.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Prinz

Prinz Charming

Die Zeit klassischer Märchen scheint vorüber. Zumindest, wenn man nach Hollywood blickt und schaut, was in den neuen Jahren alles so für Märchenstoff produziert wurde. Klar, die alten Geschichten sind millionenfach erzählt und keiner will sie wirklich mehr hören. Dank Technik und moderner Wissenschaft ist die Weltbevölkerung längst aufgeklärt genug, um nicht mehr an Monster und Feen zu glauben. Doch genau diese Fabelwesen eigenen sich eben immer noch als Stoff für Geschichten auf der Leinwand. Und ich sehe Millionen Schüler kopfzerbrechend vor den Pulten sitzen und darüber grübeln, wie man dies nun innovativ und modern auf die Bildschirme zaubern könnte.
Prinz Charming liefert hier ein beispielhaftes Vorbild. Man zerbricht die Grenzen, badet sich in Selbstironie und fährt in lieblicher Fasson eine prunkvolle Story auf, die bis auf Teile absolut kindgerecht ist.
An dieser Stelle muss ich einmal eine Lanze für die deutsche Fassung brechen: Die Songs im Film sind berauschend und warten mit echten Stars auf, die sich auch die größte Mühe geben und in diesen Phasen die Grandiosität der Originalfassung zum Durchscheinen bringen, was mich als Erwachsenen natürlich unfassbar begeistert, die Zielpublikumkinder im Saal aber davon abhält, der Story im Film weiter folgen zu können, da die Untertitel dementsprechend schnell und damit von den Kleinen unlesbar sind und die Erwachsenen gezwungen werden, ihnen zumindest schemenhaft zu erklären, worüber hier gerade gesungen wird.
Dies schafft Unruhe, Unaufmerksamkeit und Missmut bei den Kids und stört den Flow im Film ungemein. Und das empfand ich tatsächlich als so betrüblich, dass ich mir an dieser Stelle erstmalig sogar eine schlecht gewählte deutsche Übersetzung gewünscht hätte, damit die Kinder am Ball bleiben und der ansonsten großartig erzählten Story konsequent folgen können.
Zwar hantiert man hier viel mit Vorhersehbarkeit und, sofern man die “neuen Regeln des Films” begriffen hat, wenig Überraschungspotenzial, was jedoch den Jüngsten gar nicht großartig auffallen wird, da sie dem Gezeigten wunderbar entgegensehen und auch die Animation und Charakterzeichnung hier nicht in disney’sche Bosheiten abfällt, sondern tatsächlich fürs Kinderzimmer geeignet bleibt.
Insgesamt hat mir der Film unglaublich gut gefallen und ich hätte mir einzig eine deutsche Variante der Songs gewünscht, da die Untertitel hierbei zwar lieb gemeint, jedoch vollständig am Ziel vorbeigeschossen sind.
 

.kinoticket-Empfehlung: So werden moderne Märchen neu erzählt, damit sie auch zukünftigen Generationen wieder Spaß machen und nicht in endlosen Wiederholungen enden.
Die liebevolle Selbstironie ist absolut herzergreifend, macht Spaß und sorgt für Kurzweil bei den Kindern. Einzig in Phasen des Singens werden die Jüngsten leicht unruhig, da die Songs im Original vorgespielt werden und die Untertitel dabei kaum lesbar sind, ob der Geschwindigkeit der Songs. Dies führt zu Erklärungsbedarf zwischen dem Film und generiert so immer wieder Unruhepausen in der ansonsten tollen Story.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 2. August 2018

Cinderella

Nachdem in Hollywood ja die Märchenverfilmungswut ausgebrochen ist und man Grimm jetzt nicht mehr lesen, sondern anschauen kann, war es keine Frage, bis die Großen auch hier versuchen, die Geschichte neu aufzusetzen und erneut in die Kinosäle zu bringen.
Ist bei einigen vergangenen Filmen ja auch durchaus gelungen. Maleficent zum Beispiel, den ich wunderbar adaptiert und in die moderne Zeit transferiert fand. Entsprechend groß war meine Neugier, wie die Macher es bei dieser durchaus ausgelutschten Story nun bringen würden.
Optisch auf jeden Fall ein Augenschmaus. Die Märchentortensüße schleimt hier nur allzu stark und man wird überannt von Farben, Formen, Glitzer und Glamour. Seien es Ballsäle, die Kutsche, Schuhe oder Kleider – hier lässt man Mädchenherzen sicher höher schlagen.
Geschichtlich wurden keine großen Ausbrüche gewagt, sondern das erzählt, was gesagt werden musste. Statt alte Geschichten neu zu erzählen, wird hier nur analoges digitalisiert. Ob man sich dabei nun auf die “Buchtreue” beruft oder sich Einfallslosigkeit vorwerfen lassen darf, sei dahingestellt.
Müde sollte man sich den Film keinesfalls anschauen, denn Soundtrack und Score tun ihr übriges, um dich in den Dornröschenschlaf fallen zu lassen. Der trägt so butterweich durch den ganzen Film, dass Spannungsspitzen keine Chance haben, deinen Geist wieder wachzurütteln. Du gehst irgendwie benommen wieder aus dem Saal, was jetzt aber auch nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Cinderella-Liebhabern liefert man hier eine neue Version ihrer Geschichte, die mit modernen Mitteln durchaus gelungen umgesetzt ist. Wer spannende Unterhaltung sucht, die überrascht, begeistert und vereinnahmt, der wird hier eher enttäuscht.
Diesen Film sollte man sich dann anschauen, wenn man einfach mal wieder kurzfristig in die Märchenwelt getragen und dort fallen gelassen werden möchte. Das funktioniert nämlich tatsächlich richtig gut.

 
Nachspann
liefert keine neuen Erkenntnisse.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén