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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Tom Hardy

Venom (3D)

Dieser Film wird die Welt heilen. Er saugt all die Boshaftigkeit in sich auf, bringt die zerstörerische Wut unserer Generation in ein passendes Gefäß, lässt dieses explodieren und verteilt die genüssliche Wirkung von Rache, Feindseligkeit und Hass auf unsere Generation.

Diese Krankhaftigkeit, mit der unsere Zeit verseucht ist, bekommt hier ein Symbolbild und wird für Sehende verständlich auf die Leinwand gemalt.

Wer nicht mit Waffen draußen rumspazieren und seinem Ärger durch den Trigger Luft verschaffen will, kann dies völlig unschädlich jetzt auf der Leinwand auch einfach erleben: .kinoticket lösen, 3D Brille aufsetzen und dabei zusehen, wie Venom mit allem aufräumt.

Krieger dieser Welt, schnappt euch ein Pausenbrot, senkt eure Waffen, legt euch auf den Boden und lasst das Blut aus euren Wunden fließen: Ihr braucht vorerst nicht weiter kämpfen: Venom ist da!

Dieses Gefühl ist unbeschreiblich: Pause! Zeit für sich. Zeit, seinen eigenen Schmerz zu erleben, weil man nicht ständig für andere stark sein muss. Da drin … steckt mehr, als Sony oder Marvel weiß.

Ich hab stundenlang danach immer noch Gänsehaut gehabt und ich bin mir ziemlich sicher: Die Welt wird diesen Film nicht verstehen. David, this is for you. Only.

Es klingen überall Befürchtungen an, dieses Werk sei scheiße. Okay, Sony hat in der Vergangenheit nicht immer nur Brüller rausgehauen und Marvel ist dieses Mal nur “in association with” dabei, aber selbst das reicht, um endlich alles richtig zu machen, was vorher mit Spider-Man in die Scheiße geritten wurde.

Es ist das erste Mal, dass Marvel einen Charakter “einkauft”, den sie nicht selbst erfunden und auf die Leinwand gebracht haben. Und die Vorgeschichte ist durch alle, die vorher mit ihren Dreckhänden dran gepackt haben, im Arsch. Marvel muss diesen Charakter also nicht nur retten, sondern auch viele Lügen und Betrug bereinigen, der inzwischen in den Köpfen der Menschen rumgeistert.

Die .trailer zum neuen Spider-Man leisten da schon großartige Vorarbeit und die zerstrittenen Comic-Seelen dürften nun langsam beginnen, ihren Frieden mit dem Major-Label zu schließen und ihre Augen weiter öffnen für alles, was da kommen möge.

Vor dem Wiederaufbau die Zerstörung. Erst alles kaputtschlagen, dann schauen, was überlebt und neu hinstellen. Great American Spirit. Venom ist für’s Kaputtschlagen da und ich hoffe und bete immer noch, dass wir davon eine Trilogy bekommen werden, denn: Dieser Film wird unsere Welt heilen.

P.S: Schaut ihn euch in OV oder OmU an, die deutsche Synchronisation ist zwar ganz passabel, der Voice-Cast für Venom erfreulich düster und auch Tom Hardy‘s geile Performance wurde toll gemastered, allerdings sind einige Jokes im Englischen mit wesentlich mehr Profil gesegnet.

.kinoticket-Empfehlung: Das 3D ist nicht zwingend notwendig, den Film anzusehen dafür um so mehr: Es ist ein perfektes Spiegelbild unserer zerstörten Generation und vollbringt das, wozu alle Regierenden dieser Erde gerade scheinbar nicht in der Lage sind: Er haut mit riesigen Pranken auf den Tisch und beendet einfach alles und räumt auf.

Gebündelter Hass, vollzogene Zerstörung und dabei eine tiefschwarze Liebe, die einzigartig ist: Venom übernimmt den Kampf aller kämpfenden Helden und portraitiert damit auf der Leinwand, was außerhalb der Kinos gerade abgeht.

Nationen, zieht euch warm an, Venom ist da und ihr wollt ihn nicht als Feind.

Nachspann
✅ Die Presse wurde bereits vor der Weltpremiere bestraft, die Vorpremierenzuschauer haben sich selbst gegeißelt und die Kinogänger werden es wohl auch kaum lernen: Bei einem Marvel bleibt man bis zum Schluss sitzen.

Ja, der Abspann ist lang. Elends lang.

Ja, es kommt eine Zwischensequenz.

Ja, danach kommen noch 10 Minuten Abspann.

Ja, danach kommt noch ein Film, der den Vorfilm von Coco locker in der Zeit toppt. Nicht nur eine Sequenz … ein Film!!! Wer ihn verpassen möchte => Die Kinotüren sind die ganze Zeit offen.

Achja, und Venom steht draußen und prügelt euch wieder zurück in den Saal.

BLEIBT. ALSO. VERDAMMTNOCHMAL. BIS. ZUM. BITTEREN. ENDE. SITZEN!
Danke. 

Kinostart: 04. Oktober 2018

Original Title: Venom
Length: 112 Min.
Rate: FSK 12 (halte ich für wesentlich zu gering!)

Dunkirk

Christopher Nolan ist wieder am Start – und wie es aussieht, verkennt unsere Generation dieses Genie.
“Spoiler: Der ist scheiße.”
“Naja, ich fand ihn nicht so.”

und ähnliches kam mir zu Ohren, bevor ich ihn überhaupt selbst gesehen habe. Nun, was erwartet euch wirklich? Oder besser gesagt: Was habe ich für Erwartungen an den Film gehabt?
Nolan braucht keine Actionballaden, immerhin ist er Nolan und nicht Bay. Aus welchen Gründen auch immer, erwartet jeder aber genau das von ihm. Wieso? Weil der .trailer das bereits signalisierte?
Für mich eher nicht. Sieht man genau hin, hört auf die Musik, sieht die Bilder und erinnert sich an das, was er bei Interstellar abgeliefert hat, war mehr als deutlich, wohin die Reise führen würde.
Und sie tut es. Nolan begreift sich selbst als Unikat, als unverwechselbarer Geschichtenerzähler, der seinen ganz eigenen Stil, seine eigenen Farben, seine eigenen Kamerafahrten und ganz persönliche Note in seine Filme integriert. Wem das bisher nicht aufgefallen ist: Schaut euch doch mal ein paar seiner Filme im Split-Screen an und achtet auf ein paar dieser Faktoren.
Und Dunkirk passt genau in dieses Schema rein: Er ist ein Genie und Genies muss man selbst nicht verstehen. Das ändert nichts daran, dass dieser Mann großartig ist und hervorragende Kinofilme herstellt, auch wenn die breite Masse sie vielleicht nicht begreift oder mit seinen Aussagen nicht klar kommt.
Allein schon die alleinstellungsmerkmalbehaftete Stimmung, die man gleich zu Beginn an konsequent durch den ganzen Film zieht, bietet dem Zuschauer so viel mehr Raum für das, was er zu sagen hat. Hier wird einem nicht mehr Wort für Wort vorgekaut, was die Aussage des Films ist, sondern man bekommt zu jeder Szene genügend Luft, Ruhe, Eindrücke, um sich selbst auszumalen, was er damit sagen will. Und die Tiefe, mit der er dabei in ein Thema vorrückt, dass wir in der westlichen Welt heute alle nicht mehr live kennen, ist beeindruckend.
Gestern haben ich einen Film gesehen, in dem gesagt wurde, dass die Fantasien durch Worte beschränkt werden und man seine Möglichkeiten beschneidet, indem man Dinge in Worte fasst. Nolan tut dies in seinem aktuellen Werk erstaunlicherweise nicht, sondern erzählt durch Bilder, durch Momente, durch Eindrücke und nimmt einen mit auf eine mehrdimensionale Reise in einen Raum, der vor Bedrückung und niedergeschlagener Stimmung nur so strotzt.
Menschliches Ehrgefühl? Ein Epos sondergleichen? Eine von Moral durchklüftete Eindruck schindende Heldenstory mit phänomenalem Ausgang? Fehlanzeige. Ich glaube kaum, dass das eine seiner Absichten gewesen ist – im Gegenteil: Er wollte genau das aussagen, was er mit diesem Film in Bild, Farbgebung und Sound auch tut: Etwas Unbegreifbares greifbar machen und den Menschen in Portionen in den Kopf schütten, die sie verdauen können – Stück für Stück.
Und dafür muss man sich als ungebildeter Zuschauer ein Stück weit auf ihn einlassen und akzeptieren, dass er einfach kann, was er macht. Geht auf diese Reise. Freundet euch mit seinen Bildern an. Die Welt ist noch nicht so weit, dass sie von allein begreift, welche Aussagekraft in diesen Momenten steckt. In spätestens 10 Jahren werden die Menschen dann sagen: “Verdammt, wäre ich damals mal nur ins Kino gegangen und hätte ihn mir da angesehen. Die Chance ist jetzt vorbei.”
Lasst es nicht dazu kommen. Geht rein. Lasst es auf euch wirken. Ich war gestern schwer beeindruckt. Und ich bezweifle stark, dass die große Masse dieses Gefühl zu Hause auf den Minifernsehern nachstellen kann, die derzeit noch überall rumstehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht noch ein Soldatenfilm, nicht noch etwas, was es schon tausendmal gibt.
Nolan schickt euch auf eine Reise, die weitaus vielschichtiger und großräumiger ist, als bisher angenommen. Seine Genialität versteckt sich zeitweise hinter dem Minimalismus, der seinen Filmen angediehen ist und dem Zuschauer Luft gibt, selbst darüber nachzudenken und die Botschaft im eigenen Kopf zu entwickeln.
Er gibt die Verantwortung an den Zuschauer weiter und betet ihm nichts mehr vor. Zeit genug bleibt einem dafür, weil man mit Impressionen nicht überladen, sondern gemächlich zugeflutet wird, während sich die Kernaussage immer weiter manifestiert und in einem historischen Ereignis gipfelt.

 
Nachspann
Der bislang unerwähnte Soundtrack von Hans Zimmer ist es wert, beim Abspann sitzen zu bleiben. Überhaupt hat der Film einen akustischen Mantel, der zu unangefochtener Größe aufsteigt und aus diesem Werk zusätzlich etwas ganz besonderes macht.
Kinostart: 27. Juli 2017

Legend

Black Mass hat es unlängst vorgemacht, Legend zieht hier mit einem unglaublich starken Double-Part-Hauptdarsteller lediglich nach: Gangster-Epos in den Fußstapfen des bisher unerreichten Der Pate.
Erzählt wird – wieder einmal – basierend auf wahren Begebenheiten und somit Teile der Vergangenheit systematisch aufgedeckt. Das “Problem” solcher Filme ist nach wie vor, dass hier spannungstechnisch nicht auf übliche Muster gesetzt werden kann, sondern man einfach irgendwo mittendrin anfängt und später irgendwo wieder aufhört.
Demnach fehlt auch hier ein wenig die höhepunktale Orgie am Schluss des Films und macht einem erzählerischen Unmut Platz, der dem sonst grandiosen Film ein unehrwürdiges Ende bereitet.
Punkten kann Legend definitiv in Sachen Genre, da hier weder an Witz noch an Ironie und Sarkasmus gespart wurde, den Tom Hardy in seiner beeindruckenden Doppelrolle wirklich bei beiden Charakteren sensationell überzeugend verarbeitet.
Jedoch verliert der Film im Zuge seiner Laufzeit irgendwann den roten Faden und treibt die Geschichte selbst nicht mehr voran, sondern arbeitet sie lediglich ab. Somit weicht man in diesem Beispiel fast schon ein bisschen vom Pfad der Gangster ab und landet in einer biografischen Selbstdarstellung der Kray-Brüder und ihrer Geschichte. Ob dies tatsächlich so gewollt, oder einfach nur ein Nebeneffekt ist, kann man nicht wirklich erkennen.
Fakt bleibt, dass hier die Ausdrucksweise, der Stil und das eloquente Verhalten hoch im Kurs stehen und man in Sachen Verhaltensethik wieder einmal provokante Vorbilder aufstellt.
 

.kinoticket-Empfehlung:  Ansehen sollte man sich dieses Werk allemal, da allein schon das Schauspiel von Tom Hardy seinesgleichen sucht.
Umgeben von jeder Menge anderer, fähiger Protagonisten erlebt man hier ein Gangster-Werk der Neuzeit, das zwar nicht an Der Pate heranreicht, auf dem Weg dorthin jedoch bereits sehr weit oben angekommen ist.
Der finale Paukenschlag bleibt diesmal auch aus, die Zeit dazwischen darf man allerdings mit wunderbar schrägem Humor und ironischem Sarkasmus lustvoll genießen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, aufstehen und rauslaufen also erlaubt.

The Revenant – Der Rückkehrer

Leonardo DiCaprio ist bekannt dafür, großartige Filme zu machen und dafür von der Academy nicht mit Lob besudelt zu werden. Zeit für einen neuen Film von ihm, für den er wieder keinen Oscar abstauben wird.
So zumindest sollte man denken, wenn man sich die glorreichen Machenschaften seiner Vergangenheit im Hinblick auf die Vergabe des Goldjungen anschaut. In diese Reihe erfolgreicher Erzählungen wirft Alejandro G. Inarritu mit ihm als Hauptdarsteller einen weiteren Film, der vor technischem Können und schauspielerischer Präsenz nur so leuchtet.
Was diesmal unübersehbar richtig gemacht wurde: Der Dreck. Was ich bei Im Herzen der See schon so bemängelt habe, wurde hier nun ausgiebig gefeiert: Gestandene Männer werden in den Dreck geschmissen und müssen sich aus selbigen wieder herauskämpfen, ohne dabei von der Natur oder ihresgleichen in irgendeiner Form Unterstützung beigemessen zu kriegen.
156 qualvoll lange Minuten schaut man dabei zu, wie der Mensch sich unter katastrophalen Zuständen windet und ums nackte Überleben kämpft. Hier wird einmal mehr die Seele unserer Spezies offen auf der Leinwand präsentiert und die schrecklichen Abgründe verschiedenster, niederträchtiger Absichten offenbart.
Was anfangs noch spannend ist, verändert sich im Laufe des Films langsam zur tatsächlichen Qual für den Zuschauer, da bei dem Werk zwar offensichtlich sehr nahe am real Erlebten gearbeitet wird und der Held der Stunde eben nicht einfach aufsteht, sich den Dreck von den Ohren wischt und fröhlich weiterspaziert, jedoch mangelt die gesamte Darstellung an erzählerischer Tiefe.
Es wirkt fast, als hätte man einfach ein Fenster in die Vergangenheit aufgerissen und – ausgeschmückt über den Umweg eines Romans – ein paar Geschichten erzählt, die Teile ihres Ursprungs in tatsächlich Erlebtem fundieren. Was mir persönlich dabei fehlt, ist die Leitung des Zuschauers hin zu einer Pointe, die einen nach so langer Zeit bereichert wieder aus dem Saal spazieren lässt.
Die ist zwar – wenn man ganz genau hinschaut und es so will – schon vorhanden, jedoch im Rahmen dessen, was man vorher gezeigt hat, so unspektakulär und klein, dass einem kaum auffällt, dass hier etwas gesagt wurde. Und damit geht ein riesengroßer Paukenschlag offensichtlich ins Leere, weil am Schluss dennoch die Frage bleibt: “Und jetzt? Wofür das Ganze?”
Schauspielerisch kann man weder an Tom Hardy noch an Leo DiCaprio irgendwas bemängeln und auch die Technik im Hintergrund hat ganze Arbeit geleistet. Die Kälte und Unverfrorenheit der Natur, die harte, kalte, unmenschliche Gegend und das Unwillkommene, in das die Menschen hier geworfen werden, kommt mehr als gut und realistisch rüber und zeigt sehr eindrucksvoll, dass Natur eben nicht immer nur schön und wunderbar, sondern auch rauh und hart zu einem sein kann.
Angesichts der blutigen Elemente, empfinde ich die Freigabe ab 16 teilweise schon als zu niedrig, da hier doch ziemlich offensichtlich Dinge zelebriert werden, die zwar hervorragend in die Geschichte passen, jedoch nicht unbedingt von der breiten Allgemeinheit (FSK 16 wird von der Gesellschaft oft als “Jugendfrei” wahrgenommen und somit auch FSK 12-Klientel gezeigt) gesehen werden muss, da manche Parts im Film sehr wohl einen harten Magen voraussetzen, um hier unbeschadet über die Szenen zu schlittern.
Was bleibt, ist ein gigantischer Film, der eindrucksvolle Bilder zeigt, imposante Szenen zelebriert und damit eine Geschichte ausschmückt, die unter realen Bedingungen sicherlich niemand persönlich erleben möchte.
Hätte man hier noch etwas mehr Tiefgang eingebaut und nicht nur die Natur selbst sprechen lassen, wäre daraus ein gigantischer Meilenstein des Kinos geworden. So spart man zwar auch mit Worten und vollführt vieles durch reines Beobachten, erhält dadurch aber auch irgendwie keine so richtige Inhaltswucht, sondern plätschert mit wenigen Elementen natürlich dahin.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartiges Kino mit eindrucksvollen Momenten, deren Ursprung auf realen Begebenheiten beruht und fürs Kino und zuvor für einen Roman ausgeschmückt wurden.
Die Realitätsnähe ist diesmal mehr als deutlich, der Dreck, durch den man sich wühlt, fühlt sich auch als Zuschauer echt an und die Kälte und Rauhheit der Natur erlebt nicht nur einmal ihren Höhepunkt im Siegeszug gegen den Kampf ums Überleben.
Was mir fehlt, ist ein bleibender Schluss, der dem Film den Sinn  verleiht, um nicht aus dem Gedächtnis wieder zu verschwinden. Hier wurde einfach zu wenig aufgetragen, so dass nach 156 Minuten Laufzeit das Fenster zur Vergangenheit einfach wieder zugeht und man nun dasteht und sehen muss, was man mit dem eben Gesehenen anfängt.

 
Nachspann
gibt’s nicht, nachdem auf schwarz geblendet wurde, darf man sich also aus dem Saal entfernen.

Kind 44

Ich tu mich etwas schwer damit, über diesen Film zu schreiben, der erneut ein Buchthema aufgreift und stilistisch gut umgesetzt ins Kino transportieren möchte. Man landet im kalten Russland, umgeben von grau und der Simplizität des Krieges, der seine Züge bis weit in die Privatsphären zieht.
Alles ist gefährlich. Selbst reden. Es geschehen Dinge, die nicht passieren dürften und verschleiert werden müssen, um die bröckelnde Fassade eines korrupten Systems nicht aufzudecken.
Gerade diesen Schachzug meistert dieses Werk recht gelungen. So vertrackt die Lage damals war, so gelungen landet diese Schwierigkeit für einfache Personen auf der Leinwand. Und genau hier sehe ich für mich persönlich das Problem: Hat man den Kasten durchschaut, wird es relativ schnell langweilig. Die irre Suche nach einem Mörder wird bald zur zeitraubenden Aufgabe, der es im Vergleich zu beispielsweise Die Augen des Engels massiv an Spannung fehlt und jede Menge Langwierigkeit aufkommen lässt, die den Gesamteindruck deutlich schmälert.
Hier lässt man sich an viel zu vielen Stellen einfach viel zu viel Zeit und zeigt Dinge, die vom Ablauf her zwar wichtig erscheinen, das Geschehen aber in keinem Fall voran treiben. Das endet in einer Zähflüssigkeit, die bald als nervend empfunden wird und einen die Augen schließen lässt.
Nichtsdestotrotz liefern Tom Hardy und Gary Oldman hier eine grandiose Show ab. Die außerstädtische Abgefucktheit der ganzen Situation spiegelt sich wunderbar in der rauhen Stimme und dem wahnhaften Zusammenspiel beider ab. Jeder weiß, dass etwas getan werden muss, nur keiner sieht sich dazu in der Lage, ohne dabei auf Regeln zu verzichten, die dich selbst zum Ziel werden lassen.
Was allgegenwärtig ist, ist der Hass auf das russische System dieser Zeit. Auch als Zuschauer bekommt man regelrechte Aggressionen, wenn man sieht, welche Auswirkungen selbst banale Dinge des Lebens auf Menschenleben haben und wie kaputt und zerrüttet dadurch das sonst auch schon schwere Leben wird. Ob dies in einer Zeit des Ost-West-Konflikts, den wir gerade durchleben, förderlich ist und öffentlich derart thematisiert werden sollte, sei dahingestellt. Meinem Empfinden nach erscheint dieser Film zur falschen Zeit, da er in diesem Punkt ganz klar Stellung bezieht und den sowieso schon angeschlagenen Verhältnissen beider Nationen eher Unfrieden bringt als hier zu mehr internationalem Verständnis beizutragen.
Andererseits haben wir in der Vergangenheit genügend negative Berichterstattung in jedweder Form über unser eigenes Land gesehen und könnten daher dankbar dafür sein, dass endlich jemand den Mumm hat, offen zu zeigen, dass auch andere Völker Dreck am Stecken haben und die Deutschen nicht die einzigen geschichtlichen Miesepeter sind, auch wenn das keine der geschehenen Taten relativiert. Aber was bringt das?
Ihr merkt schon: Das Ganze ist geprägt von sehr viel Negativität, für die man sich dann auch noch extrem Zeit lässt. Man mag zwar neue Einsichten in vergangene Tage erhalten oder sich an dem Schauspiel der Hauptdarsteller erfreuen, geht jedoch eher niedergeschlagen als erbaut wieder nach Hause. Und da stellt sich mir dann die Frage: Warum?
Warum sollte man sich einen Film anschauen, der über Missstände informiert, aber nicht provokant genug ist, um zu zeigen, wie man es besser machen könnte?
Warum sollte man sich von etwas runterziehen lassen, das sowieso vorbei ist und an dem heute nichts mehr zu ändern wäre?
Warum soll man sich mit einer Geschichte vergnügen, die zu unspannend rüberkommt, als dass sie wenigstens mitfiebern lässt?
Nicht die Story ist schlecht, nicht die Umsetzung dahinter, sondern die fragwürdigen Ziele, die dieser Film verfolgt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kind 44 versetzt einen klar in eine Zeit, die von wenig Farben und Freude geprägt ist und transformiert jegliches emotionale Empfinden in eben jene Gemütsstimmung.
Man hat genügend Zeit, um in dieser Ära zu schwelgen und bekommt unterschwellig den Hass auf das russische System eingepflanzt, der sich im Laufe der Spielzeit festigt und so zu keinem friedvollen Verhältnis beiträgt.
Fragwürdige Lektüre, die von Hardy und Oldman klasse umgesetzt wurde und einen dennoch mit trauriger Miene wieder nach Hause schickt. Wer sich diesem düsteren Kammerspiel stellen möchte, wird hier definitiv befriedigt.

 
Nachspann
dürft ihr getrost ignorieren, hier kommt nichts wichtiges mehr.

Mad Max: Fury Road (3D)

Ja, ich mochte die bisherigen Filme auch schon sehr. Diese schöne, kranke, gestörte Welt in ihrem ganz eigenen Universum, weitab von allem, das sonst so befilmt wird… Ein Augen- und Ohrenschmaus, der Mel Gibson damals berühmt gemacht hat.

Umso beflügelter war ich, als das erste Mal der Trailer von Mad Max: Fury Road im Kino lief. YES – Neuauflage. In 3D. Dass in Trailern mit

Übertreibung nicht gegeizt wird, ist mir ja auch mittlerweile klar. Und dass man seine Erwartungen runterschrauben sollte, wenn der echte Film dann anfängt, ist auch eine längst bekannte Filmweisheit, an die es sich zu halten gilt.

Nun: Schon der Trailer in 3D schlug ein und machte mich noch ein kleines Stück geiler auf den Film selbst. Der wiederum… Sagen wir es so: Ich habe in meinem Leben schon zehntausende Filme gesehen – allein bis jetzt 54 Stück im Jahr 2015 im Kino, die Blu-rays und DVDs nicht mitgezählt. Ich darf also von mir behaupten, so einiges zu kennen. Was hier abgeht – toppt einfach alles.

Ich wusste nicht, ob ich lachen, schreien, weinen oder alles gleichzeitig tun soll. Wie verfilmt man eine Story von jemandem, der nicht redet, sondern tut? Wie kriegt man es auf die Reihe, etwas auszusagen ohne Worte dafür zu benutzen und dem Zuschauer das Gefühl zu geben, dass 5 Meter unter dem Boden erst der Anfang von dem Schlag ist, mit dem der ganze Film hier ausholt?

Der .trailer zeigt noch die ruhigeren Szenen. Die Musik: Wucht ist hier kein Ausdruck mehr. Hier prallen keine Planeten aneinander, sondern ganze Universen. Hier wird nichts totgelabert, sondern man dialogisiert ausschließlich mit Zwischen-den-Zeilen. Der Hass, diese tiefe, innere Zerstörtheit, das krankhafte Bild einer verrotteten Welt, in der nichts außer Tod, Trockenheit und Zerstörung besteht, drückt momentan so sehr mein inneres Weltbild aus, wie es in meinem ganzen Leben noch kein anderer Film je geschafft hat.

Der Saal bebt. Und das meine ich wörtlich. Es gibt kaum Sekunden, in denen nicht nur die kompletten Stuhlreihen, sondern auch die Böden, Wände und Mägen aller Zuschauer mal nicht vibrieren. DAS hätte ich von Avengers: Age of Ultron erwartet. Mad Max liefert es. Und zwar in einer Perfektion, die Kino in die heutige Zeit katapultiert, dass einem schlecht wird vor Freude.

Ich finde keine Worte dafür, um zu beschreiben, was mir nach dem Film durch die Birne ging. Ich fühlte mich so sehr verstanden. So aufgehoben. So … geliebt. Bin durch die Straßen gelaufen und hab den Tränen freien Lauf gelassen und dabei keinen einzigen Ton rausgekriegt.

Mad Max: Fury Road 3D ist für mich DER Kinofilm des Jahrtausends. Eine Säule, deren Umfang F5-Tornados weit in den Schatten stellt. Dessen Größe ausreicht, um seine komplette Sammlung unter dieses Label zu stellen.

Hier wird nicht mit Superlativen gespielt, hier werden exponentielle Supernova-Lativen erschaffen und auf einem Niveau gehalten, dass keinen einzigen Moment zurückweicht, sondern nur vorwärts kennt. Stahl, Blut, Tod und dazwischen die herzzerreißende Liebe für neues Leben – ein Gedicht, das mit seinen Worten erschlägt und tiefe Löcher in deine Seele bohrt, um sie mit etwas zu füllen, mit dem die Masse nicht zurechtkommt.

Der Film schafft es auf eine perverse Art, die Geschwindigkeit in wütende Raserei ausarten zu lassen, genährt von der immerwährenden Schwere.
Ich hab ein neues zu Hause gefunden. Sei mein Zeuge.

.kinoticket-Empfehlung: Wer Referenz-Material für ein Kino sucht, ist hier richtig. Wer wissen will, wie sich epische Musik in riesigen Sälen anhört, ist hier richtig. Wer Unterhaltung will, die abseits vom Mainstream stattfindet, ist hier richtig. Wen Worte stören, wer tiefer will, wer so richtig wahnsinnig werden will, der sollte sich diesen Film auf jeden Fall antun.

Eine Hommage an das Kino der Neuzeit, das neue Maßstäbe setzt und beweist, das eben doch möglich ist, was viele an Hollywood verkennen: Großartige Unterhaltung mit irren Ideen umgesetzt in glorreichem 3D, das selbst Avatar ganz leicht in den Schatten stellt. Wir haben wieder eine Messlatte, an der künftig andere Filme Maß nehmen müssen. Und das wird für zukünftige Meisterwerke richtig richtig schwer, denn hier stimmt einfach alles: Story, Geschichte, Score, 3D und der ganze Rest.

Wer sich dieses Schlachtfest epischer Momente entgehen lässt, dem ist nicht mehr zu helfen. Was besseres hab ich mein ganzes Leben lang noch nicht gesehen! Hut ab – so überrascht hat mich bisher noch kein anderer Film.

Nachspann
✅ Sitzen bleiben. Der Score kommt erst am 29. Mai 2015 in die Regale, das ist lang genug.

Kinostart: 14. Mai 2015

Original Title: Mad Max: Fury Road
Length: 120 Min.
Rate: FSK 16

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