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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Peter Berg

Mile 22

Mark Wahlberg ist bislang für mich immer so ein klein wenig der Hollywood-Luschi gewesen: Transformers – alle anderen sahen großartig aus, er dümpelt so ein bisschen vor sich hin, Boston – schrecklicher Vorfall, aber auch nur so halblebig gespielt und das ganze Comedy-Gelump hat er meiner Meinung nach nie so richtig beherrscht, sondern war eben einfach “da”.
Und dann kommt Mile 22 und ich sehe einen ernsthaften, permanent stinksauren und mega seriös spielenden Mark Wahlberg auf der Leinwand und kann dieser Person auf einmal abkaufen, dass er doch zu mehr in der Lage ist, als einfach nur der Prominenten-Lückenfüller fürs Plakat zu sein: Diesmal ist er wirklich großartig und entblättert eine auch patriotisch angehauchte Szenerie, die aber nicht in Amerikanismus ertrinkt, sondern eben einfach gut unterhält.
Und das ganze Konzept des Films ist diesmal ein völlig anderes: Er als Charakter braucht nicht den lonesome-hero spielen, den man ihm sonst immer andichtet, sondern er darf innerhalb einer Truppe fungieren und liefert in Kombination mit dem Soundtrack und den gezeigten Bildern, die auch die richtige Geschwindigkeit und Erzählfluss liefern, eine grandiose Show ab.
Nun mag man sich darüber aufregen, dass die Amis hier wieder viel zu stark auf die Kacke hauen, man großartiges Potenzial verschenkt, weil die Ideenansätze endlich mal geil sind, aber in einer unfassbar unrealistischen Ader ausgelebt werden und man hier eben wieder maßlos “leinwandübertreibt”, aber genau das macht Mile 22 zu dem was es ist: Großartiges Actionkino, auf das man sich einlassen kann – aber nicht braucht. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Was ich dazu aber noch anmerken muss: Im Original hören sich Dialoge, Funksprüche und anderes dann eben doch “amerikanischer” und damit um ein vielfaches echter an, als es in der deutschen Synchro der Fall ist, auch wenn diese gut übersetzt und auch stimmlich ganz gut ausgewählt wurde: Wer den wirklichen Thrill will: Choose the OV-Version!
 

.kinoticket-Empfehlung: Action-Kino inmitten der Sahnetorte, die man gleich mal mit dem Erdboden gleich macht!
Wahlberg in Höchstform und auch seine Mitstreiter liefern hier ein Ensemble, dass richtig in Fahrt kommt, auf die Kacke haut und genau das liefert, wozu dieses Ding da ist: Männerabende füllen und anschließend im Kino richtig zu feuern, ohne dabei auf Herzschmerz und Intelli-Gelüste zu achten.
Popcorn nehmen, Bierchen öffnen, Hirn aus, Augen auf und los geht’s. Beste Unterhaltung garantiert.

 
Nachspann
❌ liefert keinen Nachschlag, es darf also aufgestanden werden.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mile 22
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16 | R

Boston

Genau wie auch schon bei Sully kommt hier wieder eine Verfilmung, die nicht durch trickreiche Plot-Twists brillieren kann, da die Geschichte bereits landesweit durch die Medien gegeistert ist und so ziemlich jeder aufmerksame Nachrichten-Verfolger durchaus weiß, zu welchem Ende diese Story führt.
Sofern schließt das von vornherein schon mal alle Politik- und Weltgeschehen-Interessierten aus, hier einen durchaus spannenden Film zu sehen, der eine unglaubliche Geschichte wiedergibt und verarbeitet. Da man sich seitens der Macher dieses Umstandes auch ganz und gar bewusst zu sein schien, hat man sich auch von vornherein gar nicht erst die Mühe gemacht, hier irgendwas zu verschleiern oder mit Überraschungsmomenten aufzutrumpfen, sondern erzählt relativ bodenständig und souverän den Hergang aus allen möglichen Blickwinkeln.
Dies baut eine mehr oder weniger gelungene Handlungsverzweigung auf, da die Schauspieler hier nicht durch übermäßiges Talent glänzen, sondern halt einfach ihr Ding machen und man sich auch nicht großartig Zeit dafür nimmt, die Charaktere mit emotionaler Verbundenheit aufzuladen, sondern die einzelnen Stränge mehr oder weniger abfrühstückt.
Insgesamt hat sich mir der Anfang des Films als viel zu langwierig, wenig patriotisch und langatmig präsentiert, so dass ich glaube, dass durchaus das Gros der jugendlichen Kinozuschauer hier ihre Schwierigkeiten mit dem Film haben könnten.
Gegen Ende des Films wird es dann tatsächlich etwas besser. Es kommt mehr Drive in die Sache, die Erzählgeschwindigkeit wird durch mehr Actionmomente angehoben und die Anforderungen, die man aus den Szenen, die im Trailer angeteasert wurden, erwartet, werden zumindest entschädigt.
Dass man am Ende sehr gefühlvoll seine Respektsbekundung äußert, hier aber auch kein heroisches Denkmal menschlicher Interaktion aufträgt, lässt Zweifel am Originaltitel aufkommen (Patriot’s Day).
Dennoch war Wahlberg besser in seiner Rolle als der Trailer vermuten ließ und machte im Film durchaus seine Sache vorbildlich. Allerdings sehe ich auch viel Enttäuschung auf Seiten der Kundschaft, denn im Kino erwartet man irgendwo Spektakuläres, Spannung, Interessantes und irgendwo auch Schnelligkeit, die in einer Zeit, wo man nicht mit dem ersten Moment an sofort Aufmerksamkeit erzeugen kann, weil man anschließend über die Facebook-Timeline weggewischt wurde, geradezu überlebenswichtig für den Film ist.
Das Publikum sehe ich hier also eher in denen, die bei den Geschehnissen live dabei waren, evtl. sogar persönlich betroffen sind oder einfach die Zeit mit anderen gemeinsam neu aufarbeiten möchten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte entweder völlig unvoreingenommen an die Sache rangehen und hier auch absolut keine Ahnung von den Geschehnissen aus dem Jahr 2013 haben, um im Kino dann eine überraschende Story geliefert zu kriegen.
Ansonsten bekommen man hier die aufgearbeitete Version der Vorfälle am 15. April geliefert, die die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln darstellt und hier nicht mit sonderlich packender Erzählweise vermittelt wird.
Der Anfang ist zäh, gegen Ende wird es besser – Wahlberg ist insgesamt klasse, jedoch fehlt mir persönlich einfach das gewisse Etwas, um diesen Film tatsächlich großartig sein zu lassen.

 
Nachspann
kommt nichts mehr. Rausgehen erlaubt.

Deepwater Horizon

“Oh mein Gott, nicht schon wieder ein Film, wo ein reales Ereignis verfilmt wird, das jetzt wieder bis aufs Blut ausgeschlachtet wird? Muss man wirklich alles zu Geld machen?”
So, oder so ähnlich könnte es einem ergehen, wenn man den Titel liest und sich Gedanken darüber macht, dass genau das eintreffen wird. Und der Trailer präpariert das Hirn zusätzlich mit amerikanischem Patriotismus, dem typischen Heldenmut und einer Story, die unter aller Sau ist.
Und tatsächlich, die ersten Sekunden des Streifens lösten im Kinosaal das blanke Entsetzen aus, keiner hatte wirklich Lust auf den Titel. Allgemeines Raunen ging durch die Reihen.
Sobald dann das Bild einsetzte, wurden die Stimmen leiser.
Und im Verlauf des Films saßen glaube alle mit offenem Mund betroffen schweigend da.
Was Deepwater Horizon in einer unermüdlichen und überzeugenden Weise generiert, sind Bilder, die deine Seele tief berühren. Nicht nur von den Kameraeinstellungen her, sondern die Eindrücke sind so gewaltig, dass wirklich jedem irgendwann der Atem stockt und man einfach nur gebannt auf das Geschehen starrt, ohne auch nur eine Sekunde seine Augen davon abwenden zu können.
Die Bildgewalt, die hier auf einen runterprescht, ist teilweise so heftig, dass im Saal nur noch Totenstille herrschte und keiner auch nur ansatzweise etwas anzumerken hatte oder sich in irgendeiner Weise äußerte.
Auch die vom Trailer angeschnittene Heldenehre, die sich die USA so gerne auf die Fahnen schreiben, wurde so dezent eingesetzt, dass sie nicht auf die Nerven geht, sondern tatsächlich dem Geschehen den Raum lässt, den es verdient. Und die Momente sind abartig, das vermag man sich als Zeitungsleser oder Nachrichtenschauer gar nicht ausmalen.
Die Umsetzung ist wirklich erstklassig und imposant und hinterlässt bei jedem Kinosaalbesetzer tiefe Furchen im emotionalen Spielfeld. Und das ist gut so.
Auch wenn im Abspann wieder die übliche Dramatisierung für unterhaltsame Zwecke-Meldung aufkreuzt, so empfinde ich den Film dennoch als wichtig, aufklärend und lehrreich, denn man bekommt als Zuschauer nicht nur ein Ereignis bildhaft vor Augen geführt, das tatsächlich so passiert ist, sondern erhält auch ganz tiefe Einblicke in diesen Zweig der Wirtschaft und fühlt sich gewissermaßen ein Stück weit selbst mitverantwortlich für die Geschehnisse, da man als “Kunde” tatsächlich auch irgendwo dafür sorgt, dass derartige Unternehmungen überhaupt stattfinden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die tiefe Betroffenheit, die ehrliche Bodenständigkeit und das sanfte Dahinscheiden des amerikanischen Heldenpatriotismus machen aus diesem Film ein Stück wertvolle Geschichtsaufarbeitung, die die Menschen ehrt, die bei dem wahren Ereignis 2010 ihr Leben gelassen haben.
Ich würde sagen, der Trailer hat mit dem Film überhaupt nichts zu tun und bete dafür, dass genügend Menschen über ihren Schatten springen und sich diesen Film ansehen – denn er ist es wirklich wert und trifft einen tief in seiner Seele.
Erstklassiges Kino, erstklassige Unterhaltung und eine wunderbare Geste von Kurt Russell an die Opfer des Unglücks.

 
Nachspann
folgt keiner, man darf dann gern wieder nach draußen.

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