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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Stromausfall

London has fallen

Dieser Film hat einen ganz gewaltigen Fehler: Er genießt verdammt gute PR.
Gerard Butler und Morgan Freeman in einem Trailer zu zeigen, der vor Action-Andeutungen nur so überquillt, endet zumeist in der Tatsache, dass die Massen tatsächlich ins Kino rennen und sich diesen Film als Entscheidung der Woche auserwählen.
Und nun stehen wir vor zwei Problemen. Erstens: Es gab schon mal so ein Teil, nämlich Olympus has fallen, der sich inhaltlich nicht sonderlich von der jetzigen Geschichte abhebt, und zweitens: Der erste Versuch war bereits grottenschlecht.
Auch hier klaffen wieder Logiklücken, die jeden mit Verstand gesegneten Zuschauer bitter zu Gott flehen lassen, dass dieses Dilemma bald enden möge. Diesbezüglich hätten die Macher gut daran getan, sich wenigstens um einige Grundprinzipien der Physik zu bemühen, um nicht alle gemeinen Zuschauer böse vor den Kopf zu stoßen, wenn es um ganz banale Tatsachen geht, die längst nichts mehr mit überzogener Action oder dramatischer Übertreibung zu tun haben.
Um hier nicht zu spoilern, aber dennoch darauf hinzuweisen, was ich meine: Zwei Meter daneben passiert dann nichts mehr, wenn es explodiert, ja? Im Ernst?
Überhaupt wirken die Explosionen hier zwar mächtig gewollt, jedoch fehlt ihnen eine Substanz, die beispielsweise der Trailer von Independence Day – Wiederkehr vermittelt: Stärke. Man spürt einfach das Fehlen von Geld betreffend der CGI-Momente, mit denen im Film ganz rar umgegangen wird. Ironie off.
Irgendwie wird damit der dramatische Absturz eines Flugzeugs mal eben zur schlecht eingespielten Computerspielsequenz, die mehr die Information über das Geschehen vermittelt, als mit Imposanz eine cineastische Erfahrung auf die Leinwand zu produzieren, die dem Zuschauer die Gänsehaut auf dem Rücken stehen lässt. Diesbezüglich lob ich mir Teil 7 der Fast and the Furious-Saga, die auch mit Action maßlos übertrieben, dabei aber den Wumms nicht aus den Boxen geklaut haben, sondern sowohl sound- als auch bildtechnisch ordentlich aufs Gewand hauen. Und diese unterschwellige, fundamentgebende Stärke fehlt hier vollends.
Dass man sich bei dieser Art Unterhaltung nicht über den Stoff selbst austauschen darf, versteht sich von allein. Selbst da wäre ich so kulant zu sagen, dass man hier einfach freigeistige Schöpfungskreativität in einen Popcornstreifen legt, der zu nichts anderem taugt, als die Bassboxen mal wieder von ihrem angesammeltem Staub zu befreien – aber wenn genau dieser Punkt dann ins Leere trifft und hier absolut kein Widerstand zu spüren ist, dann geht für mich als Zuschauer die Story mitsamt allem dahinter komplett den Bach runter.
Und dass hierbei dann meine sowieso schon extrem niedrigen Erwartungen untertroffen werden, hätte ich wirklich nicht erwartet. Aber was will man machen: Die Kinosäle sind voll, die Massen rennen rein, der Trailer und damit die PR-Jungs haben ganze Arbeit geleistet und mit dem Ergebnis wird Kohle verdient – finanziell gesehen also alles richtig gemacht.
Schade finde ich hierbei eigentlich nur, dass das Thema gar nicht so blöd ist, wie man anfangs denkt, denn hieraus könnte man tatsächlich eine gigantische Schlacht epischen Ausmaßes herauskitzeln, was wiederum aber extrem viel Fingerspitzengefühl benötigt, um damit auch die etwas intellektuellere Schicht der Kinogänger anzusprechen. Und für sowas reißt sich heutzutage wohl kaum noch jemand den Arsch auf, oder?
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ihr des Trailers wegen da reinspaziert seid, erwartet keine gigantischen Trümpfe.
Butler bemächtigt sich zwar seiner kuriosen und teilweise überzogenen Brutalität in Wort und Tat, das allein reicht aber nicht aus, um den Film die ganze Spielzeit über am Laufen zu halten.
Hier fehlt meines Erachtens nach einfach ganz viel Glaubwürdigkeit und eine Brise mehr Wumms hinter den teilweise lieblosen Animationen grandioser Zerstörungsmomente, die – mit den richtigen Mitteln – durchaus in cineastischen Nervenkitzel verwandelt werden könnten.
Hier hat man scheinbar an den falschen Ecken gespart und damit die Fortsetzung eines bereits in meinen Augen misslungenen ersten Teils grandios zum Scheitern verurteilt.
Sollte Teil 3 folgen und der wieder mit den gleichen rabiaten Mitteln aufspielen, ändere ich meine Meinung und halte fest, dass ich dieser Form der Unterhaltung einfach nichts abgewinnen kann und somit das völlig falsche Publikum für sowas bin.
Und bis es soweit ist, rate ich euch dringend davon ab, diesen Film im Kino zu sichten. Wartet lieber auf ProSieben, da kostet euch der Spaß dann wenigstens nichts.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, auch wenn hier nochmal züngelnd der teils an Epik grenzende Soundtrack etwas aufspielt, die Kiste aus dem Sand ziehen diese Minuten dann auch nicht mehr.

Krampus

Humor ist so eine Sache. Die einen mögen, was die anderen hassen – und vice versa. Bei schwarzem Humor sieht es da schon ein klein wenig anders aus, mit dem kommt man zurecht – oder eben nicht.
Wenn darum dann noch ein herrlich wüster, irrwitzig schräger Film gebastelt wird, der sich nicht mit den Rühmlichkeiten des zunichte gemachten Weihnachtsfestes abgibt, sondern eher den dunklen Schatten das Feld räumt, dann erhält man einen Film, der in meinen Augen der beste Weihnachtsfilm dieses Jahres überhaupt ist: Krampus.
Schon der Trailer ließ mein Herz vor Freude zucken, denn ich steh auf Horror, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt und man nicht vor billige Tatsachen gestellt wird, mit denen man sich abzufinden hat.
Krampus macht hier den Unterschied, indem man einfach jegliche Normalität wegnimmt und so dermaßen über den Rand hinausschießt, dass es nicht mehr lächerlich, sondern beängstigend real und vor allem fast schon tiefgründig zur Sache geht. Trotz des Irrsinns knistert hier eine ernstzunehmende Authentizität durch den Raum, die sich eben nicht mehr nur um eine Saga aus südlichen Gefilden unserer Breitengrade dreht, sondern ein Stück weit mehr sein will … und auch ist.
Es gab Szenen, bei denen ich mir dachte: “Endlich räumt mal jemand mit dem Verkorkstsein des wirtschaftlich und religiös zunichte gemachten Weihnachtsfests auf und richtet die Dinge wieder gerade.” Keine Einkäufe, kein Geldausgeben, kein Zwangsschenken, keine liebe heile Welt, obwohl man sich das ganze Jahr über nur anschreit und eigentlich alles im Argen liegt – sondern reinen Wein in volle Gläser.
Die Ehrlichkeit, mit der die Thematik hier angegangen wird, ist Balsam für das zerschundene Seelenherz, dass sich tief drin eigentlich sehr nach einer Welt sehnt, die in Ordnung ist. Insofern ist es fast erlösend, wenn die Kacke dann so richtig am Dampfen ist und man mit wunderbar überzogenen Effekten und derartig abstrusen Ideen durch den Kakao gezogen wird und währenddessen weder von Schauspielern noch Machern von einer bitterbös-schwarzen Ironie abgewichen wird. Die Trockenheit, mit der die überdrehten Witze rüberkommen – poetisch!
Die Eskalation, in der die Geschichte schon fast zu Beginn mündet, ist sowas von an den Haaren herbeigezogen und gleichzeitig so ernst, so “echt”, so non-unrealistisch – kein Plan, wie man das auf die Reihe gekriegt hat.
Gefeiert hab ich auch am Schluss, als endlich mal eines der Filmenden auf dem Tisch lag, von dem ich seit Jahren träume. Ein Paukenschlag, ein Finale, das nicht nur wunderbar zu diesem Film passt, sondern fast 1:1 meinen Lebenstraum eines Filmendes widerspiegelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte viel Toleranz und Handlungsspielraum im Schädel mitbringen und den Film nicht anhand von anderen bewerten wollen, denn das ist nicht möglich.
Krampus liefert schwarzen Humor reinster Güte verbunden mit der Entwirrung des ganzen Christmas-Wahnsinns in einer Geschichte, die ganz zum Schluss einfach nur Sinn ergibt und mit ihrer Botschaft – sofern man sie versteht – ganz tief drinnen ankommt.
Für mich einer der besten Weihnachtsfilme überhaupt, bei dem man allerdings nicht popcornmampfend dasitzen und sich unterhalten lassen kann, sondern ganz genau hinsehen und vor allem zuhören muss.
Wer das tut, der geht hinterher auch gern nochmal rein, denn irgendwie wirkt die “dunkle Magie” auf ihre ganz eigene Weise. Der zynische Charme versprüht allzeit weihnachtliche “Wärme”.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf getrost nach draußen springen.

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