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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Schönheit

Projekt: Antarktis

Projekt Antarktis

© 2018 24 Bilder

 

“Mach doch lieber was Vernünftiges” – wer kennt es nicht oder hat es von seinen Erziehungsberechtigten nicht schon wenigstens einmal gehört?

Oft gehören gerade die Menschen, die später Großartiges vollbringen und nach ihrem Erfolg zu gefeierten Stars gemacht werden, zu denjenigen, die sich in ihrer Kindheit und Jugend mit eben jenen Traum-Spaßbremsen rumschlagen müssen, die solche wertlosen Ratschläge auf Lager haben und in alle Welt verteilen müssen. In meinen Augen sind diese Rat-Schläger die größten Verbrecher aller Zeiten, denn nichts ist schlimmer, als fantasiegetriebene Träume im Keim mit erwachsener Vernunft zu ersticken!

Niemand von denen hat sich nämlich je gefragt, ob es nicht langsam mit dem Brei der Einheits-Unglücklichen reicht, wenn abertausende Millionen Menschen tagtäglich vor sich dahinsiechen und keiner versteht, warum gerade das eigene Kind zu eben jener trostlosen Masse zwingend dazugehören soll. Und jetzt kommt mir nicht mit “Sicherheit” und “Lebensgrundlage” – was ist das für ein Leben, das einen mit Unglück und Freudlosigkeit bis ans Sterbebett begleitet? Richtig – keins!

Fantastisch, dass drei Studenten aus dem Norden Deutschlands in Bremerhaven sich diesem Lebenstotschläger entgegengestellt und ihre eigene Mission entgegen aller Widrigkeiten in Angriff genommen haben und auf ihrem Weg satte 14.000 km gereist sind, um sich ihren Herzenswunsch zu erfüllen.

Wie und was da passiert ist? Davon berichtet euch Projekt: Antarktis in eindrucksvollen Bildern und einem völlig ungewöhnlichen und bisher so nicht da gewesenen Film, der die Abenteuer beschreibt und begleitet und gleichermaßen fasziniert wie aufrüttelt.

Ja, dieses Projekt ist kein professioneller Hollywood-Film, der mit allen Mitteln der Kunst gestaltet und von jeglichen Kinderkrankheiten bereinigt wurde. Ja, die Jungs sind tatsächlich Deutsche und bringen in ihrem Wesen und ihrer Abenteuerlust ebenfalls typisch deutsche Merkmale mit, die immer noch meilenweit vom amerikanischen Optimismus entfernt sind und längst nichts mit übertrieben guter Laune zu tun haben, sondern sehr oft in Bodennähe rumdümpeln.

Und ja, dieses Projekt ist hoffentlich endlich eins, dass die anderen eingeschlafenen Deutschen in ihrer Manier wachrüttelt und ihnen zeigt, dass es sich eben auch als Deutscher lohnt, seine Ziele und Träume in Angriff zu nehmen und nach etwas zu streben, und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Bislang hat man uns immer nur weismachen wollen, dass dies allein mit der amerikanischen Methode funktioniert und der trübselig-gesättigte Deutsche hat sich müde daneben gesetzt und war fest davon überzeugt, dass er dies aufgrund seiner Herkunft allein schon jetzt bereits nicht schaffen kann.

Dieses Argument beseitigen Michael, Tim und Dennis auf eine Art, die sich im Kino vielleicht etwas zurückhaltend und gebremst anfühlt, die dadurch aber womöglich viel mehr Bezug zum wirklichen Alltag herstellt und somit umso wertvoller als Beispiel zum Umsetzen fungieren kann.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ein einzigartiges Projekt von Bremerhavener Jungs, die sich gegen die deutsche Trägheit stellen und etwas aufziehen, das einen Kinofilm definitiv wert ist.

Allein schon um der Bilder und Eindrücke wegen sollte man nicht versäumen, die Chance auf dem Big Screen wahrzunehmen, denn alles andere wäre ein Schnitt ins eigene Fleisch des Filmgenusses. Und vielleicht gehörst du ja anschließend zu denjenigen, die von diesem Filmgeist profitieren?

 

Nachspann
✅ wandert seicht ins Dunkle über, lasst euch also ein bisschen Zeit und stresst nicht gleich gen Ausgang.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: Projekt: Antarktis
Length: 97 Min.
Rate: FSK 0

I Feel Pretty

Amy Schumer hat bei mir schon längst tiefe, schmerzende Spuren hinterlassen, die sie für mich persönlich als Subjekt filmischer Überzeugungskraft durchfallen lassen haben. Ein Film mit Amy Schumer ist für mich gleichbedeutend mit Langeweile, Fremdscham, niveaulosen Jokes, abwesender Tiefgründigkeit … sowas eben.
Wenn ich also in einen Saal voller Frauen spaziere und mir einen Film mit Amy Schumer anschaue, dann mit entsprechend abwesenden Erwartungen.
Und dafür hat mich I Feel Pretty wahnsinnig positiv überrascht!
Manche erinnern sich vielleicht noch an Embrace – ich würde sagen, das hier ist dasselbe, nur in Spielfilmform. Die Botschaft und Idee gehört vielleicht ein paar Dekaden weiter in die Vergangenheit, aber – sind wir mal ehrlich – waren es nicht diese Filme, die damals unser Herz erobert haben und damit restlos funktionieren? Genau dafür ist Kino doch wie geschaffen: Um auf der Leinwand etwas zu zeigen, dass unser Kindsein weiterhin am Leben erhält. Dass uns dabei unterstützt, weiter zu träumen und sich von dem Realismus, den man als Erwachsener in der Welt erlebt, seelisch nicht vollends umbringen zu lassen.
Genau darin liegt doch unser Problem: Sobald das Erwachsensein auf den Plan tritt, opfern die Menschen bereitwillig all das, was ihnen vorher dabei geholfen hat, ein unbeschwertes Leben zu leben, nur um anschließend darüber zu jammern, wie schwer doch alles geworden ist.
I Feel Pretty überredet einen dazu, erneut über solche Dinge nachzudenken und sich einfach mal wieder in eine Geschichte entführen zu lassen, die nichts mit ihren bösen Schwestern gleichen Genres’ zu tun hat: Man wird nicht mit dieser übertriebenen Peinlichkeit überschüttet, sondern alles findet in sehr ruhigen, subtilen und fast schon ernstzunehmenden Situationen statt, die das Augenmerk wirklich auf das Wesentliche lenken, ohne dabei hier und da den Humor zu vergessen.
Das Publikum im Saal hatte auch sichtlich Spaß dabei und sogar ich selbst habe mich an vielen Stellen erwischt, wie ich einfach lachen musste, nicht weil’s peinlich war, sondern Schumer hier tatsächlich zu Höchstformen aufläuft und ihr altes Film-Selbst damit mehr als in den Schatten stellt.
Und das, was dieser Film transportieren möchte, ist ungemein wichtig und ich glaube fest daran, dass die Message auch die entsprechenden Personen erreichen wird und ihnen zu neuen Höhen aufhilft.
Ist es nicht das, wofür Kino einst gedacht war? Den Menschen weiterhin träumen zu lassen? Ihm weiterhin Hoffnung zu schenken und ihn glauben zu lassen, dass er alles schaffen kann, wenn er nur will?
Abseits all dieser “Niveaulosigkeit”, den viele Kritiker diesem Film attestieren, empfand ich die eigentliche Botschaft hervorragend rübergebracht und auf einem völlig glaubhaften Fundament begründet, dass hieraus nicht nur einen wunderbar erzählten Filmabend macht, sondern eben auch eine Grundsatzfrage meisterhaft beantwortet.
Mögen sich viele nach diesen Weisungen richten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überraschend gut gelungen und in meinen Augen der perfekte Film, um in der Ladies Night zu laufen.
Egal, was andere darüber schreiben: Ich finde, der Film gehört in die Kinos und sollte gesehen werden, denn diese ruhigen Töne, das zur Abwechslung mal richtig bereichernd Normale, birgt eine ernstzunehmende Weisheit, über die manche mal diskutieren sollten.
Embrace hat damals eine grundsätzliche Sache klargestellt und dieser Film liefert den nötigen Realismus dazu, um mehr Menschen dazu zu verhelfen, ein einfaches, wunderbares – ja fast traumhaftes Leben zu führen ohne sich von den ganzen Irrgedanken runterziehen zu lassen.
Deshalb ist I Feel Pretty in meinen Augen mehr als gelungen und zählt als die positive Überraschung der Woche!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 10. Mai 2018

Embrace

Am 11. Mai 2017 waren in einigen Kinos manche Säle der Sondervorstellung Embrace komplett ausgebucht. Nora Tschirner als deutsche Schauspielerin promotete die Dokumentation im Vorfeld mit ihrem eigenen Namen und sorgte so wohl für eine immens große Nachfrage, so dass sich manche Kinos dazu entschieden, die Doku ein weiteres Mal über den Äther flimmern zu lassen.
Solltet ihr also nicht dabei gewesen sein, ist dies kein Grund zum Ärgern. Nutzt einfach die Suche auf http://kinofinder.kino-zeit.de/programmsuche/embrace oder http://www.kino.de/film/embrace-du-bist-schoen-2016/kinoprogramm/ und schaut, dass ihr noch eine dieser Vorstellungen erwischt.
Wer dann ebenfalls kein Glück haben sollte, dem bleibt die Möglichkeit, ab 18. Mai 2017 den immens wichtigen Film auf VOD oder DVD zu bestellen bzw. zu sichten. Daher auch meine zeitnahe Kritik an dem Werk und erstmals ein Hinweis auf die Heimkino-Veröffentlichung.
Als jemand, der selbst unter dem Thema zu leiden hatte und eine Vielzahl an Ärzten, Diäten und Versuchen hinter sich gebracht hat, war ich an dem Thema der Doku natürlich privat mega interessiert. Ein Zuschauer beschwerte sich hinterher bei mir, dass in dem Film fast schon diskriminierend Frauen die “Hauptrolle” spielen, da dieses Thema Männer genauso angehe. Klar – jedoch sehe auch ich die absolute Notwendigkeit, alle mal darüber aufzuklären, was tatsächlich Sache ist, um diese unglaubliche Verzerrung endlich zu beenden und zu zeigen, dass im Leben eben nicht alles Gold ist, was glänzt. Denn Frauen sind bei dieser Frage tatsächlich am meisten betroffen und gehören damit für mich auch absolut ins Rampenlicht, was das angeht.
Worum es geht?
Ihr kennt mich und meine Prinzipien und wisst, dass ich niemals spoilern will und keinem den Sehspaß im Kino verderben, darum werde ich auch hier nicht damit beginnen, Inhaltsangaben runter zu schreiben. Ich formulier es mal so:
“Hast du dich je mal im Spiegel betrachtet und dachtest, du seist nicht schön genug?”
“Hast du schon mal Stellen an deinem Körper gefunden, die du nicht optimal fandest?”
“Würdest du sagen, du bist die Schönheit in Perfektion auf dieser Welt und verkörperst sie durch dein Aussehen?”
Kannst du die ersten beiden Fragen mit “Ja” beantworten, dann ist der Film genau für dich geschaffen. Eine heilsame Umarmung anderer Menschen, die etwas gerade rücken, das in der Vergangenheit von diversen Interagierenden so dermaßen in ein verunstaltetes Bild verkehrt wurde, dass es mittlerweile abartige Ausmaße annimmt und Menschen nachhaltig schadet.
Genau diese Entwicklung wollte die Autorin Taryn Brumfitt aus Australien gemeinsam mit Nora Tschirner verhindern, indem sie das verkehrte Bild von allen Seiten beleuchten und damit der “einseitigen Berichterstattung” auf der Bühne der Welt den Kampf ansagen.
Und das Ergebnis ist überwältigend.
Gehörst du zu denjenigen, die die dritte Frage mit “Ja” beantworten, dann ist der Film für dich geschaffen, denn du solltest wissen, was du so vielen Menschen wie möglich empfehlen solltest, damit in der Allgemeinheit endlich das abstruse Denken aufhört, dass uns all die Jahre über eingetrichtert wurde. Dabei trägt der Film mit unglaublich vielen Fakten und Einblicken hinter die Kulissen der Branchen bei und bringt Leute auf die Bildfläche, die dazu wirklich etwas sagen können.
Und bevor ich jetzt ins Schwärmen über diesen mutigen und beachtenswerten Schritt komme, lasse ich einfach mal eine staatlich geprüfte Diätassistentin zu Wort kommen, die sich freundlicherweise bereit erklärte, mir nach der Vorstellung ein paar Fragen zu beantworten.
 

Ben (kinoticket-blog.de)
Wie fandest du den Film jetzt gerade?
Andrea H. (www.ess-therapie-muenchen.de)
Es war ein Wahnsinnsfilm und ich find’s richtig cool, dass diese Frau (Taryn Brumfitt) mal den Mut hatte, das in die Welt zu tragen, dass man einfach seinen Körper lieben soll so wie er ist. Denn dieses Thema betrifft so viele Menschen und sehr viele leiden wirklich darunter. Ich bin selbst Ernährungsberaterin und geb das meinen Leuten auch immer weiter: Dass es nicht wichtig ist, ob sie jetzt 5 kg mehr oder weniger haben, sondern dass sie einfach ihren Körper lernen zu lieben, wie er ist, weil genau so, wie er ist, ist er wundervoll.
Ben
Findest du es wichtig, dass man sich akzeptiert, wie man ist, oder sagst du, man sollte trotzdem schauen, dass es nicht irgendwelche übermäßigen Ausmaße annimmt?
Andrea H.
So, wie man sich gut fühlt, ist es richtig und es ist egal, ob der Arzt sagt, du sollst abnehmen oder ob der Mann oder Freund oder sonst wer es sagt, es ist nur wichtig, wie du dich für dich selber fühlst, ob du dich gut fühlst, ob du dich wohl fühlst. Denn was hilft dir ein Idealgewicht, wenn du dann unglücklich bist? Das hilft weder dir noch den anderen.
Ben
Also quasi dieses “Wohlfühlgewicht” haben?
Andrea H.
Genau. Ich mein, wenn ich jetzt ständig esse um damit irgendwelche Gefühle zu unterdrücken, dann sollte ich natürlich daran arbeiten, weil das Essen meine Gefühle, meinen Hass, meine Wut, meine Angst nicht löst. Aber wenn ich jetzt einfach, weil ich z.B. drei Kinder bekommen habe, etwas zugenommen habe, dann soll ich meinen Körper so akzeptieren, wie er ist, weil genau so ist er perfekt und er erzählt ja auch die Lebensgeschichte.
Ben
Findest du, dass die Dokumentation das gut rüberbringt? Dass jetzt auch Kinder und Jugendliche da rein gehen können und sagen: “Hey wow, mich versteht jemand”?
Andrea H.
Ja, den Film könnte man überall laufen lassen. Zum Beispiel auch am Bahnhof auf den Werbetafeln. Ich finde, das ist ein Film, der noch viel mehr verbreitet werden muss, dass man wieder weg kommt von diesem Schönheitsideal “Du bist nur gut, wenn du schlank bist”, weil das nicht richtig ist. Das haben wir ja auch gehört: Wenn du nur dafür lebst, um schlank zu sein, dann bist du nicht glücklich. Dann gehen die ganzen Wunder des Lebens an dir vorbei.
Ben
Fandest du das jetzt gut, dass da auch Schauspieler mitgemacht haben oder hätte man da jetzt noch mehr Prominenz einbauen sollen oder war das Gleichgewicht zwischen Schauspielern und “Normalos” gerade richtig?
Andrea H.
Das war genau richtig. Auch von den Schauspielern, die immer perfekt sein müssen, die Meinung zu hören, war gut – also war eine gute Mischung.
Ben
Und nach dem Film? Obstkiste oder Chipstüte?
Andrea H.
Das, worauf ich Lust hab.
Ben
Wie würdest du den Film in einem Satz beschreiben?
Andrea H.
“Wundervoll!”
Ben
Vielen Dank.

 
Andrea ist staatlich geprüfte Diätassistentin, die über sich selbst sagt, dass sie “Menschen ermutigen möchte, sich selbst zu lieben, so wie sie sind”. Ich denke, man merkt ihr ihre Lebensfreude und positive Einstellung bereits an dem kurzen Interview an und möchte mich daher nochmals für das Interview bedanken.
Wer mehr über ihre Arbeit erfahren möchte, darf gerne mal auf ihrer Website vorbei schauen: www.ess-therapie-muenchen.de.
Zur offiziellen Filmhomepage geht’s hier lang: http://www.embrace-derfilm.de/#home und wer gestern im Kino saß und mit Nora über den Film diskutieren bzw. Fragen stellen möchte, der sollte heute mal unter dem Hashtag #embrace auf Facebook vorbei schauen, denn sie lädt zum Livetalk ein und steht dort auch Rede und Antwort.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein aufrüttelnder Dokumentationsschocker, der intime Einblicke in eine Branche gewährt, die viele nur aus der verzerrten Wahrnehmung kennen, die uns Medien, Industrie und Werbung tagtäglich vorgaukeln.
Endlich hat jemand den Mut und spricht Dinge aus, die lange gesagt sein hätten sollen und liefert dazu die passenden Tatsachen und Fakten. Nach Aufklärungsfilmen wie Supersize Me und Voll Verzuckert – That Sugar Film ist Embrace folgerichtig ein Teil der öffentlichen Aufklärung über Falschinformationen bezüglich des eigenen Körpers.
Absolut sehenswert!

 
Nachspann
beinhaltet keine weiterführenden Szenen, man kann die Zeit aber gern zum Austausch nutzen, da die Vorstellung allgemein sowieso nicht allzu lang ist.

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