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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Spion

Mile 22

Mark Wahlberg ist bislang für mich immer so ein klein wenig der Hollywood-Luschi gewesen: Transformers – alle anderen sahen großartig aus, er dümpelt so ein bisschen vor sich hin, Boston – schrecklicher Vorfall, aber auch nur so halblebig gespielt und das ganze Comedy-Gelump hat er meiner Meinung nach nie so richtig beherrscht, sondern war eben einfach “da”.
Und dann kommt Mile 22 und ich sehe einen ernsthaften, permanent stinksauren und mega seriös spielenden Mark Wahlberg auf der Leinwand und kann dieser Person auf einmal abkaufen, dass er doch zu mehr in der Lage ist, als einfach nur der Prominenten-Lückenfüller fürs Plakat zu sein: Diesmal ist er wirklich großartig und entblättert eine auch patriotisch angehauchte Szenerie, die aber nicht in Amerikanismus ertrinkt, sondern eben einfach gut unterhält.
Und das ganze Konzept des Films ist diesmal ein völlig anderes: Er als Charakter braucht nicht den lonesome-hero spielen, den man ihm sonst immer andichtet, sondern er darf innerhalb einer Truppe fungieren und liefert in Kombination mit dem Soundtrack und den gezeigten Bildern, die auch die richtige Geschwindigkeit und Erzählfluss liefern, eine grandiose Show ab.
Nun mag man sich darüber aufregen, dass die Amis hier wieder viel zu stark auf die Kacke hauen, man großartiges Potenzial verschenkt, weil die Ideenansätze endlich mal geil sind, aber in einer unfassbar unrealistischen Ader ausgelebt werden und man hier eben wieder maßlos “leinwandübertreibt”, aber genau das macht Mile 22 zu dem was es ist: Großartiges Actionkino, auf das man sich einlassen kann – aber nicht braucht. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Was ich dazu aber noch anmerken muss: Im Original hören sich Dialoge, Funksprüche und anderes dann eben doch “amerikanischer” und damit um ein vielfaches echter an, als es in der deutschen Synchro der Fall ist, auch wenn diese gut übersetzt und auch stimmlich ganz gut ausgewählt wurde: Wer den wirklichen Thrill will: Choose the OV-Version!
 

.kinoticket-Empfehlung: Action-Kino inmitten der Sahnetorte, die man gleich mal mit dem Erdboden gleich macht!
Wahlberg in Höchstform und auch seine Mitstreiter liefern hier ein Ensemble, dass richtig in Fahrt kommt, auf die Kacke haut und genau das liefert, wozu dieses Ding da ist: Männerabende füllen und anschließend im Kino richtig zu feuern, ohne dabei auf Herzschmerz und Intelli-Gelüste zu achten.
Popcorn nehmen, Bierchen öffnen, Hirn aus, Augen auf und los geht’s. Beste Unterhaltung garantiert.

 
Nachspann
❌ liefert keinen Nachschlag, es darf also aufgestanden werden.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mile 22
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16 | R

Bad Spies

The Spy Who Dumped Me … wie der Titel im Original heißt, lässt wieder einmal durchblicken, welch einflussreicher Meisterschlag James Bond-Filme seinerzeit bereits waren. The Spy Who Loved Me aus dem Jahre 1977 gilt als Anspielungsvorbild, auf das hier Hommage-Abgesänge gesungen werden, indem man das Meisterwerk als Trittbrett nutzt und darauf eine “Bad”-Version gründet, die in die moderne Zeit passt und jeglichen Anspruch auf Seriösität aufgegeben hat.
Mila Kunis gilt sowieso nicht als die Top Triple Star-Favoritin im Showbusiness, sondern spielt in einigen Filmen mit, die von vielen so als “mittel” bewertet werden. Jupiter Ascending war sogar ein Flop und auch in Bad Moms fanden sie viele zu schlecht.
Ich finde, sie trägt eine gewisse Unterschwelligkeit mit sich und spielt ihre Rollen immer sehr glaubhaft und überzeugend. Das Tableau eines Weltstars möchte sie vielleicht gar nicht entern.
Der deutsche Titel Bad Spies erinnert auch nicht an ein Weltklassemovie, sondern trägt bei vielen eine Egal-Stimmung auf, was den inneren Weg zu viel Toleranz freischaufelt, mit der man gerne die Kinosäle betreten darf.
Bad Spies ist nämlich ein Film, der sehr viel Spaß machen kann, wenn man weiß, worauf man sich einlässt und sich damit auch abfinden kann. Diesen für Elitäre schwer überwindbaren Schritt einmal getätigt, ist der Weg frei für einige Lachsalven, da der Plot so selten dämlich ist, dass es echt Spaß macht, ihn sich anzuschauen. Vorhersehbarkeit hin oder her – es ist so dumm, aber funktioniert trotzdem hervorragend, weil die Mixtur des Films die absolut richtige ist.
Die Location Scouts haben hier ganze Arbeit geleistet und so ziemlich alles aus dem Planeten rausgeholt, was filmtechnisch möglich ist und der Streifen wartet zudem mit einigen hochintelligenten Überraschungen auf, die man in der Form niemals erwartet hätte.
Laber-Rhabarber kann jeder, aber dann auch liefern zu können, das verspricht dieser Film zwar nie, tut es aber, was immens beeindruckend ist. Man merkt, dass hier keine Ernsthaftigkeit gewollt ist und ich glaube sehr stark, dass alle Beteiligten am Film ungemein viel Spaß hatten, das sieht man z.B. den Stunt-Men total an. Diese Irrwitzigkeit und der Wahnsinn, den man hier aufleben lässt, zieht alles durch den Dreck, was sich in dem Metier finden lässt – und das kann in einem vollen Kinosaal sehr viel Freude bereiten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Urteilt also nicht vorschnell, wenn ihr diesen Titel lest, sondern bereichert euch eines .kinotickets und lasst den Film einfach mal auf euch wirken – auch wenn vieles dumm wirkt, die Zusammensetzung stimmt und man merkt dem Film an, dass die Darsteller sehr viel Freude daran hatten.
Locations, Twist-Momente und einige Cast-Überraschungen inklusive erhält man hier ein abendfüllendes Ereignis, über das man hinterher vielleicht nicht mehr häufig spricht, dass für einen tollen Kinoabend aber sehr wohl tauglich ist.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 30. August 2018

Red Sparrow (mit Gewinnspiel)

Wer direkt zum Gewinnspiel möchte, bitte ans Ende des Beitrags scrollen. 🙂
Jennifer Lawrence hat sich mit Die Tribute von Panem einen Namen gemacht, mit dem sie sich konsequent als großartige Schauspiellegende aus der Masse emporgearbeitet hat. Passengers als einen ihrer Höhenflüge hat mich seinerzeit sehr begeistert und man merkte damals bereits deutlich, wohin die Reise zu ihrer “role of life” geht.
Meine Hoffnung, nachdem ich den .trailer gesehen hatte: Dass sie ihr Tribute von Panem-Image durch ein aktuelleres ersetzen und sich selbst toppen kann, denn Red Sparrow verspricht, ihr exakt auf den Leib geschneidert zu sein.
Sie hat es geschafft!
Das ist einer der Gründe, wofür ich Twentieth Century Fox liebe: Sie verstehen es, Filme zu machen, die auf unerlaubt hohem Niveau punkten und mit Ästhetik und Schönheit überzeugen – sowohl inhaltlich als auch durch Style und Design.
Red Sparrow besitzt beides und greift eine Landeskultur auf, die höchst spannend inszeniert einen Plot darbietet, vor dem ich wieder einmal auf die Knie gehe: So etwas muss man sich erstmal ausdenken und dann noch dermaßen überzeugend verfilmen können: Ein Streifen, der sich endlich wieder lohnt und trotz seiner langwierigen Spielzeit von 141 Minuten keine Längen aufweist. Man nimmt sich Zeit, um eine Geschichte zu erzählen und drückt nicht durch gekünstelte Straffungen auf die Tube oder wirft seine Prinzipien über Bord, sondern zieht partout seine Schiene durch, ohne dabei das selbst gesteckte, hohe Maß zu unterbieten.
Und dabei geht es nicht um simplen Spionagekitsch oder künstlich aufgetakelte Wichtigtuerei, sondern man beschäftigt sich mit so spannenden menschlichen Mustern und tiefschichtiger Psychologie, die einem sogar auch außerhalb des Films durchaus im Alltag behilflich sein kann. Diesen selbst angesetzten Anspruch a) zu erschaffen und b) nicht zu verleugnen war etwas, das mich über alle Maßen beeindruckt hat.
Wer hinterher aus dem Film geht, ist definitiv mitgenommen. Man fühlt sich auf diverse Weise bereichert und kann definitiv behaupten, ein tolles Kinoerlebnis gehabt zu haben. Deshalb wundert mich ein klein wenig die PR-Zurückhaltung, denn damit hätte man viel mehr protzen können, ohne hinterher auf der Nase zu landen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Red Sparrow überzeugt auf allen Ebenen: Jennifer Lawrence liefert die Rolle ihres Lebens in einer Story, die vor Genialität und Inhalt nur so strotzt und sich mit bislang filmisch vernachlässigter psychologischer Härte auseinandersetzt, die einen definitiv nicht unberührt lässt.
Design, Ästhetik, Filmintelligenz und Kurzweil reichen sich hier einander die Hand und formen daraus ein Meisterwerk, das mich restlos begeistert: Reingehen reingehen reingehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts im Nachgang mehr.
Kinostart: 1. März 2018
 
G E W I N N S P I E L
Und damit euch die Show noch ein wenig versüßt wird, hat Twentieth Century Fox für euch ein Wahnsinns-Paket geschnürt, das ich hiermit gerne an euch weiter verlose.
Mit dabei sind u.a. 5x jeweils 2 Freitickets für Red Sparrow, mit denen ihr den Film for free in einem Kino eurer Wahl genießen könnt: Einfach die Karten an der Kasse gegen zwei Eintrittstickets eintauschen und den Film mit eurem/eurer Liebsten genießen.
Einzige Voraussetzung ist, dass dieses Kino Red Sparrow regulär im Programm hat und ihr eine Vorstellung besucht, in der noch freie Plätze zu vergeben sind.
Außerdem gibt’s jede Menge Kinoposter und eine wahnsinnig coole Red Sparrow-Sporttasche zu gewinnen.
Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert bis einschließlich Sonntag, 4. März 2018 unter diesem Beitrag und ihr seid im Lostopf dabei. Anschließend werden die Gewinner per Random.org gezogen und von mir benachrichtigt. Bitte gebt hierfür unbedingt eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann. Anschließend gehen die Gewinne direkt zu euch auf die Reise.
Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke haben mit diesem Gewinnspiel nichts zu tun, dieses wird ausschließlich von www.kinoticket-blog.de veranstaltet. Die Preise wurden von Twentieth Century Fox im Rahmen des Kinostarts von Red Sparrow gesponsort.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich. Es gelten die üblichen, vernunftbasierten Teilnahmebedingungen. Die im Rahmen des Gewinnspiels von euch angegebenen Daten werden nur im Rahmen der Verlosung verwendet und anschließend wieder gelöscht.
Wer hier im Blog keine E-Mail Adresse angeben möchte, darf mir gerne auch per Telegram oder Whatsapp oder als Direktnachricht auf Facebook mit Angabe seines Kommentar-Pseudonyms schreiben – die Daten dafür findet ihr in der Seitenleiste bzw. im Impressum.
Und nun wünsche ich euch allen viel Glück und natürlich mega viel Spaß und spannende Unterhaltung mit Red Sparrow im Kino!

Allied

Robert Zemeckis, dem wir Filmlegenden wie Zurück in die Zukunft I-III, Der Tod steht ihr gut, Forrest Gump und Contact zu verdanken haben, wirft einmal mehr den Scheinwerfer über dem Regiestuhl an und widmet sich diesmal einem Drama, das ich in einer derart sensiblen, zärtlichen und einfühlsamen Verbaljonglage so noch nicht erlebt habe.
Da ich diesen Film im Rahmen der Sneak Preview Tage später erneut im deutschen Synchronton erleben durfte, muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass sich meine Rezension tatsächlich auf die Originalversion bezieht, die man (wahlweise mit deutschen Untertiteln) der Deutschen auf jeden Fall vorziehen sollte.
Warum?
Brad Pitt und Marion Cotillage machen hier einen derart feinfühligen Sprachwettbewerb auf, der mit dieser extrem anmutigen Darstellungsweise von ihr beispielsweise eine abartige Gänsehaut erzeugt, wenn sie an vielen Stellen des Films elegant durchs Bild tanzt und sich in ihrer ruhigen, sensiblen Art und Weise nicht nur durch die Gegend, sondern auch den Plot bewegt.
Pitt reagiert darauf nicht weniger professionell und erhebt die Kunst des Krieges damit auf ein neues Niveau: Der Überraschungsmoment im Film ist nicht etwa der, den man als Zuschauer tatsächlich im Stillen erwarten würde, sondern erhebt sich auf völlig neue Ebenen, die sich einem erst dann erschließen, wenn man wirklich im Film sitzt und alles andere um sich rum langsam ausblendet.
Das Ganze gipfelt in einem Finale, bei dem ich in der OV-Vorstellung wahrhaftig Tränen in den Augen hatte. Die stille Verzweiflung, das erhebende Gefühl von Liebe und Geborgenheit, die Sehnsucht und inneren Wünsche wurden von Cotillard hier so dermaßen eindrücklich in die Kamera gesendet, dass der deutsche Zuschauer nur davon träumen kann, dieses Momentum in gleichem Ausmaß zu erleben.
Tatsächlich ist nämlich in der Synchronisierung jeglicher Charme dieser eleganten Darstellungsweise durch plumpes “Ablesen” verloren gegangen, was den Film zwar auf bildhafter Ebene großartig erscheinen lässt, mit dem stumpfen Dahinplappern der Dialoge dann aber eher zu einer ungewollt-komischen Vorstellung erscheinen lässt, die den tieferen Sinn dieses Dialogs völlig ins Abstruse verkehren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichtsdestotrotz sollte man sich aufmachen, denn Allied – Vertraute Fremde schafft auch hier wieder Raum für großartig erzähltes Kino und präsentiert eine wunderbare Geschichte mit herzergreifendem Ende.
Wer immer die Chance dazu hat, sollte sich nach den OV-Vorstellungen umsehen oder später in den VOD-Portalen nach eben jener suchen, denn nur hier kommt wirklich rüber, was Zemeckis uns in seiner Geschichte sagen wollte.

 
Nachspann
enthält Cast & Crew nach üblicher Manier, wartet aber nicht mit Bild- oder Videomaterial auf. Der Sturm zum Ausgang ist also gerechtfertigt.

Der Spion und sein Bruder

Sacha Baron Cohen ist für viele ein heißes Eisen. Was man mit Gewissheit sagen kann: Seine Filme sind kritisch, schwer verdaulich und mit Sicherheit nichts für die breite Masse.
Sein Humor verlangt, dass man sich mit seiner Art, Filme zu machen, auseinandergesetzt hat und der Übertriebenheit seines Stils etwas abgewinnen kann. Cohen nimmt kein Blatt vor den Mund und ihm ist nichts zu peinlich, was er in seinen vergangenen Werken nur allzudeutlich zu erkennen gegeben hat.
Worum viele mittlerweile einen Bogen machen, entwickelt sich für mich neuerdings zu sehnsüchtig erwarteter Kost, da ich die Andersartigkeit nicht nur als erfrischende Abwechslung in einem immer größer werdenden Pott von mainstreamiger Langweiligkeit begrüße, sondern ihn langsam beginne, zu verstehen.
Klar rollen sich einem bei manchen Szenen die Fußnägel des guten Geschmacks undurchtrieben nach oben, jedoch ist die teilweise unerträgliche Ehrlichkeit und Geradlinigkeit seiner Machart derart sympathisch, dass man ihm auch grobe Schnitzer bereitwillig verzeiht und sich mit zunehmender Zeit immer leichter auf diesen Schmarren einlässt.
Und ist dieser Grad des guten Geschmacks einmal seicht umsegelt, hat man in der Vorstellung jede Menge Spaß.
Das Problem sehe ich hier wiederum eher in der üblichen Art, die Leute in diesen Film zu bewegen, denn hätte ich nur den Trailer zur Verfügung gehabt, wäre dieser Titel auch als eher unspannend von mir abgetan worden. So aber kam ich in den Genuss einer exklusiven Preview, die durch die zusammenhängenden Szenen dann eher den Geist des Films offenbart und das anfangs falsche Trailerbild wieder zurechtgerückt hat.
Und zusammenhängend macht das Werk dann nämlich auch richtig Freude – wenn man sich darauf einlässt. Was man aber auf keinen Fall erwarten darf, ist leichte Unterhaltung, die sich mit anderen Filmen vergleichen lässt. Diesbezüglich hat Cohen längst sein eigenes Genre erschaffen, in dem er genauso aufblüht, wie ein Tarantino es gleichermaßen in seinem Umfeld tut. Davon zeugen nicht nur teils wirklich akribische, höchst professionell gefilmte Szenen wie hier am Anfang, mit denen er unlängst bewiesen hat, dass es ihm mit der ganzen Sache durchaus todernst ist.
Ein Unikat, und ich möchte schon fast sagen, ein unterschätztes Genie in Hollywood, dem man auch in Zukunft sehr genau auf die Finger schauen sollte. Diesen oberflächlich wirkenden Blödsinn tatsächlich als solchen abzutun wäre definitiv ein riesengroßer Fehler.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sich vorher andere Filme von Sacha Baron Cohen angesehen zu haben, ist definitiv kein Fehler.
In einem eigens von ihm geschaffenen Genre blüht er auch hier wieder mit Können und ungeniertem Talent auf und unterhält auf sehr schwierigem Niveau. Ein Film für die Masse ist das nicht. Dass man es deswegen aber mit nicht sehenswertem Material zu tun hat, bedeutet dieser Umstand ganz gewiss nicht.
Reingehen, wenn man einen seiner vorherigen Filme auch nur annähernd mochte.

 
Nachspann
Auch wenn es schwer fällt: Sitzenbleiben. Nicht nur, bis die Sequenzen im Abspann durch sind, sondern bis ganz zum Schluss. Der Vorhang geht nochmal auf.

Codename U.N.C.L.E.

Inspiriert durch eine Serie aus den Sechzigern… das lässt Menschen wie mich sofort in Nostalgie schwelgen, denn – auch wenn mein Jahrgang noch etwas jüngerer Natur ist – das Wissen, dass es die Jungs zu damaligen Zeiten echt drauf hatten, ist auch bis zu meiner Generation durchgedrungen. Hoffentlich.
Codename U.N.C.L.E. merkt man auf jeden Fall seine durchtriebene Geschichtslastigkeit an, mit der locker flapsig durch die Zeit geführt wird. Das Zusammenspiel der beiden Agenten lässt in mir den tiefen, sehnlichen Wunsch aufkeimen, dass daraus eine große Filmreihe wird, an der wir uns auch noch nach zehn Jahren erfreuen dürfen. Hier wird – und das ist spannend – mal mit dem ersten Teil eine Introduktion geführt, die etwas höchst potenzielles in den Raum wirft und vorstellt. Dass mal nicht gleich das volle Pulver im ersten Teil verschossen wird, sondern quasi das Prequel der Startschuss ist, hat es glaube ich in der Filmgeschichte so noch nicht gegeben.
Man kann und sollte hier auch keine Vergleiche ziehen. Die Anmut und humoristische Eleganz, mit der die Schauspieler jeder für sein Land in die Presche springen und ihren Teil der Abmachung einzuhalten versuchen, ruft beim Zuschauer das reinste Vergnügungsgefühl auf den Plan. Der vielgezogene Vergleich “James Bond meets Oceans Eleven” hinkt meiner Meinung ein bisschen, denn beide Parteien sind für sich jeweils eine völlig andere Welt, die mit dem hier beschriebenen Titel gar nichts gemein haben.
Und darin liegt auch das Alleinstellungspotenzial: Man kupfert mal wieder nicht ab, sondern besinnt sich auf eigene Ideen, die eine so liebenswürdige Echtheit generieren, die den Film auf jeden Fall sehenswert macht. Das hier ist einfach nicht Bond und man möchte es auch nicht sein. Und das ist gut so.
Somit bleibt ein Machwerk, das vor neuer Energie und kreativem Schöpfungsgeist nur so blüht und eine geniale Frische ins Land der ausgereizten Ideen bringt, mit der nicht nur neue Meeresluft aufkreuzen, sondern hohe Wellen geschlagen werden können.
Hoffen wir, dass die Macher den Wink verstehen und das Publikum diesmal nicht so blöd ist und dem Werk nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt, so dass wir alle die Flut an geilem Kino noch zu Lebzeiten erleben dürfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Da es sich hier um den Auftakt einer Serie handelt, die man großartig ins Kino portiert, sollte man sich selbst den Gefallen tun und später behaupten können, man sei von Anfang an dabei gewesen.
Bond-Liebhaber wissen um das Gefühl, wie es ist, mit einer Filmreihe groß zu werden und genau das könnte hier auch der Fall sein: Der Startschuss einer genialen Serie in Kinofilm-Format ist gefallen und man erobert die Leinwand und legt einen fulminanten Auftakt mit einer unterhaltsamen, witzigen, spritzig-frischen Komödie auf den Tisch, an der sich einfach jeder Cineast bedienen sollte.
Also Augen auf im Straßenverkehr, Karre abstellen, .kinoticket lösen und dann vergnügliche 116 Minuten abschalten und den Alltag vergessen. Es lohnt sich!

 
Nachspann
zeigt anfangs noch Bilder im authentischen Stil, beim Switch auf den schwarzen Lauftext darf man dann wieder in diese Realität rennen.

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