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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Tony Revolori

Table 19 – Liebe ist fehl am Platz

Dieser Film besticht durch seine komplette Andersartigkeit sowohl in der Auswahl des Themas, als auch in seiner Art, die Dinge zu erzählen. Wenngleich die großen Köpfe des verbalen Intellekts hier auch ihre Schwierigkeiten haben mögen, so entfaltet dieser Titel dennoch eine ungewohnte, völlig absurde und dadurch absolut interessante Plattform, auf der man sich eines Themas annimmt, von dem der normale Zuschauer denkt, dieses gehöre wohl kaum als Hauptaugenmerk auf die Leinwand.
Dass genau dies passiert, macht diesen Streifen zu einem sehenswerten Konstrukt, denn man findet sich mal nicht in den üblichen platten Klischee-Zelebrierungen wieder, sondern widmet einen ganzen Spielfilm einer Gruppe, die sonst außen vor bleibt.
Dass man da jetzt keine schauspielerischen Offenbarungen oder horizonterweiternde Erlebnisse erwarten braucht, ist glaube ich jedem von Anfang an klar. Dass der Besuch eines Lichtspieltheaters trotzdem lohnenswert ist, bezeugt allein schon die Tatsache, dass diese wirklich derb komischen Vögel gemeinsam besser belacht werden können, als zu Hause auf der heimischen Couch.
Und der Spaß kommt mit dem Tun: Im Laufe der Zeit entwickelt der Plot immer mehr Eigenständigkeit und kommt durch seine skurrilen Ausführungen ins Rollen, auch wenn das groß erwartete Finale eher unspektakulär wirkt, so gehört genau dieses Ende auch wieder der Zielgruppe an, um die es hier geht.
Es ist nicht der Inhalt oder die Pointe, sondern vielmehr die Tatsache, warum dieser Film gedreht wurde, der uns einen Spiegel vorhält und zeigt, dass eben nicht nur die üblichen Verdächtigen auf einer Leinwand Platz haben, sondern man auch ganz andere Materie hernehmen kann, um diskussionswürdigen Stoff zu produzieren.
Mit Table 19 schickt man da einen Film ins Rennen, der durchaus kritisch begutachtet werden darf und den man sich gerne als Grundlage für weitere Gespräche ranziehen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet nichts normales, sondern stellt euch einfach auf eine völlig andersartige Überraschung ein, dann wird es auch keine Enttäuschung.
Die Nische, in der man hier wandelt und die gekonnte Nicht-Inszenierung dessen, was eigentlich jeder erwartet hätte, lässt aufleuchten, dass hinter den Absichten mehr steht, als man eingangs vermutet.
Definitiv eine interessante, aufschlussreiche Erfahrung.

 
Nachspann
Aufstehen, anziehen, rausgehen – hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 17. August 2017

Die 5. Welle

Die Herren der PR-Abteilung haben hier alles richtig gemacht: Der Trailer suggeriert nicht nur, er zwingt einen dazu, sich diesen Film ansehen zu müssen. Wer lässt sich auf solche Spielchen nur allzugerne ein? Moi.
Meine Erwartungen vor dem Film? Action dass es kracht. Weltuntergangsstimmung. Seelische Verzweiflung à la The Walking Dead. Die stille Hoffnung, dass der Trailer nur angerissen hat, er eher ein Teaser sein will und kein Vollender. Irgendeine Mainstreamgeschichte, bei deren Effekten man so zerbombt wird, dass man über die menschliche Oberflächlichkeit hinwegsehen kann.
Was man geliefert bekommt? Ein klein wenig Vorhersehbarkeit und quasi einen Grundschulfilm über die Apokalypse. Hier werden keine genialen Ideen verbreitet und damit der Filmmarkt neu aufgemischt, sondern eher bekannte Stilmittel zum Zwecke der Selbstvermarktung eingesetzt, um eine Pointe am Leben zu erhalten, die sich relativ früh erschließt. Dabei kann es mitunter teilweise sogar zu Langeweile kommen, wenn Dinge abgefrühstückt werden, die zwar zur Story gehören, die Handlung aber keineswegs voran treiben oder heimliche Hoffnungen auf Überraschungen vorbereiten.
Schlussendlich bewahrheitet sich nämlich genau das, was einem kurz am Anfang in den Sinn kommt und sogar von den Darstellern verbal angesprochen wird. Und damit versetzt sich der Film im Prinzip seinen eigenen Todesstoß, denn von Weltuntergang erwarte ich etwas so berauschendes und gewaltiges, das alles bisher dagewesene in den Schatten stellt und neue Superlativen auf den Markt wirft.
Schade eigentlich, denn auf diesen Titel hatte ich lange hingefiebert und diese Art der Enttäuschung tat letztendlich wirklich ein bisschen weh.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Spaß an Endzeitdramen hat und die apokalyptische Grundstimmung am Leben erhalten möchte, der findet in diesem Titel einen weiteren Film, der sich die typischen Elemente der Zerstörung von außen zu eigen macht.
Wer Überraschungen liebt oder nach San Andreas noch eins oben drauf will, der wird schmerzlich enttäuscht.
Ich hatte das Gefühl, hiermit möchte man die angehenden Heranwachsenden auf die Filmwelt der Erwachsenen vorbereiten und liefert ihnen Stoff, für den kein Psychiater zum Anwalt rennen würde, der aber dennoch hart genug ist, um die Jüngsten zu schockieren.

 
Nachspann
Kommt keiner mehr. Demnach gibt es auch keine Erwartungen an eine Fortsetzung.

Umrika

Anhand der aktuellen Flüchtlingssituation schon fast ein wenig paradox, jetzt einen Film dieses Themas auf die Leinwand zu bringen und den Zuschauer damit unterhaltend zum Denken anzuregen.
Richtig ausgesprochen bezeichnet der Titel das Land der freien Möglichkeiten – aus Sicht einer Familie eines Dorfes in Indien. Die träumen vom großen Erfolg im Westen und begeben sich auf eine interessante Reise, die im Verlauf des Films nicht nur spannend bleibt, sondern auch weitreichende Wendungen aufweist, so dass dem Zuschauer bis ganz zum Schluss nicht langweilig wird.
Die Stars – bekannt aus Werken wie Life of Pi oder Best Marigold Hotel – liefern auch hier wieder fantastische Leistungen ab und überzeugen durch authentisches Spiel und gelungene Wortwahl. Dass dabei nicht auf die Tränendrüsen gedrückt oder der Zuschauer mit intellektuell-schwerlastigen Phrasen in den Abgrund des Mitleids gedrückt wird, kommt dem Film mit seiner komödienhaft anmutenden Leichtigkeit zusätzlich zugute.
Zwischendrin tut es mal richtig gut, nicht immer von vorn mit dem Finger konfrontiert zu werden, der uns aufzeigen will, was wir falsch machen, wo Verbesserungspotenzial liegt oder welche üblen Missstände auf der Welt herrschen. Hier wird man einfach mal in ein Wasserbad spaßiger Gefühle geworfen und darf konsequenzlos planschen ohne dabei Schaden anzurichten. Und genau diese Leichtigkeit ist es, die Umrika zu einem sehenswerten Stück Kinogeschichte macht, das zwischen Blockbustern wie James Bond 007: Spectre oder Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 2) gänzlich untergeht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Aus eben jenem Grund ist jedweder Hinweis auf den Film mehr als angebracht, denn hier waren Künstler am Werk, die die guten Seiten des Menschen ansprechen und aufzeigen.
Und das, obwohl in dem Film selbst genügend Schreckensmomente umschifft werden, die den Intellekt des Normalsterblichen auf keinen Fall überlasten.
Wer etwas sinnvolles sehen möchte, wobei man sich richtig gut fühlen kann und soll, der darf bei Umrika getrost zugreifen. Ein leichter, lustiger Kinoabend mit garantiert guter Unterhaltung sind vorprogrammiert.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Schwarzblende ist tatsächlich Schluss.

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