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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Öffentlichkeit

Liebe bringt alles ins Rollen

Ich denke, aufgrund des Kinoplakats spoiler ich nicht, wenn ich sage, dass es hier u.a. um Menschen mit Gehbehinderung geht, wir also einen weiteren “Inklusionsfilm” vor uns haben und manche schon wieder lautstark aufstöhnen, weil man diese unmögliche Wandlung in unserer Zeit kaum noch hören und sehen kann. Zumindest geht es mir so.
Man wünscht sich so sehr, dass die Welt es einfach tut, ohne großartig darüber zu reden oder eine große Sache daraus zu machen. Wenn ich jemand auf der Straße sehe, der meine Hilfe benötigt, dann brauch ich nicht erst Instagram zu Rate ziehen oder einen gesonderten Blogbeitrag verfassen, sondern ich helfe und gut ist. Die Politik zerbricht grade an ihren Aufgaben und nennt es “Integration”, “Flüchtlinge”, “Gender” und was weiß ich, dabei ist es eigentlich nur dieses eine kleine Wörtchen, dass die Lösung der Probleme wäre: Inklusion.
Ein sehr beispielhaftes und aussagekräftiges Bild hat der dazu passende Wikipediaeintrag (zu finden unter diesem Link an der rechten Seite), der es mit simpelster Anschaulichkeit so treffend auf den Punkt bringt: Genau das wäre der Optimalzustand für eine Welt ohne Ausgrenzung, Vernachlässigung und ungerechter Handhabe.
Wie man dort im Beispiel “Integration” sehr gut sehen kann, gibt es nämlich dann immer noch “die” und “uns”, was per Definition schon ein Ausgeschlossen sein aus Gesellschaft und alltäglicher Teilhabe bedeutet und niemandem etwas bringt. Genau das ist der Grund für das Aufstreben einer AfD, für den bürgerlichen Hass, der durch teils unmögliche Parolen aus sozialen Netzwerken und Hetzpropaganda geschürt wird und im Unvermögen der eigenen Denkfähigkeit einen Nährboden findet und dort prächtig gedeiht.
Die Frage ist: Wollen wir das? Wollen die das?
Liebe bringt alles ins Rollen ist nicht darum ein besonders wichtiger Film, weil es um Liebe und Inklusion geht, sondern weil dieser Film selbst in meinen Augen alles richtig macht: Er bringt unbeschreiblich großen Spaß auf die Leinwand und operiert mit einem völlig gesunden und vernünftigen Maß an Humor und Sarkasmus im Rahmen der ganzen biederen Debatten rund um die richtige Aus- und Ansprache von Persönlichkeiten, die wir durch unser unmögliches Handeln damit zwanghaft zu einer gesonderten Integrationsmasse verdammen.
Franck Dubosc, zeitgleich Regisseur und Hauptdarsteller, zelebriert hier eine gewaltige Lachsalvenorgie, die kaum Zeit zum Atmen lässt und die Bauchmuskeln extrem fordert – alles in einem Metier, in dem heute viele lieber die Finger still halten, um lieber nichts falsch zu machen. Diese “Angst” ist genauso falsch wie die Angst vor Bomben und Terrorismus und von dieser Angst ist innerhalb des Films kein Stück zu sehen. Man kann lachen – man kann sich so prächtig amüsieren und es ist fast unmöglich, nicht zu lachen, weil es einfach irre komisch und unglaublich lustig ist, was man hier drehbuchtechnisch und dialoglastig auf die Leinwand bringt.
Das ist in meinen Augen die genau richtige Form des Umgangs mit solchen Themen, Inklusion par excellence, wo aus schwierigen Themen nicht ein statistisch einwandfreies Produkt unaussprechlicher Unaussprechlichkeit geformt wird, sondern man sich vernünftig und ernsthaft auf Basis eines wunderbaren Humors mit den Dingen auseinandersetzt und somit quasi als Zustrom zum Lachen noch beiläufig eines der wichtigsten Dinge unseres Jahrzehnts lernt: Die Akzeptanz von Menschen, die grundverschieden anders sind und womöglich sogar Einschränkungen haben, von denen wir dankbar sind, dass wir sie nicht erleiden müssen.
Damit ist dieser Film ein schon lang nicht mehr dagewesenes Komödienmeisterwerk und Lehrmaterial gleichermaßen, der einmal mehr französische Filmkunst in Vollendung fabriziert und dessen Rollstuhl auf dem Plakat hoffentlich nicht zu sehr abschreckt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer hier nicht reingeht, der verweigert sich einer unwiederbringlichen Zeit voller Fröhlichkeit und Genuss, Lachen und purem Vergnügen.
So herrlich erfrischend, freudig und unkompliziert mit einem so “schwierigen” Thema umzugehen hat sich schon lange keiner mehr getraut. Hier hat Missmut, Angst, Vorsicht und betretenes Schweigen absolut keinen Platz und man ist eigentlich den ganzen Film über beschäftigt, dem Gagfeuerwerk entgegenzutreten und sich vor dem nächsten Joke wieder einzukriegen, weil einem sonst der Bauch vor Lachen zu sehr weh tut 😉
Seit langem mal wieder ein uneingeschränkt empfehlenswertes Stück lehrreicher Comedy-Meisterhaftigkeit, dass jeder im Kino gesehen haben sollte! Reingehen!

 
Nachspann
❌ wartet nur mit der üblichen Nameroll auf und bringt keine weiteren Erkenntnisse.
Kinostart: 5. Juli 2018

Goodbye Christopher Robin

Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Twentieth Century Fox kann Filme. Einmal mehr hat sich das Tochterunternehmen des Studios einer Geschichte angenommen, die unverblümte Wahrheiten auspackt und damit ganz neue Einblicke in den Wahnsinn manchen Geschehens ermöglicht. Dass Menschen so sind, wie sie sind, ist ja weithin bekannt und wurde millionenfach von Hollywood besungen.
Was hier allerdings zum Besten gegeben wird, ist nicht nur sensationell überraschend, sondern trumpft mit einer Unglaubwürdigkeit auf, die so manches Weltbild zum Einsturz bringen könnte. Anfangs mutet der Film noch sehr altmodisch an, braucht eine Weile, um in die Gänge zu kommen und richtig an Fahrt aufzunehmen, aber dann entwickelt sich das einerseits zu einem Heidenspaß, andererseits glänzt man hier durch schockierende Tatsachen, die endlich mal die ganze Wahrheit solcher Fälle offenbaren und nicht immer nur die Creme-Seiten auftischen.
Und genau das macht diesen Film so spannend: Inspiriert von der wahren Geschichte, die die Hintergründe zu dem liefert, was Medien und Co. seinerzeit schon zu Tode getrampelt haben, ermöglicht man nun den Zuschauern, sich hier umfänglicher zu informieren und die Reise noch einmal durchzuführen, nur diesmal eben von der anderen Seite der Scheibe aus.
Ganz deutlich muss man hier auch die Hauptakteure des Films hervorheben, die sich durch ihr Schauspiel großartig von der Masse abheben: Margot Robbie, vielen aus Suicide Squad oder I, Tonya bekannt, begleitet von Domhnall Gleeson, den einige wohl zuletzt in Star Wars: Die letzten Jedi auf der Leinwand gesehen haben dürften, und den Kinderstar Will Tilston, dem nach dieser Leinwandoffenbarung alle Türen im Showbusiness offen stehen dürften.
Die großartigen Leistungen – und vor allem auch das großartige Plädoyer der Dialogschreiber zeigt einmal mehr, dass auch in Hollywood die Kunstfertigkeit der Sprache noch nicht gänzlich ausgestorben ist, sondern man durchaus auf hohem Niveau zu entzücken weiß.
Am Schluss versteht man vieles nicht mehr, an das man früher gerne glauben mochte, zieht aber nicht enttäuscht, sondern bestens unterhalten von dannen und hat einen weiteren wunderbaren Film in seinem Sichtungsportfolio.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch am Anfang ein wenig Zeit, um in den Film reinzukommen, nach ungefähr 20 Minuten taut der dann wirklich auf und liefert erstklassige Unterhaltung, die u.a. sehr zum Lachen anregt.
Die Story und das Geschehen könnte so manches Weltbild einstürzen lassen, umso wichtiger ist daher, dass genau das auch unters Volk kommt und gesehen wird. Vielleicht versteht man dann einiges ein klein wenig besser.

 
Nachspann
❌ Nach dem Text ist Schluss – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 7. Juni 2018

The Secret Man

Oftmals braucht man ja gar nichts mehr zu einem Film sagen, sondern einfach nur ein Gesicht dazu präsentieren, um die gewünschte Wirkung zu erzielen und die Zuschauerschaft ins Kino zu locken.
Wie wäre es mit Liam Neeson? Dessen Konterfei ja mittlerweile auch seinen eigenen Ruf erarbeitet hat und für ein ganz bestimmtes Genre steht, dass sich quasi schon als Subkultur innerhalb der Thriller- und Actionwelt begründet hat?
Ähm … schwierig. Richtig?
Aus dem Grund haben die Kostüm- und Maskenbildner in The Secret Man auch erstklassige Arbeit geleistet, da man den Mann in seiner Güte kaum wiedererkennt. Und seine Rolle schon gar nicht.
Bereits im .trailer entdeckt man eindrucksvoll, zu welch schauspielerischen Höhenflügen dieser bereits in die Jahre gekommene Mann noch fähig ist und dass er es durchaus versteht, seine Fans und darüber hinaus auch andere zu begeistern.
Nicht nur, dass diese Story wieder auf wahren Begebenheiten beruht, die damals von den Medien bis ins unerträgliche ausgeschlachtet wurden, sondern man münzt die Vorfälle in entertainmentfreudige und brachial-unterhaltsame Momente um, die einen erstklassigen und vor allem spannenden Polit-Thriller erschaffen, der gerne wochenlang die Blockbuster-Top-10 anführen darf.
Dass solche Naturgewalten schon seit Jahrhunderten die Massen begeistern, ist ja allseits bekannt. Einen so intimen Einblick in die privaten Bereiche dieser Organisationen mit Messer und Salz bewaffnet für all die wunden Punkte ihrer Karriere hat bislang aber noch keiner so eindrucksvoll hingekriegt.
Mich hat’s extrem mitgenommen und wieder mal hat Hollywood es nachträglich geschafft, eigentlich langweilige, für Schüler und Studenten uninteressante Politik zu einem sehenswerten Erlebnis zu machen, dass noch lange nachhallt und einprägsam einen Teil unserer Weltgeschichte ins Gedächtnis einbrennt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sehen sollte man den Film auf jeden Fall, denn der zerbricht fast unter seiner selbst aufgebauten Spannung – und das, obwohl eigentlich alles schon vorab bekannt sein könnte.
Dazu sollte man sich ein ungestörtes, großes und soundträchtiges Kino suchen, aber nicht auf Actionsequenzen warten, sondern sich von dem wummenden Sound und der politischen Härte umnieten lassen.
Unterhaltung ist dabei auf jeden Fall garantiert.

 
Nachspann
wahrt die Anknüpfung an die reellen Geschehnisse in Form von Sätzen. Danach folgt nichts mehr.
Kinostart: 2. November 2017

Die Vampirschwestern 3 – Reise nach Transsilvanien

Man nehme:

  • 14 Schnapsgläser
  • Reichhaltig von einem hervorragenden Hochprozentigen
  • Ein Brett (am besten mit Einkerbung, damit die Schnapsgläser nicht rausrutschen)

Dann startet das Trinkspiel. Jedes mal, wenn im Kino der Name “Antanasia” gesagt wird: trinken!
Erstens wirds dadurch im Laufe der Zeit wirklich erträglich, der Story zu folgen. Zweitens ersäuft man so seinen inneren Hass auf die biederen Klischees, die im Film ausgeschmückt und verehrt werden und drittens fällt mir keine andere Methode ein, um dieses Werk, das bereits im Trailer abscheuliche Antipathien streute, auch nur näherungsweise leichter zu ertragen.
Alternativ kann man auch jedesmal zum Glas greifen, wenn man sie sieht. Das erhöht die Chancen, dass man bewusstlos umkippt, bevor der Film zu Ende ist. Dann ist das ganze noch leichter zu ertragen.
Nein, Leute, mal im Ernst: wer denkt sich so einen Schwachsinn aus und wieso gibt’s davon dann gleich drei Teile? Mein Kinobuddy lotete die Zielgruppe auf unter 10 aus und selbst für die finde ich die Darstellungen und das Gewese allenfalls zweifelhaft. Lehrreiche Interpretationen des Lebens oder liebenswürdige Umgarnung leidvoller Darstellungen aus dem echten Leben oder wenigstens mit einer Moral für selbiges? Fehlanzeige.
Statt dessen …. AntanaaaaaasiaaaahhhhhhTRINK! …. äh, wo waren wir?
Eins hat der Film definitiv bei mir geschafft: einen neuen Tiefpunkt zu entdecken, was Niveau, schauspielerische Leistungen und überzeugendes Können angeht.
Ich schau mir ja viel an. Auch wenn das untertrieben ist. Und ich lass mich auf vieles ein und bin dabei auch eigentlich immer recht tolerant beim Umgang mit der Suche nach dem passenden Publikum. Aber das hier?
 

.kinoticket-Empfehlung: Verlasst den Ort der Schande und zeigt offen, dass so etwas gar nicht geht.
Nicht, weil es nicht familientauglich wäre oder auf den ausgelutschten Trend der Vampircoolness hinarbeitet, sondern weil die Umsetzungen einfach dermaßen schlecht sind, dass selbst die Kotze zu schade ist, die man dafür verschwenden müsste.
Sorry, für diese ehrlichen Worte, aber anders kann ich dieses Ding nicht beschreiben. Es war die größte Erleichterung, als ich endlich wieder aus dem Saal raus durfte.

 
Nachspann
Um dem allen noch einen drauf zu setzen kommt hier noch was.

Für immer Adaline

Zugegeben: Man hat nach dem Sichten des Trailers nicht unbedingt sonderlich viel Lust auf den Film und auch ich hatte meine Bauchschmerzen, als ich in den ersten Sekunden der Sneak Preview begriff, dass wir Für immer Adaline serviert bekommen. Genauso wenig kann ich mir vorstellen, dass man sich als geneigter Blockbuster-Liebhaber ein .kinoticket für diesen Streifen lösen möchte. Und genau das versuche ich, mit diesem Beitrag zu ändern.
Der Film ist sehr ruhig gehalten. Man spürt von Anfang an, dass hier nicht auf Effekte und CGI, sondern viel mehr auf erzählerischen Tiefgang wertgelegt wird. Die Bilder im Vorspann entführen in eine Welt der Ruhe und Vergangenheit.
Klar mag für den wissenschaftlich fundierten Menschen hierbei eine gewisse Komik unentbehrlich sein, für Laien überrascht die Idee jedoch mit erfrischend viel Ernsthaftigkeit, mit der selbst Unerklärliches verstanden werden will. Und genau das haut einen bei diesem Werk völlig um.
Vom Schauspiel eines Harrison Ford, der es schafft, über Minuten hinweg ohne ein einziges Wort eine Naturgewalt an Gefühlen loszutreten, die allein an dem Zucken seiner Mundwinkel und dem geschichtenerzählenden Blick seiner Augen wahrgenommen werden können – Wahnsinn!
Ich hätte ihm noch stundenlang zuschauen können. Meinem Empfinden nach würde ich sagen: Ein emotionaler Seelenfick sondergleichen, wenn man bedenkt, was in einem Menschen vorgehen muss, dem so etwas widerfährt. Die Ebene der Gefühle ist hier jenseits von Gut und Böse.
Die Macher spielen mit dem schmalen Grat, den man beim Offenbaren seiner Empfindungen beschreitet, bei dem Menschen entweder glücklich oder zutiefst verletzt werden. Auch hier kriegen wir wieder beispielhaftes Vorbildverhalten unserer Spezies vor Augen geführt, die um das kämpft, was sie zu Erfolg und Zufriedensein führt.
Das berühmte Schema des Spannungsauf- und Abbaus erleben wir hier nicht in seiner klassischen Form, sondern die Geschichte bewegt sich im Rahmen allgegenwärtiger Sehnsüchte der Menschheit, die nicht nur wissenschaftliche Labore und Romanschreiber damit betraut, eine Lösung für dieses Problem zu finden, sondern in einem gedanklichen Experiment erörtert, wie schein-perfekt die optimalste Variante dieser Wünsche in Wirklichkeit wäre. Und das bringen die Charaktere wahrhaft glaubwürdig und überzeugend rüber.
Man spaziert aus dem Kinosaal und ist glücklich darüber, dass man ist, wer man ist und dass die Naturgesetze und biologischen Abfolgen so sind, wie sie sind. Emotionales Kino par excellence, in dem nicht nur Ford eine unglaublich gute Figur macht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer bisher der Ansicht war, dass Kino nur etwas für Verblödete ist, weil da eh nur amerikanischer Schrott läuft, den man getrost als Zeitverschwendung abtun kann, den lehrt Für immer Adaline, dass diese Art von Über den Kamm scheren definitiv falsch ist.
Was hier geboten wird, bewegt sich im meisterlichen Bereich der Erzählkunst und überzeugt nicht nur mit dem Erschaffen, sondern auch Verarbeiten von Gefühlen, die hier gekonnt in Szene gesetzt sind.
Allein für die Szenen mit Ford lohnt es sich, den Film zu schauen. Wer das hier verpasst, dem entgeht ein großes Stück Filmgeschichte, das man definitiv gesehen haben sollte.

 
Nachspann
darf getrost ignoriert werden, hier kommt nichts wesentliches mehr.

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