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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Universität

How to Party with Mom

Melissa McCarthy ist keine A-Bomben-Ikone auf der Leinwand, hat aber ihr eingeschworenes Fan-Publikum und kämpft sich – auch in Hollywood – mit ihrer eigensinnigen Art immer wieder ihre eigene Bühne frei. Ich finde, in letzter Zeit trumpft sie immer bessere Rollen auf und überzeugte seinerzeit in Spy – Susan Cooper Undercover, legt dann mit Ghostbusters: Answer the Call einen drauf und erreicht meiner Meinung nach jetzt in How to Party with Mom ihren Karrierehöhepunkt bislang.
Was ihr für einen erfolgreichen Kinoabend benötigt: Einen Kinosaal, der mit ausreichend gemischtem Publikum gefüllt ist und jede Menge Gute Laune. Der übliche “Hey, wir sind Frauen und wir hauen jetzt so richtig auf die Kacke”-Mist, den man erwartet, kommt nämlich nicht, sondern ein sehr, ich möchte fast schon sagen, ruhiges, reflektiertes und irrsinnig witziges Kinostück, dass diesmal nicht auf “Scheiße bauen” setzt, sondern sich in Dialogvielfalt und Humor übt, der sowohl im Original als auch in der deutschen Synchronisation zum Schreien geil ist.
Dazu ist anzumerken, dass der Film diese Faszination und Humorgewalt anfangs zwar anteasert, dann aber stückweise aufbaut und erst in der zweiten Hälfte so richtig auf die Zwölf haut und alles mögliche rauslässt, ohne dabei in irgendeiner Form beschämend und lächerlich zu werden.
Was dabei ebenfalls unglaublich gut passt, ist die Zusammenstellung der Protagonisten, die allesamt herrlich schräg sind und ihre ganz eigenen Macken mit in die Runde werfen, daraus entspringt ein mega sympathisches Frauenteam, dem hier Tor und Tür geöffnet wurde, um sich einfach mal herzlichst ausleben zu dürfen.
Selbst die teils verbissenen Pressemenschen hatten während der Vorführung stellenweise ihren Spaß und beim Publikum während der Sneak Preview kam der Film irre gut an. Man sollte also dem Wesen von McCarthy schon ein klein wenig aufgeschlosen sein, wenn man sich dann aber darauf einlässt, wird’s ein herrlicher Abend mit vielen Lachern und wunderbaren Gags.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beste Unterhaltung basierend auf tollen Dialogen und Wortwitz, der mit Schlagfertigkeit und subtiler Verdorbenheit punktet und im Frauengespann wahnsinnig Spaß macht!
Melissa McCarthy landet meiner Meinung nach hier einen richtigen Hit und toppt ihre eigenen Filme um Längen. Auch das Drumrum passt alles. Damit hat man einen “Partyfilm”, der so vollständig anders als seine Kollegen daherkommt und auf der großen Leinwand in gefüllten Sälen unfassbar viel Spaß macht. Also ladet eure Freunde und Familie ein, besorgt euch zu Futtern und genießt dann einen unbeschwert geilen Abend gemeinsam im Kino eurer Wahl.

 
Nachspann
❌ abwarten lohnt sich nicht, my Darling!
Kinostart: 5. Juli 2018

Happy Deathday

Jetzt habt ihr mich: Da heule ich die ganze Zeit der Welt vor, wie schlecht und vorhersehbar und unterhaltungstechnisch langweilig Filme von Blumhouse Productions sind und dann bringt man mal eben Happy Deathday raus und glänzt in allen Punkten mit überraschend positiven Werten.
Wer den .trailer sieht oder etwas länger aufs Filmplakat schaut und dort etwas aufschnappt, der kann sich zwar denken, wohin die Reise gehen soll, dass dann aber der Film im Kino trotzdem nicht langweilig wird, sondern man gespannt und bravourös unterhalten wird, hätte ich in der Zusammensetzung nicht gedacht.
Und das bei einem Wiederholungstäter, wo die Einfallslosigkeit ja quasi schon vorprogrammiert ist. Die Hommage an den Klassiker ist unverkennbar, die Umsetzung auf tödlicher Basis aber umso gelungener – so dass nicht nur bekannte Elemente zu einem neuen Twist zusammengefädelt werden, sondern man auch gleichzeitig noch einen bis dahin selten so charmant erlebten Humor eingewebt hat, der vor Sympathie und Ausstrahlung glänzt und die Figuren nochmal ein wenig näher bringt.
Und da lobe ich mir die Kreativität, das Herzblut und die Hingabe, die man der Hauptdarstellerin angedeihen ließ und mit der man sie in die immergleiche Geschichte schickt, die für den Zuschauer dadurch trotzdem niemals langweilig wird.
Dass auch hier wieder mit ganz normalen Mitteln vom Hauptziel abgelenkt werden will, steht außer Frage – dafür nutzt man aber nicht die langweilige Methode, sondern spendiert ein paar Überraschungen, die echt erfreulich waren und den Film damit zu einem der besten “Horror”-Filme dieses Jahres machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Von allen Filmen, für die Blumhouse Productions in den letzten Jahren verantwortlich gewesen ist, liefert der mit Abstand das überraschendste Ergebnis und verblüfft in jederlei Hinsicht mit einer bislang unbekannten Ernsthaftigkeit und Professionalität.
Der Zuschauer wird nicht mehr durch Vorhersehbarkeit geplagt, sondern erhält die beste Unterhaltung mit erstaunlich wenig Punkten, an die man anecken könnte.
Bravo – weiter so, dann gewinnt ihr mich noch zum Fan!

 
Nachspann
kommt keiner, außer den üblichen Namensnennungen.
Kinostart: 16. November 2017

Wish Upon

Neben Happy Deathday ein weiterer Horrorstreifen, der die .trailer-Welt der Kinos derzeit beflügelt und offenkundig Lust auf mehr macht.
Zwar hat man hier vom Twist her nicht unbedingt das große Los gezogen, um mit grandiosen Einfällen zu punkten und die Zuschauer durch überragende Drehbuchleistungen zu überrumpeln, jedoch besticht das Werk durch seine durchaus bodenständige und solid-ruhige Art, durch einen Film zu führen und authentische Persönlichkeiten zu formen, die durch diese von Suspense durchzogene Story getrieben werden.
Dass dabei eben nicht die üblichen Klischees erfüllt werden (und auch der Trailer richtig geschnitten wurde, um keine Handlungsüberraschungen vorweg zu nehmen) rechne ich dem Titel dabei hoch an.
Die große Offenbarung bleibt zwar außen vor, die große Enttäuschung verabschiedet sich hinterher aber auch vor der Kinotür und hinterlässt einen würdigen Eindruck vom Gesamtgeschehen.

.kinoticket-Empfehlung: So wenig ich einfallslosen Geschichten abverlangen kann, so sehr habe ich mich bei diesem Titel unterhalten gefühlt und finde, dass dies durchaus ein nettes Beiwerk zu einem ansonsten grandiosen Kinotag werden kann, dass man entweder mit Freunden in der 23-Uhr-Vorstellung genießt oder als Auftakt für andere Horrorfilme im Heimkino verwenden kann.

Nachspann
Auf jeden Fall bis ganz zum Schluss durchhalten, so gehört sich ein guter Abgang!
Kinostart: 27. Juli 2017

Ghostbusters: Answer the Call (3D)

Die Presse verteilte im Vorfeld schon mächtig Kritik an der Neuauflage von Ghostbusters, dessen Trailer – seien wir ehrlich – auch wirklich riesige Scheiße war.
Hatte ich Lust, in diese Vorstellung zu gehen? Nein. Definitiv nicht.
Bin ich trotzdem reingegangen? Was tut man nicht alles für seine Leser …
Und was soll ich sagen? Es war irgendwie die Überraschung des Tages.
Mir missfiel genau wie vielen anderen die Idee, Althergebrachtes nochmal zu verfilmen und dabei einfach alles aufs andere Geschlecht zu verlagern. Melissa McCarthy ist in meinen Augen auch ein zweischneidiges Schwert, in Spy – Susan Cooper Undercover fand ich sie überzeugend, im Rest eher nicht. Und die angeteaserten Gags in der Vorschau waren … naja.
Der Film selbst war dann aber wirklich überraschend gut. Klar ist es immer ein wenig nervig, wenn man sich in diesem stereotypischen Gehabe miteinander rumstreitet, aber das Gesamtkonzept passte irgendwie. Verblüffend und unglaublich gut gearbeitet wurde in der Technik, die hier nicht nur sensationelles 3D liefert, sondern mit ganz vielen kleinen Details die Liebe zum Film proklamiert und somit auf Ebene der Bildgestalter einiges liefert, das durchaus sehenswert ist. So wurden nicht nur die 3D-Effekte endlich wieder einmal in den Kinosaal verlagert und nicht nur in die Tiefe gezogen, sondern auch überraschend genial mit den “Rändern” der Leinwand gearbeitet, was im 3D-Spektrum ja eher selten ist.
Grundsätzlich waren die CGI-Effekte im lobenswerten Bereich, da hier nicht nur das übliche Blabla geliefert, sondern mit Einfallsreichtum gearbeitet wurde, der in sich schlüssig ist und den man meines Erachtens einfach nicht verurteilen kann.
Genauso beim Thema Sound. Ja, wir alle kennen und lieben das Original von Ray Parker Jr., aber ist das wirklich ein Grund, auf der neuinszenierten Version rumzuhacken? Es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, man hat das Original mal nicht kaputt gemacht, sondern würdig in die neue Zeit transformiert.
Überraschend waren auch einige würdige Cameo-Auftritte, die hervorragend gecastet waren und irgendwo damit auch eine Art “Respekt” an den neuen Film verteilen, der hier eine Geschichte erzählt, die viele schon kennen, die deshalb aber nicht schlecht ist, nur weil man für den Trailer eben die übelsten Szenen zusammengeschnitten hat.
Hat’s Spaß gemacht? Jup.
Hat man bei den Beats mitgetanzt? Irgendwie auch.
War der Film jetzt wirklich so schlecht, wie jeder behauptet? Ganz ehrlich?
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man mit den miesen Erwartungen, die einem der Trailer einimpft, in den Kinosaal geht, dann erlebt man die Überraschung des Tages und geht hinterher vergnügt wieder aus dem Saal, denn die Gags sind weitaus besser als angenommen, die Technik überzeugt auf voller Länge und der Beat ist alles andere als schlecht.
Der Film hat unglaublich viel Potenzial und dabei so gut wie kaum welches verschenkt – aber es sollen ja noch weitere Teile folgen. Und die werde ich mir definitiv wieder mit viel mehr Lust zu Gemüte führen.

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Nicht nur, dass der gesamte Abspann animiert und bebildert ist, sondern danach kommt noch unglaublich viel Filmmaterial … wir reden hier fast schon von einem weiteren Film. Also nicht rausgehen!

Maggie's Plan

“Darunter kann ich mir mal absolut nichts vorstellen.” – so derjenige, der um den heutigen Sneak-Titel wusste und mir nicht mehr verraten wollte.
Gehört, gelesen oder sonstwie publiziert hat auch keiner irgendwas, das mir in die Augen gestochen wäre – und vielleicht ist das auch ganz gut so.
Maggie’s Plan erweckt den Anschein, jemand würde vorgeben, mit reichlich Intellekt gesegnet zu sein und hätte nun den Auftrag, einen Woody Allen zu kopieren und mit genügend unverstandener Sprache zu füllen, um daraus ein Werk zu kredenzen, das von der Presse hochgelobt wird und vom Publikum letztendlich verschmäht.
Schaut man sich die bis dato spärlichen Rezensionen dazu an, könnte man meinen, der Plan hat funktioniert. Die Ambivalenz des Films besteht darin, seine sowohl charakterliche als auch Plot-bezogene Entwicklung durch absoluten Stillstand zu definieren: Es passiert einfach mal rein gar nichts. Die Handlung besteht mehr oder weniger nur aus Gequatsche, mit dem vielleicht Frauen glücklich werden, die die typischen New Yorker Frauenfilme gutfinden, in denen auch immer und immerzu geredet wird.
Anfangs sogar so weltfremd, als könnte man meinen, jemand hätte sich hier in den Untiefen einer Universität verirrt und würde schon seit Jahrzehnten den Weg an Gottes Sonnenlicht nicht mehr finden. Was anfangs noch etwas wie Irrational Man ausgesehen hat, entpuppte sich schnell als seelenloses Geistwesen, das seinen Charme dadurch auszeichnet, dass auf der Rückseite irgendwas von “Made in China” steht und somit signalisiert, dass der vorgebrachte Echtheitswert eines Da Vinci tatsächlich von Honshon Khi Gau stammt, den kein Arsch kennt und auch irgendwie niemand kennen will.
Ethan Hawke und Julianne Moore sind jetzt zwar nicht gerade zwei Schauspieler, die ich persönlich von der geistigen Bettkante stoßen würde, und diese eine Zehntelsekunde, die ihren Charakter im Film definiert, spielen die beiden auch hervorragend, allerdings fehlt diesem Teil einfach eine eigene Seele und vor allem eins: Bewegung.
Es ist so furchtbar anstrengend, dem so dermaßen schmerzhaft-vorhersehbarem Plot zu folgen, der sich noch nicht mal Mühe dazu gibt, mit Wendepunkten zu überraschen, sondern einfach nur platt und erbärmlich ein Konzept in den Mund knallt, das nicht nur nicht schmeckt, sondern irgendwie in sich auch schon vergoren und schlecht geworden ist. Und selbst, wenn es mal dazu kommt, Momente zu erschaffen, die hier wieder großes Gefühlskino zulassen würden, dann enden diese Phasen in derart unromantischen, jämmerlichen Szenen, die noch nicht mal Entschuldigungen oder Mitleid zulassen, sondern eher auf schamhafte Weise ein nicht zu unterdrückendes Lachen hervorrufen ob der unvergleichlich platten Darstellung, die einzig zum Ziel hat, dem Moment jegliche Relevanz zu entziehen.
Mein langfristiger Sneak-Freund und ich (Grüße ins OEZ) haben hinterher scherzhafterweise noch darüber gewitzelt, dass dir im Leben niemals einer begegnen wird, der dich danach fragt, ob du diesen Film hier gesehen hast – und ich fürchte, an dieser Aussage ist extrem viel Wahrheit dran.
Die Bedeutungslosigkeit dieses Machwerks schreit schon nicht mehr zum Himmel, sondern ist vollständig in der Hölle gefangen. Nach dem Film vergehen keine drei Minuten, bevor alles vergessen und durch Egalität im Nirgendwo verschwunden ist, weil davon rein gar nichts hängen bleibt, das dir in irgendeiner Form emotional oder wissentlich weitergeholfen hätte.
Gehört man zu den Streber-Studenten, die hier ihren Mikrokosmos aufleben sehen, mag man vielleicht stellenweise seine Freude an verschiedenen Ausdrucksweisen haben, die fürs Allgemeinpublikum aber eher verwirrend, verstörend und unzulänglich sind und somit auch keinerlei Sympathiepunkte auf die Guthabenseite schreiben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn du den Titel liest, dann renn … und zwar nach draußen und möglichst weit weg.
Es war für mich unglaublich anstrengend, diesen Film bis zum Ende zu sehen und mitzuverfolgen, was da nun jetzt “passiert”. Mit viel Gutgläubigkeit und gutem Willen kann man darein vielleicht noch eine künstlerische Handlung interpretieren, die es fertigbringen wollte, einen Kinofilm zu erschaffen, der sich durch absolut nichts hervortut – gelungen ist dieses Experiment in meinen Augen aber gar nicht, sondern eher ein Paradebeispiel für Ausreden der Filmförderung, in Zukunft nicht ausgewiesene Konzepte zu unterstützen und zu fördern.
Bleibt draußen und nehmt lieber cineastische Alternativen, auch wenn davon zur Zeit auch nicht so arg viel über die Leinwände schwirrt.

 
Nachspann
Wenn da jetzt noch ein Nachspann gekommen wäre – wäre das eine Überraschung gewesen. Und das passt absolut nicht zum restlichen Konzept des Films.

Zeit für Legenden

Bei der dieswöchentlichen Sneak Preview haben wir wieder mal ein klassisches Beispiel verloren gegangener Übersetzertiefgründigkeit, denn der Film heißt im Original Race, was gleichbedeutend mit dem Rennen als auch der Rasse ist.
Beides wird im Film thematisiert anhand eines vergangenen Beispiels, das zurück in unliebsame Jahrzehnte unserer Geschichte wirft und Dinge beleuchtet, die demnächst wohl noch öfters das Filmlicht der Welt erblicken dürften.
Stephan James und Jason Sudeikis geben hier ein Hauptdarstellerpärchen ab, das sich auf vorzügliche Weise den Dialogball zuspielt und somit hochkarätig unterhält. Überhaupt stellt das Werk eine besondere Form von geschichtlicher Aufarbeitung dar, das Phasen unserer Zeitgeschichte beleuchtet, die aktuell immer noch nicht ausgestanden sind und offensichtlich noch weiterer Zuwendung bedürfen.
Dass mit dem Thema so offen umgegangen werden kann, liegt wohl auch an den herausragenden Leistungen der farbigen Mitspieler, die allesamt im Film mehr als überzeugende Arbeit abliefern und somit auf voller Länge begeistern.
Nicht nur die ausführliche Beleuchtung der privaten Umstände, sondern auch die unliebsame Verflochtenheit von Politik und Sport wird hier offen diskutiert und unterschiedlich angegangen. Dass die Umstände in den Jahren, die im Film thematisiert werden, noch wesentlich einfacher waren, als das heute der Fall ist, macht die Gesamtlage nicht weniger verzwickt.
Alles in allem ist Zeit für Legenden ein Film, der ein wunderbares Biopic eines Sportlers liefert, den unsere Generationen sicherlich noch nicht mal kennen dürften, der jedoch eine maßgebliche Geschichte zu erzählen hat, die auch heute noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat – wenn auch auf etwas andere Art und Weise.
 

.kinoticket-Empfehlung: Im Vergleich zum üblichen CGI-Geschrei bietet dieser Film eine Plattform für Nachdenklichkeit, Humanität, Sportlichkeit und Ehrgefühl und liefert damit vier Gründe, weshalb man sich das Machwerk anschauen sollte.
Es werden nicht nur Ungerechtigkeiten vergangener Tage thematisiert, sondern auch Themen diskutiert, die auch heute höchst aktuell sind und ins Gewissen vieler eingebracht werden sollten.
Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank weg top und die Kulisse und das Bühnenbild runden den Look ab, der authentisch wirkt und somit ein solides Grundgerüst für eine wichtige Lektion im Leben liefert, die dieser Film in aller Deutlichkeit aufzeigt.

 
Nachspann
kommt nichts mehr, was von Bedeutung wäre – man darf den Saal also guten Gewissens verlassen.

Delibal

Wie oft waren die “Füllfilme”, um die Zeit zwischen den gewünschten Blockbustern zu überbrücken, oftmals die Errungenschaften des Kinotages, wenn ich auf meine bisherige Kinokarriere zurückblicke. Delibal macht hier keinen Unterschied.
Irgendwie gilt es mittlerweile fast schon als Erfolgsrezept, wenn man sich aus den üblichen Bereichen erfolgreichen Kinos verabschiedet und in ferne Länder abschweift, die – auch in heutiger Zeit – definitiv noch etwas von Humor und Witz verstehen. Die Türkei hat in jüngster Vergangenheit ja bereits bewiesen, dass gute Comedy eins ihrer Talente ist und nach Dügün Dernek 2: Sünnet setzen die Jungs mit ihrem neusten Werk nicht unbedingt einen oben drauf, beweisen aber erneut, dass ihr Fingerspitzengefühl, was Lacher im Kino angeht, durchaus in fähigen Händen arbeitet.
Da es sich hier nicht ausschließlich um eine Komödie handelt, sondern eher der tragische Weg einer beispiellosen Liebe beschrieben wird, ist es verzeihlich, dass die Humoreinlagen einen nicht ganz so großen Peak erleben, wie seinerzeit in Dügün Dernek 2: Sünnet. Jedoch tut dies der spritzigen, lebenslustigen und frohen Ader des Hauptdarstellers absolut keinen Abbruch, der mit seiner charmanten, durchtriebenen und optimistischen Art noch jedes Herz rumkriegt.
Was auch diesmal wieder hervorragend gelungen ist: Die Inszenierung. Keine platte Aneinanderreihung von Fakten, die laut Drehbuch abgearbeitet werden müssen, sondern das subtile Ineinandergreifen von sensiblen Momenten, die summa summarum ein Werk ergeben, das in seiner Gänze nach ganz oben strebt und auch überzeugend in diesen Gefilden ankommt.
Die Annäherung von Mann und Frau, das aufeinander einspielen, die Liebe zueinander, die Aspekte der Familie (die in türkischen Filmen irgendwie niemals fehlen dürfen), der Zusammenhalt bei Problemen, das sich selbst Aufraffen und die Dinge miteinander bewältigen … hier gibt es unzählige Momente, die Vorbildcharakter aufweisen und somit nicht nur der Unterhaltung Tribut zollen, sondern auch dafür sorgen, dass wertetechnisch Bildung stattfindet.
Und damit landet dieser Film wieder in der Topliste der empfehlenswerten Filme, die sich jeder hierzulande zu Gemüte führen sollte. Auch wenn man sich dafür vielleicht auf die Suche machen muss, da nicht jedes Kino Platz für ausländischen Kram bereitstellt: Der Aufwand lohnt sich und als Zuschauer wird man hier nicht enttäuscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das OmU im Titel sollte nicht davon abbringen, ein .kinoticket zu lösen und sich den Film anzusehen. Dank Untertitel kommt man auch als Nicht-Türkisch-Sprecher gut mit und kapiert, worum es im Film geht.
Der nämlich erzählt die wunderbare Geschichte einer Liebe, die nichts mit Schmalz und Romantik zu tun hat, sondern erfrischend kräftig und ungemein optimistisch in einer Zeit von Krieg und Terror Licht spendet, das wir alle nur zu sehr brauchen.
Allein die wunderbare Art, mit der Cagatay Ulusoy sein Verlangen zum Ausdruck bringt, ist es wert, den Film im Kino zu sichten. Freunde und Familie im Schlepptau -hier wird sicher niemand enttäuscht, der für ein paar Momente Lebensfreude etwas übrig hat.

 
Nachspann
gibt’s keinen, dafür wieder einmal den Beweis: Türkische Filme haben allzeit unglaublich geile Soundtracks! Kein Plan, wie die das bewerkstelligen, aber der Beat reißt jedesmal mit und ist allein schon ein Grund, diesen Film zu besichtigen.

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