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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Russland

Hunter Killer

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© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

 

Ein “Hunter Killer” (Jäger-Killer) ist ein Marineschiff, das für die Jagd und Zerstörung anderer Schiffe ausgerüstet ist, zumeist ein U-Boot.

Mit diesem Wissen im Gepäck klingt auch der Titel gleich nicht mehr ganz so dämlich. Gerard Butler nämlich ist irgendwie ein Garant für Mittelklassewagen-Popcorn-Actionkino und genau solche Erwartungen hegt man auch, wenn man ohne Vorwissen in den Film wandelt. Es kann was kommen, muss aber nicht und wenn man Glück hat, ist es besser als in Olympus Has Fallen.

Wer sich das Plakat näher besieht oder bei den .teaser-Beiträgen schon reingeschnüffelt hat, bekommt vielleicht etwas Battleship-Angst und wer meint, vom Intelligenzanspruch an bestehende Bande angeknüpft worden zu sein, der bibbert vielleicht noch wegen MEG.

Ich kann euch so viel vorweg verraten: Entspannt euch und chillt einfach ein wenig. Hunter Killer ist genau das, was ihr erwartet: Intelligenzstumpfsinniges Actionkino, das dafür gemacht wurde, um bei abgeschaltetem Hirn, Bierchen und Popcorn den Abend entspannt ausklingen zu lassen und keinerlei Herausforderungen zu erstellen.

Dass so etwas in den USA produziert wurde, zeugt einmal mehr von der Besessenheit in punkto Kriegsmaschinerie, die man hier natürlich optisch und kriegerisch voll auskostet, auch wenn der Film relativ ruhig und dialoglastig startet und erstmal gar nicht so viel von der erwarteten Action kommt.

Die wird dann im Anschluss aber noch aufgefahren, was gleichzeitig alle Plot-Überraschungen zunichte macht, da ab einem gewissen Punkt diverse „Möglichkeiten“ simpel berechenbar werden, insofern der Film nicht gänzlich ohne Special Effects und Actionmomente auskommen möchte.

Sprich: Wer hier mit irgendwelchen (!) Erwartungen reingeht, kann sich eigentlich nur enttäuschen lassen, wer sich gemütlich in den Sessel fallen lässt und alles andere einfach geschehen lässt, der bekommt solide Action im altbekannten Butler-Style.

Muss man das Ding jetzt unbedingt gesehen haben?

Ganz klares nein, obgleich ich empfehle, wenn man sich den Film antun möchte, dies dennoch in einem Kino zu erledigen, weil er auf kleineren Displays dann gänzlich abkackt und deutschlandweit kein einziges Wohnzimmer mitziehen könnte, um das Niveau wenigstens noch einigermaßen erkennbar zu lassen.

Dass in solchen Projekten immer noch versucht wird, irgendeinen morbiden Anspruch auf „Mehr“ zu erheben, ist in meinen Augen völlig unverständlich: Gebt den Leuten doch einfach Action, lasst alles andere beiseite und investiert lieber in ein paar mehr Minuten Getöse und Krach, dann ist wenigstens die Zielgruppe zufrieden und schnurrt gemütlich vor sich hin.

P.S: Nutzt Männerabende und andere Kollektiv-Veranstaltungen aus, die machen das Werk als „Erlebnis im Kino“ noch interessanter.

 

.kinoticket-Empfehlung: Action auf solider Basis, die sonst nichts aufregendes neues bringt.

Für meine Verhältnisse wurde anfangs im Film etwas zu viel gequatscht und der Zuschauer zu lange hingehalten, bis es endlich „los geht“, dann aber kommt man actiontechnisch auf seine Kosten und kann ohne Nachzudenken den Tag gemütlich mit diesem Streifen ausklingen lassen.

Ansprüche jedweder Art sind hier fehl am Platze, wenn man dazu in der Lage ist, dann bitte ins Kino, woanders verfehlt er auch diese Wirkung noch vollständig und wäre dann tatsächlich „unbrauchbar“.

 

Nachspann
✅ ist nicht unbedingt wichtig, zeigt aber noch relativ viel Bewegtbildmaterial, wer möchte, darf also sitzen bleiben.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: Hunter Killer
Length: 122 Min.
Rate: FSK 16

Red Sparrow (mit Gewinnspiel)

Wer direkt zum Gewinnspiel möchte, bitte ans Ende des Beitrags scrollen. 🙂
Jennifer Lawrence hat sich mit Die Tribute von Panem einen Namen gemacht, mit dem sie sich konsequent als großartige Schauspiellegende aus der Masse emporgearbeitet hat. Passengers als einen ihrer Höhenflüge hat mich seinerzeit sehr begeistert und man merkte damals bereits deutlich, wohin die Reise zu ihrer “role of life” geht.
Meine Hoffnung, nachdem ich den .trailer gesehen hatte: Dass sie ihr Tribute von Panem-Image durch ein aktuelleres ersetzen und sich selbst toppen kann, denn Red Sparrow verspricht, ihr exakt auf den Leib geschneidert zu sein.
Sie hat es geschafft!
Das ist einer der Gründe, wofür ich Twentieth Century Fox liebe: Sie verstehen es, Filme zu machen, die auf unerlaubt hohem Niveau punkten und mit Ästhetik und Schönheit überzeugen – sowohl inhaltlich als auch durch Style und Design.
Red Sparrow besitzt beides und greift eine Landeskultur auf, die höchst spannend inszeniert einen Plot darbietet, vor dem ich wieder einmal auf die Knie gehe: So etwas muss man sich erstmal ausdenken und dann noch dermaßen überzeugend verfilmen können: Ein Streifen, der sich endlich wieder lohnt und trotz seiner langwierigen Spielzeit von 141 Minuten keine Längen aufweist. Man nimmt sich Zeit, um eine Geschichte zu erzählen und drückt nicht durch gekünstelte Straffungen auf die Tube oder wirft seine Prinzipien über Bord, sondern zieht partout seine Schiene durch, ohne dabei das selbst gesteckte, hohe Maß zu unterbieten.
Und dabei geht es nicht um simplen Spionagekitsch oder künstlich aufgetakelte Wichtigtuerei, sondern man beschäftigt sich mit so spannenden menschlichen Mustern und tiefschichtiger Psychologie, die einem sogar auch außerhalb des Films durchaus im Alltag behilflich sein kann. Diesen selbst angesetzten Anspruch a) zu erschaffen und b) nicht zu verleugnen war etwas, das mich über alle Maßen beeindruckt hat.
Wer hinterher aus dem Film geht, ist definitiv mitgenommen. Man fühlt sich auf diverse Weise bereichert und kann definitiv behaupten, ein tolles Kinoerlebnis gehabt zu haben. Deshalb wundert mich ein klein wenig die PR-Zurückhaltung, denn damit hätte man viel mehr protzen können, ohne hinterher auf der Nase zu landen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Red Sparrow überzeugt auf allen Ebenen: Jennifer Lawrence liefert die Rolle ihres Lebens in einer Story, die vor Genialität und Inhalt nur so strotzt und sich mit bislang filmisch vernachlässigter psychologischer Härte auseinandersetzt, die einen definitiv nicht unberührt lässt.
Design, Ästhetik, Filmintelligenz und Kurzweil reichen sich hier einander die Hand und formen daraus ein Meisterwerk, das mich restlos begeistert: Reingehen reingehen reingehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts im Nachgang mehr.
Kinostart: 1. März 2018
 
G E W I N N S P I E L
Und damit euch die Show noch ein wenig versüßt wird, hat Twentieth Century Fox für euch ein Wahnsinns-Paket geschnürt, das ich hiermit gerne an euch weiter verlose.
Mit dabei sind u.a. 5x jeweils 2 Freitickets für Red Sparrow, mit denen ihr den Film for free in einem Kino eurer Wahl genießen könnt: Einfach die Karten an der Kasse gegen zwei Eintrittstickets eintauschen und den Film mit eurem/eurer Liebsten genießen.
Einzige Voraussetzung ist, dass dieses Kino Red Sparrow regulär im Programm hat und ihr eine Vorstellung besucht, in der noch freie Plätze zu vergeben sind.
Außerdem gibt’s jede Menge Kinoposter und eine wahnsinnig coole Red Sparrow-Sporttasche zu gewinnen.
Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert bis einschließlich Sonntag, 4. März 2018 unter diesem Beitrag und ihr seid im Lostopf dabei. Anschließend werden die Gewinner per Random.org gezogen und von mir benachrichtigt. Bitte gebt hierfür unbedingt eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann. Anschließend gehen die Gewinne direkt zu euch auf die Reise.
Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke haben mit diesem Gewinnspiel nichts zu tun, dieses wird ausschließlich von www.kinoticket-blog.de veranstaltet. Die Preise wurden von Twentieth Century Fox im Rahmen des Kinostarts von Red Sparrow gesponsort.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich. Es gelten die üblichen, vernunftbasierten Teilnahmebedingungen. Die im Rahmen des Gewinnspiels von euch angegebenen Daten werden nur im Rahmen der Verlosung verwendet und anschließend wieder gelöscht.
Wer hier im Blog keine E-Mail Adresse angeben möchte, darf mir gerne auch per Telegram oder Whatsapp oder als Direktnachricht auf Facebook mit Angabe seines Kommentar-Pseudonyms schreiben – die Daten dafür findet ihr in der Seitenleiste bzw. im Impressum.
Und nun wünsche ich euch allen viel Glück und natürlich mega viel Spaß und spannende Unterhaltung mit Red Sparrow im Kino!

Luna

Wer das Wörtchen “Luna” hört, denkt wohl erst mal an den leuchtenden Himmelskörper, der des Nachts die Strahlen der Sonne widerspiegelt.
Khaled Kaissar hat sich dieses Wort zu eigen gemacht und erzählt die kinotauglich gemachte Geschichte einer Familie, die 2012 hier in Deutschland tatsächlich existierte und auf deren Erfahrungen und Handlungen die ganze Story aufgebaut ist.
Und um dem ganzen noch etwas drauf zu setzen, hat man nicht etwa in Serbien oder sonstwo gedreht, sondern im naturschönen Oberstdorf, München und Dachau. Durch und durch einheimisch – und es schrillen keine Alarmglocken?
Nein. Ich sage es nicht zum ersten Mal: Drama kann Deutschland. Und das immer besser. Mit Luna erlebt ihr ab 15. Februar ein weiteres Beispiel in den Kinos, das bezeugt, dass man sich hierzulande immer besser aufs Filmemachen versteht und die altbackene Humorschiene langsam abgelegt hat.
Und dieser Entwicklung stehe ich sehr positiv entgegen, auch wenn wir noch längst nicht am meisterlichen Himmel angekommen sind und uns auf den begangenen Taten ausruhen dürfen. Es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns, um international auf das Niveau anderer Filmschmieden zu kommen, aber man merkt, dass man ernsthaft mit einer Art “Selbstfindung” beschäftigt ist, deren positive Resonanzprodukte Filme wie dieser sind.
Die idyllische Trauer, das farblose Spektrum der Seele, die liebevolle Hingabe zur Dekonstruktion, das zarte Suchen nach neuer Identität und dem eigenen ich: Man könnte meinen, die Inhalte dieses Films treffen genauso auf die Filmhistorie zu, mit der man sich zukünftig befassen muss.
Und ich sage dazu nur: Macht weiter – die Richtung stimmt definitiv.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ernstzunehmendes deutsches Kino, dass sich mit einem Fall aus den eigenen Reihen auseinandersetzt und diesen kinotauglich präsentiert.
Der Weg zum richtig großen Filmfeldzug ist zwar noch lang, aber die Weichen dafür sind längst gestellt und alles weitere ist nur eine Frage der Zeit. Luna liefert hier einen weiteren Beweis, dass man auch hierzulande fähige Leute hat, die etwas zu erzählen haben und dieses Handwerk auch verstehen.

 
Nachspann
Rausgehen …. erlaubt! 🙂 Hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 15. Februar 2018

(Trailer) WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt

Willkommen zurück zum Trailer-Sonntag auf .kinoticket-blog.de – heute mit einem außergewöhnlichen Kinostück, dass mich nicht nur persönlich mehr als fasziniert und bewegt hat, sondern auch gefühlt die komplette Gegend meiner Heimat in seinen Bann gezogen hat (der Saal war restlos ausverkauft + Warteschlange hinten dran!).
Darum auch diesmal ein .trailer, dessen Wartezeit kürzer ist denn je, denn die Screenings sind bereits in vollem Gange und sollten von euch so oft und viel genutzt werden wie nur irgend möglich.
 
[vimeo 211668510 w=640 h=360]

WEIT. Trailer präsentiert von © weit on Vimeo

 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Ich spreche aus eigener Erfahrung, da auch ich schon viele Länder bereist und viel von der Welt und anderen Kulturen gesehen habe und so manche Aussage durchaus mit eigener Erfahrung bestätigen kann:
Die Welt ist längst nicht so, wie sie uns hier in Europa in den Medien präsentiert wird, sondern man entdeckt sehr viel – nicht nur über andere Menschen, sondern vor allem über sich selbst, wenn man reist.
Reisen verändert dich – du kommst als anderer Mensch wieder zurück und bist in vielen Dingen gewachsen.
Reisen zeigt dir, was wirklich Schwierigkeiten und Probleme sind und lässt deinen Alltag ganz anders aussehen, als du ihn vorher vielleicht in Erinnerung hattest.
Diese beiden nehmen dich mit auf ihren ganz persönlichen Trip und erzählen dir Dinge, die du ganz sicher nicht auf dem Schulhof mitkriegst oder dir auf Arbeit erzählt werden.
Du bekommst die Chance, Einblicke in fremde Länder zu erhalten, fremde Kulturen, fremde Strapazen ohne dabei selbst die langen Wartezeiten und harten Schwierigkeiten durchmachen zu müssen, sondern du darfst währenddessen ganz entspannt im Kinosessel liegen und dein Popcorn futtern.
Viele Menschen haben regelrecht Angst vor der Veränderung, die es bedeuten würde, aufzubrechen und eine Weltreise anzutreten, viele haben Schiss vor der scheinbaren Unsicherheit, wenn man seinen Job kündigt oder die Wohnung aufgibt und auf einmal “nichts mehr hat” – und schrecken vor solch einer Erfahrung zurück und verwehren sich den dadurch gewonnenen Erkenntnissen vollends.
Mit WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt bekommt jeder für kleines Geld die Chance, dennoch um die Welt zu reisen und diese beeindruckenden Faszinationen und Momente zu erleben, ohne dabei seine (Schein)Sicherheit aufgeben zu müssen und selbst den Arsch hochzuhieven.
Und wer weiß, vielleicht entdeckt dadurch ja jemand seine Reisefreudigkeit ganz neu oder gräbt sie wieder aus …
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv sehenswert mit höchst anspruchsvollem Inspirationsgeist, der nicht nur den inneren Schweinehund beflügelt, sondern frischen Wind und neue Lebenskraft einhaucht.
Die gezeigten Momente und Orte sind atemberaubend und ermöglichen den Zugang zu völlig anderen Teilen dieser Erde, von der wir – sind wir ehrlich – so gut wie kaum Ahnung haben.
Nutzt diese Gelegenheit und besucht die Kinos.

 
Nachspann
Enthält kein weiterführendes Material, listet aber spannende Facts und Menschen auf, denen die zwei auf der Reise begegnet sind. Liest sich für jemanden wie mich durchaus spannend!
 
Weitere Videos auf Vimeo.comhttps://vimeo.com/weitumdiewelt
(Hier erhält man schon mal einen kleinen Einblick, wie der Kinofilm ungefähr sein wird…)
Website: http://www.weitumdiewelt.de

(Exklusiv-Interview) Zwei um die Welt: In 80 Tagen ohne Geld

In einem zugegebenermaßen etwas merkwürdigen Trailer habe ich die beiden zum ersten Mal gesehen und dachte mir: Wow – ein Film übers Reisen, da muss ich unbedingt hin.
Pustekuchen. Denn das war kein Film, sondern die beiden Hauptdarsteller waren live vor Ort und haben über ein Experiment berichtet, das so sicherlich noch kein zweiter unternommen hat. Und es war nicht nur mega aufregend, den beiden Zwillingen beim Referieren über ihre Erfahrungen rund um den ganzen Globus zuzuhören und -zu schauen, sondern der Abend hat bei mir und sicherlich vielen anderen auch noch ganz andere Emotionen ausgelöst.
Warum ich hierüber berichten will? Weil ich es spannend und unglaublich wichtig finde, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und für mich das Leben nicht nur aus Facebook, Arbeit und Schlaf besteht, sondern ich das Reisen als elementaren Bestandteil einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung betrachte.
Neben den irrsten Berichten aus aller Herren Länder bringen die beiden auch noch etwas mit, das mich unglaublich beeindruckt hat: Eine Weltoffenheit, Sympathie und Ausgereiftheit, was die Wertvorstellungen im Leben angeht, von denen sich so manch Großer (und Kleiner) mehrere Scheiben abschneiden sollte.
 
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Werbung für die Show vorm CinemaxX Augsburg am 10.10.2016
© 2016 kinoticket-blog.de

 
Zur Geschichte von Hansen & Paul Hoepner
Mit dem Fahrrad mal eben von Maastricht nach Milano radeln, um eine Möbelmesse zu besuchen, die seit drei Tagen vorbei ist, das Ganze dann etwas mehr ins Extrem prügeln und mit dem Bike nach Shanghai – für die beiden Zwillinge Hansen & Paul Hoepner gehört das zum Leben dazu.
Ersterer studierte Produktdesign, Goldschmiede und Fotografie, während Paul Mediendesign in Köln und “Human Factors” an der TU Berlin studierte. Beiden wurde die Sehnsucht nach Abenteuern bereits in die Wiege gelegt, da ihre Eltern sie schon frühzeitig mit auf Touren nahmen. Dieses Hobby haben sie ausgebaut und jetzt das Experiment gewagt, in 80 Tagen einmal die Welt zu umrunden, ohne dabei Geld in der Tasche zu haben.
 
Das Ziel des Projekts
Vorurteile abbauen gegenüber anderen Menschen, anderen Kulturen. Die Couchzone verlassen, den Komfort hinter sich lassen und einmal die Erde umrunden, ohne dabei zu betteln oder auf bedürftig zu machen, sondern immer etwas zurückzugeben, wenn man auch etwas bekommen hat.
Das Ergebnis davon ist nicht nur wahnsinnig interessant, sondern sollte von euch allen gesehen werden, wenn sie ihre CinemaxX-Tour durch Deutschland machen und dabei ihr Projekt in den Kinos vorstellen.
 
Für mich ist es ein unglaubliches Privileg, die beiden kennengelernt zu haben und ich freue mich, euch heute hier ein exklusives Interview präsentieren zu dürfen, das ich nach der Vorstellung mit Paul Hoepner führen durfte.
 

Ben
Die erste Frage, die ich habe, ist: Was hat euch überhaupt bewegt, grundsätzlich diese Reise zu machen?

Paul
Ich glaube, der ursprüngliche Gedanke war, dass wir was machen wollten, was wir so vorher noch nicht gemacht haben, und zwar gleich aus zwei Richtungen: Wir wollten wieder ein Abenteuer erleben, wieder auf Reisen gehen, aber wir hatten keinen Bock, unendlich viel Geld auszugeben und unendlich viel zu planen, gerade was Finanzierung angeht, weil das bei unserer ersten Reise eben das aufwendigste war. Also dieses Crowdfunding, was wir gemacht haben, bei der ersten Reise. Und dann haben wir uns überlegt: Wir versuchen’s einfach ohne Geld einmal – keine Ahnung – quer durch Europa. Das war so der erste Plan. Dann haben wir halt immer weiter gesponnen und – wie es bei mir und Hansen dann halt so ist – spinnen wir so lang weiter, bis wir das Maximum haben. Also haben wir gesagt: Wir versuchen’s einmal ganz um die Welt.
Ben
Gab’s da jemals Zweifel daran, ob das Projekt generell durchführbar ist, oder habt ihr gesagt “Das ist auf jeden Fall machbar, nur  – es wird halt interessant”?

Paul
Es ist eigentlich ironischerweise beides, also einerseits hat mein Gefühl mir gesagt, und auch mein Verstand am Anfang, dass es nicht machbar ist. Ich hab auch ehrlich gesagt am Anfang nicht dran geglaubt, dass wir’s schaffen würden. Ich hab immer damit gerechnet, mir immer irgendwelche Trostpreise überlegt, so wie “Naja, wenn wir’s bis Lissabon schaffen, ist ja auch schon ganz schön” und so weiter. Dass wir dann tatsächlich irgendwann nach Kanada rüberkommen, war schon ‘ne Überraschung für mich. Und dass wir’s dann von Kanada tatsächlich auch noch nach Tokio schaffen, war ‘ne Überraschung. Und so kam eigentlich eine Überraschung nach der anderen, bis man’s dann irgendwann fast geschafft hatte, und dann kam natürlich entsprechend die große Enttäuschung, dass man dann so kurz vorm Ziel scheitern soll, wenn man’s schon so weit geschafft hat. Das ist so ein bisschen wie wenn du in einer Quiz-Show bist und du hast die 900.000 € Frage und denkst dir: “Verdammt nochmal, jetzt geh ich auf die Million!” und dann verkackste. (lacht)
Ben
Habt ihr irgendwelche Regeln für’s Unterwegs sein? Also so Regeln, die grundsätzlich gelten, sowas wie “Nimm möglichst wenig Gepäck mit” oder legt ihr das speziell bei jedem Projekt dann neu fest?

Paul
Wir haben wirklich Regeln, die auch auf Erfahrung basieren. Die erste Regel ist, dass die Welt bei weitem nicht so gefährlich ist, wie sie immer dargestellt wird. Dass man vor Ort Sachen viel viel besser einschätzen kann, als wenn man sie von zu Hause aus plant. Das ist glaube ich wichtig, sich zu merken, weil: Wenn ich hier zu Hause eine Reise plane und ich gehe Informationen über ein gewisses Land durch, dann wird man mir durch diese Informationen sagen, ich sollte besser nicht in dieses Land reisen, denn das ist gefährlich. Aber wenn man erst einmal vor Ort ist und sich langsam rantastet an die Leute, an die Kultur, an die Problemzonen vielleicht auch in diesem Land, dann ist das eigentlich immer so, dass man feststellen wird, dass diese ganzen Gefahren, die da so übertrieben dargestellt werden, nur für diese Leute gelten, die total unsensibel in diese Kultur reinplatzen. Die vielleicht mit fetter Spiegelreflexkamera vorm Bauch in irgendein Ghetto reingehen und da Fotos von hungernden Kindern machen, weil sie es irgendwie toll finden und so Leute werden überfallen und vielleicht auch Opfer von irgendwelchen Raubmorden, aber wenn du halt einfach sagst: “Ich geh da nur hin, wenn ich eingeladen werde”, dann ist das was anderes.
Ben
Wieso sollte man sich den Vortrag von euch anschauen? Also, was ist der Beweggrund für jemanden, der jetzt im Internet surft, auf ein Blog geht und sagt: Ich hab hier einen Filmtitel, warum soll ich jetzt da rein?
Paul
Hab ich keinen Grund (lacht). Macht’s auf keinen Fall! (lacht)
Also ich glaube, was so das Feedback ist – kann man ja selber immer schwer einschätzen – aber was das Feedback ist, das wir so kriegen, ist, dass es schön zeigt, wie Menschen von den unterschiedlichsten Kulturen an einem Strang gezogen haben, nämlich dieses Projekt umzusetzen. Es sind ja alle Leute, die uns irgendwie geholfen haben, alle Leute, die uns unterstützt haben, irgendwie Teil dieses Projekts geworden und das wussten die eigentlich auch schon in dem Moment, wo die angefangen haben, uns zu unterstützen. Und das macht irgendwie all diese Leute zu einem Team. Und das ist – glaube ich – echt ein schönes Erlebnis, das zu sehen, wie das funktioniert, quer über alle Kulturen hinweg, über alle Länder, durch die wir gereist sind. Und der Mehrwert, den man auch als Zuschauer vielleicht ein bisschen hat, ist, dass man die Angst vor der Welt ein bisschen verliert. Dass man sich vielleicht eher mal traut, nach Indien zu reisen, wenn man noch kein Hotel gebucht hat, oder sich nicht sicher ist, ob man sich das Hotel leisten kann. Einfach mal hinfahren und zu sagen: Mir wird nichts passieren, weil ich hundertprozentig sicher bin, dass ich irgendjemanden finden werde, der mich freundlich aufnehmen wird, der mir vielleicht sogar ein Hotel zahlen wird, oder was weiß ich. Offenheit ist auf jeden Fall ein gewisses Thema.
Ben
Hat euch jetzt speziell diese Reise persönlich irgendwie verändert oder ist danach irgendetwas anders geworden?
Paul
Also was anders geworden ist, ist so ein Gefühl von “Was soll jetzt noch passieren?” – wenn man es schon schaffen kann, ohne Geld um die Welt zu reisen und von wildfremden Leuten für ein Projekt, was ja eigentlich ein simulierter Zustand war, Hilfe zu bekommen, dann ist man sich eigentlich sehr sehr sicher, dass, wenn man in einer Situation ist, wo man ernsthaft Hilfe braucht, diese Hilfe auch bekommen wird. Und zwar auch überall auf der Welt. Und es gibt einem ein gutes, sehr zuversichtliches Gefühl übers Leben, weil was auch immer passieren wird – worst case ist: Man hat nichts mehr – und offensichtlich kommt man auch so ganz gut zurecht.
Ben
Und würdet ihr jetzt, nachdem ihr das alles erlebt habt und all die Eindrücke, die ihr gezeigt habt heute in der Show, diese Reise nochmal machen?
Paul
Das ist so ein bisschen eine zweiseitige Antwort dazu. Wir haben schon festgestellt, dass wir jedem empfehlen würden, so eine Reise mal zu machen, weil die Erfahrungen, die wir gemacht haben auf dieser Reise so wertvoll sind, allein die Menschen, die wir getroffen haben, mir gezeigt haben, wie Menschen in solchen Ländern eigentlich sind und nicht, wie sie durch die Medien dargestellt werden. Das ist das eine: Ich würd’s jedem empfehlen, das zu machen, aber ich würd’s selber nicht nochmal machen können, weil wenn ich jetzt schon wüsste, welche Strapazen auf mich zukommen, wenn ich diese Reise mache, dann würde ich wahrscheinlich sagen: Ich mach lieber was anderes. Aber trotzdem ist es die Erfahrung absolut wert, so an seine eigenen Grenzen zu kommen und in einer absoluten Abhängigkeit von anderen Menschen zu sein ist wirklich eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte.
Ben
Und zu dem Projekt, das ihr angekündigt habt für 2017, dass ihr in Deutschland Abenteuer erleben wollt, gibt es da schon ganz konkrete Pläne oder ist das alles noch in der Schwebe?
Paul
Ist eher noch in der Schwebe. Wir wollen irgendwas in Europa machen, was eine Herausforderung ist, was ein Abenteuer ist und was uns auch mit den Menschen in Europa zusammenbringt.
Ben
Vielen Dank für das Interview.
Paul
Sehr gerne.

 
Wow. Wenn man bedenkt, dass sie auf der ganzen Reise eigentlich keine einzige negative Reaktion auf ihr Vorhaben erlebt, sondern allerhöchstens Unglauben entgegengebracht gekriegt haben, zeigt das einmal mehr, wieviel Positives doch in den Menschen steckt.
All dies basierend darauf, dass sie nirgendwo gebettelt haben, sondern ehrlich und aufrichtig mit ihrem Experiment durch die Straßen gezogen sind und die Menschen mit ihrer Geschichte unterhalten haben.
Und all dies ganz bewusst ohne soziale Netzwerke. Paul hat mir gesagt, dass es ihnen wichtig war, nicht auf irgendwelche Hilferufe auf Facebook zu bauen, sondern dass all diese Kontakte tatsächlich im echten Leben stattfinden sollten. Noch nicht mal Bekannte oder Tanten, die man vielleicht irgendwo in Toronto hat, wurden informiert, weil man dieses Kapital dann auch von zu Hause mitgebracht hätte. Kein Couchsurfing, keine Apps, kein Internet.
Dass man dann in Tokio beim Einkaufen eben nicht weiß, was man da gerade kauft und das Mittagessen mal aus kondensierter Gemüsebrühepaste besteht, die ungenießbar ist, gehört dann einfach zum Abenteuer dazu.
Auf jeden Fall haben die Jungs viel von der Welt gesehen und wurden von vielen Menschen unterstützt, was sie nicht nur in finanzieller Form durch Unterstützung verschiedener Projekte wieder an die Welt zurückgegeben haben und -geben.
Insgesamt wurden bei dem Unterfangen rund 150 32GB-SD-Karten an Videomaterial erstellt, von denen knapp 50 Minuten verwertet wurden, die ihr alle auch in ihrer Show Zwei um die Welt – in 80 Tagen ohne Geld im CinemaxX eurer Wahl bestaunen dürft.
Lasst euch diese wertvolle Chance nicht entgehen und bucht die Vorstellung, solange noch Plätze verfügbar sind – dieses einmalige Erlebnis bekommt ihr garantiert so schnell nicht wieder!
Es war mir eine Ehre, euch beide kennengelernt zu haben und ich hoffe, wir laufen uns auch in Zukunft noch oft über den Weg.

Bridge of Spies

Steven Spielberg gehört zu den Altmeistern des Kinos, die die Filmbranche nicht nur mit rühmlichen Werken bereichert, sondern den Zeitgeist der Filmgeschichte durch ihre Beiträge stark geprägt haben.
Gleichzeitig gehört er zu den Regisseuren, die man heute durchaus als konservativ bezeichnen könnte, was sich auch in der gesetzten Drehweise von Bridge of Spies konsequent abzeichnet.
Wo andere Movies ihre Stärken in Bereichen wie 3D oder Gigantismus der Technik setzen, steckt hier das Potenzial definitiv in der Erzählweise und Bodenständigkeit, die nicht nur emotional zurück in die Zeit des kalten Krieges versetzt. Eben drum ist Tom Hanks auch als Hauptdarsteller dieser Nacherzählung der richtig ausgewählte Schauspieler, denn zu ihm passt dieses Geerdet sein von allen derzeit aktiven Schauspielern am besten.
Politisch gesehen springt man zwar wieder ein bisschen auf den “Wir sind die Guten”-Zug auf, der von Amerika so gerne zelebriert wird und auch gefeiert werden darf, denn immerhin machen die ihre Filme ja in erster Linie für sich selbst und erst danach für den Rest der Welt. Anderenfalls – so zumindest empfanden es auch meine Kinonachbarn – würden Leute wie wir nicht ins Kino rennen, wenn Geschichten so trocken erzählt werden, wie sie es manchmal sind.
Die Größe dieses Streifens liegt definitiv im Tun des Hauptprotagonisten, der sich – Erfahrungsberichten nach – tatsächlich so verhalten hat und damals groß durch die Medien gegeistert ist. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für die netten Gespräche und die tolle geschichtliche Aufklärung, die ich während des Abspanns von meinen Nachbarn in München genießen durfte.
Ich finde es bereichernd, sich mit der Generation zu unterhalten, die diese Taten damals noch “live” miterlebt haben und quasi Informationen aus erster Hand weitergeben können. Ihren Angaben zufolge wurde im Film auch nicht unbedingt viel dazu gedichtet, sondern allenfalls etwas “schmackhaft” gemacht, im groben Kern blieb man aber tatsächlich bei den wahren Begebenheiten, was die ganze Sache noch viel unglaublicher macht.
Wenn Politik und Länder versagen, wenn Gesetze anderes verlangen, wenn Menschen unglaubliches vollbringen und dazwischen einzelne Personen sind, die nennenswerte Taten vollbringen und denen einzelne Personen nicht scheißegal sind, dann sollte man auch darüber berichten.
Und da Generation Blöd eher zum Handy greift oder eben allenfalls ins Kino rennt, statt sich mit wichtigen politischen Dingen auseinanderzusetzen und den Ernst der Lage zu begreifen, der sich schon seit Monaten wieder unterschwellig in unseren Alltag einschleicht, ist es auch der absolut richtige Schritt zur richtigen Zeit, diesen Film auf die Leinwände zu bringen und hoffentlich wieder eine Handvoll Menschen aufzuwecken und dazu anzustacheln, sich eben nicht mit dem allgemeinen Denkergeist zufriedenzugeben und wieder sinnentleert TV zu schauen.
Wie schnell so etwas gehen kann, hat Er ist wieder da furios bewiesen. Bridge of Spies erzählt eine genauso wichtige Geschichte mit einem ebenso fatalen und wichtigen Inhalt, nur dass hier eben die andere Seite beleuchtet und “von links” aufgeweckt wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine historische Dokumentation, über die man in irgendeiner Form informiert sein sollte.
Ob das nun Bücher, Informationen im Internet oder eben dieser wunderbar aufbereitete Film ist, sei jedem selbst überlassen. Hanks brilliert in seiner Rolle und das Drumherum stimmt ebenfalls.
Bravourös: Man hat sich im großen Ganzen wirklich an die wahren Begebenheiten gehalten und damit einen Mann geehrt, der viel riskiert hat um noch mehr zu erreichen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also getrost nach draußen verschwinden.

Codename U.N.C.L.E.

Inspiriert durch eine Serie aus den Sechzigern… das lässt Menschen wie mich sofort in Nostalgie schwelgen, denn – auch wenn mein Jahrgang noch etwas jüngerer Natur ist – das Wissen, dass es die Jungs zu damaligen Zeiten echt drauf hatten, ist auch bis zu meiner Generation durchgedrungen. Hoffentlich.
Codename U.N.C.L.E. merkt man auf jeden Fall seine durchtriebene Geschichtslastigkeit an, mit der locker flapsig durch die Zeit geführt wird. Das Zusammenspiel der beiden Agenten lässt in mir den tiefen, sehnlichen Wunsch aufkeimen, dass daraus eine große Filmreihe wird, an der wir uns auch noch nach zehn Jahren erfreuen dürfen. Hier wird – und das ist spannend – mal mit dem ersten Teil eine Introduktion geführt, die etwas höchst potenzielles in den Raum wirft und vorstellt. Dass mal nicht gleich das volle Pulver im ersten Teil verschossen wird, sondern quasi das Prequel der Startschuss ist, hat es glaube ich in der Filmgeschichte so noch nicht gegeben.
Man kann und sollte hier auch keine Vergleiche ziehen. Die Anmut und humoristische Eleganz, mit der die Schauspieler jeder für sein Land in die Presche springen und ihren Teil der Abmachung einzuhalten versuchen, ruft beim Zuschauer das reinste Vergnügungsgefühl auf den Plan. Der vielgezogene Vergleich “James Bond meets Oceans Eleven” hinkt meiner Meinung ein bisschen, denn beide Parteien sind für sich jeweils eine völlig andere Welt, die mit dem hier beschriebenen Titel gar nichts gemein haben.
Und darin liegt auch das Alleinstellungspotenzial: Man kupfert mal wieder nicht ab, sondern besinnt sich auf eigene Ideen, die eine so liebenswürdige Echtheit generieren, die den Film auf jeden Fall sehenswert macht. Das hier ist einfach nicht Bond und man möchte es auch nicht sein. Und das ist gut so.
Somit bleibt ein Machwerk, das vor neuer Energie und kreativem Schöpfungsgeist nur so blüht und eine geniale Frische ins Land der ausgereizten Ideen bringt, mit der nicht nur neue Meeresluft aufkreuzen, sondern hohe Wellen geschlagen werden können.
Hoffen wir, dass die Macher den Wink verstehen und das Publikum diesmal nicht so blöd ist und dem Werk nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt, so dass wir alle die Flut an geilem Kino noch zu Lebzeiten erleben dürfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Da es sich hier um den Auftakt einer Serie handelt, die man großartig ins Kino portiert, sollte man sich selbst den Gefallen tun und später behaupten können, man sei von Anfang an dabei gewesen.
Bond-Liebhaber wissen um das Gefühl, wie es ist, mit einer Filmreihe groß zu werden und genau das könnte hier auch der Fall sein: Der Startschuss einer genialen Serie in Kinofilm-Format ist gefallen und man erobert die Leinwand und legt einen fulminanten Auftakt mit einer unterhaltsamen, witzigen, spritzig-frischen Komödie auf den Tisch, an der sich einfach jeder Cineast bedienen sollte.
Also Augen auf im Straßenverkehr, Karre abstellen, .kinoticket lösen und dann vergnügliche 116 Minuten abschalten und den Alltag vergessen. Es lohnt sich!

 
Nachspann
zeigt anfangs noch Bilder im authentischen Stil, beim Switch auf den schwarzen Lauftext darf man dann wieder in diese Realität rennen.

Kind 44

Ich tu mich etwas schwer damit, über diesen Film zu schreiben, der erneut ein Buchthema aufgreift und stilistisch gut umgesetzt ins Kino transportieren möchte. Man landet im kalten Russland, umgeben von grau und der Simplizität des Krieges, der seine Züge bis weit in die Privatsphären zieht.
Alles ist gefährlich. Selbst reden. Es geschehen Dinge, die nicht passieren dürften und verschleiert werden müssen, um die bröckelnde Fassade eines korrupten Systems nicht aufzudecken.
Gerade diesen Schachzug meistert dieses Werk recht gelungen. So vertrackt die Lage damals war, so gelungen landet diese Schwierigkeit für einfache Personen auf der Leinwand. Und genau hier sehe ich für mich persönlich das Problem: Hat man den Kasten durchschaut, wird es relativ schnell langweilig. Die irre Suche nach einem Mörder wird bald zur zeitraubenden Aufgabe, der es im Vergleich zu beispielsweise Die Augen des Engels massiv an Spannung fehlt und jede Menge Langwierigkeit aufkommen lässt, die den Gesamteindruck deutlich schmälert.
Hier lässt man sich an viel zu vielen Stellen einfach viel zu viel Zeit und zeigt Dinge, die vom Ablauf her zwar wichtig erscheinen, das Geschehen aber in keinem Fall voran treiben. Das endet in einer Zähflüssigkeit, die bald als nervend empfunden wird und einen die Augen schließen lässt.
Nichtsdestotrotz liefern Tom Hardy und Gary Oldman hier eine grandiose Show ab. Die außerstädtische Abgefucktheit der ganzen Situation spiegelt sich wunderbar in der rauhen Stimme und dem wahnhaften Zusammenspiel beider ab. Jeder weiß, dass etwas getan werden muss, nur keiner sieht sich dazu in der Lage, ohne dabei auf Regeln zu verzichten, die dich selbst zum Ziel werden lassen.
Was allgegenwärtig ist, ist der Hass auf das russische System dieser Zeit. Auch als Zuschauer bekommt man regelrechte Aggressionen, wenn man sieht, welche Auswirkungen selbst banale Dinge des Lebens auf Menschenleben haben und wie kaputt und zerrüttet dadurch das sonst auch schon schwere Leben wird. Ob dies in einer Zeit des Ost-West-Konflikts, den wir gerade durchleben, förderlich ist und öffentlich derart thematisiert werden sollte, sei dahingestellt. Meinem Empfinden nach erscheint dieser Film zur falschen Zeit, da er in diesem Punkt ganz klar Stellung bezieht und den sowieso schon angeschlagenen Verhältnissen beider Nationen eher Unfrieden bringt als hier zu mehr internationalem Verständnis beizutragen.
Andererseits haben wir in der Vergangenheit genügend negative Berichterstattung in jedweder Form über unser eigenes Land gesehen und könnten daher dankbar dafür sein, dass endlich jemand den Mumm hat, offen zu zeigen, dass auch andere Völker Dreck am Stecken haben und die Deutschen nicht die einzigen geschichtlichen Miesepeter sind, auch wenn das keine der geschehenen Taten relativiert. Aber was bringt das?
Ihr merkt schon: Das Ganze ist geprägt von sehr viel Negativität, für die man sich dann auch noch extrem Zeit lässt. Man mag zwar neue Einsichten in vergangene Tage erhalten oder sich an dem Schauspiel der Hauptdarsteller erfreuen, geht jedoch eher niedergeschlagen als erbaut wieder nach Hause. Und da stellt sich mir dann die Frage: Warum?
Warum sollte man sich einen Film anschauen, der über Missstände informiert, aber nicht provokant genug ist, um zu zeigen, wie man es besser machen könnte?
Warum sollte man sich von etwas runterziehen lassen, das sowieso vorbei ist und an dem heute nichts mehr zu ändern wäre?
Warum soll man sich mit einer Geschichte vergnügen, die zu unspannend rüberkommt, als dass sie wenigstens mitfiebern lässt?
Nicht die Story ist schlecht, nicht die Umsetzung dahinter, sondern die fragwürdigen Ziele, die dieser Film verfolgt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kind 44 versetzt einen klar in eine Zeit, die von wenig Farben und Freude geprägt ist und transformiert jegliches emotionale Empfinden in eben jene Gemütsstimmung.
Man hat genügend Zeit, um in dieser Ära zu schwelgen und bekommt unterschwellig den Hass auf das russische System eingepflanzt, der sich im Laufe der Spielzeit festigt und so zu keinem friedvollen Verhältnis beiträgt.
Fragwürdige Lektüre, die von Hardy und Oldman klasse umgesetzt wurde und einen dennoch mit trauriger Miene wieder nach Hause schickt. Wer sich diesem düsteren Kammerspiel stellen möchte, wird hier definitiv befriedigt.

 
Nachspann
dürft ihr getrost ignorieren, hier kommt nichts wichtiges mehr.

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