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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Schiff

Thor – Tag der Entscheidung

Das Marvel-Universum umfasst mittlerweile einiges an trächtigen Titeln, so dass man langsam den Überblick zu verlieren scheint.
Wenn wir also von den Avengers reden, inkludiert das folgende bisher vorhandene Filme:
Iron Man
Iron Man 2
Iron Man 3
Der unglaubliche Hulk
Thor
Thor – The Dark Kingdom
Captain America: The First Avenger
The Return of the First Avenger
The First Avenger: Civil War
Marvel’s The Avengers
Avengers: Age of Ultron
Guardians of the Galaxy
Guardians of the Galaxy Vol. 2
Ant-Man
Doctor Strange
Spider-Man: Homecoming
Zu den bislang 16 veröffentlichten Titeln gesellen sich in absehbarer Zukunft dann noch:
Black Panther
Avengers: Infinity War
Ant-Man and the Wasp
und an folgenden Titeln wird noch gearbeitet (darum sind sie bislang nur unter dem Arbeitstitel bekannt):
Captain Marvel
Untitled Avengers
Untitled Spider-Man: Homecoming Sequel
Guardians of the Galaxy Vol. 3
Damit hätten wir dann insgesamt 24 Marvel Cinematic Universe-Filme, die in ihrem glorreichen Glanz ein großartiges Stück Filmgeschichte ausmachen.
24? Yes – denn am 31. Oktober 2017 erscheint der dritte Teil von Thor – Tag der Entscheidung und damit transformiert man diesen Zweig der Avengers-Saga endlich in einen ernstzunehmenden, anbetungswürdigen Teil dieses Universums.
Viele von euch wissen ja, dass sich Tony Stark alias Robert Downing Jr. würdig aus dem Filmlegendenbusiness verabschiedete, um seinen Charakter in Ehre zu halten, bevor er nicht mehr mithalten kann. Dieser Schritt bekam von mir höchste Würdigung, weil ich so etwas schätze, wenn die Leute wissen, wann es genug ist und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aufhören, statt immer weiter zu strampeln, bis es einfach nur noch eine Witzveranstaltung ist.
Gleichermaßen vermisst man den ungleich coolen, einzigartigen und legendären Humor von Stark, was in meinen Augen Guardians of the Galaxy Vol. 2 wieder etwas aufgefangen und eingeholt hat, um weiter damit um sich zu werfen.
Thor war innerhalb dieses Filmbiotops immer ein wenig der kleine Außenseiter. Der erste Teil sprüht zwar vor gigantischem 3D und unfassbaren Farben, einem komplexen Multiversum und vielen grafischen Höhepunkten, die Story fand zuletzt jedoch im zweiten Teil ein morbides Ende – was für mich der absolute Tiefpunkt aller Filme darstellte.
Nicht gut gespielt, irgendwie lieblos zusammengezimmert und ohne jedweden Charme dümpelt man so vor sich hin und erzählt keine sonderlich spannende Story, sondern hat einfach nur einen gigantisch teuren Durchhänger, der eigentlich das Ende der Thor-Erzählung bedeuten könnte.
Und hier ist es nun meine Aufgabe, euch davon zu berichten, dass dem nicht so ist – ganz im Gegenteil.
Wer Guardians of the Galaxy Vol. 2 zum Schreien komisch fand, wird Thor – Tag der Entscheidung lieben! Die Aufgabe von Marvel bestand nämlich darin, einen Regisseur zu finden, der dem ganzen einen völlig neuen Anstrich verpasste und somit Thor aus der Versenkung holte, um ihn wieder zu einem würdigen, lustigen, unterhaltungsreichen Event zu gestalten – und das ist Taika Waititi hervorragend gelungen.
Man hat nicht nur alle Register der Avengers gezogen, sondern auch mit hollywoodinternen Jokes, Tony Starks Humor und inhaltlicher Reichhaltigkeit der Guardians gearbeitet und damit ein Werk erschaffen, dass seine Zuschauer von Anfang an verblüfft und außer den Figuren rein gar nichts mit den ersten beiden Filmen zu tun hat – sofern man diese in ihrer Genialität bewertet.
Es flasht wirklich alles – auf höchstem Niveau. Man hat sich hier aller technischer Mittel bedient, um die Kundschaft auch weiterhin auf dem Level der übrigen Avengers-Filme zu halten, jedoch wieder damit begonnen, den Charakteren Tiefsinnigkeit zukommen zu lassen und das mit einem begeisternden Charme und exzellentem Witz, dass man fast vergisst, dass es mal so etwas wie Iron Man gegeben hat.
Optionen wie Jeff Goldblum als einen der Charaktere einzusetzen, waren für mich eines der größten Pluspunkte, die man diesem Werk angedeihen ließ, denn er spielt herausragend und offenbart sich als völlig neue Entdeckung auf dem Schauspielermarkt, da man mit ihm auch weiterhin derartige Rollen besetzen könnte – großartig!
Cate Blanchett in einem Superheldenfilm? Diese zierliche Frau, die sich kaum traut, ihre Texte richtig aufzusagen? Auf ihr Konto gehen einige Lacher und sie behauptet sich in dieser Saga mit ihrer aussagekräftigen Persönlichkeit in einem Ausmaß, dass ich dieser Frau niemals zugetraut hätte. Großartig!
Man hat es wirklich geschafft, den Karren aus dem Dreck zu ziehen und präsentiert nunmehr ein Meisterwerk, dass sich sehen lassen kann und überlaut nach mehr schreit! Wer also mit Thor abgeschlossen hatte, sollte sich jetzt darum bemühen, .kinotickets zu ordern und die Show wieder beginnen lassen, sonst verpasst er einen großartigen Neueinstand eines alten Titanen der Filmgeschichte!
 

.kinoticket-Empfehlung: Man wollte alles irgendwie umkrempeln, neu gestalten, frischen Wind in die Sache bringen und das Genre komplett neu beleben – und es hat definitiv funktioniert!
Die Schauspieler sind allesamt klasse, überzeugen durch großartiges Können und übertreffen sich selbst.
Humor, Unterhaltung, Optik und Sound überzeugen genauso wie das 3D und offenbaren sich als eine völlig neue Schöpfung in einem bisher langsam aussterbenden Ast eines Filmuniversum.
Wenn sich je ein Thor-Film gelohnt hat, dann dieser hier: Reingehen! Und zwar sofort!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel – da bleibt man sitzen. Nicht bis zum Zwischeneinspieler, sondern bis ganz zum Schluss – denn auch da kommen noch großartige Sequenzen.
Kinostart: 31. Oktober 2017

Dunkirk

Christopher Nolan ist wieder am Start – und wie es aussieht, verkennt unsere Generation dieses Genie.
“Spoiler: Der ist scheiße.”
“Naja, ich fand ihn nicht so.”

und ähnliches kam mir zu Ohren, bevor ich ihn überhaupt selbst gesehen habe. Nun, was erwartet euch wirklich? Oder besser gesagt: Was habe ich für Erwartungen an den Film gehabt?
Nolan braucht keine Actionballaden, immerhin ist er Nolan und nicht Bay. Aus welchen Gründen auch immer, erwartet jeder aber genau das von ihm. Wieso? Weil der .trailer das bereits signalisierte?
Für mich eher nicht. Sieht man genau hin, hört auf die Musik, sieht die Bilder und erinnert sich an das, was er bei Interstellar abgeliefert hat, war mehr als deutlich, wohin die Reise führen würde.
Und sie tut es. Nolan begreift sich selbst als Unikat, als unverwechselbarer Geschichtenerzähler, der seinen ganz eigenen Stil, seine eigenen Farben, seine eigenen Kamerafahrten und ganz persönliche Note in seine Filme integriert. Wem das bisher nicht aufgefallen ist: Schaut euch doch mal ein paar seiner Filme im Split-Screen an und achtet auf ein paar dieser Faktoren.
Und Dunkirk passt genau in dieses Schema rein: Er ist ein Genie und Genies muss man selbst nicht verstehen. Das ändert nichts daran, dass dieser Mann großartig ist und hervorragende Kinofilme herstellt, auch wenn die breite Masse sie vielleicht nicht begreift oder mit seinen Aussagen nicht klar kommt.
Allein schon die alleinstellungsmerkmalbehaftete Stimmung, die man gleich zu Beginn an konsequent durch den ganzen Film zieht, bietet dem Zuschauer so viel mehr Raum für das, was er zu sagen hat. Hier wird einem nicht mehr Wort für Wort vorgekaut, was die Aussage des Films ist, sondern man bekommt zu jeder Szene genügend Luft, Ruhe, Eindrücke, um sich selbst auszumalen, was er damit sagen will. Und die Tiefe, mit der er dabei in ein Thema vorrückt, dass wir in der westlichen Welt heute alle nicht mehr live kennen, ist beeindruckend.
Gestern haben ich einen Film gesehen, in dem gesagt wurde, dass die Fantasien durch Worte beschränkt werden und man seine Möglichkeiten beschneidet, indem man Dinge in Worte fasst. Nolan tut dies in seinem aktuellen Werk erstaunlicherweise nicht, sondern erzählt durch Bilder, durch Momente, durch Eindrücke und nimmt einen mit auf eine mehrdimensionale Reise in einen Raum, der vor Bedrückung und niedergeschlagener Stimmung nur so strotzt.
Menschliches Ehrgefühl? Ein Epos sondergleichen? Eine von Moral durchklüftete Eindruck schindende Heldenstory mit phänomenalem Ausgang? Fehlanzeige. Ich glaube kaum, dass das eine seiner Absichten gewesen ist – im Gegenteil: Er wollte genau das aussagen, was er mit diesem Film in Bild, Farbgebung und Sound auch tut: Etwas Unbegreifbares greifbar machen und den Menschen in Portionen in den Kopf schütten, die sie verdauen können – Stück für Stück.
Und dafür muss man sich als ungebildeter Zuschauer ein Stück weit auf ihn einlassen und akzeptieren, dass er einfach kann, was er macht. Geht auf diese Reise. Freundet euch mit seinen Bildern an. Die Welt ist noch nicht so weit, dass sie von allein begreift, welche Aussagekraft in diesen Momenten steckt. In spätestens 10 Jahren werden die Menschen dann sagen: “Verdammt, wäre ich damals mal nur ins Kino gegangen und hätte ihn mir da angesehen. Die Chance ist jetzt vorbei.”
Lasst es nicht dazu kommen. Geht rein. Lasst es auf euch wirken. Ich war gestern schwer beeindruckt. Und ich bezweifle stark, dass die große Masse dieses Gefühl zu Hause auf den Minifernsehern nachstellen kann, die derzeit noch überall rumstehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht noch ein Soldatenfilm, nicht noch etwas, was es schon tausendmal gibt.
Nolan schickt euch auf eine Reise, die weitaus vielschichtiger und großräumiger ist, als bisher angenommen. Seine Genialität versteckt sich zeitweise hinter dem Minimalismus, der seinen Filmen angediehen ist und dem Zuschauer Luft gibt, selbst darüber nachzudenken und die Botschaft im eigenen Kopf zu entwickeln.
Er gibt die Verantwortung an den Zuschauer weiter und betet ihm nichts mehr vor. Zeit genug bleibt einem dafür, weil man mit Impressionen nicht überladen, sondern gemächlich zugeflutet wird, während sich die Kernaussage immer weiter manifestiert und in einem historischen Ereignis gipfelt.

 
Nachspann
Der bislang unerwähnte Soundtrack von Hans Zimmer ist es wert, beim Abspann sitzen zu bleiben. Überhaupt hat der Film einen akustischen Mantel, der zu unangefochtener Größe aufsteigt und aus diesem Werk zusätzlich etwas ganz besonderes macht.
Kinostart: 27. Juli 2017

Spider-Man: Homecoming (3D)

Einigen wird wohl nicht entgangen sein, dass sich Robert Downey Jr. höchstpersönlich dafür entschieden hat, aus dem Marvel-Universum auszusteigen, solange es noch nicht peinlich geworden ist. Seine Zeit war bei Iron Man, wo er sagenhafte Leistungen ablieferte und als Filmserienheld Reden von sich machte.
Danach holte man ihn immer an Deck, wenn man mal wieder eine funktionelle Zuschauerspritze brauchte, oder einfach, um das Coolness-Level etwas aufzufrischen und andere Superhelden besser dastehen zu lassen. Denn, sind wir mal ehrlich: Mit einer Person allein funktioniert das in unserem Supergiganten-Universum nicht mehr wirklich. Die Zeiten haben sich irgendwie geändert und die Geschichten von früher müssen heute einfach anders erzählt werden. Und da ist die Auswahl der Hauptdarsteller manchmal eine ganz wichtige Angelegenheit.
Zu Downeys Coolness gehört neben einer sensationellen Schauspielerleistung aber auch, dass man sich würdig von den Bühnen der Welt verabschiedet und nicht verkrampft versucht, bis zum Schluss Kasse zu machen und auf Teufel komm raus nochmal zu brillieren (so wie man es bei Tom Cruise in Die Mumie vermuten könnte).
Und statt zu zeigen, was für ein toller Hecht er ist, welche Brillanz und Größe an ihm verloren gehen wird, setzt er sich hin und überträgt dieses Level einfach gnadenlos auf den – meiner Meinung nach – besten Spiderman überhaupt: Tom Holland.
Hier zählt auch wieder, dass Marvel durchaus weiß, was es tut. Nach der sensationellen Niederlage von The Amazing Spiderman wollte man sich eine derartige Blamage nicht noch einmal geben und nahm deshalb vollständig die (kreativen) Zügel in die Hand, um einen Film zu kreieren, der von sich Reden machen wird. Und auf Holland ist die Rolle wie maßgeschneidert: Der Kerl bringt einfach alles mit, was es in heutiger Zeit braucht, um ein anbetungswürdiger Superheld zu werden: Er ist jung, süß, strotzt nur so vor jugendlicher Agilität und ist fesch in seiner Spielweise. Er geht neben den Schauspiel-Legenden keineswegs unter oder kämpft erbittert um Aufmerksamkeit, sondern spielt sich mit Tony Stark die Bälle zu, dass es nur so kracht. Die Synergie, derer die beiden sich bedienen, ist beispiellos. Es funkt – wie man so schön sagt – auf einer ganz anderen Ebene als erwartet.
Dazu trägt auch das Drehbuch und die ganzen Rahmenbedingungen bei: Man hält sich eben nicht mehr damit auf, eine bekannte Story jetzt nochmal zu erzählen, sondern setzt gewisse Vorkenntnisse voraus, die auch Nicht-Film-Kenner wissen sollten und steigt einfach gleich mit Vollspeed ein. Das macht aus dem Stück ein herrlich-neues, ebenbürtiges Iron Man-Abbild, dessen Elemente, die wir alle bis heute lieben, nun auf die nächste Generation übertragen werden.
Somit erlebt man als Zuschauer im Kino kein Revival alter Marotten, die einem das Gefühl geben würden, das Geld aus der Tasche gezogen zu kriegen, sondern erhält einen munter-heiteren Neustart in einem Universum, dass der Allgemeinheit bekannt ist und sich darum nicht länger an äußeren Erzählhistorien aufhält.
Und dieser Schachzug macht Spider-Man: Homecoming für mich zu dem besten Spider-Man überhaupt, der selbst sein Original noch übertrumpft. Genau wie auch schon bei The First Avenger: Civil War erkennbar war, dass Marvel noch ganz andere Trümpfe in der Tasche hat, hält man jetzt alte Versprechen und enttäuscht die Kinozuschauer ein weiteres Mal nicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man sich als Fan der Saga bekennen, stellt sich einem gar nicht die Frage, ob man nun hier rein geht oder nicht.
Für alle anderen ist dies der exakt richtige Zeitpunkt, um damit anzufangen und sich bei Bedarf dann die alten Streifen nochmal im Heimkino zu Gemüte zu führen. Und derer gibt es ja mittlerweile einige.
Spider-Man: Homecoming trumpft jedenfalls nicht nur mit unglaublichem 3D und genialer Frische auf, sondern verzückt auch in Sachen Soundtrack, Humor, schnellem Schnitt und unglaublicher Erzählfreude, die einem das Leben für gute 2 ¼ Stunden so angenehm wie möglich macht.

 
Nachspann
Üben wir einfach nochmal alle zusammen:
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher aufstehen.
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher aufstehen.
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher…
Ich glaube, irgendwann kapiert das auch der letzte. Und Leute: Auch hier beweist man wieder: Es ist ein neues Zeitalter angebrochen und die Jungs haben das tatsächlich kapiert und sind ihrer Zeit – selbst ganz zum Schluss – wieder weit voraus.
Kinostart: 13. Juli 2017

Dream Boat

Dream Boat entführt an einen Ort, der der Öffentlichkeit bisher verborgen blieb und ermöglicht so zum ersten Mal in der Geschichte dieses Schiffes einen Einblick in die einmal jährlich stattfindende Reise, auf der sich unterschiedliche Kulturen mit einem gemeinsamen Ziel treffen.
Tristan Ferland Milewski begleitet hierbei mit seinem Kamerateam verschiedene Charaktere aus unterschiedlichen Ländern, deren Probleme alle anderen Ursprungs sind und offenbart somit einen Einblick in eine Szene, die heute noch von vielen nicht verstanden wird.
Kritikpunkt meinerseits ist ganz klar, dass auch hier keine internationale Verständigung geschaffen werden will, da wieder nur einseitig beleuchtete Extreme dieser Sphären gezeigt und offen ausgelebt, während die vergleichsweise “langweiligen Normalos” ausgespart werden. Das führt erneut zu der Verzerrung, die von den Medien schon seit Jahrzehnten betrieben und der Öffentlichkeit als Manko vorgehalten wird.
Klar versucht man, hier die menschlichen Komponenten einfließen zu lassen und über die Gefühlswelt Zugang zu den Persönlichkeiten zu gewähren, dies gelingt jedoch nur teilweise und fördert eben meiner Meinung nach wieder ein falsches Gesamtbild zutage, unter denen viele Betroffene immer noch zu leiden haben.
Ich kann mir extrem gut vorstellen, dass sich viele “Interessierte” im ersten Teil des Films eher angeekelt abwenden werden und der vielleicht erwartete Keim Hoffnung auf Toleranz, den man mit diesem Film wohl schaffen wollte, nach diesen Einblicken wohl eher ins Gegenteil verkehrt wird.
Systematisch zerkleinert man hier jedes Klischee und führt es ausgiebig vor, bis am Ende nur noch der freigemeißelte Brocken Entschuldbarkeit dasteht, mit der man die für andere abstruse Lebensweise zu rechtfertigen sucht.
Und damit hat der Film für mich thematisch gänzlich versagt. Wenn mir hinterher Presseleute erzählen, dass sie durch den Film einen tollen Einblick in die Kultur dieser Menschen gewonnen haben und jetzt endlich mal wissen, wie die überhaupt so sind, dann wird mir eher Angst und Bange – weil nämlich längst nicht alle so sind, sondern die gezeigten Modellbeispiele nur einen kleinen Teil der gesamten Anhängerschaft ausmachen.
Was man behaupten kann (und sollte), ist, dass die Dokumentation einen Einblick in Teile dieser Gesellschaft gewährt und man ein paar einzelne Schicksale erfolgreich dokumentiert hat, dies jetzt aber zu einem allgemeingültigen Aushängeschild für eine komplette Truppe zu machen, halte ich vollends für falsch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Anhänger und Freunde finden hier ein gefundenes Fressen und feiern sich komplett selbst, während der Bezug zum Rest der Welt durch die unkommentierte Dokumentation einzelner Beispiele vollends verbaut wird, da diese Hauptdarsteller keineswegs als Fallbeispiel für eine ganze Kultur dienen können.
Gut gemacht – innerhalb der oben genannten Grenzen – und positiv aufgefallen durch seine internationale Auseinandersetzung mit dem Thema, welches durchaus auch heute noch viel Kummer und Leid in den Herzen der Betroffenen auslöst.
Wer sich den Film ansehen will, darf dies gerne tun, sollte jedoch hinterher unbedingt Redebedarf anmelden um sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen zu können.

 
Nachspann
kommt keiner, nach der Abblende darf man also verschwinden.
Kinostart: 13. Juli 2017

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (3D)

Es ist der fünfte Teil dieser Saga.
Kritik beendet.
So oder so ähnlich könnte man schreiben. Damit wäre fast alles gesagt. Alles, was ursprünglich mal Fluch der Karibik gewesen ist, wurde ersetzt durch monströse Effekte. Die charmant-dämliche Art eines Johnny Depp, der in Captain Jack Sparrow seine Paraderolle gefunden zu haben scheint, war anfänglich noch die absolut tragende Säule der ganzen Scharade. Seine dauerbetrunkene, selten-dämliche Aufführung in der Öffentlichkeit, gespickt mit den banalen Strukturen dieser simplen Gesellschaft formten damals ein Bild, wie es bislang keines gab. Der sprühende Nebel des komödiantischen Untergangs war noch hell genug am Disney-Himmel, um daraus eine Story zu schöpfen, die sowohl jung als auch alt in ihren Bann zog und Filmgeschichte schrieb.
Die meisten, die ich im Laufe des Neustarts des aktuellen Teils dazu befragt habe, sagten mir, dass sie irgendwo zwischen Teil 2 und 3 ausgestiegen sind, da dort bereits das Elend begann. Ich zähle mich übrigens auch dazu, denn bereits beim zweiten Teil war mir nicht mehr wohl ums Herz. Und das, obwohl ich die Dunkelheit liebe und es bei mir ruhig düster sein darf. Zum einen passt diese allseits von Tod umgebende Sphäre so überhaupt gar nicht mehr zu Disneys sonstigen Werken, zum anderen erhält man in Pirates of the Caribbean – Salazars Rache zwar erstmals endlich einen korrekten Titel, der jedoch absolut nichts mehr mit dem Original zu tun.
Sparrow ist überflüssig geworden und wird von den monströsen Effekten einfach nur noch zum symbolgebenden Logo degradiert. Früher war er derjenige, ohne den der Film nicht funktioniert hätte, dieses Mal hätte es wohl gereicht, wenn man sein Konterfei Mumienlike am Schluss ins Wasser gerendert hätte, um einen Cameo-Auftritt zu geben, der Rest des Films wird durch absolut übertriebene Effekte maskiert und damit zur CGI-Feier verwahrlost.
Versteht mich nicht falsch: Die Arbeit an den Computern ist herausragend und durchaus einen Kinobesuch wert, auch das 3D basht so dermaßen tief in den Kinosaal rein, dass man sich manchmal gerne wegducken würde, jedoch verkümmern die einzelnen Schauspieler dadurch nur noch zu austauschbaren Plastikpüppchen, die durch markantes Aussehen tatsächlich bestätigen, dass es sich hier um Fluch der Karibik und nicht um ein x-beliebiges anderes Epos dreht. Als ob Disney einfach mal gesagt hätte: “Komm, wir streichen sämtliche Gagen und pulvern einfach alles ins Rendering.”
Wer also auf der Suche nach abartigen Effekten ist, Gigantomanie liebt und sich von erschlagender Größe in Perfektion niedermachen lassen will, ist hier genau richtig. Wer den Flair des ersten Teils aufleben lassen möchte, wird maßlos enttäuscht. Und da hilft auch ein Jerry Bruckheimer nichts, der daraus wieder eine seiner typischen Rätsel-Erkundungen à lá Das Vermächtnis der Tempelritter machen möchte. Starrt man so manch altem Charakter ins Gesicht, stellt man fest, dass sie genau das geworden sind: Alt, verbraucht, farblos. Genauso verhält es sich mit der Dialogschwere, dem mythologischen Tiefgang und der Story selbst: Der wahre Vorstoß auf den Grund des Meeres findet hier nicht statt, sondern alles ereignet sich knapp unter der Oberfläche. Die Figuren wirken eher harmlos, werden nur als Erzählroboter gebraucht in einer ansonsten perfekt austarierten CGI-Umgebung, die für sich allein atemberaubend genug ist, um das .kinoticket zu rechtfertigen, jedoch keineswegs irgendwelche Ansprüche an Story oder Originalität befriedigt.
Überlegt euch also lieber dreimal, ob ihr wirklich in diese Vorstellung gehen möchtet.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wir haben einen funktionierenden Titel und die Leute werden schon rein rennen, also ist es egal, was wir daraus machen.
Wer dieses System nicht unterstützen möchte, der geht einfach nicht rein. Denn wenn die großen Filmschmieden damit aufhören, originell zu sein, haben wir Cineasten bald ein Problem mit nachwachsenden Rohstoffen guter Geschichten.
Hier lohnen sich wirklich nur noch die Effekte, der Rest ist für’n …………

 
Nachspann
lässt es sich auch diesmal wieder nicht nehmen, bereits erste Anzeichen auf Fortsetzungen zu setzen, denn nach erfolgtem Abspann kommt noch eine längere Szene.

Kubo – Der tapfere Samurai

Wenn der Titel wie hier nicht gerade anmutig klingt, sondern eher einem schlechten Kinderbuch entsprungen zu sein scheint, dann ist es Zeit, darüber aufzuklären. Kubo – Der tapfere Samurai erzählt nicht etwa die Heldengeschichten aus Fernasien, die jeder an dieser Stelle erwarten würde, sondern entwirft und vervollständigt ein cineastisches Konzept, dass man im Rausch der allgegenwärtigen Wiederholungen und Einfallslosigkeiten der letzten Jahre so lange nicht erlebt hat.
Dass hier wohlweislich Kindern der Vorzug des präferierten Publikums gewährt wird, ist mehr als Randerscheinung denn als Wille anzusehen, denn selbst Erwachsene finden sich hier in einer unglaublichen Erzählung wieder, die nicht nur mit einem unfassbar kreativen Plot, sondern auch einer herrlich-gemütlichen Umsetzung punkten kann.
Die Herzlichkeit, mit derer man sich dieser Geschichte angenommen hat, sprudelt förmlich aus allen Ecken und hinterlässt nicht nur bei mir markante Spuren von Sympathie und Zuneigung.
Dabei wird sowohl sprachlich als auch in der Kontinuität wahrhaftes Können bewiesen. Das Attribut “Kinderfilm” würde ich dem Werk – wäre es nicht so unfassbar gut für Kinder geeignet – komplett absprechen, um die erwachsen-gleichgültige Abwertung zu verhindern, die man als älterer Kinozuschauer dabei entwickeln könnte.
Die Einfälle, derer man sich hier bedient, die liebevolle Umsetzung, der komplett eigene Stil – das ganze Arragement ist derart mit sich selbst im Frieden, dass nicht nur die Moral der Geschichte etwas wertvolles vermittelt, sondern der gesamte Film diese defensive, unglaublich friedliche Kultur nachempfindet und durch kreative Freiräume erst richtig zur Geltung bringt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz ehrlich: Wer wieder mal einen richtig sehenswerten Film anschauen möchte, der sollte diesen Titel auf seinem .kinoticket stehen haben, denn der Abend (oder besser Nachmittag) ist durchaus gerettet, während man sich in den Gedankengängen der Macher befindet.
Und sollte tatsächlich jemand mit der Storyline unzufrieden sein, findet er hier genügend andere Dinge, die den Film zu etwas unglaublich Sehenswertem machen, denn dieses Konzept funktioniert und bedient sich dabei nicht aus vielerlei Quellen, sondern glänzt durch authentisches, spannendes und einfallsreiches Kino.
Daumen hoch – davon darf gerne mehr kommen!

 
Nachspann
sollte man auf jeden Fall abwarten, denn der hat es in sich und enthält mega spannende Einblicke, die man definitiv nicht verpasst haben sollte.

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln (3D)

Ihr fandet den Trailer verrückt?
Der Film ist es auch.
Wer Teil 1 gesehen hat, kann in der Fortsetzung genauso viel Irrsinn erwarten, wie jemand, der bis dato noch keinerlei Alice-Erfahrungen gemacht hat.
Das tolle daran: Die Verrücktheit grenzt nicht etwa an unkönnerisches Produzieren bei Filmen und dem selbstironischen Darstellen der eigenen Unfähigkeit, sondern persifliert die geradlinig-ausgerichtete Filmwelt als solches mit nahezu unüberschaubarer Verquirltheit und liefert hier einen Reigen an Farben, Formen und irrsinnigen Einfällen, die an ideellem Einfallsreichtum kaum zu überbieten sind.
Wir sind Alice. Und wir feiern den Quatsch einfach gebührend mit einem dementsprechend großen Publikum weltweit ab. Möge der Film zu Ruhm gelangen und die Kinos voll sein, denn genau so etwas bezeichnet man in der modernen Welt schlichtweg als Kunst. Und zwar unverwechselbar.
Wenn man in der subtilen Geschichte nicht mitkommt, bleiben immer noch die kongenialen Farben und Formen, die sich anzusehen allein schon eine Hirnbefriedigung darstellen.
Lohnt sich der Gang ins Kino? Das 3D? Kann man das alles stoisch bewerten und auf die Waage mit anderen Titeln werfen um daraus dann irgendwelche firlefanzigen Kritik-Fetzen zu ziehen und resultierend daraus reinzugehen oder nicht?
Nein. Man sollte einfach reingehen und sich den Wahnsinn mit Herzliebe ins Hirn schießen lassen und die Show bis zum Ende genießen. Es lohnt sich. Versprochen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Film mit Sacha Baron Cohen, in dem man ihn nicht wiedererkennt.
Umgeben von surrealem Wahnsinn in eine Geschichte verpackt, die keine ist, sondern einfach nur vor fantastischen Wundern glänzt. Ein Farben-Fest der Superlative, das den Geist anregt und das trockene Gemüse im Hirn mal so richtig durchputzt.
Reingehen!

 
Nachspann
Anfänglich noch nett in 3D gehaltene Animationen regen zum Warten an, das Ende ist dann aber nur noch musikalisch-tonaler Art. Wer darauf warten möchte, darf dies gern tun.

Pan (3D)

Ich bin innerlich zerrissen. Der Film mutet gut an. Wirklich gut. Die Szenen sind professionell, es hat nirgendwo den Anschein, dass es sich hier um einen Kinderfilm handelt, der Aufwand, den man für die Herstellung betrieben hat, scheint enorm zu sein.
Und dennoch: Man sitzt drin und fühlt sich federhaft an Käpt’n Säbelzahn und der Schatz von Lama Rama erinnert. An die Jugendlichkeit – im negativen Sinne. Hier wird gespielt, als könnte man Piraten nicht ernst nehmen, weil sie im Filmjargon sowieso zu den Witzfiguren schlechthin zählen. Dabei liefert gerade Hugh Jackman wirklich ein gutes Bild ab. Nur das Drumherum war mir etwas zu verspielt, zu unreif, in sich geschlossen etwas zu uneins mit sich selbst.
Vielleicht ist das der Grund, weshalb man gerade diesem Film die 3D-Lizenz recht früh entzogen hat: Schon zum Kinostart liefen hier so bescheuert gelegte Zeiten in 3D-Version, dass man andere Vorstellungen dafür sausen hätte lassen müssen, um hier in den Genuss von 3D zu kommen. Ergo habe ich den Film auch nur in 2D geschaut und abartig viele Szenen entdeckt, die förmlich danach schreien, erst gar keine 2D-Version anzubieten. Zahlt niemand den Aufpreis, weil dafür die Story zu bieder, zu unspannend, zu vorhersehbar ist?
Ich weiß es nicht. Und bin mir ziemlich sicher, dass mit Plastikbrille auf dem Kopf an dieser Stelle sehr viel positivere Eindrücke geliefert würden.
So bleibt ein weiterer “reactivated fairy movie”, dessen Geschichte man brühwarm neu erzählt und in die Moderne zu holen versucht. Doch bei einem ganz netten Versuch bleibt es eben auch. Der Überflieger fehlt und die epische Stärke, die man gerade von so einem Film erwarten würde, bleibt aus. Schade eigentlich, denn so doof ist doch die Geschichte gar nicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hugh Jackman liefert eine gute Show ab, der Rest platziert sich etwas merkwürdig drumherum und macht so aus viel Potenzial einen mittelmäßigen Film, dem die nötige Portion Kick fehlt, um auf der Leinwand richtig zu punkten.
Sollte man erwägen, sich den Film anzuschauen, dann bitte mit 3D-Aufschlag, denn der ist bitter nötig, um hier etwas mehr Präsenz zu erzeugen und “tiefer ins Geschehen abzutauchen”. Aber allzu hohe Erwartungen sollte man nicht mitbringen, die führen nur zu größeren Enttäuschungen.

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf nach Anbrechen der Textgebilde am Ende gerne wieder in die Realität flüchten.

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