Sohn

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So viel Zeit
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So viel Zeit vereint augenscheinlich so ziemlich alles, was in Deutschland Rang und Namen hat und in der Filmbranche irgendwelche Erkennungsmerkmale aufweist. Nicht umsonst sind zwei namhafte Fernsehmogule (ARD Degeto und Sky) maßgeblich in die Produktion involviert.

Genau hier liegt in meinen Augen auch das Problem: Man hat als Leader der deutschen TV-Gesellschaft und Botschafter-Beauftragter endlich mal die Chance, zu zeigen, was man auf dem Kasten hat und wie man eben doch alle Genres und Altersklassen bedienen kann und macht? Wieder nur Musik für die Alt-Generationen und weicht dabei kein Stückchen in die jugendliche Vitalität ab, sondern beschäftigt sich wieder nur mit der abgehalfterten Sterbebett-ZDF-Fraktion, die man in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten so gerne bedient. Dabei wäre die Szenerie prädestiniert dafür gewesen, endlich seine Fühler in jüngere Gefilde auszustrecken und damit der gesamten Bandbreite die Hand zu reichen.

Und ja, es ärgert mich maßlos, dass dieser Geniestreich gar nicht versucht wurde. Also bleibt nur, sich auf die Oldies zu konzentrieren und das Werk auch nur innerhalb der Grenzen des Altersheims zu bewerten.

Beschränkt man sich auf diese Zielgruppe, ist der Film durchaus sehr brauchbar, wandlungsfähig und fährt auch mit einigen Geschützen auf, die durchaus wert sind, dass man sich aus seinem Sesselchen erhebt und den beschwerlichen Weg in den großen, kalten Kinosaal antritt, weil Fernsehen dem hier fast nicht mehr gerecht werden kann, da man ein gewisses Niveau erreicht und auch etwas zu erzählen hat, wofür selbst mir die ARD dann auch wieder zu schade wäre.

Immerhin zählen die auf dem Plakat genannten Schauspieler mittlerweile quasi zum Portfolio deutschen Kinos und gehören nunmal nicht nur in die 22:00 Uhr-Schiene eines Oldie-Senders, wenn es der Film je auf so eine frühe Ausstrahlungszeit schaffen sollte.

Ich für meinen Teil hab ihn mir sogar 2x im Kino angeschaut, und das nicht nur, weil ich Jürgen Vogel mag und sein Schauspiel sehr schätze.

 

.kinoticket-Empfehlung: Verhält sich leider genauso altbacken, wie man es von der ARD erwarten würde und verpasst somit die sensationelle Chance, endlich ein jüngeres Publikum für das Schaffen der GEZ-Mogule zu begeistern, was bei dieser Steilvorlage problemlos möglich gewesen wäre.

Abseits davon hat dieser Film genug zu erzählen, um wirklich im Kino und nicht nur im TV beschaut zu werden, denn er fährt mit einigen Cast- und Plotüberraschungen auf und liefert auch sonst ein solides Bild ab – dass halt leider den Sprung in die Jungvitalität verweigert.

 

Nachspann
❌ aufstehen, rausgehen – dann macht man auch hier glaube ich alles richtig.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: So viel Zeit
Length: 100 Min.
Rate: FSK 6

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Foxtrot

Foxtrot ist ein glanzvolles Beispiel dafür, wo Gelder aus den Gebühren für arte und ZDF hin fließen und dass der Rundfunkbeitrag eben doch nicht so stumpfsinnig ist, wie es im Programmheft der ARD oft den Anschein hat. Genau dieser Umstand ist mir in den letzten Jahren so oft aufgefallen und ich empfinde es an dieser Stelle mal als wichtig, darauf hinzuweisen, dass hinter dem (ja, ich weiß – es ist wirklich so) blöden Programm des öffentlich-rechtlichen Mediengiganten noch viel mehr steckt, wozu Gebührengelder ebenfalls genutzt werden, wenn auch nur in Teilen davon. Genau das ist aber ein Grund, weshalb man diese Gebühren nicht partout abschaffen sollte. Vielmehr müsste man sich um eine neue Gebührenstruktur bemühen, die eine gerechtere Aufteilung unter allen Anteilhabern ermöglicht und eben solche Projekte wie das hier mehr fördert.

Vielleicht würde es auch reichen, die Öffentlichkeit mehr (und einfacher) darüber aufzuklären, wo alles Gelder aus dem Rundfunkbeitrag in welchen Höhen hin fließen, da oftmals auf den Leinwänden im Kino Projekte und Filme landen, die einen enormen Wichtigkeitsgrad innehaben oder großartige Geschichten erzählen und damit aktiv Kunst und Bildung ermöglichen und leben. Hier werden die Gebühren sozusagen mehr ihrem eigentlichen Zweck zugeführt, als im TV-Programm. Zielgerechteres Zahlen wäre eine mögliche Alternative, den Bürger versöhnlicher auf die oft so verhasste “GEZ-Zwangsgebühr” zu stimmen und Filme wie dieser beweisen, dass der Grund dieses Beitrags durchaus seine Berechtigungen hat.

Israel als Land hätte es niemals auf die Reihe gekriegt, in seiner kinogeschichtlichen Umgebung einen Film wie diesen auf die Füße zu stellen. Hier hat Deutschland unter die Arme greifen müssen, damit die Autoren diese Geschichte erzählen, diese Inhalte an die Weltbevölkerung weitergeben können. Das großartige Zusammenspiel beider Länder zeugt von künstlerischer Annäherung, die die Beziehung zwischen den beiden durch ihre Geschichte so gebeutelten Länder erneut positiv beeinflusst und Hoffnung darauf macht, dass es vielleicht irgendwann doch ein “Vergeben” gibt und man nicht mehr über manche Dinge sprechen muss.

Auch hier hat Kino wieder Vorbildwirkung und es bleibt zu hoffen, dass sich dies in den kommenden Jahren dann auf die restliche Menschheit und Gesellschaft auswirkt.

Und das geht bereits bei den kleinsten Dingen, wie bei einem “t” los: Kurz nach der Vorstellung bemängelte ein Pressevertreter, dass im beigefügten Presseheft zu wenig darauf hingewiesen wird, dass es sich hier nicht um den allgegenwärtig bekannten Tanz “Foxtrott”, sondern das Codewort im Buchstabieralphabet der Army (“Foxtrot”) handelt. Was uns gleich zum nächsten Problem bringt: Schon wer was vong dem neuen Jugendsprache gehört? In Zeiten von Fack Ju Göhte weiß doch sowieso niemand mehr, wie richtig geschrieben wird, und selbst die alten Hasen sind teilweise bei der Einführung der neuen Rechtschreibung dann endgültig ausgestiegen. Auch bei mir wird “Portmonee” immer noch “Portemonnaie” geschrieben und das wohlwarme Gefühl des “Das passt schon so, weil’s gefühlsmäßig richtig ist”, nach dem man sich zu Schulzeiten immer noch richten konnte, findet heute keine Anwendung mehr.

Wem von der jüngeren Kinotruppe sollte also so etwas auffallen? Zumal selbst schon das Plakat augenscheinlich mit eben diesem Grad an Verschwommenheit arbeitet und man sich eben nicht wirklich sicher ist, was genau nun jetzt hier gemeint ist.

Und damit sind wir voll im Thema: Unklarheiten, kleine Absonderlichkeiten, die großartige Wirkungen und Konsequenzen nach sich ziehen und teils verheerende Folgen haben. Dies lässt sich alles wieder metaphysisch auf unser Land anwenden, aber ich möchte euch mal an der Stelle nicht zu sehr überfordern, sondern verweise still und heimlich auf das “Gewinner Großer Preis der Jury Film Festival Venedig”, das man mitten aufs Plakat gedruckt hat und verrate euch, dass dies absolut berechtigt ist.

Tatsächlich punktet der Film gleich in mehreren Ebenen. Fangen wir mal bei etwas weniger wichtigem an: Der Farbgebung, der Kulisse, dem “Geist eines Landes”, den man hier sicherlich nicht alltäglich kennt. Allein schon die Introduktion der verschiedenen Protagonisten erweist sich als reichlich intelligent und zum ersten Mal seit langem hatte man mal nicht das Gefühl, dass hier etwas “aufgesetzt” oder bewusst “künstlerisch wertvoll” begangen wurde, sondern man sich bodenständig auf sehr eigenwilligen und markanten Wegen vorwärts bewegt.

Die verschiedenen Geistes-Meta-Ebenen, in die man sich dann im Verlaufe des Films verstrickt, sind auch allesamt sorgfältig ausgewählt und bereisen eine Welt, die sich dem monotonen Alltag des Durchschnitts-Deutschen sicherlich entzieht. Es ist höchst interessant, die Jungs auf der Leinwand zu verfolgen und sich in dieses Bad an intellektuellen Gefühlen und Sinneseindrücken zu winden.

Und das ging nicht nur mir so: Viele (eigentlich fast alle) meiner Pressekollegen empfanden diesen Film erstmalig wieder als erfrischend positiv und gelungen. Tatsächlich wird man wirklich mit einer Professionalität überwältigt, die einem so selten begegnet ist – auch hier gerne wieder der Verweis auf die besondere Zusammenarbeit verschiedener Länder. Die Jugendlichkeit dieser Beziehungen zahlt sich an dieser Stelle inhaltlich wieder mal voll aus, gleich dem, wie man es von Debüt-Filmen her bereits aus der Vergangenheit kennt.

Und am Schluss sitzt man da und hat für wenig Geld (Arthaus-Kino) ein großartiges Stück Filmgeschichte bekommen, dass noch lange nachhallt und mit Sicherheit niemanden unberührt wieder von dannen ziehen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: So wird Kino gemacht: Aus Gebührengeldern teilweise finanziert entstand hier ein Projekt, dass die sinnliche Annäherung grober Gewalten portraitiert und dabei auf die behutsamsten Ebenen des Seins vorstößt: Foxtrot erzählt eine unglaubliche Geschichte und berührt mit überwältigenden Bildern und Sinneseindrücken.

Eine visuell-starke Reise in eine entfernte Welt mit Abstecher in die Gefühlsendlosigkeit der menschlichen Existenz.
Hier sollte man zwingend zugreifen und den Abend ganz bewusst genießen, so etwas prächtiges und faszinierend-schönes bekommt man selten “vor die Linse”.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Foxtrot
Length: 113 Min.
Rated: FSK 12

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Christian Clavier kennt man hierzulande wohl am besten aus Monsieur Claude und seine Töchter. Später kam noch Nur eine Stunde Ruhe! ins Kino, der aber an der großen Allgemeinheit leicht vorbeigesegelt ist und in dem er meiner Meinung nach die großartigere Rolle gespielt hat, als in dem Vorgänger. Natürlich hat er noch viel mehr Werke auf dem Kasten, die teilweise aber sehr weit in der Zeit zurückreichen und somit von keinem Jugendlichen mehr als selbstverständlich auf dem Schirm sein dürften.
Nicht ohne Eltern geht einmal mehr den Schritt ins Culture-Clash-Milieu und begeistert mit einer fast schon grenzwertigen politischen Unkorrektheit, für die Clavier aber irgendwo bekannt ist. Hier werden Themen inkludiert, die manch einem vielleicht bitter aufstoßen mögen und hier und da Fragen aufwerfen, ob das noch “in Ordnung” ist oder man es lieber kritisieren sollte.
Ich finde, es passt. Zum einen ist das eine Theaterstückverfilmung, was sowieso für provokante Thesen steht und oft die unliebsamen Dinge anspricht, zum anderen wird aus der Geschichte so viel Klamauk rausgehauen, dass man sich stattdessen eher für die “normalen Reaktionen” schämt und in Sachen Randgruppe spaßig unterhalten fühlt. Hier gehört meines Erachtens einfach eine neue Denkweise her, die mit den alten Vorurteilen und den oft als falsch beschrieenen Reaktionen aufräumt und eine grundsätzliche Gelassenheit ins Spiel bringt, auf deren Basis man dann auch solche Filme wie diesen drehen kann.
Also bringt ein wenig Toleranz mit und ölt dafür eure Zwerchfelle, mit den Jokes treibt man es hier gerne und häufig auf die Spitze, was im Kino einfach zwischendurch mal wieder so richtig Gaudi bereitet und die Lachmuskeln beansprucht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wunderbar schräg, herrlich inkorrekt und mit einer süffisanten Spitze Humor zu nehmen: Dieser Film unterhält bestens und bedient sich dabei völlig neuer Ideen.
Clavier in einer seiner besten Rollen, geht hier völlig auf und bereitet dem Kinopublikum jede Menge Lacher und beste Unterhaltung. Großartig!

 
Nachspann
✅ Darf man sitzenbleiben, hier werden noch Bilder gezeigt, die allerdings die Handlung nicht noch weiter voran treiben.
Kinostart: 21. Juni 2018

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Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Twentieth Century Fox kann Filme. Einmal mehr hat sich das Tochterunternehmen des Studios einer Geschichte angenommen, die unverblümte Wahrheiten auspackt und damit ganz neue Einblicke in den Wahnsinn manchen Geschehens ermöglicht. Dass Menschen so sind, wie sie sind, ist ja weithin bekannt und wurde millionenfach von Hollywood besungen.
Was hier allerdings zum Besten gegeben wird, ist nicht nur sensationell überraschend, sondern trumpft mit einer Unglaubwürdigkeit auf, die so manches Weltbild zum Einsturz bringen könnte. Anfangs mutet der Film noch sehr altmodisch an, braucht eine Weile, um in die Gänge zu kommen und richtig an Fahrt aufzunehmen, aber dann entwickelt sich das einerseits zu einem Heidenspaß, andererseits glänzt man hier durch schockierende Tatsachen, die endlich mal die ganze Wahrheit solcher Fälle offenbaren und nicht immer nur die Creme-Seiten auftischen.
Und genau das macht diesen Film so spannend: Inspiriert von der wahren Geschichte, die die Hintergründe zu dem liefert, was Medien und Co. seinerzeit schon zu Tode getrampelt haben, ermöglicht man nun den Zuschauern, sich hier umfänglicher zu informieren und die Reise noch einmal durchzuführen, nur diesmal eben von der anderen Seite der Scheibe aus.
Ganz deutlich muss man hier auch die Hauptakteure des Films hervorheben, die sich durch ihr Schauspiel großartig von der Masse abheben: Margot Robbie, vielen aus Suicide Squad oder I, Tonya bekannt, begleitet von Domhnall Gleeson, den einige wohl zuletzt in Star Wars: Die letzten Jedi auf der Leinwand gesehen haben dürften, und den Kinderstar Will Tilston, dem nach dieser Leinwandoffenbarung alle Türen im Showbusiness offen stehen dürften.
Die großartigen Leistungen – und vor allem auch das großartige Plädoyer der Dialogschreiber zeigt einmal mehr, dass auch in Hollywood die Kunstfertigkeit der Sprache noch nicht gänzlich ausgestorben ist, sondern man durchaus auf hohem Niveau zu entzücken weiß.
Am Schluss versteht man vieles nicht mehr, an das man früher gerne glauben mochte, zieht aber nicht enttäuscht, sondern bestens unterhalten von dannen und hat einen weiteren wunderbaren Film in seinem Sichtungsportfolio.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch am Anfang ein wenig Zeit, um in den Film reinzukommen, nach ungefähr 20 Minuten taut der dann wirklich auf und liefert erstklassige Unterhaltung, die u.a. sehr zum Lachen anregt.
Die Story und das Geschehen könnte so manches Weltbild einstürzen lassen, umso wichtiger ist daher, dass genau das auch unters Volk kommt und gesehen wird. Vielleicht versteht man dann einiges ein klein wenig besser.

 
Nachspann
❌ Nach dem Text ist Schluss – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 7. Juni 2018

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Nehmt jemand her, der kein Problem mit Vorurteilen hat, lasst ihn oder sie die .kinotickets kaufen und den Rest der Truppe dann einfach mit einem sanft-gemütlichen Arschtritt ins Kino befördern und schauen, was passiert.
Liest man vorab den Plot, schaut sich .trailer oder sonstiges zu dem Titel an, kommt man womöglich auf seltsame Gedanken, die viele wohl erstmal ein klein wenig abstoßen dürften, weil diese Form des Sports eben nicht so geläufig ist, wie manch einer das wohl gerne hätte.
Vor Jahren gab es bereits eine Dokumentation namens Men who Swim, die ziemlich hohe Wellen schlug, und auf der basierend dieser Spielfilm gedreht wurde. Teile der Crew wurden sogar in die Arbeit mit einbezogen, damit ein möglichst wahrheitsgetreues Abbild der Ereignisse von damals geschaffen werden konnte, das dennoch die liebenswerten Qualitäten eines herzerwärmenden Spielfilmes aufweisen und das Kinopublikum zu unterhalten weiß.
Und dabei geht Regisseur Oliver Parker aufs Ganze und trumpft mit britischem Humor erster Güte auf, der die gar nicht mal so unalltägliche Geschichte eines Mannes erzählt.
Das Problem sehe ich hier eigentlich nur im ersten Schritt: Den Zweifeln und Vorurteilen einer ganzen Rasse vorauszugreifen und sie dazu zu bewegen, sich einfach mal ins Kino zu bewegen. Ist das passiert, wird’s garantiert köstlich und amüsant. Die Truppe weiß exzellent zu unterhalten, an Jokes und lustigen Momenten wird nicht gespart und auch die “Merkwürdigkeiten” verschwinden relativ schnell und werden vom Film sehr einfühlsam und respektvoll umschlungen, so dass am Schluss eigentlich jeder begeistert wieder aus dem Saal kommen wird, trotz dieses Themas.
Und darin brilliert dieser Film meisterlich: Er umwirbelt all die Gedanken, fängt sie ein und spinnt daraus ein farbenprächtiges Rad an Situationskomik und Alltagstragik, die eben nicht vollständig erfunden, sondern auf einer wahren Begebenheit beruht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer wieder einmal ungeniert lachen und sich köstlich amüsieren will, dabei aber auch sensible Gefühle zulassen kann, der ist mit diesem Film bestens beraten.
Britischer Humor in seiner vollen Blüte in einer fesselnden und zugleich faszinierenden Story, bei der es nur einen Knotenpunkt gibt: Den Einstieg. Ist man einmal im Saal, wird der Abend definitiv als gelungen in die Geschichte eingehen.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 07. Juni 2018

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Ben Stiller – früher eher als Comedy-Krawalltante bekannt – übt sich seit neuestem ja in ernsthafterem Kino und hat bereits in dem wunderbaren Das erstaunliche Leben des Walter Mitty bewiesen, dass er auch ernsthaftere Kost glaubhaft und wohldosiert rüberbringen kann.
An der Seite seiner Schauspielkollegen brilliert er einmal mehr in einem Stück, dass sich essentielle Fragen des Lebens zu Gemüte führt und sie in einem fantastischen Tanz erörtert, der zu einem grandiosen Finale führt.
Dabei irrt er nicht mehr auf alten Pfaden und versucht, durch halbherzig komödiantische Einlagen das Publikum für sich zu gewinnen (oder nicht ganz so arg zu verärgern), sondern seine zweifelhafte Stimmung und die permanent kippende Laune ist begleitet von einer fast legendär-empathischen Erfahrung, auf die man sich als Zuschauer einfach einlassen muss – auch wenn es gefühlsmäßig manchmal echt schwer ist.
Doch der harte Kampf lohnt, bis zum bitteren Ende ausgefochten zu werden – denn dieses Finale ist einfach traumhaft in herrliche Szenen eingepackt und geleitet den Zuschauer in wohlige Wärme gebettet wieder durchs Foyer in die eiskalte Welt hinaus.
Dass diese Erkenntnis so manchem morgens aufs Smartphone gebrannt werden müsste, damit der- bzw. diejenige endlich begreift, dass vieles im Leben so viel einfacher wäre, wenn man die Prozedur Stillers gedanklich bis zum Ende durchläuft und sie auf sein eigenes Leben projiziert, bezeugt, dass genau dieser Film eine Wahrheit birgt, die sofort von euch entdeckt werden sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also fackelt nicht lange, organisiert euch .kinotickets und belebt die dunklen Gemächer des Lichts – hier gibt es etwas zu lernen und obendrauf noch eine Frischzellenkur für Geist und Herz – die Investition zahlt sich in jedem Fall aus.
Ben Stiller ist großartig und seine Mitprotagonisten vervollkommnen ein Gesamtprojekt, dass den Gang auf für Kinomuffel endlich wieder einmal begründbar macht.

 
Nachspann
Bleibt sitzen, er ist großartig!
Kinostart: 29. März 2018

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Loveless

Loveless ging dieses Jahr sogar in die Nominierungslisten der Academy Awards als Russlands Beitrag für den besten fremdsprachigen Film ein. Den Preis hat er (neben vielen anderen) dann auf den französischen Oscars (César) auch bekommen. Na gut, irgendwas mit Liebe verkauft sich auf der Leinwand ja immer. Meint man.
Der Titel hat aber nichts mit Liebe zu tun, sondern heißt wörtlich übersetzt “Lieblos” bzw. aus dem Russischen “Nichtliebe”. Mir persönlich ist noch niemals ein Film begegnet, der so leer war, was Liebe betrifft: Der Titel trifft vollkommen ins Schwarze.
Depression, Trauer, Hass, Wut, Angst, Entzweiung, Zwiespalt, Gleichgültigkeit, Enttäuschung, Ärger, was immer man für negative Assoziationen in der Gefühlswelt findet, dieser Film macht sich über sie her und zerpflückt sie in seine metaphorischen Einzelteile: Willkommen in einer Studie über Beziehungen und deren Auswirkung auf die Familie.
Die Konsequenz, mit der man hier die Abschlachtung jedweder Positivität vollzieht, ist erschreckend boshaft und öffnet die Tür für eine grandiose Hölle, die ich so ausgeprägt und durchexerziert noch niemals auf der Leinwand erlebt habe: Vielleicht macht das diesen Film zu einem preisverdächtigen Stück.
Großartig sind sehr wohl die technischen Einstellungen, die unrühmlichen Bilder eines trostlosen Winters, das stille Schweigen und die Abwesenheit jeden Lebens, der stille Schrei zum Himmel und was alles dahinter verborgen ist – das Setting ist in der Tat bewundernswert und kracht alles bisher dagewesene im Zuschauer zu Boden. Man schafft es, eine Welt zu vermitteln, die unerträglich ist – und vielleicht findet der ein oder andere seine Freude daran, in einer derartig ausgeprägten Depression zu versinken.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier von “Spaß” oder “Unterhaltung” zu sprechen, wäre absurd: Loveless ist der Inbegriff von filmisch gelungener Depression und der Abwesenheit all dessen, was das Leben zu einem solchen macht.
Das Schauen dieses Titel gilt als Herausforderung – wer keinen guten Tag hatte, sollte diese Vorstellung tunlichst vermeiden. Alle anderen gehen definitiv betrübt wieder aus den Sälen hinaus.

 
Nachspann
Wer die Erlösung bis jetzt nicht gefunden hat, findet sie hier auch nicht mehr.
Kinostart: 15. März 2018

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Man nehme:

  • 14 Schnapsgläser
  • Reichhaltig von einem hervorragenden Hochprozentigen
  • Ein Brett (am besten mit Einkerbung, damit die Schnapsgläser nicht rausrutschen)

Dann startet das Trinkspiel. Jedes mal, wenn im Kino der Name “Antanasia” gesagt wird: trinken!
Erstens wirds dadurch im Laufe der Zeit wirklich erträglich, der Story zu folgen. Zweitens ersäuft man so seinen inneren Hass auf die biederen Klischees, die im Film ausgeschmückt und verehrt werden und drittens fällt mir keine andere Methode ein, um dieses Werk, das bereits im Trailer abscheuliche Antipathien streute, auch nur näherungsweise leichter zu ertragen.
Alternativ kann man auch jedesmal zum Glas greifen, wenn man sie sieht. Das erhöht die Chancen, dass man bewusstlos umkippt, bevor der Film zu Ende ist. Dann ist das ganze noch leichter zu ertragen.
Nein, Leute, mal im Ernst: wer denkt sich so einen Schwachsinn aus und wieso gibt’s davon dann gleich drei Teile? Mein Kinobuddy lotete die Zielgruppe auf unter 10 aus und selbst für die finde ich die Darstellungen und das Gewese allenfalls zweifelhaft. Lehrreiche Interpretationen des Lebens oder liebenswürdige Umgarnung leidvoller Darstellungen aus dem echten Leben oder wenigstens mit einer Moral für selbiges? Fehlanzeige.
Statt dessen …. AntanaaaaaasiaaaahhhhhhTRINK! …. äh, wo waren wir?
Eins hat der Film definitiv bei mir geschafft: einen neuen Tiefpunkt zu entdecken, was Niveau, schauspielerische Leistungen und überzeugendes Können angeht.
Ich schau mir ja viel an. Auch wenn das untertrieben ist. Und ich lass mich auf vieles ein und bin dabei auch eigentlich immer recht tolerant beim Umgang mit der Suche nach dem passenden Publikum. Aber das hier?
 

.kinoticket-Empfehlung: Verlasst den Ort der Schande und zeigt offen, dass so etwas gar nicht geht.
Nicht, weil es nicht familientauglich wäre oder auf den ausgelutschten Trend der Vampircoolness hinarbeitet, sondern weil die Umsetzungen einfach dermaßen schlecht sind, dass selbst die Kotze zu schade ist, die man dafür verschwenden müsste.
Sorry, für diese ehrlichen Worte, aber anders kann ich dieses Ding nicht beschreiben. Es war die größte Erleichterung, als ich endlich wieder aus dem Saal raus durfte.

 
Nachspann
Um dem allen noch einen drauf zu setzen kommt hier noch was.

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