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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Oper

Mackie Messer – Brecht's Dreigroschenfilm

Die Mission “Operisierung des Kinos” schreitet voran und bekommt mit Mackie Messer einen Film, der sich gehörig gewaschen hat und selbst die Theaterwelt auf den Kopf stellt. Seinerzeit von Brecht inszeniert erlebt das Kino des modernen 21. Jahrhunderts ein Revival der Rebellion gegen die Künste der Gegenwart und das borniert-verstoßene Auftreten der offiziellen Pagen des Theaters. Brecht bricht mit allen bekannten Konventionen und legt selbst Hand an das Gewissen und die Psychowelt der Zuschauer, um sie davon zu überzeugen, dass alles Bekannte förmlicher Schwachsinn ist.
Und genauso, wie ihr beim Lesen des ersten Absatzes dieses Beitrags verwirrt seid, verwirrt dieser Film. Auf eine unfassbar positive Art und Weise. Ich habe jüngst schon bekannt gegeben, dass ich die mediale Einflechtung von Theaterinhalten in die Form des Kinofilms beginne, abgöttisch zu lieben. Und dieser Titel beansprucht zwar viel Lebenszeit ob seiner unglaublich starken Laufzeit, besticht dabei aber mit einer optischen und inhaltlichen Brillanz, wie sie lange nicht im Kino zu sehen war.
Kenner der Szene beschweren sich schon vor Kinostart darüber, dass man viel zu wenig Augenmerk auf die Dreigroschenoper selbst gelegt hat, ich als blutender Anfänger empfand es eher als eine herausragende Einführung in eben jene Welt, von der der Durchschnitt längst nichts mehr wissen will. Genau das Alltäglich-Durchbrechende, mit dem Brecht groß geworden ist, besticht hier mit einer mitreißenden und anmutenden Eleganz, wie ich sie in einem Kinofilm lange nicht erlebt habe.
Ich meine, der Streifen ist durch und durch seltsam. Hat keine Handlung und irgendwie doch, ist Theater und doch wieder keins, räumt Wände beiseite und baut gleichzeitig Räume, in denen man sich hin und her bewegen kann ohne zu wissen, was man tut. Es fühlt sich an, als durchflute eine dunkle Masse deine Seele und gräbt sich dabei immer tiefer in deine Psyche vor, packt dann zu und lässt dich nicht mehr los.
Und obwohl du eigentlich denkst: “Was für ein Schwachsinn” fühlst du dich gleichzeitig dazu hingezogen, nochmal rein zu gehen und ihn dir wieder anzusehen, denn irgendwas fasziniert dich daran. Damit erhebt man nicht nur den längst nicht erloschenen Hype um die Dreigroschenoper selbst erneut zu güldenem Glanz, sondern feiert gleichsam eine Wiederauferstehung der Magie, die Systeme durchdringt und sie von innen heraus aufbricht.
Dieser künstlerisch durchzogene “Hass”, den Brecht auf diese erhabene Weise auslebt, trifft genau den Nerv einer Zeit, deren Ära noch lange nicht vorbei ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer eine vollkommen neue Kinoerfahrung sucht, sollte hier zupacken.
Die Inhalte des Theaters ins Kino zu bringen ist eine Sache, wenn man aber dann etwas, dass selbst den Bühnen Schwierigkeiten bereitet hat, so aufarbeitet, dass die Vorhänge dabei zerrissen werden und man in völlig neue Dimensionen eintauchen kann, dann wird’s erst richtig spannend.
Ein so aufgewühltes, hassdurchdrungenes und künstlerisch wertvolles Werk hat es selten gegeben. Es ist in jeder Hinsicht einzigartig und besticht durch Optik, inhaltliche Brillanz und intellektuelle Forderungen, die der Zuschauer selbst unwissentlich erfüllen kann.

 
Nachspann
✅ Den Anfang darf man noch mitnehmen, sobald dann auf schwarz geblendet wird, ist es rum.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm
Length: 135 Min.
Rate: FSK 6

Maria by Callas

Jetzt wird’s anspruchsvoll und wir nähern uns einem bislang noch nicht von mir angetasteten Niveau, bei dem ich mich – seid vorab gewarnt – völlig außerstande fühle, etwas Kennerhaftes zu sagen, dass dem Wirken und Schaffen dieser Frau auch nur annähernd gerecht werden würde.
Was ich weiß: Seit geraumer Zeit nutzen viele Musiker und Künstler die Möglichkeit, den Menschen über den Verbreitungsweg des Kinos Einblicke in ihr Leben zu ermöglichen und sich ggfs. einfach der Öffentlichkeit zu erklären.
Da wären Straight Outta Compton, All Eyez on Me, die mit ihren “Debüts” quasi mehr oder weniger vorgelegt haben, gefolgt von einigen anderen Legenden der Popwelt und Moderne, als auch einige Künstler, die sich mit Malerei beschäftigen oder anderweitigen Kunstformen nachgehen (Julian Schnabel, Auguste Rodin…), die den Menschen das Herz rauben und sie beeindrucken wollten. Was für uns Transformers-Kinder vielleicht noch am vergleichbarsten wäre, (ja, haut mich!) ist Amy Winehouse in ihrem Film Amy, die zumindest optisch noch leicht an das Aussehen Callas‘ heranreicht.
Aber auch der Vergleich … vergesst es schnell wieder.
Callas ist ein Phänomen, dass man heute vielleicht nicht mehr einfach so versteht. Ich bin mir sicher, dass man jeden Jugendlichen erstmal unter Androhung schwerer Strafen ins Kino reinprügeln müsste, bevor der sich freiwillig mit so etwas auseinandersetzen würde. Und der Witz ist: Einige von ihnen kämen sicherlich interessiert und mit erhöhter Aufmerksamkeit für diese Art, sich auszudrücken, wieder aus den Sälen heraus.
Und genau hier fängt’s an: Jemand, der sich bislang null – wirklich absolut null – für Oper und dergleichen interessiert hat, empfindet auf einmal Freude und Gefallen an einer Form der Unterhaltung und des Anspruchs, vor dem er bisher einen großen Bogen gemacht hat.
Ich bin grundsätzlich vielem aufgeschlossen, nicht zuletzt dieses Blog und die Vielfalt an Filmen und Genres, der ich mich seitdem freiwillig hingebe, hat in mir eine sehr große Toleranzschwelle entstehen lassen, dank der ich vielen Werken etwas abgewinnen kann, für die ich mich vor 10 oder 20 Jahren noch keinen Deut interessiert hätte.
Und als der Film startete, dachte ich nur: “Grundgütiger, wohin soll das führen? – und Maria by Callas hat es geschafft, dass in meiner Playlist nun reihenweise Zusammenstellungen dieser Frau zu finden sind, deren Tiefe ich gerne verstehen möchte. Sie verstand ihr Handwerk nicht nur exzellent, sondern hat sich zu einer Größe emporgearbeitet, die zurecht als “bedeutendste Sopranistin des 20. Jahrhunderts” (Quelle: Wikipedia) gehandelt wird.
Dieser Film widmet sich jetzt aber nicht verschwörerisch heiligend einer Frau, die über der Masse emporragt und vergöttert sie auf allen Ebenen, sondern es handelt sich hier um das Werk eines Regisseurs, der seinen Geist von ihr gefangen nehmen ließ und ihr im Nachgang die Gerechtigkeit zukommen lassen wollte, die ihr die Medien damals nicht zuerkannten. Dabei hat er selbst ein Kunstwerk erschaffen, dass es so ganz nebenbei schafft, die Begeisterung für eine der größten Kunstformen überhaupt zu wecken und absolute Kritiker dieser Sparte für sich zu gewinnen. Und damit dringt Volf in einen Bereich vor, der von mir den größten Respekt und Anerkennung verdient und bekommt.
Was nämlich höchst spannend ist: Durch das Zusammenstellen der von ihr gesungenen Werke, die Komposition ihrer Interview-Gedanken und damit der Zeitreise durch ihr Leben erweckt Volf unglaublich hohe Sympathie, da man Maria Callas nun so nahe kommt, wie vorher noch nie und sie auf einmal als Frau und Mensch begreift und versteht.
Und genau hier ist ein Problem, dass seine Kreise weit über die Ränder von Wien und Opernhäusern hinaus zieht: Das schlichte Aussaugen von Persönlichkeiten, die etwas auf dem Kasten haben und dann als gefeierte Ikonen in die Öffentlichkeit treten und einfach nicht mehr echt sein können, da jeder sie nur noch über ihre Werke definiert.
Man hat es meines Erachtens nach wunderbar geschafft, diese hoch sensiblen, zarten, leicht zerreißbaren Fäden ihrer Mentalität und ihres Empfindens herauszuarbeiten und sie uns nicht als Göttin, sondern als emotionale Frau nahezubringen, die unter dem Druck enorm zu leiden hat.
Darin liegen die wahren Abgründe vergraben: Als jemand, der ebenfalls mit drei Jahren auf dem Schemel vorm Piano saß und mit vier Jahren bereits seinen ersten Auftritt auf der Bühne hatte, weiß ich, wovon ich spreche, wenn relativ schnell der Zeitpunkt kommt, wo die Menschen aufhören zu begreifen, dass hinter diesem Ausnahmetalent noch jemand steckt, der verletzbar ist, der fühlt, der auch nicht unendlich viel Kraft, Energie und Zeit hat, um mit sich selbst klar zu kommen, sondern um so mehr Unterstützung benötigt, die ihm die Außenwelt aber nicht zu geben bereit ist.
Callas hat sich nie über die Zuschauer beschwert, aber selbst niemals offenbaren können, was ihr zeitlebens zugesetzt hat – und genau das bringt dieser Film hervorragend zur Geltung und steht damit stellvertretend für viele Künstler, die vom Druck der Schönheit und künstlerischen Ästhetik geplagt einfach “funktionieren” müssen. Dass dabei Atempausen genauso wichtig sind und man sie mit simplen Missverständnissen schon mehr oder weniger zerbrechen kann, verstehen dabei die wenigsten.
Ihr merkt: Der Film hat mir sehr zugesetzt und ich saß nach einer gefühlten halben Stunde einfach nur noch da und habe mit offenem Mund gestaunt über das Wesen, über die Art, über die Tiefe, die in diesen Menschen steckt.
Und ganz nebenbei: Der Film ist ein außerordentliches Beispiel dafür, einfach mal die Timeline zurückzuschrauben und in die vergangenen Jahrzehnte zu schauen, da er durch seine fast ausschließlich dokumentarische Art ein wunderbares Zeitzeugnis dieser Epochen ist. All die Feinheiten, die Autos, die verschiedenen Säle, Flugzeuge, Impressionen und Eindrücke dieser Ären ist in sich schon eine Erfahrung wert, die den Besuch einer großen Leinwand rechtfertigt.
Ein weiteres Beispiel: Die wahre Fülle an Koryphäen des echten Lebens, die wahrhaftig in persona auftreten und von denen einige in den Tags genannt wurden: Auch hier ist wieder eine fast beispiellose Ansammlung an Berühmtheiten in einem Film zusammengekommen, der seinerzeit die Top 10 angeführt hat und quasi für das Avengers vergangener Jahrzehnte steht.
Auch hier wieder eine mit tiefen Verbeugungen vorgetragene Entschuldigung meinerseits für die unrühmlichen Vergleiche: Ich bin nicht im Stande dazu, die verrohte und künstlerisch versaute Generation von etwas so Erhabenem zu überzeugen: Maria by Callas hat aber genau dies bei mir geschafft.
 

.kinoticket-Empfehlung: Einmal mehr bestätigt sich meine Annahme, dass Kino auch in Zukunft einer Ära unterworfen ist, in der andere Kunst- und Präsentationsformen einem breiterem Publikum schmackhaft gemacht werden sollen – und wenn genau dies so hervorragend funktioniert, wie bei Maria by Callas, dann begrüße ich diesen Schritt und freue mich auf alles, was uns da noch erwarten sollte.
Dieser Film schockt die heutigen Generationen vielleicht erstmal, aber für das, was in ihm steckt, ist er selbst einfach viel zu großartig, als dass man dazu noch “Dokumentation” sagen könnte, sondern es lieber als eigenes Kunstwerk interpretieren und verstehen darf.
Damit dringt Regisseur Tom Volf in ein Areal vor, dass bei vielen bislang wohl unangetastet da lag und nun ein breites Spektrum an neuen Entdeckungsmöglichkeiten eröffnet. Wahnsinn!

 
Nachspann
✅ Ein Hochgenuss – hier geht sowieso keiner frühzeitig raus.
Kinostart: 17. Mai 2018
Der Film startet in München in folgenden Kinos:

  • Atelier
  • Kino Solln
  • Münchner Freiheit
  • Neues Rex
  • Rio Kino
  • Studio Isabella
  • Theatiner
  • Breitwand Gauting

Für weitere Vorstellungstermine in anderen Städten nutzt bitte den Kinofinder auf www.maria-by-callas.de unten im Footer.

Ballerina (3D)

Filme dieser Art gibt es mittlerweilen wie Sand am Meer. Auch habe ich längst darüber berichtet, dass sich die Inhalte insofern fast immer gleichen. Allerdings hat man die Form der Umsetzung bisher nicht in dieser Variante gebracht: nämlich animiert.
Dass hier ganz neue Möglichkeiten auftauchen, mit denen man punkten kann, versteht sich von selbst. Denn immerhin öffnet die animierte Welt Tür und Tor für alles, wo der menschliche Körper an Naturgesetzen oder mangelnder Kohle für schlechte CGI-Animation scheitert.
Mit Ballerina schickt man jetzt einen bekannten Plot ins Rennen, der sich zwar aus der trist-dramatischen Variante seines Genres erhebt, mit den neuen Optionen fast schon gänzlich andere Bereiche beschreitet und damit zum Filmerlebnis für Kinder wird, die sich nach Abenteuer, Ferne und einer anderen Welt sehnen.
Damit verlässt man das klassische, namensgebende Ballerina-Genre und eröffnet hier Wege zu völlig neuartiger Unterhaltung, die nicht in pompösen Finalen mündet oder anderweitige Klischees bedient.
Was mir daran gut gefallen hat, war, dass man sich trotz des scheinbar vorhandenen Budgets hier dennoch nicht auf die Erfüllung abstruser Erwartungen eingelassen hat, sondern etwas völlig eigenes macht und Kinder damit unterhalten möchte – losgelöst von sämtlichen wirtschaftlichen und sonstigen Ansprüchen. Man bedient die Kinder im eigenen Garten und kümmert sich einmal nicht um den Rest der Welt.
In einem Zeitalter wie diesem, wo Blockbuster, Massenmillionen und aberwitzige Einspielergebnisse dominierend sind, ist das schon fast wieder ein Statement, dass den Besuch im Kino durchaus rechtfertigt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Zielpublikum: Die Kids.
Für die wird hier eine gemütlich-freche Geschichte mit aufgeweckten Charakteren und moralisch achtenswerten Ansätzen erzählt, die auch bedenkenlos mit den ganz Jüngsten geschaut werden kann.
Als Erwachsener muss man entweder eine Vorliebe für Animationsfilme oder absolut Ballerina-Versessen sein, um dabei wirkliche Freude empfinden zu können. Die Wahl zwischen 2D und 3D entscheidet eindeutig letzteres, denn da kommen noch ein paar Einstellungen und Momente sehr viel mehr zum Tragen als in der vergleichsweise langweiligen 2D-Fassung.

 
Nachspann
Einfach mal den Anfang abwarten, dann weiß man, wie der restliche Nachspann ist und kann bei Nichtgefallen immer noch nach draußen verschwinden.

Florence Foster Jenkins

Wie man auf den Szenenbildern des Films bereits sieht: Der Zeitgeist von 1944 wurde hervorragend eingefangen und auf die Leinwand gebannt. Schauspieler und Schauspielerinnen leisten großartiges. Und die Geschichte (einigen vielleicht schon aus Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne bekannt) sucht sowieso seinesgleichen.
Hier dann zu erleben, dass etwas bereits Existentes so unglaublich gefühlvoll und anders neu erzählt wird, ist nur einer der Punkte, die mich bei diesem Film vom Hocker gehauen haben.
Der emotionale Faktor, auf den man hier voll und ganz baut, fruchtet so unglaublich stark, dass es für Zuschauer mit Empathie fast unerträglich wird, während man gnadenlos das nacherzählt, was die Frau zu ihren Lebzeiten tatsächlich durchgemacht hat.
Die Bilder beeindrucken auf eine ungekannte Art und Weise und hinterlassen tiefe Spuren in den Seelen der Zuschauer. Eine derartige Ausdrucksstärke und Vollkommenheit inmitten dieses Chaos’ glänzt nicht nur vor Schönheit, sondern erfreut sich bei Liebhabern von guten Geschichten eines exzellenten Rufs.
Alle Beteiligten gehen hier voll aufs Ganze und erreichen den Zuschauer mit einer brachialen Intensität, die nicht nur extrem lange nachhallt, sondern diese unfassbare Geschichte hoffentlich etwas mehr ans Tageslicht bringt, als der “Vorläuferfilm” dies erreicht hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich in der PV saß und mir dieses Wunderwerk angesehen habe.
Anschließende Sprachlosigkeit, Ohnmacht, Unverständnis wie man die Zeit bis zum Kinostart überbrücken soll und der immense Wunsch, diesen Titel unbedingt noch einmal, zweimal, zehn mal anzusehen.
Wer das hier verpasst, der verpasst so derart großartiges Kino, dass dagegen auch keine Medikamente oder andere Argumente mehr helfen.
Tut euch den Gefallen und nähert euch dieser Geschichte. Wenn es sich je gelohnt hat, dann jetzt!

 
Nachspann
Auf jeden Fall sitzenbleiben. Da kommt noch etwas.

Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne

Schaut man den Trailer, erwartet man irgendwas zwischen Kunst, Frauenfilm, Schadenfreude und Tragik. Schaut man den Film, wird man vom Rausch der stilvollen Akzentsetzung schlichtweg dahingerafft.
Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne bildet nicht nur den Rahmen für die angebliche Verspottung einer Frau, die nichts auf dem Kasten zu haben scheint, sondern bebildert ein völlig subtiles Projekt, das seine Vollendung im Schlussakkord förmlich orchestral auf die Leinwand bringt.
Fast pausenlos wird man beschallt von Klängen, die weit ab des radiomäßigen Mainstreams ihr zu Hause haben und sowohl Kunstliebhaber als auch -hasser gleichermaßen irgendwo berühren. Doch die Zurschaustellung beschränkt sich nicht nur auf die Welt der Töne, sondern gipfelt ihre Ausflüchte ebenfalls in die der Formen, Figuren, Fotografie und umspannt somit ein künstlerisches Umfeld einer Größe, die jeden, der nur ansatzweise etwas für die Schönheit des Lebens übrig hat, erreichen dürfte.
So viel Antipathie, wie man anfangs möglicherweise mit den Hauptdarstellern empfinden kann, so huldvoll und bewegend ist der Schluss, an dem eine wunderbar erzählte Geschichte ihr rühmliches Ende findet und einen Film beschließt, der sich von Minute zu Minute stärker in die Seelen der Zuschauer eingebrannt hat.
So etwas ist fast schon zu schade fürs Fernsehen, denn hier würdigt man nicht nur die Kunst, sondern auch Werte wie Menschlichkeit, Rebellion, Durchhaltevermögen, Angst, Hingezogenheit und spricht auch weitere Charakterstärken und -schwächen großer Persönlichkeiten an.
Die seelische Backpfeife für alles Oberflächliche steckt in ihrer ausgewachsenen Montur in diesem Film. Wer den nicht sieht, verpasst ein großes Stück Kinogeschichte, das nicht auf den Werbetafeln der Stadt zu sehen war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur Musik, sondern auch Formen, Kunst, Farben und Fotografie spielen in diesem Film eine große Hauptrolle.
Die Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie, die Geschichte reißt tief in ihren Bann und spricht Empfindungen ganz tief in deiner Seele an.
Was anfänglich noch als schwierig zu empfinden sein möge, mutiert mit zunehmender Zeit zu Mitgefühl, Mitfiebern, Verständnis und Trauer und gipfelt schließlich in einem Schlussakkord, mit dem keiner so richtig hat rechnen wollen.
Großartiges Kino mit einem ruhmreichen Thema, das nicht nur in diesem Segment Spuren hinterlassen dürfte. Reingehen!

 
Nachspann
Darf man sich gerne noch anschauen, denn der Schlussakkord hallt darin noch ein klein wenig nach.

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