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Tag: umziehen

Pettersson und Findus – Findus zieht um

Ich sag mal gleich vorweg, dass ich schon mit den beiden Vorgängerfilmen große Schwierigkeiten in Sachen Sympathie hatte und darum sehr vorurteilslastig an dieses Abschlusswerk der Trilogie herangetreten bin. Meine Meinung ist da stark beeinflusst und meine Kritik sollte daher für Menschen, die mit Pettersson und Findus-Filmen groß geworden sind, nicht allzu ernst genommen werden.
Zielpublikum ist hier ganz klar die frühe Kindheit. Man erzählt die Dinge, mit denen Erwachsene zum Teil große Schwierigkeiten haben, in einer (für mich) absolut nervigen Variante, um die Kleinsten der Kleinen ruhig zu stellen und ihnen genügend Futter zu verabreichen, damit man selbst mal 10 Minuten Auszeit vom Geschrei und Generve hat.
Dafür nervt dann der Film. Oder lullt einen ein. Wie man möchte. Womit ich halt nicht klar komme, ist, wie es Erwachsene Menschen immer wieder schaffen, in dieser selten-dämlichen Sprechvariante an Kinder heranzutreten und sie zu behandeln, als wären alle geistig zurückgeblieben. Diese Dinge könnte man doch auch normaler oder zumindest bodenständiger erklären, das würden die Kleinen genauso verstehen.
Über Animation und Co. brauch ich nicht groß zu lamentieren, hier hat’s ZDF seine Finger im Spiel und dieser angehauchte Konservativismus ist genauso leidvoll im Plot zu finden. Und das hat mich dann tatsächlich gestört.
Man mag sich noch öffnen für Filme der Kinder zu liebe, man mag darüber wegsehen, wie unnatürlich und seltsam Erwachsene da reagieren, aber diese heimliche, unterschwellige Erziehung hin zu konservativen Weltansichten, die prinzipiell alles ausschließen, was irgendwie weltoffen, modern oder freigeistig ist, empfinde ich schon ein wenig als “Propaganda” wenn man so möchte.
Der Punkt ist: Kinder hören manchmal zu und prägen sich in diesen jungen Jahren sehr stark für ihr kommendes Leben. Und wenn ihnen dann dank solcher Filme Fragmente vorgesetzt werden, die im Prinzip eigentlich damit zu tun haben, dass die Eltern Schwierigkeiten mit der Entwicklung haben und nicht loslassen können, und das dann so hingestellt wird, dass es in der Pflicht der Kinder liegt, sich diesem konservativen Gedankengut zu beugen, dann ist dies bestenfalls fragwürdig. Und in meinen Augen verurteilungswürdig.
Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um den Kids beizubringen, dass sie nicht aus dem Haus sollen? Sie nicht ihr eigenes Leben entdecken, ihren Charakter entwickeln und sich langsam dahingehend erörtern sollen, dass sie eines Tages allein auf der Weltoberfläche stehen und dann auch tatsächlich existieren können?
Diese unerzogenen, untalentierten und unfähigen Menschen siechen dann so vor sich hin und sind quasi immer auf Mama und Papa angewiesen, wie in der heilen christlichen Welt, in der das “Kind” auch noch im Elternhaus stirbt und andere Orte bestenfalls im Fernsehen gesehen hat.
Sorry – zu viel Konservativismus, zu viel “falsche Moral”, zu seltsame Ansichten und zu fragwürdige Ansätze, die meiner Meinung nach nichts mehr in der Erziehung der heutigen Jungschar zu suchen haben. Was einem da nur bleibt, ist, zu hoffen, dass die Zuschauer tatsächlich zu jung sind und zu wenig zwischen den Zeilen lesen und damit diese Dinge schlussendlich erst gar nicht kapieren. Doch wozu sollte man dann diesen Film ins Kino jagen?
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich absolut fragwürdige Ansätze, die man hier auf spielerische Weise versucht, den Kindern beizubringen.
Der Einstand ist klasse, die Ideen mögen auch kindgerecht und alles sein, worauf man hier aber abzielt, sind Werte, die es vor Jahrzehnten mal gegeben hat, die in einem modernen und weltoffenen Weltbild aber nichts mehr verloren haben, sondern eher mit gegenteiligen Ansichten ersetzt werden sollten.
Persönliche Meinung, andere können anders denken, ich jedoch würde meinen Kindern so etwas nicht vorsetzen wollen. Sorry.

 
Nachspann
✅ wartet mit einigen Animationen auf, die zwar nicht plotbereichernd sind, aber trotzdem bis zum Schluss abgewartet werden können. Free Choice.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Pettersson und Findus – Findus zieht um
Length: 81 Min.
Rate: FSK 0

Servus Baby (36. Filmfest München)

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Felix Hellmann und Natalie Spinell auf der Weltpremiere von Servus Baby im HFF auf dem 36. Filmfest München

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Binge-Watching auf dem Big Screen… die Zeiten sind längst da gewesen, in denen man mich permanent gefragt hat, ob ich auch Serien schaue und bewerte … und meine Antwort lautete stets: Wenn sie auf dem Big Screen laufen, dann schon.
Jeder von euch weiß, dass ich kein Freund von kleinen Monitoren bin, selbst relativ wenig fernsehe und absolut kein Interesse an billigem Niedrigniveau-TV-Schund habe, der intellektuell anspruchslos ist und volksmündisch die dahinsiechende alte Fraktion befriedigt.
Als genau das könnte man aus den Augen der Jugend betrachtet auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen bewerten, die Argumentationen bezüglich jugendhafter Inhalte auf öffentlich-rechtlichen Sendern lässt ja zuweilen arg zu wünschen übrig. Zu recht, möchte man meinen, denn Paradebeispiel-Sender wie Das Erste und ZDF haben sich in ihrer Vergangenheit selten mit Ruhm bekleckert, was die Beliebtheit bei unter 49jährigen angeht.
Wenn man sich jetzt davon mal abwendet und gleich in die “Dritten” geht, landet man beim Bayerischen Fernsehen und dort bei einer grandiosen Serie, die Fernsehen quasi revolutioniert und etwas bisher nie Dagewesenes bringt, dass so viel Esprit und Charme versprüht, dass es sogar in den Kinos für tosenden Applaus sorgt.
Aber immer mit der Ruhe: Serien laufen deshalb ungern auf großen Leinwänden, weil die Inhalte eben nicht dafür ausgelegt sind, ein großes Publikum auf kurze Sicht vergnüglich und zufriedenstellend zu unterhalten und die zeitliche Planung zum Sichten aller Folgen einer Staffel oftmals miserabel ist. Aus dem Grund gibt es VoD-Anbieter zu Hauf, die eben diese Lücke schließen und quasi den “Es dauert ewig, geht sehr in die Tiefe und ist pro Folge eben nicht massig mit Inhalt voll”-Button permanent gedrückt halten und alles abseits von Film per Stream durch den Äther jagen.
Wie also sollte man dann eine Serie bewerten, die – via Binge-Watching – auf dem 36. Filmfest München in einer Komplettshow gezeigt wird und beim Publikum für Standing Ovation gesorgt hat?
Leute? Ich saß im Kino und hab gedacht, ich bin das erste Mal meines Lebens tatsächlich im Himmel! Dieses Gefühl, das zu erleben … innerhalb der Landesgrenzen des sonst so biederen Deutschlands, dass sich in seiner Geschichte angewöhnt hat, nicht begeistert zu sein bzw. seine Begeisterung nicht emotional ausdrücken zu können … und dann zu spüren, wie das Publikum klatschen will, obwohl die Folge noch gar nicht vorbei ist … der helle Wahnsinn.
Also nochmal auf Deutsch: Ich, der TV-Hasser, habe im Kino gehockt und eine Serie vom BR auf der großen Leinwand geschaut und wurde emotional plattgewalzt von Gefühlen, die permanent zwischen Lachen, Weinen, Mitgefühl, Sorge und extravagantem Humor hin- und her wechselten. Im Ernst: Bieder ist was vollkommen anderes. Altbacken und seltsam, heimatkanalmäßig und volksmusiktrunken, all das lässt sich überhaupt nicht auf das anwenden, was Felix Hellmann und Natalie Spinell da auf den Screen gebracht haben: Der Humor ist sowas von erste Sahne, dass man nicht anders kann, sondern lachen muss!
Ich fühle mich als Wortakrobat kaum in der Lage dazu, würdig genug auszudrücken, mit welcher Verbalwucht man da auf die Menschheit losgegangen ist und sich gleichzeitig aus den Vorurteilsfesseln gesprengt und vom biederen Touch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens befreit hat: Dieses Ding ist eine Sensation, die das Fernsehen grundlegend revolutioniert!
Die Dialoge (Deutschland kann keine Dialoge? Äh … doch!) sind der Hammer! Die benutzte, hoch-rasante Situationskomik ist zum Niederknien und die Konversationen brechen mit alten Gewohnheiten und machen Platz für eine von der Jugend verehrbare Form der Unterhaltung, die gänzlich in ihrem Sinne arbeitet und dabei gleichzeitig unterschwellig alles richtig macht in Sachen gendern: Man hat nicht das Gefühl von “Bäh”, sondern liebt es und möchte am liebsten zum Schluss auf “Replay” drücken und alles von vorne nochmal ansehen! Der BR zählt ab sofort zu den nicht-prüden Sendern, denn sowas hätte ich allen zugetraut, aber nicht diesem Sender.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, Deutschland kontert nun die Desperate Housewives in einer spritzigeren, besseren und geografisch näher bezogenen Variante, von der ich einfach nur mehr sehen will! Ich bin euch garantiert böse, wenn ihr keine weiteren Staffeln davon dreht und damit endlich dauerhaft jugendlichen Flair in die senile, verstaubte, deutsche Fernsehlandschaft tragt und endlich ALLEN Bürgern Argumente liefert, wozu die Rundfunkbeiträge gut sein können!
Dieses Ding ist so gut, dass es eben nicht nur im TV funktioniert, sondern grandios auf der Kinoleinwand punktet und – so glaube ich – jeden im Saal absolut begeistert hat.
Obwohl die Ausstrahlung für September 2018 im BR geplant ist, wäre es doch absolut wünschenswert, diese Folgenkombination bis dahin noch durch die Kinos zu jagen, denn ich bin mir sicher, dass sich die Freude darüber auch in regulären Vorstellungen aufrecht erhalten lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein grandioser Befreiungsschlag für das deutsche Fernsehen: Revolutionär, wortgewaltig und voller Humor und Emotionen – Servus Baby überzeugt in jederlei Hinsicht und tischt einen frischen, jugendlichen Geist auf, der sich die Geschlechter ganz neu vorknüpft und daraus etwas absolut Sehenswertes macht, dass es so im TV noch nicht gegeben hat!
Ich fiebere dem September entgegen und werde den ganzen Monat lang das Programm des Bayerischen Fernsehens aufzeichnen, um diese Serie ja nicht zu verpassen! Und ihr solltet dem gleichtun und euch dieses Wunderwerk nicht entgehen lassen – sowohl Mann als auch Frau haben daran garantiert helle Freude.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen: Eine Serie des BR ist so grandios, dass sie sogar auf der Kinoleinwand für ekstatischen Beifall sorgte – Servus Baby muss man gesehen haben!

 
Nachspann
in Kurzform, den darf man ruhig abwarten. Die Zeit bis zur nächsten Folge zählt man aber am liebsten in Millisekunden. MEHR DAVON!
Kinostart: Ab September 2018 im Bayerischen Fernsehen
 
Und im Anschluss gibt’s noch ein paar Impressionen von der Weltpremiere von Servus Baby auf dem 36. Filmfest München im HFF – viel Spaß damit 🙂
 

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