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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Soldat

The King – Mit Elvis durch Amerika

Was soll ich dazu sagen?
Manch einer erwartet jetzt vielleicht wieder eine Musikdoku. Manch einer erkennt Elvis und fühlt sich zurückerinnert an das schräge Zeitalter, wo es scheinbar nichts anderes gab – und denkt sich, darüber wurde jetzt wohl ein Film gedreht.
Andere schauen sich das Plakat an und fragen sich: Was hat Ethan Hawke, Ashton Kutcher oder Alec Baldwin mit Elvis zu tun?
Na vielleicht reisen sie. Immerhin heißt es ja “Mit Elvis durch Amerika”, es kann also nur …
Leute? Vergesst es!
Es ist viel besser!
Richtig, richtig abgefuckt geil!
Ich habe noch niemals – wirklich noch niemals – eine so verschachtelte, anspruchsvolle, ineinander verwobene und abstrus konstruierte Dokumentation im Kino gesehen, die ein so scheinbar plattes Thema hat.
Der Anspruch, den man sich hier selbst gesetzt hat, zur elitären Elite der Eliten zu gehören und etwas abzufeiern, das weit entfernt von dem ist, was damals passierte, ist mehr als gelungen.
Dieser Trip ist außergewöhnlich – und es lohnt sich definitiv, den Gang ins Kino auf sich zu nehmen! Man ist nämlich keine Elite, sondern einfach nur verdammt gut! Was hier gemeistert wurde, muss gesehen werden – und die Botschaft ist höllisch geil! Glaubt mir, auch wenn es anfangs vielleicht schwer fällt, in die Sache einzusteigen – am Ende werdet ihr es nicht bereuen. Zumindest nicht, wenn ihr auf Filme mit Köpfchen, Sinn und Verstand steht.
Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, genau das in dieser Art und Weise zu erzählen … und schon gar nicht hätte ich es geschafft, das so gelungen rüberzubringen … ich meine: Am Ende geht man echt mit Plausibilität vollgefrühstückt wieder aus dem Saal und denkt sich einfach nur: Wie geil war das denn bitte jetzt?
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und sucht das Kino, das diesen Titel definitiv im Programm hat.
Ich habe noch niemals eine großartigere Dokumentation über so etwas gesehen, geschweigedenn diese geniale Verkettung von ineinander verwobenen Verflechtungen darin exhumiert. Dieser Trip ist Adrenalin für das Gehirn – holt euch eure Dosis und feiert dieses Werk genauso ab wie ich!

 
Nachspann
endet smooth, ihr müsst also nicht sofort aufspringen – lasst euch ein wenig Zeit.
Kinostart: 19. April 2018

Die Verführten

Sofia Coppola auf dem Regiestuhl ist meist ein Garant dafür, dass ein Film einschlägt. Die Frau hat nicht nur einen anbetungswürdigen Vater als Regie-Vorbild, sondern ihren ganz eigenen Stil entwickelt, den sie mit Herzblut, Liebe und Hingabe jedes Mal auf die Leinwand zeichnet, ohne sich dabei von anderen beirren zu lassen.
Und so etwas ist selten. Schon in The Virgin Suicides habe ich ihre Arbeit bewundert und die Liebe zu ihrem Stil entdeckt. Umso erfreuter war ich, dass im Kino demnächst wieder ein Stück von ihr zu sehen sein wird und habe mit Freuden darauf hingefiebert.
Die Verführten lockt ja im Trailer schon mit einer außergewöhnlichen Story und kitzelt die Zuschauer bereits ein wenig in punkto Horroranflüge. Der Film selbst packt die Sache dann allerdings völlig anders an und löste nicht nur bei mir die Reaktion aus, etwas völlig anderes bekommen als erwartet zu haben. Sei’s drum.
Der prägende Stil, den sie sich für ihre neueste Schöpfung ausgesucht hat, orientiert sich natürlich auch wieder pedantisch an der gewählten Zeit und sorgt mit viel Detailreichtum und Aufmerksamkeit für ein authentisches Bild dieser Epoche. Die dadurch erzeugte Sphäre wird zusätzlich aufgeladen, da alle Schauspieler sich gemeinsam auch zwischen den Drehs in ihrer Rolle beschäftigten um somit mehr Glaubwürdigkeit zu erzielen.
Nicht nur beim Design der Klamotten und dem Ausschmücken der Szenen, sondern auch in den Erzählsträngen spürt man sofort, dass hier sehr viel Detailverliebtheit am Start war. Auch die Darsteller berichten darüber, dass die Arbeit mit Sofia sehr angenehm, verspielt und fachlich sicher gewesen ist. Das für die heutige Zeit eher ungewöhnliche Format des Films zeigt, dass ihre Entscheidungen wohl durchdacht und mit Sinn getroffen worden sind, denn sie wollte durch das 1:1,66 Bildformat mehr Ausdrucksmöglichkeiten für die Körpersprache erreichen.
Sich dann mit Thematiken zu beschäftigen, die in heutiger Zeit wohl kaum noch eine Rolle in der Öffentlichkeit spielen, diese aber so immens beeindruckend und von allen Dingen unterstützt auf die Leinwand zu konzipieren, ist großartige Regiearbeit, die sonst keiner so innig ausführt.
Der Film lebt quasi mehr oder weniger von der Kulisse, den Regeln, den Gemeinsamkeiten und Entwicklungen, die jede Generation für sich mit der Situation macht. Dadurch erzählt sie in ihrer Buchverfilmung eine Story, die nicht nur absolut realistisch wirkt, sondern auch dieses verlorene Bild der Protagonisten mitsamt ihren Schwierigkeiten vermittelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv ein Stück sehenswerte Kinogeschichte, dass sich mit einer Zeit beschäftigt, die unsere heutigen Probleme um ein Vielfaches unterwandert.
Die Details, die Vorarbeit und das wohldurchdachte Konzept sprühen aus jeder Szene und vermitteln ein authentisches und beklemmendes Bild einer mehr als eigensinnigen Situation. Dies dann in 89 Minuten fesselnd auf die Leinwand zu bringen und etwas völlig Abstruses zu erzählen, schafft nur jemand in 26 Drehtagen, der sein Handwerk wirklich versteht.
Freunde alter Filme, die ganze “Damenkleider”-Fraktion und Menschen mit Liebe für eine außergewöhnliche Story finden hier sicherlich Gefallen dran.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Nach der letzten Klappe ist wirklich Schluss.
Kinostart: 29. Juni 2017

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