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Maria by Callas

Jetzt wird’s anspruchsvoll und wir nähern uns einem bislang noch nicht von mir angetasteten Niveau, bei dem ich mich – seid vorab gewarnt – völlig außerstande fühle, etwas Kennerhaftes zu sagen, dass dem Wirken und Schaffen dieser Frau auch nur annähernd gerecht werden würde.
Was ich weiß: Seit geraumer Zeit nutzen viele Musiker und Künstler die Möglichkeit, den Menschen über den Verbreitungsweg des Kinos Einblicke in ihr Leben zu ermöglichen und sich ggfs. einfach der Öffentlichkeit zu erklären.
Da wären Straight Outta Compton, All Eyez on Me, die mit ihren “Debüts” quasi mehr oder weniger vorgelegt haben, gefolgt von einigen anderen Legenden der Popwelt und Moderne, als auch einige Künstler, die sich mit Malerei beschäftigen oder anderweitigen Kunstformen nachgehen (Julian Schnabel, Auguste Rodin…), die den Menschen das Herz rauben und sie beeindrucken wollten. Was für uns Transformers-Kinder vielleicht noch am vergleichbarsten wäre, (ja, haut mich!) ist Amy Winehouse in ihrem Film Amy, die zumindest optisch noch leicht an das Aussehen Callas‘ heranreicht.
Aber auch der Vergleich … vergesst es schnell wieder.
Callas ist ein Phänomen, dass man heute vielleicht nicht mehr einfach so versteht. Ich bin mir sicher, dass man jeden Jugendlichen erstmal unter Androhung schwerer Strafen ins Kino reinprügeln müsste, bevor der sich freiwillig mit so etwas auseinandersetzen würde. Und der Witz ist: Einige von ihnen kämen sicherlich interessiert und mit erhöhter Aufmerksamkeit für diese Art, sich auszudrücken, wieder aus den Sälen heraus.
Und genau hier fängt’s an: Jemand, der sich bislang null – wirklich absolut null – für Oper und dergleichen interessiert hat, empfindet auf einmal Freude und Gefallen an einer Form der Unterhaltung und des Anspruchs, vor dem er bisher einen großen Bogen gemacht hat.
Ich bin grundsätzlich vielem aufgeschlossen, nicht zuletzt dieses Blog und die Vielfalt an Filmen und Genres, der ich mich seitdem freiwillig hingebe, hat in mir eine sehr große Toleranzschwelle entstehen lassen, dank der ich vielen Werken etwas abgewinnen kann, für die ich mich vor 10 oder 20 Jahren noch keinen Deut interessiert hätte.
Und als der Film startete, dachte ich nur: “Grundgütiger, wohin soll das führen? – und Maria by Callas hat es geschafft, dass in meiner Playlist nun reihenweise Zusammenstellungen dieser Frau zu finden sind, deren Tiefe ich gerne verstehen möchte. Sie verstand ihr Handwerk nicht nur exzellent, sondern hat sich zu einer Größe emporgearbeitet, die zurecht als “bedeutendste Sopranistin des 20. Jahrhunderts” (Quelle: Wikipedia) gehandelt wird.
Dieser Film widmet sich jetzt aber nicht verschwörerisch heiligend einer Frau, die über der Masse emporragt und vergöttert sie auf allen Ebenen, sondern es handelt sich hier um das Werk eines Regisseurs, der seinen Geist von ihr gefangen nehmen ließ und ihr im Nachgang die Gerechtigkeit zukommen lassen wollte, die ihr die Medien damals nicht zuerkannten. Dabei hat er selbst ein Kunstwerk erschaffen, dass es so ganz nebenbei schafft, die Begeisterung für eine der größten Kunstformen überhaupt zu wecken und absolute Kritiker dieser Sparte für sich zu gewinnen. Und damit dringt Volf in einen Bereich vor, der von mir den größten Respekt und Anerkennung verdient und bekommt.
Was nämlich höchst spannend ist: Durch das Zusammenstellen der von ihr gesungenen Werke, die Komposition ihrer Interview-Gedanken und damit der Zeitreise durch ihr Leben erweckt Volf unglaublich hohe Sympathie, da man Maria Callas nun so nahe kommt, wie vorher noch nie und sie auf einmal als Frau und Mensch begreift und versteht.
Und genau hier ist ein Problem, dass seine Kreise weit über die Ränder von Wien und Opernhäusern hinaus zieht: Das schlichte Aussaugen von Persönlichkeiten, die etwas auf dem Kasten haben und dann als gefeierte Ikonen in die Öffentlichkeit treten und einfach nicht mehr echt sein können, da jeder sie nur noch über ihre Werke definiert.
Man hat es meines Erachtens nach wunderbar geschafft, diese hoch sensiblen, zarten, leicht zerreißbaren Fäden ihrer Mentalität und ihres Empfindens herauszuarbeiten und sie uns nicht als Göttin, sondern als emotionale Frau nahezubringen, die unter dem Druck enorm zu leiden hat.
Darin liegen die wahren Abgründe vergraben: Als jemand, der ebenfalls mit drei Jahren auf dem Schemel vorm Piano saß und mit vier Jahren bereits seinen ersten Auftritt auf der Bühne hatte, weiß ich, wovon ich spreche, wenn relativ schnell der Zeitpunkt kommt, wo die Menschen aufhören zu begreifen, dass hinter diesem Ausnahmetalent noch jemand steckt, der verletzbar ist, der fühlt, der auch nicht unendlich viel Kraft, Energie und Zeit hat, um mit sich selbst klar zu kommen, sondern um so mehr Unterstützung benötigt, die ihm die Außenwelt aber nicht zu geben bereit ist.
Callas hat sich nie über die Zuschauer beschwert, aber selbst niemals offenbaren können, was ihr zeitlebens zugesetzt hat – und genau das bringt dieser Film hervorragend zur Geltung und steht damit stellvertretend für viele Künstler, die vom Druck der Schönheit und künstlerischen Ästhetik geplagt einfach “funktionieren” müssen. Dass dabei Atempausen genauso wichtig sind und man sie mit simplen Missverständnissen schon mehr oder weniger zerbrechen kann, verstehen dabei die wenigsten.
Ihr merkt: Der Film hat mir sehr zugesetzt und ich saß nach einer gefühlten halben Stunde einfach nur noch da und habe mit offenem Mund gestaunt über das Wesen, über die Art, über die Tiefe, die in diesen Menschen steckt.
Und ganz nebenbei: Der Film ist ein außerordentliches Beispiel dafür, einfach mal die Timeline zurückzuschrauben und in die vergangenen Jahrzehnte zu schauen, da er durch seine fast ausschließlich dokumentarische Art ein wunderbares Zeitzeugnis dieser Epochen ist. All die Feinheiten, die Autos, die verschiedenen Säle, Flugzeuge, Impressionen und Eindrücke dieser Ären ist in sich schon eine Erfahrung wert, die den Besuch einer großen Leinwand rechtfertigt.
Ein weiteres Beispiel: Die wahre Fülle an Koryphäen des echten Lebens, die wahrhaftig in persona auftreten und von denen einige in den Tags genannt wurden: Auch hier ist wieder eine fast beispiellose Ansammlung an Berühmtheiten in einem Film zusammengekommen, der seinerzeit die Top 10 angeführt hat und quasi für das Avengers vergangener Jahrzehnte steht.
Auch hier wieder eine mit tiefen Verbeugungen vorgetragene Entschuldigung meinerseits für die unrühmlichen Vergleiche: Ich bin nicht im Stande dazu, die verrohte und künstlerisch versaute Generation von etwas so Erhabenem zu überzeugen: Maria by Callas hat aber genau dies bei mir geschafft.
 

.kinoticket-Empfehlung: Einmal mehr bestätigt sich meine Annahme, dass Kino auch in Zukunft einer Ära unterworfen ist, in der andere Kunst- und Präsentationsformen einem breiterem Publikum schmackhaft gemacht werden sollen – und wenn genau dies so hervorragend funktioniert, wie bei Maria by Callas, dann begrüße ich diesen Schritt und freue mich auf alles, was uns da noch erwarten sollte.
Dieser Film schockt die heutigen Generationen vielleicht erstmal, aber für das, was in ihm steckt, ist er selbst einfach viel zu großartig, als dass man dazu noch “Dokumentation” sagen könnte, sondern es lieber als eigenes Kunstwerk interpretieren und verstehen darf.
Damit dringt Regisseur Tom Volf in ein Areal vor, dass bei vielen bislang wohl unangetastet da lag und nun ein breites Spektrum an neuen Entdeckungsmöglichkeiten eröffnet. Wahnsinn!

 
Nachspann
✅ Ein Hochgenuss – hier geht sowieso keiner frühzeitig raus.
Kinostart: 17. Mai 2018
Der Film startet in München in folgenden Kinos:

  • Atelier
  • Kino Solln
  • Münchner Freiheit
  • Neues Rex
  • Rio Kino
  • Studio Isabella
  • Theatiner
  • Breitwand Gauting

Für weitere Vorstellungstermine in anderen Städten nutzt bitte den Kinofinder auf www.maria-by-callas.de unten im Footer.

La La Land

Es ist wieder kurz vor Februar. Die Zeit, in der sich Hollywood selbst huldigt, wird eingeleitet – wir alle stehen kurz vor den 89. Academy Awards und schon im Vorfeld dessen hat La La Land Rekorde gebrochen: 14 Nominierungen, u.a. in den besten Kategorien.

Das haben bisher nur zwei Filme überhaupt geschafft. Einer davon war Titanic. Auch bei den Golden Globes hat dieser Film schon rühmlich abgegriffen und wenn man die einschlägigen Magazine und Presseberichte aufschlägt, wüstet einem ausschließlich Positives entgegen: Man überschlägt sich mit Lob, huldigt diesem Streifen in allerbesten Tönen und lässt die Zuschauerschaft glauben, dass man da unbedingt rein rennen muss.

Rein gehen auch welche. Vorwiegend diejenigen mit grauen Haaren.
Und soll ich euch was sagen, Leute?

Wenn schon im Vorfeld eines Films so viel Hype geschoben wird, dann bin ich erst recht skeptisch. Mir haben sogar direkt Presseleute zugetragen, dass sie aufgrund des Trailers nicht reingegangen wären, und nachdem sie den Film in der Pressevorführung gesehen haben, unbedingt nochmal rein wollen.

Das schreit geradezu nach Skepsis. Dementsprechend arglistig waren meine Erwartungen, als ich in den Saal rein bin und die Vorstellung vor mir hatte.
Tja.

La La Land … huldigt den Kinoanfängen und erweckt den Broadway zum Leben. Hier wird nicht nur viel besser als bei Disney zum Träumen aufgerufen, sondern eine Show geliefert, bei der die Tränen ehrlich gesagt nur so fließen.

Ich saß noch nie in einem Titel und hab tatsächlich so derb mit den Flüssigkeiten in der Fresse kämpfen müssen, nicht mal bei Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Und das soll was heißen.

Die pure Liebe, die man hier in Dramaturgie, Filmkunst, Musik, Bewegung, Farben, Design, Zeitalter und alles andere gelegt hat, reißt einen nicht nur vom Stuhl, sondern schleudert einen permanent seelisch durchs Kino und lässt einen immer wieder positiv auflaufen.

Nicht nur der Plot, sondern die ganze Musik, die Show, das Entertainment in seiner höchsten Ehre würdigt hier die Anfänge und eine Zeit, in der Kino noch etwas besonderes war. Dagegen stinkt sogar Hail, Caesar! erbärmlich ab. Und diesen Film hab ich für genau diese Tatsache absolut gemocht!

Ich hab kaum noch was gesehen, als es gegen Ende des Films zuging und der Abspann lief. Mein erster Gedanke war: Oh Gott, nein, warum jetzt schon? Warum ist das schon vorbei?

Wenn die Academy Awards auch so auffahren, na dann haltet euch mächtig fest. Denn der Film passt nicht nur wieder mal extrem in diese Zeit, sondern schlägt als waschechte Arthaus-Publikation auch tatsächlich mal wieder Messlatten in die Öffentlichkeit, die zukünftige Filme nun im nächsten Jahr vergeblich zu erklimmen versuchen werden. Das Niveau – der Stil – die Eleganz – der Anmut – die Liebe – die pure Kunst … das ist alles nicht wirklich zu toppen.

Und wisst ihr was? Den Oscar® für den besten Film aller Zeiten hat sich La La Land in meinen Augen schon jetzt verdient!

.kinoticket-Empfehlung: Es ist ein Arthaus.

Und jetzt geht gefälligst da rein, aber zackig! 14 Nominierungen bei den Oscars®, davon in der Kategorie “Bester Film” und das zu recht! Muss ich mehr sagen?

Rein!! Bevor ihr euch während der Verleihung spoilern lassen müsst.
Und auch ohne dass ihr sie schaut – der Film ist die absolute Pflicht!

Nachspann
❌ Als jemand, der den Film würdigt, bleibt man sowieso beim Abspann sitzen. Bei mir ist mal niemand aufgestanden und frühzeitig raus, auch wenn keine Bilder mehr kommen.

P.S.
* Bester Film
* Beste Regie
* Bester Hauptdarsteller
* Beste Hauptdarstellerin
* Bestes Originaldrehbuch
* Bester Song (2x)
* Beste Filmmusik
* Beste Kamera
* Bestes Szenenbild
* Bestes Kostümdesign
* Bester Ton
* Bester Schnitt
* Bester Tonschnitt

Dazu hat er in der Filmpreissaison 2016/17 bereits über 120 Preise abgegriffen und ist für weitere 180 nominiert. Bei den Golden Globes hat er erstmalig in der Geschichte überhaupt in allen 7 Kategorien Preise abgegriffen und somit einen Weltrekord aufgestellt.
(Quelle: Wikipedia)

Noch Fragen?

Kinostart: 12. Januar 2017

Original Title: La La Land
Length: 128 Min.
Rated: FSK 0

Tini: Violettas Zukunft

Kennt die irgendwer? Ich nicht, und mich hat ehrlich gesagt schon der Trailer absolut nicht angesprochen.
Der Film enttäuscht dann auch auf so ziemlich jeder Ebene, die man sich vorstellen kann. Wer Rosamunde Pilcher kennt oder zumindest weiß, wohin man diese Art von Unterhaltung stecken muss, der kann Tini: Violettas Zukunft direkt nachschieben, nur dass die Darsteller hier um einiges jünger sind und auch um Klassen besser aussehen.
Achja – und sie singen. Damit spoiler ich bei einem Musikfilm hoffentlich nicht zu viel, ohne dabei nicht unerwähnt zu lassen, dass diese Form von Darbietung derzeit in allen TV-Kanälen auseinandergenommen, im Kino zelebriert und überall sonst hoch gehypet wird. Schon mal von “Übersättigung des Marktes” gehört? Mit diesem Titel wäre für mich der Zeitpunkt glühend heiß, um aus der Branche auszusteigen und diesem elenden Rumgefieber endlich den Hahn abzudrehen, denn Spaß macht das alles überhaupt nicht mehr.
Waren die Kulissen wenigstens ansehnlich? Jop. Blendet man den Ton aus und konzentriert sich auf die Szenen, in denen quasi das “Umfeld” gezeigt wird, hat man hier wunderbare Bilder aus der traumhaften Gegend rund um Sizilien. Für die lohnt es sich tatsächlich.
Und das war’s dann auch schon. Keine weiteren Pluspunkte, nichts sensationelles, begeisterndes oder sonstwie einzigartiges, die den Grund rechtfertigen würden, hier das Kino aufzusuchen.
Nicht mal die Musik (die ja eigentlich den Kern des Films ausmachen sollte) haut einen vom Hocker, sondern liefert auch hier wieder nur erbärmliches Gejaule, das mit absolut gar nichts aus der Masse raussticht oder sonstwie ein Alleinstellungsmerkmal aufweist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Alles in Allem zusammengenommen liefert dieser Film keinen einzigen Grund, ins Kino zu gehen und sich berieseln zu lassen.
Die Darsteller spielen nicht überzeugend, der Plot ist schwach, die Intentionen sind undurchsichtig, die Musik Einheitsbrei und die Moral von der Geschichte bleibt aus.
Einzig die Kulissen überzeugen, aber die kriegt man anderswo auch günstiger zu sehen.
Daumen runter.

 
Nachspann
kommt keiner, ihr dürft aus dem Saal vorzeitig raus.

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