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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Unabhängigkeit

Die Frau, die vorausgeht

Über Die Frau, die vorausgeht sollte man im Vorfeld nicht allzu viel wissen, weil der Film aus bestimmten Gründen sonst ziemlich schnell langweilig werden kann. Susanna White inszeniert die wahre Geschichte mit Starlegenden Jessica Chastain und Sam Rockwell für die große Leinwand und bringt dabei reichlich weibliche Gefühle und Charme mit ins Spiel.
Als ich ins Kino ging und einige Randfakten über den Film bereits gehört hatte, erwartete ich epochale Schlachten, romantische Bergzüge, indianische Weisheiten und anderes, was dieser Film zwar in gewisser Weise liefert, jedoch vollkommen anders, als ich mir das zu Beginn vorgestellt hatte.
Der “Drive”, den man in Richtung Epos vielleicht erhofft, bleibt nämlich völlig aus. Stattdessen nimmt man sich die Zeit für Beziehungen, Charakterzüge, gedankliche Entwicklungen und lullt einen dabei mithilfe des Soundtracks dermaßen ein, dass man schon ausgeschlafen sein sollte, um hier wirklich bis zum Schluss bei der Stange zu bleiben. Nicht nur ich hatte nach dem Film das Gefühl, dass hier gut und gerne 20-40 Minuten gekürzt werden dürften, die geschichtlich keine Lücken aufgetan, dem Film selbst aber ungemein mehr Augenmerk aufs Wesentliche vermacht hätten. Und dabei gehört der mit seinen 102 Minuten gar nicht mal zu den Monsterlängen, die man sonst so im Kino kennt.
Damit wandert das Stück also nicht in die beste Sendezeit auf der großen Leinwand, sondern gehört eher zur gemütlichen Abendlektüre, die man vor ein paar Drinks gerne noch mitnehmen darf, um sich ein wenig in Romantik und weibliche Aggression zu stürzen.
Okay, das klingt bis jetzt alles recht negativ und ausladend, ganz so schlimm ist es aber nicht. Ich meine, hier spielen keine Laien, sondern die von mir heiß geliebte Jessica Chastain, die ihre Sache mit allen anderen Schauspielern meisterhaft durchzieht und in ihrer Rolle auch tatsächlich überzeugt. Sie spielen großartig – alle miteinander. Die Langatmigkeit schreibe ich eher dem Drehbuch oder den “Grundvoraussetzungen” zu, wenn man so möchte, immerhin basiert der Stoff ja auf wahren Begebenheiten. Dafür hätte man meiner Meinung nach dann aber entweder mehr ausholen, oder tiefer in die Psyche der einzelnen Protagonisten absteigen müssen, um hier die ständigen Szenenbilder, in denen nichts passiert, zu überbrücken bzw. ganz auslassen zu können.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht schlecht, aber stellenweise sehr schweratmig und langwierig.
Für die vergleichsweise kurze Laufzeit passiert noch zu wenig, um hier wirklich Spannung und Geschwindigkeit aufkommen zu lassen, dennoch machen alle Darsteller ihre Sache super und in punkto “geile Landschaft” und romantische Stimmungen ist der Film unschlagbar. Zappt durch den .trailer und verschafft euch (ohne Ton) ein paar Eindrücke, dann wisst ihr, wohin die Reise geht und könnt sie guten Gewissens antreten.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, nach dem Finaltext geht’s in die Schwärze.
Kinostart: 5. Juli 2018

Der Stern von Indien

Ich glaube, wenn man sich das Plakat des Films näher betrachtet, sticht einem sofort die Farbenvielfalt und -intensität ins Auge, von der der Film wahrlich einen unermesslichen Reichtum hat.
Gurinder Chadha erzählt hier mit viel weiblichem Einfühlungsvermögen einen politischen Staatsakt nach, der geschichtlich kaum Aufmerksamkeit bekommen und im Sumpf unsrer ewig-gleichen Erzählungen absolut kein Gehör gefunden hat – bis jetzt.
Die Story ist gleichermaßen beeindruckend wie erschütternd: Die Fahrt ins Grauen menschlicher Entscheidungen mündet in einem alles verändernden Moment, der Unmengen von Menschen einen tiefen Einschnitt in ihr Leben brachte und die Bildung unserer heutigen Weltgeschichte ganz neu entfaltet.
Schaut man sich Szenenmaterial oder den Trailer an, darf man nicht in Versuchung geraten, diesen Film mit Bollywood gleichzusetzen, denn beides hat rein gar nichts miteinander zu tun. Vielmehr erwischt man sich hier als Teilhaber historischer Momente, die mit Hingabe und Liebe zum Detail aufbereitet wurden und deren wahre Größe sich erst beim zweiten Hinschauen eröffnet.
Die Arbeit liegt eher im Zusammentragen von Fakten, dem Ausarbeiten der zeitgemäßen Kostüme, der Vielfältigkeit einer vollkommen anderen Kultur und dem unermüdlichen Kampf, diese Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und die Bilder wirken noch lange nach, die Münder stehen offen und der imposante Schmerz ist fast spürbar im Saal.
Der Stern von Indien hat bereits das Prädikat “besonders wertvoll” erhalten und trägt diese Auszeichnung meiner Meinung nach auch zu Recht.
Nicht nur Hugh Bonneville sondern auch Gillian Anderson, die viele vielleicht als Akte X-Ermittlerin kennen, leistet hier Großartiges. Das delinquent durchgeführte Gebaren Einzelner wird hier in einer historisch beeindruckenden Offenbarung dem breiten Publikum zugeführt und ermöglicht so auch geschichtlich nicht Versierten einen zutiefst visuellen, bildgewaltigen und absolut sehenswerten Einblick in die Geschichte unseres Planeten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn die Bilder vielleicht nicht jeden gleich vom Sessel reißen, sollte man sich doch die 106 Minuten Zeit nehmen und das Werk in seiner Fülle und Farbenpracht bewundern.
Der Gang ins Kino ist hier definitiv lohnenswert, da viele Szenen ihre wahre Größe auch erst auf einer entsprechend großen Leinwand entfalten und die Macht und Durchdringung der unterschiedlichen Diversitäten erst durch plastische Größe greifbar wird.
Zu recht ausgezeichnet und hoffentlich beim Publikum Anklang findend demnächst im Kino eurer Wahl.

 
Nachspann
bleibt interessant, da auch hier einige überraschende Erkenntnisse publiziert werden. Also ruhig Blut und nicht gleich rennen.
Kinostart: 10. August 2017

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