Auf der Suche nach … Margarethe von Trotta könnte dieser Titel auch heißen, zumindest, wenn man sich die 50% des Films ansieht, die sich nicht mit Ingmar Bergman beschäftigen, sondern mit der Regisseurin Margarethe von Trotta. Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich habe nichts gegen diese Frau. Ich finde nur, wenn man einen Film so nennt wie diesen, sollte man sich dann auch mit Ingmar Bergman und seinen Gepflogenheiten beschäftigen und nicht ständig ellenlange Szenen einbasteln, die sie in ihrer Schönheit durch Paris spazierend zeigen oder sich sonst in einer Form mit ihr beschäftigen.

Auf mich wirkte das stellenweise wie das Insta-Video einer Girl-Clique, die sich selbst feiert und ihren Idolen auf der Spur ist. Als wäre es kein Film von … sondern eine Selbstinszenierung von … und das machte das eigentlich ansonsten hervorragende Werk doch ein ganz klein groß wenig viel kaputt. Die Passagen, die sich tatsächlich mit Ingmar Bergman beschäftigen, sind nämlich spannend und verfolgen einmal den Gang des Films in die Epoche des Kinos und zeigen hier die Anfänge allen Seins, was selbst für unsere Generation heute interessant wäre. Auch, wenn man sich deshalb jetzt nicht zwingend seinen Filmen zuwenden möge (Geschmackssache), so ist doch der Ursprung allen Seins aus kinotechnischer Sicht definitiv einen Einblick wert.

Die andauernden Narzissmus-Phasen stören dabei halt gewaltig. “Uh, yeah, dort haben wir das, und da haben wir das … und geil war’s” – so etwas kennt man heute tatsächlich von Best Buddies, die zum Tomorrowland-Festival reisen und sich selbst dabei aufnehmen. Ganz nett, wenn man so etwas sehen möchte, dann ist aber der Titel gewaltig irreführend und diese Selbstdarstellung ist nicht nur mir negativ aufgefallen.

Sollte man sich beim Kauf des .kinotickets also für diesen Titel entscheiden, dann mit dem Wissen, dass hier zwei Persönlichkeiten großartig im Vordergrund stehen. Wer’s positiv sehen will, bekommt eben gleich zwei zum Preis von einem – dafür dann jeweils nur halb so lang.

 

.kinoticket-Empfehlung: Selbstinszenierung meets hervorragende Recherche über Ingmar Bergman.

Das Werk liefert spannende Einblicke in die anfänglichen Entwicklungen des Films hin zum Kino und durchmischt sich mit girliehaftem Erinnerungsgeplänkel über alte Zeiten, die ein Massenpublikum kaum interessieren dürften. Aber wer weiß, vielleicht releast Frau von Trotta das Ding ja nicht auf Blu-ray, sondern in ihrem Instagram-Kanal, da wäre sie dann der absolute King mit ihrem Werk. Wir werden sehen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgen keine Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Searching for Ingmar Bergman
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12