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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Schnee

Geostorm (3D)

Wenn man verhalten mit Pressevorführungen umgeht, verheißt das im Normalfall nichts gutes. Wenn man sich vergangene Werke mit Gerard Butler ansieht, auch nicht. Zumindest keine, in denen irgendwelche amerikanisch-patriotischen Flaggen wehen, die den simplen Geist der Nationalität ansprechen und auf konservativ-patriotische Reaktionen hoffen.
Zumindest funktioniert diese Art von Film auf dieser Seite des Teichs nicht. Für mich. Man fühlt sich eher unwohl an das stumpfe Verhalten designierter AfD-Wähler erinnert, in deren Konversationen keine fundierten und begründbaren Argumente mehr zu finden sind.
Genau diese Klientel versucht man mit Geostorm wohl auch anzusprechen. Alles funktioniert nach Schema F. Man hat den Zwist in der Familie, den Hund, das Kind, die alten Erinnerungen, irgendwelche Codes, internationale Krisen, die heroisch von den USA bewältigt werden und irgendwas mit dem Präsidenten zu tun haben.
Würden hier weder Titel noch Filmplakat zu sehen sein, könnte man auch meinen, ich schreibe über London has fallen. Oder San Andreas, bei dem zwar kein Gerard Butler mitspielt, dafür aber eine andere Action-Ikone, die sich an Chuck Norris messen will, aber den Absprung dahin nicht schafft, sondern bereits im Flug zu Boden stürzt.
Es ist zwar okay, wenn man sich nicht oberster Stilmittel bedient, sondern einfach mal ein Schlachtgewitter und CGI-Explosionen zeigen will, wenn dafür dann aber auch nicht genügend Kohle vorhanden ist, dann mündet es in einer Enttäuschung beim Zuschauer – und genau das ist Geostorm: eine bittere Enttäuschung, für die wahrscheinlich viel zu viel Kohle rausgeworfen wurde.
Als Macher hätte ich mich erstmal gefragt, wieso es Filme dieser Art gibt, die funktionieren und bis heute Begeisterung bei ihren Liebhabern auslösen, und solche, die jämmerlich versagt haben. Und hätte dann die Unterschiede zwischen ihnen gesucht, mir die positiven Rosinen davon gepickt und daraus einen neuen Film gemacht.
Warum funktioniert beispielsweise Armageddon so hervorragend? Auch hier hat man mit Heroismus und patriotischem Gedankengut zu tun gehabt, auch hier hat man versucht, die Welt in Schutt und Asche zu betten und effekttechnisch das Beste daraus gezogen. Und es hat funktioniert. Und der Grund dafür dürften weniger Aerosmith mit ihrem legendären Hit gewesen sein.
In meinen Augen liegt der Erfolg eher im Justieren der Intension – dem Maß der Zerstörung und dessen Glaubwürdigkeit. Ich kann Häuser in die Luft fliegen lassen oder Häuser in die Luft fliegen lassen. Ganz gefährlich wird’s dann mit lieblos zusammengestückeltem Halbwissen aus .trailern und Vorabsequenzen, die dem Zuschauer vielleicht sogar bewusst ein völlig falsches Bild vermitteln und Erwartungen schüren, die nicht erfüllt werden.
Und an diesem Punkt versagt Geostorm in voller Montur: Es gibt nicht nur unzählige Logiklücken und Stumpfsinnigkeiten, sondern es ist auch offensichtlich, dass hier die niedersten Instinkte angesprochen werden sollen, die den IQ von Bier und BILD-Zeitung nicht übersteigen. Eben genau wie bei London has fallen – nur dass jetzt eben die ganze Welt dran glauben soll.
Und dabei hätte man so vieles ganz anders machen können – meinetwegen daraus auch ein neues Monsterstück in Guiness-Rekord-Überlänge, hätte man die einzelnen Sequenzen huldigend eingeleitet und nicht einfach nur so dahingerotzt, weil sie eben einfach da sind. Die Feinfühligkeit ist komplett raus und Intelligenz ist überhaupt nicht gefragt, wird noch nicht mal ansatzweise mit 0,1% angefragt, sondern eher schmählich aus dem Saal vertrieben.
Es wirkt, als hätte man zu keinem Zeitpunkt darauf Lust gehabt, Sinn und Logik in den Film zu integrieren, sondern sich einfach nur mit Monstereffekten brüsten wollen, die sich letztendlich als schlechte Qualität entpuppen.
Die virtuose Bildschlacht, die einem die kristallscharfen Klingen von Optimus Prime und Kameradschaft noch bieten, wechselt hier eher in den Slang von Skyline und seinen stümperhaften Dialogen, an denen auch Kinderstimmen oder lachhafte Rahmenhandlungen nichts mehr ändern.
Dazu die unfassbar schlechten Versteckversuche von faszinierenden Wendungen und nochmals erwähnten, grausam offensichtlichen Logiklücken, die keineswegs verzeihlich sind.
Lacher publiziert der Film auch, aber nicht durch Genialität, sondern eher, weil die Show als solches eher lachhaft wirkt und hier nicht mit Komikspitzen, sondern grandiosen Tiefpunkten trumpft, die so schlecht sind, dass man es einfach nicht mehr aushält.
Dann hätte man lieber konsequent auf stumpfsinnige Action gesetzt und die dann aber ins Extrem getrieben, denn Ansätze davon tauchen auch hier auf, der ganz große Wurf, den u.a. der Titel verspricht, bleibt aber komplett aus.
 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsätzlich eine herbe Enttäuschung auf jedwede Erwartung hin, die entweder der Titel oder der .trailer ausgelöst haben.
Die Dialoge sind unter aller Sau, Spannung kommt kaum auf, es schreit förmlich vor Drehbuch-Dummheit und klaffenden Logiklücken und an Action spart man auch durch günstigere Effekte und nicht sensibel ausgeführte Dekonstruktionsphasen.
Für mich ist man mit diesem Projekt grandios gescheitert.

 
Nachspann
Hier kommt nichts mehr, man darf also wieder zurück in die echte Welt.
Kinostart: 19. Oktober 2017

The Revenant – Der Rückkehrer

Leonardo DiCaprio ist bekannt dafür, großartige Filme zu machen und dafür von der Academy nicht mit Lob besudelt zu werden. Zeit für einen neuen Film von ihm, für den er wieder keinen Oscar abstauben wird.
So zumindest sollte man denken, wenn man sich die glorreichen Machenschaften seiner Vergangenheit im Hinblick auf die Vergabe des Goldjungen anschaut. In diese Reihe erfolgreicher Erzählungen wirft Alejandro G. Inarritu mit ihm als Hauptdarsteller einen weiteren Film, der vor technischem Können und schauspielerischer Präsenz nur so leuchtet.
Was diesmal unübersehbar richtig gemacht wurde: Der Dreck. Was ich bei Im Herzen der See schon so bemängelt habe, wurde hier nun ausgiebig gefeiert: Gestandene Männer werden in den Dreck geschmissen und müssen sich aus selbigen wieder herauskämpfen, ohne dabei von der Natur oder ihresgleichen in irgendeiner Form Unterstützung beigemessen zu kriegen.
156 qualvoll lange Minuten schaut man dabei zu, wie der Mensch sich unter katastrophalen Zuständen windet und ums nackte Überleben kämpft. Hier wird einmal mehr die Seele unserer Spezies offen auf der Leinwand präsentiert und die schrecklichen Abgründe verschiedenster, niederträchtiger Absichten offenbart.
Was anfangs noch spannend ist, verändert sich im Laufe des Films langsam zur tatsächlichen Qual für den Zuschauer, da bei dem Werk zwar offensichtlich sehr nahe am real Erlebten gearbeitet wird und der Held der Stunde eben nicht einfach aufsteht, sich den Dreck von den Ohren wischt und fröhlich weiterspaziert, jedoch mangelt die gesamte Darstellung an erzählerischer Tiefe.
Es wirkt fast, als hätte man einfach ein Fenster in die Vergangenheit aufgerissen und – ausgeschmückt über den Umweg eines Romans – ein paar Geschichten erzählt, die Teile ihres Ursprungs in tatsächlich Erlebtem fundieren. Was mir persönlich dabei fehlt, ist die Leitung des Zuschauers hin zu einer Pointe, die einen nach so langer Zeit bereichert wieder aus dem Saal spazieren lässt.
Die ist zwar – wenn man ganz genau hinschaut und es so will – schon vorhanden, jedoch im Rahmen dessen, was man vorher gezeigt hat, so unspektakulär und klein, dass einem kaum auffällt, dass hier etwas gesagt wurde. Und damit geht ein riesengroßer Paukenschlag offensichtlich ins Leere, weil am Schluss dennoch die Frage bleibt: “Und jetzt? Wofür das Ganze?”
Schauspielerisch kann man weder an Tom Hardy noch an Leo DiCaprio irgendwas bemängeln und auch die Technik im Hintergrund hat ganze Arbeit geleistet. Die Kälte und Unverfrorenheit der Natur, die harte, kalte, unmenschliche Gegend und das Unwillkommene, in das die Menschen hier geworfen werden, kommt mehr als gut und realistisch rüber und zeigt sehr eindrucksvoll, dass Natur eben nicht immer nur schön und wunderbar, sondern auch rauh und hart zu einem sein kann.
Angesichts der blutigen Elemente, empfinde ich die Freigabe ab 16 teilweise schon als zu niedrig, da hier doch ziemlich offensichtlich Dinge zelebriert werden, die zwar hervorragend in die Geschichte passen, jedoch nicht unbedingt von der breiten Allgemeinheit (FSK 16 wird von der Gesellschaft oft als “Jugendfrei” wahrgenommen und somit auch FSK 12-Klientel gezeigt) gesehen werden muss, da manche Parts im Film sehr wohl einen harten Magen voraussetzen, um hier unbeschadet über die Szenen zu schlittern.
Was bleibt, ist ein gigantischer Film, der eindrucksvolle Bilder zeigt, imposante Szenen zelebriert und damit eine Geschichte ausschmückt, die unter realen Bedingungen sicherlich niemand persönlich erleben möchte.
Hätte man hier noch etwas mehr Tiefgang eingebaut und nicht nur die Natur selbst sprechen lassen, wäre daraus ein gigantischer Meilenstein des Kinos geworden. So spart man zwar auch mit Worten und vollführt vieles durch reines Beobachten, erhält dadurch aber auch irgendwie keine so richtige Inhaltswucht, sondern plätschert mit wenigen Elementen natürlich dahin.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartiges Kino mit eindrucksvollen Momenten, deren Ursprung auf realen Begebenheiten beruht und fürs Kino und zuvor für einen Roman ausgeschmückt wurden.
Die Realitätsnähe ist diesmal mehr als deutlich, der Dreck, durch den man sich wühlt, fühlt sich auch als Zuschauer echt an und die Kälte und Rauhheit der Natur erlebt nicht nur einmal ihren Höhepunkt im Siegeszug gegen den Kampf ums Überleben.
Was mir fehlt, ist ein bleibender Schluss, der dem Film den Sinn  verleiht, um nicht aus dem Gedächtnis wieder zu verschwinden. Hier wurde einfach zu wenig aufgetragen, so dass nach 156 Minuten Laufzeit das Fenster zur Vergangenheit einfach wieder zugeht und man nun dasteht und sehen muss, was man mit dem eben Gesehenen anfängt.

 
Nachspann
gibt’s nicht, nachdem auf schwarz geblendet wurde, darf man sich also aus dem Saal entfernen.

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