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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Stefan Kurt

Pettersson und Findus – Findus zieht um

Ich sag mal gleich vorweg, dass ich schon mit den beiden Vorgängerfilmen große Schwierigkeiten in Sachen Sympathie hatte und darum sehr vorurteilslastig an dieses Abschlusswerk der Trilogie herangetreten bin. Meine Meinung ist da stark beeinflusst und meine Kritik sollte daher für Menschen, die mit Pettersson und Findus-Filmen groß geworden sind, nicht allzu ernst genommen werden.
Zielpublikum ist hier ganz klar die frühe Kindheit. Man erzählt die Dinge, mit denen Erwachsene zum Teil große Schwierigkeiten haben, in einer (für mich) absolut nervigen Variante, um die Kleinsten der Kleinen ruhig zu stellen und ihnen genügend Futter zu verabreichen, damit man selbst mal 10 Minuten Auszeit vom Geschrei und Generve hat.
Dafür nervt dann der Film. Oder lullt einen ein. Wie man möchte. Womit ich halt nicht klar komme, ist, wie es Erwachsene Menschen immer wieder schaffen, in dieser selten-dämlichen Sprechvariante an Kinder heranzutreten und sie zu behandeln, als wären alle geistig zurückgeblieben. Diese Dinge könnte man doch auch normaler oder zumindest bodenständiger erklären, das würden die Kleinen genauso verstehen.
Über Animation und Co. brauch ich nicht groß zu lamentieren, hier hat’s ZDF seine Finger im Spiel und dieser angehauchte Konservativismus ist genauso leidvoll im Plot zu finden. Und das hat mich dann tatsächlich gestört.
Man mag sich noch öffnen für Filme der Kinder zu liebe, man mag darüber wegsehen, wie unnatürlich und seltsam Erwachsene da reagieren, aber diese heimliche, unterschwellige Erziehung hin zu konservativen Weltansichten, die prinzipiell alles ausschließen, was irgendwie weltoffen, modern oder freigeistig ist, empfinde ich schon ein wenig als “Propaganda” wenn man so möchte.
Der Punkt ist: Kinder hören manchmal zu und prägen sich in diesen jungen Jahren sehr stark für ihr kommendes Leben. Und wenn ihnen dann dank solcher Filme Fragmente vorgesetzt werden, die im Prinzip eigentlich damit zu tun haben, dass die Eltern Schwierigkeiten mit der Entwicklung haben und nicht loslassen können, und das dann so hingestellt wird, dass es in der Pflicht der Kinder liegt, sich diesem konservativen Gedankengut zu beugen, dann ist dies bestenfalls fragwürdig. Und in meinen Augen verurteilungswürdig.
Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um den Kids beizubringen, dass sie nicht aus dem Haus sollen? Sie nicht ihr eigenes Leben entdecken, ihren Charakter entwickeln und sich langsam dahingehend erörtern sollen, dass sie eines Tages allein auf der Weltoberfläche stehen und dann auch tatsächlich existieren können?
Diese unerzogenen, untalentierten und unfähigen Menschen siechen dann so vor sich hin und sind quasi immer auf Mama und Papa angewiesen, wie in der heilen christlichen Welt, in der das “Kind” auch noch im Elternhaus stirbt und andere Orte bestenfalls im Fernsehen gesehen hat.
Sorry – zu viel Konservativismus, zu viel “falsche Moral”, zu seltsame Ansichten und zu fragwürdige Ansätze, die meiner Meinung nach nichts mehr in der Erziehung der heutigen Jungschar zu suchen haben. Was einem da nur bleibt, ist, zu hoffen, dass die Zuschauer tatsächlich zu jung sind und zu wenig zwischen den Zeilen lesen und damit diese Dinge schlussendlich erst gar nicht kapieren. Doch wozu sollte man dann diesen Film ins Kino jagen?
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich absolut fragwürdige Ansätze, die man hier auf spielerische Weise versucht, den Kindern beizubringen.
Der Einstand ist klasse, die Ideen mögen auch kindgerecht und alles sein, worauf man hier aber abzielt, sind Werte, die es vor Jahrzehnten mal gegeben hat, die in einem modernen und weltoffenen Weltbild aber nichts mehr verloren haben, sondern eher mit gegenteiligen Ansichten ersetzt werden sollten.
Persönliche Meinung, andere können anders denken, ich jedoch würde meinen Kindern so etwas nicht vorsetzen wollen. Sorry.

 
Nachspann
✅ wartet mit einigen Animationen auf, die zwar nicht plotbereichernd sind, aber trotzdem bis zum Schluss abgewartet werden können. Free Choice.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Pettersson und Findus – Findus zieht um
Length: 81 Min.
Rate: FSK 0

Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes

Verrückte Titelnamen, verrückte Plakate – verrückte Filme.
Sowas ist man üblicherweise aus Frankreich gewohnt und gegebenenfalls noch aus der Türkei, aber doch nicht aus Deutschland und der Schweiz?
Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes wirft eine komplett spaßige, humorgeladene und für Kinder attraktive Geschichte auf die Leinwand, die man sich – allein schon, weil das keiner glauben mag – definitiv mit seinen Kids gemeinsam im Kino anschauen sollte.
Klar wird hier wieder etwas mehr auf jüngere Zuschauer eingegangen und ein bisschen Logik und Normalität zugunsten der Bespaßung geopfert, dies trägt dem Film aber einen authentischen Anstrich auf und hinterlässt auch bei Erwachsenen keine bleibenden Schäden 😉
Das frühkindliche Verhalten reflektiert man hier mit untergrabener Moral, so dass den Kindern keine traurig-dahinsiechenden Situationspointen vor die Füße geworfen werden, sondern man in spannender, witziger und absolut kinotauglicher Atmosphäre etwas über richtiges Verhalten lernen kann.
Mir hat’s sehr gefallen und ich kann diesen Film bedenkenlos für Familien empfehlen. Der Kino-Sonntag ist damit gesichert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unglaublich, dass dieses Land so etwas herzlich-komisches zustande bringt und es dabei schafft, die ganze Familie zu unterhalten.
Geprägt von unterschwelliger Moral düst man hier volle Kanne in ein Abenteuer, das die kleinen Racker so schnell nicht mehr vergessen werden.
Wunderbare Filmlektüre für einen entspannt-verregneten Sonntag für die ganze Familie.

 
Nachspann
braucht keiner sitzen bleiben, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 12. April 2018

Petterson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt

ZDF lässt grüßen. In Sachen Altbackenheit. Traditionell. Opa-Flair. Dazu noch zweitklassige Animationen und fertig ist ein Film, der höchst seltsam anmutet und hier die Kinderschar begeistern will.
In der Kinderbuchwelt scheinbar wieder ein etabliertes Werk, das man als Elternteil kennen sollte (Gottseidank hab ich keine Kinder) und von dem es schon einige Vorläufer und Serien gibt. Ändert nichts daran, dass der Film irgendwo nicht zünden will.
Zielpublikum sind hier wohl die 4jährigen, die eine Geschichte rein instinktiv über die Momentaufnahmen einiger Bilder wahrnehmen und sich den Rest mit ihrer kindlichen Fantasie dazu ausmalen. Oder man wirft etwas ein und schaut sich das Teil auf einem Trip an, das könnte dann auch spannend werden.
So bleibt hier eine Verniedlichung, die kaum auszuhalten ist und rein gar nichts mit der Realität zu tun hat. Allerhöchstens mit der des ZDF – ich weiß es nicht. Ich zumindest hätte meinen Namen nicht für so etwas hergegeben. Und als Familienfilm taugt der auch nur, wenn man sich hinterher heftig mit der Jugendfraktion auseinandersetzen und zerstreiten möchte, weil der Tag im Arsch ist.
Ja, hier sollen Werte vermittelt werden, die mit Freundschaft, Familie, Hilfe und anderen Dingen zu tun haben, aber das Umfeld ist derart surreal, dass ich an dieser Stelle noch nicht mal von einem Lerneffekt durch eine eindrückliche Moral sprechen will, sondern mich eher zügeln muss, damit keine Aggressionen hervorbrechen, die in breiten Kotzattacken enden.
Es war schwierig, den Film bis zum Ende anzusehen und es ist noch schwieriger, darüber zu schreiben, ohne mich strafbar zu machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ihr zur rollkragenpullovertragenden farblosen Generation gehört, die nach Omi-Parfum stinkt und bei denen die Moderne komplett ausgeschlossen ist, euch Schmonzetten absolut nichts ausmachen und ihr keine gute Moral wollt, sondern einfach nur eine Geschichte, die hinterm Mond anzusiedeln ist, dann geht hier rein.
Ganz im Ernst: Ich liebe Weihnachten und mach diesen ganzen scheiß Kitsch mit, weil es mir was bedeutet, einfach mal ein paar Tage im Jahr nachdenklicher zu werden und sich allgemein zu beruhigen.
Aber damit es ein schönes Weihnachten wird, werde ich alles dafür tun, um diesem Film so fern wie möglich zu bleiben. Anders kann ich es für mein Empfinden an dieser Stelle nicht ausdrücken. Sorry ZDF.

 
Nachspann
Ob es sich lohnt, hier zu warten, ist fraglich, denn die Sequenz ganz am Schluss ist … nichtssagend. Hm.

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