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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Rainer Bock

Arthur & Claire

Leute … Josef Hader!!!
Entweder hab ich ne absolute Ösi-Meise, oder der Typ spielt wirklich so herausragend, dass man vor Ergriffenheit und Geplättet sein nicht anders kann, als diesen Film einfach abgöttisch zu lieben?
Wenn einem dann gleich am Anfang noch der Hauptdarsteller-Liebling aus Die Beste aller Welten entgegenschlägt und man im Film mit schwärzestem Humor und einer theatralisch aufgefüllten, tiefsinnigen, todernsten und gleichermaßen unvergleichlichen Inhaltsschwere daherkommt, dann erhält man etwas, wovon wir seit langem eigentlich nur träumen: Einen Film, der durch Inhalte punktet.
Wie schon längst vermutet, stürmt man jetzt mit Theaterkunstwerk-Stücken die Leinwände und lässt die Jugend und Neuzuschauerschaft erkennen, dass neben der Leinwand noch andere Formen intelligenter Unterhaltung existieren, die sich abseits von Clubs und Bars abspielen und auch nichts mit online zu tun haben.
So unverfänglich der Titel ist, so liebenswert, herzlich, bitterernst und grandios ist Arthur & Claire – ein Werk, dass jeder von euch einfach gesehen haben muss!
Als ich sagte: Es kommt viel auf euch zu, meinte ich u.a. definitiv diesen Film.
Also packt eure Klamotten, ordert euch Popcorn und besucht jedes Kino, in dem dieser Titel gespielt wird!
 

Kinostart: Eigentlich braucht man nichts weiter zu sagen, als: Josef Hader.
Denn allein sein Schauspiel rührt mich schon wieder zu Tränen! Und der restliche Cast dieses Bühnenstücks glänzt in einer bissig-satirischen Schärfe, inhaltlicher Tiefe und einer Inbrunst, wie man sie sonst nicht kennt und sieht.
Definitiv reingehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, aber das Stück reißt einen sowieso mit. Also bleibt ruhig noch kurz sitzen.
Kinostart: 1. März 2018

Luna

Wer das Wörtchen “Luna” hört, denkt wohl erst mal an den leuchtenden Himmelskörper, der des Nachts die Strahlen der Sonne widerspiegelt.
Khaled Kaissar hat sich dieses Wort zu eigen gemacht und erzählt die kinotauglich gemachte Geschichte einer Familie, die 2012 hier in Deutschland tatsächlich existierte und auf deren Erfahrungen und Handlungen die ganze Story aufgebaut ist.
Und um dem ganzen noch etwas drauf zu setzen, hat man nicht etwa in Serbien oder sonstwo gedreht, sondern im naturschönen Oberstdorf, München und Dachau. Durch und durch einheimisch – und es schrillen keine Alarmglocken?
Nein. Ich sage es nicht zum ersten Mal: Drama kann Deutschland. Und das immer besser. Mit Luna erlebt ihr ab 15. Februar ein weiteres Beispiel in den Kinos, das bezeugt, dass man sich hierzulande immer besser aufs Filmemachen versteht und die altbackene Humorschiene langsam abgelegt hat.
Und dieser Entwicklung stehe ich sehr positiv entgegen, auch wenn wir noch längst nicht am meisterlichen Himmel angekommen sind und uns auf den begangenen Taten ausruhen dürfen. Es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns, um international auf das Niveau anderer Filmschmieden zu kommen, aber man merkt, dass man ernsthaft mit einer Art “Selbstfindung” beschäftigt ist, deren positive Resonanzprodukte Filme wie dieser sind.
Die idyllische Trauer, das farblose Spektrum der Seele, die liebevolle Hingabe zur Dekonstruktion, das zarte Suchen nach neuer Identität und dem eigenen ich: Man könnte meinen, die Inhalte dieses Films treffen genauso auf die Filmhistorie zu, mit der man sich zukünftig befassen muss.
Und ich sage dazu nur: Macht weiter – die Richtung stimmt definitiv.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ernstzunehmendes deutsches Kino, dass sich mit einem Fall aus den eigenen Reihen auseinandersetzt und diesen kinotauglich präsentiert.
Der Weg zum richtig großen Filmfeldzug ist zwar noch lang, aber die Weichen dafür sind längst gestellt und alles weitere ist nur eine Frage der Zeit. Luna liefert hier einen weiteren Beweis, dass man auch hierzulande fähige Leute hat, die etwas zu erzählen haben und dieses Handwerk auch verstehen.

 
Nachspann
Rausgehen …. erlaubt! 🙂 Hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 15. Februar 2018

Jugend ohne Gott

Ich habe das Plakat gesehen und wusste: Da musst du rein! Den musst du unbedingt sehen!
Und ihr glaubt nicht, welche Hürden ich dafür habe überwinden müssen, nur, um einen Film zu konsumieren, nach dem meine Seele alle Hände ausgestreckt hatte. Warum? Wusste ich nicht – ich wusste nur: Der ist es!
Und was soll ich sagen? Nichts mehr. Fragt das gesamte Personal meines Stammkinos, wieviele Worte ich an diesem Tag noch aus meinem Mund rausgebracht habe. Voller Erfolg!
Neulich habe ich mich ja schon einmal über den neuen Weg ausgelassen, den deutsche Filmemacher jüngst eingeschlagen haben, indem sie sich nicht mehr lachhaften, sondern eher dramatischen Handlungen widmen und damit zumindest bei mir voll ins Schwarze treffen.
Jugend ohne Gott ist ein weiteres Beispiel dafür, das von mir höchsten Respekt und tiefste Anerkennung abverlangt. Natürlich spürt man, dass hierzulande immer noch vergleichsweise wenig Kohle für Filmproduktion übrig ist und die Regisseure ganz andere Schwierigkeiten zu meistern haben, als im Land über dem großen Teich, und auch das Schauspielfachwissen und die Veranlagung zum Ingenium der Schauspieler darf hier noch weiter gefördert werden. Was allerdings mehr als deutlich aus der Tiefe des Bodens hervorquillt ist das Können der Drehbuchschreiber!
Leute: Gebt den Produzenten hier einfach mal das Budget eines durchschnittlichen Hollywood-Schinkens und wir wären mit Jugend ohne Gott an der Stelle, die Amerika überflüssig machen würde! Und das mein ich ernst!
Die durchsetzende Verblüffung und intensive Eindringlichkeit, mit der man hier relevante Themen zeitgemäß und absolut unterhaltsam unters Volk zu bringen vermag, schreit förmlich danach, diesen Menschen endlich die gebührenden Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie ihre Arbeit in Vollendung vollbringen können!
Und damit verwandelt sich diese Kritik in einen Appell an alle: Geht einfach da rein und macht euch erst hinterher darüber Gedanken, ob dieser Gang nun ein lohnenswerter war oder nicht. Denn zumindest seid ihr nicht bei den Unwissenden, die anschließend nicht darüber diskutieren können. Mein Gefühl sagt mir, dass damit ein großer Meilenstein in der Entwicklung deutscher Filmgeschichte gesetzt wurde und man gezeigt hat, wohin man in kommenden Jahren gern gehen möchte – und gleichzeitig auch offenbart, wo genau noch die Schwächen liegen.
Letzteres ist in Anbetracht der durchschlagenden Kraft des Plots absolut verzeihlich und löst nicht mehr Aggression, sondern eher intensives Mitfühlen aus, das sich im tiefsten Inneren wünscht, die Produzenten kriegen für ihre Fortsetzungen einfach größere Mittel an die Hand.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gebt dieser Produktion mal die finanziellen Mittel eines durchschnittlichen USA-Films an die Hand und wir sind an dem Punkt, wo keiner mehr auf Hollywood angewiesen wäre.
Der Inhalt: Bahnbrechend! Die Stimmung: Wow! Die Umsetzung (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) herausragend!
Ganz im Ernst: Jugend ohne Gott setzt komplett neue Maßstäbe, die deutsches Kino auch international neu positionieren und laut herausschreien: So soll es weiter gehen – helft uns dabei!
Ich habe den ganzen Tag kein Wort mehr aus mir raus gekriegt vor Ergriffenheit und 100prozentiger Volltrefferquote, die dieser Film bei mir hinterlassen hat!
REIN DA!

 
Nachspann
lohnt nicht abzuwarten, Stoff zum Nachdenken ist sowieso genügend vorhanden.
Kinostart: 31. August 2017

(Trailer) Jugend ohne Gott

Immer wieder sonntags … kommt die Trailerspritze direkt von .kinoticket-blog.de zu euch aufs Display.
Diesmal: Jugend ohne Gott
 
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=Rijc4egGL6E?rel=0&w=560&h=315]
düstere Zukunftsaussichten präsentiert von © Constantin Film Verleih GmbH
 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Auch wenn bereits amerikanische Vorbilder existieren, die zwar noch nicht veröffentlicht sind, aber ungefähr die gleichen Inhalte aufweisen, sollte man sich dennoch diese Form der Auseinandersetzung mit dem Thema ins Hirn einflößen, denn in Zeiten der Digitalisierung und Vollüberwachung sind genau das Themen, die eigentlich täglich auf den Tisch des Konsumenten gehören, damit dieser eine Form der Sensibilisierung dafür bekommt, was es bedeutet, wenn er jeden Scheiß überwachen und digitalisieren lässt.
Klar, schauspielerische Höchstleistungen lassen sich jetzt im kurzen Trailer kaum erkennen und auch die Story mutet nach Schema F an, was erfahrungsgemäß dann mit super Einstiegen und dem darauf folgenden Abdriften in völlig absurde Fantasiewelten endet, die kaum noch etwas mit der Realität zu tun haben, dennoch finde ich es wichtig, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, auch wenn sie filmisch vielleicht nicht top umgesetzt wurden.
Im Vergleich zu anderen inländischen Filmen gehört Jugend ohne Gott garantiert wieder zu denjenigen, die man im oberen Viertel angesiedelt findet, da sie sich durch die Fokussierung auf ein anderes Thema vom Rest der üblichen Masse absetzen und mal nicht DAS Klischeethema in zigfacher Weise neu aufarbeiten.
 
Kinostart: 31. August 2017

Einsamkeit und Sex und Mitleid

Filmdebüts sind etwas absolut Wertvolles. Zum einen kommt frisches Blut auf die Leinwand, unverbrauchte Ideen, frischer Geist, neue Inspiration – zum anderen sind bisher alle Debüts, die mir vor Augen gekommen sind, ein voller Erfolg gewesen.
So auch hier. Lars Montag verfilmt in kompakter und leicht umgeschriebener Weise das Buch von Helmut Krausser und landet damit gleich mal einen Volltreffer.
Angespornt von den komplexen Verflechtungen der verschiedenen Persönlichkeiten spinnt er ein Netz im Grossstadtdschungel und lässt alltägliche Gefühle und Sehnsüchte zu einer Offenbarung werden.
Die Vorgehensweise im Plot hat mich zutiefst beeindruckt. Der Aufbau, die Charaktere als solches, das abartige Finale – der Streifen hinterlässt beeindruckende Momente und hallt noch lange nach.
Wo man bei großen Hollywoodblockbustern oftmals nach mehr Profil schreit, nimmt man sich hier geschlagene zwei Stunden Zeit um quasi nichts anderes zu machen als Charakter zu formen und dabei mit der Kamera draufzuhalten. Die Darsteller selbst legten sich dabei so dermaßen ins Zeug, dass sie bei den Dreharbeiten vom Regisseur gebremst werden mussten, um noch FSK-tauglich zu bleiben. Diese Leidenschaft und den Enthusiasmus für die Rolle merkt man allen sowohl vor als auch hinter der Kamera an.
Für mich hat dieser Film Auszeichnungen verdient, denn man erfüllt nicht nur jedweden Anspruch auf fantastische Weise, sondern liefert dem Kino wieder Inhalt und dazu noch eine grandiose Geschichte. Mehr davon!
 

.kinoticket-Empfehlung: Rein rein rein!
Filmdebüts sind sowieso Pflicht – und wenn dann noch – wie hier – Story, Komplexität, Anspruch und Unterhaltungsfaktor stimmen – macht’s im Kino erst recht richtig Spaß.
Zutiefst beeindruckend und mit nachhaltiger Wirkung für die Seele.

 
Nachspann
Sitzen bleiben – hier kommen noch ein paar Szenen.

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