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Happy Deathday 2U

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© 2019 Universal Pictures International

Zum Geburtstag gibt’s bekanntlich ja für das Geburtstagskind immer Überraschungen. Und wie wir in Zeiten der Kapitalisierung schon lange von Großkonzernen beigebracht bekommen haben: “Wir feiern Geburtstag, Sie kriegen die Geschenke!”.

Eure Überraschung diesmal: Blumhouse kanns doch!

Ja, wir sprechen von dem Label, das uns in den vergangenen Jahren mit dem Instant-Horror-Bockmist die Kanäle vollgepumpt hat und das immer nach dem gleichen Schema arbeitet: Bauklötzchen durchschütteln, Titel dazu, fertig ist der neue Film, der entweder 100% ein Erfolg wird oder 100% scheitert – die Budgets sind derart irrelevant, dass das eine das andere mit subventioniert. Strategischer Plan geht auf. Der einzige, der auf der Strecke bleibt: Der Kunde, denn der kriegt Scheißdreck vorgesetzt und ihm wird beigebracht, dass das “Horror” ist.

Falsch. Der wahre Horror ist, dass dieses Kino geschlossen werden soll, weswegen an dieser Stelle einfach mal jeder diese Petition unterzeichnen sollte, und zwar unabhängig davon, ob er Münchner|in ist oder nicht und das Kino kennt oder nicht – hier geht Kultur verloren und den finanzversessenen Medien scheint es vollkommen egal zu sein. DAS ist Horror.

Aber zurück zu Blumhouse und deren Gebaren, dem ich in der Vergangenheit immer mit Unwohlwollen begegnet bin: Sie können’s doch! Sie übertreffen sich in einem Maße, dass mir (!) (jaahaaa) der Mund offen stehen bleibt !!! Was ist auf einmal los?

Ich hab nun irgendwie verstanden, warum zweite Teile immer so mies sind, wie zweite Teile immer sind. Man fährt irgendwas geiles hoch, stellt unglaublich sympathische Charaktere dazu, lässt eine bombastische Geschichte auf sie nieder, regnet mit sensationellen Twists auf die Zuschauer runter und gipfelt in einem Finale, das jeder feiern muss.

Zweiter Teil? Bedeutet für die meisten einfach: “Okay, nochmal.” Also: Kuchenform raus, wieder mit Teig füllen, wieder mit gleichen Zutaten bestücken, wieder mit dem selben Bockmist in den Ofen, garen und fertig ist … langweilige Sülze, denn Kinofilme funktionieren immer nur einmal. Und die Hauptdarsteller von Teil 1 sind ja bereits “gegessen” – ergo lässt man das Ganze jetzt – auch aus Kostengründen – mit dermaßen unsympathischen Arschlöchern nachstellen, damit man a) verdient (rennt ja eh jeder rein, weil man wissen will, wie’s geworden ist) und b) niemandem höhere Gagen zahlen muss, weil sie durch Bekanntheit und Erfolg diese auch verlangen könnten und verdient hätten.

Raus kommt ein dermaßen mieser Abklatsch, der nicht selten das Wort “Cash Cow” nicht verdient hätte, denn Kühe sind etwas wunderbares und dieser Beleidigung eigentlich absolut unwürdig.

Nun zurück zu Blumhouse: Die Jungs können’s doch!!!

Hier wird uns eben nicht ein zweiter Teil vorgesetzt, sondern eine FORTSETZUNG der Geschichte, die mit dermaßen viel Selbstironie und Marvelscher Eigenverarsche vollgepackt ist, dass du während der Vorstellung lachst, klatschst und es so dermaßen feierst, wie du sonst eigentlich nur Tony Stark feierst! Blumhouse… Dieses Label … wirklich!

Was ich da in der Pressevorführung gesehen habe, hat meine Pupillen rausgewaschen! Der .trailer hat sanfte Andeutungen gemacht, dass hier mal so in Nebelbuchstaben ganz unscheinbar das Wörtchen “Konzept” ins Räumchen schwebt und man sich womöglich tatsächlich mal Gedanken gemacht hat, BEVOR man die Kamera anschmeißt … und der Film lässt diese Letter in Beton gießen und mit harter Wucht auf den Boden krachen: Es ist da! Ein Konzept! Ein Drehbuch! Eine Geschichte, die mit so viel Genialität begeistert und damit auf Teil 1 aufbaut, OHNE uns zu erklären, wie dumme Lämmchen, was wir nicht wissen können, weil ja eh niemand Teil 1 gesehen hat.

Also: Hausaufgabe: Happy Deathday schauen! Pflicht! Ohne das Ding funktionieren 67% der Gags nicht und das ist gut so. Und dann raus aus dem miefigen Zimmer und rein ins Kino – Popcorn in großen Eimern auf den Schoß, Handys aus und Happy Deathday 2U auf die Leinwand: Es gibt endlich wieder etwas zu feiern: Mein Hasslabel kann’s doch!!!

Es ist unglaublich! Erstmal eine Idee nach der anderen, die sensationelle fortsetzende Umsetzung, die nicht einfach stupide wiederholt, sondern anknüpft und so großartig weitermacht, dass es einfach zum Schreien geil ist und dann: Comedy! Horror ist Comedy. Das wissen wir spätestens seit den 90ern und wer das in seinem Masterplan nicht bedenkt, der macht Grundsatzfehler.

Blumhouse macht keinen Grundsatzfehler, sondern setzt zum ersten Mal, seit ich sie kenne, auf die vollkommen richtigen Karten und liefert ein Fest von einem Film ab, bei dem manchmal keine Zeit zum Lachen bleibt, denn die Show ist dermaßen leinwandwürdig, dass ich’s auf den Pflichtunterricht setzen muss und es keine freiwillige Option mehr sein darf: Schaut diesen Film! Bitte! Ihr krieg auch Kuchen dafür!

Etwas besseres hat dieses Label in meinen Augen bislang noch nicht geliefert – und ich hoffe schwer, dass sie kapiert haben, was sie da getan haben und es nicht einfach nur Zufall war, der später kläglich reproduziert werden will.

Happy Deathday 2U funktioniert sowas von und ich hoffe, ihr haltet euch an die Spielregeln:

  1. Happy Deathday schauen.
  2. kinoticket für Teil 2 lösen.
  3. Spaß haben und alle Gags verstehen!

Geiler kann’s eigentlich kaum noch werden!

.kinoticket-Empfehlung: Whoah!

Muss ich mehr sagen? REIN! Und zwar sofort! Jeder, der Happy Deathday schon gesehen hat.

Alle anderen: Ab auf die Couch, 1. Teil schauen und dann: REIN! Kapiert?

Nachspann
✅ Ja, es lohnt sich mal wieder, nicht gleich aufzuspringen, hier kommt noch eine mächtige Sequenz, bevor es dann in den endlos langen Abspann geht, der nichts weiter bringt.

Kinostart: 14. Februar 2019

Original Title: Happy Death Day 2U
Length: 100 Min.
Rated: FSK 12

The Nun (inkl. Gewinnspiel)

Unter dem Beitrag gibt’s Freikarten für den Film zu gewinnen!
An alle Christenfreunde: Es wird kirchlich in den Kinos … und ihr dürft gerne mit Beten anfangen … zumindest suggeriert uns das der Film so.
The Nun ist die Konsequenz, die sich aus den Hauptfilmen The Conjuring und The Conjuring 2 ergeben, gefolgt von den Spin-Offs Annabelle und Annabelle: Creation. Folgerichtig hat man getan, was seinerzeit im Action-Segment mit Alien und Predator auch passiert ist: Man segmentiert das “Monster” aus dem Hauptfilm heraus und spendiert ihm einen eigenen Film.
Und da diese Horror-Reihe weltweit zu einer der beliebteren zählt, ist es klar, dass sich ein Großteil der Fangemeinde des Kinohorrors auf eben jenen Spin-Off megamäßig freut: Auch ich.
Was Warner Bros. uns da liefert, zählt auch tatsächlich endlich wieder zu “brauchbarem Horror”, der nicht so megamäßig enttäuscht, wie die unendlich gehypten Möchtegern-Bösewichte der letzten Jahre: Auch wenn man sich hier nicht mit Brillanz und Genialität übertrifft, sondern auf solidem Boden agiert, machen die Schockeffekte und der Look endlich wieder mal Spaß.
Die brutale Angst vor bösem Rot ist endlich gebrochen worden und man darf sich als Zuschauer endlich wieder an boshaftem Schwarz laben, ohne dafür schräg von der Seite aus angesehen zu werden: Diese Optik hat mir durchweg absolut gefallen.
Zudem spürt man, dass sich die Superbillig-Chinamüll-Manier vom Gesamteindruck verabschiedet und man sich tatsächlich dazu durchgerungen hat, einen etwas ernsthafteren Film zu kredenzen, der zwar immer noch mit Realitätsgetreuheit schwächelt, dafür aber in seinem Genre durchaus ernstzunehmen ist.
Dass Horror jetzt nicht der Mainstream-Massenfänger ist (war er nie), ist klar. Dass dadurch viele seriöse Pressevertreter seltsam mit den Augen rollen und man hierzulande auf komische Kritiken diesbezüglich stoßen wird, absehbar. Das erfordert dann einfach die natürliche Selektion, wer in den Film rennt und wer nicht: Es ist und bleibt ein Nischen-Genre, das durch The Nun nun einen nennbaren tollen Titel mehr hat, den man sehr schön auf der großen Leinwand bestaunen kann.
Das Fanherz schlägt definitiv höher, wenn man sich immer weiter in die obskuren Welten dieses Universums durchschlägt und in immer tiefere Gefilde eintaucht, die skurriler, merkwürdiger und böser werden – mit einer passablen Auflösung am Schluss, die nicht gut genug ist, um jetzt von dem neuen Plot-Durchbruch sprechen zu können, aber auch keine Hassgefühle hervorruft und die Leute langweilt.
Kurzum: The Nun ist genau das, was man eigentlich erwartet – dafür aber mit ausbleibenden Enttäuschungen, wie sie so oft in solchen Tragiken zum Vorschein kommen. Der Gang ins Kino deshalb definitiv lohnenswert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Führt konsequent das Conjuring-Universum fort und überzeugt mit hohem Niveau in seinem Genre.
Schockeffekte, Einfälle, Optik und Sound überzeugen und heben sich vom Horror-Schund deutlich hervor, bahnbrechende Elemente sucht man jedoch vergebens.
Der Gang ins Kino ist wegen des Fehlens anderer gleichwertiger Genre-Filme sehr empfehlenswert, erwartete Enttäuschungen bleiben aus. Sprecht eure Gebete! 😉

 
G E W I N N S P I E L
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Warner Bros. Ent. hat für meine Leserschaft zwei coole Freitickets klargemacht, die ich euch hiermit verlosen möchte. Zwei von euch dürfen also gratis in den Film, indem sie die gewonnenen Kinogutscheine an der Kasse eines frei gewählten Kinos abgeben und dafür Freikarten für eine Vorstellung von The Nun erhalten.
Voraussetzung ist, dass dieses Kino den Film im Programm hat (logisch) und in der gewählten Vorstellung noch freie Plätze verfügbar sind (eigentlich auch logisch). Die Gutscheine sind gültig bis 3. Oktober 2018 – bis dahin sollte ein Kinobesuch also definitiv möglich sein. Achja: Nur innerhalb Deutschlands einlösbar.
Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert bis einschließlich Mittwoch, den 12. September 2018 unter diesem Beitrag, warum ihr den Film sehen wollt und gebt dabei eine gültige E-Mail Adresse an.
Unter allen Kommentatoren wird der Gewinner dann via random.org ausgelost und per E-Mail benachrichtigt.
Ich drück euch die Daumen und wünsche auf jeden Fall allen schon mal extrem viel Gänsehaut und megamäßig viel fun in den dunklen Sälen. 🙂
 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 6. September 2018
Original Title: The Nun
Length: 96 Min.
Rate: FSK 16 | R

Vom Ende einer Geschichte

Die BBC ist bekannt für Film- und Dokumentarbeiträge, denen man eigentlich nie die Note “schlecht” attestieren kann. Auch wenn das Buch mit 182 Seiten nicht zu den Monster-Romanen gehört, ist der Inhalt doch von vielen als preisverdächtig ausgezeichnet worden. Immerhin hat Julian Barnes – der Autor – so viel Aufmerksamkeit erregt, dass sich die British Broadcasting Corporation dazu verpflichtet gefühlt hat, diesen Inhalt für die Leinwand zu inszenieren.
Und das Ergebnis darf sich sehr wohl sehen lassen. Jim Broadbent und Charlotte Rampling geben ein Schauspielerduo ab, dass sich den wirklich wichtigen Fragen des Lebens stellt und in einer gelungenen Performance verschiedensten Dingen auf den Grund geht. Die Themen dürften am heutigen Tag aktueller denn je sein. Dem Tag, nachdem Deutschland erstmalig in der Geschichte als Weltmeister bereits in der Vorrunde der Fußball-WM ausschied und in vielen Gesichtern auf der Straße, in Lokalen und Restaurants der Schock tief in den Gliedern sitzt.
Exakt solche Szenen durfte ich gestern Abend zu Hauf beobachten und habe daher beschlossen, mich in ein kleines, schnuckliges Kino zu verkrümeln und mir eben diesen Film anzusehen.
Und er liefert nicht nur Gedankenanstöße für die “Großen”, sondern ist selbst wie eine liebevolle Umarmung, die dich vollständig einhüllt, schützt und wärmt und das Gefühl von Sorglosigkeit und Lebensvertrauen vermittelt. Vielleicht habe ich deshalb das Durchschnittsalter im Saal drastisch nach unten korrigiert, weil eben dies eine Realität aufbaut, die sich wohl viele der älteren Generationen heute wünschen würden: Langsamkeit, Sinnieren, Reflexion, die Frage nach Eigenverantwortung und Erinnerungen an ein besseres Leben.
In Zeiten wie diesen, in denen alles so wahnsinnig schnell geht, in der Dinge bereits vorbei sind, bevor sie richtig angefangen haben, darf man gerne Werke wie dieses nutzen, sich zurücklehnen und die Zeit einfach für eine Weile mal etwas langsamer verstreichen lassen. Es fühlt sich unglaublich gut an. Versprochen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Buchverfilmung der besonderen Art, die viel Nähe, Liebe, Selbstkritik und reflektierendes Verhalten zulässt und damit zu den besonderen Werken unserer Zeit zählt.
Dass man sich dafür auf den Weg in die nischigen Independent-Kinos machen muss, sollte kein Hindernis darstellen, nutzt einfach gezielt die Kinosuche und schaut euch dann das Ende einer wunderbaren Geschichte an. Ihr werdet euch danach nicht schlechter fühlen als vorher – soviel garantiere ich euch.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 14. Juni 2018

A Quiet Place

In vier Tagen wird sich euer Leben grundlegend verändern!
Meins ist es bereits und ich hab keinen blassen Schimmer, wie ich mit meinem jämmerlichen Wortschatz dazu beitragen kann, euch das ein wenig näher zu bringen.
Kurz gesagt: Ich besuche im Jahr im Durchschnitt zwischen 600 und 700 Kinovorstellungen (und ja, da ist keine Null zu viel!), schaue mir zu Hause die ein oder andere Blu-ray, 4K oder auch im TV mal ein paar Filmchen an und stöbere seit neuestem auch etwas aktiver auf Netflix rum, weshalb ich behaupten kann, in meinem Leben doch schon eine kleine Auswahl an Filmen gesichtet zu haben, von denen manche tatsächlich so gut waren, dass sie es auf meine Lifetime-Top-10-List geschafft haben.
Diese Liste wurde kürzlich komplett geleert. Da steht jetzt nämlich nur noch ein einziger Film drauf: A Quiet Place!
WOW!
Wisst ihr, seit Anbeginn der Zeit – quasi gefühlt seit Adam und Eva – besuche ich Kinos in der Hoffnung, endlich mal etwas vollkommen Grandioses, Flashendes, bisher noch nie Dagewesenes zu finden, dass sich allen Regeln widersetzt und einfach sein gänzlich eigenes Ding macht – ohne einen einzigen Fehler dabei zu machen und vor allem: Ohne den Zuschauer für dumm zu verkaufen.
Ich liebe Horrorfilme, ich liebe Spannung, ich liebe vollkommen verwüstete Ausgangslagen. Ich stehe auf Weltuntergangsszenarien. Ich stehe auf Filme, die dich so richtig im Hirn durchficken und dir keine einzige Minute Ruhe gönnen, sondern aus der Intelligenz in deinem Schädel Brei machen und sie dann verzehrfertig vor deine Augen werfen und dich von Anfang bis Ende fordern.
 
A Quiet Place.
Hat.
All.
Das.
Vollständig.
Erfüllt!!!!!!
 
Ich feiere diesen Film – seit ich ihn gesehen habe! Ich LIEBE ihn! Ich vergöttere ihn! Diese … ach was, ich will euch gar nichts verraten. Okay, etwas verrate ich doch: Den Mitarbeitern meines Lieblingskinos gebe ich hin und wieder ein paar Tipps, was sie demnächst im Kino anschauen sollten.
Ihnen hab ich gesagt: “Du wirst die nächsten 5 Jahre freiwillig hier für die Hälfte des Gehalts weiterarbeiten, nur, damit du weiterhin SOLCHE Tipps von mir bekommst!”
Und ich stehe dazu: Es ist das – mit ABSTAND (die Liste ist LEER!) – BESTE, dass ich jemals in meinem Leben zu Gesicht bekommen habe!
Diese Intelligenz! Diese detailverliebte Durchdachtheit! Dieses Reinwerfen und darin verrecken lassen! Dieses … AHHHHH

 

.kinoticket-Empfehlung: Geht einfach rein und überzeugt euch selbst!
Nehmt KEIN Popcorn mit und nichts, was raschelt oder irgendwie “Lärm” macht!
Vertraut mir: Ihr spaziert hinterher mit voller Popcorntüte wieder raus! Niemand von euch isst da drin ein einziges Maisflockenteil! Nichts! Absolute Ruhe, vollkommene Spannung und Einigkeit darüber, dass dies das beste ist, was man je ins Kino gebracht hat!
Krasinski, ich hoffe, ich kann dir eines Tages persönlich die Hand schütteln und mich auf Knien vor dir dafür bedanken, dass du uns dieses Werk geschenkt hast!

 
Nachspann
GEFLASHT!!! Aber sowas von … und jeder um mich herum meinte: Wir müssen denen unbedingt sagen, dass sie kein Popcorn kaufen dürfen! Abwarten braucht ihrs nicht, es folgt (hoffentlich ein zweiter, dritter, vierter Teil dieser Legendarity!!!) … nichts weiter.
Kinostart: 12. April 2018

Arthur & Claire

Leute … Josef Hader!!!
Entweder hab ich ne absolute Ösi-Meise, oder der Typ spielt wirklich so herausragend, dass man vor Ergriffenheit und Geplättet sein nicht anders kann, als diesen Film einfach abgöttisch zu lieben?
Wenn einem dann gleich am Anfang noch der Hauptdarsteller-Liebling aus Die Beste aller Welten entgegenschlägt und man im Film mit schwärzestem Humor und einer theatralisch aufgefüllten, tiefsinnigen, todernsten und gleichermaßen unvergleichlichen Inhaltsschwere daherkommt, dann erhält man etwas, wovon wir seit langem eigentlich nur träumen: Einen Film, der durch Inhalte punktet.
Wie schon längst vermutet, stürmt man jetzt mit Theaterkunstwerk-Stücken die Leinwände und lässt die Jugend und Neuzuschauerschaft erkennen, dass neben der Leinwand noch andere Formen intelligenter Unterhaltung existieren, die sich abseits von Clubs und Bars abspielen und auch nichts mit online zu tun haben.
So unverfänglich der Titel ist, so liebenswert, herzlich, bitterernst und grandios ist Arthur & Claire – ein Werk, dass jeder von euch einfach gesehen haben muss!
Als ich sagte: Es kommt viel auf euch zu, meinte ich u.a. definitiv diesen Film.
Also packt eure Klamotten, ordert euch Popcorn und besucht jedes Kino, in dem dieser Titel gespielt wird!
 

Kinostart: Eigentlich braucht man nichts weiter zu sagen, als: Josef Hader.
Denn allein sein Schauspiel rührt mich schon wieder zu Tränen! Und der restliche Cast dieses Bühnenstücks glänzt in einer bissig-satirischen Schärfe, inhaltlicher Tiefe und einer Inbrunst, wie man sie sonst nicht kennt und sieht.
Definitiv reingehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, aber das Stück reißt einen sowieso mit. Also bleibt ruhig noch kurz sitzen.
Kinostart: 1. März 2018

LUX – Krieger des Lichts

Ich werfe mal zwei Aussagen in den Raum:

  1. Debütfilm
  2. Gewinner des Heinz-Badewitz-Preises der Internationalen Hofer Filmtage 2017

Spitz drauf gemacht?
Okay, noch eine: Superheldenfilm.
Und damit sind wir schon voll bei der Sache. LUX – Krieger des Lichts behandelt Identität, Alltag, Menschsein, Sozialsein, Verdrängung, Suche und Realität und lässt dabei den typischen Marvel-Klassiker ins Kiez münden, was bei mir gleich mal folgende Fragen aufwarf:

  1. Ist der Typ echt? Gibt’s den wirklich?
  2. Handelt es sich hier um Dokumentation? Fiktion? Beides?
  3. Sollte das nicht echt sein, warum macht sich jemand Gedanken um so etwas?

Tatsache ist: Wir haben es hier mit einem unfassbar genialen Projekt zu tun, das sich Filmemacher Daniel Wild auf die Fahnen geschrieben und als fertiges Produkt ans Publikum ausgeliefert hat, was viele Fragen aufwirft und zugleich durch Eigenvorbild beantwortet.
In einer Zeit, in der die Suche nach der eigenen Identität, dem Selbstbestimmtsein, dem Individuellen ganz oben auf der Tagesordnung steht, vergisst man oft, dass genau das jeder andere um einen herum auch tut und man damit per Massendefinition wieder in einem Pfuhl aus Gleichheiten landet, die eben nicht individuell bestimmt, sondern fremdgesteuert sind.
Was ist wichtig in unserer Zeit? Welche Komponenten braucht das Leben, um der Menschlichkeit genügend Raum zu bieten, sich zu entfalten?
Wie weit kann man dabei gehen?
Welche Konsequenzen hat es, wenn man Menschen in ihren Gefühlen an den Rand ihrer Existenz bringt und sie dann gnadenlos schlachtet?
Fragen, denen sich LUX – Krieger des Lichts in seiner unverblümt ehrlichen, schroffen und authentischen Erzählstrategie widmet und sie dem Zuschauer unverdaut in die Hand legt. Dabei werden moderne Elemente genauso beachtet und gleichwohl Augenmerk auf den Status und die Einflussnahme von Medien und moderner Kommunikationskultur gelegt.
Wieviel also ist ein Mensch wert? Was macht ihn zum Menschen und nicht nur zu einer Marionette innerhalb eines Systems unübersichtlicher Ignoranz und Selbstverliebtheit?
Diesen Dingen geht Wild mit leidenschaftlichem Ehrgeiz und einer völlig neuen Herangehensweise auf den Grund. Was anfangs noch als “merkwürdig” rüberkommt, erschließt sich im Laufe des Films automatisch und findet seine Erklärung in einem völlig absurden und damit realistischen Ende, was sowohl Anprangerung als auch Appell an jeden einzelnen ist, seine Verhaltensweisen zu hinterfragen und sich in seinem Denken ggfs. neu auszurichten.
Und damit landet man einen Coup, der einerseits lachhaft, andererseits todernst ist und – Fiktion oder nicht (ich löse es bewusst mal nicht auf) – jeden einzelnen auf seine Weise erreicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses illustre Stück startet diese Woche in ausgewählten Kinos und sollte zahlreich von euch besucht werden, denn die anfangs anmutende Unfähigkeit eines überbordenden Superhelden mündet alsgleich in Sympathie und Zuneigung.
Erst im Verlaufe des Films merkt man, wie eigentlich charaktergleich LUX im Vergleich zu Marvel’s Superhelden ist, was ihn nicht nur sofort ins Herz schließen lässt, sondern vielfältige Fragen aufwirft, für die man sich ruhig in einem Kino Zeit nehmen sollte.
Als Debütfilm wirklich gelungen und zu recht mit einem Preis ausgezeichnet.

 
Nachspann
lohnt nicht abzuwarten, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 4. Januar 2018
Kinofinder: Deutschlandweit in diesen Kinos*

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The Bye Bye Man

Carrie-Anne Moss in einem Film auf der Leinwand sehen – lange her. Fast jeder kennt sie aus der Matrix Trilogie und dort hat sie für mich persönlich nicht nur Maßstäbe gesetzt, sondern sich auch zu einer Filmikone aufgeschwungen.
Aufgrund der Pressevorführung zu Fast & Furious 8 habe ich den Anfang des Films nicht gesehen, mir jedoch sagen lassen, dass ich nichts verpasst habe und der Geist des Films sich währenddessen auch nicht geändert hat.
Der große Mankopunkt von Bye Bye Man liegt meiner Meinung nach beim Drehbuch. Alles andere passt nämlich soweit. Die Darsteller machen ihre Sache angesichts der Anweisungen aus dem Drehbuch nämlich richtig gut. Douglas Smith als Hauptdarsteller agiert souverän, nicht dämlich und hebt damit diesen Film aus dem Sumpf zweitklassiger B-Horror-Streifen auf ein Niveau, das ich nicht zu bezeichnen vermag.
Denn genau das kreide ich dem Drehbuchautor an: Sich hier nicht richtig entscheiden zu können, was man eigentlich will. Für Horror passiert entschieden zu wenig Schockendes. Für Suspense ist der Film viel zu kalt, zu leblos, zu vorhersehbar, zu langweilig.
Für eine selbstironische Selbstzerstückelung (die ja durchaus gerne gesehen ist), fehlen einfach die entscheidenden Dialoge und Passagen, die diese unfreiwillige Komik unterstreichen und gewollt machen. Damit driftet man immer zwischen “Meint ihr das wirklich ernst?” und “Nein, das ist ‘ne Verarsche” und das lässt einen als Zuschauer am Schluss ziemlich im Regen dastehen.
Soundtrack – das Fehlen von billiger Synthesizer-Musik aus den 90ern – die Effekte, Kameraführung und einfach alles drumrum, selbst solche billigen Animationen dieser Low-Budget-Produktion, sind für mich hinnehmbar und offenbaren sich eher als eine Studentenproduktion, bei der einer keine Lust hatte, seinen Part mit Hingabe und Fleiß zu erledigen: Der Drehbuchschreiber.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit dem richtigen Publikum im Saal, dass über die selten dämlichen Momente miteinander lachen kann, macht dieser Film richtig Laune und sorgt sogar für Applaus am Ende.
Der geschulte Kinogänger mit Anspruch oder Erwartungen an einen Horrorfilm wird hier eher enttäuscht und auf das SchleFaZ-Niveau geschmissen, für das mir dann aber auch noch eine Prise mehr Selbstironie fehlte, um tatsächlich sicher zu gehen, dass die das nicht ernst meinen.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, rausgehen und das Tageslicht genießen. Und nicht dran denken oder drüber reden 😉

John Wick: Kapitel 2

Auf diesen Film haben sich Fans wohl schon lange gefreut und auch die Vorankündigungen der Presse haben Lust auf mehr gemacht. Hand aufs Herz: Wann ist das nicht so?
Völlig vorurteilsfrei habe ich mich in der Sneak davon überraschen lassen, wie man eine Geschichte, die im Ganzen eigentlich fertig erzählt ist, fortsetzen möchte und dabei der Sahne noch die berühmte Aufsteigerkrone aufsetzen möchte, die einen “noch besseren, noch gigantischeren zweiten Teil” ausmachen will.
Tatsache ist, dass man hier in punkto Style, Action und fahrischer Stärke noch einen oben drauf gesetzt hat und gleich mal zu Beginn richtig Speed aufkommen lässt, bevor klar ist, welchen Film man da überhaupt sieht.
Beim Humor hat man sich nichts nehmen lassen und steigt auch wieder voll in die Echtheit von John Wick ein, dessen Darsteller Keanu Reeves hier seine Paraderolle nachgesagt wird.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die eher in The Matrix stattgefunden hat und der Junge sich nach Werken wie Knock Knock sein “Newcomer”-Debüt in der düsteren Filmszene erobert, in die John Wick natürlich hervorragend passt und mit genügend Blockbuster-Potenzial auch wuchtig zu Buche schlägt.
Die Marke, die man mit dem ersten Teil etabliert hat, zeigt auf jeden Fall Wirkung und der sarkastisch-zynische Humor trifft vielerorts auf fruchtbaren Boden – auch bei mir.
Dennoch empfand ich, dass dem Film ein wenig die spielerische Harmonie fehlte, da die Szenen im Film teils etwas zu langatmig waren, sowohl die “Ruhephasen” als auch der actionlastige Anteil. Irgendwie kommt dabei kein richtiger Rhythmus auf und man versucht unterschwellig verzweifelt, so etwas wie eine gelungene Fahrt hinzukriegen, bei der man aber eher mehr stolpert als grandios erzählt.
Das Schwierige daran ist wohl auch, dass die Gelüste, denen er im ersten Teil frönt, ja insofern abgeschlossen sind und man hier nur etwas künstlich in die Länge ziehen will, was auch am Schluss sichtbar ist. Der lüsterne Blick auf eine neue Welle von John Wick-Filmen ist auch jeden Fall nicht völlig unberechtigt.
Sei’s drum: Die Action macht Spaß, der Momente, die wirklich Gaudi machen, sind viele und man hat auch so jede Menge Spaß inmitten von echtem Style, der so noch nicht oft kopiert wurde und daher ein Alleinstellungsmerkmal aufweist, von dem sich andere große Produktionen gerne ein bisschen mehr Initiative und Erfindergeist abschauen dürfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Daher meine Empfehlung: Popcorn schnappen, Freundin zu Hause lassen (es sei denn, sie steht auf Action und mag Filme wie Trainspotting) und dann einfach mal etwas hirnfrei die Show genießen.
Action, Style, Humor und Look des Films haben neben den schauspielerischen Fähigkeiten durchaus ihre Aufmerksamkeit und somit den Kauf eines .kinotickets verdient.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf sich also getrost richtung Ausgang bewegen.

Nirgendwo

Das Gestöhne im Saal war bereits groß, als das Servus TV-Logo auf der Leinwand prangte, und die Stimmung wurde im Laufe der Vorstellung auch nicht unbedingt besser. Erstmalig habe ich diejenigen beneidet, deren Freundinnen ihre Partner dazu drängten zu gehen und mir insgeheim gewünscht, es würden ihnen noch viel mehr folgen, um das alles wenigstens in Ruhe ertragen zu können.
Nirgendwo zielt schon im Titel nicht unbedingt auf eine heitere Komödie ab, sondern hinterlässt die bittere Süße von Bedeutungslosigkeit, der sich der Film in voller Hingabe widmet. Die Protagonisten haben auf mich allesamt keinen sympathischen Eindruck gemacht (abgesehen von Dennis Mojen, dessen Charakter nahezu beispiellos war!) und daher hat der Film beim Zuschauer selbst den Einstieg vermasselt.
Dass dann im Laufe der Zeit wieder so rumzureißen, dass die Meute begeistert wieder aus dem Saal strömt, ist nahezu unmöglich. Aber Geschmäcker sind bekanntlich ja verschieden (Gottseidank), drum geht einfach mal davon aus, dass ich mit genügend Publikum im Saal die Zeit verbracht habe, das ebenfalls die gleichen Geschmacksverirrungen wie ich aufwies.
Was ich desweiteren sehr problematisch fand, waren die unglaublichen Pausen, die jede noch so kleine Szene derart in die Länge ziehen, dass man das Gefühl erlebt, hier vor einem Film zu sitzen, der ausschließlich aus irgendwelchen Zeitlupen zusammengesetzt ist, die eigentlich gar keine sind. Ernsthafte Dialoge kommen kaum zustande, da nach jedem Satz erstmal eine Pause, neue Einstellung, wieder Pause, Zigarette ziehen, Pause – und dann Antwort kommt – und das nervt ab der zweiten Minute gewaltig.
Klar ist es kein Vergehen, wenn man’s im Film mal etwas ruhiger angeht und sich auch mal für die Dinge Zeit nimmt (und lässt), es dann aber in die andere Richtung derart zu übertreiben ist zumindest genauso verwerflich wie das Gegenteil: Die Geschwindigkeit, in der heute jeder erstickt. Ein gutes Mittelmaß hätte hier viel mehr bewirkt, als diese unerträgliche Langwierigkeit, mit der man sich durch die absurden Situationen und “Gespräche” kämpft.
Was mich zum nächsten Punkt führt: Die Kulisse und das “Universum”, in das man uns da schmeißen möchte, haben zwar einerseits bildhaft ihren Charme, sind andererseits aber dermaßen klein und semiprofessionell gehalten, dass man meinen möchte, hier war nicht genügend Wille oder Möglichkeiten vorhanden, um wenigstens halbwegs anständige Zimmer oder Umgebungen zu finden, in denen man all dies stattfinden lassen konnte. Gespickt mit teilweise derart stupiden Dialogen erwägt das Projekt an sich den Eindruck, aus einer Schülerprojektwoche entwichen und versehentlich auf die Leinwand gebracht worden zu sein. Dafür wäre dann wieder genügend Lobungspotenzial vorhanden. Was die Schaffenskunst für’s Kino betrifft, vermisse ich hier aber ganz viel “Füllstoff”, der aus einem mittelmäßigen Hobbydreh etwas verwertbares für’s Kino entstehen lässt – und damit gehört Nirgendwo für mich überall hin außer auf die Kinoleinwand.
Als 20:15-Movie auf Servus TV ist der nämlich durchaus zu gebrauchen und schneidet seinen TV-Film-Kollegen auch mächtig das Brot ab, jedoch bleibt der gelangweilte, bedeutungslose und absolut unerträgliche Nachgeschmack mächtig zwischen den Kiemen sitzen, während man im Saal beständig nach Luft schnappt, und darauf hofft, dass die zynischen Kommentare vom Publikum langsam lustig werden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von ereignisreicher, actionhaltiger, tiefgründiger oder herzbewegender Kost sollte man sich vorsichtig an diesen Titel heranwagen, denn das Enttäuschungspotenzial kann gewaltig werden.
Die Langsamkeit, mit der der Film aufwartet, ist teilweise absolut unerträglich und die Problematiken gehören nicht unbedingt zu den Dingen, mit denen sich das Gros des Publikums gerne auseinandersetzen möchte. Dadurch verkleinert man die Zielgruppe dermaßen, dass es kaum möglich ist, hier eine einigermaßen zufriedenstellende Basis zu liefern, die für Jungs wie mich den Streifen empfehlungswürdig machen.
Also ist mein Daumen wieder gen TV-Film-Liebhaber gerichtet, die hier bedenkenlos zugreifen dürfen und denen man auf ihrem Niveau auch etwas bietet. Der großartige Grund, jetzt unbedingt dafür ins Kino zu rennen, bleibt meines Erachtens jedoch bis zuletzt offen.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, folgende Szenen oder weiterführende Informationen bleiben aus.

Männertag

Was freuen wir uns alle, endlich sind wieder echte deutsche Männer auf der Leinwand und sie trinken Bier! Yeah – ein Grund, um ins Kino zu rennen und so richtig zu … kotzen!
Wenn das eine großangelegte Kampagne für diese typischen Bierhelme sein soll, dann mag ich der Aktion noch ihren Segen absprechen, für einen Kinofilm war mir aber der Fremdschämfaktor um einiges zu groß, als dass ich hier auch nur eine Blüte Gutes an dem Titel lassen könnte.
Entschuldigung – die Charaktere entspringen wieder mal gefühlt der Feder eines zweitklassigen Praktikanten, dem in seiner Vorlesung langweilig war und der irgendwas mit Bier machen wollte. Und genauso ergreifend sind auch die Auswüchse der Charakterprofile, die man im Film umgehend beleuchtet…. äh … einfach zeigt und da ist er. Yoah, das war’s dann auch. Achso, jetzt passiert dann noch irgendwas … egal, trinken wir erstmal ein wenig Bier.
Ich spreche hier nicht von Vorhersehbarkeit – das ganze Teil ist vorhersehbar. Ich spreche auch nicht davon, dass man nicht allzu ausführlich ins Detail abdriften muss, um eine Person näher zu beleuchten und ihr einen Rahmen und eine Seele zu verpflanzen. Ich spreche davon, den Leuten überhaupt Geist einzuhauchen, um sie fit für die Leinwand zu machen und etwas zu liefern, das dem Zuschauer auch Anreiz bietet, um überhaupt ins Kino zu gehen, wenn man nicht besoffen ist.
Denn nur in besoffenem Zustand kann der Film vielleicht Spaß machen, wenn man nichts mehr von Logiklücken merkt, die idiotische Spielweise der Darsteller billigt und sich nicht über die völlige Realitätsferne aufregt, die hier im Film als gegeben hingenommen und toleriert wird.
Anspruch? Fehl am Platze. Stattdessen hat man ein klein wenig Esprit in die Auswahl der Schauplätze investiert und diesen Punkt auch gleich mal klammheimlich zum eigentlichen Star des Films gekürt, denn sehr viel mehr kommt da nicht mehr – abgesehen vom Bier. O_o
Die aufgesetzte Fröhlichkeit ist bald dahin, der siechend-schmelzende Tiegel an Freundlichkeiten und Moralapostelgetue auch schon zur Stelle, dazu noch eine Brise gequirlte Facebook-Funny-Site-Weisheit und fertig ist der Mix an deutscher Unterhaltung, der uns international wieder ein Stück mehr lächerlich macht.
Und Jungs – ich hab nichts dagegen, wenn man hier Randgruppen anspricht, die inzwischen keine Randgruppen mehr sind und auf Dinge eingeht, die in unserer Gesellschaft Einzug halten und daher auf die Gesprächslisten gehören, damit sich die Bevölkerung damit auseinandersetzt und endlich Licht ins Dunkel bringt und Vorurteile ausräumt – aber so?
Das war für mich einer der größten Rückschritte, die man in diesem Fall überhaupt hat machen können, der für mich eher wieder für mehr Intoleranz und Rassismus wirbt, um dieser Peinlichkeit einfach ein Ende zu setzen.
Auch wenn das ein gut gemeinter Versuch gewesen sein soll – sorry, das ist einfach nur peinlich, beschämend und lächerlich, wie gezwungen und unbarmherzig man damit an dieser Stelle umgeht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich versuche immer, das richtige Publikum für den Film zu finden, und da fallen mir an dieser Stelle nur besoffene Kids ein, die etwas professionellere Handyvideos kucken wollen und auf Bier stehen.
Für alle anderen kann sich der Film als ganz tief empfundener Griff ins Klo entpuppen, denn keiner der Schauspieler überzeugt hier mit Leistung und die Story ist auch komplett für die Katz.
Und als jemand, der Horror und Psychospielchen, die weit über den Rand des Üblichen hinausgehen, mehr abgewinnen kann als andere, hab ich zum ersten Mal ein ganz klein wenig Hass für die Pietätlosigkeit empfunden, mit der man hier auf Basis der Emotionen der Zuschauer spielt, auch wenn diese am Schluss dann in die richtige Richtung aufgelöst wird, alles andere hätte man wohl auf den Index geschoben.
Ich würde auf jeden Fall nicht mehr reingehen und kann das auch niemand anderem empfehlen – dafür läuft zur Zeit einfach viel zu viel besseres, mit dem man sich die Zeit im Kino versüßen könnte.

 
Nachspann
darf man abwarten, der ist voll mit Material und das auch bis ganz zum Schluss.

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