hier nicht nur Aufgabe der Darsteller, sondern auch Thema des Films und führt zu einer für mich befriedigenden Konklusion.
 

.kinoticket-Empfehlung: Allein das Schauspiel der oben genannten Hauptdarsteller ist es wert, ein .kinoticket zu lösen und sich auf den Weg zu machen, um diese Interpretation der Story erzählt zu bekommen.
Die Designer haben hier großartige Arbeit geleistet, die Spannung ist zum knistern und am Schluss wird man zufrieden aus dem Kino entlassen – mit einer großartigen Geschichte im Gepäck, die man ab sofort zu seinem Wissensschatz hinzuzählen darf.
Der Besuch im Lichtspielhaus seiner Wahl ist hier also durchaus angebracht.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf also frühzeitig rausspringen, sofern man nicht an der Abschlussmusik interessiert ist.

La La Land

Es ist wieder kurz vor Februar. Die Zeit, in der sich Hollywood selbst huldigt, wird eingeleitet – wir alle stehen kurz vor den 89. Academy Awards und schon im Vorfeld dessen hat La La Land Rekorde gebrochen: 14 Nominierungen, u.a. in den besten Kategorien.

Das haben bisher nur zwei Filme überhaupt geschafft. Einer davon war Titanic. Auch bei den Golden Globes hat dieser Film schon rühmlich abgegriffen und wenn man die einschlägigen Magazine und Presseberichte aufschlägt, wüstet einem ausschließlich Positives entgegen: Man überschlägt sich mit Lob, huldigt diesem Streifen in allerbesten Tönen und lässt die Zuschauerschaft glauben, dass man da unbedingt rein rennen muss.

Rein gehen auch welche. Vorwiegend diejenigen mit grauen Haaren.
Und soll ich euch was sagen, Leute?

Wenn schon im Vorfeld eines Films so viel Hype geschoben wird, dann bin ich erst recht skeptisch. Mir haben sogar direkt Presseleute zugetragen, dass sie aufgrund des Trailers nicht reingegangen wären, und nachdem sie den Film in der Pressevorführung gesehen haben, unbedingt nochmal rein wollen.

Das schreit geradezu nach Skepsis. Dementsprechend arglistig waren meine Erwartungen, als ich in den Saal rein bin und die Vorstellung vor mir hatte.
Tja.

La La Land … huldigt den Kinoanfängen und erweckt den Broadway zum Leben. Hier wird nicht nur viel besser als bei Disney zum Träumen aufgerufen, sondern eine Show geliefert, bei der die Tränen ehrlich gesagt nur so fließen.

Ich saß noch nie in einem Titel und hab tatsächlich so derb mit den Flüssigkeiten in der Fresse kämpfen müssen, nicht mal bei Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Und das soll was heißen.

Die pure Liebe, die man hier in Dramaturgie, Filmkunst, Musik, Bewegung, Farben, Design, Zeitalter und alles andere gelegt hat, reißt einen nicht nur vom Stuhl, sondern schleudert einen permanent seelisch durchs Kino und lässt einen immer wieder positiv auflaufen.

Nicht nur der Plot, sondern die ganze Musik, die Show, das Entertainment in seiner höchsten Ehre würdigt hier die Anfänge und eine Zeit, in der Kino noch etwas besonderes war. Dagegen stinkt sogar Hail, Caesar! erbärmlich ab. Und diesen Film hab ich für genau diese Tatsache absolut gemocht!

Ich hab kaum noch was gesehen, als es gegen Ende des Films zuging und der Abspann lief. Mein erster Gedanke war: Oh Gott, nein, warum jetzt schon? Warum ist das schon vorbei?

Wenn die Academy Awards auch so auffahren, na dann haltet euch mächtig fest. Denn der Film passt nicht nur wieder mal extrem in diese Zeit, sondern schlägt als waschechte Arthaus-Publikation auch tatsächlich mal wieder Messlatten in die Öffentlichkeit, die zukünftige Filme nun im nächsten Jahr vergeblich zu erklimmen versuchen werden. Das Niveau – der Stil – die Eleganz – der Anmut – die Liebe – die pure Kunst … das ist alles nicht wirklich zu toppen.

Und wisst ihr was? Den Oscar® für den besten Film aller Zeiten hat sich La La Land in meinen Augen schon jetzt verdient!

.kinoticket-Empfehlung: Es ist ein Arthaus.

Und jetzt geht gefälligst da rein, aber zackig! 14 Nominierungen bei den Oscars®, davon in der Kategorie “Bester Film” und das zu recht! Muss ich mehr sagen?

Rein!! Bevor ihr euch während der Verleihung spoilern lassen müsst.
Und auch ohne dass ihr sie schaut – der Film ist die absolute Pflicht!

Nachspann
❌ Als jemand, der den Film würdigt, bleibt man sowieso beim Abspann sitzen. Bei mir ist mal niemand aufgestanden und frühzeitig raus, auch wenn keine Bilder mehr kommen.

P.S.
* Bester Film
* Beste Regie
* Bester Hauptdarsteller
* Beste Hauptdarstellerin
* Bestes Originaldrehbuch
* Bester Song (2x)
* Beste Filmmusik
* Beste Kamera
* Bestes Szenenbild
* Bestes Kostümdesign
* Bester Ton
* Bester Schnitt
* Bester Tonschnitt

Dazu hat er in der Filmpreissaison 2016/17 bereits über 120 Preise abgegriffen und ist für weitere 180 nominiert. Bei den Golden Globes hat er erstmalig in der Geschichte überhaupt in allen 7 Kategorien Preise abgegriffen und somit einen Weltrekord aufgestellt.
(Quelle: Wikipedia)

Noch Fragen?

Kinostart: 12. Januar 2017

Original Title: La La Land
Length: 128 Min.
Rated: FSK 0

SMS für dich…

Ja, ich habe diesen Titel gemieden wie die Pest.
Ja, ich habe einen großen Bogen darum gemacht, dass mein Stammkino genau dieses Werk in den größten Saal katapultiert hat – denn das haben sie ja auch mit den Schweighöfer-Filmen gemacht und die mochte ich auch kein Stück.
Ja, ich habe gedacht, ich komme drumrum und lasse das Werk einfach in einer unsichtbaren Versenkung verschwinden und komme drumrum, ihn anzusehen.
Der Grund? Der Trailer.
So furchtbar naiv, klischeebehaftet, weibisch, schmalzromantriefend und vorhersehbar – das kann nur schief gehen.
Ja, ich hatte Vorurteile und es tut mir leid – ich habe einen Fehler gemacht.
Nachdem mich die Filmbelegung diese Woche mehr oder weniger dazu gezwungen hat, diesen Titel doch in die Movieschiene der zu sichtenden Titel aufzunehmen, habe ich mich selbst dafür verflucht, dieser genialen Meisterleistung so lange aus dem Weg gerannt zu sein, denn ich hätte euch schon längst in die Säle schicken müssen und nicht erst darauf hinweisen, wenn es fast schon zu spät dafür ist.
Soviel zu meiner Beichte.
Was mir an SMS für dich… so unglaublich gefallen hat?
Berliner Schnauze – die eine ungekannte Authentizität auf die Leinwand bringt, deren Charme man auch als Nicht-Berlin-Liebhaber nicht widerstehen kann. Diese liebevolle Sprache, für die ich als Ex-Berliner natürlich extrem viel übrig habe, bringt nicht nur unglaublich viel Sympathie ins Spiel, sondern sorgt auch dafür, dass man sich als Zuschauer ernstgenommen fühlt und der Story Glauben schenkt – denn genau so könnte es dir auf offener Straße auch passieren.
Das Thema – tausende Male erzählt, wiederaufbereitet und doch völlig neu entworfen: Filme über die Liebe, Frauen, Männer, Beziehungen, Dramen, Enttäuschungen und Glück gibt es wie Sand am Meer. Dass all dies hier nicht zum Inhalt gehört, sondern man eine völlig neue Plattform betritt, die nicht nur das Rad irgendwie komplett neu erfindet, sondern dazu auch noch eine frische Brise Moderne mit auf den Plan wirft, ist gleichermaßen schmeichelnd wie wohltuend: Auch hier merkt man wieder die Unverbrauchtheit der Regisseurin – und genau diese Tatsache lässt einem alteingesessenen Filmliebhaber um so mehr das Öl die Kehle runterlaufen.
Der Umgang mit Klischeemomenten – die irgendwo keine mehr sind, sondern sich auf einer völlig normalen, natürlichen Basis zu etwas wirklich fesselndem entwickeln, von dem man seine Augen nicht mehr abwenden kann: Der Unterhaltungskomplex hat hier eine Dimension erreicht, die einen vergessen lässt, dass man gerade in einem Film sitzt und sich womöglich auch langweilen könnte, sondern du bist bei der Sache und fieberst bis zum Schluss mit, wenn man in einem überbordenden Finale gipfelt, dass dem vorurteilsbehafteten Zuschauer die letzten Argumente raubt, wenn der sich selbst mitwippend in einem Hauch Selbstironie wiederfindet, die jeglicher Vorstellung von Normalität spottet und etwas hinterlässt, dass ich dem Machwerk hinter diesem Trailer niemals zugetraut hätte.
Wie auch schon bei Unsere Zeit ist jetzt hatte ich hier einmal mehr den verstärkten Eindruck, man gibt sich zur Zeit grade die allergrößte Mühe, all die stummen Gebete der Vergangenheit zu erhören und in Deutschland endlich eine Basis zu schaffen, auf der Filme kreiert werden, die man auch in 20 Jahren noch guten Gewissens weiterempfehlen kann. SMS für dich… gehört für mich seitdem zu den Pflichtfilmen, die jeder deutsche Movieliebhaber in seiner Sammlung haben sollte – wer hätte das gedacht.
Und wer von dem Cast noch irgendwelche Nachwehen zu verdauen hat, möglicherweise aus Titeln wie Fack Ju Göhte 2, dem sei gesagt: Die Überraschung ist euch versprochen – so habt ihr diese Jungs und Mädels noch nie spielen sehen.
Wenn’s weiter so läuft mit der inländischen Produktion, werde ich bald noch Fan von deutscher Filmkost … – das schockt mich ehrlich gesagt genauso wie euch vielleicht an dieser Stelle.
 

.kinoticket-Empfehlung: Klarer Fall: Es tut mir leid, dass ich so spät darauf hinweise – man sollte sich so schnell wie möglich aufmachen und dafür den Kinosessel buchen.
Alles andere wären vertane Chancen, denn hier zeigt man eimmal mehr, welches filmische Potenzial unser Land aufzuweisen hat und in welche Richtungen man gehen kann.
Das Dargebotene hat mich nicht nur tief beeindruckt, sondern setzt unglaubliche Maßstäbe für kommende Kinofilme, deren Kreativität, Charme, Unverbrauchtheit und Liebe zur Erzählung hoffentlich noch oft zu sehen sein wird.
Also rein und diesen Titel zu einem Erfolg werden lassen. Es lohnt sich.

 
Nachspann
Auch hier gilt wieder mal: Sitzenbleiben. Die gezeigten Szenen während des Abspanns sind die paar Minuten wert.

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