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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Scarlett Johansson

Avengers: Infinity War (3D)

Einige haben mir nicht geglaubt, als ich geschrieben habe, Black Panther sei nur der sanfte Auftakt für den bevorstehenden Infinity War – und ab Donnerstag prescht eben jener auf euch nieder und mäht alles weg, was es bisher jemals gegeben hat.
Marvel macht seit jeher alles richtig. Figuren einführen, Geschichten liefern, mit denen der Zuschauer sympathisieren kann, das Universum langsam ausgestalten und dann die Brachialität zusammenführen und aufeinander loslassen.
Was andere Labels schmähhaft kopieren und damit kläglich scheitern, Marvel weiß die richtigen Schrauben anzuziehen und liefert etwas ab, bei dem ich nicht gegen den Pressetext wettere.
Leute?
DAS sind Superlativen.
Und zwar welche, die funktionieren!
Ich hatte es schon im Gefühl, dass sie mit Infinity War ein Gewitter auf uns loslassen und habe mich über all jene Meldungen gewundert, die aus Black Panther den “bislang erfolgreichsten Marvel-Film aller Zeiten” machten, denn gefühlt ist der in meinen Augen nur ein armseliger Abgesang auf das, was uns da bevorsteht.
Es ist Dienstag Nacht, ich zähle zu den Gesegneten, die den Film bereits vor die Füße gesetzt gekriegt haben und ich bin seitdem ein paar Kontinente tiefer im Kinosessel festgeklebt und komme nicht mehr hoch!
Äh … Sprachlos!
Und meine Erwartungen waren GIGANTISCH! Okay? Da gehört es normalerweise zum guten Ton, dass man während der Vorstellung dann permanent verarscht, enttäuscht und links liegen gelassen wird – und nichts dergleichen ist passiert: Jeder Blick gefesselt auf die Leinwand mit offenem Mund während ich nicht glauben konnte, dass man aus “Fantasie” so etwas erschaffen kann.
WAHHHHH!!! Jetzt zeigt sich erstmal, womit man in all den Jahren mit dem ganzen “Anteasern” der Machtspitzen überhaupt erst hinaus wollte, auch wenn man vorher beim .trailer manchmal das Gefühl hatte, dass Thanos als kleines rumhoppelndes Männchen kein ernstzunehmender Gegner werden würde, sondern eher eine enttäuschende Figur abliefern…
NEIN!
DEFINITIV NEIN!
Ich würde Avengers: Infinity War mal gelinde gesagt als superlativen Schlag in die Fresse eines jeden bezeichnen – ein Film, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Beim Nachspann sitzt du allen ernstes im Kino und fragst dich, ob die es auf die Reihe bringen und diesmal einfach mal keine After-Credits bringen? Weil das so ein niederschmetternder finaler Roundhousekick in die Fresse wäre – und ehrlich gesagt: Es hätte mich nicht verwundert.
Ja, auch ich habe mir die ein oder andere These zum Film im Vorfeld im Internet durchgelesen und mit der gleichen Amüsiertheit wie bei den ganzen “definitiv richtigen Apple-Vorhersagen” verfolgt, was nun denn in Infinity War passieren müsste. Leute? Lächerlich!
Eure Thesen waren allesamt lächerlich. Und wir alle sollten um Vergebung flehen und lernen, dass Marvel tatsächlich kein Filmlabel ist, sondern eine geheime Religion, die nicht nur vorgibt, Götter für die Leinwand zu produzieren, sondern auch im Stande dazu ist, diesen Göttern wahrhaftig Leben einzuhauchen!
Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, außer alles zu revidieren und mich geschlagen zu geben: Seit A Quiet Place – der im “Horror”-Sektor komplett aufgeräumt hat – ist etwas im Kino explodiert und wir alle sind jetzt entweder tot oder erleben gerade das geilste Filmzeitalter, das die Menschheit je hatte.
Infinity War gehört dazu!
 

.kinoticket-Empfehlung: Überlegt euch mal: Es gab 18 (!!!) – ACHTZEHN – Filme, die uns alle darauf vorbereitet haben, dass das hier kommen würde.
Und jeder davon war für sich ein eigener Riesenerfolg. Andere Filmreihen versuchen, immer größer zu werden, Marvel wird immer größer. Nach allem, was sie bisher abgeliefert haben, läutet man mit Avengers: Infinity War nun definitiv ein neues Kinozeitalter ein und hinterlässt tiefe Spuren, die dutzende andere Arbeiten gemeinsam bei weitem nicht wegzudrängen vermögen.
Geht in die größten Kinos die ihr findet – schöpft und kostet das neue Dolby Atmos aus und lasst euch einfach gehörig schön wegbomben – es macht endlich wieder einmal richtig Spaß – und das ohne eine einzige Pause!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel.
Kinostart: 26. April 2018

Girls' Night Out

Ich weiß nicht, womit sich Scarlett Johansson dazu hinreißen ließ, diese Rolle zu verkörpern. Bereits in Mädelstrip zeigte man die neue Marotte, jetzt altbekannte Hangover-Elemente derart ins Extrem zu prügeln. Irgendwie beginnt alles relativ normal und spitzt sich dann derart überdreht zu, dass es jedwede Glaubwürdigkeit und somit auch jederlei Anspruch verliert, den man als intellektuell bewanderter Kinozuschauer gerne mal mit in den Saal bringt.
Ich weiß generell nicht, was das soll. Bereits in Office Christmas Party, der unter dem Titel Dirty Office Party derzeit in den Regalen zu finden ist (was der Schwachsinn soll, erklär mir mal einer), hat man damit begonnen, eine dieser “unverwüstlichen Partys” zu feiern, bei denen alles noch so herrlich abgedreht erscheinen soll, was sich zuletzt jedoch nur als Babysturm im Kindergarten-Wasserglas entpuppt.
Genau die gleichen Ambitionen entwickelt Girls’ Night Out: Was eine durchaus interessante Story hätte werden können, wird durch seine konsequenzlose Belanglosigkeit zu einem derben Niedergang der Partykultur, die man mit solchen Filmen scheinbar am Leben erhalten will. Dass der Patient jedoch schon von Anfang an bereits längst tot ist, hat bisher wohl noch niemand bemerkt.
Der Tagesspiegel feiert den Streifen als Hoffnungsträger, dass in Hollywood nun doch noch die Frauen-Gleichberechtigungsnorm angekommen zu sein scheint, die Einspielergebnisse erzählen jedoch eher eine völlig andere Story: Nämlich, dass man sich dermaßen blamiert und der gekünstelte Dreck keineswegs erfolgversprechende Ergebnisse liefern kann, die den Zuschauer auch tatsächlich unterhalten.
Vielleicht sollte ich den Titel mal dazu nutzen, um meinen Unmut über die immer mehr eintretenden Schwachsinnspolitologen vom Stapel zu lassen, denn mir geht diese ganze Gleichberechtigungsscheiße echt langsam auf die Eier. Und zwar nicht in Form von “Frauen an den Herd” oder ähnlichem Schwachsinn, den man ursprünglich einmal zu Recht bekämpfen wollte.
Dieses Thema ist so dermaßen ins Falsche verkehrt worden, dass es langsam einfach keinen Spaß mehr macht. Ja, ich begrüße es, wenn Frauen wie Jennifer Lawrence, Jessica Chastain oder Emily Blunt über die Leinwand huschen und man ihnen sämtliche Hauptrollen verpasst, die man möchte. Frauen sind großartige Menschen, großartige Schauspieler und – genau wie bei den Männern auch – sind viele mit Talenten gesegnet, die in der Welt längst nicht so gewürdigt wurden, wie man es hätte tun sollen. An dieser Stelle: Gleichberechtigung: Ja.
Was ich allerdings absolut verachte, ist dieser zwanghaft auferlegte, gesetzesmäßige Schwachsinn von “Frauenquoten” und dem ganzen Mist, der per Definition verlangt, dass man jetzt alles und jeden auch nochmal in weiblich herstellen muss. Und da gehören solche Filme für mich dazu.
Meine Güte, wenn jemand etwas gut kann, dann würdigt ihn oder sie dafür. Es ist okay. Aber jetzt zu sagen: “Hey, das ist zwar absoluter Bockmist, den du da verzapft hast und es ist einfach nur peinlich und zum Fremdschämen, aber weil du ja eine Frau bist, verzeihen wir dir und machen daraus jetzt einen Riesenhit” – was bitte soll der Schwachsinn? Wenn jemand etwas gut gemacht hat – Lob verdient, wenn jemand etwas scheiße gemacht hat, dann sagt es bitteschön auch und stört euch dabei nicht an irgendeiner Frauenquote.
Und Girls’ Night Out war scheiße. Er war unwitzig, ist absolut ohne Moral, trägt weder mit Wissen oder Bildung zur Erweiterung des Geistes bei noch unterstützt er in irgendeiner Form Unterhaltung und dient damit zur Freizeitgestaltung. Und dabei ist mir egal, ob dieser Film den Bechdel-Test bestanden hat oder nicht – das hat Mad Max: Fury Road auch und den habe ich gefeiert. Unter anderem wegen seiner starken, weiblichen Rollen.
Wer großartige Frauenrollen sehen will, der sollte dann wohl eher zu Miss Sloane – Die Erfindung der Wahrheit, Passengers oder Sicario greifen, denn: Dort spielen auch Frauen und das ohne Ausnahme herausragend!
 

.kinoticket-Empfehlung: Selten einen so jämmerlichen Schwachsinn gesehen, der für mich keinerlei Relevanz oder Bedeutung hat.
Es ist erbärmlich, so einen Film als Hoffnungsträger für Gleichberechtigung hinzustellen, denn die Show entbehrt jedweder Glaubwürdigkeit und ist für mich ein Paradebeispiel für nicht gelungene Comedy. Ein Aushängeschild dafür, weshalb ich Comedyfilme generell verachte und mich oft so weit wie nur irgend möglich von ihnen fern halte.
Weg damit!

 
Nachspann
lohnt sich in dem Sinne, wenn man bis dahin durchgehalten hat, denn hier kommt noch einiges.

Ghost in the Shell (3D)

Wir alle kennen (hoffentlich) den Anime, Ursprungsland: Japan – was auch gleich der erste große Kritikpunkt der Masse ist: “Wieso zur Hölle habt ihr keine Japanerin besetzt?”
Ähm – weil’s ne amerikanische Produktion ist und die gerne ihre eigenen Leute an die Front stellen? * augenroll *
Allerdings kann ich die Kritiker genauso verstehen, denn das Wesen eines Animes wird nunmal durch das typisch Japanische belebt und erhält nur von dort authentisches Leben eingehaucht, das kriegt man als Nachäffer definitiv nicht so hin – schon gar nicht mit einer fremdländischen Hauptdarstellerin. Und wohlgleich, Scarlett Johansson schafft es auch nicht, den Film durch ihre eigene Persönlichkeit allein zu tragen und damit ein Denkmal unglaublichen Ausmaßes zu setzen, dass Ghost in the Shell wieder auf international anbetungswürdiges Niveau setzt.
Dennoch schafft man es als Zuschauer auch nicht, während der Spielzeit Hass aufzubauen, denn die Macher drumrum haben sich unglaublich Mühe gegeben, um an allen Ecken und Enden Sympathien aufzubauen, die unbestreitbar geil sind. Allein die Kulisse, das Set-Design, die brachiale Action, die mysteriös-böse Stimmung läuten hier so heftig die Glocken der Glückseligkeit, dass man trotz allem frohlockend auf den Kinostühlen hin und her rutscht und vergnüglich bei der Sache bleibt.
Ich habe den Film mittlerweile drei Mal gesehen (und das allein sollte ja schon was heißen) und werde ihn mir – sofern die Zeit es zulässt – auch noch einige Male im Kino besehen, denn nur dort funktioniert er in seiner Wucht genau so, wie es von den Drehbuchschreibern gedacht war.
Am Ende fällt es gar nicht mehr weiter großartig ins Gewicht, dass der Hauptcharakter etwas blass erscheint, denn das Drumrum passt einfach. Allein schon, wenn man beim Raustigern aus dem Saal von dem düstren Soundtrack begleitet wird, fährt einem wieder einmal die Gänsehaut über den Rücken.
Ich fand ihn unglaublich spannend gemacht und das Mysterium, dass man in die Szenerien gesteckt hat, absolut gelungen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Folglich sollte man sich auch als Verabscheuer Hollywoods dazu bemühen, eine Kinovorstellung zu besuchen, denn nicht nur ich fand den Film trotz allen westlichen Mankos mehr als gelungen.
Natürlich sollte man jetzt nicht deeeeen tiefgreifenden Plot erwarten, der die Masse mit unglaublichen Überraschungen wegbasht, im Großen und Ganzen hat das Werk aber definitiv seine Daseinsberechtigung und wird anschließend wohl auch den Weg in mein Heimkino finden – aber auch nur, weil der Fernseher groß und die Anlage laut genug ist. Alles andere (Free-TV, Netflix und Co.) hat bei diesem Werk absolut keine Chance.
In diesem Fall zählt wieder einmal: Kino – Dafür werden Filme gemacht.
Also nutzt die Chance, solange sie da ist.

 
Nachspann
wird von tollen Sounds begleitet, während man langsam aus dem Saal waben kann, weil hinterher nichts mehr kommt.

The First Avenger: Civil War (3D)

Avengers: Age of Ultron (3D) hat mir den Spaß an der Avengers-Reihe ja gehörig verhagelt. Das 3D war so gar nicht 3D, die Story irgendwie gelangweilt, der Film eine reine Zumutung.
Mit Ant-Man (3D) hat man dann seitens der Macher das Entschuldigungstablett serviert und quasi wieder richtig netten Stoff abgeliefert und auch das 3D konnte sich sehen lassen.
The First Avenger: Civil War (3D) reiht sich nun in das Universum der Avengers ein und führt die Geschichte weiter, die in bisher unerreichten 12 Teilen einer Comicverfilmung erzählt wurde. Dieser bildet den Auftakt der dritten Phase im Marvel-Filmuniversum, in der noch neun weitere Filme folgen sollen. [Quelle: Wikipedia]
Damit verkündet man quasi nicht nur den absolut devoten Wirtschaftskniefall, sondern offenbart ebenfalls, dass das Treiben noch lange kein Ende findet.
Grund genug für Leute wie mich, mit großen Zweifeln in einen Film zu gehen, der in solch große Fußstapfen treten und eine legendäre Erzählchronologie weiterführen möchte, die eben nicht aus der Feder eines Hinterzimmer-Autors stammt, sondern würdige Vorfahren hat und damit auch vom Zuschauer an die Hersteller gerichtete Ansprüche erfüllen muss.
Civil War vermag, all diese Ansprüche zu erfüllen und tischt hier das Ergebnis einer Saga auf, die zwar durchaus durchzogen von einigen Längen ist und sich eben nicht in Notizform abfertigen lässt, jedoch auch überraschend viel Tiefgang mitbringt und somit den Kinozuschauer nicht nur aus technischer Sicht heraus zunehmend verblüfft.
Die Tiefen der gesellschaftspsychologischen Verhaltensstruktur gegenüber Dingen, die als unkontrollierbar gelten gepaart mit Actionszenen, die einfach tierisch Spaß machen und den aufkeimenden Neuerungen, die man hier in das Filmuniversum integriert, machen einfach nur Lust auf mehr. War ich früher noch dazu geneigt, mich der ganzen Sache langsam abzuwenden, hat der letzte Teil es jetzt endgültig geschafft, dass auch ich knie und um mehr bettle.
Auch damit huldigt man wieder den Enttäuschten früherer Verfilmungs-Reboots und verspricht Reue und Wiedergutmachung auf cineastischer Basis. Und genau darauf hab ich so tierisch Lust, nachdem ich diese Vorstellung gesehen habe, die es einem wirklich ernsthaft schwer macht, auf das finale Endergebnis der Versprechungen zu warten, die überall im Film aufkreuzen und für jede Menge Stimmung sorgen.
Ich hatte meinen Spaß, der Friede zwischen mir und dem Avengers-Ökosystem ist wiederhergestellt und ich darf jedem von euch nur raten:
 

.kinoticket-Empfehlung: Greift zu, nutzt die Chance und schaut euch dieses sagenhafte 3D-Phänomen auf der großen Leinwand an.
Die Bilder sind fantastisch, die Story weiß mitzunehmen und allein für den 3D-Kick lohnt sich der Weg ins große Wohnzimmer.
Obendrauf gibt’s dann gleich noch unerwartet viel Tiefgang und inhaltliche Sinnhaftigkeit und das gepaart mit den schon genannten Fakten ergibt wunderbare Kinounterhaltung, die gerne mehr werden darf.
Reingehen!

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Es geht nämlich weiter. Dann kommt der Abspann und dann geht es nochmal weiter. Und das, was man dort sieht, toppt alles aus dem Film gleich drei mal. Ich – will – mehr! 😉

The Jungle Book (3D)

Das ich mich gern über Trailer auslasse und die geteaserte Variante davon weit besser finde, als wenn alles schon verraten wird, dürfte den Lesern dieses Blogs nicht entgangen sein.
Mit The Jungle Book hat man wieder eine solche Kombination ins Feld geworfen – ein Trailer, der unsäglich begeistert (gerade in 3D!) und einer, der so la la ist und in mir schon die Ängste hervorgerufen hat, die Deutschen hätten sich der Reinszenierung dieses Klassikers angenommen.
Wenn sowohl das eine als auch das andere auf dem Markt ist, befindet sich das Endprodukt dann irgendwo zwischendrin? Nach dem Lösen eines .kinotickets und der anschließend besuchten Vorstellung kann ich näheres dazu sagen.
Let’s go!
Auf den Plakaten wird mit “atemberaubend und in brillantem 3D” geworben und die Frage des Personals, ob sich der 3D-Aufpreis lohnt, kann ich hier ungeniert mit “Ja” beantworten. Endlich mal wieder ein Film, der Live-Elemente enthält und bei dem das 3D richtig fetzt. Und zwar so wirklich. Die räumliche Dynamik zerteilt das Kino hier in zwei Hälften: Die eine, die nicht im Saal ist und der ganze Rest. Leinwand und Saal verschmelzen miteinander und sorgen dafür, dass man sich als Zuschauer inmitten des Geschehens wiederfindet. Damit liefert man dem Kunden endlich mal genau das, was die Werbung verspricht: Ein brillantes 3D-Erlebnis der Extraklasse.
Die Geschichte um Mowgli mag wohl jeder kennen (ich gehöre wieder zu der Sorte, die in ihrer Kindheit damit verschont wurde), von daher vermag ich nicht zu sagen, ob man das Remake nun gut oder schlecht inszeniert hat und gehe damit als völlig unvoreingenommene Person an die Sache.
Die Tatsache, dass Mowgli hier mit Tieren spricht, mag anfangs etwas befremdlich und unprofessionell wirken, spiegelt schlussendlich aber genau das wider, was man sich heute im Alltag manchmal zu wünschen wagt: Die Sensibilisierung für die Natur und den Odem des Lebens. Damit wirft die Thematik schon fast ein historisches Licht auf das Machwerk, dessen Moral sich eher antiken Werten verschreibt, als in der Moderne als leuchtendes Beispiel für ein gutes Leben zu gelten.
Und vielleicht sollte man sich genau dieser Tatsache annehmen und damit beginnen, zumindest teilweise wieder darauf zu bauen, was die Hauptfiguren dieses Films dem Jungen zu vermitteln versuchen. Als Erwachsener fühlt man sich komplett zurück in seine Kindheit katapultiert, indem man dank 3D mitten in eine Welt gestellt wird, in der alles noch in Ordnung zu sein scheint und Probleme keine solchen mehr sind, vergliche man sie mit den Konfrontationen von heute.
Ob dieser Fakt nun unendlich gut tut, weil man genügend Zeit hat, die Umstände zu genießen und wenigstens für ein paar Minuten aus dem Grauen unserer Zeit gerissen wird, oder es einen eher zu Tränen rührt, weil man daran erinnert wird, was die Welt um uns herum irgendwo verloren hat, mag jeder für sich selbst entscheiden.
Tatsache ist, dass dieser Coup ein unglaubliches 3D-Meisterwerk ist, das sich in Sachen Technik absolut nicht zu verstecken braucht. Manch einer wird wohl auch bedauern, dass in puncto Inhalt etwas “schlendrianig” gearbeitet wurde und man sich ob der vielen Eindrücke und imposanten Szenen nicht so recht entscheiden konnte, in welche Richtung die Story nun fließen soll, aber das finde ich verzeihlich und stemple es eher auf die klassische Simplizität runter, deren Grundkonsens im ganzen Film gewahrt wird.
Schlussendlich sind es die eindrucksvollen Momente, das unglaublich genaue Darstellen großartiger Szenen, die überwältigende Imposanz, mit der die Bilderflut hier von der Leinwand donnert, die das Werk zu einem sehenswerten Stück Kinogeschichte machen. Der durchschlagende Büchererfolg wurde hier gefühlt wieder etwas außen vor gelassen, der dürfte allerdings auch jedem bekannt sein und braucht deshalb im Jahr 2016 nicht erneut erklärt und durchgekaut werden. Stattdessen hat man sich sehr präzise und mit unglaublich großartiger Hingabe zum Detail dazu verschrieben, hier zu beweisen, dass wir in einem neuen Kinojahrhundert angekommen sind, in der mit der Technik zu arbeiten so plastisch möglich ist, dass völlig neue Ebenen der Unterhaltung geschaffen und dem Zuschauer präsentiert werden können.
Insofern verbleibt mir, die eingangs gestellte Frage mit einem eindeutigen “Ja” zu beantworten, das Ergebnis ist irgendwo zwischendrin, bildet damit aber keineswegs Vorlage für einen Kinoflop und nähert sich auch nicht an die “Technik schlägt Inhalt”-Filme an, sondern liefert ein sehr gemütliches und auch soundtechnisch in sich vollkommenes Werk, bei dem sowohl Jung als auch Alt ihren Spaß haben dürften.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde von Disney werden sowieso eine Vorstellung besuchen und auch der Rest ist dazu eingeladen, sich die Geschichte optisch und technisch aufbereitet neu anzusehen.
Der große Griff ins Klo, den man bei dem schlechteren Trailer vermutet hatte, blieb Gottseidank aus und die überragende Begeisterung schlug bei mir auch nicht mit der Gewalt ein, die ich dem Teil zugetraut hätte. Dennoch bekommt man hier einen Film, der seine Botschaft ganz anders verteilen möchte und daher meines Erachtens auch nicht mit anderen verglichen werden sollte.
Als Kinofilm der Woche durchaus tauglich und im Rahmen der FSK-Empfehlung auch uneingeschränkt sehenswert!

 
Nachspann
ist wunderbar gestaltet und liefert auch hier wieder unbeschreiblich geile 3D-Szenen. Also sitzen bleiben, bis der erste Akt durch ist, danach darf man sich wieder der heutigen Zeit zuwenden und nimmt hoffentlich ein paar der angesprochenen Werte mit ins echte Leben rüber.

Avengers – Age of Ultron (3D)

Ist schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Warum erst jetzt rezensieren?

Ganz einfach: Es rennt ja doch jeder rein, ohne vorher darüber nachzudenken. Etwas, das bei Marvel Filmen zu funktionieren scheint: Das Marketing. Avengers ist überall so heiß und hoch gelobt, dass man einfach reingehen muss, egal, was einen erwartet.

Und genau da entpuppt sich eines der größten Probleme, die ich mit diesem Film habe: Immense Erwartungen, die prinzipiell nur enttäuscht werden können. Würde man sagen: “Okay, ist halt einfach ein etwas teureres Machwerk, schau mal rein” wäre man vielleicht viel begeisterter als in dem Fall, wenn Presse, Medien, Rezensenten und Marvel-Fans ihre heißgeliebten Animationen in den Himmel loben und Leute wie mich damit ansprechen wollen. Die werden nämlich irgendwo vom Film enttäuscht, wenn auch auf höherem Niveau.

Aber fangen wir mal von unten an: Dem 3D. Leute – wenn ich 14.50 € für ein (1!!) .kinoticket berappen muss, dann möchte ich etwas geboten kriegen. Überlänge, 3D-Zuschuss und was der Otto-Normalbürger sonst noch löhnen muss, das diesen Eintrittspreis derart in die Höhe schießen lässt, ist schon eine Frechheit, wenn im ganzen Film dann sagenhafte 3 Sekunden tatsächlich 3D-Effekte zum Tragen kommen – und das in einem Streifen, der vorwiegend aus CGI-Effekten besteht und daher prädestiniert für derartigen Optik-Schwachsinn wäre. Und was kommt? Das enttäuschende Gefühl, dass man die 3D-Brille auch ruhig vergessen hätte können, verändert hätte dies nichts.

Da waren Transformers – Ära des Untergangs oder sogar Kinderfilme wie Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest 3Dmäßig bei weitem überlegen. Und das sollte einem Werk, dass Milliarden an Produktionskosten verschlingt und – Backgroundinfo – kleine Kinos in den Ruin treibt, weil man viel zu viel vom großen Kuchen seitens der Studios wieder einfordert, zusätzlich zu denken geben.

Aber der Plan geht auf: Die Großen gewinnen, die Kleinen zahlen und die Kinder rennen scharenweise rein. Ich war ehrlich gesagt froh darüber, diesen Film innerhalb meiner Kino-Jahresflatrate schauen zu können, denn ich hätte mich darüber geärgert, so viel Geld dafür rausgehauen zu haben um etwas derart “mittelmäßiges” auf dieser Schiene geboten zu kriegen.

Man nehme vielleicht wieder die Erwartungen als Sündenbock daher, die mir dieses Filmerlebnis derart vermiest haben. Oder die Tatsache, dass dieses Ding mit einer FSK 12-Freigabe gesegnet ist, die actionmäßig nicht mehr zulässt, als klinisch sauberen Metall-Plastik-Sex zwischen überdimensionalen Spielzeugfiguren. Auch da gebe ich der Transformers-Saga wieder gebührend den Vorrang. Hier kriegt man wenigstens Haudrauf-Action erster Güte, gute Animationen und: brillantes 3D. Die Story mag bei Avengers etwas gehobener daherkommen, auch wenn das “Problem” eher kindischer Natur ist und von Größe im Drehbuch hier keine Rede sein kann.

Wer weiß, vielleicht will man ja auch wirklich nur die 12-14jährigen beeindrucken – und das wiederum schafft man mit den gebotenen Action-Ideen dann durchaus. Die gesamte Laufzeit über wirkte das Werk auf mich wie eine eingeschworene Truppe, der nichts mehr einfällt, das sie noch zu erledigen hat und die deshalb irgendwo irgendwas unternimmt, um wieder etwas mehr Spannung ins Leben zu kriegen. Der Saft ist raus und daher beeindruckt man mal mit viel zu viel Mainstream, damit auch ja keiner der abzumelkenden Kühe grummelig rummault, denn man möchte ja möglichst viel Kohle scheffeln und da darf Story oder anderes Anstößiges ruhig drunter leiden.

Klassischer Verfall von Kunst zugunsten eines Systems, das keine Individuen mehr zulässt und nur noch den Einheitsbrei bedient. Schade eigentlich. Hätte man mit der Kohle und dieser Bekanntheit nicht wesentlich mehr machen können? Anspruch? Mehr inhaltliche Ausgereifheit und tiefergehende Profile, die die einzelnen Superhelden darstellen?

Nunja, gesehen hat ihn eh schon jeder und ich glaube auch kaum, dass ich mit meinen kritikreichen Worten hier jemanden davon abbringe.

.kinoticket-Empfehlung: Klinisch-steriles Plastik-Mainstreamkino, das auf sehr hohem Niveau versagt.

Einzelne Szenen sind zwar ganz nett anzuschauen, reißen aber nicht unbedingt vom Hocker oder bohren tief im Schädel mit frischen Ideen und anderen geistigen Reichtümern.

Avengers ist das aktuellste Paradebeispiel, wie man es richtig macht, wenn man Unmengen an Kohle scheffeln möchte und dabei über Kunstleichen geht.

Nachspann
✅ ist optisch aufbereitet und cliffhangert am Schluss natürlich – wie sollte es anders sein…

Kinostart: 23. April 2015

Original Title: The Avengers: Age of Ultron
Length: 141 Min.
Rate: FSK 12

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