Meine Aversionen gegen das gekünstelte Spinnerkino, das unser Land in der Regel auf die Leinwand wirft, mit dem man uns glauben lassen will, dass die Menschen “in echt” auch so gestochen sprechen, dürften den meisten hier im Blog ja nicht entgangen sein.
Tja, was soll ich sagen: Da kommt der große Bruder der Filmindustrie, packt uns einfach mal nett an der Hand und raus kommt ein Werk, dass nicht nur “normal” ist, sondern mal so richtig tief deine Seele fickt!
Alex Ozerov spielt einen Jungen, der schon von Beginn an mit seiner mega-sympathischen Art und seinem tiefschwarzen Humor einen Charakter darstellt, der einfach zum Anbeißen ist. Nicht nur die herrlich-skurrile Schräge dieses Teens sorgt für jede Menge Lacher im Saal, sondern die fast schon anmutend-defensive Introvertiertheit indiziert in einem selbst Gefühle, die dich zu Themen Positionen beziehen lassen, die einen selbst verwundern.
Man merkt: Hier wird nicht mit billigen Tricks oder gekünstelten CGI-Effekten um sich geschlagen, sondern das Werk trieft nur so vor sprachlicher und tiefgründiger Leistung, dass selbst arte-Jüngern Hören und Sehen vergeht.
Ja, arte hat seine Finger mit im Spiel und ich habe lange überlegt, ob ich das hier anführen soll, denn damit verschreckt man ja quasi fast schon die Menschen, denen arte zu “studiert” und “weltfremd” bzw. “realitätsfremd” ist. Denn genau diese Klischees, die man im Zuge der Nennung mit dem Sender verbindet, ziehen hier in diesem Film mal so gar nicht. Das Teil könnte überall laufen und es hat mich einfach nur eiskalt und vor allem brachial erwischt.
Wer glaubt, hier etwas zu sehen, dass es schon 100x woanders gab – liegt falsch. Wer glaubt, dass diese Geschichte hier nicht von jedem verstanden werden kann, weil sie nur ein spezielles Genre bedient – liegt falsch.
Coconut Hero überschüttet dich einfach nur so mit Charme und Herz, dass dir nicht nur schlecht bei dem Gedanken wird, dass dem Typen irgendwas zustoßen könnte. Du bist von Anfang an gefesselt von den Schauspielern, den Ideen, dieser ganz eigenen Welt, die ihre eigenen Regeln kennt und in der – bis auf einen – alle ganz normal sprechen.
Ich war geflasht und so etwas passiert bei mir höchst selten. Ich fiebere dem Tag entgegen, da der Film im offiziellen Programm läuft und ich ihn mir wieder und wieder reinziehen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Unterhaltung mit Anspruch sucht, schwarzem Humor und einer wunderbar in sich geschlossenen Hemisphäre von Eigenarten etwas abgewinnen kann, der sollte sich zwingend dieses Werk zu Gemüte führen.
Ich würde fast soweit gehen und sagen: Kino in Perfektion. Und damit meine ich Tiefgründigkeit, Komplexität, geistiger Anspruch und seelische Nahrung, die dich gefühlsmäßig so richtig wegbombt.
Mich jedenfalls hat es vom Stuhl gehauen und ich würde sofort wieder reingehen und ihn mir nochmal anschauen.

 
Nachspann
findet nicht in Bildern statt, sondern offenbart nur, dass es sich hier wirklich um eine deutsche Produktion handelt, was mich angesichts des Gezeigten ehrlich gesagt bis heute immer noch ungläubig staunen lässt.