.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Nazi

Der Trafikant

Der Trafikant
© 2018 TOBIS Film GmbH

 

Der Trafikant entfesselt eine Coming-of-Age-Erzählung, wie sie wahrhaftig im Buche steht: Lange hatten wir keine erfolgreiche und überzeugende Buchverfilmung mehr, die gleich von Anfang an in ihren Bann zog und den Zuschauer ins Geschehen gefesselt hat.

Klar, bei Bruno Ganz auf der Darstellerliste ist manch einer sofort davon überzeugt, dass es etwas werden muss, jedoch passen Ausstattung, Kostüme, Stadtbild, Historie und Dekor hier dermaßen in die Vorstellung, dass nicht mehr zu unterscheiden ist, was Fiktion und was womöglich Realität ist.

Ich liebe so etwas – wenn man richtig tief in eine fremde Welt abtauchen und sich darin ausschmückende, blütenreiche Stories erzählen lassen kann und man für zwei Stunden vergisst, wo man eigentlich ist und was man hier eigentlich grade macht.

Der Trafikant schafft genau das. Auch wenn die Buch-Kenner vermutlich wieder vor den Latz gestoßen werden (ich habe es nicht gelesen), weil man immer versucht, denen, die eine Geschichte bereits kennen, auch etwas anderes und neues zu liefern und manch einer sich in seiner Fantasie womöglich beschnitten sieht: Das Gesamtpaket stimmt und überzeugt nicht zuletzt durch das Schauspiel eines jeden Einzelnen: Man kommt wieder aus dem Saal, möchte sich auch als Nichtraucher eine Zigarre anstecken, seinen Nebenmann/-frau ansehen und sich gegenseitig zustimmen: Das war mal wieder ein richtig guter Streifen!

Auch wenn die Plot-Elemente auf altbekannten Mustern basieren: Das Erfolgsrezept geht hier einfach auf und berührt auf magische Weise die Herzen der Menschen.

Mehr davon!

 

.kinoticket-Empfehlung: Ländliche, herzergreifende Coming-of-Age-Story, die nicht nur mit Plot, sondern auch mit Darstellern, Ausstattung, Set-Design und dem Rest vollkommen überzeugt.

Der Tauchgang in diese fremde Welt ist unheimlich spannend inszeniert, man ist gefesselt und fühlt sich erstklassig unterhalten. Wer immer schon mal eine tolle Story auf der Leinwand sehen wollte: Hier ist die Chance dazu – ergreift sie!

 

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Szenen, aufstehen erlaubt! 🙂

Kinostart: 1. November 2018

Original Title: Der Trafikant
Length: 114 Min.
Rate: FSK 12

Zeit für Legenden

Bei der dieswöchentlichen Sneak Preview haben wir wieder mal ein klassisches Beispiel verloren gegangener Übersetzertiefgründigkeit, denn der Film heißt im Original Race, was gleichbedeutend mit dem Rennen als auch der Rasse ist.
Beides wird im Film thematisiert anhand eines vergangenen Beispiels, das zurück in unliebsame Jahrzehnte unserer Geschichte wirft und Dinge beleuchtet, die demnächst wohl noch öfters das Filmlicht der Welt erblicken dürften.
Stephan James und Jason Sudeikis geben hier ein Hauptdarstellerpärchen ab, das sich auf vorzügliche Weise den Dialogball zuspielt und somit hochkarätig unterhält. Überhaupt stellt das Werk eine besondere Form von geschichtlicher Aufarbeitung dar, das Phasen unserer Zeitgeschichte beleuchtet, die aktuell immer noch nicht ausgestanden sind und offensichtlich noch weiterer Zuwendung bedürfen.
Dass mit dem Thema so offen umgegangen werden kann, liegt wohl auch an den herausragenden Leistungen der farbigen Mitspieler, die allesamt im Film mehr als überzeugende Arbeit abliefern und somit auf voller Länge begeistern.
Nicht nur die ausführliche Beleuchtung der privaten Umstände, sondern auch die unliebsame Verflochtenheit von Politik und Sport wird hier offen diskutiert und unterschiedlich angegangen. Dass die Umstände in den Jahren, die im Film thematisiert werden, noch wesentlich einfacher waren, als das heute der Fall ist, macht die Gesamtlage nicht weniger verzwickt.
Alles in allem ist Zeit für Legenden ein Film, der ein wunderbares Biopic eines Sportlers liefert, den unsere Generationen sicherlich noch nicht mal kennen dürften, der jedoch eine maßgebliche Geschichte zu erzählen hat, die auch heute noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat – wenn auch auf etwas andere Art und Weise.
 

.kinoticket-Empfehlung: Im Vergleich zum üblichen CGI-Geschrei bietet dieser Film eine Plattform für Nachdenklichkeit, Humanität, Sportlichkeit und Ehrgefühl und liefert damit vier Gründe, weshalb man sich das Machwerk anschauen sollte.
Es werden nicht nur Ungerechtigkeiten vergangener Tage thematisiert, sondern auch Themen diskutiert, die auch heute höchst aktuell sind und ins Gewissen vieler eingebracht werden sollten.
Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank weg top und die Kulisse und das Bühnenbild runden den Look ab, der authentisch wirkt und somit ein solides Grundgerüst für eine wichtige Lektion im Leben liefert, die dieser Film in aller Deutlichkeit aufzeigt.

 
Nachspann
kommt nichts mehr, was von Bedeutung wäre – man darf den Saal also guten Gewissens verlassen.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén