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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Therapie

Safari – Match Me If You Can

Safari – Match Me If You Can wird als Filmpremiere auf dem Filmfest München gezeigt: Die Presse stöhnt, das Volk feiert den .trailer in den Kinos ab und freut sich ab Donnerstag dann endlich auf den Filmstart.
Ich hab den Film tatsächlich schon 3x gesehen. Und werde sicherlich noch einmal reingehen. Das heißt?
Irgendwas ist an dem Ding dran, das geil ist. Natürlich ist dieser Film sehr “speziell” und fordert dem Intellekt einiges ab, um hier wahrhaftig seine Freuden ausleben zu dürfen. Man muss sich irgendwie kriechend in diese Schublade von Movie bewegen und stellt dann sehr schnell fest, dass da drin eine wunderbare Welt existiert, die es zu erforschen gilt und die einiges für die Zwerchfellbearbeitung bereit hält – und mit Sicherheit auch in einem gut gefüllten Kinostart-Premierensaal richtig Laune bereitet.
Dieses Band der Korrelationen zwischen den einzelnen Personen in einer Harmonie moderner Digital-Weltabbilder gedichtet zeugt einerseits von Wissen über die Zustände einer Generationengesellschaft heutiger Zeit, und erfreut andererseits an einem exzellenten Plot mit herrlich schrägen Charakteren, die so manchen Zuschauer an eine seiner Freunde denken lässt. Kurzum: Das Ding zündet.
Als München-Verliebter bin ich natürlich von dem in meiner Herzensheimatstadt gedrehten Film noch ein Stück weit mehr begeistert. Auffällig: Auch Sebastian Bezzel muss sich langsam darum kümmern, die gleichen Hürden wie Elyas M’Barek zu überwinden und sich schauspielerisch behaupten, um nicht auf alle Zeit in seiner Eberhofer-Rolle in den Köpfen der Menschen gefangen zu bleiben. Irgendwie sieht man die ganze Zeit nur den Kommissar in ihm, auch wenn er in diesem Film eine ganz andere Rolle hat.
Wer also auf diesem Humor-Niveau einiges aushält, der wird einen vergnüglichen Kinoabend erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man muss sich darauf einlassen, dann hat man auch wirklich Spaß dabei.
Auch wenn der .trailer einen nicht so richtig angesprochen haben mag: Das Ambiente ist sehr wohl das gleiche, der Film liefert aber im Zusammenhang wesentlich mehr Charme und Unterhaltung ab und ist definitiv einen Kinobesuch wert – nutzt am besten die besser besuchten Start-Premieren auf 🙂

 
Nachspann
✅ den sollte man mitnehmen, sonst gehen einem einige Jokes verloren.
Kinostart: 30. August 2018

Don't Worry – Weglaufen geht nicht

Endlich wieder ein Titel, der von amazon studios produziert wurde und trotzdem das Licht der Leinwand erblicken darf: Dieses Werk braucht sich überhaupt nicht hinter aktuellen Kinoblockbustern verstecken, sondern zeigt einmal mehr, wozu das ehemalige Buchverkäufer-Label in der Lage ist. Und ich finde es großartig, dass man diesem Stück die Kinoauswertung nicht vorenthält, sondern den Zuschauern die Möglichkeit gibt, das Werk auf dem Big Screen zu besehen.
Die Story basiert auf dem wahren Cartoonisten und wird von Joaquin Phoenix hervorragend gespielt. Hat der überhaupt je einen Flop produziert? Mit flapsigem Humor bestückt schlängelt sich das bewegende Drama über alle Ebenen hinweg und portraitiert den Aufstieg und Fall eines Menschen in unterhaltsamer und einprägender Weise.
Die Portion Ruhe, die der Film dabei mitbringt, wirkt wie eine solide Basis, die es einem seelisch nicht ermöglicht, in irgendwelche Abgründe zu fallen, sondern garantiert, dass man trotz der ernsten Phasen dennoch seinen Spaß hat und nicht selbst in irgendwelche Depressionen rutscht. Zeitweilig wirkt es fast wie eine Doku, allerdings ohne das Stundenplan-Gefühl. Man hat einfach seine Freude beim Schauen, darf sich dabei auch gerne ein Popcorn genehmigen und erfährt vielleicht ein wenig Unterstützung dabei, wenn es darum geht, wieder “zurück ins Leben” zu finden.
Die Story ist definitiv spannend und es ist interessant, welche – und vor allem, woher – er seine Inspirationen nimmt. Ein spannender Fakt ist zudem: Obwohl ich mit dem Großteil des Casts bislang nicht so wirklich grün geworden bin, stört die Besetzung hier absolut nicht, sondern man wundert sich eher, dass wirklich diese Personen auf der Leinwand zu sehen sind: Sie fügen sich so wunderbar in den Plot ein, ohne Personenverherrlichung, die es auf Plakaten und in der PR bei Hollywood sonst übermäßig viel gibt.
Und mit dieser fast schon einzigartigen Genügsamkeit erobert sich der Film den Weg in die Herzen der Zuschauer ganz von allein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Einprägsames Erzählerlebnis über das Leben eines vom Leben gezeichneten Menschen.
Die Story hinter ihm ist bezeichnend. Das Werk zeigt einmal mehr, dass Streaming-Giganten auch am Kino nicht vorbei müssen, sondern beide Optionen Hand in Hand miteinander kooperieren können. Die aufgelockerte und ruhig-fundierte Erzählweise sorgt für ein nachhaltiges Erlebnis beim Zuschauer und öffnet die Möglichkeiten für suchende Menschen, indem man viel Inspiration und Vorbildverhalten liefert. Und das ohne großartiges Helden-Rumgepose, sondern mit einer genügsamen und defensiven Einstellung.
Großartig!

 
Nachspann
✅ zeigt den wahren “Wegläufer” und zertifiziert damit die Geschichte als wahre Begebenheit.
Kinostart: 16. August 2018

Vollblüter

Mein Lieblingswort in letzter Zeit: Debütfilm! Cory Finley hat das Unfassbare geschafft und eine Geschichte ins Leben gerufen, die Kino wieder einmal interessant macht: Nicht die üblichen Verdächtigen in Sachen Charaktere, sondern völlig einzigartige und moderne Schöpfungen, die in einer komplett desaströsen, mentalen Welt umherirren und sich dabei völlig ungehindert entfalten können: Klar, so etwas hat’s ja noch nie bisher gegeben, warum also sollten hier irgendwelche Grenzen existieren?
Allein diese erfrischende, neuartige und mutige Variante, mit der man auf menschliche Interna zugeht und sie gegeneinander ausspielt, ist faszinierend. Dabei erhält der Zuschauer so vielfältige Möglichkeiten der Interpretation, die ihrer selbst wieder in eine neue Dimension vorstoßen und somit nicht an Altbekanntem kratzen, sondern völlig jungfräuliche Wege beschreiten.
Und mal ganz ehrlich: Was gibt’s geileres als das? Gedankliches Frischfleisch, dass noch nie in den Fängen einer Kapitalismuskralle oder angstüberbordenden Entscheidungen festgesessen und die zwanghafte Entmannung nischengläubiger Gedanken durchleiden musste?
Der Geist ist frei … und auf einmal sind alle emotionalen und moralischen Zwänge und Grenzen entfesselt und man kann damit beginnen, zu spielen. Dafür wurden Leinwände erschaffen!
Und das fasziniert mich immer wieder an Debüts: Man macht einfach mal, denn es gibt ja nichts, woran man das Erstlingswerk messen könnte. Und somit gibt es nur einen Verlierer: Die Einschränkungen. Und darauf verzichten wir alle gerne.
 

.kinoticket-Empfehlung: Macht euch gefasst auf ein neues, psychodramatisches Spiel, in dem es keine Grenzen mehr gibt: Dieser Film erweist unfreiwillig dem 2016 verstorbenen Anton Yelchin alle Ehre und setzt ihm ein würdiges Denkmal.
Die Faszination, aus moralischen und ethischen Grenzen ausbrechen zu dürfen, schöpft dieser Titel vollständig aus und nutzt daher das leinwandgegebene Recht, Experimente der abartigsten Sorte durchzuführen, ohne dabei auch nur einer Menschenseele zu schaden.
Einer der Gründe, weshalb ich Kino generell liebe und einer der Gründe, weshalb ihr euch den Titel ansehen solltet: Es macht nämlich unheimlich viel Spaß!

 
Nachspann
❌ Nicht hocken bleiben, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 09. August 2018

Bad Moms 2

Wer an Bad Moms denkt, dem tanzen doch sofort Bilder der neuartigen Möchtegern-Power-Party-People im Kopf rum, also die Sorte Film, die brutal hart auf feier-jugendlich macht, obwohl der Hauptanteil der Darsteller-Charaktere längst den Zenit von “Party” überschritten hat.
Solcher Art “Gute Laune-Unterhaltung” ist bei mir in der Vergangenheit immer unten durch gewesen und ein zweiter Teil macht sowas nicht sonderlich besser.
Dazu kommt das unübersehbare Thema Weihnachten, das schon in Office Christmas Party einen mega schlechten Eindruck hinterlassen hat und schon ist die Kinolaune tiefer als der Keller.
Und weil’s alles Frauen sind noch ein bisschen Gender-Wahnsinn dazu und fertig ist die schlechteste Komödie des Jahres.
Soweit mal zu meiner Vorstimmung. Erwartungen also unter aller Sau und der Kinosaal gespickt mit Kindern jenseits der 14 – abwärts.
Und dafür muss ich sagen, war der Film verdammt gut. Die Grundbotschaft aller dieses Jahr erschienenen Christmas-Filme war ja irgendwie immer, dass man genug von der Scheiße hat, die jedes Jahr zu dieser Feierzeit veranstaltet wird – und bereits der .trailer ließ ja anmerken, dass man auch hier keine Ausnahme von dieser Message machen würde.
Was aber vorher nicht so offensichtlich mitgeteilt wurde: Teil zwei basiert nur auf den Charakteren aus dem ersten Film und stellt somit keine wirkliche Fortsetzung dar, sondern ist viel viel besser als erwartet. Dieser Zinnober mit “Wir müssen jetzt zwingend witzig sein und cool noch oben drauf” findet überhaupt nicht statt, sondern die Damen waren erfrischend sympathisch und viel freier von solchen Allüren als vorerst angenommen.
Klar braucht man an dieser Stelle nun auch kein übermäßig anspruchsvolles Stück erwarten, dass in jederlei Hinsicht punktet und der Renner des Jahres wird, aber für die Erwartungen und Vorraussetzungen, unter denen man Bad Moms 2 bekannt gemacht hat, war die Show überraschend angenehm.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für Erwachsene wohl eher zu anspruchslose Kost, auch wenn der Film insgesamt wesentlich sympathischer und angenehmer rüberkommt, als man vorerst glauben mag.
Die grundsätzliche Moral ist wohl vertretbar, dafür hinkt Bad Moms 2 aber noch zu sehr an seinen Klischees und bietet zu wenig Überraschendes oder Neues. Halt einfach “just another christmas movie”.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf den Saal also mit der Schwarzblende verlassen.
Kinostart: 9. November 2017

Happy Burnout

Ich bin kein Wotan Wilke Möhring Fan, habe mich aber trotzdem auf diesen Film gefreut. Meine Einstellung zu deutschem Kino ist ja weithin bekannt, und umso erstaunlicher ist es, dass die Produzenten es tatsächlich geschafft haben, mich mit ihrem Werk allgemeinhin zu überzeugen.
Es mag etwas absurd klingen, dass man Möhring hier die Assi-Rolle zugesprochen hat und ARD als auch ZDF diesmal nicht mit ihm Boot waren, zumal ich denen diese Art der Personenausgestaltung eher zugetraut hätte.
Ich weiß nicht, woran es liegt – ob vielleicht daran, dass man dem Schauspieler nun endlich kreative Freiheit zugestanden hat – denn die Art, wie er hier aufblüht, sucht seinesgleichen. Möhring geht in seiner Rolle derart auf, dass es bereits nach kurzer Zeit wahnsinnig Spaß macht, seinen Eskapaden zu folgen.
Der schnittige Humor und die sarkastischen Spitzen sind fast schon zu gut für deutsches Kino. Man sitzt drin und fragt sich die ganze Zeit, wie es möglich ist, dass deutsche Produzenten so etwas tatsächlich durchboxen. Hier zahlt sich nun aus, dass die biederen Öffentlich-Rechtlichen ihre Finger eben doch nicht im Spiel hatten.
Die ganze Gestaltung der verschiedenen Charaktere und deren konsequente Beibehaltung lockern die Geschichte nicht nur auf, sondern geben dem Film das gewisse Etwas.
Hier haben sowohl Drehbuchschreiber als auch Regisseur gemeinsam mit den Schauspielern großartige Arbeit abgeliefert.
Einzig das Ende hätte ich mir persönlich ganz anders gewünscht, was ich jetzt aber mal den verschiedenen Geschmäckern zuschreiben möchte und nicht als Negativpunkt anführen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Am Schluss steht man vor einem deutschen Film, der einen wirklich begeistert hat und als absolut positive Überraschung gilt.
Das Schauspielerensemble ist hervorragend ausgewählt und spielt zusammen wie ein Uhrwerk. Der Film hat Witz, Charme und auf eine gewisse Art und Weise auch Niveau.
Für mich eines der besten Beispiele, was passieren kann, wenn man deutsche Schauspieler aus den Fängen traditioneller alter Menschen entlässt.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf den Saal also getrost und ohne Scham verlassen.

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