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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Revolution

Solange ich atme

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst … und davon wurden in letzter Zeit so viele erzählt, dass vielen dieses “Nach einer wahren Geschichte” schon etwas zum Halse raus hängt.
Robin Cavendish zählt dabei aber nicht zu denjenigen, die einfach irgendwas erlebt haben und dann darüber berichten, sondern sein Wille und Lebensmut hat dazu beigetragen, diese Welt nachhaltig für viele weitere grundlegend zu verbessern.
Ob man sich dieses Werk nun besehen möchte, weil man Lust auf einen Liebesfilm hat, man einfach mal wieder etwas rührseliges braucht, Andrew Garfield oder Claire Foy mag oder sehen möchte, wie Tom Hollander in einer Doppelrolle brilliert: Es gibt viele Gründe, in diesen Film zu gehen.
Der für mich weitaus wichtigste: Zu sehen, wie eine einfache Entscheidung dazu beitragen kann, diese Welt aus den Fugen zu heben. Jeder, der nach der Vorstellung wieder aus dem Saal kommt, kann von sich behaupten, dass auch er etwas zugeben muss, dass ihm diese Erkenntnis bislang noch gefehlt hat, weil – sofern man Gottseidank nicht betroffen ist – man sich einfach viel zu wenig in diesem Metier auskennt.
Damit hat Andy Serkis einen Film geschaffen, der – getrieben von dem Willen des Sohnes dieser Hauptperson – die Geschichte dessen Vaters erzählt und damit der Welt einmal mehr erklärt, dass eben doch alles möglich ist, wenn man nur will.
 

.kinoticket-Empfehlung: Berührendes Drama, hochgradige Liebesgeschichte, inspirierender Quell: Dieser Film pusht durch so viel positive Lebensenergie, bricht dir gleichzeitig dein Herz und basiert dabei auf der wahren Geschichte von Robin Cavendish.
Für einen Kinoabend in dem Kino deiner Wahl definitiv das richtige – aber nehmt Taschentücher mit.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, der Saal darf geräumt werden.
Kinostart: 19. April 2018

Stonewall

Roland Emmerich ist einigen ein Begriff, richtig?
Dass der gebürtige Stuttgarter sich einem Film widmet, der die Ursprünge der Schwulenbewegung in New York und die dabei geschehenen Konfrontationen der Gays mit der New Yorker Polizei beleuchtet, haben sicherlich weniger von euch gedacht.
But so it is.
Was mir an diesem Film enorm gefallen hat, war die endlich mal klischeefreie Darstellung von schwulen Hauptdarstellern. Ich bin jemand, der hasst Klischees. Gleich welcher Art. Jeremy Irvine macht hier mal alles richtig und etabliert das Bild eines Menschen, der auf das gleiche Geschlecht steht und dabei so ganz und gar nicht mit der ganzen Szene-Suppe klar kommt, in die der mediale Schwule jedesmal provokant gepresst wird.
Und ebenso vorbildlich ist sein aus der Rebellion entstandenes Verlangen, für eben jene Gerechtigkeit einzufordern und sich gegen die Unterdrückung der New Yorker Polizei zu stellen.
Ich habe mir diesen Film als Mensch angeschaut und versucht, jegliche Vorurteile unter den Tisch fallen zu lassen. Und unter Beachtung der Tatsache, dass genau diese Aufstände 1969 tatsächlich stattgefunden und damit den Grundstein der heute noch aktuellen Christopher Street Day-Aufmärsche gelegt haben, finde ich es höchst interessant, von einem Regisseur eine Dokumentation dieser Art vorgelegt zu bekommen, der sich weder im schwulen Milieu behaupten will noch es nötig hätte, sich mit irgendwelchen Randgruppen zu beschäftigen.
Und genau das macht dieses Werk für mich so einzigartig. Man spürt im Vergleich zu klassischen Spartenfilmen dieser Art eine ungemein erwachsene, professionelle Herangehensweise an ein Thema, bei dem sich vielen heute immer noch die Fußnägel hochrollen. Und das, obwohl sich das Thema Gleichgeschlechtlichkeit eigentlich langsam in der Gesellschaft etabliert haben sollte, da sich mittlerweile bereits genügend Prominente dazu bekannt haben und wir uns als Menschheit eigentlich dahingehend weiterentwickelt haben sollten, so viel Toleranz und Akzeptanz mitzubringen, dass wir eine vielschichtige Gesellschaft haben, in der nicht mehr ausschließlich die konservativen Werte und Weltvorstellungen ausgelebt werden.
Wer jetzt der Meinung ist, früher wäre alles einfacher gewesen und da hätte es so etwas nicht gegeben, der irrt schlichtweg. Früher wurde das nicht öffentlich ausgelebt, sondern hinter verschlossenen Türen praktiziert. Da gingen Menschen noch in den Tod, wenn jemand derartiges entdeckt hätte.
Und auch heute gibt es immer noch Länder, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird.
Überlegt euch mal: Menschen werden wegen irgendeiner verdammten Einstellung und Sichtweise hingerichtet!
Aufklärung tut bitter Not und dazu trägt dieser Film in seiner Gänze bei. Er bewertet nicht. Er verurteilt nicht. Er hasst nicht. Er bevorteilt nicht. Er beleuchtet einfach historische Ereignisse, aus denen heraus sich eine Gruppe von Menschen gebildet und für ihre Rechte gekämpft hat.
Und damit ist Stonewall für mich ein wertvoller Beitrag für mehr Menschlichkeit untereinander und das fundierte Miteinander und füreinander einstehen können, selbst wenn ich dieser Lebensweise selbst absolut nichts abgewinnen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Roland Emmerich wagt sich hier an ein Thema, das ihm wohl die wenigsten zugetraut hätten.
Tatsächlich ist es aber immer noch nicht so, dass die Gesellschaft dazu fähig ist, seine Nachbarn und Mitbürger einfach so zu akzeptieren, wie sie sind. Und so lange dieser Tatbestand noch nicht erfüllt ist, so lange braucht es Filme wie diesen auf den Leinwänden, um den Menschen zu zeigen, was passiert, wenn die Toleranz fehlt.

 
Nachspann
zeigt die Bilder der echten Jungs, die diesen Schlamassel damals ausbaden durften.

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