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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Neustart

M/M


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Willkommen in einer Nische des schwulen Gay-Cinema bei einem Film, der gleichermaßen fasziniert wie verstört.

Da dies das pure Genre-Kino ist, sollte man sich darüber im Klaren sein, um was es hier geht und welche Bilder man evtl. zu erwarten hat. Die hochchristliche, konservativ-kirchliche Lektüre dürft ihr also allesamt beiseite legen und ich will keine Beschwerden hören von wegen “Oh mein Gott” … dieser Film ist genau für diese Zielgruppe erschaffen worden und alle anderen halten einfach den Rand.

Soviel mal zum Thema “Toleranz und Integration”.

Bewegen wir uns jetzt innerhalb des Gay-Kinos, dann begeistert dieser Film zum einen mit einem unfassbar non-mainstreamigen Soundtrack, der mal nicht in die Porno-Klischeekiste passt, sondern tatsächlich so gerne in verschiedenen Locations laufen darf, wo ich mich liebend gern dazu gesellen würde. Der Beat rockt.

Zum anderen wird man hier verwöhnt mit stilistischen Bildern und optischen Reizen (Nein, ich meine nicht die Männer!), die an und für sich eine absolute Augenweide sind und auch wiederum nicht in die übliche “Gay-Klischee-Box” passen, sondern aus dem Metier etwas herausstechen. Und wer für diesen Typus Mann noch etwas abgewinnen kann, der bekommt Bonus-Views oben drauf. 😉

Dennoch verstört dieser Film, da die Art des Themas und die Umsetzung zum einen sehr schwer begreifbar ist, sofern man sich nicht vorher mit dem Inhalt in Textform befasst hat, und zum anderen das Ding einfach … naja, merkwürdig ist. Seltsam, seltsame Wendungen, seltsamer Ausgang, nach dem man aber (dank des Soundtracks und der Optik) nicht enttäuscht ist, da dieser Streifen definitiv eine Kinoerfahrung wert ist, die ihr seit dem 26. Oktober 2018 allesamt im Heimkino nacherleben dürft.

Warum ich das erst heute poste? Neben ein zwei Festivals (u.a. Porn-Festival), wo der Film gezeigt wurde, sind mir keine Kinos bekannt geworden, die den Film tatsächlich ins reguläre Programm geschmissen hätten, also hab ich gewartet, bis er auf DVD erscheint.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz klares Gay-Kino mit berauschend gutem Soundtrack und toller Optik – auch die Auswahl an Darstellern wirkt überzeugend.

Der Plot verwirrt, lässt teilweise Fragen offen und mutet insgesamt seltsam an, den Film deshalb aber nicht zu sehen, empfände ich als falsche Entscheidung. Gönnt ihn euch, sofern ihr mit “Männersex” klar kommt.

 

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Heim-Kinostart: 26. Oktober 2018

Original Title: M/M
Length: 81 Min.
Rate: FSK 16

Ein Dorf sieht schwarz

Ich muss langsam aufpassen, dass ich nicht doch damit anfange, hier und da zu spoilern, auch wenn das beim Titel eh schon fast auf der Hand liegt, worum es bei diesem Film gehen könnte. Politisch gesehen trifft man auf jeden Fall den Zahn der Zeit und schlägt damit komplett auf die Zwölf.
Dass das auch ohne moralische Predigten und vorgehaltenen Zeigefinger funktioniert, beweist Regisseur Julien Rambaldi mit seinem neuesten französischen Hit Ein Dorf sieht schwarz derzeit aktuell auf der Leinwand. Die beschwingte Fröhlichkeit des französischen Comedy-Kinos trifft auf die heitere Abwechslung in der Culture-Clash-Komödie mit tragischen Elementen, die das Bild einer nicht erwachsen gewordenen Gesellschaft abzeichnet, die sich im Laufe der Zeit kaum gewandelt hat, obwohl um sie herum doch irgendwie alles anders geworden zu sein scheint.
Dass die Franzosen witzige Filme hinkriegen, weiß man schon längst. Dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht und das Leben oftmals die besten Geschichten schreibt, ist auch kein Geheimnis mehr. Vereint man dann beides auf der Leinwand, bekommt man ein rührendes Erlebnis, das weder im Schmalz noch in irgendwelchen Fettnäpfchen verunstaltet wird und dabei die zu Herzen gehende Geschichte einer Familie beschreibt, die auch in diesem Jahrzehnt wieder politische Relevanz in sich trägt.
Dabei versucht man nicht, einen weltumspannenden Hit zu generieren, der mit immer weiter reichenden Gags das Publikum erobert, sondern bewegt sich kaum aus der Wohnzimmerwohlfühlarea hinaus und baut eher im heimischen Stil den Charme rund um den Zuschauer selbst auf. Das Konstrukt erhebt sich am Ende zu einem wunderbaren Gesamteindruck und hinterlässt einen zutiefst emotionalen, herzergreifenden Moment.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichts für einen bombastischen Kinoabend, sondern eher für die gemütlichen Stunden zu zweit abends im Bett – wer dafür den Kinosaal bevorzugt, sollte sich eher in ein Independent-Lichtspielhaus verkrümeln, denn dort ist dieser Film bestens aufgehoben und erhält die ihm zustehende Würdigung.

 
Nachspann
kommt außer dem üblichen Abspann keiner mehr, man darf also raus rennen, sobald es dunkel wird.

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