Dream Boat entführt an einen Ort, der der Öffentlichkeit bisher verborgen blieb und ermöglicht so zum ersten Mal in der Geschichte dieses Schiffes einen Einblick in die einmal jährlich stattfindende Reise, auf der sich unterschiedliche Kulturen mit einem gemeinsamen Ziel treffen.
Tristan Ferland Milewski begleitet hierbei mit seinem Kamerateam verschiedene Charaktere aus unterschiedlichen Ländern, deren Probleme alle anderen Ursprungs sind und offenbart somit einen Einblick in eine Szene, die heute noch von vielen nicht verstanden wird.
Kritikpunkt meinerseits ist ganz klar, dass auch hier keine internationale Verständigung geschaffen werden will, da wieder nur einseitig beleuchtete Extreme dieser Sphären gezeigt und offen ausgelebt, während die vergleichsweise “langweiligen Normalos” ausgespart werden. Das führt erneut zu der Verzerrung, die von den Medien schon seit Jahrzehnten betrieben und der Öffentlichkeit als Manko vorgehalten wird.
Klar versucht man, hier die menschlichen Komponenten einfließen zu lassen und über die Gefühlswelt Zugang zu den Persönlichkeiten zu gewähren, dies gelingt jedoch nur teilweise und fördert eben meiner Meinung nach wieder ein falsches Gesamtbild zutage, unter denen viele Betroffene immer noch zu leiden haben.
Ich kann mir extrem gut vorstellen, dass sich viele “Interessierte” im ersten Teil des Films eher angeekelt abwenden werden und der vielleicht erwartete Keim Hoffnung auf Toleranz, den man mit diesem Film wohl schaffen wollte, nach diesen Einblicken wohl eher ins Gegenteil verkehrt wird.
Systematisch zerkleinert man hier jedes Klischee und führt es ausgiebig vor, bis am Ende nur noch der freigemeißelte Brocken Entschuldbarkeit dasteht, mit der man die für andere abstruse Lebensweise zu rechtfertigen sucht.
Und damit hat der Film für mich thematisch gänzlich versagt. Wenn mir hinterher Presseleute erzählen, dass sie durch den Film einen tollen Einblick in die Kultur dieser Menschen gewonnen haben und jetzt endlich mal wissen, wie die überhaupt so sind, dann wird mir eher Angst und Bange – weil nämlich längst nicht alle so sind, sondern die gezeigten Modellbeispiele nur einen kleinen Teil der gesamten Anhängerschaft ausmachen.
Was man behaupten kann (und sollte), ist, dass die Dokumentation einen Einblick in Teile dieser Gesellschaft gewährt und man ein paar einzelne Schicksale erfolgreich dokumentiert hat, dies jetzt aber zu einem allgemeingültigen Aushängeschild für eine komplette Truppe zu machen, halte ich vollends für falsch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Anhänger und Freunde finden hier ein gefundenes Fressen und feiern sich komplett selbst, während der Bezug zum Rest der Welt durch die unkommentierte Dokumentation einzelner Beispiele vollends verbaut wird, da diese Hauptdarsteller keineswegs als Fallbeispiel für eine ganze Kultur dienen können.
Gut gemacht – innerhalb der oben genannten Grenzen – und positiv aufgefallen durch seine internationale Auseinandersetzung mit dem Thema, welches durchaus auch heute noch viel Kummer und Leid in den Herzen der Betroffenen auslöst.
Wer sich den Film ansehen will, darf dies gerne tun, sollte jedoch hinterher unbedingt Redebedarf anmelden um sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen zu können.

 
Nachspann
kommt keiner, nach der Abblende darf man also verschwinden.
Kinostart: 13. Juli 2017