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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Polizist

The Guilty

The Guilty

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Normalerweise sind dänische Filme seltsam, kulturentfernt oder auf andere Weise “einsam”. Dieser hier ist nur eines: Genial!

Er schafft es sofort, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und nicht mehr daraus loszulassen – und das mit einfachsten Mitteln. Die Kunst, wie man es hier fertigbringt, tatsächlich mit mehr oder weniger “gar nichts” einfach alles zu erzeugen und den Zuschauer massiv anzusprechen, ist der helle Wahnsinn.

Natürlich hat es bereits Filme dieser Art gegeben, die sich auf ein minimalistisches Auskommen beschränkt haben und trotzdem eine tolle Story erzählen wollten, doch The Guilty treibt es hier bis auf die Spitze und erreicht damit ein neues Maß an Grandiosität.

Ich möchte an dieser Stelle nicht mehr verraten, weil ich dann an die Substanz des Films herangehen müsste und zu viel spoilern würde, darum verweise ich einfach darauf, sich einen Ruck zu geben und den Film tatsächlich im Kino zu sichten, denn nirgends wirkt er besser, als in einer dieser dunklen Höhlen.

Manch einer hat sich zum Schluss über etwas zu unausgereifte Dramaturgie beschwert, was ich dem Film aufgrund seiner Gerüst-Idee aber keineswegs nachtrage, sondern eher verzeihe, da die Machart allein genügend Bannkraft besitzt, um mich zu fesseln und großartig zu erstaunen. Und es ist vielleicht nicht nur die Idee allein, sondern eher das Ausmaß, in dem das stattfindet, dass mich zutiefst beeindruckt und vom Hocker gerissen hat.

So großartige Szenen, so großartige Bilder, die dabei entstehen, so großartige Momente, mit denen man sich Stück für Stück an die Auflösung ranschleicht und den ein oder anderen Schmunzelmoment hat man dabei auch noch.

 

.kinoticket-Empfehlung: Unbedingt ansehen: Die Idee des Films ist ein .kinoticket wert!

Ich empfand ich Umsetzung als großartig und mich hat total fasziniert, mit wie wenig Mitteln hier wie große Effekte erzeugt wurden – allein dafür sollte man den Gang ins Lichtspielhaus auf sich nehmen.

Die Tatsache, dass er am Ende ein wenig abflacht, mag dem einen schwerer im Magen liegen als dem anderen, ändert in meinen Augen aber nichts daran, dass dies ein absolut sehenswerter Film ist, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

Nachspann
❌ weist keine weiteren Überraschungen auf. Rausgehen erlaubt!

Kinostart: 18. Oktober 2018

Original Title: Den skyldige
Length: 85 Min.
Rate: FSK 12 | R

Criminal Squad

Heute läuft er endlich an und es wird Zeit, euch darüber zu berichten: Criminal Squad.
Für mich stellt der Film ein paar ganz wichtige Weichen in Richtung Zukunft des Kinos, auch wenn das nur meine persönliche Meinung ist (so wie ja alles hier im Blog). Tatsache ist, dass in jüngster Zeit ein paar neue Metropolen die Zuschauerschaft aus den Sälen rauslocken und anderweitig an die Monitore zu binden versuchen und die Geschäftszahlen dieser Unternehmen sind vielversprechend.
Klar also, dass sich auch in Hollywoods Reihen etwas tun muss, um die Anlaufstelle Kino auch in Zukunft weiterhin attraktiv zu halten und nicht vollends die Kontrolle über den Zuschauerstrom zu verlieren – denn genau das haben sie in den letzten Jahren ja unentwegt zugelassen.
Und in der Tat: Spricht man mit Regisseuren und Filmschaffenden, stellt man fest, dass den Big Bosses Risiken mittlerweile viel zu risikoreich (haha) geworden sind und man sich lieber 10.000x absichert und ja niemand verprellen will. Das Ergebnis sind weichgespülte Drehbücher, runtergecuttete FSK-Freigaben, merkwürdig seltsame Allgemeinplots und das Fehlen jedweder Nischen, die eine ganz spezielle Klientel – diese dafür dann aber exzellent und nicht nur durchschnittlich ansprechen.
Hauptsache, man lockt so viele Zuschauer wie möglich ins Kino und der Rest ist dann egal. Nun kommen Netflix und Konsorten auf den Plan und vermasseln dieses Geschäft durch ein paar Stellschrauben, die in den großen Studios seit Jahren eingerostet zu sein scheinen: Man erteilt Kreativitätsfreigaben, man macht Gelder locker, man ärgert sich nicht über vergeigte Serien, sondern schöpft aus einem Topf und verteilt einfach an alle.
Hat man sich irgendwo verkalkuliert, holen es drei vier andere Mitspieler durch Mehreinnahmen wieder raus. Dazu greift man nicht zu tief in die Tasche der Nutzer, sondern bietet allumfassenden Service, der im Monat weniger kostet als ein .kinoticket und schon hat man Unterhaltung für den armen Mann.
Soweit, so möglich.
Das Problem ist aber: Filme werden fürs Kino geschaffen und sollten auch auf großen Leinwänden gezeigt werden. Nicht, weil man sie nicht auf kleineren Monitoren schauen könnte, sondern weil es bei Filmen so ist, dass man sie immer nur ein einziges mal “zum ersten Mal” sehen kann. Und dieses Erlebnis wird immens gestört, wenn die Leinwände zu klein sind, die Soundanlage nicht stimmt oder das Publikum einfach das falsche ist. Hier kommt Kino ins Spiel und eröffnet Chancen, die man in seiner eigenen Freundesclique niemals hat, weil da allein schon immer die gleichen Personen zusammen Filme schauen. Natürlich nenne auch ich einen knapp 2m Bildschirmdiagonale-Fernseher mein eigen, aber fragt euch mal, warum Personen wie ich dann trotzdem fast ausschließlich ins Kino rennen und nicht zu Hause vor der Riesenglotze sitzen: Weil alles, was kleiner als eine Kinoleinwand nur noch ein billiger Abklatsch dessen ist, was man im Kino erlebt hat. Am besten vergleichbar mit Fotos, die man im Urlaub geschossen hat und die die Gefühle, Sinneseindrücke und Empfindungen aus dem Urlaub nochmal hervorrufen können – aber immer nur als Abbild dessen und niemals als Original.
Diese Wucht, die bedrohliche Ruhe, die gewaltigen Soundtrack-Eindrücke, das Reagieren von völlig Fremden auf bestimmte Szenen, die Angespanntheit von 256 Personen im gleichen Raum – all das kriegt man mit keinem noch so gut ausgestatteten Heimkino auf die Reihe. Und die meisten dümpeln noch mit 1,09m oder 1,39m Bildschirmdiagonale zu Hause rum. Das ist, als würde man sich die Weltmeisterschaft im Fußball auf seiner Apple-Watch ansehen. Geht, ist aber nicht unbedingt schön.
Und hier erprobt man zur Zeit wieder etwas, das ich persönlich höchst begrüße: Den Zuschauer mit hochwertigem Content zu locken, der das Bildungsniveau ankratzt, aber nicht so dermaßen überstrapaziert, so dass sich auch Hein-Blöd gut unterhalten fühlt, die allgemeine Intelligenz des Zuschauers aber nicht beleidigt wird durch all zu stupide Plots.
Und genau in dieser Liga spielt Criminal Squad: Er taktiert das Action-Genre, reizt seine Möglichkeiten aber nicht bis zur Lächerlichkeit aus, sondern gewahrt eine gewisse American Sniper-Gepflogenheit, die sich von den sonst dermaßen stupiden oder beleidigenden Filmen dieses Genre deutlich abhebt, auch wenn man hier jetzt keinen Meilenstein geschaffen hat.
An dieser Stelle dann Gerard Butler zu nennen, ist vielleicht ein Fehler, weil gerade er für die Sorte Film steht, von der man sich eigentlich distanzieren will, allerdings hat man seinen Bart derart zurechtgestutzt, dass auch er endlich als “gestandener Mann” wahrgenommen werden kann und nicht mehr als Witzfigur. Überhaupt hat man bewiesen, dass es eben nicht ständig irgendwelche zwuseligen Fäden sein müssen, die den “Männern” im Gesicht rumhängen, sondern man mit Gepflegtheit und auch gestutzten Bärten wesentlich mehr anerkennenden Respekt erzielt und sich die destruktive Übertriebenheit an dieser Stelle weniger auszahlt.
Und dass der Plot stellenweise noch Potenzial für wesentlich mehr bereit hält, unterstützt wieder meine Theorie: Man möchte aus dieser Sorte Film in Zukunft noch wesentlich mehr rausholen und “tastet sich mal vorfühlend in die Menge” um zu schauen, wie so etwas angenommen werden könnte.
Dann liegt nämlich hier bereits wesentlich mehr Inhalt für weitere Verfilmungen parat, für die man mit diesem Teil bereits wohlwollend vorgearbeitet hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Männer-Action auf einem Niveau, für das Sicario seinerzeit die Obergrenze gelegt hat: Man distanziert sich von stupider Action und mischt das Genre mit Intelligenzanerkennung des Zuschauers durch und erhält brauchbares, durchtriebenes und gut fundiertes Kino, dass seine Fächer in der Gesellschaft wieder etwas breiter ausgelegt hat.
Meiner Meinung nach ein Film, der die Anfänge dafür setzt, das Kino wieder mit Inhalten zu füllen, die sich vom sonstigen Angebot abheben und die große Leinwand wieder voll auskosten. Daumen hoch – weiter so.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man braucht also nicht sitzen bleiben, sondern darf gleich raus.
Kinostart: 1. Februar 2018

Nur Gott kann mich richten

Leute: GEHT! DA! REIN!
Es ist doch einfach unfassbar: Die Zeit ist absolut reif, um zu sagen: Pumpt etwas mehr Kohle in die deutsche Filmproduktion und wir haben in ein paar Jahren ernsthafte Konkurrenz für Hollywood in unserem eigenen Land!
Klar, auf dem Plakat ist Moritz Bleibtreu zu sehen, der als deutscher bekannter Schauspieler schon einiges verzapft hat und jetzt vielleicht nicht bei jedem Zuschauer Sympathien hervorruft. Nur Gott kann mich richten gehört meiner Meinung nach jedoch zu seinen besten Werken und hält – als Gesamtpaket – die absolute Spitze, was deutsche Filme angeht, derzeit spielend leicht im Alleingang aufrecht!
Die immer wieder erwähnte Tatsache, dass sich dieses Land Tragödien, Dramen und düsterer Materie zuwenden sollte, um cineastisch erfolgreich zu sein, wird einmal mehr überdeutlich aufgezeigt und entfacht in mir die Sehnsucht nach genau solchem Stoff – und zwar viel mehr!
Hier landet man direkt in einem packenden, faszinierenden und gleichzeitig emotional bewegenden Stück schwarzer Filmgeschichte, die gleich von Anfang an fasziniert und mitreißt – und bei der einfach alles stimmt!
Sprache => Dialekt. Ohne Fremdschämen. Klasse!
Soundtrack => hat Hollywoodblockbustern durchaus das Wasser gereicht und erzeugt eine bizzelnde und knisternde Stimmung, die den Big Budget-Produktionen in nichts mehr nachsteht.
Plot / Twist => mag einigen Vorbildern ein wenig nachhängen, ist aber im Rahmen dieser düster-schauerlichen Film-Noir-Atmosphäre richtig gut angepasst und erzeugt Stimmung. Und genau das treibt diesen Film richtig vorwärts und macht ihn zu einem der sehenswertesten deutschen Produkte, die derzeit auf dem Markt zu finden sind.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nutzt die Chance und schaut, was aus deutscher Filmschmiede entstehen kann – auch wenn man hierzulande immer noch auf Erfolge baut, die kaum vorhanden sind: Dieser Film treibt das internationale Ansehen Deutschlands auf Kinoebene weit nach vorne.
Definitiv ein sehr empfehlenswertes, düsteres und ernstzunehmendes Genre, dem sich Özgür Yildirim da geopfert hat – weiter so!

 
Nachspann
Wer auf die Musik abfährt: Kinos haben immer noch geilere Anlagen als mancher zu Hause – ansonsten kommt da nichts weiter.
Kinostart: 25. Januar 2018

Schneemann

Der .trailer sorgte im Vorfeld ja schon bei einigen für Furore und kündigte sich als bildgewaltiges Horrorspektakel an, was in Verbindung mit dem immer genannten Michael Fassbender bei vielen für hohe Erwartungen gesorgt hat.
Um eins vorweg zu nehmen: Die werden nicht erfüllt.
Allen, bei denen jetzt der Gute-Laune-Zeiger mit Hochgeschwindigkeit zu Boden sinkt, sei gesagt: Ganz so schlimm ist es nicht. Das Problem am Film ist meines Erachtens einfach das Drehbuch.
Im großen Ganzen lässt sich nämlich sagen: Der Rest ist wirklich gut, nur der Plot krankt an allen Ecken und Enden, wo immer man ihn kranken lassen kann. Es wirkt fast, als hätten die Macher in diesem Punkt einfach keinen Bock gehabt und sich daher auf die billigste Standard-Variante aller Optionen eingelassen aus Mangel an Kreativität oder unzulänglicher Einflussnahme.
Klar, Buchverfilmung hin oder her, Vorgaben … blabla … im Endeffekt kann man sich mit dem “basierend auf …” auch davon lösen und einfach den besseren beider Filme gestalten, was hier aber nicht getan wurde.
Dies sagt keineswegs etwas über das Schauspiel von Fassbender oder seiner Kollegen aus, noch über die Kulisse und die Optik des Films, die zusammen mit der Kameraführung und der restlichen Technik wirklich herausragend gut sind.
Wer also einfach einen der besten Schauspieler unseres Jahrzehnts wieder vor sich hin professionalisieren sehen will, sollte sich durchaus ein .kinoticket zulegen und die Show einfach genießen, auch wenn der große Showdown in Wirklichkeit gar keiner ist und die Auflösung nicht nur schwelend vor sich hin bruddelt, sondern irgendwie auch gar nicht da ist.
Das große “Häh”-Fragezeichen stand auf jeden Fall nicht nur den Presseleuten auf der Stirn, sondern auch bei vielen Sneakern, die den Film bereits vor Kinostart sichten durften und auch nur mäßig begeistert waren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte entweder ganz ohne Erwartungen in den Film gehen oder sich dessen bewusst sein, dass hier nicht so pompös aufgetragen wird, wie man es im .trailer verspricht.
Dem Film fehlt einfach ein würdiges Ende. Zu sagen, er wäre ein guter TV-Krimi ist ungerecht, dafür ist er viel zu gut, ihn aber im Kino als den Erfolg anzupreisen, ist auch nicht ganz richtig, denn dafür krankt er zu sehr am Drehbuch und den Vorgaben darin.
Alles andere spielt sich auf hohem Niveau ab.

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf also raus gehen und darauf warten, dass es anfängt zu schneien.
Kinostart: 19. Oktober 2017

High Society

Da hab ich das deutsche Kino kürzlich noch so überdramatisch gelobt für seine neue Richtung, die es jetzt lobenswerterweise geht und die auch beim Publikum wie mir absolut anschlägt, schon steht das nächste Negativbeispiel auf dem Plan, weswegen ich mir mit der Rezension zu diesem Titel auch ein wenig Zeit gelassen habe.
High Society steht wieder für deutsche Comedy, wie ich sie aus allen Poren verachte. Sorry, Leute: Das ist einfach nur ein billiger Griff ins Klo. Unwitzig, belanglos, langweilig. Einzig Jannis Niewöhner macht eine einigermaßen gute Figur und behält in seinem Part bei diesem Trauerspiel wenigstens noch ein wenig seine Würde, der Rest gehört für mich schon per se zur verachteten Spezies – nicht zuletzt, weil ich genau dieser “High Society” absolut nichts abgewinnen kann und es abscheulich finde, wie man hier beispielsweise mit dem Leid anderer umgeht und dazu meint, die Menschen “unterhalten” zu können auf Kosten solcher Menschen.
Den Darstellern gehört für diese Rolle allen mal mächtig der Arsch versohlt, um zu zeigen, dass so etwas absolut nicht unterstützt werden sollte, sondern man sich mit viel mehr Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit solchen Thematiken widmen sollte. Denn die eigentliche Absicht, hier den Zwist darzustellen, die beide Klassen in der Gesellschaft spaltet, geht in der Lächerlichkeit der Darstellung komplett unter und darum versagt auch jedweder Versuch von Moral und Lehrreichtum in diesem Stück.
Und auch im restlichen Saalpublikum wurden eher Aufrufe wie “Oh mein Gott, nicht dein Ernst” laut statt dass die Szenen mit Lachern gefeiert wurden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein armseliges Beispiel dafür, dass die Zeit für deutsche Komödien abgelaufen ist.
Die Zuschauer fanden’s nicht witzig, ich auch nicht und man fühlt sich peinlich beschämt, wenn man den Lifestyle und das Benehmen der High Society in diesem Film sieht und sich dazu so seine Gedanken macht.
Sorry, sowas geht absolut gar nicht!

 
Nachspann
beinhaltet keine weiteren Szenen, man darf also beim Abspann gleich nach draußen.
Kinostart: 14. September 2017

Griessnockerlaffäre

Mit den Kinoverfilmungen der Rita Falk-Bücher hat man zumindest in Bayern ein exzentrisches Epos losgetreten, dass vor Lokalität und Originalität nur so trieft. So sehr ganz Deutschland schimpft, den Weißwurst-Äquator gezogen hat und man Bayern vornehm aus dem Rest des Landes ausgrenzt, so sehr lecken sich nun alle außerhalb dieses – in meinen Augen – besten Bundeslandes die Finger nach den Vorstellungen in den Lichtspielhäusern.
Und das zu Recht: Eberhofer und seine Eskapaden begeistern ganz Deutschland. Sein Charme ist ungebrochen und die durchtriebene Art von ihm und seinen Artgenossen ist bislang einzigartig. Nie zuvor hat es ein so dermaßen erfolgreiches Lokal-Filmfranchise mit bisher über 1,6 Millionen Zuschauern gegeben, das mit derartigem Humor und einer so erzählerischen Kraft auftrumpfen konnte, wie die Eberhofer-Verfilmungen.
Und ich liebe sie alle. Nicht nur die bisherigen Teile Winterkartoffelknödel, Dampfnudelblues und Schweinskopf al dente, sondern auch die Charaktere, die sie durch alle Teile hindurch schleifen und mit immer neuen Problemen konfrontieren. ENDLICH gibt es mal Menschen auf der Leinwand, deren Nationalität deutsch ist und denen man nicht permanent die Fresse einschlagen möchte, weil sie so gekünsteltes Theater-Hochdeutsch quatschen, was jenseits aller Realität ist. Adieu, schlechtes Fernsehen, willkommen in einer authentischen, mit liebevollen Details und viel Ungewöhnlichkeit verzierten kleinen Welt, die noch nicht mal richtig zur Hochblüte gekommen ist, aber uns allen jetzt schon tief im Herz verwurzelt die Sonne in den Alltag wirft.
Und das schöne daran: Die Autorin der Bücher schreibt aktiv und die Verfilmungen werden – dank der extremen Nachfrage – wohl auch nicht so schnell aufhören. Gut so, denn Eberhofer schau ich mir auch in 10 Jahren noch gerne an – sofern man auf diesem Niveau weiterarbeitet und den Cast nicht austauscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Urtypisches Meisterwerk mit bayerischem Originalrezept: Die Idee der Bücher ist genial und wird mit einem hervorragenden Cast in den Verfilmungen kontinuierlich mit zutiefst schwarzem Humor umgesetzt.
Es ist spannend, originell, und echt bayerisch: Neben der Mundart kommen so viele lokaltypische Elemente zum Einsatz, die nicht nur zum Schreien komisch, sondern vor allem unglaublich nah an der Realität sind und somit ein glaubwürdiges Bild dieses Kosmos’ vermitteln.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, glänzt aber dennoch mit grafischem Charme.
Kinostart: 3. August 2017

Live by Night

Die Generationen vor uns hatten Francis Ford Coppola’s Der Pate, dessen unerreichte Genialität und Zeitlosigkeit bis heute unübertroffen ist.
Nicht umsonst stehen bis dato noch hochpreisige Boxen dieser Trilogie in den Ladenregalen und erfreuen sich auch bei der Käuferschaft immer noch großer Beliebtheit.
An diese unerreichte Meisterleistung hat sich seitdem keiner mehr so wirklich rangetraut. Klar hat man auch in Hollywood versucht, Geschichten dieser Art in neuem Gewand zu verkaufen, aber entweder waren diese Unterfangen schon von vornherein zum Scheitern verurteilt oder haben sich während der Spielzeit selbst ihr Grab geschaufelt. Man versuchte zu kopieren, “auch etwas großartiges zu schaffen” und wenn bei einer solchen Sache nicht alle (auch die unbekannten) Faktoren genauso zusammenkommen, kann das nicht in dem Ausmaß funktionieren, wie es Der Pate vorgemacht hat.
Das zumindest beweist, dass es nur ein echtes Original gibt und alles andere entweder abgekupfert oder schlecht gekonnt wirkt und nie so richtig tief in die Essenz des Films einsteigt. Dabei hat die Thematik, die auch Live by Night aufgreift, so viel Schöpfungskraft und Erzähldichte, dass man hier schier unendliche Storys bereitstellen könnte.
Woran Johnny Depp in Black Mass scheiterte, wo sich Tom Hardy verzweifelt in Legend emporkämpfte, daran erblüht Ben Affleck nun in Live by Night.
Der Film steigt genauso langfristig und solide ein, wie Der Pate, wo es auch erstmal eine geschlagene halbe Stunde dauert, bis man überhaupt in der Sachlage durchsteigt. Man schafft hier genau das gleiche solide Erzählfundament und arbeitet sich bis zum Schluss permanent weiter nach oben.
Salopp gesagt hatte ich größte Schwierigkeiten zu Beginn des Films, ausgehend von den abartig krassen Trailern im Vorfeld, in die Ruhe und Gediegenheit zurückzufinden, die hier konsequent ausgelebt und permanent gesteigert wird. Ist man aber erstmal drin, macht selbst die lange Spielzeit absolut nichts mehr aus, denn Affleck vollbringt das Wunder, in mir den Gedanken hervorzurufen, dass diese Generation nun auch endlich einen eigenen Paten ihr eigen nennen darf.
Der Junge hat ja auch vorher schon mehrmals bewiesen, dass in ihm nicht nur ein schlechter Daredevil sondern ein wahnsinnig guter Regisseur steckt, der durchaus etwas zu sagen hat und dies auch überzeugend auf die Leinwand transportiert bekommt.
So beweist sich im Film oftmals auch die Tatsache, dass er nicht nur an das große Vorbild der ehemaligen Generation X anknüpft, sondern auch dessen Wesenszüge studiert und verstanden hat. Die Liebe zur Familie, der Bezug zum Geschäftlichen, die krassen Gegensätze zwischen Tod und Leben, selbst die Härte der Durchschlagskraft der einzelnen Ziele wurde hier genauso aufgegriffen, wie man es aus Coppola’s Zeiten kennt.
Auch wenn man dem Werk letztendlich den Nachahmereffekt nicht gänzlich absprechen kann, so ist diese Kopie jedoch in meinen Augen sehr gut gelungen und läuft in der zweiten Hälfte des Films dann zur Höchstform auf.
Die floppende Wirkung in den Kinos kann ich mir daher nur durch die durchaus miese PR vorstellen, denn der Trailer macht auch nicht unbedingt Lust auf den Film.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des klassischen Kinos kommen mit etwas Vorsprungs-Zeit hier voll auf ihre Kosten.
Mit Live by Night erwächst ein neuer Filmmeilenstein, der den Paten der heutigen Generation darstellt und im Laufe der Spielzeit zu immer höheren Zielen aufläuft und diese herausragend erreicht.
Und nicht nur Story, Hintergründe, Schauspieler und Effekte, sondern auch der Soundtrack zeigt, dass man sich hier im oberen Milieu aufhält.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also aufspringen und raus. Was gibt es eigentlich immer so wichtiges, dass da jeder wie bekloppt rennt?

Boston

Genau wie auch schon bei Sully kommt hier wieder eine Verfilmung, die nicht durch trickreiche Plot-Twists brillieren kann, da die Geschichte bereits landesweit durch die Medien gegeistert ist und so ziemlich jeder aufmerksame Nachrichten-Verfolger durchaus weiß, zu welchem Ende diese Story führt.
Sofern schließt das von vornherein schon mal alle Politik- und Weltgeschehen-Interessierten aus, hier einen durchaus spannenden Film zu sehen, der eine unglaubliche Geschichte wiedergibt und verarbeitet. Da man sich seitens der Macher dieses Umstandes auch ganz und gar bewusst zu sein schien, hat man sich auch von vornherein gar nicht erst die Mühe gemacht, hier irgendwas zu verschleiern oder mit Überraschungsmomenten aufzutrumpfen, sondern erzählt relativ bodenständig und souverän den Hergang aus allen möglichen Blickwinkeln.
Dies baut eine mehr oder weniger gelungene Handlungsverzweigung auf, da die Schauspieler hier nicht durch übermäßiges Talent glänzen, sondern halt einfach ihr Ding machen und man sich auch nicht großartig Zeit dafür nimmt, die Charaktere mit emotionaler Verbundenheit aufzuladen, sondern die einzelnen Stränge mehr oder weniger abfrühstückt.
Insgesamt hat sich mir der Anfang des Films als viel zu langwierig, wenig patriotisch und langatmig präsentiert, so dass ich glaube, dass durchaus das Gros der jugendlichen Kinozuschauer hier ihre Schwierigkeiten mit dem Film haben könnten.
Gegen Ende des Films wird es dann tatsächlich etwas besser. Es kommt mehr Drive in die Sache, die Erzählgeschwindigkeit wird durch mehr Actionmomente angehoben und die Anforderungen, die man aus den Szenen, die im Trailer angeteasert wurden, erwartet, werden zumindest entschädigt.
Dass man am Ende sehr gefühlvoll seine Respektsbekundung äußert, hier aber auch kein heroisches Denkmal menschlicher Interaktion aufträgt, lässt Zweifel am Originaltitel aufkommen (Patriot’s Day).
Dennoch war Wahlberg besser in seiner Rolle als der Trailer vermuten ließ und machte im Film durchaus seine Sache vorbildlich. Allerdings sehe ich auch viel Enttäuschung auf Seiten der Kundschaft, denn im Kino erwartet man irgendwo Spektakuläres, Spannung, Interessantes und irgendwo auch Schnelligkeit, die in einer Zeit, wo man nicht mit dem ersten Moment an sofort Aufmerksamkeit erzeugen kann, weil man anschließend über die Facebook-Timeline weggewischt wurde, geradezu überlebenswichtig für den Film ist.
Das Publikum sehe ich hier also eher in denen, die bei den Geschehnissen live dabei waren, evtl. sogar persönlich betroffen sind oder einfach die Zeit mit anderen gemeinsam neu aufarbeiten möchten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte entweder völlig unvoreingenommen an die Sache rangehen und hier auch absolut keine Ahnung von den Geschehnissen aus dem Jahr 2013 haben, um im Kino dann eine überraschende Story geliefert zu kriegen.
Ansonsten bekommen man hier die aufgearbeitete Version der Vorfälle am 15. April geliefert, die die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln darstellt und hier nicht mit sonderlich packender Erzählweise vermittelt wird.
Der Anfang ist zäh, gegen Ende wird es besser – Wahlberg ist insgesamt klasse, jedoch fehlt mir persönlich einfach das gewisse Etwas, um diesen Film tatsächlich großartig sein zu lassen.

 
Nachspann
kommt nichts mehr. Rausgehen erlaubt.

Schweinskopf Al Dente

Das Wunder ist geschehen: Es gibt eine deutsche Filmreihe, die ich genial und urkomisch finde: Dampfnudelblues, Winterkartoffelknödel und darauf folgend Schweinskopf Al Dente.
Das neuste Werk besticht wieder mit seinen typischen Charakteren und dem bayerischen Slang, der einmal mehr beweist, dass man durchaus deutsche Filme in Mundart produzieren kann, die vom Publikum geliebt werden und die auch den Weg in die (zumindest bayerischen) Kinos schaffen.
Die lakonisch-trockene Art des Hauptdarstellers trifft genau meinen Geschmack und ist nur eines von vielen Schmankerl, die man im Film vorgesetzt bekommt. Buchautorin Rita Falk hat hier ein Universum geschaffen, das man gerne am Sonntagabend im Fernsehen vorgesetzt bekommt und die Verfilmungen bestechen mit derartiger Schaffenskunst, dass sich die Kinos mehr oder weniger darum reißen, diesen Streifen zeigen zu dürfen.
Auch im dritten Teil ermittelt man wieder auf die bekannt-charmante Art und Weise und trägt hier mit bekannten Elementen dieser Filmreihe auf, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Genau das ist auch einer meiner Kritikpunkte am aktuellsten Fall: Man verfällt ein wenig in die Lethargie funktionierender Elemente und hat etwas den Biss verloren, den die beiden Vorgängerteile noch lieferten.
Dass die Geschichte noch lange nicht auserzählt ist, verraten hier einige eindeutige Hinweise und es bleibt zu hoffen, dass man wieder zu der Kaltschnäuzigkeit des ersten Teils zurückfindet, wenn Kommissar Eberhofer 2017 erneut die Leinwand betritt. Bis dahin darf man sich aber genüsslich zurücklehnen und hervorragende deutsche Unterhaltung genießen – im wahrsten Sinne des Wortes.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier ist sie: Die deutsche Filmreihe, die ich prächtig finde und an der ich wirklich richtig Spaß habe.
Mit Schweinskopf al dente beweist man einmal mehr, dass unser Land doch im Stande dazu ist, Unterhaltung zu produzieren, auf die man auch international stolz sein kann. Humor, charaktive Ausgewogenheit und ein spannungsträchtiger Plot: Hier gibt es wirklich kaum etwas, das nicht passt.
Wer die Möglichkeit findet, den Film im Kino zu sehen: rein da. Alle anderen warten auf die Ausstrahlung in den öffentlich-rechtlichen Medien, denn der wird definitiv deutsche Kinogeschichte schreiben.

 
Nachspann
mit einem Wort: SitzenbleibenbiszumSchlussdanke. 😉

Regression

Der Zuschauer wird gleich zu Anfang genretypisch auf eine Reise Marke “basierend auf wahren Begebenheiten” geschickt, die passenderweise in Amerika spielt und von Kuriositäten nur so geprägt ist. Dass der Bürger hierzulande permanent mit dem Durchgeknalltesten von der anderen Seite des großen Teichs gefüttert wird, bringt eher nur noch zusätzliche Bonuspunkte auf den Teller, durch die eine Geschichte wie Regression wirklich funktioniert.
Was mir persönlich sehr gefallen hat, war, dass man den Faden zur Realität nicht gleich am Anfang im Feuer verbrennen lässt, sondern durch die Ermittlungen durchaus gediegen, aber nicht zaghaft die Schritte der Reihe nach in die Welt des Irrsinns tätigt.
Billige Horrorfilme schmeißen einen in völlig unrealistische Zustände, während hier schön subtil gearbeitet wird und man so vom Horror komplett Abstand nimmt und sich eher auf Psychothriller mit Tendenz zum Krimi konzentriert und so eine schön solide Geschichte schafft, die sogar Tatort-Fans Spaß machen dürfte. Suspense-Kino vom Feinsten.
Das Abtauchen in die Welt des Unbekannten geschieht langsam, aber konsequent und endet in einer Erkenntnis-Weisheit, von der sich viele – auch hierzulande – noch eine große Scheibe abschneiden dürfen, wenn es um dieses wichtige Thema geht.
Die Art, wie man von Ethan Hawke durch die Geschehnisse geführt wird, macht bis zum Schluss wirklich Laune. Die bitterböse Entäuschung, wenn die Professionalität auf einmal kippt, oder das Gezeigte zu abstrus wird, bleibt hier schlichtweg aus, da man sowohl beim Handlungsstrang als auch der Erzählweise sowie den “Schockmomenten” (doofes Wort in diesem Zusammenhang) schön auf dem Boden der Realität bleibt, was die Schocker ironischerweise fast noch etwas grausamer dastehen lässt.
Sehr schönes Kino, das ein Thema aufgreift, von dem gerne noch sehr viel mehr ins Lichtspieltheater kommen darf, denn die volle Bandbreite dessen, was man daraus hätte machen können, hat man längst nicht abgefrühstückt. Ich möchte nicht soweit gehen und sagen, Regression wäre oberflächlich, aber Spielraum nach unten besteht definitiv.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man beginnt eine Reise in die Abgründe der menschlichen Psyche und entdeckt dabei jede Menge interessanter Fakten über das Funktionieren des Individuums.
Die SchauspielerInnen liefern solide Arbeit ab und bleiben bei ihren Showeinlagen nahe an der Realität, was den Film gleichermaßen bodenständig wie angsteinflößend macht und so für eine gute Mischung an Psycho-Grusel sorgt.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Man hätte sich noch tiefer in die Thematik eingraben und somit noch wesentlich mehr Intellektuellen-Bonus abgreifen können, so beschränkt man sich auf einen wunderbaren Film, der aber Lust auf mehr macht, denn die Vollständigkeit dieses Themas wurde noch lange nicht ausgereizt.

 
Nachspann
gibt es keinen, man darf den Saal ohne Hemmungen verlassen.

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