.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Partys

Dream Boat

Dream Boat entführt an einen Ort, der der Öffentlichkeit bisher verborgen blieb und ermöglicht so zum ersten Mal in der Geschichte dieses Schiffes einen Einblick in die einmal jährlich stattfindende Reise, auf der sich unterschiedliche Kulturen mit einem gemeinsamen Ziel treffen.
Tristan Ferland Milewski begleitet hierbei mit seinem Kamerateam verschiedene Charaktere aus unterschiedlichen Ländern, deren Probleme alle anderen Ursprungs sind und offenbart somit einen Einblick in eine Szene, die heute noch von vielen nicht verstanden wird.
Kritikpunkt meinerseits ist ganz klar, dass auch hier keine internationale Verständigung geschaffen werden will, da wieder nur einseitig beleuchtete Extreme dieser Sphären gezeigt und offen ausgelebt, während die vergleichsweise “langweiligen Normalos” ausgespart werden. Das führt erneut zu der Verzerrung, die von den Medien schon seit Jahrzehnten betrieben und der Öffentlichkeit als Manko vorgehalten wird.
Klar versucht man, hier die menschlichen Komponenten einfließen zu lassen und über die Gefühlswelt Zugang zu den Persönlichkeiten zu gewähren, dies gelingt jedoch nur teilweise und fördert eben meiner Meinung nach wieder ein falsches Gesamtbild zutage, unter denen viele Betroffene immer noch zu leiden haben.
Ich kann mir extrem gut vorstellen, dass sich viele “Interessierte” im ersten Teil des Films eher angeekelt abwenden werden und der vielleicht erwartete Keim Hoffnung auf Toleranz, den man mit diesem Film wohl schaffen wollte, nach diesen Einblicken wohl eher ins Gegenteil verkehrt wird.
Systematisch zerkleinert man hier jedes Klischee und führt es ausgiebig vor, bis am Ende nur noch der freigemeißelte Brocken Entschuldbarkeit dasteht, mit der man die für andere abstruse Lebensweise zu rechtfertigen sucht.
Und damit hat der Film für mich thematisch gänzlich versagt. Wenn mir hinterher Presseleute erzählen, dass sie durch den Film einen tollen Einblick in die Kultur dieser Menschen gewonnen haben und jetzt endlich mal wissen, wie die überhaupt so sind, dann wird mir eher Angst und Bange – weil nämlich längst nicht alle so sind, sondern die gezeigten Modellbeispiele nur einen kleinen Teil der gesamten Anhängerschaft ausmachen.
Was man behaupten kann (und sollte), ist, dass die Dokumentation einen Einblick in Teile dieser Gesellschaft gewährt und man ein paar einzelne Schicksale erfolgreich dokumentiert hat, dies jetzt aber zu einem allgemeingültigen Aushängeschild für eine komplette Truppe zu machen, halte ich vollends für falsch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Anhänger und Freunde finden hier ein gefundenes Fressen und feiern sich komplett selbst, während der Bezug zum Rest der Welt durch die unkommentierte Dokumentation einzelner Beispiele vollends verbaut wird, da diese Hauptdarsteller keineswegs als Fallbeispiel für eine ganze Kultur dienen können.
Gut gemacht – innerhalb der oben genannten Grenzen – und positiv aufgefallen durch seine internationale Auseinandersetzung mit dem Thema, welches durchaus auch heute noch viel Kummer und Leid in den Herzen der Betroffenen auslöst.
Wer sich den Film ansehen will, darf dies gerne tun, sollte jedoch hinterher unbedingt Redebedarf anmelden um sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen zu können.

 
Nachspann
kommt keiner, nach der Abblende darf man also verschwinden.
Kinostart: 13. Juli 2017

Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse

Zur Zeit macht ja so eine Art “Schulfilm-Serie” die Runde. Jeder halbwegs bekannte (Möchtegern)-Promi dreht seinen eigenen Film, neue “Stars” aus “ganz normalen Verhältnissen” drehen ihre eigene Show fürs Kino und machen ihre Pseudoberühmtheit dadurch scheinbar zur Realität.
Ich habe das Phänomen YouTube zwar beobachtet, bin aber selbst nie auf den Zug aufgesprungen – nicht mein Ding. Nun rächt sich die Community quasi an mir, indem sie mein geliebtes Kino infiltriert und mit Machwerken, die an die poröse Professionalität ambitionierter Filmproduzenten anschließen, die Massenleinwand erobert.
Daraus resultierend erobert zur Zeit gerade eine Art “Schulhof-Humor” die Säle und fordert so das ein oder andere Opfer guten Geschmacks. Ohne Zweifel zünden die Jokes gewiss innerhalb eines gut gefüllten Saals mit eben jenen Jugendlichen, die den flacheren Witzen und scheincoolen Plattitüden etwas abgewinnen können, um sich hinterher cool auf die Schulter zu klopfen und damit zu brüsten, was sie für tolle Szenen auf ihren Handys haben, jedoch fällt dieses Gerüst unaufhaltsam in sich zusammen, sobald man mit ernsthafteren Menschen oder gar alleine im Saal sitzt – geschweigedenn zu Hause auf der Couch mit Blick gen TV.
Den Unterschied, den Scouts vs. Zombies hier macht, ist die handwerkliche Arbeit, die hinter der Produktion steht und nicht nur Kamerafahrten, sondern auch Bluteinlagen und Animationen gut aussehen lässt. So flachbrüstig die Story dahinplätschert, so gewiss ist der Sprung zur akzeptablen Kinowürdigkeit geschafft. Hier sind es eben nicht mehr nur YouTube-Filmer, die im Learning-by-doing-Prinzip das Drehen von halbwegs anständigen Clips in aneinandergereihter Form auf die Reihe bringen und dabei auch etwas weiter über den Rand der gebotenen Möglichkeiten des häuslichen Camcorders hinaus gehen, sondern man kommt von ganz oben und breitet einer neuen Generation einen Teppich aus, auf dem sie aufsteigen oder fallen kann.
Das hat durchaus seine Daseinsberechtigung, sind es doch gerade diese Filme, die den Zeitgeist einer Generation und damit eines Jahrzehnts widerspiegeln, an denen sich in ein paar Jahren Kritiker und Geschichtsstudenten orientieren. Was jetzt nicht bedeutet, dass man sich dieses Prozedere unbedingt ansehen muss. Es sei denn, man ist Geschichtsstudent.
Die zuvor angewandte Taktik eines geschnittenen (!) Trailers, der in der 23 Uhr-Vorstellung über die Leinwand flimmerte, während man in der 14 Uhr-Vorstellung bereits das volle Blut spritzen ließ, ist in meinen Augen eher PR, um so auf eben jene Drüsen zu drücken, die das junge Publikum ins Kino holen und damit den Streifen zu einem kommerziellen Erfolg machen. Dass es hier nicht unbedingt um das Mitteilen einer wichtigen Message geht, schließt ja schon aus dem bereits im Titel erwähnten Genre, das seit The Walking Dead im Anschluss an den vorherigen Twilight-Vampir-Wahn zur Zeit gerade seine Hochblüte feiert und damit definitiv den Schritt aus der Nische heraus getan hat.
Allerdings bewegt man sich hier nicht im Bereich eines Klassikers à lá George R. Romero noch in ernstzunehmenden Studien, die man mit fantastischen Geschichten auf der Leinwand völlig konsequenzfrei abfeiern kann, sondern bleibt eben innerhalb dieses intellektuellen Schulhofs gefangen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hat man die Volljährigkeit noch nicht erreicht und schafft es trotzdem ins Kino, kriegt man hier den Spaß von spritzendem Blut, völlig unernsten, aber von Profis inszenierten Zombie-Jagden präsentiert, die sich nicht hinter Unprofessionalität verstecken müssen.
Das größte Problem ist wohl: Vorhersehbarkeit hat ein neues zu Hause gefunden => diesen Film. Selbst, dass – und vor allem, was für ein Nach-Nachspann kommen würde, konnte ich bereits vorab erwähnen und lag mit meiner Vermutung goldrichtig.
Die von den Anstalten zensierte Brutalität dieses Films gehört für mich absolut zum Konzept dazu, denn ohne das funktioniert das komplette Gebilde überhaupt nicht. Leider reicht das aber nicht, um im Horrorhimmel neue Sterne entstehen zu lassen, sondern sorgt eher nur für ein müdes Lächeln auf den Gesichtern altbackener Horror-Fans – und darüber hinaus höchstens für coole Sprüche auf dem Schulhof.
Mein Tipp daher: Nicht vom Trailer in die Irre führen lassen, sondern seine Ansprüche niedrig halten und dafür ein paar Klassenkameraden mit ins Kino schleifen, dann kann auch das ganz gut funktionieren.

 
Nachspann
sollte man abwarten, bis der klassische Durchlauf-Nachspann kommt, dann kriegt man auch die letzten Szenen mit.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén