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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Natalie Portman

Jackie

Jackie zählt sich zu den Filmen, die eine politische Persönlichkeit in den Vordergrund stellen und somit über Ereignisse berichten möchten, die von den Medien bereits zu den aktuellen Momenten bis aufs Äußerste von allen möglichen Seiten beleuchtet wurden. Hier Spannung aufbauen zu wollen oder eine reißende Geschichte zu inszenieren, wäre von vornherein die falsche Herangehensweise. Das macht es dem Regisseur und allen Beteiligten zusätzlich schwer, einen Film abzuliefern, der im Kino fruchtet und den Zuschauer überzeugt.
Dass Jackie beides auf seine Weise beherrscht, inkludiert bereits das Poster des Films, auch wenn ich mich persönlich sehr schwer damit getan habe. Über den Inhalt braucht man nicht viel verlieren, den kennt jeder Mensch in den hintersten Winkeln bereits in und auswendig. Demnach entscheidet viel mehr das sensitive Sein um die Fakten drumrum, die aus dem Film eine lebendige Seele kitzeln wollen und mit selbiger den Zuschauer erreichen.
Pablo Larrain hat sich hierbei für eine Methode entschieden, die oft zwischen den Zeiträumen hin und her wechselt und somit der Erzählung insgesamt einen eher dokumentarischen Touch verpasst, den man z.B. aus Gimme Danger oder Amy kennt. Ob dies nun der richtige Weg gewesen ist, vermag ich an dieser Stelle zu bezweifeln, denn nicht nur ich hätte mir viel mehr eine chronologischere Abfolge gewünscht, wie wir sie beispielsweise bereits bei Die Eiserne Lady bekommen haben.
Natalie Portman hat auf jeden Fall alle benötigten Fähigkeiten dazu, um diesen Film auch in dieser abgeschnittenen Weise durchweg zu tragen und durch ihre unglaubliche Performance das Leben dieser Frau in allen Facetten zu zeigen. Und ich bin mir sicher, dass dies auch in einer viel softeren, chronologischen und vor allem emotionaleren Version funktioniert hätte.
Man mag sich darüber streiten, ob die Stilmittel des Regisseurs nun gleichzeitig das Bild dieser Frau widerspiegeln und man mit dem Einsatz der Musik ihre Gefühlslage portraitiert, die den Zuschauer gleichermaßen immer dann wieder aus dem Konzept reißt, wenn dieser anfängt, sich langsam mit der Story anzufreunden und der ganzen Sache Sympathie abzugewinnen.
Nicht nur deshalb hab ich mich unglaublich schwer damit getan, in diese Story einzutauchen und empfand es eher als extrem trockene Kost, die schwer verdaulich ist – allerdings auch ein emotional schwer verkraftbares Ereignis ausleuchtet und die innere Zerrissenheit dieser Frau aufzeigen möchte.
Mit Sicherheit findet der Film seine dankbaren Abnehmer und landet in politisch interessierten Kreisen auf den Rankings weit oben, nicht zuletzt wegen Portmans Darbietungen, allerdings sollte man sich beim Schauen immer dessen bewusst sein, dass das hier ein Drama und kein Freudenfeuer ist und man eine zutiefst erschütternde Story aufgerollt bekommt, die aus einer Warte heraus beleuchtet wird, die bislang nicht die erste Wahl der Berichterstattung gewesen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unglaublich harte, teils trockene Kost in einem Genre, dass sowieso kaum Emotionen zulässt und es darum auf dem allgemeinen Markt extrem schwer haben wird.
Wer sich speziell für Politiker interessiert, bekommt hier natürlich einen heißen Braten vorgesetzt, der historisch-wichtige Ereignisse wunderbar umreißt, jedoch hat mir persönlich die gewählte Art der Erzählung kaum zugesagt und eher Entsetzen abgerungen als emotionale Sympathie mit den Menschen aufgebaut, um die es ging.
Man sollte sich definitiv vorab informieren und evtl. auch Filmausschnitte gesehen haben, damit man am Schluss nicht enttäuscht von dannen zieht.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, nach der Abblende darf man sich also wieder nach draußen verziehen.
Kinostart: 26. Januar 2017

Stolz und Vorurteil & Zombies

Der Titel an sich ist ja bereits eine wunderbare Persiflage über die allseits aufkommenden Zombiefilme, die gerade ein Revival feiern, dass derartig überhand nimmt, dass man es bald nicht mehr sehen kann.
Dass nun überall einfach noch Zombies dazu kommen, gepaart mit dem Original Stolz und Vorurteil macht hier im Saal mal richtig Laune auf hohem Niveau. Das wunderbare Arrangement zwischen Romantik und Töten wurde hier so gekonnt ineinander verflochten, dass die Balance auf beiden Seiten immer gewahrt bleibt und keiner von beiden Interessenten zu jedweder Sekunde im Film enttäuscht von dannen ziehen muss: Sowohl Damen als auch Herren haben hier einen höllischen Spaß und können das Werk abfeiern, ohne dabei argwöhnisch die Augen zu verdrehen, wenn man mit Freundin wieder einer ihrer Schnulzen schauen respektive mit ihm wieder einer seiner brutalen Blutfilme durchleiden muss.
Wie die Herrschaften es gepackt haben, derart unterschiedliche Genres in ein einziges zu verwandeln und dann auch noch eine so gute Geschichte darum zu basteln, dass das Patchwork-Filmwerk als Alleinstellungsmerkmal dastehen lässt, ist mir bis heute ein Rätsel. Tatsache ist: Dieses unglaubliche Experiment funktioniert – und zwar erstaunlich gut. Es macht Spaß, den Helden bei ihrer Arbeit zuzusehen und in der Traumwelt der Romantik einzutauchen, während rund um einen rum einfach alles einstürzt.
Selten habe ich bei einer so ernsten Angelegenheit so viel Spaß im Kino erlebt und erst recht nicht nach dem Abspann so über das Nachfolgende so laut gelacht, wie hier: Wer sich mal etwas völlig Abwegiges anschauen möchte, einen einigermaßen harten Magen hat und im allerbesten Fall noch das Original kennt, der kommt hier richtig auf seine Kosten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Titel holt hier beide schon von ihren Plätzen ab: Leute, die Romantik mögen und Menschen, die solche Filme überhaupt nicht abkönnen.
Das Kunstwerk zu vollziehen, hier beide Klientel friedliebend im Kino nebeneinander vergnügt zu sehen, ist den Machern hier ausgesprochen gut gelungen. Hoffen wir, dass die restlichen Bücher dieser Reihe auch noch verfilmt werden, denn auf diesen Klamauk hätte ich ehrlich riesig Bock.

 
Nachspann
Sitzen bleiben … geiler kann ein Film kaum enden 😉

Jane Got A Gun

Am Anfang rauchts schmachvoll richtung Überstands-Western aus den Colts. Doch sind wir mal ehrlich: Was genau kennt man denn heutzutage alles noch, das in Richtung Western ausgelegt ist?
Bud Spencer – also der Blödel-Western mit Haudrauf-Garantie und dem alles durch den Kakao ziehenden Einschlag humoristischer Kunst mit Colts und Flatterbändern an den Ärmeln. Und Quentin Tarantino. Der uns immer wieder mit seiner durchschlagenden Verbalkraft und den aneinandergereihten Eigenarten Filme verkauft, die dafür sorgen, dass man nichts versteht und eben jenen Fakt denen vorhält, die seine Filme kritisieren.
Als wäre der Umstand, dass etwas mal augenscheinlich keinen Sinn ergibt (und damit einem erwähnenswerten Kultfaktor Daeinsberechtigung verschafft) geradezu darauf ausgerichtet, genial zu sein. Es kann auch einfach mal der Griff ins Klo werden.
Und eben jene Befürchtung hat man, wenn die ersten 5-10 Minuten des Films über die Leinwand flimmern. Die erhabene Eleganz einer offensichtlichen Nicht-Verblödung der Hauptdarsteller, kein Aufrauschen komischer Artefakte im Spiel um den Sieg und dazu auch keine lustvoll triefende, romantische Story, die im güldenen Sonnenschein zu einem huldvollen Stück irrationaler Liebesschnulze verkommt.
Im Gegenteil: Die Integration der Frau findet ihren Höhepunkt auf der Leinwand und lässt das männliche Geschlecht blöd dastehen. Dazu paart sich im Laufe der Zeit eine sehr tiefgreifende Story mit Elementen, die – transferiert in den modernen Alltag – einem jeden begegnen können. Als Zuschauer keimt geradezu der Wunsch nach so einer Frau im Hause auf. Natalie Portman macht ihre Sache hier wirklich grandios und behält sich dabei auch stets im Griff, um nicht doch wieder in einen Liebesroman abzurutschen.
Selten hab ich erlebt, dass man sich für eine Geschichte derart viel Ruhe und Zeit nimmt. Das Ganze trägt sich die komplette Spielzeit hindurch, als gäbe es kein Morgen. Allein beim Anschauen der Blätter im Wind, die Zurückgezogenheit in der Wüste, das Am Rande der Welt sein-Gefühl begleitet einen ständig und lässt die Story weit weit zurück in der Zeit reisen, wo alles noch irgendwo normal erschien verglichen mit den Abstrusitäten der heutigen Welt.
Probleme werden auf das Offensichtliche runtergebrochen, Hilfe sucht man eben nicht beim Gesetz oder den Richtern, sondern nimmt die Dinge auf beherzte Weise selbst in die Hand und entfesselt damit einen Reigen emotionaler Erfahrungen, die nicht nur die Gegenspieler auf der Leinwand hart treffen.
Und dieser Ernst, mit dem das alles angegangen wird, heilt viele filmische Wunden der Vergangenheit. Es muss mal keine Comedy sein. Es muss keine herzzerreißende Geschichte erzählt werden, die mit den RTL-Tränendrüsen spielt und die Zuschauer an den Rand des Empfindsam-Möglichen treibt. Und selbst die Größe eines bahnbrechenden Blockbusters greift man schon während der Mache gar nicht erst auf.
Man ist klein, besinnt sich auf das Wesentliche und hält alles ganz einfach – und dabei so prächtig professionell, dass der Slogan Großes Kino wie die Faust aufs Auge passt. Gerade zwischen monumentalen Werken wie Star Wars – Episode VII – Das Erwachen der Macht oder wirtschaftlichen Totschlägern wie James Bond: 007 – Spectre gibt sich dieser Film hier auf eine Weise die Ehre, die für sich schon wieder als ehrbar zu bezeichnen wäre.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es tut so wahnsinnig gut, mal einen ernstzunehmenden Film zu erleben, der sich im Bereich klischeehafter Genres einnistet, diese dabei aber nicht bedient.
Kaum zu glauben, dass im Jahr 2015 Western gedreht werden, die auf der Leinwand wirklich zünden und dabei auf keine Machart zurückgreifen, die man aus längst vergangenen Jahrzehnten bereits kennt.
Ich wage fast, zu behaupten, dies wäre der erste und einzige anständige Western, den ich in meinem Leben jemals gesehen habe (wenn man vom üblichen Spiel mir das Lied vom Tod einmal absieht). Die erfrischende Ernsthaftigkeit und das überaus genussvolle Maß an Ruhe und Zeit, die einem hier als Zuschauer gegeben wird, ist für mich ein wahres Geschenk.

 
Nachspann
kommt keiner mehr. Beim Anbruch der Textzeilen am Schluss darf man sich also getrost wieder in die Wirklichkeit aufmachen. Der Trip in die Vergangenheit bleibt trotzdem cool.

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