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Tag: Verkauf

Jurassic World: Das gefallene Königreich (3D)

Testfrage: Gehst du in Jurassic World: Das gefallene Königreich – evtl. sogar in eine 3D-Vorstellung?
Menschen, die unlängst bei der Vorbestellung zugeschlagen haben, dürften hier schon eine feststehende Antwort parat haben. Und alle anderen? Hand aufs Herz? Ja oder nein?
Daran seht ihr, dass die Entscheidungen eigentlich schon längst gefallen sind und man daran auch als Kritiker womöglich nicht mehr wirklich etwas ändern könnte.
Und darum wird der Film auch funktionieren.
Logisch. Der alte hat ja auch funktioniert. Jurassic World gehört immerhin zu den weltweit (!) erfolgreichsten Filmen aller Zeiten nach Einspielergebnis (da ist das böse Wort) und belegt dort gleich Platz 5 im Ranking. Sein Urvater Jurassic Park schafft es im Jahr 1993 sogar auf den historischen Platz 1 auf der Toplist der weltweit erfolgreichsten Einspielergebnisse.
Als erfolgreichstes Franchise räkelt sich die Filmreihe derzeit auf Platz 12, was sich demnächst dann ändern dürfte. Franchise?
Das ist dieses Ding, wo jemand eine – zugegebenermaßen – grandiose Idee hat, sich dann hinsetzt und ein Papier aufsetzt, in dem steht, was andere mit dieser Idee im Rahmen der Freigaben anstellen dürfen und fortan damit nur noch Geld verdient. Und hier fangen die Probleme an. Ja, Entschuldigung, ich jammere …
Jurassic Park war damals einzigartig. Was gab es drumrum an Filmen? Wie sah der Markt aus? Was wurde dem Zuschauer an Gros aus Filmen geboten, wenn er sich für ein Lichtspielhaus entschied? Welche Alternativen gab es? Alles war gleich. Mehr oder weniger. Normale Menschen, normale Größen, mal lustig, mal traurig, aber alles auf ein und demselben Level.
Und es gab Jurassic Park. Dinosaurier! Egal, ob man sich vorher dafür interessiert hat oder nicht, danach tat man es. Diese unfassbare Vorstellung, dass diese Viecher, von denen keiner von uns je eines lebend gesehen hatte, jetzt lebendig auf der Leinwand rumtobten und dort jede Menge Krawall anrichteten – ein Traum! Allein die Faszination des Lebens ganz neu bestaunen zu dürfen und von den Protagonisten mitgerissen zu werden – das Dinofieber war ausgebrochen und ein Wort bekam neue Dimensionen: Superlative!
Die Dinos waren vor allem eins: Groß und mächtig. Wir Zuschauer fühlten uns unterlegen, klein, voller Begeisterung und Bewunderung – gefesselt von der Magie und Faszination, fast schon demütig vor ihnen und zuckten alle in unseren Sesseln zusammen, wenn das schwere Trappen der übergigantischen Monster zu vernehmen war. Es gab nichts, was ihnen den Rang ablief. Sie waren die absoluten Götter der Giga-Dimension mit einer vernichtenden Kraft, vor der man ganz automatisch in die Knie ging.
Heute?
Gibt es Godzilla, Kong: Skull Island, Transformers, Transformers – Die Rache, Transformers – Die dunkle Seite des Mondes, Transformers – Ära des Untergangs, Transformers – The Last Knight, Pacific Rim, Pacific Rim: Uprising, Cloverfield, 10 Cloverfield Lane, Monsters, Rampage: Big meets Bigger … und? Jurassic Park, Jurassic Park II, Jurassic Park III, Jurassic World und nun eben auch Jurassic World: Das gefallene Königreich. Um mal nur ein paar zu nennen.
Die Einzigartigkeit, die Jurassic Park damals ausgemacht hat, das “riesige” was uns über den Kopf gewachsen ist und seit jeher in den historischen Gedanken der Menschheit verankert existierte, wieder neu zum Leben erweckt, fristet heute ein Dasein in einer dunklen Nische und ist umgeben von Superlativen, in denen wir alle in den letzten Jahren längst ersoffen sind.
Geben wir es doch zu: Keiner will mehr was von diesen monströsen “immer noch größer und noch besser und noch schlechter animiert, aber dafür 2489 Billiarden teurer”-Filmen mehr sehen, denen jedweder Geist und Seele fehlt und denen es allen nur ums Geld geht, aber nicht mehr um eine grandiose, und vor allem funktionierende Geschichte.
Willkommen in Jurassic World. Verdammte hacke!
Und jetzt fang ich wirklich das Kotzen an! Warum?
Ihr erinnert euch an meine jüngsten Hasstiraden gegen den Megakonzern Disney, der das weltweit unrühmliche Beispiel geliefert hat, wie man aus etwas Wunderschönem eine karambolagierende Untergangsmaschinerie gestaltet und damit zahlungsunfähige und filmliebende Kinos ausblutet, die fortan mit schlechteren Filmen die großen Blockbuster subventionieren müssen, um über Wasser zu bleiben?
Universal Pictures folgt ihrem diabolischen Beispiel. Sie wollen Geld. Sie werden raffgierig. Sie kriegen nicht genug. Die Zeiten der Dankbarkeit und des “Hey, Wow, wir haben es weltweit zu Bekanntheit und Ruhm geschafft” sind vorbei und machen dem Mammon Platz. Irgendjemand hat zwischen seinen Trilliarden immer noch Lücken im Portmonee und die müssen dringend auf Kosten von kleinen Kinos gestopft werden!!! Da werden harte Verhandlungen im Hintergrund geführt, die sogar Multiplex-Kinoketten wie CinemaxX in die Knie zwingen und bis ganz zum Schluss die Entscheidungen offen stehen lassen, ob Jurassic World 2 dort überhaupt anlaufen wird oder nicht. Warum? Weil der Konzern so immens hohe Gebühren fordert, dass die Kinokette daran nichts mehr verdienen würde.
Ernsthaft jetzt?
Und was machen dann die kleinen, die nicht so solvent und zahlungsstark sind wie solche Megaketten?
Ist das wirklich euer Ernst? Ist das der Respekt vor dem Leben und die Aufrichtigkeit, die uns Jurassic Park gelehrt hat?
Ihr – die ihr die Macht in euren Händen haltet, hättet mit beispielhaftem Vorbild vorangehen müssen und sagen: Wir geben ihn euch. Wir machen damit sowieso Kohle. Unfassbar viel Kohle! Wir verdienen so viel, wie wir niemals tragen oder ausgeben können. Hier ist ein Bruchteil dessen für euch, damit keiner sich zu Tode schuften und irgendwas subventionieren muss, um unseren Film zu zeigen.
Ihr habt nämlich vergessen, dass Kinos die Plattform sind, wo eure Filme gezeigt werden und ihr auf diese Häuser angewiesen seid. Ohne ihre Leinwände seid ihr … nichts! Eure ganze verdammte Großkotzigkeit ist NICHTS ohne eine Leinwand! Ihr verachtet mit solch einer Aktion eure eigene Familie und blutet die aus, die dafür sorgen, dass ihr euch hinterher stolzierend brüsten und selbst feiern könnt, weil nur die Kinos die Menschen anlocken und dort eure Werke gefeiert werden. Oder eben nicht.
Ich warte bis heute auf den Konzern, der das einsieht und der endlich ein markantes Beispiel setzt und sich erkenntlich zeigt. Der es begreift, wenn man große Macht hat, dass darauf große Verantwortung folgt. Habt ihr denn alle nicht euren eigenen Worten zugehört? Habt ihr nichts von den Superhelden der Vergangenheit gelernt? Scheinbar nicht.
Und dieser Umstand kotzt mich an! Recherchiert man ein wenig, findet man ruckzuck Kinos, in denen ein (1!!!) Ticket für einen Film in 3D knappe 30 € – also 60 DM – kostet. Warum DM? Weil ich an die Zeit erinnern wollte, wo man für 50 Pfennig durch die Tür gelassen wurde. Aus 0,25 € wurden 30,00 €. Findet ihr nicht auch, dass ihr durch diesen Wahnsinn den Kinogängern eh das Geld aus der Tasche zieht? Und dass immer genügend Gewinne da sein werden, in denen ihr euch suhlen könnt?
Okay okay … wenn ihr auch etwas dafür bietet. Dann schauen wir doch mal.
Jurassic World: Das gefallene Königreich – gefallen … gehört das zur Selbsterkenntnis oder ist euch nichts besseres eingefallen? Selbst der grottenschlecht abschneidende Solo: A Star Wars Story hatte Momente, die an seinen Schöpfer erinnerten und bei jedem die Gänsehaut aufflammen ließen, z.B. als die beiden erstmalig im Millennium Falcon sitzen und der Beat von Star Wars erklingt. Redet den Film schlecht. Kritisiert seine Unzugehörigkeit zum Rest von Star Wars, aber die Szene hat funktioniert. Und davon hättet ihr in Jurassic Park genügend Ansatzmöglichkeiten gehabt, um genau das wieder hervorzurufen.
Und was tut ihr stattdessen? Weiß jemand, was Killcounts sind? Diese Counter, die am Bildschirmrand mitzählen, wieviele Leute abgemetzelt werden? So etwas hätte ich gerne im Eck gehabt, und zwar für Logikfehler.
Ein Dino rammt mit seinem Schädel gegen Wände und bringt massive Betonsteinmauern zum Einsturz und scheitert anschließend an einer kleinen Holzdiele? Läuft.
Dino rennt eine Treppe hoch und hinterlässt Zerstörung und das absolute Chaos, erklimmt das Dach und die zerbrechlichen, sensiblen kleinen Dachziegelchen bleiben allesamt heile? Läuft.
Oder euer Einfallsreichtum. Ich kann mir das so vorstellen: “Was hat denn schon mal funktioniert?” “Hm… keine Ahnung? Dinos?” “Ahh … ja. Welche denn?” “Ähm, wir könnten … irgendwas mit Raptoren. Ach und T-Rex vielleicht.” “Ja, machen wir das doch. Wie halten wir das Budget gering?” … das könnt ihr im Film selbst anschauen.
Euer Film erstickt an seiner eigenen Vorhersehbarkeit. Ausnahmslos jede einzelne verdammte Szene ist vorhersehbar. “Jetzt passiert das.” … und es passiert. “Und jetzt müsste das passieren” und es passiert. “Und jetzt müsste sie eigentlich dahin rennen.” … und sie rennt dahin. So geht das den ganzen Film über. Es gibt absolut keine Überraschungen oder Momente, die einen wirklich vom Hocker reißen und auch nur ansatzweise das Staunen, die Mystik und Faszination zurückkehren lassen, die uns Jurassic Park einst lieferte. Statt dessen presst sich aus allen Poren etwas völlig anderes: Scheinheilige Kompromisse, um ja niemanden auf der ganzen Erdkugel vor den Kopf zu stoßen. Jurassic World 2 ist alles: heilig, halal, vegan, bio, glutenfrei, koscher und laktoseintolerant. Diese Kompromissbereitschaft und das Daniederliegen in Angst, auch nur einen einzigen Cent zu verlieren, weil IRGENDJEMAND sich vor den Kopf gestoßen fühlen könnte, ist zum Erbrechen!
Ich meine: Überlegt euch das mal… wir haben hier einen Film mit der wohl gewaltigsten Schöpfung und Kraft, die es auf diesem Planeten jemals gegeben hat. Eingepackt in einen Film, der vor Symbolträchtigkeit und Schwere von niemandem anzuheben ist und eigentlich Unvergleichbar sein sollte. Und seine Schöpfer haben Angst? Angst davor, Geld zu verlieren? Stattdessen verlieren sie sich selbst in einer Kompromissbereitschaft, die zum Himmel stinkt und in einer öden, langweiligen und lahmarschigen Variante seiner selbst untergeht und aus etwas Meisterwerk-Unangreifbarem einen Schundfilm gemacht hat, der wie ein billiges, hässliches Kind wirkt, dass mit nichts zufrieden ist, was man ihm gibt.
Die Dialoge sind so dermaßen öde und langweilig, uninspirierend und langsam, überhaupt nimmt der Film keinerlei Fahrt auf. Alles ist einfach da. Dinos rennen. Juhu. Ach nein, auf einmal stehen wieder alle einfach nur rum. Obwohl im Hintergrund …. egal. Spoiler ich? Tschuldigung. Da … eine offene Autotür. Ach Mist, der Dino ist noch nicht da. Warten … Warten …. bloß nicht einsteigen … nicht reingehen und einfach abhauen und wegfahren. Kucken! Warten und Kucken! Noch mal kucken! Und warten. Jetzt ist der Dino da. Ein Schritt. Es wäre nur ein Schritt. Aber ich gehe ihn nicht. Sondern warte lieber. Und kucke den Dino an. Der bewegt sich. Auf mich zu. Ich bewege mich aber nicht, denn ich muss kucken. Und warten. Und zack – ist meine zehnstündige Chance, im Auto mit offener Tür direkt vor meiner Fresse auf einmal unwiderbringlich verloren.
MEINE FRESSE! Und sowas verkauft ihr uns als erfolgreichsten Dinofilm aller Zeiten, der so verhandelbar stark ist, dass ihr sogar Monster-Kinoketten in die Knie zwingen wollt, so dass sie daran nichts mehr verdienen?
Go, fuck yourself.
Das einzige, das an diesem Film gigantisch ist, ist der gigantische Schlag in die Fresse eines jeden, der im Leben schon mehr als 5 Filme gesehen hat, den ihr nach Strich und Faden verarscht und ihn perverserweise noch dafür bezahlen lasst. Und zwar teuer. Teuer mit Zeit und teuer mit Geld, über das ihr dann auf der Leinwand wieder scheinheilig rumlamentiert und es aufs höchste verurteilt. Erkannt? Das, was Jurassic World 2 am Wesen des Menschen anprangert, erfüllt ihr mit eurem eigenen Film parademäßig selbst. Wie pervers bitteschön ist das denn?
Und das eigentlich traurige daran kommt jetzt: Es wird funktionieren. Der Film wird sensationelle Einspielzahlen einfahren, denn wer will denn nicht Dinos auf der Leinwand hüpfen sehen? Wir alle lieben es doch abgöttisch, wenn diese Monster vor uns die Welt in Schutt und Asche legen und wir dabei zuschauen dürfen.
Nur, dass das leider in dem Film hier nicht passiert.
Wisst ihr, was mir an dem Film gefallen hat?
Das, was die meisten meiner Pressevorführungsmitglieder alle schon nicht mehr mitgekriegt haben, weil der Saal grottenleer war: Die After-Credits-Szenen. Ganz zum Schluss – nachdem alles abgelaufen ist, kommt nämlich noch ein saftiger Nachspann. Und bei der Sequenz hatte ich Lust auf einen neuen Film. Der war da aber dann endgültig vorbei. Verdammt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses Werk ist auf allen Ebenen des Seins eine grandiose Enttäuschung.
Auf der Leinwand, in Sachen Logik, in Sachen “baut Geschwindigkeit auf”, in Sachen Dialoge, in Sachen Animation, in Sachen Einfälle.
Hinter der Leinwand in Sachen Verhandlungen, in Sachen Geldgier, in Sachen Ausbluten kleinerer Kinos, in Sachen Ausbluten großer Kinos, in einem verachtungswürdigen Verhalten der Betreiber in jederlei Hinsicht.
Und aus diesem Grund sollte man dieses Werk konsequent boykottieren, um hier als zahlender Kunde ein Zeichen zu setzen und zu sagen: So nicht! Denn eines haben die Studios auch vergessen: Ihr braucht nicht nur die Kinos, um selbst reich zu werden. Ihr braucht in allererster Linie uns zahlende Kundschaft. Und wenn die auf mein Nachfragen nicht wie aus der Pistole geschossen antwortet “Geil!!!”, sondern Sätze fallen wie “Da muss ich erst nochmal eine Nacht drüber schlafen, ob der wirklich gut war oder nicht”, dann gibt es in meinen Augen kein besseres Zeugnis eures Versagens.
Geht, haut ab und kommt einfach nicht wieder.
P.S: Jurassic World 3 ist bereits für 2021 angekündigt.

 
Nachspann
✅ Hocken bleiben – und zwar ganz bis zum Schluss, sonst verpasst ihr das Beste des Films! Hier kommt noch eine mörderische Szene!
Kinostart: 06. Juni 2018

Burg Schreckenstein 2 – Küssen (nicht) verboten

Burg Schreckenstein wurde von mir bereits zur coolsten Schule aller Zeiten abgestempelt. Viel Klamauk, viel Blödsinn, Streiche und pädagogischer Wert zählen für mich zu den Dingen, die diese Geschichte ausmachen. Kein Wunder, dass ich mich auf die diesjährige Fortsetzung des Stücks ungemein gefreut habe.
Die lieferte Concorde seit dem 7. Dezember auch an die Allgemeinheit aus und lud erneut in den Alltag dieser Schüler ein, der sich diesmal weniger in den eigenen Reihen abspielt, als vielmehr Teil der unaufhaltsamen Globalisierung wird und sich daher den Problemen dieser Bereiche zuwendet.
Tragischerweise geht dadurch ein klein wenig das Gefühl der unberührbaren Heimat verloren – es wirkt fast, als stäke das Gift des allseits zerstörenden Globalisierungswahnsinns seine Finger in eine unschuldige Familie und verursache da nur Chaos und Zerstörung. Dies führt zwar einerseits zu “mächtigen Gegnern”, andererseits aber auch zu Frustration und Enttäuschung, da nun nicht mal mehr auf der Leinwand die Welt zumindest stellenweise noch in Ordnung ist.
Genau dieses Gefühl macht den ersten Film zu so etwas positivem: Man erlebt mit, dass es eben doch noch die Inseln der Normalität gibt und nicht alles krank zu sein scheint.
Ich weiß nicht, ob dieser Schritt ein richtiger gewesen ist, obgleich er themenaktuelle Situationen kindgerecht verarbeitet und somit ebenfalls zur Verständigung und zum Verständnis von Politik und Leben beiträgt – es tut einfach trotzdem weh.
Sehenswert ist der Film aber dennoch, denn auch hier wieder bringen Kids und Lehrer ihre Rollen gut zum Tragen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Schutzmauer der Burg wird aufgesprengt, die Kämpfe werden stärker, die Heimeligkeit verschwindet ein bisschen und das gegenseitige Bekriegen tritt etwas zur Seite.
Burg Schreckenstein 2 überzeugt wieder durch talentiertes Schauspiel, kindgerechte Unterhaltung und öffnet die Pforten für die hässlichen Alltagssituationen des Lebens nach der behüteten Schulzeit.

 
Nachspann
anfangs noch interessant, später dann vernachlässigbar.
Kinostart: 7. Dezember 2017

Es war einmal in Deutschland …

Was sich auf den ersten Moment wie ein gelungenes Märchen gewisser Gebrüder anhört, entfaltet seine Originalität und seinen Einfallsreichtum ziemlich schnell in einer Erzählung, die sich selbst im Schatten großer Historie nicht zu verstecken braucht, sondern dem Zuschauer einfühlsam und herzerwärmend den Teil geschichtlicher Ereignisse zum besten gibt, der im Trubel des Großen Ganzen bislang eher wenig bis keine Beobachtung erfahren hat.
Michael Bergmann hat sich seinerzeit hingesetzt und zwei Romane geschrieben, die genau diese unbeantworteten Fragen stellen und mögliche Lösungsvorschläge liefern, die er aus persönlicher Bekanntschaft damals hautnah miterlebt hat.
Diesem Stoff hat sich Sam Garbarski angenommen und daraus einen witzigen, vor Lebensenergie und Vorwärtsdringen sprudelnden Film gemacht und bewiesen, dass man auch innerhalb Deutschlands einer Zeit Humor abgewinnen kann, die alles andere als lustig gewesen ist.
Gerade dieses Spielen mit Momenten, die einem eigentlich die Tränen in die Augen drücken, einen aber gleichermaßen dazu bringen, doch seine Lachmuskulatur zu benutzen, kommt in diesem Film der Perfektion schon ziemlich nahe.
Mit Moritz Bleibtreu und Antje Traue hat man zwei Leitfiguren etabliert, die dem gesamten Ensemble mächtig Schwung geben. Die Truppe passt einfach zusammen und die Story ist gleichermaßen wahr wie unglaublich.
Dass hier das ZDF beteiligt war, lässt man geflissentlich unter den Tisch fallen, denn dadurch wird dieses Werk nur bekannt, sofern die es dann auf ihrem Äther an die Umwelt schicken.
Als jemand, der nicht in dieser Zeit aufgewachsen ist und sich auch nicht näher für spezielle Schicksale dieser Epoche interessiert, vermag man wohl zu fragen, an welches Publikum dieser Film wohl gerichtet ist.
In meinen Augen fühlt sich dort drin wohl, wer Freude an andersartigem Humor, positiver Auseinandersetzung mit rabenschwarzen Themen und einfach glanzvollem Schauspiel heimischer Darsteller hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die sprühende Energie in einem Umfeld voller Trauer und Tod erhebt diese Geschichte zu einen Meilenstein der deutschen Historie.
Gerade das Befassen mit dem Humor innerhalb dieser Epoche trägt hier deutlich dazu bei, dass man sich auch als Außenstehender wieder gerne mit der Thematik auseinandersetzt und dabei sogar Spaß hat.
Ein Besuch mit Freunden im Kino ist ganz sicher keine falsche Entscheidung.

 
Nachspann
folgt auf freiem Fuße, nur ohne weitere Szenen oder neuem Material.

Wendy – Der Film

Fast jedes Kind hat im Laufe seines Erwachsenwerdens mindestens einen der Klischeewünsche gehabt. Lokführer, Pilot, Prinzessin oder aber Pferde.
Die Ursache solcher Wünsche rührt meist aus diversen Promotions, die aus der Erwachsenenwelt überschwappen und die Kinder manipulativ beeinflussen. Nicht umsonst buhlen so viele Konzerne um die Aufmerksamkeit der Kleinsten. Mit dazu gehört die bekannte Pferdezeitschrift Wendy, die sogar an mir nicht ungesehen vorbeigekommen ist.
Mit Wendy – Der Film projiziert man nun die Kindheitswünsche in einen gut verträglichen Kinofilm und widmet sich ganz im Sinne der Kleinsten dem Thema erneut, nur dass diesmal eben nicht irgendwelche Comics zur Fantasieanregung parat stehen, sondern man die Gestaltung und das Umfeld im Film klar deklariert und daraus einen für Kinder interessanten Plot zimmert, der meine Erwartungen weit übertroffen hat.
Ganz ehrlich? Fast die komplette Erwachsenen-Riege hat mir viel Kraft für die Vorstellung gewünscht und gemeint, dass ich da drin sowieso keinen Spaß haben werde, weil sich das für sie eher nach Qual als Vergnügen anhört – und das muss ich leicht dementieren.
So übel ist das alles nämlich gar nicht und auch die übliche Kinderkrankheiten solcher Filme, wie man sie z.B. in Ostwind 2 hatte, kommen hier nicht wirklich zum Tragen. Man verhält sich sehr normal und spricht auch nicht übermäßig verblödend, sondern konzentriert sich wirklich auf schöne Pferdeaufnahmen, einen interessanten Plot und akzeptable Charaktere, die das Gesamtbild des Films ausschmücken und so zu einem Gesamterlebnis verhelfen, das durchaus positiv ist.
Und Fetischisten von extrem geilen Kamerapositionen haben hier auch das ein oder andere Schmankerl drin.
 

.kinoticket-Empfehlung: Besser als die Erwartungen, die man als Erwachsener an so einen Film stellt.
Geschichte, Darsteller, Kamera und Aufnahmen überzeugen und liefern hier Stoff für einen unterhaltsamen Nachmittag mit den kleinen Geschwistern. Darüber hinaus sollte man aber keine allzu hohen Forderungen stellen, denn der Film möchte nicht auf internationalem Niveau irgendwelche Preise absahnen, sondern verhält sich in meinen Augen hier völlig bodenständig und richtig.

 
Nachspann
Im Nachspann wird man dann wieder an alte Zeiten erinnert, zu schnelles Abwandern sollte man also vermeiden.

Bad Neighbors 2

Ich hab mich erfolgreich um diese Vorstellung gedrückt. So lange. Erst nicht zur Pressevorführung gegangen, dann ein paar Sneak Previews versäumt in der Hoffnung, dass ich den überspringe und schlussendlich vor einem leeren Kinoprogramm gestanden und ihn doch mitnehmen müssen.
Und meine Vermutungen haben sich bestätigt. Wer den ersten Teil gesehen hat, hat das Beste aus dieser Art Geschichte schon intus und kann getrost auf die Fortsetzung verzichten.
Das, was hier verkauft wird, ist quasi aufgewärmter Brei einer erstmals eigentlich guten Idee, die jedoch so sehr vor amerikanischer Alltagsfilm-Manier trieft, dass einem als Zuschauer schon schlecht davon werden kann.
Es mag Leute geben, denen so etwas gefällt, mir so überhaupt nicht. Und es ist irgendwie auch genau wie bei American Pie, wo der erste Teil noch seinen Charme hatte und eben ein ganz bestimmtes Publikum angesprochen hat, während man mit den Folgefilmen dann einfach nur noch auf den Zug aufspringen und es mit der günstigeren Schauspieler-Riege erneut versuchen will. Und dieser Schachzug funktioniert in meinem Fall nicht, da die Ersatztruppe, die die Jungs aus dem ersten Teil ersetzt, hier keineswegs mithalten kann, sondern allerhöchstens als billige Kopie durchgeht, die verzweifelt versucht, genauso cool zu sein wie ihre Vorreiter.
Selbst bei den hoch dotierten Darstellern vermisst man hier die gut gemeinte Portion Coolness und findet eher Peinlichkeiten, die nichts mehr im Kino verloren haben, sondern allenfalls aufs Abstellgleis eines Ramsch-Fernsehsenders gestellt gehören. Ob das nun bewusst auf dämlich gebügelte Darstellerkunst war, oder schlichtweg einfach Nicht-Können, lass ich mal so dahingestellt.
Die einzige Szene, die sich meines Erachtens lohnte, war … achja, ich wollte ja nichts spoilern. Da hat es jemand wirklich drauf gehabt und das so gekonnt in Szene gesetzt, dass es sich dermaßen vom Rest des Films abhebt, dass die Szene in sich wiederum völlig ausgeklammert wirkte und so gar nicht zu dem Rest des Films passte.
Der Rest war langweilig, geschmacklos, intentionslos und ohne jede Würde und Moral und das ist einfach nicht mein Ding. Doch gottseidank sind Geschmäcker verschieden und es gibt mit Sicherheit Menschen, die jene Art Film gutheißen und im Kino begrüßen – und denen sei eine sporadisch besetzte Vorstellung auch von Herzen gegönnt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich mit Zac Efron nochmals durch die Welt der Plagenachbarn schlagen will, der sollte sich wohl eher erneut den Vorgänger zu Gemüte führen.
Die Show wird hier zwar weitergeführt, insofern aber doch nur billig kopiert und damit ohne geistigen Auftrieb nach vorne geprügelt. Und diesem Konzept merkt man seine intellektuelle Lustlosigkeit einfach an, was das Ganze zu einer banal-langweiligen Show des Vergessens werden lässt, der man nach der Vorstellung keinen einzigen Gedanken mehr nachreicht.
Und genau so etwas hatte ich auch erwartet.

 
Nachspann
darf abgekürzt werden, hier folgt nichts zusätzliches mehr.

Osman Pazarlama

Wer in diesem Film Spaß haben will, muss viel Gequassel aushalten können. Denn gesprochen wird hier quasi fast ununterbrochen. Mit der typisch-türkischen Art, die man aus anderen Comedy-Filmen dieser Kultur bereits kennt, wird hier wieder eine Geschichte erzählt, die so dermaßen weit über den Tellerrand des Normalen hinausschießt, dass man darüber tatsächlich lachen kann.
Und gerade die Skurrilität, mit der der Hauptdarsteller seine sehr wohl als edel zu bezeichnenden Beweggründe in die Tat umsetzt, schafft hier einen Raum, in dem der Zuschauer seinen Spaß haben oder völlig durchdrehen kann, da man sich mehr oder weniger tatsächlich von der Realität absetzt und in einer völlig obskuren Welt eintaucht, die mit dem echten Leben längst nichts mehr zu tun hat. Und damit fallen Vergleiche, Ansprüche und Enttäuschungen weg, denn es zählt einfach nur noch, ob das Boot als solches schwimmt, und nicht, wie es sich im Vergleich zu anderen schlägt.
Was man dazu aber auch sagen muss: Ich habe bereits andere türkische Filme gesehen, die ebenfalls lustig waren, jedoch einen tieferen Sinn verfolgt haben oder eben bis dato unerreicht geblieben sind. Davon distanziert man sich hier ein wenig, denn der große Sinn bleibt aus und am Ende sind es halt nur 114 Minuten, die man mit spaßigem Quatsch vollgesülzt wird, der nicht dazu anregt, sich dieses Spektakel nochmals anzutun. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass das Werk deshalb schlecht ist.
Erwägt man, sich diesen Streifen anzuschauen, sollte man eben einfach nur einplanen, dass neben der Skurrilität auch eine gewisse Art von Sinnlosigkeit da ist, man im Film zwar genügend Szenen hat, in denen man lachen kann, der Plot aber keine weiteren ernsthafteren Bereiche abdeckt. Wer mit dieser Enttäuschung leben kann, der darf sich diesen Film ruhigen Gewissens zu Gemüte führen. Denn mit türkischem Publikum im Saal macht Comedy im Kino erst richtig Spaß.
 

.kinoticket-Empfehlung: Müsste ich zwischen allen bisher gesehenen OmU-Titel vergleichen, würde ich diesen hier als letzten empfehlen.
Man muss dazu eine große Portion Bereitschaft zur Selbstaufgabe der Vernunft und des Wirklichen mitbringen und akzeptieren, dass hier in einer Ära gearbeitet wird, die so absolut nichts mehr mit dem wirklichen Leben zu tun hat.
Findet man sich damit ab, erlebt man eine Spaßkultur, die während der Laufzeit durchaus Freude bereitet und dazu anregt, andere Dinge kurzfristig mal zu vergessen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, allerdings ist auch hier wieder die türkische Musik der Grund, der mich am Weggehen hindern würde.

Sisters

Was hab ich auf die Veröffentlichung von Deadpool gewartet und hingefiebert … und geliefert wurde Sisters. Mit so einer Enttäuschung schon vor dem Vorspann konfrontiert zu werden, benötigt bei mir dann viel Aufwand, um mich wieder in eine halbwegs akzeptable Stimmungslage zu versetzen. Und das hat Sisters so absolut gar nicht geschafft.
Der Film war von mir zwar auf die Liste der zu sichtenden Filme gesetzt worden, weil im Trailer schon einige Szenen angerissen wurden, die ihn für halbwegs sehenswert ausgezeichnet haben, jedoch bestanden meine Hoffnungen darin, die sehnsüchtig herbeigewünschte Kippe zum empfehlenswerten Comedy-Streifen zu schaffen, statt den Zuschauer mit biederen Billigwitzen zu konfrontieren und darauf zu setzen, dass genügend Dumme im Publikum sitzen, die so etwas lustig finden.
Zur Zeit wird viel Fäkalhumor versprüht und auf Themen gesetzt, die weder mit Sittsamkeit noch anständigen Lehren zu tun haben. Vermutlich holt man so aus der unteren Gesellschaftsschicht wieder Kohle nach oben, um neue Einnahmequellen zu sichern und Menschen ins Kino zu locken, die sowas “geil” finden.
So und nicht anders wirken Tina Fey und Amy Poehler auf mich, wenn sie als viel zu alte Spinatwachteln versuchen, ihre verlorene Kindheit zurückzuerobern und damit kläglich scheitern. Denn nicht anders kann man das Unterfangen der beiden bezeichnen. Nochmal jung sein, nochmal Party machen, nochmal im Kielwasser von Robert DeNiro mitschwingen und einen Erfolgshit landen, der die Massen ins Kino zieht … der Plan ist fehlgeschlagen.
Der Humor trifft absolut nicht meinen Geschmack, sondern löst eher würgereizbehaftetes Fremdschämen aus. Das Niveau der Jokes ist derart niedrig, dass der Fall gar nicht lange dauern kann. Irgendwie will keine Stimmung aufkommen, die etwas von Heimeligkeit oder Sympathie in sich trägt, sondern man fragt sich eher die ganze Zeit, wie lange man dieses Pack noch ertragen muss, bevor man endlich vom Nachspann erlöst wird.
Klar, einen oder zwei gibt’s immer, die dabei dann lachen – was für mich einfach nur zeigt, dass die Gesellschaft Gottseidank immer noch aus verschiedenen Charakteren besteht und nicht alle denselben Humor haben. Und das ist für mich auch der einzige Grund, weshalb dieser Film “besteht”: Es gibt Menschen, die sowas tatsächlich lustig finden und für die ist der Film da. Alle anderen sollten einen weiten Bogen darum machen, denn unter lachkrampfartiger Unterhaltung verstehe ich etwas völlig anderes.
So richtig Sinn macht der Film überhaupt nicht, da weder etwas positives vorgelebt wird, noch irgendwelche nachahmbaren Ziele vorgestellt werden, die erstrebenswert wären. Am Ende ist einfach alles sinnlos und das Fremdschämen war völlig umsonst, was nicht zuletzt am Nachspann ersichtlich ist, wenn offensichtliche “Outtakes” vorgestellt werden, die einfach nicht witzig sind.
Hier wird also mit den Elementen gespielt, die man schon aus Filmen wie Bad Neighbors kennt: Einfach wahnsinnig übertrieben, viel zu alt und dann auf jung getrimmt und einfach nur durchgeknallt sein, ohne großartige Inhalte dazu zu liefern. Hätte man hierzu noch etwas mehr Profil auf die Gesichter projiziert, dem ganzen etwas mehr Seele eingehaucht und auf einige Peinlichkeiten verzichtet, wäre daraus sicherlich eine interessante Gesellschaftsstudie geworden, die auf komischer Plattform die unverhinderlichen Züge des Lebens analysiert und damit umzugehen versucht.
Und was kommt dabei raus?
“Komm, machen wir einfach ganz viel unter der Gürtellinie und hauen richtig auf den Putz, dann wird das schon werden.”
Und ganz so einfach ist es am Ende dann eben doch nicht, weil die Enttäuschung nicht nur permanent in der Luft liegt, sondern Kinder gebiert und in den Mägen der Zuschauer so richtig zum Tragen kommt. Fehlschuss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man schaue sich den Trailer mit offenen Augen an und sei sich dessen bewusst, dass hier kein großartiges Etablissement dahintersteckt, sondern “mehr” einfach nicht kommen wird.
Ist man mit dieser Tatsache befriedigt, wird man im Film durchaus respektabel unterhalten und kann vielleicht hier und da auch mal lachen. Findet man diesen Humor absolut nicht witzig, dann ändert der Hauptfilm auch nichts mehr an der Tatsache, dass hier einfach der Boden fehlt, auf dem das Konstrukt gebaut werden soll. Und solche Einrichtungen sind von vornherein dazu verdammt, zu scheitern.

 
Nachspann
liefert die oben bereits erwähnten “Outtakes”, wobei ich mir da nicht ganz sicher war, ob die nicht absichtlich produziert wurden. Ich fand’s im Gegensatz zu anderen Filmen absolut nicht komisch, sondern eher erbärmlich.

Joy – Alles außer gewöhnlich

Wer in den vergangenen Monaten gut aufgepasst hat, wird festgestellt haben, dass ich gewöhnliches hasse. Ich verachte die Eintönigkeit, das triste Dasein immer wiederkehrender Elemente, die nichts aussagen und im Sumpf einer riesigen, ausdruckslosen Masse untergehen.
Wie sollte es also anders sein, dass mich dieser Filmtitel förmlich ins Kino zerrte und ich den Filmstart kaum abwarten konnte.
Wer Silver Linings gesehen hat, weiß, dass die Kombination aus Bradley Cooper und Jennifer Lawrence einfach nur funktionieren kann. Das Schöne hierbei ist, dass man Lawrence nicht auf ihren Hauptfilm reduzieren muss, um zu spüren, dass diese Frau einfach schauspielern kann. Wahnsinn, mit welchem Eifer und Lebensmut sie in diesem Stück an die Sache geht und nicht nur brillante, sondern triumphierende Arbeit ablegt.
Dass dieses Mädchen in Hollywood auf einer großen Position angekommen ist, ist für mich einer der größten Erfolge des vergangenen Jahres. Filme mit ihr würde ich mir ohne zu zögern sofort ansehen, auch wenn sie mich Unsummen an Geld kosten würden. Warum? Diese Frau kann es einfach!
Nicht nur in Sachen Mimik, Ausdruck, Rebellion und Kampfgeist, sondern auch in den vielen kleinen Dingen, die den Charakter dieser Dame ausmachen, sieht man hier ein Meisterwerk schauspielerischer Kunst in einer Geschichte, die für sich selbst bereits bewundernswert ist.
Bradley Cooper, der kürzlich in Im Rausch der Sterne sein Talent als große Persönlichkeit bewiesen hat, liefert auch hier wieder erstklassiges ab und brilliert ein weiteres Mal mit Lawrence in einem Verbalfeuerwerk, von dem sich so manch anderer Film eine Scheibe abschneiden sollte.
David O. Russell bringt ein Glanzstück zweier Welten akribisch und funktionierend zusammen und beweist, dass Glück und Trauer oft nicht weit auseinander liegen. Erzählend aus dem echten Leben wird hier die Familie einer Frau auseinander genommen, die sich großes vorgenommen hat und vorlebt, wo andere (mich eingeschlossen) längst den Löffel hingeschmissen und der Welt den Stinkefinger gezeigt hätten.
Die Zuschauerschaft hatte Spaß und gleichsam wird man sanft bebombt mit Inszenierungen, die erdrückend, ergreifend und zutiefst emotional sind. Diese Geschichte sollte man kennen – wer das Schauspiel liebt, kommt um diesen Part Film nicht drumrum.
Auch wenn der Trailer vielleicht etwas seltsam anmutete und in einem nicht so richtig die Lust aufs Schauen ins Leben rief, hinterlässt dieser Titel bei mir zumindest tiefe Spuren von Zufriedenheit und innerem Glück. So wunderbar erzählt, so elegant zusammengeflechtet, so ausdrucksstark und kraftvoll inszeniert kam bislang noch keine Story in diesem Genre auf die Leinwand.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schnappt eure Tanten, Brüder und Freunde, löst ein .kinoticket und lasst die Show beginnen.
Hier wird garantiert keiner enttäuscht. Die Comedy-Fraktion nicht, die Drama-Fraktion nicht, die Spannungsfanatiker nicht und die Biografie-Bewunderer nicht. Die Vielseitigkeit, mit der hier an bestimmte Themen rangegangen wird, erlebt ihren Höhepunkt im Zusammenspiel zweier Filmhelden, die etwas vorleben, von dem sich nicht nur Moralapostel inspirieren lassen können.
Ein wertvolles Stück Filmgeschichte mit großartigen Darstellern und einer Story, die seinesgleichen sucht. Rein da! Und zwar sofort!

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf sich also getrost nach draußen bewegen.

Ali Baba ve 7 Cüceler

Ein Traum wird wahr: Ich sehe wieder einen türkischen Film, diesmal mit Untertiteln 😀
Spaß beiseite … oder eher her, denn mit Ali Baba ve 7 Cüceler schickt die Türkei einen landestypischen Comedyfilm ins Rennen, bei dem der Schwerpunkt der Erzählungen diesmal nicht im Bereich Kultur zu suchen ist, sondern dessen Stärken sich eher in der türkischen Art zu Lachen wiederfinden lassen.
Eben jener Art von Humor muss man viel abgewinnen, um hier uneingeschränkt Spaß haben zu können, und den türkischen Landsleuten im Saal ist dies auch gelungen. Ich persönlich hatte eher meine Schwierigkeiten, mit diesem Film warm zu werden, zumal die Realitätsferne sich eher wie ein betäubender, skurriler Traum beschreiben lässt, in den man sich wirft, der immer verrückter wird und jedwedem Ernst die Stirn bietet.
Hauptdarsteller und Sidekick sind meines Erachtens auch gewöhnungsbedürftig. Man weiß nicht, ob man sie ernst nehmen, über sie lachen oder sie ob ihrer teils gezeigten Dummheit hassen sollte. In Anbetracht der Tatsache, dass man sich hier in einem Meer aus Flunkerei und Dummfug befindet, hoffen die Macher wohl auf eine großangelegte Vergebenskultur und hohe Zuschauertoleranz.
Lässt man sich auf diese Art von Film ein, gibt es durchaus Szenen, die so schräg sind, dass man wirklich darüber lachen kann, jedoch produziert man dabei nicht unbedingt hochkultivierten Humor, sondern versucht einfach mal zwischendurch, hirnfrei zu unterhalten.
Und irgendwie funktioniert dieses Konzept dann auch, obgleich ich an dieser Stelle dennoch darauf hinweisen möchte, sich vorher unbedingt Trailer vom Film anzusehen, um in etwa abschätzen zu können, was einen da erwartet, denn jedermanns Ding ist der Streifen auf keinen Fall.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer türkischen Humor liebt, wer gerne mal über den Tellerrand großer Blockbusterproduktionen hinaus blickt, der ist mit Ali Baba ve 7 Cüceler richtig bedient.
Für den gemütlichen Abend mit Freunden im Kino mit etwas Tiefsinn und einem Funken Realität sucht man sich besser einen anderen Film raus, denn der hier zündet scheinbar wirklich nur bei Freunden dieses Genres und schafft den Schritt aus der Nische nicht wirklich heraus.
Als kulturell wertvoll würde ich den Streifen nicht bezeichnen, als Unterhaltung für einfach mal eins auf die Zwölf ist er definitiv zu gebrauchen.

 
Nachspann
Gibt es nichts. Also gerne respektvoll den Saal verlassen 😉

Ostwind 2

An jemandem, der sich dank Kinoflatrate eigentlich alles anschaut, kam auch der neue Pferdefilm Ostwind 2 nicht vorbei. Zielgerichtet an schätzungsweise junge Mädchen, denen es Vergnügen bereitet, Pferdesticker zu sammeln und Glitzerbücher auszumalen, liefert man hier ein Werk, das eine Geschichte im Stil der Kinderbücher erzählt, bei denen es um Pferde, Gestüte, Siege und Verluste geht.
Das klassische Aufbauschema einer typischen Kindergeschichte wird auch hier nicht verlassen. Man liefert hübsch anzusehende Jungs, eine schlecht sprechende Hauptdarstellerin (erwähnte ich bereits, dass ich dieses gestochene Deutsch dermaßen hasse?) und eine überraschend liebreizende Gestütbesitzerin, denen allen der Druck im Nacken sitzt und die über ihre Grenzen springen müssen, um den bevorstehenden Problemen zu entgehen.
Untermalt von bildschönen Landschaften, Wäldern, der Liebe zur Natur und der Freiheit und natürlich jeder Menge tollen Pferden bietet man hier eine wunderbare Kulisse, die die leicht verkindlichte Story zu entschuldigen weiß.
Auch der Soundtrack versteht es, den zärtlichen Windhauch zu unterstreichen, mit dem die gezeigten Bilder zu beeindrucken versuchen. Hat man für diese Nebensächlichkeiten ein Auge, dann entschuldigt das die teilweise unflüssigen Story-Momente und das aus der Spur gleiten, was die Natürlichkeit des Gezeigten angeht.
Die große Geschichte mit professionell erzählenden Darstellern, wie man es z.B. von Der Pferdeflüsterer kennt, bleibt hier leider aus.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für Kinder und Jugendliche – und natürlich für alle Pferdeliebhaber ist dies gefundenes Fressen, um ihren Hobbys auch auf der großen Leinwand wieder einmal zu frönen.
Gestandene Kerle und Leute, die Story mit Biss suchen, sollten sich dezent um den Film herum bewegen, denn die werden eher enttäuscht.

 
Nachspann
sollte man abwarten, denn der liefert weiterhin wunderschöne Bilder mit Pferden und Natur.

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