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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Regierung

Vice – Der zweite Mann

© 2019 Universum Film GmbH

Erinnert ihr euch noch an The Big Short? Der Film war für mich das ganze Jahr über das Aushängeschild von exzellentem Kino, das einem die Augen auch als Nichtwissender so weit geöffnet hat, dass danach einfach alles anders werden musste.

Man kam mit so einem Schwall an nützlichen Informationen daher, die einen Dinge verstehen ließen, von denen man früher kaum zu träumen gewagt hatte – und tatsächlich hat dieses Werk auch in meinem Leben gewaltige Einschnitte verursacht und mein Denken und Handeln komplett umgebügelt.

Mit gewissem Stolz berichte ich also an dieser Stelle, dass „… von den Machern von The Big Short“ nun ein weiteres Werk in die Kinos kommt, das mit der gleichen Härte in punkto Fakten auf den Tisch schlägt und auch hier für amüsante und erschreckend ehrliche Wahrheiten sorgt: Vice.

Und wie man dem – richtig ausgesprochenen – englischen Titel bereits entnehmen kann, geht‘s diesmal nicht um Banken, sondern Politik.

„Oh Gott … laaaaaaangwei…“ => Stop!

Erwähnte ich „exzellentes Kino“?

Ist Christian Bale wieder mit von der Partie und liefert diesmal als Hauptdarsteller eine Performance ab, die sich gewaschen hat? Spielen die großen Helden wieder auf, dass sich die Balken biegen und ist das Filmchen schon jetzt ein Quell der Wahrheit, Offenlegung und provokanter Kritik?

Gütiger Himmel – wie ich auf sowas stehe… und wie dringend bitter notwendig unsere Welt Filme wie diesen hat: Man muss endlich anfangen, die Mächtigen ans Kreuz zu nehmen und sie mit den Taten und Waffen konfrontieren, die sie selbst mit aufs Spielfeld gebracht haben – und das tut Vice in einer ehrbaren Art und Weise.

Erwähnte ich Bale?

Mal ehrlich: Was machen diese Jungs richtig, dass sie mich jedesmal so hart bei den Eiern packen und meine Begeisterung schon im Vorfeld so riesig ist und auch Jahre danach kaum abreißt?

Ich zähl keine Gründe auf, weswegen… ich geh davon aus, ihr habt verstanden und strömt nahezu in die Säle und füllt sie … nicht, weil jemand daran verdient oder die Reichen noch reicher etc. pp… Nein: Weil ihr Wissen anhäuft, das euch zu gebildeteren Menschen macht, die diese Welt danach besser verstehen und dafür sorgen können, dass sich die Dinge wieder zum besseren ändern.

.kinoticket-Empfehlung: Gleiches Statement wie bei The Big Short: Haut um, erschlägt mit Fakten, ist amüsant und unterhaltsam und Pflicht!

Geht sofort und augenblicklich da rein! Ende der Diskussion! Alles andere werdet ihr danach verstehen.

Nachspann
❌ folgt mit nichts mehr, der Saal darf also geräumt werden.

Kinostart: 21. Februar 2019

Original Title: Vice
Length: 132 Min.
Rated: FSK 12

Mile 22

Mark Wahlberg ist bislang für mich immer so ein klein wenig der Hollywood-Luschi gewesen: Transformers – alle anderen sahen großartig aus, er dümpelt so ein bisschen vor sich hin, Boston – schrecklicher Vorfall, aber auch nur so halblebig gespielt und das ganze Comedy-Gelump hat er meiner Meinung nach nie so richtig beherrscht, sondern war eben einfach “da”.
Und dann kommt Mile 22 und ich sehe einen ernsthaften, permanent stinksauren und mega seriös spielenden Mark Wahlberg auf der Leinwand und kann dieser Person auf einmal abkaufen, dass er doch zu mehr in der Lage ist, als einfach nur der Prominenten-Lückenfüller fürs Plakat zu sein: Diesmal ist er wirklich großartig und entblättert eine auch patriotisch angehauchte Szenerie, die aber nicht in Amerikanismus ertrinkt, sondern eben einfach gut unterhält.
Und das ganze Konzept des Films ist diesmal ein völlig anderes: Er als Charakter braucht nicht den lonesome-hero spielen, den man ihm sonst immer andichtet, sondern er darf innerhalb einer Truppe fungieren und liefert in Kombination mit dem Soundtrack und den gezeigten Bildern, die auch die richtige Geschwindigkeit und Erzählfluss liefern, eine grandiose Show ab.
Nun mag man sich darüber aufregen, dass die Amis hier wieder viel zu stark auf die Kacke hauen, man großartiges Potenzial verschenkt, weil die Ideenansätze endlich mal geil sind, aber in einer unfassbar unrealistischen Ader ausgelebt werden und man hier eben wieder maßlos “leinwandübertreibt”, aber genau das macht Mile 22 zu dem was es ist: Großartiges Actionkino, auf das man sich einlassen kann – aber nicht braucht. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Was ich dazu aber noch anmerken muss: Im Original hören sich Dialoge, Funksprüche und anderes dann eben doch “amerikanischer” und damit um ein vielfaches echter an, als es in der deutschen Synchro der Fall ist, auch wenn diese gut übersetzt und auch stimmlich ganz gut ausgewählt wurde: Wer den wirklichen Thrill will: Choose the OV-Version!
 

.kinoticket-Empfehlung: Action-Kino inmitten der Sahnetorte, die man gleich mal mit dem Erdboden gleich macht!
Wahlberg in Höchstform und auch seine Mitstreiter liefern hier ein Ensemble, dass richtig in Fahrt kommt, auf die Kacke haut und genau das liefert, wozu dieses Ding da ist: Männerabende füllen und anschließend im Kino richtig zu feuern, ohne dabei auf Herzschmerz und Intelli-Gelüste zu achten.
Popcorn nehmen, Bierchen öffnen, Hirn aus, Augen auf und los geht’s. Beste Unterhaltung garantiert.

 
Nachspann
❌ liefert keinen Nachschlag, es darf also aufgestanden werden.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mile 22
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16 | R

Die Bestimmung – Allegiant

Ich hab’s versprochen – hier ist sie: Die .kinoticket-Filmrezension zum dritten (und vorletzten) Teil der Bestimmung-Saga.
An diesem Beispiel kann man glorreich erkennen, was passiert, wenn im Trailer viel zu viel verraten wird. An dieser Stelle: Teasern! Lasst die Leute auf die Mauer zurennen und dann blendet ab! Lasst doch den Scheiß und zeigt schon im Trailer die markanten Stellen, um der Geschichte schließlich noch den letzten Rest von Interpretationswürde zu rauben, damit macht ihr den Kinogängern nämlich das Leben wirklich zur Hölle.
Wir reden wieder einmal von: Vorhersehbarkeit.
Nichts ist tödlicher für eine Geschichte, als wenn man deren Ausgang erahnen könnte und sich dann im Laufe der Zeit mit der vorhergesagten Vermutungsbewahrheitung anfeindet. Und genau das wird scheibchenweise bei Die Bestimmung – Allegiant getan.
Klar, das Werk erhebt sich technisch aus der Masse der Dinge und entspricht in seiner Machart locker dem, was man ein episches Finale nennen würde, jedoch gilt mein Lob hier vorwiegend wieder: Der Kulisse, dem Ton und der Kameraführung.
Dass diesmal dann tatsächlich auf 3D verzichtet wurde (kommt das noch?) lässt sich wohl nur dadurch erklären, dass im zweiten Teil die Leute so dermaßen angepisst waren, dass man den Aufschwung zur 3D-.kinoticket-Grenze wohl nicht mehr wagen wollte, um wieder mehr Leute in den Film zu kriegen, damit die Massenphänomen-Regeln erfüllt werden.
Und ohne sagenhaftes 3D – wir erinnern uns: das war in Teil 2 wirklich herausragend! – bleibt dann auf einmal nur die Story und der Gesamteindruck des Films. Und da beschleicht mich das Gefühl, dass ich dem Alter entwachsen und somit nicht mehr einfach angefixt werden kann, denn das Kino war zum Teil mit 13-14jährigen gefüllt, die ihre helle Freude an den Geschehnissen verkündeten.
Und als Kinderrevolution geht die Sache durchaus durch. Wenn man beabsichtigt, die Generation BRAVO hier zu begeistern, erfüllt man definitiv die gewünschten Kriterien und erntet Lob vom Wunschpublikum. Die Frage ist nur, was diese (Quad)-Trilogie dann von Panem unterscheidet, da hat der Käse nämlich auch für Erwachsene durchaus zumutbar funktioniert.
Die Schauspieler sind ungefähr gleich alt, die Welt ist ähnlich beschissen aufgeteilt, die Menschen werden ähnlich unterdrückt, es geht ebenfalls um nicht ausschließlich erwachsene Systemkritik und bei dem einen krachts gewaltig und endet furios, bei dem anderen gähnt man hinterher und spaziert gemütlich wieder von dannen.
What has happened?
 

.kinoticket-Empfehlung: Zusammenfassend würde ich sagen, dass man hier zwar einiges aus dem wirklich verpatzten zweiten Teil wieder gut gemacht hat, jedoch zu wenig Materie auf den Bordstein wirft, um die Menschen darauf auch nur annähernd zu erschüttern.
Stoff genügend hätte man, um hier etwas wirklich großes daraus entstehen zu lassen, doch damit hätte man sich dann wohl von der Kinderfraktion abgewendet und wäre publikumsleer ausgegangen. Und das soll ja nun nicht passieren.

 
Nachspann
Die Musik war gut – wirklich gut. Doch ob sich dafür das Warten auf den Schlussakkord lohnt, bleibt jedem selbst überlassen. Der Teaser für das endgültige Finale bleibt auf jeden Fall aus.

American Ultra

Zu Beginn: Wessen Toleranzschwelle sehr niedrig angesiedelt ist, der braucht gar keinen Gedanken daran verschwenden, sich diesen Film überhaupt anschauen zu wollen, denn hier wird alles geboten, außer Mainstream-Kino.
Das beginnt bereits bei der Untertitel-Bezeichnung, die man auf den ausgehängten Kinoplakaten sieht, deren Bedeutung hier nicht nur wörtlich umgesetzt, sondern bei weitem strapaziert und teilweise sogar grenzüberschreitend zelebriert wird.
Man ist sich teilweise nicht ganz so im Klaren darüber, ob es sich hier jetzt über eine Verballhornung amerikanischer Agentenfilme handeln soll, oder man einfach mal nur draufkloppen und irgendeinen Comic verfilmen wollte, herausgekommen ist auf jeden Fall ein sehr schräges Konstrukt mit einem anspruchsvollen Humor, der weit über die Grenzen der sonst im TV zu beobachtenden ‘Angst vor dem Vergrämen der Masse’-Humors hinausragt.
Und genau das macht neben den bissigen Kommentaren und absolut schrägen Handlungsweisen von Jesse Eisenberg und Kristen Stewart richtig Spaß. Hier gibt es weder Regeln, noch Anspruch auf Kultur und Bildung, sondern einfach nur absolut hartes, krankhaftes Kino, bei dem selbst der verbissenste Kritiker nicht umhin kommt, über den ein oder anderen Kommentar zu schmunzeln.
Die Aggressionen und Verhaltensweisen sind derart überstrapaziert und überzeichnet, dass es manchmal ins Lächerliche abzudriften droht, jedoch finde ich, führt man den Zuschauer damit gezielt auf den Verstandesuntergang hin und bleibt sich somit seiner schon vor Anfang bekanntgegebenen Linie einfach treu. Und dafür: Meinen Respekt!
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Vor dem Finale gibt es zeitweilig ein paar Strecken, die sich etwas ziehen und nicht so richtig förderlich für die Geschichte sind – hier noch 5-10 Minuten rausgeschnitten, wäre das Werk perfekt für den Untergang allen, was man in den Blockbusterschmieden zur Freude der Masse sonst so generiert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein mehr als wertvoller Beitrag dafür, anderen zu zeigen, dass auch solche Filme funktionieren und man keine Angst davor haben muss, wenn mal keine Milliardengewinne eingefahren werden.
Hier wird nicht nur nicht die komplette Masse bedient, sondern ausschließlich Nischenkino zelebriert und das in einer wunderbar erfrischenden Art, die mit bösartigem Witz und surrealen Aktionen eine authentische Stimmung aufkommen lässt, die dem Zuschauer pures Vergnügen bereitet – wenn er sich darauf einlässt.
Da liegt auch der Haken: Man muss tolerant genug sein, um so eine Geschichte auch als das hinzunehmen, was sie sein will: Einfach schlichtweg durchgeknallt!

 
Nachspann
Anfangs: Hocken bleiben! Die Darstellungen erinnern fast schon ein wenig an Sin City und wären als Film allein schon einen Beitrag wert.

Sicario

Ich habe Schmerzen. Schmerzen vom Aufschleifen meiner Kinnlade am Boden, die seit den ersten 3 ½ Sekunden des Films permanent dafür sorgte, dass mein Mund ununterbrochen offen stand.
Und für Kinofetischisten wie meinereiner ist es höchste Kunst, wenn ein Macher so etwas fabriziert, das mich gelinde gesagt komplett wortlos werden lässt. Meine Begleitung hatte zumindest riesigen Spaß dabei, mich mal wirklich vollkommen geflasht und breit in den Boden gekloppt zu erleben, denn – mir – fehlen – einfach – die – Worte!!!
Auch Tage danach (der Film lief vor 7 Tagen bei mir in der Sneak) bin ich immer noch unzufrieden bei dem Gedanken daran, wie ich es in meiner Unfähigkeit schaffen soll, Leute wie euch dazu zu bewegen, euren Hintern ins Kino zu schleifen und euch dieses Meisterwerk anzuschauen!
Ganz ehrlich? Dieses Teil erhebt so völlig gar keinen Anspruch daran, sich mit irgendwelchen Blockbustern und Weltrekorden zu messen und generiert dadurch eine derartig unfassbare Größe und Wucht, dass JEDEM (!) Showteilnehmer die Fresse einfach nur offen stand. So einen ruhigen, geschockten, braingefuckten Saal habe ich in meiner Karriere als Kinosüchtling bislang noch niemals erlebt. Es war kein Muckser zu hören – nicht einmal das Knacken von Popcorn zwischen den Zähnen geschweigedenn irgendwelches Rascheln von Plastik-Nacho-Packungen oder Popcorntüten – nichts! Betroffene Stille, betretenes Schweigen, ehrfürchtige und respektvolle Bewunderung – oder auch einfach nur der pure Schock dessen, was man dort zu sehen kriegt.
Kino für Weicheier? Drei Säle weiter – hier kommt Kost auf den Tisch, die nicht nur schwer verdaulich, sondern in höchstem Maße anspruchsvoll ist. Emily Blunt – eine Göttin was Filme dieses Genres angeht. Ihr Gesicht, ihre Ausdrucksweise, ihre Stimme, die Dialoge, die verdrahtete Verzweiflung und der kämpferische Geist – im Zusammenspiel mit Josh Brolin oder Benicio Del Toro – oscarwürdig! Wenn dieser verdammte Streifen nicht mit Anerkennungen überschüttet wird, verliere ich meinen kompletten Glauben an alles, was die Menschheit je ausgemacht hat.
Die Brutalität und zeitlose Zerstörung der heilen Welt, die einem sonst überall vorgesetzt wird – ein Meisterwerk. Du bist nicht davor, du bist auch nicht dabei oder mittendrin, du erlebst diese verdammte Scheiße selbst und vergisst, dass du dich mitten im Kino befindest. So nah an etwas herangeführt, tief reingezogen und verschluckt, verdaut und hinterher völlig verdattert wieder ausgespuckt hat dich noch kein Dino dieser Welt.
Die Gesichter der Menschen beim Verlassen des Kinosaals (übrigens mucksmäuschenstill und in erhabener Demut und respekteinflößender Furcht) wären selbst schon einen eigenen Film wert gewesen, hätte sich jemand die Mühe gemacht und eine Kamera am Ausgang postiert. So etwas abartiges habe ich noch niemals erlebt – nicht in dieser Form, nicht in dieser Masse.
Wenn ihr irgendeinem Menschen etwas gutes tun wollt, dann fesselt ihn, ladet ihn in den Zug oder euer Auto, lasst ihn im Kino wieder frei, nachdem ihr die .kinotickets für Sicario gelöst habt und zieht euch verdammt nochmal diesen Streifen rein.
Freunde von mir berichteten übrigens von genau den selben Phänomenen wie sie mir begegnet sind: Geschocktes Schweigen, absolute Ruhe, der pure Hirnfick schlechthin. Und auf Twitter und Facebook geht es weiter … es geht also nicht nur mir so, sondern das Ding löst tatsächlich weltweit diese Gefühle in Menschen aus.
Was bleibt mir letztlich noch zu sagen, außer…
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn es je einen Grund gab, ein Kino von innen zu besichtigen, dann dieser hier.
So eine abartige Wucht an Bildern, Dialogen und prätenziösen Momenten hat es selten bis nie gegeben.
Was hier geboten wird, schlägt nicht nur bei mir hohe Wellen und forciert dich in eine Welt, die authentischer nicht dargestellt werden könnte.
Sicario hat aber mal sowas von den Nagel auf den Kopf getroffen, dass einem vor Ehrfurcht schon fast schlecht wird. Rein rein rein rein rein – man kann ihn nicht oft genug sehen!

 
Nachspann
braucht dieser Streifen nicht. Der Schock sitzt viel zu tief in den Gliedern, als dass man sich danach noch auf irgendwas anderes konzentrieren könnte.

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