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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Octavia Spencer

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Mit 13 Oscar(r)-Nominierungen an der absoluten Spitze der diesjährigen Vorfreude auf die Academy Awards hat dieser Film bereits jetzt etwas völlig richtig gemacht!
Und das kann man von Guillermo del Toro’s Filmen generell behaupten: Er versteht es, den Zuschauer gleichermaßen zu faszinieren und zu schocken. Dafür hat man sich hier ein unglaublich sinnliches Beispiel hergenommen, mit einem exzellenten Cast besetzt und daraus eine Geschichte gemacht, die man so schnell nicht wieder vergisst.
Die Grenzen zwischen unbändiger Liebe und roher Gewalt verschwimmen auch hier wieder zu einer märchenhaften Erzählung, deren Wurzeln viel zu tief im Realismus des Erwachsenseins verankert sind, als dass man sie tatsächlich als Märchen abtun könnte. Shape of Water ist so viel mehr!
Es fällt wieder schwer, über etwas zu reden, ohne zu spoilern, aber ich denke, ich nehme nicht zu viel vorweg, wenn ich sage, dass man hier in allen Facetten mit ausdrucksstarker Bildgewalt gearbeitet hat, die weit über Worte hinausgeht. Um diese schauspielerische Vielfalt erbringen zu können, wurden nicht die Rollen geschrieben und anschließend nach Kompromissen gecastet, sondern jeder Einzelne stand bereits vorher fest und ihre Rollen wurden an die Stärken dieser Schauspieler angepasst.
Daraus erblüht eine Basis, auf der sich jeder Protagonist vollkommen ausleben und “er bzw. sie selbst” sein konnte, was vorzeiglich zu diesem Nominierungsergebnis geführt hat. Daraus lässt sich erkennen, dass der Zuschauer es ungemein schätzt, wenn Charaktere authentisch sind und nicht nur versucht wird, etwas möglichst gut zu spielen.
Aber del Toro hat auch ein unglaubliches Gespür dafür, Menschen zu fesseln und sie in ihren eigenen Emotionen ertrinken zu lassen, indem er Szenerien erschafft, in die man sich einlullt, nur um anschließend von ihm wieder durchs Eck gebeutelt zu werden. Diese unfassbare Erzählstärke und bildgewaltigen Ausdrücke einer tiefsinnigeren Welt mit Elementen, die einen aus dieser hier entreißen, erschafft ein filmisches Monument, dass ich im März einfach ausgezeichnet sehen will – weil es gottverdammtnochmal verdient ist!
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier explodieren Nominierungen und Auszeichnungen aller Art und das hat einen Grund: Dieser Film basht so ziemlich alles vom Thron, was vorher mal daran geglaubt hat, hier Platz nehmen zu dürfen.
Diese Zeiten sind vorbei, denn Shape of Water – Das Flüstern des Wassers eruiert den Meilenstein des Kinos völlig neu und belegt dabei gleich mal das Treppchen ganz oben. Gut gemacht!

 
Nachspann
Braucht man nicht sitzen bleiben – aber genießt das geniale Gefühl, mit dem euch der Film wieder nach draußen schickt einfach noch ein wenig.
Kinostart: 15. Februar 2018

Begabt – Die Gleichung eines Lebens

“Hast du einen Stoff, der wirklich groß und ungewöhnlich ist? Was begeistert dich am meisten?”
(Karen Lunder im Gespräch mit Produzent Andy Cohen)
© Presseheft by Twentieth Century Fox

Daraufhin schickte dieser ihr das Skript und der Anfang für den Film war gemacht. Der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte. Die passieren wird. Denn am 29. Juni diesen Jahres kommt das Endresultat der Bemühungen des gesamten Teams auf die Leinwand und begeistert euch hoffentlich genauso wie mich.
Mögen viele bei dem Namen Chris Evans automatisch sofort ihren Superhelden aus der Avengers-Reihe Captain America im Sinn haben, beweist dieser Junge, dass er zu so viel mehr fähig ist. Gemeinsam mit McKenna Grace widmet er sich hier einem Problem, dem sich wohl viele Lehranstalten dieses Landes ausgesetzt sehen und erzählt in typischer Arthouse-Kino-Manier über das Leben eines ganz besonderen Menschen.
Dabei war man sich nicht zu schade, die allbekannten Regeln moderner Kinogeschichte über Bord zu werfen und sich wieder ganz dem klassischen Erzählen hinzugeben, welches man hier mit einer unglaublichen Warmherzigkeit und Hingabe zelebriert. Die Ausgestaltung jedes einzelnen Charakters mit der würdigen Zeit, das Zusammenspiel verschiedener Elemente, der Fluss und die Entwicklung deuten mehr als einmal darauf hin, dass das, was man so über die Produktion hört, tatsächlich stimmt: Dass nämlich beim Schreiben der Drehbücher mal keine Verkaufsstrategien, Verträge und Kommerz im Vordergrund standen, sondern sich jemand für lange Zeit ins dunkle Kämmerchen zurückgezogen hat und einfach frei von der Seele weg geschrieben hat.
Genau das ist ein Faktor bei Spielfilmdebüts, die ich so liebe und schätze: Der freie Geist ohne Einschränkungen von Ultramogulen, die ihre standardisierten Vorstellungen jedem noch so kleinen Independent-Gedanken aufzwingen wollen, um daraus möglichst viel Kapital zu schlagen.
Und diese hier existente Freiheit merkt man nicht nur dem Drehbuch, sondern auch den Darstellern und dem gesamten Werk unbändig an. Ich war schon immer der Meinung, dass man am besten schreibt, wenn man nicht dazu “gezwungen” wird – denn diese Geschichten sind unbezahlbar wertvoll für jeden, der sie liest.
Mit Begabt – Die Gleichung eines Lebens erhält die Welt ein weiteres solches Werk, dass nicht nur aktuelle Thematiken aufgreift, sondern auch noch Lösungsansätze für Familie, Freunde und Bekanntschaft liefert, die unter ethischen Aspekten beleuchtet eine wahnsinns Vorbildfunktion haben. Gerade diese daraus entstehende menschliche Komponente, die dem Alltag so sehr fehlt, liefert hier das Kino auf einer Bühne des Träumens und der Glückseligkeit.
Hört sich vielleicht ein bisschen an wie eine Droge, hat vielleicht auch die gleiche Wirkung, bietet aber kompromissfreie Chancen, in die Welt der Hauptdarsteller abzutauchen und mit ihnen zu lachen und zu weinen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Diesen Film muss man unbedingt gesehen haben.
Charmant, herzerwärmend, liebevoll und intelligent: Alles, was man für einen kuschligen Kinoabend benötigt. Ein Film, der die Seele berührt und das Herz eines jeden ein Stück weiter öffnet.
Daumen hoch.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 29. Juni 2017

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

Ich weiß, das Plakat schreit förmlich nach Kirche … “Gott” bereits im Titel und wenn man dann auf Apple Music nach dem Soundtrack sucht und gleich den ersten Titel hört, fühlt man sich an sakrale Freikirchen erinnert und denkt sich “Oh my godness…” – entspannt euch!

Ich hol euch gleich mal mit ein paar Anmerkungen in den Kinohimmel zurück: Octavia Spencer! Filme mit ihr sind quasi schon ein Garant dafür, dass es ein voller Erfolg wird, denn all ihre Werke haben bisher reingehauen.

Sam Worthington – der Kerl aus Avatar – Aufbruch nach Pandora – was hat der mit kirchlicher Moral und Gottgequatsche zu tun? Seht ihr?

Wenn man sich jetzt im Saal die ersten paar Minuten anhört, gruselt es einen vielleicht immer noch ein wenig, sofern man mit Kirche nicht wirklich viel anfangen kann, aber dann entwickelt sich die ganze Show zu einem unvergesslichen Erlebnis, nach dem man tief bewegt wieder in den Alltag schwebt und sich vielleicht doch die ein oder andere Frage ganz anders stellt.

Gibt es Filme, die ein religiöses Thema behandeln und gleichzeitig keine missionarischen Verschwörungen ausleben und auf Teufel komm raus jeden zu etwas bekehren möchten?

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott ist so einer. Gerade im christlichen Bereich habe ich eine derartig sensible, hochehrbare und defensive Betrachtungsweise in meinem bis dato 33jährigen Leben noch niemals erlebt! Das Kalkül, hier jemandem Überzeugungen aufquatschen zu wollen, ist tot – es lebe die Geschichte.

Dass das Buch ein Bestseller geworden ist, kann ich nach dem Sichten dieser Story definitiv verstehen. Und die Art und Weise, wie ruhig und gefühlvoll man hier an die Aufarbeitung rangegangen ist, spricht dafür, dass ich sogar strenggläubige Atheisten guten Gewissens mit in diesen Film schleppen würde, denn selbst die dürften sich bei dieser Form von Diskussionseröffnung auf keinen Fall auf den Schlips getreten fühlen, denn es findet keine Diskussion statt.

Auf deutsch gesagt: es tut einfach gut, in den Spuren von Worthington durch die Erzählung zu strudeln und dabei immer mehr merkwürdige Fragen zu stellen, die im Laufe der Zeit beantwortet (oder nicht) werden – ich will hier ja mal nichts vorweg nehmen. Und das war wie eine großartige Umarmung von einem übermenschlichen Wesen, welches sich sanft im Saal ausbreitet und allesamt in seine/ihre Arme schließt und einfach nur liebt.

Kann man in einem Film Frieden finden? Befindet sich Gott tatsächlich auf der Leinwand und spricht zu dir? Kann eine Seele gesund werden, wenn sie diesen Film sieht?

Fragen, die ich definitiv nicht mehr mit “auf gar keinen Fall” beantworten will, denn unzufriedener und wütend oder anderweitig negativ eingestellt war niemand, der mit mir aus dem überfüllten Saal wieder rausspaziert ist.

 

.kinoticket-Empfehlung: Bevor die Vorstellung komplett aus den Kinos verschwindet, packt ein paar Freunde und eure Kinder ein, bestellt euch Popcorn und ein Bierchen und dann lehnt euch vergnüglich auf den Sitzen zurück und genießt die Show.

Familientauglich? Yep. Religiös? Nicht wirklich. Dumm und intellektverstoßend? Absolut nicht.

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott erzählt eine wunderbare Geschichte und gleitet dabei sanft wie Federn über ein Thema, dass in der Geschichte unseres Planeten schon mehrfach zu brutalen Kriegen geführt und viele Menschenleben gekostet hat.

Vielleicht ist das hier die liebevolle Entschuldigung dafür, die deine Seele wieder zur Ruhe kommen und dich zu jemand finden lässt, den es bisher nicht für dich gab?

Finde es heraus – in einem Kino deiner Wahl.

 

Nachspann
gibt’s keinen, der gemütliche Walk out of the cinema ist also eröffnet.

Hidden Figures

Lasst euch von den Slogans auf dem Poster nicht abschrecken. Schaut am besten keine Trailer dazu. Lest nichts darüber, wo euch auch nur ansatzweise etwas darüber erzählt wird, was im Film stattfindet. Denkt nicht darüber nach, ob ihr reingeht. Vertraut den Worten des Security-Einlassers bei der Pressevorführung, der zu mir meinte:
“Das ist der beste Film seit Jahren, den ich je gesehen habe.”
So manch alter Kinohase mag sich bei solchen superlativen Aussagen natürlich seinen Teil denken. “Wo warst du denn alles drin?” “Wieviele Filme siehst du überhaupt?” “Weiß der Geier, was du für einen Geschmack hast, auf dessen Basis deine Bewertung jetzt steht…”
Sagen wir mal so: Das Kino hat jetzt Schleifspuren in dem Gang, wo ich saß in Richtung Ausgang. Meine Kinnlade war nämlich reichlichst tief im Boden versunken und kam da auch kein Stück mehr hoch. Kaum ein Wort hervorbringend bin ich zu dem Herrn zurück und meinte: “Du hattest recht, es IST der beste Film seit langem überhaupt!”
Den Pressevertretern konnte ich auch kaum Worte entgegnen, sondern habe mich nur mehrfach tief verneigt… An dieser Stelle einmal ein ganz persönliches dickes fettes DANKESCHÖN an FOX, dass ihr euch all die Mühen gemacht habt, um dieses Werk hierzulande zu veröffentlichen.
Was soll man jetzt also über den Film erzählen?
Eigentlich ist jedes Wort, dass man darüber schreibt, eher eine Missetat, die die unerreichbare Ehrenhaftigkeit, die hier auf ethischem Niveau vollzogen ist, nur wieder mit Unzulänglichkeiten beschmutzt. Meine Idee war:
“Bildung ist die einzige Waffe gegen den ganzen Hass hier auf Erden, also geht einfach da rein und bildet euch!”
Auch dieser Satz trieft nur so von Unkenntnis, Unbeholfenheit und Fehlern, denn er bringt nicht zum Ausdruck, was ich nach dem Sichten von Hidden Figures für Gefühle hatte. Ganz im Ernst: Ich würde Geld dafür ausgeben, wenn dafür mehr Menschen diesen Film zu Gesicht kriegen und sich tatsächlich die Zeit nehmen, ihn mit allen Wahrheiten gänzlich zu verinnerlichen.
Mit Hidden Figures landet nämlich nicht nur die Erzählung wahrer Begebenheiten endlich auf der Leinwand und wird so der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern neben den üblichen, absolut vollkommen erfüllten Erwartungen, die man an einen guten Film stellen kann (Spitzenstory, pointenreiche Wendungen, Spannungsausschläge in kurzen Abständen, hervorragende und überzeugende Darstellung, Top Cast, grandiose Filmmusik, unschlagbare Kulissen) kommt hier noch etwas dazu, dass diesen Film für mich so dermaßen gelungen dastehen lässt:
Das erzählerische Epos.
Im Ernst: Was hier an Moral (das Wort klingt an dieser Stelle irgendwie falsch) und Affinität zu moralischem Handeln an den Tag gelegt wird, sucht nicht nur seinesgleichen, sondern postiert in einer Welt dominiert von Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit und gesellschaftlicher Zerspaltung eine ethische Denkweise, die Jesus nicht besser hätte darstellen können. Und das mein ich tatsächlich ernst.
Ich habe jetzt knapp eine Woche mit mir gehadert, wie ich euch beibringen soll, dass der Besuch von Hidden Figures kein Diskussionspotenzial besitzt, sondern schlicht und ergreifend ein gesellschaftliches Muss für Jedermann ist. Und wie ihr seht, ist es mir ganz sicher auch immer noch nicht perfekt gelungen, tatsächlich den Text zu schreiben, der euch dazu bewegt, schnellstmöglich ins Kino zu rennen und die Vorstellungen dieses historischen Meilensteins zu überfluten.
“Ja, ich hab aber grad keine Zeit.” “Jetzt zu Weihnachten ist eh alles so stressig.” “Wie soll ich das jetzt noch in meinen Tagesablauf einbauen? Ich weiß eh schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht…”
Ruhe bewahren – weiß ich alles. Aus diesem Grund nutze ich die Chance und poste jetzt schon über den Film, obwohl der Kinostart erst auf den 02. Februar 2017 angesetzt ist. Ihr habt also noch genügend Zeit, diese Vorstellung zu planen und all eure Freunde, Familie, Bekannten & Verwandten einzuladen und mit ihnen dieses herausragende Beispiel menschlichen Verhaltens zu konsumieren, das eben nicht mit der üblichen Moralkeule schwingt, sondern so unterschwellig, dezent umspielend, dafür aber mit abartiger Bild- und Wortgewalt daherkommt, dass es einen als Zuschauer einfach nur erschlägt und zutiefst beeindruckt.
Ich würde sogar soweit gehen und fragen: “Hast du Hidden Figures schon gesehen?” “Nein.” “Okay, dann red ich erst wieder mit dir, wenn du ihn gesehen hast.”
 

.kinoticket-Empfehlung: GEHT!
REIN!
DA!
Ende der Diskussion!

 
Nachspann
auch hier kommt nochmals das epische Ausmaß zum Tragen, wenn all die echten Persönlichkeiten vorgestellt werden, die vom Spitzencast im Film deutlich und einprägend dargestellt wurden. Rennt also nicht sofort raus.

Die Bestimmung – Allegiant

Ich hab’s versprochen – hier ist sie: Die .kinoticket-Filmrezension zum dritten (und vorletzten) Teil der Bestimmung-Saga.
An diesem Beispiel kann man glorreich erkennen, was passiert, wenn im Trailer viel zu viel verraten wird. An dieser Stelle: Teasern! Lasst die Leute auf die Mauer zurennen und dann blendet ab! Lasst doch den Scheiß und zeigt schon im Trailer die markanten Stellen, um der Geschichte schließlich noch den letzten Rest von Interpretationswürde zu rauben, damit macht ihr den Kinogängern nämlich das Leben wirklich zur Hölle.
Wir reden wieder einmal von: Vorhersehbarkeit.
Nichts ist tödlicher für eine Geschichte, als wenn man deren Ausgang erahnen könnte und sich dann im Laufe der Zeit mit der vorhergesagten Vermutungsbewahrheitung anfeindet. Und genau das wird scheibchenweise bei Die Bestimmung – Allegiant getan.
Klar, das Werk erhebt sich technisch aus der Masse der Dinge und entspricht in seiner Machart locker dem, was man ein episches Finale nennen würde, jedoch gilt mein Lob hier vorwiegend wieder: Der Kulisse, dem Ton und der Kameraführung.
Dass diesmal dann tatsächlich auf 3D verzichtet wurde (kommt das noch?) lässt sich wohl nur dadurch erklären, dass im zweiten Teil die Leute so dermaßen angepisst waren, dass man den Aufschwung zur 3D-.kinoticket-Grenze wohl nicht mehr wagen wollte, um wieder mehr Leute in den Film zu kriegen, damit die Massenphänomen-Regeln erfüllt werden.
Und ohne sagenhaftes 3D – wir erinnern uns: das war in Teil 2 wirklich herausragend! – bleibt dann auf einmal nur die Story und der Gesamteindruck des Films. Und da beschleicht mich das Gefühl, dass ich dem Alter entwachsen und somit nicht mehr einfach angefixt werden kann, denn das Kino war zum Teil mit 13-14jährigen gefüllt, die ihre helle Freude an den Geschehnissen verkündeten.
Und als Kinderrevolution geht die Sache durchaus durch. Wenn man beabsichtigt, die Generation BRAVO hier zu begeistern, erfüllt man definitiv die gewünschten Kriterien und erntet Lob vom Wunschpublikum. Die Frage ist nur, was diese (Quad)-Trilogie dann von Panem unterscheidet, da hat der Käse nämlich auch für Erwachsene durchaus zumutbar funktioniert.
Die Schauspieler sind ungefähr gleich alt, die Welt ist ähnlich beschissen aufgeteilt, die Menschen werden ähnlich unterdrückt, es geht ebenfalls um nicht ausschließlich erwachsene Systemkritik und bei dem einen krachts gewaltig und endet furios, bei dem anderen gähnt man hinterher und spaziert gemütlich wieder von dannen.
What has happened?
 

.kinoticket-Empfehlung: Zusammenfassend würde ich sagen, dass man hier zwar einiges aus dem wirklich verpatzten zweiten Teil wieder gut gemacht hat, jedoch zu wenig Materie auf den Bordstein wirft, um die Menschen darauf auch nur annähernd zu erschüttern.
Stoff genügend hätte man, um hier etwas wirklich großes daraus entstehen zu lassen, doch damit hätte man sich dann wohl von der Kinderfraktion abgewendet und wäre publikumsleer ausgegangen. Und das soll ja nun nicht passieren.

 
Nachspann
Die Musik war gut – wirklich gut. Doch ob sich dafür das Warten auf den Schlussakkord lohnt, bleibt jedem selbst überlassen. Der Teaser für das endgültige Finale bleibt auf jeden Fall aus.

Die Bestimmung – Insurgent (3D)

Twilight, Tribute von Panem, Harry Potter, Rubinrot / Saphirblau / Smaragdgrün, Fifty Shades of Grey – scheinbar ist es zur Zeit grad in Mode, mehrteilige Buchreihen zu verfilmen. Die Bestimmung – Insurgent als zweiter Teil der “Die Bestimmung“-Reihe bildet da nur einen weiteren Baustein im Buchverfilmungsrausch, den Hollywood gerade abfeiert.

Da der Trailer in 3D sehr vielversprechend wirkte, organisierte ich mir den ersten Teil auf Blu-ray und sah ihn mir kurz vor dem Kinobesuch zum ersten Mal an… und war restlos begeistert und überrascht.

Die eigenständige Welt mit ihren völlig eigenen Regeln, die man hier aufstellte, toppte meiner Meinung nach sogar den Erfindungsgeist von Die Tribute von Panem, dessen Teile ich mir schon zu früherer Zeit gerne im Kino angesehen hatte. Die Idee, die Gesellschaft derart zu klassifizieren und die damit einhergehenden Probleme – gepaart mit der Charakterstudie eines jeden einzelnen Mitspielers und den neuen Ideen – ließ sicherlich nicht nur bei mir Lust auf mehr aufkommen, denn sonst wäre Teil 2 ja niemals entstanden.

Umso mehr freute ich mich darauf, die Fortsetzung von Divergent dann auf dem großen Display zu schauen und umso mehr wurde ich bitter bitter böse enttäuscht.

Alles, was ich an dem ersten Teil so großartig schätzte – das sich Zurechtfinden in der Gesellschaft, die Zerbrechlichkeit und gleichzeitig Stärke von Tris, vielleicht auch symbolisiert an ihren langen Haaren und der Weiblichkeit, die damit eingeht, die mysteriöse Aura um Eric und Four, die eine tiefgreifende Vergangenheit vermuten ließ, der man sich in fortsetzenden Teilen hätte widmen können – wie bei einem Sprung vom Hochhaus katastrophal in den Abgrund gestürzt.

Doch nicht nur die Veränderungen optischer Natur (auch, wenn man sich im ersten Teil manchmal gewünscht hätte, sie würde es tun), sondern gerade die geistig-verbale Komponente lassen hier nicht nur extrem nach, sondern sind quasi kaum vorhanden. Die Dialoge sind so billig, dass man meinen könnte, der Drehbuchautor hätte vor Beginn seiner Arbeit gekündigt und man hätte das dann verfilmt.

Ganz ehrlich – es zieht sich ewig, bis man offensichtliches dann endlich als Fakt auf der Leinwand präsentiert? Überraschungsmoment gleich Null. Die Story wurde so gehörig gegen die Wand gefahren, dass ich mir für den dritten (und hoffentlich letzten Teil, auch wenn ich in Zeiten von “das Ende verfilmen wir als Zweiteiler” nicht so wirklich dran glauben will) dann so richtig krachige Action und das Zugeständnis von fehlenden Spannungsbögen wünsche, so dass die Trilogy wenigstens wieder einigermaßen auf zwei Füßen steht, wenn auch hinkend.

Schade eigentlich, denn mit Divergent lieferte man Zündstoff erster Güte, aus dem man in den Fortsetzungen eine richtig fette Bombe hätte basteln können.

Vielleicht tue ich den Filmautoren hiermit auch unrecht, denn ich habe weder das eine, noch das andere Buch gelesen und weiß nicht, inwieweit ihnen hier die Hände aufgrund von Buchnähe gebunden waren. Für mich einfach nur enttäuschend.

Man nimmt vorhandenes, bastelt daraus eine Geschichte, die vor Logiklücken und Unlust nur so trieft und möchte damit einen weiteren Hit landen? Das Traurige daran ist, dass aufgrund der “Wir wollen wissen, wie es weiter geht”-Erfolgslinie der zweite Teil somit mehr oder weniger kapitalistisch zum Erfolg verdammt wird und somit ein dritter und womöglich vierter Teil nicht ausbleiben wird. Revolutionsgefühl kam bei mir definitiv nicht auf und wohlwollend umsorgt habe ich mich auch nicht gefühlt. Im Gegenteil. Der Blick zur Uhr versprach an manchen Szenen des Films dann doch ein Stück Hoffnung.

Positiv – und das meine ich an dieser Stelle tatsächlich ernst – war das Bühnenbild und die Kulisse. Hier erweckt man den Eindruck von Kaputtheit, Größe und dekadenter Eleganz, in der sich die ganze Sache abspielt und auch das 3D überzeugt an allen Enden. Selbst einfache Szenen sind wunderbar schmeichelnd umgesetzt. Sowohl Formen als auch Farben und Räumlichkeit kommen nicht nur gut zur Geltung, sondern überzeugen in allen Bereichen.

Das Problem ist nur: Die Charaktäre liefern nicht die Vorgeschichte dazu, um eine Existenzberechtigung für diese “kriegerische Zerschundenheit” zu liefern und dadurch wirkt das Handeln der Einzelnen eher lächerlich als überzeugend. Schade, denn daraus hätte wirklich etwas großes werden können.

.kinoticket-Empfehlung: Holt euch die Blu-ray vom ersten Teil und belasst es dabei.

Ich werde mir die Fortsetzung selbstverständlich “im Namen der Wissenschaft” reinziehen und euch hier im Blog berichten, ob sie sich lohnt oder man sich die folgenden Teile genauso stecken kann.

Dieser Film ist keine Sekunde wert, gesehen zu werden, wenn man auf die anfangs angefixte Story etwas gibt.

Nachspann
❌ Es wäre cool gewesen. Aber auch hier: Enttäuschend.

Kinostart: 19. März 2015

Original Title: Insurgent
Length: 119 Min.
Rated: FSK 12

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