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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Streit Page 1 of 2

Trouble

Trouble

© 2018 Kinostar Filmverleih GmbH

Anjelica Huston – diese Frau ist mir persönlich zuletzt von Die Nebel von Avalon in Erinnerung, ein Werk, das kaum jemand kennt und das man definitiv gesehen haben darf. Und auch, wenn diese Dame einen beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen und für ihr Schaffen inzwischen erkenntlich viele Preise bekommen hat … so wirklich “präsent” auf der Leinwand hab ich sie nie empfunden.

Ein wenig anders ist es schon mit Bill Pullman, der in meinem Leben erstmalig in Spaceballs in Erscheinung trat und dessen wohl prominenteste und in meiner Kindheit auch prägendste Rolle als Präsident in Independence Day sowie dessen Nachfolger war und damit sein Konterfei in mein Gehirn einbrannte.

Beide gemeinsam treten nun in Trouble gegeneinander an und brüsten sich mit verbaler Schlagkräftigkeit und dramatischer Lethargie. Die Aufschlüsselung, die man dem Plot angedeihen ließ, reißt mich zwar nicht sonderlich vom Hocker, die Rollenverteilung – bei der Huston definitiv die besseren Karten zugeschanzt bekommen hat – ist aber amüsant und sorgt grade zu Beginn des Films für unglaublich viel Kurzweil.

Dennoch hat mir – um hier eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen zu können – einfach zu sehr das gewisse Extra gefehlt. Man stellt sich eher die rollkragenpullovertragende Oma-Armada vor, die glückselig die Kinosäle bereist und wahnsinnig empört wieder nach draußen kommt, was heutzutage alles fürn Mist gedreht wird – auch wenn das jetzt unfassbar klischeehaft und vorurteilsbehaftet klingt … aber genau so ging’s mir: Es ist eben fast alles Heiter-Sonnenschein und damit einer dieser “American Moms”-Filme, die zwar herzallerliebste Szenen beinhalten, jedoch die Masse nicht beeindrucken und für die coole Gefolgschaft an Peinlichkeit kaum zu überbieten sind.

Damit muss man klar kommen, dann hat man mit diesem Film auch seine helle Freude.

.kinoticket-Empfehlung: Nicht zwingend für jüngeres Publikum geeignet, dafür aber bissig, scharf und genau so, wie sich “Oma” den Verlauf einer Story wünscht.

Kann man sich sehr wohl anschauen, sollte aber bedenken, dass dies eher für die gesetzteren Altersklassen geschaffen ist und nicht zwingend Schulfhoflektüre.

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Trouble
Length: 100 Min.
Rate: FSK 12

Der Affront

Der Affront

© 2018 Alpenrepublik GmbH

 

The Insult – wie der Titel im Original heißt – war 2018 der libanesische Beitrag in der Kategorie “Bester fremdsprachiger Film” bei den Academy Awards und hat es seinerzeit leider nicht geschafft, den Goldjungen zu ergattern. Ein Wunder, dass es – trotz dieser prestigereichen Nominierung – so lange gedauert hat, bis dieser Titel auch in Deutschland endlich das Licht der Leinwand erblicken und einem breiten Publikum zugeführt werden darf. Die Nominierung ist nämlich völlig rechtens, denn dieses Ding hat mit wenigen Mitteln extrem viel zu sagen.

Geht’s hier um was Menschliches? Was Politisches? Was Gesellschaftliches? Historisches? Geht es um Nächstenliebe? Um örtliche Streitereien? Um Geschichte? Um wahre Begebenheiten?

Auch wenn dieser Streifen sich offensichtliche Themen herausgepickt hat und diese auch benennt, so ist das Interessante daran doch, dass sich das Problemfeld ohne Weiteres auf viele anderen Bereiche und Themen übertragen und anwenden lässt und man gar nicht weit in der Zeithistorie zurückgreifen muss, sondern ebenfalls ganz aktuelle und nahe Beispiele hernehmen und die Geschehnisse darauf anwenden kann.

Und diese Präzision, mit der man hier in geschichtliche Wunden schneidet, sie juristisch ausbluten und menschlich ad absurdum führen kann, ist in jedem Falle sehenswert und zeugt von großem Charakter. Ziad Doueiri wusste genau, was er tat und man spürt, dass er hier auf wahre Begebenheiten zurückgegriffen hat, die er als Filmstoff interpretiert und damit der Welt einen fantastischen Streifen vermacht hat, der die Fähigkeit besitzt, krankhafte Wunden auf wirkungsvolle Art und Weise zu heilen.

Und diese Heilung zu erleben, dieses Wohl an Gutmütigkeit und Liebe inmitten von tiefschürfendem Hass zu spüren, ist eine Wohltat, die mit Geld nicht bezahlbar ist, an der man mithilfe eines .kinotickets aber teilhaben kann. Und diese Erfahrung gemeinschaftlich zu erleben sollte sich niemand entgehen lassen, also kauft euch die Eintrittskarten und genießt den Film gemeinsam im Kino und redet danach darüber. Damit macht ihr die Welt zu einem besseren Ort!

 

.kinoticket-Empfehlung: Sehr empfehlenswerte Kost, die sich sehr affin und wirksam um langjährige Wunden kümmert und diese heilen lässt.

Das Metier, in dem sich der Film bewegt – und zu was er dann wird – ist atemberaubend spannend und Bilderbuchlektüre für sämtliche Generationen und Völker dieser Erde. Schaut es euch an!

 

Nachspann
❌ lohnt sich nicht zu warten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: The Insult
Length: 113 Min.
Rate: FSK 12 | R

Der Vorname

Der Vorname
© 2018 Constantin Film Verleih GmbH

 

Theateradaption von Regiemeister Sönke Wortmann neu für die Leinwand erfunden, um das Kinopublikum mit anspruchsvollen Inhalten zu begeistern: Ich liebe es, dass dieser Schachzug nun mehr und mehr ausgeführt wird und man sich auch ohne Abendgarderobe an diesem niveauvollen Anspruch erfreuen kann.

Dabei trifft man inhaltlich nicht mal wieder nur absolut den Kern, sondern bewegt sich in süffisant-humorvollen Gefilden, die Spaß, Ehrgeiz, Diskussionsfreudigkeit und tief empfundene Freundschaft zelebrieren.

Es ist herrlich, den schrägen Ausführungen der Protagonisten zuzuhören, die sich zum gemeinsamen Mahl verabredet haben und dabei allerlei verbalen Schabernack treiben. Dass dabei jeder seine Rolle gefunden hat und darin hervorragend aufgeht, versteht sich von selbst. Für eine deutsche Produktion unverhältnismäßig gut umgesetzt und in höchstem Maße unterhaltsam, so wie man sich eben perfektes Kino wünscht: Viel gute Laune, supertolle Bilder, hervorragende Twists und jede Menge Bauchschmerzen vom Lachen.

Und all das, ohne unter die Gürtellinie abrutschen zu müssen, um irgendwelche Zuschauer zu ködern oder sonstige billige Tricks anzuwenden, sondern konsequent auf einem Niveau, dass ich persönlich zutiefst erbaulich finde. Und dass das Münchner Premierenpublikum sogar während der Vorstellung Applaus spendete, zeugt ebenso von einem gelungenen Auftritt, den es so selten gibt.

Großartig – weiter so!

 

.kinoticket-Empfehlung: Verbale Gaudi auf höchstem Niveau: Man diskutiert hier in wundervollem Ambiente über Themen, die die Welt bewegen und erschafft dabei eine humorgeladene Atmosphäre, in der sich jeder Zuschauer einfach wohlfühlen muss!

Der Film überrascht mit großartigem Humor und einer Peinlichkeitsfreiheit und gleichzeitig mit tollen Twists. Gelungener könnte ein Kinoabend nicht werden als mit diesem Titel! Unbedingt reingehen!

 

Nachspann
❌ kümmert sich dann endlich auch um den Nachnamen, bereitet ansonsten aber keine Überraschungen, rausgehen ist also erlaubt.

Kinostart: 18. Oktober 2018

Original Title: Der Vorname
Length: 91 Min.
Rate: FSK 6

 

Und zum Schluss gibt’s noch ein paar exklusive Einblicke vom Red Carpet im mathäser Filmpalast in München, wo am 9. Oktober 2018 ein Special Screening des Films stattfand, für das natürlich der komplette Cast mit Regisseur Sönke Wortmann und Produzent Tom Spiess geladen war, das auch viele Prominente besuchten.

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Sky-Moderator und Synchronsprecher Sebastian Höffner

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Schauspielerin Veronica Ferres und Constantin Film Verleih Marketing & Filmpresse-Geschäftsführer Torsten Koch

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Tänzerin, Choreographin, Fotomodel & Schauspielerin Tiger Kirchharz

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Das Schauspielerensemble Christoph Maria Herbst, Iris Berben, Justus von Dohnányi, Janina Uhse und Florian David Fitz

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… gemeinsam mit Regisseur Sönke Wortmann

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Schauspieler Christoph Maria Herbst und Florian David Fitz

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Schauspieler Justus von Dohnányi und Schauspielerin Iris Berben

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Florian David Fitz und Schauspielerin Janina Uhse

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Buchautorin Rita Falk

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Im Saal beim Special Screening von Der Vorname im mathäser Filmpalast in München am 9. Oktober 2018

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Kindeswohl (mit Gewinnspiel)

Oscarpreisträgerin Emma Thompson, Oscar-Nominierter Stanley Tucci, Weltbestseller … normalerweise mag ich solche Promo-Superlativen überhaupt nicht. Emma Thompson hat für ihre Darbietungen auf dem Filmfest München sogar noch den CineMerit-Award verliehen bekommen. Und keiner hat bisher etwas von dem Film gehört. Zumindest mal nicht in meinem Umfeld.
Zeit, das dringend zu ändern.
Ja, ich liebe Tucci in jedem einzelnen Film, den ich mit ihm auftreiben kann. Und damit meine ich nicht bloß den vielzitierten Der Teufel trägt Prada! Der Mann kann schauspielern – und zwar richtig gut!
Und Emma Thompson? Der Award ist verdient – den hätte der Regisseur dieses Werks genauso verdient. Kindeswohl haut euch nämlich endlich wieder mal so richtig derbe psychisch in die Fresse – und betreibt dabei gleich vielschichtige Aufklärung, indem er Blicke hinter die Kulissen verschiedener Schaffensarten bietet und den Menschen somit Einblicke und Verständnisse gewährt, die man durch schnelllebige Nachrichten-Titelzeilen eben nicht mehr vermitteln kann.
Dieser Blick von der anderen Seite des Tisches aus ist sehr erfrischend und anders und tut auf der Leinwand einfach mal ungemein gut. Und was gleichermaßen fasziniert, ist die Auseinandersetzung mit strittigen Themen, die auf eine definitiv bleibende, rührende und ergreifende Weise verarbeitet werden, dass man a) versteht und b) emotional völlig auflöst und dahingebasht ist. Hier geht niemand (!) unverändert wieder aus dem Saal, was den Film für mich zu einer der wertvollsten Perlen dieses Filmjahres macht.
Und ja, ich habe ihn bereits vor Kinostart drei mal (!) gesehen und nehme jede weitere Möglichkeit dankend in Anspruch, denn DAS ist wahre Filmerhabenheit. Man könnte sagen, Thompson ist die seriös-elegante Variante von Meryl Streep, der man komödienhaftes Verhalten eher abkauft. Die Eloquenz und das Verhalten dieser Frau schreit förmlich nach einer Auszeichnung, denn ihr Talent wertet den Film so dermaßen auf, dass es fast schon weh tut!
Und nicht nur das, die Kombination mit Tucci und dem Neuankömmling Fionn Whitehead, den viele durch Dunkirk kennengelernt haben, läuft in diesem Fall so rund, dass man sich vollends in die Story fallen lassen kann und auch von nichts abgelenkt wird. Keine subtilen Kamerafahrten, keine rührseligen Computereffekte, sondern der reine Tiefgang, der sich selbst den Weg IN die Knochen rein bahnt. Und das hier ist kein Horrorfilm!
Glaubt mir, wenn ich euch darum anflehe: Nehmt euch die Zeit und geht in’s Kino, um diesen Film zu sehen – diesmal gibt es wirklich keine Ausreden, noch nicht mal die “Ich hab kein Geld für sowas” – denn:
 
G E W I N N S P I E L
Concorde Filmverleih GmbH hat für euch als meine treue Leserschar ein paar Freitickets locker gemacht, die ich an euch weiterverlosen darf. Das Prozedere kennt ihr: Schreibt mir in die Kommentare, mit wem ihr diesen Film sehen wollt und tut dies bis einschließlich 30. August 2018. Gebt hierbei eine gültige E-Mail Adresse an, damit ich euch im Gewinnfall benachrichtigen und eure Adressdaten abfragen kann, um euch die Freitickets zuzuschicken.
Diese könnt ihr dann – wie gewohnt – in einem beliebigen Kino einlösen, das diesen Film im regulären Programm zeigt und in der gewünschten Vorstellung noch freie Plätze zur Verfügung hat. Einfach an der Kinokasse abgeben und Freiticket dafür bekommen.
 
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Und glaubt mir, es lohnt sich!
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film schaffte es bei mir 3x nacheinander, Sprachlosigkeit und tiefe Betroffenheit zu erzeugen.
Es ist unglaublich, mit welch dramatischer Wucht man hier in die Gefilde der emotionalen Rechtsprechung vordringt und einen Fall schildert, der einem lange im Gedächtnis bleibt: Danach versteht man diese Welt ein Stück weit besser und ist innerlich ein anderer Mensch! Für mich zählt dieser Film schon jetzt zu den Top 10 des Jahres!

 
Nachspann
✅ Sitzen bleiben, hier kommt noch etwas.
Kinostart: 30. August 2018

Destination Wedding

Ich sehe schon wieder die Frauenwelt vor mir: Man liest "Wedding" und packt schonmal die alten Hochzeitsbilder aus und schreit vergnüglich vor Freude an Hochzeiten … Ahhhhhhh :)))))) #tränchen #geil #hochzeitskleid #opernballstimmung …
Ich darf euch freudiglich enttäuschen: Keanu Reeves und Winona Ryder haben keinerlei Interesse daran, Kitschwelten neu aufleben zu lassen. Genau an dieser Stelle waren viele Damen enttäuscht, eben nicht das gesehen zu haben, was sie erwartet hatten, sondern mit einem völlig neuen Konzept überstülpt worden zu sein, an dem sogar auch Männer Spaß haben dürften.
Es ist nämlich großartig! Die Ideen, die stümperhafte Umgangsweise mit einem so zärtlich besaiteten Thema, die Art und Weise von Annäherung, Ablehnung, Destruction und ironischer Hassliebe – etwas derartiges hat es in so einer Form noch nie gegeben und ich finde auch beide Schauspieler wunderbar dafür gecastet.
Der Film lebt vom Dialog. Vom Ballspiel einer sarkastisch-zynischen Lebensweise, die ihre Höhepunkte im gemeinsamen Ausloten und Ablehnen von allerorts beliebten Ritualen und dabei selbst eine neue Form des Aushaltens findet. Und das machen sowohl Drehbuchschreiber als auch Darsteller in vergnüglicher Perfektion.
Wer mich kennt, weiß, dass Andersartigkeit mein zweiter Vorname ist und ich eben deshalb auf genau diese Art Film stehe. Ich möchte nun keinen Twist vorwegnehmen oder andere Dinge verraten, darum nehmt euch ein Herz und beruhigt die Hochzeitshasser: Für sie ist dieser Film wie geschaffen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Devastation eines überhypten Themas mit Darstellern, die in genüsslicher Manier gesellschaftliche Rituale grandios zerpflücken und die Schönheit in atemberaubenden Dialogen systematisch zerstören.
Die Andersartigkeit ist berauschend und genau das macht den Film sehenswert: Man bekommt eben nicht, was man erwartet, sondern eine völlig neue Erfahrung, mit der man sich spätestens zwei Tage später dann doch anfreundet, sofern die ursprünglichen Erwartungen enttäuscht wurden.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 2. August 2018

Die Wunderübung

Ich müsste jetzt selbst rätseln, wann ich damit begonnen habe, meinen Kollegen in der Presse zu beweisen, dass auch in Zukunft immer öfters Theaterkonzipierungen auf die Leinwand geboxt werden, vielleicht, um dort neue Kundschaft anzulocken und Theater als solches interessanter zu gestalten, vielleicht auch, weil die Stoffe teilweise einfach zu gut sind, um nur in einer Form des Kunstauslebens zelebriert zu werden – ich weiß es nicht.
Fakt ist: Das Ding ist ewig her, dass ich es schon gesehen habe – und genauso lang brennt meine innere Glut, endlich offen und zeitnah darüber berichten zu dürfen!
Jungs? Streift eure Jeans über, schlüpft in eure coolen Sneakers, tragt euren Ghettoschmuck oder geht im Blaumann: Im Kino gilt kein Dresscode und euren Damen dürft ihr trotz allem die teuren Kleider überstreifen (glaubt mir, die lieben sowas!) – und dann Abmarsch ins nächste Lichtspielhaus, dass euch brühwarm Die Wunderübung präsentiert.
Selten so gelacht!
Wirklich jetzt. Kein Witz! Was tut man, wenn einem in bestimmten Bereichen die Fähigkeiten zur Perfektion und Volksliebe fehlen? Man sourct sie aus. Dass Deutschland ein großartiges Problem mit Dialogschreibern hat, wissen wir ja inzwischen alle. Also? Man sourct es aus – und holt sich die Dialoge einfach aus dem Theater!
Monströs, was Devid Striesow (sag mir mal einer, warum ich den immer als Hape Kerkeling im Kopf habe) und Aglaia Szyszkowitz hier auf dem Kasten haben und in diesem kleinen Kammerspiel zum Besten geben! Diese Dialogschärfe, die einem hier 92 Minuten lang um die Ohren gehauen wird, strotzt nur so vor Können und Brillanz! Die beiden MÜSSEN einfach gemeinsam auf der Bühne gestanden und dieses Ding hunderttausendmal miteinander gespielt haben, sonst würden sie nicht so grandios miteinander harmonieren und diese Show abziehen können!
Und ich wiederhole mich: Ich bin kein Typ, der sich selbst im Theater wiederfindet oder diese Form der geistigen Nahrungskette je ernsthaft ausprobiert hätte. Sollte das also der Plan gewesen sein: Euer Ziel ist erreicht: Ich interessiere mich für eure Stücke! Auch wenn ich mich in Zukunft wohl auch weniger aus dem Kino raus bewegen werde (das ist immer so, als würde der Sprit aus dem Tank laufen und nicht in ihn hinein – es fühlt sich falsch an) – aber bringt mir bitte einfach in Zukunft mehr von dieser Art auf die Leinwand… eines Tages werde ich mich mit einem Theaterticket dafür revanchieren. Versprochen!
Und so lange gilt:
 

.kinoticket-Empfehlung: Rein rein rein!
Die Dialoge sind zum Schreien komisch und auch der Plot ist sagenhaft genial aufgebaut, man spürt einfach, dass hier Inhalte zählen und keine Zeit an Nebensächlichkeiten verschwendet wurde, obwohl auch die allesamt matchen. Daniel Glattauer hat’s einfach drauf und beweist dies jetzt nicht nur in Kolumnen oder Theaterstücken, sondern eben auch auf dem Big Screen.
Was hält euch auf, ihn dort zu bewundern? Los jetzt!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 28. Juni 2018

Die brillante Mademoiselle Neila

Der Titelschriftzug sagt im Prinzip schon alles aus: Brillant!
Man sollte sich auf jeden Fall auf den Weg machen und diesen Film suchen! Wo immer er läuft – jedes Kino ist recht, hauptsache man geht rein und sieht ihn! Im Rahmen der galanten Suche nach kunsttragender Orientierung innerhalb eines Geschwulsts aus Politik, Intrigen und infantiler Dummheit entpuppt sich auf einmal ein intellektuelles Stück Lehrgeschichte, dass nicht nur von Eleganz getragen wird, sondern vor allem durch seine niederschmetternde Lehre punktet und dabei allen Argumentatoren sämtliche Register aus der Tasche klaut und sie vernichtend schlägt.
Obwohl man geistesschreiend nach Abwehr-Reaktionen sucht und flehentlich bittet, dass dieser politisch inkorrekten Verhaltensweise keine Klarheit angedeihen möge: Der Film ist gnadenlos und verfolgt seine bitteren Ziele bis zum Schluss – und die Erleuchtung ist großartig!
Ja, ich war zwiegespalten, als ich geohrfeigt wieder aus dem Laden rausgetrümmert wurde und wusste erstmal nicht wirklich was mit mir anzufangen. Doch letzten Endes sind diese Methoden bei weitem Ungeschlagen und: Trotz Schmerz und körperlichen Qualen: Sie tragen Früchte und sollten wohl auch in unserem Alltag desöfteren mal angewandt werden, um die Menschen stark zu machen, die diese Stützen dringend brauchen und ihnen eine Waffe an die Hand zu geben, mit der sie ihr Leben herausragend meistern.
Wer jetzt glaubt, ich rede von “Randgruppen” oder der Ansicht ist, ich breche hier bestimmte Bevölkerungsgruppen auf irgendwas runter, der irrt: Ich rede von jedem einzelnen! Denn jeder Mensch ist auf irgendeinem Teil der Welt einer Randgruppe zugehörig und damit “potentiell gefährdet, selbst auf der Schlachtbank zu sitzen”.
Und was wären wir froh darüber, würden wir anstelle der Hauptdarstellerin da stehen und das mit auf den Weg bekommen, was sie bekommen hat…. Warte mal…. durch den Film würde dann ja genau das eintreten. Also aufhören zu quatschen und Abmarsch ins Kino => Lehrstunde!
 

.kinoticket-Empfehlung: Intellektuelle Sahnekirsche mit großartigen Schauspielern und einem Plot, der garantiert Diskussionen auslöst!
Die himmelschreiende Unfassbarkeit in einer Zeit, in der politisch korrekter Schwachsinn Hochkonjunktur ohnegleichen feiert – ein Film, der nicht besser in unsere Epoche passen könnte. Und jeder von uns hat eine Menge daraus zu lernen.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 14. Juni 2018

Alles Geld der Welt

Alles Geld der Welt hat bereits in den Medien mit jeder Menge internationaler Aufmerksamkeit von sich reden gemacht, die ich jetzt nicht mehr großartig ausführen möchte – allerdings lasse ich mir nicht die Chance entgehen, hier mal einige Spekulationen zu beenden, die in meinen Augen oft nicht richtig im TV wiedergegeben werden:
Wir alle wissen, dass Kevin Spacey wegen diesen Vorwürfen aus der Produktion geschmissen wurde, damit – so die offizielle Pressemitteilung der Filmemacher – “… die bedauernswerten Anschuldigungen gegen einen Nebendarsteller nicht einen Film beschädigen, an dem über 800 Schauspieler, Autoren, Künstler, Handwerker und Crewmitglieder mehrere Jahre lang unermüdlich und unbescholten gearbeitet haben.”
Fakt ist, dass Christopher Plummer schon von Anfang an die erste Wahl von Ridley Scott gewesen ist und sich die Studios im Nachgang für Kevin Spacey entschieden haben, da dieser als Oscar®-Preisträger eine wesentlich höhere Bekanntheit hatte und vermutlich mehr Zuschauer in die Kinos gelockt hätte.
Tatsächlich hat man sich deshalb gegen den Willen der Macher für ihn entschieden, bis dann die Vorwürfe auftauchten, die Scott seinerseits dazu nutzte, den von ihm schon anfangs favorisierten Christopher Plummer einzusetzen, was in meinen Augen definitiv die richtige Wahl gewesen ist.
Dies führt mich zu zwei Punkten: Einerseits erkennt man hier – in einem Film, in dem es perverser Weise um Geld geht – mit welchen Mitteln tagtäglich in Hollywood gearbeitet wird, um eigentlich sensationelle Gedanken und kreative sowie künstlerische Prozesse so niederzubügeln, dass sie an einen kalten, emotionslosen Markt angepasst sind und möglichst viel Geld in die Kassen spülen, was sich als negatives Beispiel an sich selbst rächte, da genau der gewünschte Vorteilseffekt durch die unentschuldbaren Anschuldigungen jetzt ins Gegenteil verkehrt wurde und man jetzt paradoxerweise Angst davor hatte, dass die Zuschauer den Film gerade deshalb boykottieren.
Andererseits ist es ein Paradebeispiel dafür, woran Hollywood schon seit Jahren erkrankt ist: Junge, talentierte, erfahrene und fähige Menschen trumpfen mit tollen Ideen, klasse Erfindungen, filmischen Interventionen und anderen brauchbaren Möglichkeiten auf, die dann allesamt von den Studios in eine massentaugliche, langweilige und von allen Spitzen befreite Lahmarschigkeits-Maschinerie umgewandelt werden, die sich weder am künstlerischen Potenzial, noch an freigeistigen Ideen, sondern einzig und allein an einer perfekt optimierten Vermarktungsstrategie orientiert, der nichts mehr heilig ist: Nischen werden nicht mehr bedient, man möchte niemanden mehr vor den Kopf stoßen und opfert seine prätentiösen Möglichkeiten einer öffentlichen Zurschaustellung, die in einer desaströsen medialen Schlacht endet.
Bei Alles Geld der Welt ist jetzt eher unfreiwillig genau das passiert, was ich so vielen Filmen immer wünsche: Er wurde von den alles beherrschenden Gier-Mentalitäten der Publisher befreit und genießt nun auf einmal wieder ungestört das künstlerische Potenzial, dass sich Scott anfangs genau so ausgemalt hatte, wie es jetzt final auf der Leinwand zu bestaunen ist: Mit einem Christopher Plummer in Höchstform!
Ganz ehrlich: Ich habe den Titel bereits gesehen, als die Anschuldigungsvorwürfe noch ganz am Anfang standen und die Presse sich noch nicht wie die Geier über die Story hergemacht hatte und habe es – da ich Spacey als Schauspieler höchst schätze, weil er einfach verdammt gut spielt – verflucht, dass man jemand so talentierten wegen dieser Scheiße nun von der Leinwand verbannt … obwohl es definitiv gerechtfertigt ist und dieser Schritt absolut richtig war.
Beim Sichten habe ich jede Szene mit Plummer dann gedanklich auf Spacey übertragen und mich gefragt, wie er das gespielt hätte … oder allein, wie es mit seiner Stimme geklungen hätte – und da war ich bereits zu Beginn vollkommen davon überzeugt, dass niemals in der Geschichte jemand anderes als Plummer diese Rolle hätte spielen dürfen, weil Spacey dafür einfach der absolut falsche Mann gewesen wäre.
Man merkt so sehr, dass Plummer die Rolle so sehr auf den Leib geschrieben ist, da er als Person auch viel mehr an den echten Paul Getty rankommt. Ich meine, eine direkte Golden Globe-Nominierung spricht ja auch Bände.
Was ich nun bedenklich fände, wäre, wenn die Öffentlichkeit diesen Film aufgrund seiner medialen Skandal-Ambivalenz ignorieren würde, weil einfach schon zu viel darüber geredet wurde, denn das hat er nicht verdient.
Im Gegenteil: Die Botschaft des Films sollte mehr unters Volk verteilt werden, da man hiermit einen völlig neuen Blickwinkel auf Geld und Reichtum angetreten hat, der meiner Meinung nach absolut sehenswert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Plummer war von Anfang an gewünscht und ist kein Ersatz, sondern die erste Wahl – er spielt perfekt und macht aus dem Film etwas Großartiges!
Die skandalträchtigen News rund um diesen Film sollte man einfach beiseite schieben und sich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Nämlich, sich diesen Film auf die .kinotickets drucken zu lassen und ihn in einem Kino seiner Wahl zu besehen! Es lohnt sich – versprochen!

 
Nachspann
Nicht sitzen bleiben, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 15. Februar 2018

Schatz, nimm du sie

Deutsch. Komödie. Beziehungen & Familie. Drei Gründe für mich, um um diesen Film einen Bogen zu machen. Persönlich hätte ich ihn mir wohl auch niemals angeschaut, denn mein Interesse für so manches Werk erwächst tatsächlich desöfteren aus der Tatsache, dass hier dann wieder eine Rezensier-Möglichkeit mehr da ist und ich so anderen auch etwas Gutes tun kann.
An dieser Stelle sei der Mannschaft aus Augsburg gedankt, in deren Unterhaltung ich reingeplatzt bin und die mir diesen Titel wärmstens empfohlen haben.
Meine Kinoerfahrung war zwar unter aller Sau (Danke, Kempten!), der Film hatte aber durchaus seine Momente, die das deutsche Kino für sich wieder liebenswert erscheinen lassen.
Fakt ist, dass man mal keine Laiendarsteller oder Fernsehheinis, sondern tatsächlich Komiker und Satiriker besetzt hat, die an sich schon mal den wahnsinnig herzerwärmenden Vorteil mit sich bringen, dass sie SPRECHEN können! Und zwar normal! Dadurch erhebt man sich mit Schatz, nimm du sie schon mal aus der Masse mieser deutscher Filme heraus und zeigt einmal mehr, dass dieses Land tatsächlich in der Lage ist, sich international auf den Bildflächen nicht permanent nur zu blamieren.
Auch vom Plot war ich relativ angetan, der zwar im ersten Moment dahingehend anmutet, wie man es aus zig anderen Beziehungskrisen-Filmen kennt. Dadurch, dass man hier aber an Stellschrauben gedreht hat, die quasi völlig andere Themen glorifizieren und damit erneut frischen Wind in die Unterhaltung sprühen, erlebt man durchaus Momente, in denen es einfach Spaß macht, an dieser irren Tour beteiligt zu sein.
Die Konstellationen der einzelnen Darsteller und die verzweigten Verknüpfungen zwischen ihnen bekommen von mir ein saftiges Lob und sind quasi mehr oder weniger der alleinige Grund dafür, weshalb ich euch diesen Film tatsächlich ans Herz lege (auch wenn er bereits schon wieder aus den Kinos verschwindet).
Einige Ideen und Umsetzungen waren tatsächlich so klasse, dass selbst die Outtakes am Schluss nicht mit mehr Witz und Charme punkten konnten, sondern man eher zwischendrin mehrfach lachen musste.
Auch wenn es nicht 100% meinen Geschmack trifft, finde ich diesen Film durchaus besser als andere Beziehungskomödien, die eben alle im Einheitsbrei rumrühren und dabei keinerlei Vergnügen bereiten.
Und ein Wort zum Schluss: Mit Plastiktüten rascheln, während der Film noch läuft, in riesiger Mannschaft durchs Kino rennen und anfangen zu kärchern, obwohl noch Szenen auf der Leinwand laufen, die natürlich bereits in voller Lichtmontur angestrahlt wird, gehört für mich nicht zu dem Ansinnen, dem Kinogast ein erfreuliches Erlebnis zu bescheren. Danke, Kempten!
 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich mal ein Film aus Deutschland, bei dem ich nicht an der Aussprache rummeckern muss und der sogar noch ein paar überraschende Wendungen und mehrschichtige Verquirltheiten im Plot bereit hält.
Er ist kein meisterhaftes Wunderwerk, hatte aber durchaus seine charmanten Momente und sorgte zumindest in meinem Kinosaal bei dem älteren Publikum für ständige Lacher.

 
Nachspann
Ja, man darf sitzen bleiben, denn es werden nicht nur fast permanent Outtakes gezeigt, sondern es kommt auch noch eine saftige After-Credits-Scene, sofern man die Möglichkeit überhaupt gestellt bekommt und noch was versteht, bei der Kärcherei vom Personal im Kino. Danke, Kempten!

Bob, der Streuner

Im Getümmel der ganzen durchaus brauchbaren Veröffentlichungen zur Zeit geht Bob, der Streuner fast schon ein wenig unter. Zu unrecht, denn hier handelt es sich um einen Film, dessen Sehenswertigkeit nicht nur in der Wiedergabe einer wahren Begebenheit liegt, sondern der auch mit ganz viel Charme und Sympathie das Herz der Zuschauer erobert.
Und damit meine ich nicht das typische “Oh kuck mal, Katzen”-Emotionsgetue, dass man auf einigen Timelines auf Facebook oder sonstwo im Internet abfeiert, sondern durchaus eine tiefgreifende Geschichte, die die berührende Veränderung erzählt, die der Protagonist im Laufe seines Lebens durch dieses Tier durchmacht.
Auch wenn das Poster in meinen Augen schon fast etwas 0-8-15 erscheint, den Kauf eines .kinotickets werdet ihr an dieser Stelle nicht bereuen. Es ist das Leben, das die besten Geschichten schreibt und Regisseur Roger Spottiswoode spielt hier gekonnt die Fäden dieser Erfahrungen zu einem Geflecht zusammen, dass wiederum ein gemütliches Gesamtbild ergibt, an dessen Ergebnis nicht nur die Leser der Buchvorlage in jüngster Vergangenheit bereits ihren Spaß hatten.
Das Besondere am Film: Der Original-Kater spielt tatsächlich seine eigene Rolle und wird nur in wenigen Fällen “gedoubelt”. Das macht alles noch ein Stück weit authentischer und verleiht der Erzählung einen Spritzer mehr Esprit.
Das Abtauchen in diese für viele unbekannten Züge des Lebens wird nicht nur gekonnt umgesetzt, sondern die damit verbundenen Empfindungen auch glaubwürdig rübergebracht. Damit erstellt der Film ein ganz neues Profil einer Gesellschaftsklasse, der wenige angehören möchten und die in der Öffentlichkeit allgemein ungern gesehen ist.
Der schonungslose Umgang mit diesen Widerwärtigkeiten lässt diesen Film als lehrreiche und dennoch unterhaltsame und zuletzt wunderschöne Erfahrung im Saal widerhallen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur für Katzenfans, sondern alle, die Gefühlskino lieben, ohne dass man in die Schnulzen-Region abdriftet.
Aufrichtiges Kino mit der richtigen Portion Geschick, bei der die wahre Geschichte sehr authentisch und glaubwürdig wiedergegeben wird.
Definitiv sehenswert!

 
Nachspann
Zum Schluss wird noch einiges an Überraschungen geboten – also nicht gleich aufspringen.

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