Respekt

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“Das ist einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.” – und wenn hochkarätige Pressevertreter so etwas zu mir sagen, muss da etwas dran sein. Und tatsächlich: Dieser Film ist eine enorme Herausforderung.
Warum denn? Nun – ich, völlig vorbehaltslos gegen 21 Uhr ins Kino und als ich dann aus dem Saal spaziert bin, war es bereits gegen Mitternacht. Mit 142 Minuten reiner Laufzeit verlangt der den Zuschauern von Beginn an schon mal zeitlich eine gute Portion Durchhaltevermögen ab – und dabei hört es noch lange nicht auf.
Meine beiden Cinebuddys waren der Meinung, dass es sich hierbei um eine Kunstsatire handelt, die im komischen Stil verpackt an den Zuschauer weitergereicht wird. Weit gefehlt.
The Square hat nichts mit Kunstsatire zu tun. The Square ist Kunst. Und zwar von der anspruchsvollen Sorte. Einerseits mal ganz klassisch, wie man Kunst eben so kennt – mit Museum, Ausstellungen und Objekten mitsamt ihren Erklärungen.
Andererseits aber auch als Film selbst. Selten habe ich etwas so Gesellschaftsreflektiertes und geistig Anspruchsvolles auf der Leinwand gesehen, dass mit einer derart brachialen Macht ein Bild wiedergibt, dass man zu Hauf in den Zeitungen und Medien vorfindet. Und zwar nicht im BILD-Style, sondern in Intellekt ertränkt!
Für mich war’s ein Hochgenuss! Man wird als Beobachter vor Situationen geprügelt, die einem einfach nur weh tun und die alle Reflexe im Hirn und der Seele wachrütteln und man kann einfach nur dabei zuschauen, was passiert. Sozialkritische Studie vom Feinsten in allerbester Güte – mit einer sinnvollen und provokanten Rahmenhandlung, eingehüllt in so zahlreiche Beispiele grandioser Kunst, dass es einfach nur zum Feiern ist!
Würde ich mir das Werk wieder antun?
Auch, wenn mich mein Wohnpartner jetzt zu Tode prügeln will: Ja! Definitiv!
Was man in diesem Werk keinesfalls vorfindet: Stammtischgequatsche, lapidare Parolen, niederer Instinkt, Belanglosigkeit, Schwachheit.
Was man stattdessen geboten bekommt, sprüht nur so aus allen Poren vor Intelligenz, Grandiosität, Fantasie, Einfallsreichtum, Eleganz und apokalyptischem Versagen, dass einem das Herz vor Feuer verzehrt werde.
Und dann noch so lang: Man nimmt sich wirklich Zeit. Nicht, um dem Zuschauer etwas zu erklären, sondern man fordert und fordert… Jedesmal, wenn eine Erklärung kommen sollte, wird die mit neuen Forderungen erschlagen, damit das Hirn ja niemals aufhört, auf Vollgas zu laufen.
Leute? Zu behaupten, Kino hätte heute keinen Anspruch mehr und es liefe nur noch amerikanische Scheiße, zählt ab sofort nicht mehr, denn es gibt The Square, der deutlich das Gegenteil beweist. Danke Schweden!
 

.kinoticket-Empfehlung: Und wer sich nach diesem Festmahl an geistiger Herausforderung und exzellenter Sozialprovokation mit mir darüber unterhalten möchte: benjamin@directbox.com – Mail schreiben!
Ich habe große Lust auf gehaltvolle Konversation und freue mich allein schon darauf, Leute kennenzulernen, die es mit Freuden bis zum Schluss durchgehalten haben. Haut rein – schaut ihn euch an und dann lasst uns damit fortsetzen. Wo packen wir unser Quadrat hin?

 
Nachspann
Liefert dann keine weiteren Ergebnisse und Szenen, man darf also wieder raus in die Nacht.
Kinostart: 19. Oktober 2017

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Müsste ich das vorliegende Werk klassifizieren, würde ich ihn dem New York-Genre zuordnen, denn diese Stadt hat sich in der Geschichte doch längst – sind wir ehrlich – als eigenes Filmgenre herauskristallisiert.
Norman erzählt wieder eine Story, die sich in dem für mich bis heute immer noch nicht greifbaren Genre der New Yorker Büroturm-Welt abspielt und es dennoch geschafft hat, mich so richtig zu packen.
Wer jetzt glaubt, er wird mit Floskeln aus einer Branche beworfen, mit der auch er nichts anfangen kann: Selbst die Originalversion des Films ohne Untertitel war für alle leicht verständlich – ein Hoch auf Richard Gere, dessen seelige Ruhe auch in diesem Film wieder maßgeblich zu einem wunderbaren Feeling beiträgt.
Neben ihm machen Lior Ashkenazi, Michael Sheen, Steve Buscemi, Harris Yulin und andere ebenfalls eine gute Figur und offenbaren dem Kinopublikum eine verzweigte Story, die in Theater-Manier aufgespielt wird und mit der man sich spätestens nach 10 Minuten innig angefreundet hat.
Und wer zwischendrin meint, aus welchen Gründen auch immer den Saal verlassen zu müssen, der verpasst eines der schönsten Filmenden, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Und bei im Durchschnitt 400-500 Vorstellungen im Jahr sind das einige.
 

.kinoticket-Empfehlung: So unscheinbar der Titel, so altbacken vielleicht der Hauptdarsteller in seinem Genre wirken mag, so genial und grandios durchzogen ist der Plot, der in einem Finale mündet, dass wirklich jedes Herz aufbricht.
Man braucht vielleicht eine Weile, bis man drin ist, aber dann macht die Show wirklich Spaß. Zutiefst berührend und sehenswert.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten – Ausgang freigegeben.
Kinostart: 21. September 2017

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Ich hab Angst. Der Film ist gerade erst ins Kino gekommen und dümpelt bereits von Anfang an in den 23 Uhr Vorstellungen rum, die erfahrungsgemäß sowieso keiner großartig besucht.
Ich verstehe, weshalb man als Kinobetreiber darum ersucht, solche Filme in eben jene Zeitschienen zu schieben, weil sie aufgrund ihrer Inhalte schlichtweg früher fehlplatziert wären.
Ich erkenne das Dilemma, hier auf Jugendschutz zu achten und gleichzeitig das Kunststück fertig zu bringen, etwas derartiges überhaupt zu screenen.
The Girl with all the Gifts verschlägt mir gerade derartig die Sprache, dass ich nicht weiß, was ich überhaupt dazu sagen sollte, außer sprachlos mit dem Maul zu klappern und in richtung Kino zu brüllen.
Leute – das ist mit Abstand der BESTE Horrorfilm, den ich in diesem ganzen Kinojahr (beginnend mit dem April letzten Jahres) überhaupt je gesehen habe.
Wie sehr bin ich ständig auf der Suche nach all den Elementen, die man hier nicht nur feierlich miteinander vereint, sondern auf so extrem brachiale Weise gebracht hat, dass es mir nach der Vorstellung immer noch in Mark und Bein übergeht.
Wo soll ich anfangen? Und wie?
Der Film reißt. Er reißt dich so gewaltig in einen Strom von (An)Spannung, die die ganze Spielzeit über kaum abreißt. Meine Arme schmerzen immer noch.
Informationen gibt’s keine. Es passiert einfach und du sitzt die ganze Zeit davor und denkst dir: “What the Fuck?” während mit unerbärmlicher Grausamkeit und orkanartiger Stärke vernichtende Bilderstürme über dich hereinbrechen, die nicht nur mit absolutem Unverständnis, sondern einer derartigen Endgültigkeit über die gnädigen Wünsche urteilen und dich vor absolut vollendete Tatsachen stellen, die du nicht nur nicht wahrhaben willst, sondern deren Realität du wohl kaum begreifen wirst – auch nicht, wenn es denn irgendwann mal klar wird.
Warum?
Warum?
Mir fehlen einfach die Worte. Kein Gefasel. Keine Befriedigung. Keine Abfertigung irgendwelcher Massen. Kein Kommerz. Kein Gebashe. Keine Vergleiche. Kein Genörgel. Absolut keine Kompromisse.
Der Plot stellt sich jeglichen Anforderungen einfach mit seiner totalen Wahrhaftigkeit in den Weg und rumpelt alles platt, was es schon mal gegeben hat.
Die Show zieht. Und zwar sowas von. Atempausen gibt es keine. Höchstens ein paar Inseln, die sehr schnell offenbaren, dass Ausruhen als Tätigkeit nicht akzeptiert wird.
Dazu der Soundtrack. Dazu die Optik … mir kommen vor Freude und Ergriffenheit fast schon die Tränen! Es ist mit Abstand – mit Abstand der beste Horrorfilm dieser Art, der hier so klare Grenzen gegenüber allem anderen zieht und mit Dingen beeindruckt, die sonst keiner vorweisen kann. Allein schon, dass wirklich an alles gedacht wurde und die Intelligenz des Zuschauers in keiner einzigen Sekunde beleidigt wird … Meine tiefste Ehrfurcht und Verneigung vor den Machern dieser Story!
Wer jemals wissen wollte, wie ein Film aussieht, der zu absolut 100% meinen Geschmack trifft: Hier ist er. The Girl with all the Gifts.
Und wisst ihr, was der größte Scheiß daran ist?
Das Teil sprießt so dermaßen aus einer Nische heraus, dass man tausende von Kilometern zurücklegen muss, um überhaupt ein Kino zu finden, das ihn zu einer nicht existenten Tageszeit auf den Screen wirft. Und was glaubt ihr, wie lange wird sich diese Konstellation in unserer geldgierigen Weltwirtschaft wohl auf den Bildschirmen halten können?
Und genau davor habe ich Angst. Bittere Angst. Denn anschauen will ich mir das Teil nicht nur noch 10 oder 20 mal …
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr wollt einen Referenzfilm, der meinen Geschmack zu 100% trifft und völlig kompromissfrei meinen zutiefst sehnlichen Filmgeschmack repräsentiert?
Hier ist er.
Anschauen! Wenn ihr alt genug seid und genügend davon ertragt.
Und das bittere ist: Ich wünsche mir nicht nur die Filmwelt unter diesen Umständen, sondern hätte auch nichts dagegen, wenn es auf unserer Welt so zugehen würde, denn das würde bedeuten: Es gibt doch Gerechtigkeit und all unsere Sünden wären damit vergeben.
Mir hat’s die Sprache verschlagen – und ich wette, jedem von euch wird das auch so gehen, sofern ihr auf dieses Genre steht.
Ein grandioser Meilenstein perfekten Kinos. Rein!

 
Nachspann
Ruhig noch sitzen bleiben, es kommt zwar nichts mehr, aber der Sound dreht hier nochmal richtig auf.

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