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Tag: Student

Wahrheit oder Pflicht

Okay, Klartext: Im Presseheft ist vom “Meister des Horror-Films Jason Blum” die Rede, von “äußerst wichtig, sein Publikum ständig im rätselhaften Unklaren zu lassen”, von “Geschichte, deren Rahmenbedingungen eine Herausforderung sind”.
Ich blätter wieder zu, schau nochmal auf das Cover: Jap, ist wirklich von Wahrheit oder Pflicht die Rede.
Gut, ich hatte den .trailer im Rahmen der Sneak Preview bereits angeteasert gesehen, und die ist grundsätzlich FSK 18 – also darf alles gezeigt werden, auch im Vorprogramm. Und es hat mich nicht begeistert, sondern eher enttäuscht. Alle anderen so: “Ja, der wird mega geil!” – Ich so: “Ähm, ich hab da so meine Zweifel, denn der .trailer zeigt bereits genügend Macken, die eigentlich voraussagen, dass das Ding einfach scheiße wird.”
Was eignet sich besser, als den Film einfach zu sichten? Nichts. Kein Gelaber mehr – Fakten auf den Tisch.
Hand hoch: Wer will nochmal die Abhandlung über das “Horror”-Konzept von Blum hören? Bausteine? Billiger Plot? Keine Lust, irgendwas explizites zu kreieren? Usw.? Keiner?
Gut, dann erspar ich euch das an der Stelle und rege mich heimlich und leise über was ganz anderes auf: Dieser Schuppen hat mit Get Out unfassbare Summen eingefahren, er hat – und ich meine, mich daran zu erinnern, darüber auch bereits schonmal lautstark rumgenölt zu haben – Herausforderungen wie die The Purge-Reihe auf die Rippen gestellt, Happy Deathday als Überraschung im Kino gebracht und jetzt zu all dem noch Kohle in den Taschen.
Und was kommt?
Wahrheit oder Pflicht.
Ernsthaft jetzt?
Ich mein, nicht dass der Titel nicht vielversprechend wäre und man daraus nicht eine endgeile Story rauskitzeln könnte, so mit “Welt geht unter – alles am Arsch … Raumstation … letzter Funkspruch: Wahrheit oder Pflicht?” – Nein… Achso… ähm … ja, hier war ja was mit “ich spoiler nicht” – äh … stimmt, aber das kommt ja auch nicht. Jason Blum als Leihgabe für miesen Horrorgeschmack ist in seiner Meister-des-Horrorfilms-Genialität ja längst über all unsere Vorstellungen hinaus und hat die grundgeniale Kombination an Überraschung und Grandiosität entdeckt. Nicht.
Es ist nämlich einfach nur billigster Abklatsch von allem bisher dagewesenen, nur in unlustig und langweilig. Der ganze Film hat überhaupt keinen Drive, die einzige Stelle, die wenigstens lustig und langweilig war, war wieder so selten dämlich, dass man sich das auch hätte ersparen können und während der Show haben mir links und rechts ständig Leute reingequasselt, was sie meinen, das als nächstes passieren wird.
Und – ihr dürft raten – sie haben ihren Satz teilweise kaum zu Ende sprechen können, da ist es auch schon passiert.
Scrollen wir noch einmal zurück: “äußerst wichtig, sein Publikum ständig im rätselhaften Unklaren zu lassen” – was zu lassen? Rätselhaft? Was denn? Wenn jede kleinste Handlung bereits schon Stunden im Voraus von jedem Dahergelaufenen vorausgesagt werden kann? Ernsthaft jetzt? MEISTER DES HORRORFILMS?
Mir kommen die Tränen!
Und ich erinnere nochmal daran: Dieser Verein schwimmt mittlerweile im Geld! Sie könnten also … ordentliche Drehbuchschreiber engagieren… äh … der hat ja schon mal einiges geschrieben.
Unter anderem das Drehbuch zum X-Men/Deadpool Spin-Of X-Force, der uns im Herbst beglücken soll.
DAS ist nun wahrhaftiger Horror.
NEEEEEEEIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNNNNNNNNNNN…
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab gewonnen: Er ist so, wie ich im .trailer bereits vermutet hab.
Aber andererseits haben Blum-Filme es ja nicht umsonst auf das Treppchen des Erfolgs geschafft, also irgendwelche Geister muss es geben, die dafür .kinotickets ordern und ihn damit erfolgreich machen. Denen wird der Stoff dann sicher auch gefallen.
Ich fands ehrlich gesagt nur zum Kotzen – und das ist allein meine persönliche Meinung, von der ihr euch alle bitte überhaupt nicht beeinfluss… ach vergesst es!

 
Nachspann
Nö. Also einfach nein.
Kinostart: 10. Mai 2018

Happy Deathday

Jetzt habt ihr mich: Da heule ich die ganze Zeit der Welt vor, wie schlecht und vorhersehbar und unterhaltungstechnisch langweilig Filme von Blumhouse Productions sind und dann bringt man mal eben Happy Deathday raus und glänzt in allen Punkten mit überraschend positiven Werten.
Wer den .trailer sieht oder etwas länger aufs Filmplakat schaut und dort etwas aufschnappt, der kann sich zwar denken, wohin die Reise gehen soll, dass dann aber der Film im Kino trotzdem nicht langweilig wird, sondern man gespannt und bravourös unterhalten wird, hätte ich in der Zusammensetzung nicht gedacht.
Und das bei einem Wiederholungstäter, wo die Einfallslosigkeit ja quasi schon vorprogrammiert ist. Die Hommage an den Klassiker ist unverkennbar, die Umsetzung auf tödlicher Basis aber umso gelungener – so dass nicht nur bekannte Elemente zu einem neuen Twist zusammengefädelt werden, sondern man auch gleichzeitig noch einen bis dahin selten so charmant erlebten Humor eingewebt hat, der vor Sympathie und Ausstrahlung glänzt und die Figuren nochmal ein wenig näher bringt.
Und da lobe ich mir die Kreativität, das Herzblut und die Hingabe, die man der Hauptdarstellerin angedeihen ließ und mit der man sie in die immergleiche Geschichte schickt, die für den Zuschauer dadurch trotzdem niemals langweilig wird.
Dass auch hier wieder mit ganz normalen Mitteln vom Hauptziel abgelenkt werden will, steht außer Frage – dafür nutzt man aber nicht die langweilige Methode, sondern spendiert ein paar Überraschungen, die echt erfreulich waren und den Film damit zu einem der besten “Horror”-Filme dieses Jahres machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Von allen Filmen, für die Blumhouse Productions in den letzten Jahren verantwortlich gewesen ist, liefert der mit Abstand das überraschendste Ergebnis und verblüfft in jederlei Hinsicht mit einer bislang unbekannten Ernsthaftigkeit und Professionalität.
Der Zuschauer wird nicht mehr durch Vorhersehbarkeit geplagt, sondern erhält die beste Unterhaltung mit erstaunlich wenig Punkten, an die man anecken könnte.
Bravo – weiter so, dann gewinnt ihr mich noch zum Fan!

 
Nachspann
kommt keiner, außer den üblichen Namensnennungen.
Kinostart: 16. November 2017

Everybody Wants Some!!

Willkommen in den 80ern. Willkommen bei Everybody Wants Some!!

Mit diesem Stück Filmgeschichte entführt man die Zuschauer zurück in vergangene Jahrzehnte und lässt erneut den Kult der 80er aufleben, wenngleich man es auch eher als späte Vorstellung der Endsiebziger bezeichnen könnte, da sich das Wesen des Films nicht an den Dingen orientiert, die die meisten mit den 80ern in Verbindung bringen.

Dennoch rührt man mit großem Können den Cocktail vergangener Tage an und erzählt die Geschichte junger Männer auf ihrem Weg ins Leben. Getrieben von den üblichen Problemen, mit denen angehende Collegestudenten zu kämpfen haben, begleitet man hier eine Truppe von Jungs auf dem Weg zum Erwachsensein.

Richard Linklater erschafft nicht nur ein Meisterwerk jugendhafter Erfahrungen, sondern entführt mit authentischer Detailverliebtheit in ein Jahrzehnt, an das sich viele gerne zurückerinnern und lädt somit zum Schwelgen in historischen Erinnerungen ein. Der ungetrübte Stil, der sich in Musik, Disco, Erfahrungen, Schallplatten, Haarschnitten und vielen anderen Wesenszügen auszeichnet, dominiert hier nicht nur das Szenenbild, sondern erschafft eine Aura, die einen für 117 Minuten tatsächlich zurück in das Jahrzehnt katapultiert, in dem ich geboren wurde.

Dieses Werk ist fast schon eine kulturträchtige, musikalische Hommage an die späten 70er, die diese Zeit und seine unverkennbaren Merkmale zelebriert und ausschmückt. Und genau wie heute widmete man sich damals auch eher den unterhaltsameren als den sinnstiftenden Dingen und stolperte eher ins Leben als wissende Schritte zu gehen, die auf Erfahrungen anderer basierten.

Dieser Film ist ein Feelgood-Movie, der sich nicht nur mit typischen Elementen dieser Zeit abgibt, sondern auch Grenzen, Rivalitäten, Selbstfindung und andere wichtige Komponenten des Lebens behandelt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man aus dieser Vorstellung wieder heraustritt, ist man berauscht von einem Jahrzehnt, das langsam in Vergessenheit zu geraten scheint.

Linklater erschafft hier ein zeitgeschichtliches Wunder und lässt den Geist der 70er erneut aufleben. Detailverliebt und authentisch hat man hier sorgsam nach Requisiten und anderen zeitgeschichtlichen Dingen geforscht, die ein so dermaßen überzeugendes Abbild dieser Zeit wiedergeben, dass man sich nach dem Abspann kaum von dem Film verabschieden kann.

Die Musik ist fantastisch und brilliert neben unzähligen anderen Dingen. Insgesamt zeugt dieses Werk davon, dass die Macher ihr Handwerk tatsächlich verstanden haben und man nicht nur vom Hörensagen aus dieser Epoche berichtet.

 

Nachspann
sollte man sich ruhig antun, hier werden die Darsteller nochmals in einem lustigen Musikvideo vorgestellt.

Kinostart: 2. Juni 2016

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