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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Schüler

Die Grundschullehrerin

Seit ein paar Wochen schwärme ich schon davon, dass es demnächst jede Menge Filme geben wird, die euer Herz fordern werden – ohne dabei Namen zu nennen – dies hier ist einer davon.
Mit so viel Liebe, Inbrunst, Herzblut und pädagogischem Vorbild geht man die zwischenmenschlichen Beziehungen im frühen Kindesalter an und entdeckt die Welt einmal völlig neu und von vorne. Dabei ist die Herausarbeitung der verschiedenen Persönlichkeiten enorm! Das Meckern über mangelnde Profiltiefe bei zu oberflächlich dargestellten Charakteren trifft spätestens hier auf seine Grenzen, denn die Ineinanderverflechtung der verschiedensten Ausgangssituationen erlebt in einem völlig herzlichen und absolut empfehlenswerten Film seinen Höhepunkt.
Dabei wurden die Darsteller sowas von sorgfältig ausgewählt, dass einem selbst als Kinderhasser das Herz aufgehen muss, denn die Kleinen leisten Umwerfendes! Das rührt fast schon zu Tränen!
Man mag kaum glauben, dass es sich diesmal nicht um eine wahre Geschichte handelt, sondern alles nur fiktiv ist und spürt die zweijährige Recherche an allen Ecken und Enden. Das Ergebnis ist mehr als authentisch und zeugt von so viel Vorbildcharakter, dass ich diesen Titel fast schon als Lehrstudie im Unterrichtsplan von angehenden Lehrkräften sehen möchte. Als absoluten Pluspunkt muss man an dieser Stelle ebenfalls erwähnen, dass die Menschen hier nicht auf ihre Berufe reduziert oder süffisant auf ihre Stereotypen runtergebrochen wurden, sondern man tatsächlich das Kunststück (was eigentlich keins sein sollte) geschafft hat, ein ganzheitliches Bild zu zeichnen, das keinen Aspekt des Lebens außen vor lässt und Menschen gedanklich Unmögliches abverlangt.
Gerade das Umgehen mit Schwächen, das Lernen in allen Perspektiven und die spielerische Auseinandersetzung mit todernsten Themen machen aus diesem Film eine Perle, die man definitiv gesehen haben muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ob ihr den Titel nun im Kino, Heimkino oder irgendwo unterwegs schaut, sei dahingestellt – wichtig ist nur, dass er auf eurer To-Do-Watchlist steht und ihr keinesfalls versäumt, die Inhalte dieses französischen Peaks zu konsumieren.
Natürlich würde ich immer die gemütliche Abendrunde mit Freunden im Independent-Kino eurer Wahl bevorzugen, für mich verbirgt sich hinter dem fast unscheinbaren Titel aber eine ganz große Story, die es wert ist, der Welt gezeigt zu werden.
Also schaut sie euch an.

 
Nachspann
muss nicht abgebrochen werden, man wird hier endlich wieder mal “sanft entlassen”.
Kinostart: 15. Februar 2018

Jigsaw

Der nicht enden wollende Horror geht nun in die mittlerweile achte Runde und zieht einmal mehr Fans des Jigsaw-Killers in die Kinos, um mit ihnen gemeinsam die neusten Machenschaften dieser Filmära auszuschlachten.
Als ich den ersten Teil von SAW damals in die Finger kriegte, war ich absolut begeistert und habe mich selbst als den größten Fan dieses Films bezeichnet. Die Genialität, das tiefgründige Rachenehmen an Ungerechtigkeiten und der soziopathische Blick auf eine kaputte Gesellschaft, in der nicht einmal mehr die Kirche dazu in der Lage ist, Sünde wirklich zu verdammen und Gott irgendwie geistesabwesend zu sein scheint – und dann kommt jemand, der einfach mal aufräumt. Mit Verstand und Genialität behaftet – nichts habe ich so gefeiert, wie das Boshaftigkeitsfeuerende des ersten Teils.
Und dann?
Kapitalismusbombe!!!
Meine Sympathie zur Filmreihe schoss in den Keller in den ersten 3 Minuten des zweiten Teils. Aber ihr wisst: Ich gebe allem eine zweite Chance. Und eine Dritte. Lasse mich wieder und wieder enttäuschen, in der Hoffnung, dass man es schafft. Teil 4, 5, 6 … 3D-Gore … was wollte man uns dabei denn eigentlich geniales sagen? Außer: Wir haben einfach nur kranke Fantasien und lassen euch daran teilhaben?
Irgendwo spiegelt diese Filmreihe auch ein wenig das echte Leben wieder – insofern man den ganzen Fanhype a la Facebook-Social-Blabla so bezeichnen möchte: Jeder macht irgendwas, titelt das Logo seines Lieblingsmovies drauf und ist damit schon “genial”. Oder wie Katrin Bauerfeind einst wortgemäß in ihrer Trendkolumne sagte: “Die Jugend wird heute einfach nur fürs Dasein abgefeiert.”
Und genau dieses Gefühl bereitete in der Vergangenheit enorme Bauchschmerzen: Dass da einfach was mit SAW war, nur eben keine Intelligenz. Die Bauchschmerzen kamen eben nicht wegen raushängendem Gekröse, sondern wegen mangelnder Grandiosität, mit der uns der Urvater dieses unbetitelten neuen Genres seinerzeit beglückte.
Und nun lässt man uns wissen: Das Grauen hat noch kein Ende …
Es läuft JIGSAW in den Kinos … Und als Frage stellt man sich dabei eher: Was ist denn mit Grauen gemeint? Dass der Film so schlecht ist? Oder man jetzt endlich zu neuen Höhen gefunden hat und wieder mit Brillanz auftrumpft?
Die Wahrheit liegt nicht irgendwo da draußen, sondern eher irgendwo mittendrin. JIGSAW ist in der Tat besser als seine Vorgänger, vielleicht auch, weil man ein wenig zurück zu seinen Wurzeln und Anfängen gefunden hat und endlich nicht mehr billige Kinder an die Macht lässt, sondern wieder Vernunft und Ehre Einlass gewährt, obwohl es hier nur um Abschlachten und Tötungen geht.
Dennoch gibt es viel zu viele “Hä?”-Momente, die einem das Leben im Kino nicht unbedingt erleichtern, weil zeitgleich schon vorhersehbar ist, was gleich passieren wird – nur eben nicht, warum.
Und das hat laut Ausrufen einiger Zuschauer nicht nur mich heftig gestört.
Damit zündet man also nicht einfach “im neuen Zeitalter” eine alte, einst funktionierende Bombe neu, sondern muss sich damit abfinden, einen Blindgänger-Silvester-Böller auf die Leinwand geworfen zu haben, der zwar brennt, aber bislang noch nicht wirklich explodiert ist. Dafür fehlt einfach noch viel zu viel vom Ursprung.
Positiver Sideeffect: Der “Halloween Blood Drive” wurde dieses Jahr in den USA und Kanada wiederbelebt: Überall in den Staaten und seinem Nachbarland wurden mobile Blutspendemobile aufgestellt, in denen Menschen gegen ein .kinoticket des neuesten SAW-Films Blut spenden konnten. Damit wurden seit Beginn des Franchise bereits 57.000 Liter Blut gespendet, was umgerechnet 360.000 Leben retten konnte.
(Quelle: www.jigsawblooddrive.com) – dafür wieder meine Hochachtung!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich als Fan vorheriger Teile bezeichnet, wird hier eine erfrischende Belebung der alten Teile finden, die tatsächlich zu neuen Höhepunkten führt und ein wenig von der ursprünglichen Eleganz mitbringt.
Der Beigeschmack fehlender Grandiosität im Vergleich zum ersten Teil ist allerdings so heftig, dass es das Gesamtwerk dennoch merklich abstuft und somit kein vollwertiges Horrorvergnügen mehr darstellt. Schade eigentlich – denn dieses Franchise hätte durchaus wieder ein paar großartige Momente nötig, um weiter bestehen zu bleiben.

 
Nachspann
Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 26. Oktober 2017

(Trailer) The Book of Henry

Wollen wir diesmal einfach nicht so viele Worte verlieren, sondern uns gleich der Essenz zuwenden:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=qJ0fFQgFlnY?rel=0&w=560&h=315]
eindrucksvolle Geschichte präsentiert von © Universal Pictures Germany
 
Warum man diesen Film gesehen haben sollte
Er wirkt auf den ersten Moment einfach intelligent und wartet dazu mit Kinderdarstellern auf, die mal nicht dem Nerv-Aroma anheim fallen, sondern hier tatsächlich charakterliche Vorbildfunktion für diese Generation an Schauspielern darstellen.
Dazu der Plot, der zwar hier und da ein paar stilistische Schwächen durchblicken lässt, im Gesamtbild dann aber dennoch in vollem Umfang überzeugen könnte und das durchaus ethisch-wertvolle Moral-Ende, dass man dieser Form von Unterhaltung zumuten darf, machen zumindest mir extrem Lust auf mehr.
Und das beste kommt zum Schluss: Ihr müsst darauf gar nicht so lange warten.
 
Kinostart: 21. September 2017

(Trailer) Jugend ohne Gott

Immer wieder sonntags … kommt die Trailerspritze direkt von .kinoticket-blog.de zu euch aufs Display.
Diesmal: Jugend ohne Gott
 
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=Rijc4egGL6E?rel=0&w=560&h=315]
düstere Zukunftsaussichten präsentiert von © Constantin Film Verleih GmbH
 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Auch wenn bereits amerikanische Vorbilder existieren, die zwar noch nicht veröffentlicht sind, aber ungefähr die gleichen Inhalte aufweisen, sollte man sich dennoch diese Form der Auseinandersetzung mit dem Thema ins Hirn einflößen, denn in Zeiten der Digitalisierung und Vollüberwachung sind genau das Themen, die eigentlich täglich auf den Tisch des Konsumenten gehören, damit dieser eine Form der Sensibilisierung dafür bekommt, was es bedeutet, wenn er jeden Scheiß überwachen und digitalisieren lässt.
Klar, schauspielerische Höchstleistungen lassen sich jetzt im kurzen Trailer kaum erkennen und auch die Story mutet nach Schema F an, was erfahrungsgemäß dann mit super Einstiegen und dem darauf folgenden Abdriften in völlig absurde Fantasiewelten endet, die kaum noch etwas mit der Realität zu tun haben, dennoch finde ich es wichtig, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, auch wenn sie filmisch vielleicht nicht top umgesetzt wurden.
Im Vergleich zu anderen inländischen Filmen gehört Jugend ohne Gott garantiert wieder zu denjenigen, die man im oberen Viertel angesiedelt findet, da sie sich durch die Fokussierung auf ein anderes Thema vom Rest der üblichen Masse absetzen und mal nicht DAS Klischeethema in zigfacher Weise neu aufarbeiten.
 
Kinostart: 31. August 2017

Die Schüler der Madame Anne

Beim Stichwort “Schüler” fällt den meisten Kinogängern dieses Jahr wohl die Komödie Fack Ju Göhte 2 ein. Den Erfolg feierte der Film durchaus verdient, jedoch sollte man diese Filmreihe nicht als Vergleichsprodukt für Die Schüler der Madame Anne hernehmen, denn vieles verhält sich hierbei gänzlich anders.
Wir befinden uns wieder in dem schon die ganzen letzten Jahre immer wieder erfrischenden französischen Kino, bei dem mit Hingabe und Leidenschaft ein Thema ausgearbeitet und präsentiert wird, dass sich nicht den Weg in die Herzen erkämpfen muss, sondern mit Leichtigkeit dort landet.
Zum einen die Sympathie: Sowohl die Lehrerin als auch die Schüler landen auf dem Sympathiebarometer ganz weit oben. Hier geht es mal nicht um Klischee-Provokation oder die extra schlechten Schüler, sondern man hat – angelehnt an den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte – die Schüler durchaus realistisch “rebellieren” lassen.
Zum anderen das Thema: Nichts könnte aktueller, nichts bewegender, nichts wichtiger sein als das. Auch hier stoßen dem Zuschauer wieder keine Würgegefühle auf, da nichts breitgetreten, nichts in zähfließendem Wehklagen wieder und wieder auf die Plattform des geistigen Genusses geschmiert wird, sondern man gut verdauliche, appetitliche Happen serviert kriegt, die nicht nur schmecken, sondern auch in bester Manier unterhalten – Bildungsfaktor inklusive.
Diese Art der Herangehensweise an das sehr brisante Thema, das immer wieder leicht überkippt und starke Gefühle bei den Angesprochenen auslöst, empfand ich das erste Mal in der Geschichte meines Lebens als bekömmlich und schmeichelnd. Es wurde klar angeklagt, es wurde gezeigt, was passiert ist, es wurde aufgearbeitet, aber eben nicht mit Zeigefinger und Rohrstock, sondern behutsam und so, dass die Angesprochenen die Möglichkeit hatten, sich damit auseinanderzusetzen ohne sich schlecht zu fühlen.
Die Zeit der Verantwortlichen ist längst vorbei. Das mit dem Finger auf uns deuten, längst nicht mehr zeitgemäß und rechtens. Das darauf hinweisen, wie so etwas entstanden ist und welche fatalen Folgen so etwas haben kann, mehr als notwendig und sehr elegant gelöst.
Nichts hätte rührender, nichts wohlschmeckender, nichts besser sein können als das Ende dieses Films. Und in Anbetracht der Tatsache, dass das hier eine Wirklichkeitsverfilmung ist, finde ich es mehr als begrüßend, dass solche Lehrer und Schüler existieren, die vorbildlich vorleben, wie man mit den Dingen umzugehen hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schickt eure Schüler da rein. Geht mit eurer Familie da rein. Falls es nicht mehr läuft, wartet die Blu-ray-Veröffentlichung ab und schaut es zu Hause im Heimkino an!
Die Schüler der Madame Anne gehört für mich zum bildungsnotwendigen Pflichtprogramm unseres Landes und unterhält nicht nur erstklassig, sondern behandelt zum ersten Mal in meinem Leben ein Thema, bei dem nicht die Schuld- sondern die Ursachenfrage geklärt wird. Und dafür meinen tiefsten Respekt, endlich in unserer Zeit angekommen zu sein und nicht mehr Menschen Taten zu bezichtigen, die sie persönlich nicht verübt haben.
Großartiges Kino und ein weiterer Beweis dafür, dass sich Hollywood warm anziehen kann: Die Franzosen kommen!

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf also getrost nach Hause gehen und über das nachdenken, was einem da präsentiert wurde.

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