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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Nina Meurisse

Champagner & Macarons

Champagner - Macarons
© 2018 Tiberius Film GmbH

 

Hinter diesem unscheinbaren Titel, der fast schon anmutend klingt, steckt ein Film mit sehr viel mehr Potenzial und Lachgarantie, als man im ersten Augenblick erwarten würde. Frankreich – berühmt für gut funktionierende und flächendeckend akzeptierte Komödien – stellt mit Agnès Jaoui eine neue Regisseurin auf den Plan, die ihr Ding mehr als solide meistert und erneut ein Stück abliefert, das sich in Insiderkreisen zum Lieblings-Hit mausern könnte.

Der Cast – bunt zusammengewürfelt – besteht aus den illustren Persönlichkeiten, die sich gemeinschaftlich eine urkomische, zynisch-bissige und überaus freudsame Blöße geben, deren einziger Zweck es ist, den Zuschauer zu belustigen und zu unterhalten und dabei ohne Schwere auch noch ein klein wenig Nachdenklichkeit in den Raum zu werfen, der den Hochgenuss dieser Komödie aber kein einziges Stück trübt.

Man braucht also keine Angst vor tiefsinnigen Trübseligkeiten zu haben, sondern darf sich beschwingt und munter auf die heitere Komödie stürzen und die Kinosäle bis zum Erbrechen füllen, denn das Ding hat es schlichtweg verdient, ein klein wenig finanziell erfolgreich zu sein.

Der Spaß deckt auch sämtliche Generationen ab: Vom jüngsten Spund bis zum ältesten Knacker – alles dabei und für jede Altersschiene die passenden Gags in der Tasche. Und dabei ist man von der jeweiligen “Gegenseite” kaum genervt, denn jeder Charakter macht auf seine Weise Spaß und erheitert das dunkle Gemüt .

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich also wieder mal eine sehenswerte französische Komödie geben möchte, ist mit diesem Titel bestens bedient.

Die Altersklassen sind allesamt abgedeckt, der dunkle Rausch ins Reich der trübseligen Finsternis bleibt aus und die Gags sind erste Sahne, da die Charaktere allesamt herrlich zusammengestellt und auf ihre Weise interessant und spaßig dargestellt werden.

Daumen hoch – hier lohnt es sich wieder mal, den kompletten Freundeskreis zusammenzutrommeln und gemeinschaftlich ins Kino zu gehen!

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abzusitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 18. Oktober 2018

Original Title: Place Publique
Length: 98 Min.
Rate: FSK 6

Ein Leben

Ein Leben stellt einen im Kino vor ungeahnte Herausforderungen, da sich der Titel gänzlich von allen Elementen der Unterhaltung verabschiedet, die ein Stück im Wesentlichen für den Zuschauer optisch oder akustisch interessant machen.
Das ist keineswegs gleichbedeutend mit “Das kann man nicht ansehen”, sondern eröffnet nur mehr eine Welt, wie sie lange nicht auf dem Big Screen zu sehen war: Man wird aus den Fängen eines Buches in das Leben einer Frau entführt und erlebt eine illustre Reise, die sich den prinzipiellen Methodiken bedient, hier aber keine Augenwischerei betreibt, sondern den wahren Kern des Seins in einer absolut eigenständigen und einzigartigen Weise ergründet.
Hierfür muss der Kinogast in gewissem Maße vor den Latz getreten werden, weil der sich sonst in seiner Angewohnheit wieder der Vergleiche und Erwartungen bedient, an die ihn das Kino in den letzten Jahren permanent gewöhnt hat. Damit dies nicht passiert, hat Regisseur Stéphane Brizé gleich mehrere Elemente vollkommen verändert: Man hat das Bildformat zusammengestaucht und dem Zuschauer den modernen 16:9 Cinema-Standard entrissen und sämtliche Darsteller jedweder Kostümavancen beraubt, so dass keiner auf die Idee kommen könnte, hieraus wieder das Stoff-Fest zu machen, das in Hollywood allseits so gern gesehen ist.
Zugegeben: Anfangs ist das wirklich richtig schwer, sich darauf einzulassen und die scheinbar harte Realität zu akzeptieren, was da gerade auf einen niedergeht, mit der Zeit entwickelt man aber genügend Gespür und Mitgefühl und merkt, dass hier doch eine wunderschöne Geschichte erzählt wird, die vor allem durch eines glänzt: Zeitlosigkeit.
Und damit nicht genug: Da es sich um eine Buchverfilmung handelt und ich jetzt schon die Leseratten wieder heimlich aufstöhnen höre: Auch für euch ist der Besuch eines Lichtspieltheaters sehr wohl interessant, da in einer Geschichte um Aufrichtigkeit natürlich auch das Schöpferische hinter den Kulissen diesen ethischen Ansprüchen gerecht werden will. Natürlich muss man Dinge aus Büchern dem Geschehen auf der Leinwand immer ein wenig anpassen, jedoch hat man sich hier eine in meinen Augen sehr kluge Taktik überlegt: Man erzählt es einfach aus einer anderen Perspektive und belässt die Geschehnisse ansonsten bei denen, die im Buch auch vorkommen.
Somit sei – ob der trockenen Methodik – trotzdem Erzählspaß für alle garantiert, die sich solchen Werken familiär fühlen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer auf die übliche Unterhaltung steht und mit neuen Filmmethoden nichts anfangen kann, sollte hierum einen großen Bogen machen.
Diejenigen, denen Kino in den letzten Jahren viel zu entertainmentlastig und abgeflacht war, finden hier eine wahre Goldgrube, die die Meister großartiger Filme jetzt schon abfeiern.
Der Film braucht Zeit, um beim Zuschauer etwas zu reifen und entfaltet dann eine großartige Wirkung, die in ihrer Zeitlosigkeit einzigartig ist!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, es folgt nichts mehr.
Kinostart: 24. Mai 2018

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