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Tag: Singen

Anna und die Apokalypse

Anna und die Apokalypse

© 2018 Splendid Film GmbH

 

Ernsthaft? Die Idee ist großartig! Alljährlich wird man zugemüllt mit Weihnachtsmovies der immer gleichen Sorte und ertrinkt fast in Romantik und Kitsch! Anna und die Apokalypse wartet als Musical mit einer total verblödeten Story auf, die aber zusätzlich ein Genre ins Spiel bringt und damit als “Zombie-Weihnachts-Musical” auf dem Plan steht.

Dafür? Chapeu!

Zombiefilme sind inzwischen genauso Massen-Mainstream, den niemand mehr sehen will und kann und jetzt mit Konstrukten wie “Rom-Zom-Com” um sich werfen zu können ist derart verrückt, dass es fast schon wieder Spaß machen könnte.

Für meinen Teil dauerte es ein wenig zu lange, bis der Titel den roten Kleister ausgepackt hat und den letzten ernsthaften Zombie-Movie habe ich vor meiner Reinkarnation gesehen, ergo sollten die Erwartungen ebenfalls in Grabesnähe dümpeln und keineswegs emporsteigen.

Tatsache: Das Ding ist so dämlich, dass man tatsächlich mehrfach damit beschäftig ist, ob der Dummheit zu lachen und sich insgeheim richtig geil unterhalten fühlt. Dabei wartet man mit typischen La La Land-Manieren auf und bringt dabei den obskuren Witz eines 90er Jahre Zombieslashers mit ins Spiel, was absolut absurd wirkt und der Geschichte ein wenig Würze verleiht.

Dazu entwickelt der Streifen in den ersten Folgeminuten einen tiefschwarzen Humor, der förmliche Lachsalven in den Kinosaal wehte und sowohl jung als auch alt dazu zwang, Zwerchfelltraining zu betreiben! Diesen Humor hätte ich mir ausgebaut gewünscht und dabei noch ein zwei Spitzen mehr in den Plot eingebaut. Jedoch merkt man sehr schnell, dass die Luft ziemlich dünn wird und anschließend nicht mehr viel zu erwarten ist.

Damit pendelt sich das Niveau im ersten Teil schon ziemlich ein, was sich dann bis zum Schluss durchträgt und weder besser noch schlechter wird. Wer damit kein Problem hat, darf sich dieses Jahr zu Weihnachten mal über einen abnormalen Film freuen, der von Weihnachtskitsch nicht viel übrig lässt und eine völlig neue Humbug-Variante ins Spiel bringt, die als Idee – wie anfangs schon erwähnt – echt grandios ist.

 

.kinoticket-Empfehlung: Tolle Idee mit teils grandiosen Gags, die aber relativ schnell absacken und gegen Ende des Films nichts mehr wirklich vorhalten.

Man könnte meinen, es handelt sich um ein wahnsinnig professionell gestaltetes Studentenprojekt, zumindest, was das Plotniveau angeht, auch wenn die Optik dazu viel zu geil aussieht. Die Jokes sind neu und die Idee ist zum Abfeiern, jedoch hätte ich mir wesentlich mehr zynischen Humor gewünscht und vor allem zum Ende viel mehr Biss.

Als Weihnachts-Alternative auf jeden Fall zu gebrauchen, schraubt eure Erwartungen aber nicht höher als die Leichen in den Gräbern.

 

Nachspann
✅ ist animiert, man braucht also nicht gleich raus rennen.

Kinostart: 6. Dezember 2018

Original Title: Anna and The Apocalypse
Length: 92 Min.
Rate: FSK 16 | R

Der Klang der Stimme


© 2018 mindjazz pictures

 

Und weiter geht’s im Reigen der Filme “Was gibt es alles, das aus dem Rahmen der Alltäglichkeit rausfällt und womit sich noch nie jemand eingehend beschäftigt hat”. Regisseur Bernard Weber nimmt sich ein Thema vor, mit dem jeder Mensch tagtäglich konfrontiert ist, über das man in diesem Stil und Ausmaß aber gewiss als Normalsterblicher noch nie so eingehend oder überhaupt nachgedacht hat: Die menschliche Stimme.

Nun mag Der Klang der Stimme kein sonderbar begeisterungsfähiges Meisterwerk sein, dass alle Bande sprengt und hier mit erstaunlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen punktet, was mir an dem Streifen aber ungemein gefallen hat, sind die absurden Winkel und Ideen, in die man erzählerisch hineingeführt wird: Dieser Fußtritt ins Labyrinth der Gedanken darüber tut gut und ist ungemein anregend, weitere Ausführungen dazu im Kopf zu entwickeln und sich einfach mal mehr mit diesen Ideen zu beschäftigen.

Tatsächlich gebrauchen wir alle unseren Mund tagtäglich und sind mehr oder weniger wie automatisiert damit beschäftigt, unser Sprechorgan zu beackern, haben uns aber selten die Zeit genommen, darüber nachzudenken, was alles damit geschehen kann und wie diese Stimm(ung)en unser tägliches Leben beeinflussen.

Hier trumpft dieser Film mit jeder Menge Input, gibt Anregungen und entreißt einen aus alten Denkmustern und liefert genügend Ansätze, weiterzudenken und selbst Nachforschungen anzustellen und diese an sich selbst zu testen. Unglaublich, in welch zwanghafte, unbewegliche Lage uns unsere Gesellschaft förmlich getrieben hat, sich einfach mit diversen Begebenheiten abzufinden und diese nicht weiter zu hinterfragen.

Und genau das bedeutet im Normalfall den Tod. Einen Tod, vor dem eigentlich jeder Angst hat und fliehen möchte – den man in diesem Fall aber ungehemmt hinnimmt und sich darin suhlt mit der Ausrede, alles sei doch “normal”.

Dass eigentlich nichts normal ist und was genau damit gemeint ist … findet’s doch einfach raus, indem ihr ein .kinoticket löst und es euch im großen Saal erzählen lasst?

 

.kinoticket-Empfehlung: Eine Entdeckungsreise in die Abgründe von Klängen, Stimmen und der dahinterstehenden psychologischen Wirkung auf einen selbst: Kein Meisterwerk, aber gut genug, um seinen tristen Alltag zu hinterfragen und selbst ein paar Experimente zu starten.

Tatsächlich beinhaltet der Film jede Menge Ansätze, die einen selbst zum Weiterdenken anregen und mit denen man sich einfach mal befassen sollte: Es erweitert vielleicht deinen Horizont und bringt auf jeden Fall ein paar spannende Aufbauten zutage, an die man so wahrscheinlich nie geraten wäre.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 1. November 2018

Original Title: Der Klang der Stimme
Length: 82 Min.
Rate: FSK 0

Thilda & die beste Band der Welt

Erst kuckt der Typ überhaupt Kinderfilme, dann schaut er auch noch norwegische Kinderfilme … Was zur …
Erinnert euch daran, dass mit Baymax ein Kinderfilm den Ursprung dieses Blogs ausmacht, auch wenn das – zugegeben – früher niemals mein Genre gewesen ist und ich so manchem Versuch auch heute noch absolut nichts abgewinnen kann.
Thilda & die beste Band der Welt ist in zweierlei Hinsicht verschieden: Erstens gehört er zur Kategorie “Foreign Language Movies” und liefert somit einen Einblick in fremde Kulturen und lässt über den Tellerrand des eigenen Alltags blicken. Und sowas ist genauso wichtig, wie ständig auf Reisen zu sein, um seinen eigenen Horizont zu erweitern und festzustellen, dass so manch kleinkarierte Borniertheit auch in Deutschland nicht angebracht ist.
Und zweitens ist Norwegen bekannt für verdammt guten Rock. Eigentlich ist Norwegen (abgesehen von Fjords) nur bekannt für verdammt guten Rock. Und das hier ist ein Kinderfilm! Leute, schaut (und hört) euch das an => Der Wahnsinn! Da kacken alle promovierten Radiosender dieses Landes dagegen ab. Und ja, ich hab ne Guitar-Meise, was das angeht . Es ist wundervoll, dass es solche Filme auch in Deutschland in die Kinos (oder zumindest auf die Festivals) schaffen und man sich auch außerhalb Norwegens an dieser akustischen Gourmet-Rarität erfreuen kann.
Dazu noch ein paar richtig nette Humor-Einlagen, spannende Twists und landestypische Long-Hair-Milchbubi-Gesichter und fertig ist der absolut gelungene Kinderfilm, den es ab der kommenden Kinowoche zu bestaunen gibt.
Gönnt euch und bietet euren Jüngsten mal etwas anderes als den typischen Fernsehquatsch, den man sonst so zu Gesicht bekommt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Norwegischer Rock im Kinderfilm-Format: Eine Rarität, die man sich definitiv in einem gut bestückten Kino ansehen sollte, um die ganze Bandbreite musikalischen Ausmaßes vollends genießen zu können.
Der Twist ist spannend aufgebaut und die Story sicher nicht nur für die Kids ein Spaß.

 
Nachspann
✅ entlässt einen seicht ins Schwarze… nicht zu schnell aufspringen, sondern gemächlich nach draußen gehen.
Kinostart: 20. September 2018
Original Title: Los Bando
Length: 94 Min.
Rate: FSK 0

Mantra – Sounds into Silence

Meldungen über Religionen in der Presse sind meist begleitet von Worten wie “Krieg”, “Anschlag”, “Terrorismus”, “Extremismus” und haben in der breiten Bevölkerung längst ein negatives Bild abgezeichnet, das sich gerne von solchen Leuten und Machenschaften abwendet und der Allgemeinheit suggeriert, Religion wäre etwas furchtbares.
In der Tat kann dieser Zustand auch erreicht werden, indem man selbstverloren und völlig ohne Plan an die falschen Leute gerät und damit beginnt, sein Hirn und damit die Denkfähigkeit an Statuten abzugeben und die Fähigkeit der Selbstkritik und des Hinterfragens aufgibt und damit ein überaus wichtiges Prinzip gut funktionierender Religion in den Schrank stellt: Zweifel.
Man muss zweifeln, und das immer wieder, um die Echtheit einer Lehre zu hinterfragen und immer wieder neu auf den Prüfstand zu stellen, weil “Religion” als solches nicht “anfassbar” ist, und damit zu den Geisteskonstrukten gehört, in denen man sich nicht nur verrennen, sondern auch verlieren kann.
Zu gerne wurde die Leichtgläubigkeit oder die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Gemeinschaft von religiösen Führern dahingehend ausgenutzt, dass ihre Machtspielchen auf dem Rücken einer riesigen Gemeinde ausgetragen wurden und den Preis am Ende die Ärmsten der Armen bezahlt haben.
Hier toben gleich wieder die Gemüter nach oben und Vertreter und “Gläubige” brausen in rasender Wut auf und entfachen feurige Diskussionen, dass ihr Glaube doch dies … und das … und Andersdenkende werden …………… merkt ihr was?
Sprich niemals über Religion, Politik oder Wer ist der bessere James Bond, wenn du nicht streiten willst.
Dass Religion aber auch gute Seiten haben kann und es im Speziellen eine Religion gibt, die sehr defensiv und weiträumig friedlich abläuft, hat in der Vergangenheit bereits der Buddhismus gezeigt. Man kann Elemente der Religionen durchaus für sich nutzen, um zu innerem Frieden zu finden, sich selbst zu verbessern oder einfach daran zu arbeiten, die Welt ein Stück besser zu machen, indem man sich selbst ein Stück besser macht.
Dass daran noch ganz andere Wirkungen hängen, zeigt Mantra – Sounds into Silence, der sich mit Elementen dieser Religion befasst und offenbart, dass auch solche Themen immer zwei Seiten haben.
Abgesehen von der Musik (die im übrigen wunderschön und beruhigend ist und die ich mir stundenlang anhören könnte – davon sind u.a. meine Playlists angereichert und ich greife gerne zu solchen Klängen zurück – nutzt dafür einfach die Namen auf dem Plakat und sucht bei Apple Music oder Amazon Prime bzw. dem Streaminganbieter eures Vertrauens) bildet sich hier eine ganz neue Lebensweise heraus, die – entreligiöisiert – eigentlich von jedem Menschen angewendet und genutzt werden kann, denn sie zeichnet etwas ganz wunderbares, dass dieser Film in seinen 85 Minuten zu vermitteln versucht.
Klar bleibt bei einer solchen Spielzeit kaum Zeit, eine uralte Tradition so tiefgründig und umfassend zu untergraben und hinterfragen, um hier ein journalistisch-einwandfreies Ergebnis zu präsentieren und das Verlangen nach einem systemkritischen Stück speziell den Buddhismus betreffend, gedeiht immer noch in mir, allerdings bewirkt der Film mit seinen Darstellungen UND eingeschaltetem Hirn auch so schon ungemein viel Frieden und innere Harmonie.
Und wenn das mal kein .kinoticket wert ist, was ist es dann?
 

.kinoticket-Empfehlung: Unkritische, aber interessante Berichterstattung über eine Praxis, die sich jeder zu eigen machen kann, um sich selbst – und anderen – etwas Gutes zu tun.
Die musikalische Untermalung und das Gesprochene darf und soll angezweifelt, die Wirkung kann aber dennoch von jedem uneingeschränkt ausgeschöpft werden.

 
Nachspann
❌ gehört der Musik, muss aber nicht unbedingt ausgesessen werden.
Kinostart: 07. Juni 2018

Pitch Perfect 3

Obwohl ich eigentlich nicht dafür bin: .trailer anschauen und für sich entscheiden, ob man darin aufgeht oder nicht.
Pitch Perfect geht in die dritte und letzte Runde und an dieser Aussage scheiden sich die Geister: Fans und Liebhaber dieser Reihe beweinen den Abgang der Girls-Crew, die sich singend durchs Leben schlängelt, während Kerle wie ich ihre lieben Schwierigkeiten mit Filmen wie diesem haben: Und das liegt ganz eindeutig am Humor.
An die Grenzen des Witz-Niveaus vor unserer Zeit reicht man ja sowieso schon seit Ewigkeiten nicht mehr ran. Lachen findet heute kaum noch statt, sondern alles ist dieser banalen, unfertigen und einfallslosen Social-Media-Witzigkeit zum Opfer gefallen: Irgendwelche besoffenen Hirnkranken stellen Dinge ins Netz, die sie im Suff vielleicht witzig finden und der Zuschauer wendet sich entnervt ab, hat aber bereits geklickt.
In letzter Zeit häufen sich immer mehr Schinken, die diese Form des Humors als gesellschaftserwünscht interpretieren und sich dieser platten Zugkraft anschließen, um für ihre Generation einzustehen und zu proklamieren: Das sind wir – das ist unser Leben. Darüber lachen wir.
Mag sein – dann möchte ich an dieser Stelle mit der Menschheit nichts weiter zu tun haben. Tiefgründige Witze oder gehobenes Lach-Niveau sind nämlich etwas völlig anderes. Und nur, weil das bei YouTube und Facebook so gut funktioniert, bedeutet das noch lange nicht, dass ich diese Flachheiten auch im Kino bestaunen möchte. Genau das bekommt man aber immer häufiger vorgesetzt – und das treibt mir die Tränen in die Augen.
Übersieht man jetzt einfach mal, dass diese Songs eher ins letzte Jahrhundert gehören und klammert den musischen Teil mal vollständig aus, bleibt ein ziemlich depperter Film, der kaum Höhen und Profil aufweist. Und nur, weil jetzt jede altbackene Frau mit ihrer Clique über die Leinwand zieht und der ganzen Welt präsentiert, wie pseudogeil es doch ist, wenn man feiert und nochmal so richtig alles rausholt, bedeutet das noch lange nicht, dass das jetzt jeder machen muss. Im Ernst: Wo führt das hin?
“Hey, meine kleine Schwester trifft sich nachher mit ihrer Freundin und sie feiern ab und kotzen danach – lass schnell Kinofilm machen, Alta”!?
Beim Schauen erwischt man sich oft, wie man auf die Uhr schaut, hofft, dass es bald vorbei ist und ärgert sich über den Werteverfall und die Belanglosigkeiten, die heutzutage Anlass für Kinofilme geworden sind.
Und freut sich insgeheim, dass dies nun die letzte Runde ist. Bevor irgendwer auf die Idee kommt, deren Kinder erneut zu einer Gruppe zu formieren ….
 

.kinoticket-Empfehlung: Das vergangene Zeitalter an Musik wurde gut eingespielt, darüber gibt’s nichts zu klagen – der Rest des Films siedelt allerdings eher im untersten Niveau an und macht keinen Hehl daraus, dass Fremdschämen heute zum Alltag der Welt gehört.
Schade eigentlich, hier hätte ich wesentlich mehr erwartet.

 
Nachspann
Sitzen bleiben – es folgen noch einige Szenen und Spinnereien.
Kinostart: 21. Dezember 2017

Tini: Violettas Zukunft

Kennt die irgendwer? Ich nicht, und mich hat ehrlich gesagt schon der Trailer absolut nicht angesprochen.
Der Film enttäuscht dann auch auf so ziemlich jeder Ebene, die man sich vorstellen kann. Wer Rosamunde Pilcher kennt oder zumindest weiß, wohin man diese Art von Unterhaltung stecken muss, der kann Tini: Violettas Zukunft direkt nachschieben, nur dass die Darsteller hier um einiges jünger sind und auch um Klassen besser aussehen.
Achja – und sie singen. Damit spoiler ich bei einem Musikfilm hoffentlich nicht zu viel, ohne dabei nicht unerwähnt zu lassen, dass diese Form von Darbietung derzeit in allen TV-Kanälen auseinandergenommen, im Kino zelebriert und überall sonst hoch gehypet wird. Schon mal von “Übersättigung des Marktes” gehört? Mit diesem Titel wäre für mich der Zeitpunkt glühend heiß, um aus der Branche auszusteigen und diesem elenden Rumgefieber endlich den Hahn abzudrehen, denn Spaß macht das alles überhaupt nicht mehr.
Waren die Kulissen wenigstens ansehnlich? Jop. Blendet man den Ton aus und konzentriert sich auf die Szenen, in denen quasi das “Umfeld” gezeigt wird, hat man hier wunderbare Bilder aus der traumhaften Gegend rund um Sizilien. Für die lohnt es sich tatsächlich.
Und das war’s dann auch schon. Keine weiteren Pluspunkte, nichts sensationelles, begeisterndes oder sonstwie einzigartiges, die den Grund rechtfertigen würden, hier das Kino aufzusuchen.
Nicht mal die Musik (die ja eigentlich den Kern des Films ausmachen sollte) haut einen vom Hocker, sondern liefert auch hier wieder nur erbärmliches Gejaule, das mit absolut gar nichts aus der Masse raussticht oder sonstwie ein Alleinstellungsmerkmal aufweist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Alles in Allem zusammengenommen liefert dieser Film keinen einzigen Grund, ins Kino zu gehen und sich berieseln zu lassen.
Die Darsteller spielen nicht überzeugend, der Plot ist schwach, die Intentionen sind undurchsichtig, die Musik Einheitsbrei und die Moral von der Geschichte bleibt aus.
Einzig die Kulissen überzeugen, aber die kriegt man anderswo auch günstiger zu sehen.
Daumen runter.

 
Nachspann
kommt keiner, ihr dürft aus dem Saal vorzeitig raus.

Die Welt der Wunderlichs

Da haben sich wieder mal ein paar große Fernsehsender zusammengetan und ein Gemeinschaftsprojekt auf die Füße gestellt, dass demnächst seine große Offenbarung in den Kinosälen feiern will. Im Rahmen der Sneak Preview durfte ich gestern bereits tiefe Einblicke in das Leben der Fernsehanstalten erhalten, das hier nicht nur im Plot tangiert wird, sondern sich auch unfreiwillig selbst auf die Schippe nimmt.
Man darf von den Öffentlich-Rechtlichen halten, was man will: für mich sind Sie undurchdringbar, verzweigt, komplex und selbstverliebt und man verliert bisweilen ein wenig den Blick für die Realität da draußen. Und genau diese Marotten spürt man sehr stark während des Films, da hier nicht nur eben jene Charakterzüge eine Bühne erhalten, sondern auch konsequent bis zum Schluss ausgekostet werden, um eine Geschichte zu erzählen, die es aber durchaus verdient, gesehen zu werden.
Tatsache ist, dass es sich hier um eine deutsche Produktion handelt und das allein für viele schon Grund genug ist, nicht ins Kino zu gehen. Tatsache ist aber auch, dass sich der einheimische Filmmarkt langsam immer verbessert und man endlich begreift, dass alte Strukturen nicht unbedingt der Garant dafür sind, um auch weiterhin international am Spielball zu bleiben.
Mit Die Welt der Wunderlichs betritt man also nun die Bühne mit unterhaltsamer Komik, Verschrobenheit und einer leicht zwischen den Zeilen erkennbaren Überheblichkeit, die das Profil der Macher, welches man als Außenstehender gewinnen kann, unterstreicht. Und genau das gereicht dem Werk zum Nachteil, denn das Drehbuch wurde wirklich gut herausgearbeitet und die Profile der Darsteller entlocken auch dem tiefsten Depressiven ein müdes Lächeln.
Für mich war das Staraufgebot im Film reichlich fragwürdig. Persönlichkeiten, die zu ihren Zeiten durchaus ihre heiligen fünf Minuten im Fernsehen genießen durften nach gefühlten Jahrhunderten wieder aus ihren TV-Särgen zu zerren um ihnen eine fragwürdige Position in diesem Kammerspiel zu vermachen, grenzt für mich durchaus an Einfallslosigkeit und mangelnde Alternativen. Hier hat unser Land noch mächtig Aufholbedarf, denn die wahren Künstler sitzen meist nicht vor, sondern hinter den Kulissen und verbreiten im Stillen ihr Werk, das im schlimmsten Fall noch nicht mal man die Außenwelt gelangt.
Insofern bin ich zwiegespalten wenn es um eine Empfehlung für diesen Film geht. Der geneigte TV-Produktionskucker hat an dieser Persiflage der Normalität durchaus seine Freuden und erlebt ein professionell gemachtes Werk, das andere Fernsehfilme weit in den Schatten stellt. Andererseits ist der Humor und das Gezeigte auch gut genug für das Screening in den großen Spielfilmhäusern, graduiert dort aber schnell zum kleinen Bruder, der noch vieles lernen muss, um endgültig in der Welt der Großen mitzuwirken und auch zu bestehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass hier die gewohnte Spitzenqualität von Hollywood fehlt und sich das Werk eher im Nischenbereich wiederfindet, wo es auch eine durchaus gute Figur macht.
Der Weg ist noch nicht zu Ende gegangen, jedoch zeigt man seitens der Öffentlich-Rechtlichen langsam auch, dass das vergangene Jahrhundert nun auch bei ihnen endlich vom Kalender abgerissen wurde und man sich schrittweise der Modernität nähert.
Die Sprache war durchwachsen, der Plot stellenweise fragwürdig und die Topbesetzung für mich daneben, aber das Werk hat seine unterhaltsamen Momente und greift nicht so ins cineastische Klo, wie es beispielsweise Tschiller mit seinem Kinotatort getan hat.

 
Nachspann
muss man nicht gleich raus rennen, eine Afterszene gibt es aber nicht mehr.

Alvin und die Chipmunks: Road Chip

Ein entsprechendes Publikum muss der Film haben, sonst wäre wohl kaum aktuell der bereits vierte (!) Teil dieser Filmchronologie auf den Leinwänden zu bestaunen.
Warum sich gerade diese Form der Unterhaltung so sprunghaft fortsetzt, ist mir nach Sichten dieses Teils ehrlich gesagt ein Rätsel. Im Kino herrschte Eisesstimmung. Die Animationen sind dem technischen Stand unseres Jahrhunderts angepasst, die Synergie zwischen Animation und Realfilm überzeugt auch soweit, nur die Story hinterlässt bleibende Schäden.
Welche Ambitionen hatten die Macher mit ihrem Werk? Welche Intention steht hinter dem Schöpfungsprozess? Unterhaltung? Lacher? Musik?
Von den Jokes – wenn man diese als solche interpretieren will – war bis auf eine einzige Szene nicht wirklich etwas lustig. Die quietschigen Mini-Stimmchen, mit denen man sich als Kind immer mit Tapes lustig gemacht hat, nerven auf Dauer einfach nur und das Behandeln der Chipmunks im Film als völlige Selbstverständlichkeit regt einen ehrlich gesagt eher nur auf, weil daran so gar nichts herzlich, verständlich und vor allem sinnvoll ist.
Vielleicht fehlt mir hier auch einfach nur die Vorgeschichte, da ich – wieder mal – weder die TV-Serie noch die vorangegangenen Filme gesehen habe, jedoch empfand nicht nur ich den Streifen als eine Qual. Die Zeit bis zum Schluss wurde unerträglich lang und man sehnte sich nichts mehr herbei als den üblichen Abspann mit einem erwartbaren Ende. Teletubbie-Stimmung lässt grüßen.
Der Satz, mit dem ich diesen Film auf den Punkt bringen würde: Hätte man daraus ein 15minütiges Musikvideo gemacht, wäre es sicherlich ein Erfolg geworden, denn die Musik ist durchaus on top und begrüßt das unbemerkte Rhythmusgefühl in einem mit offenen Armen. Selbst da sind die Stimmen noch einigermaßen erträglich und man hat etwas Schwung in der Hüfte, der ganze Storymist drumrum ist aber einfach nur nervig und unerträglich lang.
Und die menschlichen Hauptdarsteller sind derart verblödet, dass weder im Film noch im Kino auch nur ein einziger Zuschauer dazu einen einzigen Lacher losgelassen hätte. Im Gegenteil: Es schwebte allzeit ein “What the Fuck”-Gefühl im Raum, weil keiner so richtig begreifen wollte, worein er hier geraten ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz ehrlich? Film links liegen lassen und sich den Soundtrack kaufen.
Die unerträglich unwitzige Story ist echt eine Herausforderung für jung und alt, so dass sich die Lacher nicht nur vehement von dieser Vorstellung fern halten, sondern regelrecht davor fürchten.
Wer meint, hier gute Unterhaltung zu finden, die im alten Stil Stimmung in die Bude bringt, der irrt gewaltig. Einzig die Songs sind es wert, gehört zu werden, insofern man sich mit den durchaus nervenden Stimmchen dieser kleinen Viecher anfreunden kann.
Wer schon beim Trailer leichte Bauchschmerzen hatte, der wird mit harten Magenschmerzen wieder nach Hause geschickt. Der Rest kann ja während der Vorstellung anfangen zu tanzen oder anderen Schwachsinn veranstalten, dann wird es im Saal wenigstens lustig.

 
Nachspann
Anfangs wird noch ewas Radau gemacht, danach geht es in die übliche Floating-Geschichte über. Nachdem es also schwarz ist, darf man abhauen.

Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne

Schaut man den Trailer, erwartet man irgendwas zwischen Kunst, Frauenfilm, Schadenfreude und Tragik. Schaut man den Film, wird man vom Rausch der stilvollen Akzentsetzung schlichtweg dahingerafft.
Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne bildet nicht nur den Rahmen für die angebliche Verspottung einer Frau, die nichts auf dem Kasten zu haben scheint, sondern bebildert ein völlig subtiles Projekt, das seine Vollendung im Schlussakkord förmlich orchestral auf die Leinwand bringt.
Fast pausenlos wird man beschallt von Klängen, die weit ab des radiomäßigen Mainstreams ihr zu Hause haben und sowohl Kunstliebhaber als auch -hasser gleichermaßen irgendwo berühren. Doch die Zurschaustellung beschränkt sich nicht nur auf die Welt der Töne, sondern gipfelt ihre Ausflüchte ebenfalls in die der Formen, Figuren, Fotografie und umspannt somit ein künstlerisches Umfeld einer Größe, die jeden, der nur ansatzweise etwas für die Schönheit des Lebens übrig hat, erreichen dürfte.
So viel Antipathie, wie man anfangs möglicherweise mit den Hauptdarstellern empfinden kann, so huldvoll und bewegend ist der Schluss, an dem eine wunderbar erzählte Geschichte ihr rühmliches Ende findet und einen Film beschließt, der sich von Minute zu Minute stärker in die Seelen der Zuschauer eingebrannt hat.
So etwas ist fast schon zu schade fürs Fernsehen, denn hier würdigt man nicht nur die Kunst, sondern auch Werte wie Menschlichkeit, Rebellion, Durchhaltevermögen, Angst, Hingezogenheit und spricht auch weitere Charakterstärken und -schwächen großer Persönlichkeiten an.
Die seelische Backpfeife für alles Oberflächliche steckt in ihrer ausgewachsenen Montur in diesem Film. Wer den nicht sieht, verpasst ein großes Stück Kinogeschichte, das nicht auf den Werbetafeln der Stadt zu sehen war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur Musik, sondern auch Formen, Kunst, Farben und Fotografie spielen in diesem Film eine große Hauptrolle.
Die Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie, die Geschichte reißt tief in ihren Bann und spricht Empfindungen ganz tief in deiner Seele an.
Was anfänglich noch als schwierig zu empfinden sein möge, mutiert mit zunehmender Zeit zu Mitgefühl, Mitfiebern, Verständnis und Trauer und gipfelt schließlich in einem Schlussakkord, mit dem keiner so richtig hat rechnen wollen.
Großartiges Kino mit einem ruhmreichen Thema, das nicht nur in diesem Segment Spuren hinterlassen dürfte. Reingehen!

 
Nachspann
Darf man sich gerne noch anschauen, denn der Schlussakkord hallt darin noch ein klein wenig nach.

Der Chor – Stimmen des Herzens

Wer Dustin Hoffman mag, für den ist Der Chor sowieso Pflichtlektüre. Freunde des alltäglichen Lebens werden wohl anfangs so ihre lieben Schwierigkeiten mit diesem Film haben, was nicht zuletzt die “Oh nein!”-Schreie der Zuschauer im Saal beim Titel verlauten ließen.
Zugegeben, auch ich hatte – obwohl ich mich beim Trailer durchaus auf den Film gefreut habe – anfangs meine Schwierigkeiten, mit dieser bornierten, christlich-musikalischen Art zurechtzukommen, die sich im Schauspiel der Boys zu Anfang des Films überdeutlich bemerkbar macht.
Man möchte den Protagonisten teilweise ins Gesicht schlagen für ihre überhebliche Arroganz und weltfremden Ansichten, die sie zu Tage tragen und meinen, dass sich einzig und allein alles nur um sie dreht und alle anderen jämmerlich versagt haben. Ein Vorurteil, das ich vielen studierten Musikern vorwerfe, die sich dem Tralala der Künste verschrieben haben und dabei weder aus ihre Seele hervorkriechen, noch irgendwas mit den echten Gegebenheiten dieser Welt zu tun haben.
Getragen wird das ganze von einem Jungen, dessen rebellische Ausbrüche zuerst an Billy Elliot erinnern, der sich ebenfalls über darstellende Künste aus dem dunklen Loch seiner Vergangenheit rausgearbeitet hat, jedoch fährt man hier eine ganz eigene Schiene und bringt eine Form von Musik zum Tragen, die dem durchschnittlichen Musikliebhaber wohl eher unbekannt sein dürfte.
Und dann passiert das, was man anfangs noch kaum glauben mochte: Man geht irgendwie mit und erlebt die Geschichte, die doch in ihren Bann reißt, Musik, die auf ihre Art die Untiefen der Seele erreicht und einer klassischen Form zu Größe verhilft, die ihre Schiene nicht in der Hauptleitung, sondern einer völlig anderen Welt durchläuft.
Der Soundtrack dieses Films dürfte also definitiv einen Kauf wert sein, auch wenn man die Darstellung oder Story dann doch nicht so mochte.
Herausragend und erwähnenswert fand ich auch die Rolle von Kathy Bates, der man die Leidenschaft und Professionalität deutlich anmerkt. Sie ist für mich fast wie eine zweite Meryl Streep, unverkennbar, unvergleichbar und nicht austauschbar. Solche Koryphäen gibt es nur noch wenige und umso erfrischender und elektrisierend war es, sie in diesem Film zu erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man muss für Kirchenmusik schon etwas übrig haben, um sich von Anfang an in den Film zu verlieben.
Der schafft es allerdings, die restliche Meute im Laufe der Spielzeit auch einzufangen und bringt Klänge zutage, die auch antipathiespürende Phobiker bei den seelischen Wurzeln packt und am Ende das Herz doch erreicht.
Herausragend: Kathy Bates, die hier unglaublich viel charmante Stärke raushängen lässt und den Film durch ihre Kurzauftritte immer nach vorne tritt.

 
Nachspann
darf man sitzen bleiben, die Augen schließen und zuhören – der Song ist weltklasse. Bildmaterial oder weiterführende Szenen gibt es aber keine.

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